Europäische Union

1999/458/EG: Entscheidung der Kommission vom 11. November 1998 über die Vereinbarkeit eines Zusammenschlußvorhabens mit dem Gemeinsamen Markt und dem Funktionieren des EWR-Abkommens (Sache IV/M.1157 - Skanska/Scancem) (Bekanntgegeben unter Aktenzeichen K(1998) 3434) (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR)

Amtliche Ursprungsfassung

Quellenkennung: 31999D0458. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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n und Lieferbeton. (44) In seiner Erwiderung auf die Beschwerdepunkte gemäß Artikel 18 (nachstehend die "Erwiderung") hat Skanska geltend gemacht, daß es kein aktiver Wettbewerber von Scancem auf dem Trockenbetonmarkt gewesen sei, da es sich auf die Belieferung der Bauunternehmen und Scancem auf den Einzelhandel konzentriert hätte. Bei diesem Argument wird jedoch nicht berücksichtigt, daß der von Skanska im Rahmen seiner Zuliefervereinbarungen hergestellte Beton im Einzelhandel verkauft wird. Außerdem hat Skanska weder vorgetragen noch Nachweise dafür geliefert, wonach die Verkäufe an Bauunternehmen als ein vom Absatz an den Einzelhandel getrennter Markt anzusehen seien. Schlußfolgernd ist Trockenbeton somit als ein von den übrigen Betonarten getrennter Markt anzusehen. iii) Betonfertigteile (45) Zu den Betonfertigteilen zählen u.a. Pfeiler, Balken, Unterzüge, Straßenabsperrungen, Behälter, Eisenbahnschwellen, Blöcke und Elemente für den Hausbau. Diese Erzeugnisse schließen normalerweise tragende Stahlkonstruktionen ein. Außerdem sind sie häufig nicht genormt und werden gemäß den Kundenanforderungen hergestellt. Betonfertigteile werden getrennt oder als Teil eines Pakets verkauft, zu dem auch bestimmte Bauarbeiten gehören können. (46) Im Anschluß an die Anmeldung hatte Skanska seine Auffassung vom sachlich relevanten Markt geändert und geltend gemacht, daß Betonfertigteile in Erzeugnisse für den Hausbau und Erzeugnisse für den Tief- und Hochbau (Rohre, Rinnsteine, Eisenbahnschwellen usw.) unterteilt werden sollten. Nach seiner Auffassung stellten Hausbauteile eine homogene Palette vorgefertigter Erzeugnisse dar, denen Produktionsausrüstungen und Know-how gemeinsam seien, was nach Auffassung von Skanska auf Tief- und Hochbauerzeugnisse nicht zutreffe, die unterschiedliche und spezialisiertere Techniken und Ausrüstungen erforderten. Skanska hat außerdem geltend gemacht, daß Tief- und Hochbauprodukte noch weiter unterteilt werden sollten. (47) Für die Zwecke dieser Bewertung kann die Frage einer solchen Abgrenzung jedoch offen bleiben, da im folgenden gezeigt wird, daß man zu im wesentlichen gleichen Marktauswirkungen gelangt, wenn man für die Bewertung den Gesamtmarkt der Betonfertigteile oder nur den Markt der vorgefertigten Hausbauteile zugrunde legt. d) Sonstige Baustoffe (48) Scancem hat umfangreiche Geschäftstätigkeiten bei einer Reihe anderer Baustoffe. Diese Tätigkeiten werden zwar nicht von dem angemeldeten Vorhaben berührt, könnten jedoch indirekt die gemeinsame Stellung der Parteien auf anderen Märkten stärken. Zu diesen Tätigkeitsbereichen von Scancem zählen Gipskartonplatten, die für die Herstellung von Wänden, Böden und Innendecken verwendet werden. Hierzu zählen auch Erzeugnisse für die Ausebnung oder Egalisierung neuer und reparierter Fußböden, um einen Holz-, Textil- oder Plastikboden aufbringen zu