Europäische Union

2001/684/EG: Entscheidung der Kommission vom 3. Mai 2000 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.1671 — Dow Chemical/Union Carbide) (Text von Bedeutung für den EWR.) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2000) 1304)

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Quellenkennung: 32001D0684. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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Der Zusammenschluss gibt Dow außerdem die Möglichkeit, die kostengünstigen Basisprodukte von UCC über die eigenen Vertriebskanäle weltweit anzubieten. Der Gesamtumsatz von UCC belief sich 1998 in Westeuropa auf [...]*. (50) Dow bietet im EWR PE-LD, C8-PE-LLD und PE-HD an, die in drei Betrieben in Europa produziert werden. C4-PE-LLD und C6-PE-LLD wird von Dow nicht angeboten. Der Gesamtumsatz von Dow bei PE-Harzen belief sich in Westeuropa 1998 auf [...]*. (51) 1995 vereinbarten UCC und Enichem(15) die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens Polimeri(16), an dem die Gründer zu gleichen Teilen beteiligt sind. Das Unternehmen Polimeri, das PE-Harze herstellt und vertreibt, wurde in der Absicht gegründet, Polyethylen und Olefine für den europäischen Markt zu entwickeln, zu produzieren und zu vermarkten. Das Unternehmen, das Ethylen (den Ausgangsmonomer für die Herstellung von Polyethylen) produziert, weist eine Gesamtproduktionskapazität von jährlich [...]* t auf. Zu Polimeri gehören zwei Tochtergesellschaften in Frankreich und Deutschland (Polimeri Europa France S.A. und Polimeri Europa GmbH). i) PE-Harze insgesamt (52) Den Parteien zufolge beträgt ihr wertmäßiger Anteil am Gesamtmarkt für PE-Harze in Westeuropa [20-30 %]* (Polimeri eingeschlossen). Der Zusammenschluss führt nach Auffassung der Parteien weder zur Begründung noch zur Verstärkung einer beherrschenden Stellung bei PE-Harzen. Wie sich die Marktanteile auf den diversen vorstehend erörterten Produktmärkten verteilen, ist nachstehender Tabelle zu entnehmen. >PLATZ FÜR EINE TABELLE> ii) PE-HD (53) In Bezug auf PE-HD ist der Zusammenschluss wettbewerbsrechtlich unbedenklich, da die Parteien nur geringe Marktanteile auf sich vereinigen und die übrigen Wettbewerber stark genug sind. iii) PE-LD, C4-PE-LLD und C6-PE-LLD (54) Dow bietet in Westeuropa weder C4-PE-LLD noch C6-PE-LLD an. Diese Produkte können nicht durch die von Dow angewandte Lösungspolymerisation hergestellt werden. Bilden C4-PE-LLD und C6-PE-LLD einen Teilmarkt, dann bestuenden zwischen den Parteien auf diesem Markt, auf dem sie einen Marktanteil von [20-30 %]* erreichen würden, keine horizontalen Überschneidungen. Der Marktanteil der Parteien läge bei [20-30 %]*, wenn PE-LD, C4-PE-LLD und C6-PE-LLD einem einzigen Markt zugeordnet würden. Würde PE-LD einen eigenen Markt bilden, so würden die Parteien nur einen Marktanteil von [15-25 %]* erreichen. Auf jedem dieser Märkte sind ausreichend starke Wettbewerber vertreten. Für die wettbewerbsrechtliche Beurteilung ist es daher unerheblich, ob PE-LD, C4-PE-LLD und C6-PE-LLD zusammen einen einzigen Markt bilden oder ob PE-LD einen von C4-PE-LLD und C6-PE-LLD getrennten Markt bildet. Bei all diesen möglichen Marktdefinitionen ist der Zusammenschluss wettbewerbsrechtlich unbedenklich. iv) C8-PE-LLD (55) UCC trägt durch ihr Gemeinschaftsunternehmen Polimeri mit [< 10 %]* zu Dows Marktanteil bei. Dows Marktanteil ist mit [70-80 %]* bereits extrem hoch. (56) Den Parteien zufolge sind auf dem Markt für PE-Harze im Allgemeinen starke Wettbewerber wie DSM, Elenac, Exxon, BP, Petrofina und Solvay vertreten. Außerdem sei der Markt für PE-Harze, so die Parteien, generell durch Preiswettbewerb, große multinationale Abnehmer, niedrige Marktzutrittsschranken und durch ohne weiteres verfügbare Lizenzen für Produktionstechnologien gekennzeichnet. Es wird damit gerechnet, dass die bestehenden Produktionskapazitäten in nächster Zeit ausgebaut und neue Kapazitäten geschaffen werden. (57) Dow gehört zu den größten Herstellern von C8-PE-LLD und verfügt über einen wertmäßigen Marktanteil von schätzungsweise [70-80 %]* in Westeuropa. C8-PE-LLD-Harze werden auch von Polimeri (Marktanteil [< 10 %]* hergestellt(17). Damit beträgt der gemeinsame Marktanteil der Parteien [75-85 %]*, d. h. mindestens [viermal]* mehr als der Marktanteil des einzigen anderen nennenswerten Wettbewerbers DSM. 1998 betrugen die Produktionskapazitäten(18) der Parteien mindestens das Sechsfache der Kapazitäten von DSM, wobei die Ist-Produktion der Parteien mindestens das Fünffache der Produktion von DSM ausmachte. Die Einfuhren von C8-PE-LLD waren mit [...]* kt (d. h. weniger als 1 % des gesamten westeuropäischen C8-PE-LLD-Markts) ohne Bedeutung. (58) C8-PE-LLD wird in Lösung in Kombination entweder mit einem Zeigler-Natta-Katalysator oder einem "single-site"-Katalysator hergestellt. Dow verfügt über ein eigenes Lösungspolymerisationsverfahren (Dowlex) und hat dafür entsprechende Katalysatoren (sowohl herkömmliche als auch "single-site"-Katalysatoren) entwickelt. Wie bereits erwähnt, wird die Lösungspolymerisation zur Herstellung von C8-PE-LLD in Westeuropa nur von DSM und Polimeri eingesetzt. v) Potenzieller Wettbewerb (59) Was den potenziellen Wettbewerb anbelangt, so wurde von den Parteien auf die im Nahen Osten entstehenden PE-Kapazitäten hingewiesen. Diese neuen Fabriken verfügen nach Angaben der Parteien über große Produktionskapazitäten, und es wird damit gerechnet, dass ein erheblicher Teil der Produktion nach Europa exportiert wird. Nach Auffassung der Parteien würde sich der Wettbewerb auf den westeuropäischen Märkten hierdurch deutlich verstärken und den PE-LLD-Anteil der Parteien deutlich reduzieren. Demgegenüber wenden einige Wettbewerber ein, dass die derzeitigen Importe aus dem Nahen Osten hauptsächlich C4-PE-LLD betreffen. Dies wurde von den Parteien in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte auch nicht bestritten. Die Einfuhren von C8-PE-LLD in Westeuropa fielen jedenfalls mit [...]* t, d. h. weniger als 1 % des gesamten westeuropäischen C8-PE-LLD-Markts, nicht ins Gewicht. (60) Was die künftige Entwicklung der Märkte für PE-LLD-Harze anbelangt, so wiesen die Parteien auf den von zwei ihrer westeuropäischen Wettbewerber DSM und BP Amoco geplanten Kapazitätsausbau ihrer Gasphasenanlagen hin. Nach Ansicht der Parteien wird sich der Ausbau der Gasphasenkapazität bei den Wettbewerbern vor allem auf die Position von UCC (Polimeri) bei C4- und C6-PE-LLD auswirken. Die Marktposition der Parteien wird sich dadurch nach Auffassung der Kommission bei C8-PE-LLD jedoch nicht verändern, da C8-PE-LLD nur in Lösung hergestellt werden kann. (61) Die Parteien weisen darauf hin, dass auf dem Markt für PE-Harze im Allgemeinen niedrige Zutrittsschranken bestehen. Dies gilt nach Ansicht der Kommission nicht für C8-PE-LLD, da potenzielle Wettbewerber, die nicht bereits PE-LLD-Harze herstellen, nicht nur die für die Finanzierung der Produktionsanlagen notwendigen erheblichen Mittel aufbringen, sondern