können, sowie Glattputz, der für die Ausebnung der Wände vor dem Auftragen von Farben oder Tapeten sowohl im Neubau als auch bei der Hausrenovierung eingesetzt wird. (49) Skanska hat jüngst vorgeschlagen, daß einige dieser Erzeugnisse (Bodenausebnungsmittel, Mörtel (ein "Kleber", der u. a. bei Maurerarbeiten verwendet wird) und Fassadenverputz gemeinsam mit Trockenbeton bewertet werden sollten. Skanska zufolge bilden alle diese Erzeugnisse eine "Produktfamilie", da auf der Angebotsseite eine hohe Substituierbarkeit zwischen ihnen bestehe. Skanska konnte jedoch weder aussagefähige Marktdaten über den Absatz dieser "Produktfamilie" noch Informationen über die von ihm behauptete Substituierbarkeit vorlegen. (50) Für die Zwecke dieser Bewertung ist es jedoch nicht erforderlich, zu einer endgültigen Schlußfolgerung über den genauen Umfang des Marktes für Gipskartonplatten, Bodenausebnungsmittel und Glattputz zu gelangen, da sie die Bewertung dieses Vorhabens nicht berühren würde. e) Bautätigkeiten (51) Die Untersuchung hat gezeigt, daß der angemeldete Erwerb nicht nur Auswirkungen auf die in der Anmeldung angegebenen Märkte, sondern auch auf den Baumarkt haben würde, auf dem Skanska der größte Anbieter in Schweden ist. (52) Die Marktteilnehmer einschließlich Skanska haben vorgebracht, daß der Baumarkt in zwei getrennte sachlich relevante Märkte unterteilt werden sollte, nämlich den Markt für den Bau von Häusern und den Markt der Infrastrukturbauarbeiten (z. B. Straßen, Eisenbahnen, Tunnels und Brücken). Als Begründung haben sie angegeben, daß für die Tätigkeiten auf diesen beiden Märkten jeweils unterschiedliche Fertigkeiten, Arbeitskräfte, Maschinen und Ausrüstungen erforderlich seien(18). (53) Außerdem kann eine Unterscheidung nach der Größe des Bauvorhabens getroffen werden, da sich die Wettbewerbsbedingungen zwischen großen und kleinen Vorhaben erheblich unterscheiden. Die Grenze zwischen kleinen und großen Vorhaben ist zwar schwer anzugeben, die schwedische Wettbewerbsbehörde hat die Trennlinie jedoch bei einem Gesamtvorhabenswert von unter oder über 40 Mio. SEK (rund 4,6 Mio. ECU) gezogen. Nach dem schwedischen Gesetz über das öffentliche Auftragswesen müssen Vorhaben oberhalb eines Schwellenwerts von 40 Mio. SEK öffentlich ausgeschrieben werden. Außerdem ist in Schweden die Anzahl der Bauunternehmen, die in der Lage sind, Vorhaben eines Werts oberhalb dieses Betrag durchzuführen, spürbar niedriger als bei Vorhaben unterhalb dieser Trennlinie. (54) Es ist somit angemessen, die Marktstellung von Skanska anhand zweier getrennter Märkte für den Hausbau einerseits und den Infrastrukturbau andererseits zu ermitteln. Außerdem ist es auf diesen Märkten angezeigt, zwischen Vorhaben eines Gesamtwerts von unter 40 Mio. SEK und von über 40 Mio. SEK zu unterscheiden. f) Schlußfolgerung zu den Produktmärkten (55) Unter diesen Voraussetzungen ist die Kommission zu der Schlußfolgerung gelangt, daß getrennte Märkte für Zement, Zuschlagstoffe, Lieferbeton und Trockenbeton bestehen. Hinsichtlich der Betonfertigteile ist es nicht erforderlich, der Frage nachzugehen, ob diese als ein Gesamtmarkt angesehen oder, wie von Skanska vorgetragen, in einen Markt der "Hausbauprodukte" und einen Markt der "Tief- und Hochbauprodukte" unterteilt werden sollten. Für die übrigen Erzeugnisse kann die Definition des Produktmarktes offen