in unterschiedlichem Maß je nach ihrer Stellung auf den Petrochemiemärkten auch den Zugang zu den Rohstoff- und Absatzmärkten sichern müssen. Lediglich Dow, Polimeri und DMS, die zusammen nur eine geringe Menge der PE-LLD Produktion bereitstellen, verfügen über Lösungspolymerisationsanlagen. Diese aber sind für die Herstellung von C8-PE-LLD zwingend erforderlich. Andere potenzielle Wettbewerber könnten deshalb nur unter erheblichem Kapital- und Zeitaufwand auf dem C8-PE-LLD-Markt aktiv werden. (62) Die Branche geht allgemein davon aus, dass in Zukunft Harze, die unter Einsatz von Metallocenen hergestellt worden sind, eine große Rolle spielen werden (vgl. Abschnitt über PE-Technologie). Dies ist darauf zurückzuführen, dass Metallocen-Katalysatoren dem Hersteller mehr Möglichkeiten bieten, Einfluss auf die Eigenschaften der Harze zu nehmen und Kundenspezifikationen stärker zu berücksichtigen. (63) Die in der Gasphase mit Metallocenen hergestellten Produkte (C4-m-PE-LLD und C6-m-PE-LLD) bieten nach Feststellung der Kommission nicht dieselbe Leistung bei Stretchanwendungen wie das im Lösungsverfahren von Dow hergestellte C8-PE-LLD (oder das mit Metallocen hergestellte C8-PE-LLD). (64) Einige Wettbewerber haben darauf hingewiesen, dass die Entwicklung von C6-PE-LLD die Herstellung von C6-m-PE-LLD-Harzen mit ähnlichen Eigenschaften wie das herkömmliche C8-PE-LLD ermöglicht hat. Ihrer Ansicht nach könnte C6-m-PE-LLD in zwei oder drei Jahren dem Standard-C8-PE-LLD bei Produkten wie Stretchfolien den Rang ablaufen. C6-m-PE-LLD wird derzeit in sehr begrenzten Mengen für den Markt hergestellt. Von C6-m-PE-LLD kann unter diesen Voraussetzungen daher kein nennenswerter Druck auf die Wettbewerbsposition des fusionierten Unternehmens bei C8-PE-LLD ausgehen. vi) Nachfragemacht (65) Großabnehmer verlangen von den Anbietern Preisermäßigungen, um ihre eigenen Kosten pro m2 Folie zu senken. Dies gilt für Verpackungsproduzenten, welche ihrerseits unter Druck der Endverbraucher für Verpackungsmaterial stehen. Außerdem sind sie stets an einer Verringerung der Dicke von Verpackungsfolien interessiert, da sich hierdurch die Umweltabgaben verringern, die auf Verpackungsmaterial (je Gramm) erhoben werden. Wie bereits erwähnt, lässt sich eine Verringerung der Foliendicke mit fortgeschrittenem PE-LLD wie Superhexen oder C8-PE-LLD erreichen. (66) Auch wenn diese Großabnehmer gegenüber den Parteien über eine gewisse Verhandlungsmacht verfügen, so drängen sie den Markt doch in Richtung auf die leistungsstarken PE-LLD-Harze. Bei diesen Produkten wird durch den Zusammenschluss somit eine beherrschende Stellung verstärkt. D. SCHLUSSFOLGERUNG ZU DEN PE-HARZEN (67) Aus den vorstehenden Ausführungen folgt, dass das beantragte Vorhaben eine beherrschende Stellung auf dem westeuropäischen Markt für C8-PE-LLD verstärken wird. Dow hat auf dem C8-PE-LLD-Markt bereits eine beherrschende Stellung inne, die aufgrund der C8-PE-LLD-Produktion von Polimeri weiter gestärkt wird. (68) Durch den Zusammenschluss wird demnach eine beherrschende Stellung auf dem C8-PE-LLD-Markt verstärkt. PE-TECHNOLOGIE A. EINFÜHRUNG (69) Die Herstellung von PE-Harzen setzt eine Kombination von Prozess- und Katalysator- (oder Initiator-)Technologie voraus. Ein Hersteller oder potenzieller Hersteller von PE-Harzen hat die Wahl, entweder seine eigene Technologie zu entwickeln oder die Lizenz für eine geeignete Technologie zu erwerben. Nicht alle erfolgreichen Technologien werden auch lizenziert, da ihre Eigentümer es unter Umständen vorziehen, ihre Technologie selbst zu verwerten. Je größer der Marktanteil des potenziellen Lizenzgebers bei den Produkten ist, die mit seiner Technologie hergestellt werden, um so wahrscheinlicher ist es, dass der Eigentümer seine Technologie lieber selbst verwertet. Die Lizenznehmer erwerben in der Regel ein Technologiepaket, das ihnen den Bau und den Betrieb einer Produktionsanlage unter Verwendung der Patente und des dazugehörigen Know-hows des Lizenzgebers ermöglicht. Zu der lizenzierten Technologie gehört gegebenenfalls(19) auch das Recht, in Verbindung mit der Prozesstechnologie bestimmte Katalysatoren zu nutzen. Das Technologiepaket kann daher Vereinbarungen über die Lieferung von Katalysatoren umfassen oder eine Lizenz für ihre Herstellung. Der Lizenzgeber gewährt im Allgemeinen eine Leistungsgarantie. (70) Lizenzen werden gewöhnlich für eine Anlage bestimmter Größe und für einen bestimmten Zeitraum und/oder für die Produktion einer bestimmten Menge gewährt. Als Gegenleistung zahlt der Lizenznehmer einen Pauschalbetrag und/oder eine produktionsbezogene Lizenzgebühr. Alle Lizenzen enthalten darüber hinaus Bestimmungen, in denen die Rechte der Parteien präzisiert sind. Diese Bestimmungen betreffen in der Regel das Recht des Lizenzgebers und des Lizenznehmers an Verbesserungen, die der andere vorgenommen hat, sowie die Ausweitung der Produktionskapazitäten und/oder des Produktangebots des Lizenznehmers. (71) Die Prozesstechnologie für die Herstellung von PE umfasst sowohl Hochdruckverfahren, die fast ausschließlich für die Herstellung von PE-LD verwendet werden, als auch Niederdruckverfahren, die für die Produktion von PE-LLD und PE-HD eingesetzt werden. (72) Bei den Hochdruckverfahren lässt sich weiter unterscheiden zwischen der Verwendung von Röhrenreaktoren und der Verwendung von Autoklaven. Bei Hochdruckverfahren werden keine Katalysatoren eingesetzt, sondern Initiatoren (Peroxide usw.), die die Polymerisation einleiten. (73) Zu den Niederdruckverfahren zählen die Lösungs-, die Suspensions- und die Gasphasenpolymerisation. Daneben gibt es eine Reihe von Hybridverfahren, bei denen mehr als ein Reaktor und mitunter mehr als eine Prozesstechnik eingesetzt werden. Den Parteien zufolge können alle diese Verfahren für die Herstellung von PE-HD und PE-LLD verwenden werden. PE-LLD wird jedoch in der Regel in Lösung hergestellt. Nur mit diesen Verfahren lässt sich C8-PE-LLD herstellen. Für die Herstellung von PE-HD werden gewöhnlich Suspensionsverfahren verwendet, während die Gasphasenpolymerisation sowohl zur Herstellung von PE-HD als auch zur Herstellung von C4- und C6-PE-LLD eingesetzt wird. Dank neuer Prozess- und Katalysatortechnik kann sowohl im Suspensionsverfahren als auch in der Lösungspolymerisation eine größere Bandbreite unterschiedlicher Dichten erzielt werden. Bei den in Niederdruckverfahren eingesetzten Katalysatoren ist zwischen herkömmlichen Katalysatoren (Ziegler/Natta und Chrom) und "single-site"-Katalysatoren (einschließlich Metallocen) zu unterscheiden. B. RELEVANTER PRODUKTMARKT i) Unterscheidung zwischen PE-Harzen und PE-Technologie (74) In früheren Entscheidungen(20) wurde zwischen dem Angebot von PE-Harzen und dem Angebot an PE-Technologie unterschieden. Diese Unterscheidung ist ohne weiteres nachvollziehbar, da es sich bei PE-Harzen um konkrete Produkte handelt, während die PE-Technologie, die die gewerblichen Schutzrechte, Katalysatoren und das für die PE-Produktion notwendige Know-how umfasst, weitgehend immateriell ist. Etwa [60-70 %]* der bestehenden Polyethylenkapazitäten werden unter Lizenz betrieben, was auf einen beträchtlichen Markt für PE-Technologie schließen lässt. Der Wert dieses Marktes wird mit über [...]