bleiben. B. RÄUMLICH RELEVANTE MÄRKTE (56) Die Kommission kam in vorangehenden Entscheidungen zu dem Ergebnis, daß der Zementmarkt als eine Reihe von Märkten angesehen werden kann, die um die einzelnen Werke gelegen sind, sich überschneiden und Gesamteuropa umfassen. Die Größe jedes einzelnen Marktes und das Ausmaß der Marktüberschneidung hängen von der Entfernung zum Werk, von dem der Zement geliefert werden kann, ab(19). (57) In seiner Anmeldung hat Skanska jedoch geltend gemacht, daß der Zementmarkt überwiegend regional/national sei, Marktanteilszahlen jedoch lediglich für den nationalen Markt vorgelegt. Es ist festzustellen, daß zwischen Schweden und Finnland oder einem anderen Mitgliedstaat praktisch weder Einfuhren noch Ausfuhren in stattfinden(20). In seiner Erwiderung hat Skanska angegeben, daß sich die Lage in Norwegen anders darstelle, wo das britische Unternehmen Blue Circle die größte Einfuhrquelle sei. Es ist jedoch zu bemerken, daß dieses Unternehmen an den Einfuhr-Umschlagsanlagen von Embra in Norwegen beteiligt ist. Abschließend ist zu dem offenkundigen Fehlen von Einfuhren festzustellen, daß die Zementhersteller in anderen Mitgliedstaaten sich nicht darum bemüht haben, einen Wettbewerbsdruck durch Ausfuhren in die nordischen Länder auszuüben. Dies gilt auch für Norwegen, wo, abgesehen von der erwähnten Infrastrukturinvestition von Blue Circle, praktisch kein Zement aus anderen westeuropäischen Ländern eingeführt wird. (58) Somit ist für die Bewertung dieses Vorhabens nicht der europaweite Markt, sondern vielmehr der Markt jedes einzelnen der drei nordischen Länder oder höchstens der nordische Markt zugrunde zu legen. Da Scancem der einzige Zementhersteller in allen drei nordischen Ländern ist, weist das Fehlen eines innernordischen Handels nicht unbedingt darauf hin, daß der räumlich relevante Markt nicht die nordischen Länder umfaßt. Die Frage, ob der relevante Markt national oder nordisch ist, muß jedoch nicht beantwortet werden, da die Bewertung ungeachtet der Definition des relevanten Marktes zu dem gleichen Ergebnis führen würde. (59) Skanska hat vorgebracht, daß die Märkte für Betonfertigteile, Trockenbeton, Gipskartonplatten, Verkleidungsmaterial, Ausebnungsmittel und Glattputz im wesentlichen nationale Märkte seien. Dies wurde durch die Untersuchung bestätigt, die ergeben hat, daß im allgemeinen nur unbedeutende Einfuhren und Ausfuhren bei den vorerwähnten Erzeugnissen stattfinden. Außerdem hat Skanska geltend gemacht, daß für die Zementherstellung in Schweden ein spezifisches Zertifizierungsverfahren von dem Fachverband BBC vorgenommen werde. Vor der Zertifizierung muß der Hersteller u.a. die Eigenschaften der verwendeten Rohstoffe überprüfen. (60) Die Märkte für den Haus- und den Infrastrukturbau sind, zumindest was die Großvorhaben betrifft, national in ihrem Umfang. Es ist immer noch selten, daß nichtschwedische Bauunternehmen ein Bauvorhaben in Schweden übernehmen, es sei denn, als Zulieferer oder Teilnehmer an einem Konsortium mit Skanska oder einem anderen schwedischen Bauunternehmen. Für die Zwecke dieser Bewertung ist es nicht erforderlich, bei kleinen Bauvorhaben den räumlichen Umfang der Märkte zu bestimmen. (61) Die vorerwähnten Märkte können somit nur als auf den nationalen Rahmen beschränkt angesehen werden. Gleichzeitig hat die Untersuchung gezeigt, daß sich die Angebotsstruktur, die