* EUR jährlich veranschlagt. Die nachstehende Tabelle gibt Aufschluss über die für jede Prozesstechnologie bestehenden weltweiten Gesamtkapazitäten sowie die in Lizenz betriebenen Kapazitäten. >PLATZ FÜR EINE TABELLE> ii) Gesamtmarkt oder Teilmärkte für Prozess- und Katalysatortechnologie (75) Die Umfrage der Kommission hat ergeben, dass die Prozesstechnologie fast ausschließlich in Kombination mit bestimmten Katalysatoren lizenziert wird. Einer der Hauptgründe, warum Unternehmen für ihre PE-Technologie Lizenzen erteilen, ist die Gewissheit, dass die betreffende Anlage die PE-Harze tatsächlich in den gewünschten Qualitäten und Mengen produzieren wird. Den Parteien zufolge kostet eine optimal ausgelegte PE-Fabrik zwischen [...]* EUR und [...]* EUR. Um PE-Harz in zufrieden stellender Qualität herzustellen, müssen Prozesstechnik und Katalysator kompatibel sein. Die Anbieter der PE-Technologie garantieren die Leistung einer Anlage, die mit ihrem Know-how und ihren anderen gewerblichen Schutzrechten arbeitet. Kein Anbieter wird jedoch garantieren, dass seine Prozesstechnik mit jedem Katalysator zufrieden stellend arbeitet oder dass ein bestimmter Katalysator in jeder Anlage funktionieren wird. (76) Dies geht auch aus früheren Entscheidungen(21) hervor, in denen die Kommission festgestellt hat, dass der relevante Produktmarkt für PE-Technologie sowohl die Verfahrenstechnik als auch den Katalysator umfasst. Es ist sicherlich richtig, dass ein Lizenznehmer am Anfang sowohl die Prozesstechnologie als auch den Katalysator vom selben Anbieter beziehen wird. Zwar kann eine Lizenz für eine Prozesstechnologie erteilt werden, die mit mehr als einem Katalysator arbeiten kann, doch wird die zusätzliche Katalysator-Technologie fast immer vom Lizenzgeber der Prozesstechnologie geliefert. (77) Da die Lebensdauer einer Anlage in der Regel erheblich länger ist als die Laufzeit der ursprünglichen Katalysator-Vereinbarungen, könnte es einen Markt für die Anschlusslieferung von Katalysatoren geben. Allerdings treten auch bei Katalysatoren neue Entwicklungen ein, so dass ein umsichtiger Lizenznehmer dafür Sorge tragen wird, dass sein neuer Katalysator in seiner bestehenden Anlage funktionsfähig ist. Er wird daher seine Katalysatoren weiterhin vom ursprünglichen Lizenzgeber beziehen. Die Frage, ob es einen einzigen Markt oder einen getrennten Markt für die Anschlusslieferung von Katalysatoren gibt, kann offen bleiben, da sich die Position der verschiedenen Anbieter auf diesem Teilmarkt von ihrer Position auf dem Markt für die PE-Technologie insgesamt nicht erheblich unterscheiden würde. iii) Hochdruck- und Niederdrucktechnologie als getrennte Märkte (78) In einer früheren Entscheidung(22) unterschied die Kommission zwischen Hochdruck- und Niederdruckverfahren. PE-LD kann nur in Hochdruckverfahren hergestellt werden. Die Anlagen arbeiten unter sehr hohen Drücken (bis zu 3000 bar) und Temperaturen über 200 °C. Niederdruckverfahren hingegen arbeiten bei niedrigen Drücken und Temperaturen. Beide Verfahrenstypen unterscheiden sich darüber hinaus durch die Katalysatortechnik. Bei Hochdruckverfahren wird die Polymerisation nicht durch einen Katalysator, sondern durch einen Initiator ausgelöst, während Katalysatoren für Niederdruckverfahren unentbehrlich sind und die Eigenschaften der produzierten Harze beeinflussen. Die überwältigende Mehrheit aller Befragten stimmt mit der Kommission darin überein, dass Hochdruck- und Niederdruckverfahren als getrennte Märkte zu betrachten sind. (79) Den Parteien zufolge sollte der relevante Produktmarkt aus folgenden Gründen sowohl die Hochdruck- als auch die Niederdrucktechnologie einschließen: - Alle PE-Harze stehen unabhängig von der verwendeten Prozesstechnologie bei den meisten Endanwendungen weitgehend miteinander im Wettbewerb. - Ein Lizenznehmer wird, bevor er sich für eine Technologie entscheidet, die Endverbrauchstrends der verschiedenen Anwendungen sowie die Vorteile der verschiedenen verfügbaren Technologien prüfen. Erleichtert wird dies durch den Umstand, dass für alle Harze dasselbe Ausgangsmaterial, nämlich Ethylen, erforderlich ist. - Zwar hat sich die Niederdrucktechnologie schneller verbreitet als die Hochdrucktechnologie, doch stehen beide Technologien miteinander im Wettbewerb, und die Präferenzen könnten sich durch künftige Entwicklungen bei der Technologie oder den Endanwendungen ins Gegenteil verkehren. - Bei der Marktdurchdringung der Niederdruckverfahren sind geografische Unterschiede festzustellen. Das Niederdruckverfahren ist in Nordamerika stärker verbreitet als in anderen Teilen der Welt. - Die Austauschbarkeit zwischen Harzen, die mit verschiedenen Verfahren hergestellt worden sind, dürfte sich infolge der fortgeschrittenen Katalysatortechnik erhöhen. (80) Die Austauschbarkeit der verschiedenen Harztypen wurde bereits an anderer Stelle in dieser Entscheidung eingehend erörtert. Nach Auffassung der Kommission handelt es sich bei den verschiedenen Harzen PE-HD, PE-LD und PE-LLD nicht unbedingt um vollständige Substitute, auch wenn sie für dieselben oder für gleichartige Anwendungen eingesetzt werden können. C8-PE-LLD bildet nach Auffassung der Kommission einen gesonderten Produktmarkt. Da C8-PE-LLD nicht im Hochdruckverfahren hergestellt werden kann, verstärkt sich hierdurch zusätzlich die Abgrenzung zwischen Hoch- und Niederdruckverfahren. Außerdem haben die verschiedenen Harztypen ihre eigenen spezifischen Merkmale. PE-LD beispielsweise lässt sich gut verarbeiten, PE-HD eignet sich besonders für Formteile und biegefeste Komponenten, und C8-PE-LLD wird für die Herstellung von Stretchfolien eingesetzt. Dem Argument, dass alle PE-Harze in großem Umfang miteinander konkurrieren, kann daher nicht gefolgt werden. (81) Da die verschiedenen Verfahren für die Herstellung von PE-Harzen alle auf der Polymerisation von Polyethylen basieren, sollten sie nach Ansicht der Parteien demselben Markt zugeordnet werden. Dies wäre jedoch nur dann möglich, wenn auch die Anlagen, die Produktionskosten und das Produktionsergebnis identisch wären oder wenn die Unterschiede für die Wahl der Prozesstechnologie weitgehend unerheblich wären. Ein potenzieller Lizenznehmer wird bei seiner Entscheidung berücksichtigen, wie sich der Bedarf des Endverbrauchers entwickeln wird, wobei dieser Bedarf an den potenziellen Anforderungen an die jeweiligen Harze zu messen ist. Hat er seine Entscheidung getroffen, so muss er prüfen, welche Prozesstechnik für seine Produktion am besten geeignet ist. Hat er einen Bedarf an PE-LD festgestellt, dann wird er sich für ein Hochdruckverfahren entscheiden, da PE-LD nicht im Niederdruckverfahren hergestellt werden kann. Umgekehrt wird seine Wahl auf ein Niederdruckverfahren fallen, wenn er