Preise und die sonstigen Wettbewerbsbedingungen innerhalb eines Landes nicht erheblich unterscheiden. (62) In der Anmeldung machte Skanska geltend, daß bei Lieferbeton und Zuschlägen angesichts der hohen Transportkosten und der Tatsache, daß sich bei Lieferbeton Entfernungen von mehr als einer Stunde Transportzeit qualitätsmindernd auswirken, von ortsgebundenen Märkten auszugehen sei. In einer späteren Ausführung räumte Skanska jedoch ein, daß diese Märkte den gesamten Inlandsmarkt umfassen, da sich die ortsgebundenen Märkte im ganzen Land überschneiden und die Anbieter in diesen Märkten dem Wettbewerb eines landesweiten Netzes von Einzelmärkten ausgesetzt seien. Von dritter Seite wurde zum einen die Auffassung vertreten, daß die Märkte für Lieferbeton und Zuschläge ortsgebunden bzw. regional seien, zum anderen jedoch, ähnlich wie später von Skanska vorgebracht, daß es sich um einen landesweiten Markt handele. (63) Wirtschaftlich gesehen ist das Einzugsgebiet eines Lieferbetonwerks (oder eines Anbieters von Zuschlägen) durch einen Radius begrenzt, innerhalb dessen der Beton in einer Lieferzeit von rund einer Stunde befördert werden kann. Für den Kunden bedeutet eine Lieferzeit von einer Stunde, daß er je nach Standort die Wahl zwischen mehreren Anbietern hat. Es wäre nicht sinnvoll, sämtliche Liefermöglichkeiten, die von der Dichte und der Verteilung sowohl der Kunden als auch des Anbieternetzes abhängen, für jeden Abnehmer herausfinden zu wollen. Außerdem wird für einen Abnehmer von Lieferbeton oder Zuschlägen die Wahl des Anbieters für ein Bauvorhaben durch den Standort sowohl der Baustelle als auch des Lieferanten eingeschränkt. Da die meisten Abnehmer dieser Erzeugnisse Bauunternehmen mit einem räumlich großen (in den meisten Fällen landesweiten) Tätigkeitsbereich sind, kommen aus wirtschaftlicher Sicht bei jedem Bauvorhaben andere Lieferanten in Betracht. (64) Der Grad an Überschneidung zwischen den Einzugsgebieten der Lieferanten und die Verteilung der Abnehmer entscheiden nicht nur über die Wettbewerbsbeziehungen zwischen räumlich nahen Lieferbetonwerken, sie haben auch in gewissem Maße eine "Weitergabe- bzw. Kettenreaktionswirkung" auf entfernter gelegene Anbieter. Andererseits werden viele wichtige Bezugsgrößen des Wettbewerbs, wie z.B. der Standort der Produktionsanlagen, die Palette und Qualität der angebotenen Erzeugnisse, der Kundenservice (Öffnungszeiten usw.), Werbung, Produktförderung und in gewissem Maße Preise und Rabatte, nicht auf örtlicher, sondern auf regionaler oder landesweiter Ebene entschieden. Diese Entscheidungen werden in der Regel auch landesweit umgesetzt. Deshalb ist es erforderlich und angemessen, von den aus Sicht eines Bauvorhabens rein ortsgebundenen Märkten auf den landesweiten Markt zu verallgemeinern. (65) Eine Zusammenfassung von Absatzzahlen kann grundsätzlich auf einer Vielzahl von Ebenen erfolgen. Wenn man bedenkt, daß Lieferbeton oder Zuschläge aufgrund der hohen Transportkosten und der Verderblichkeit des Fertigbetons praktisch weder ein- noch ausgeführt werden, ist der größtmögliche räumliche Markt somit der landesweite Markt. (66) Skanska, Scancem und ihre wichtigsten Wettbewerber stellen Lieferbeton und Zuschläge in einem räumlich weitgestreuten Gebiet her. Aus den vorliegenden Angaben geht zwar hervor, daß sich die Marktanteile der Parteien auf landesweiter, regionaler oder örtlicher Ebene geringfügig unterscheiden, für die Bewertung dieses Vorhabens ist es jedoch nicht erforderlich, die genaue Reichweite des räumlich relevanten Marktes zu ermitteln, da eine Bewertung auf örtlicher bzw. regionaler bzw. landesweiter Ebene keine spürbaren Abweichungen ergeben würde. (67) Somit kann die Bewertung der wettbewerblichen Auswirkungen des Vorhabens auf der Grundlage der Stellung der Parteien auf nationaler Ebene unter Zuhilfenahme der Angaben betreffend die Märkte für Lieferbeton und Zuschläge auf regionaler oder örtlicher Ebene erfolgen(21). VI. VEREINBARKEIT MIT DEM GEMEINSAMEN MARKT UND DER FUNKTIONSWEISE DES EWG-ABKOMMENS A. ROHSTOFFE a) Zement i) Überblick (68) Scancem stellt in Schweden, Norwegen und Finnland Zement her. Seine Zementtätigkeiten sind in drei nationale Gesellschaften aufgeteilt(22), die zusammengenommen die Geschäftseinheit Cement Nordic bilden. In dieser Einheit sind die Zementtätigkeiten in Schweden mit drei Werken, in Norwegen mit zwei Werken und in Finnland mit ebenfalls zwei Werken bei einem Gesamtumsatz von 367,5 Mio. ECU im Jahr 1997 zusammengefaßt(23). Scancem International mit einem Umsatz im Jahr 1997 von 439,2 Mio. ECU umfaßt u.a. die gesamte internationale Zementherstellung und die Zementausfuhr, überwiegend nach Afrika und den Vereinigten Staaten von Amerika. Schließlich gibt es noch die Tochtergesellschaft Castle Cement, die im Vereinigten Königreich Zement herstellt und im Jahr 1997 einen Umsatz von 225,3 Mio. ECU (und einen Marktanteil von rund [20-30 %](24)) erzielte. Skanska stellt selbst keinen Zement her, ist aber als größter schwedischer Hersteller von Beton und als größtes Bauunternehmen der wichtigste Abnehmer von Zement in Skandinavien. (69) Auf dem schwedischen, norwegischen und finnischen Zementmarkt wird jährlich ein Umsatz von 80 bis 95 Mio. ECU erzielt. Der Anteil von Scancem an diesen drei Märkten beträgt nach eigenen und nach Angaben von Dritten jeweils zwischen [80 und 90 %]*. Diese Marktanteile haben sich in den vergangenen drei Jahren [...]* gleichbleibend entwickelt. Es gibt in diesen Ländern keinen anderen Zementhersteller; der einzige Wettbewerber mit einem Anteil von mehr als 5 % auf diesen Märkten ist das norwegische Unternehmen Embra, das Zement aus Litauen einführt. (70) Aus der Anmeldung ergibt sich, daß der Zementabsatz in Norwegen und Finnland zwischen 1995 und 1997 um mehr als 20 % zugenommen hat. In demselben Zeitraum ist der Absatz in Schweden um etwas weniger als 20 % zurückgegangen. Trotz dieser abweichenden Entwicklung konnte Scancem seine Verkaufspreise in diesen drei Ländern in dem Zeitraum [...]* auf ungefähr gleicher Höhe halten. Die Kapazitätsauslastung des Unternehmens ist in diesem Zeitraum von [...]* in Norwegen und von [...]* in Finnland gestiegen, während sie in Schweden von [...]* gefallen ist. ii) Angebotsstruktur (71) Scancem ist der einzige Zementhersteller in Schweden. Seine drei Zementwerke in den südschwedischen Orten Slite, Degerhamm und Skövde haben eine Produktionskapazität von [< 2] Mio. t Klinker (jeweils [ > 1, < 1 und < 1] Mio. t)(25). Zwei der drei Werke sind auf den Inseln Gotland und Öland gelegen. (72) In der Zementherstellung fallen hohe Festkosten an. Nach den Angaben von Scancem machten im Jahr 1997 die fixen Kosten (ausschließlich Abschreibungen und Zinskosten) in Skite und Degerhamm [...]