die besten Geschäftsaussichten in der Produktion von PE-HD oder PE-LLD sieht. (82) Die unterschiedliche Verbreitung der verschiedenen Prozesstechnologien gibt Aufschluss über die Nachfrage nach den einzelnen Harzen. Die Nachfrage nach dem im Hochdruckverfahren hergestellten PE-LD stagnierte in den letzten Jahren, während die Nachfrage nach den im Niederdruckverfahren hergestellten Produkten PE-HD und PE-LLD zunahm. Was die Entwicklungsaussichten der verschiedenen Verfahren anbelangt, so ist festzustellen, dass die Hochdruckverfahren, die zur Herstellung von PE-LD eingesetzt werden, ausgereift sind, so dass hier keine größeren technologischen Entwicklungen zu erwarten sind. Es erscheint daher unwahrscheinlich, dass die Nachfrage nach Hochdrucktechnologie sprunghaft ansteigen wird. Bei den Endanwendungen deutet einiges darauf hin, dass die Abnehmer inzwischen leistungsfähigere Anlagen für PE-LLD installieren trotz seiner schlechteren Verarbeitbarkeit im Verhältnis zu dem im Hochdruckverfahren hergestellten PE-LD. Auch hieran wird deutlich, dass sich der bisher beobachtete Trend nicht ins Gegenteil verkehren wird. (83) Geografische Unterschiede bei der Marktdurchdringung der verschiedenen Prozesstechnologien sind kein Indiz dafür, dass diese Technologien demselben Produktmarkt zuzurechnen sind. Chemieanlagen haben eine lange Lebensdauer, und einige der Anlagen arbeiten bereits seit mehr als 30 Jahren. Es besteht deshalb ein beträchtlicher Bestand an betriebsbereiten Produktionsanlagen. Da die wichtigsten Entwicklungen bei PE-Niederdruckverfahren auf nordamerikanische Unternehmen zurückzuführen sind (insbesondere UCC, Dow und Phillips), verstreicht naturgemäß eine gewisse Zeit, bis diese Technologien andere Regionen erreichen. Neue Technologien werden zuerst in den Werken desjenigen eingeführt, der sie entwickelt hat. Eine Lizenzvergabe ist normalerweise erst dann möglich, wenn sich diese Technologien bewährt haben. Es steht zu erwarten, dass wie in Nordamerika das Hochdruckverfahren, das schließlich zuerst entwickelt wurde, mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung durch das Niederdruckverfahren ersetzt wird. Dies ergibt sich aus den Antworten, die die Kommission auf ihre Umfrage erhalten hat. Die Befragten erwarten danach, dass der Anteil des im Niederdruckverfahren hergestellten PE-LLD zu Lasten von PE-LD, das im Hochdruckverfahren hergestellt wird, zunehmen wird. Aus den Antworten auf den Fragebogen der Kommission geht ferner hervor, dass nicht mit einer zusätzlichen Nachfrage nach PE-LD gerechnet wird. Dies deutete darauf hin, dass die derzeitigen geografischen Unterschiede bei der Marktdurchdringung der verschiedenen Prozesstechnologien allmählich verschwinden oder zumindest verblassen werden. (84) Fortgeschrittene Katalysatoren werden aller Voraussicht nach die Eigenschaften und die Anwendungsbreite der bestehenden PE-Harze verbessern. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich hierdurch die Austauschbarkeit der Harze untereinander erhöhen wird. Ausgehend von den bisherigen noch beschränkten Erfahrungen mit dem Einsatz fortgeschrittener Katalysatoren erscheint es wahrscheinlich, dass mit diesen Katalysatoren Harze produziert werden können, die neue einzigartige Merkmalskombinationen aufweisen. (85) Die Kommission gelangt deshalb zu dem Schluss, dass bei den angebotenen Technologiepaketen zwischen Hochdruck- und Niederdruckverfahren zu unterscheiden is

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.