*, jedoch in Skövde [...]* der Gesamtkosten aus. Es ist somit ein hoher Anreiz gegeben, die Kapazitäten der Zementwerke möglichst hoch auszulasten. Die Kapazitätsauslastung von Scancem betrug in Schweden üblicherweise mindestens [...]*, mit Ausnahme des Werkes Skövde, wo sie in den vergangenen drei Jahren auf nunmehr [...]* ist. (73) Im Vertriebsbereich unterhält Scancem insgesamt 18 Verladestellen (einschließlich der Auslieferstellen an den drei Zementwerken), die sich entlang der schwedischen Küste befinden. Wegen der Standorte der Zementwerke von Scancem wird der Zement auf dem Seeweg an die Verladestellen befördert (mit Ausnahme des in Skövde hergestellten Zements, der mit der Bahn zur Verladestelle in Göteborg befördert wird). Die Hoechstkapazität dieser Stellen beträgt im Durchschnitt 15000 t. Die größte Verladestelle ist in Stockholm mit einer Hoechstkapazität von 33200 t: Wenn man gemäß den Parteien als Meßzahl für die Kapazitätsauslastung die höchste in einer Verladestelle abgefuellte Menge zugrunde legt, ergibt sich für die meisten Stellen eine Auslastung von [...]*. (74) Scancem liefert seinen Zement [überwiegend]* als Massengut direkt an den Abnehmer. Die Kunden holen den Zement in der Regel direkt von der Verladestelle ab und befördern ihn selbst auf der Straße oder Schiene. Die übrigen aus Sackzement bestehenden Absatzmengen werden über dritte Vertriebshändler, z. B. Baustoffhändler und Baumärkte, vertrieben. Scancem organisiert seinen Vertriebsbereich (45 mit dem Verkauf, der Marktpflege, der Forschung und Entwicklung und der technischen Kundenberatung befaßte Angestellte) zentral von Stockholm aus, unterhält jedoch zwei Vertriebsbüros in Göteborg und Malmö. (75) Nach den vorliegenden Angaben ist das norwegische Unternehmen Embra gegenwärtig das einzige Unternehmen, das nach Schweden eingeführten Zement verkauft(26). Embra gehört der norwegischen Selvaag-Gruppe und ist in der Herstellung von Zement und leichten Zuschlägen und deren Vertrieb in den nordischen Ländern, im Baltikum, in Polen und Deutschland tätig. Embra trat im Jahr 1992 auf den schwedischen Markt und führt Zement von dem litauischen Werk AB Akmenes Cementas ein, an dem es beteiligt ist(27). Gemäß seinem Jahresbericht setzte Embra im Jahr 1997 58000 t Zement in Schweden ab. Das Unternehmen betreibt drei Verladestellen in Schweden, zwei an der Südküste (Halmstad und Åhus) und eine im Binnenland (Västerås). Hierbei handelt es sich um wesentlich kleinere Anlagen als bei den Scancem-Anlagen. Embra hat erhebliche Verluste zu verzeichnen. (76) Außerdem hat Scancem drei Kooperationsvereinbarungen betreffend Zement mit FLS-Industries/Aalborg Portland (dem einzigen dänischen Hersteller) geschlossen. Eine Vereinbarung betrifft die Zusammenarbeit in bezug auf die Belieferung mit Zement für den Bau der Öresund-Brücke zwischen Schweden und Dänemark, die zweite Vereinbarung [...]*. Die dritte Vereinbarung betrifft die Zusammenarbeit bei einem patentierten Verfahren zur Verringerung des Chromgehalts im Zement. iii) Marktgröße und Marktanteile (77) Gemäß den von Skanska vorgelegten Zahlen belief sich der Umsatz des Zementmarktes in Schweden im Jahr 1997 bei 1315000 t auf rund 90 Mio. ECU. Diese Zahlen entsprechen den von anderen Unternehmen gemachten Angaben und wurden deshalb für die Erstellung dieser Bewertung zugrunde gelegt. Im Gegensatz zu den in Norwegen und Finnland verzeichneten Wachstumsraten (22 bzw. 24 %) ist der Zementabsatz in Schweden zwischen 1995 und 1997 um 15 % gesunken. Gemäß Skanska hängt der Zementabsatz unmittelbar vom Umfang der Bautätigkeit und dem Anteil des Betons an den verwendeten Baustoffen ab. Gemäß den Angaben in der Anmeldung wird nach den Annahmen von Skanska der schwedische Zementmarkt in den nächsten Jahren geringfügig um 3 bis 5 % wachsen. (78) Nach der Anmeldung beläuft sich der Marktanteil von Scancem nach Wert und Umfang auf [80-90 %]*, was durch die Untersuchung der Kommission bestätigt wurde. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren im wesentlichen unverändert geblieben ([...]* % im Jahr 1996 und [...]* % im Jahr 1995). Nach den von den Parteien vorgelegten Angaben entfällt auf Embra ein Anteil von rund [...]* des Gesamtmarktes und damit weniger als 1/10 des Marktanteils von Scancem. Ein Vergleich der Vertriebssysteme von Embra und von Scancem macht deutlich, daß der räumliche Erfassungsbereich von Scancem wesentlich umfangreicher ist. Nach den vorliegenden Angaben müßte auf die beschränkten Einfuhren für spezifische Bauvorhaben das übrige Marktvolumen für Zement in Schweden entfallen(28). (79) In seiner Erwiderung führte Skanska aus, daß die durchschnittlichen Verkaufspreise von Scancem von 1995 bis 1997 in Schweden um rund [...]* (inflationsbereinigt) und seine Gewinnspanne in demselben Zeitraum von [...]* zurückgegangen sind(29). (80) Die Entwicklung dieser Preise und Spannen ist für die Bewertung dieses Falls nur in dem Maße von Bedeutung, wie sie Aufschluß über die Marktmacht bzw. das Fehlen von Marktmacht geben könnte. Die Tatsache, daß das Unternehmen in Erwiderung auf einen spürbaren Rückgang des Marktvolumens und die zunehmende Marktpräsenz von Embra seine Preise um [...]* gesenkt hat, kann nicht als Anzeichen für das Fehlen von Marktmacht gewertet werden. Dieser Befund kann durch eine Analyse der Tätigkeiten von Scancem in den drei nordischen Ländern im Zeitraum 1995 bis 1997 erhärtet werden. Wie bereits erwähnt, ist der Zementabsatz in diesem Zeitraum in Schweden spürbar zurückgegangen, während er in Finnland und Norwegen um 22 % bzw. 24 % gestiegen ist. Zu erwähnen ist hier auch, daß Embra, der einzige größere Wettbewerber von Scancem, in diesem Zeitraum in allen drei Ländern niedergelassen war. (81) Aus den in der Erwiderung von Scancem enthaltenen Angaben zu den Gewinnspannen für die einzelnen Länder geht bestenfalls hervor(30), daß die Gewinne von Scancem zyklisch schwanken. So zeigen z. B. die Spannen für Norwegen und Finnland [...]*. Deshalb können die sinkenden Gewinnspannen im schwedischen Markt zwischen 1995 und 1997 nicht als Nachweis für eine fehlende Marktmacht von Scancem gelten. Vielmehr zeigen diese Zahlen, daß die Gewinnspannen eng von dem Grad der Kapazitätsauslastung abhängen. Dies ist in der Zementindustrie zu erwarten, die in hohem Maße von Größenvorteilen abhängt. Hieraus ist erstens zu schließen, daß die Gewinnspannen von Scancem in den nordischen Ländern nicht durch Embra oder einen anderen Wettbewerber spürbar geschmälert wurden, und zweitens, daß die Entwicklung dieser Spannen mit der vorerwähnten Schlußfolgerung zur Marktmacht von Scancem in den skandinavischen Ländern einschließlich Schweden in Einklang steht. Die Parteien haben nicht widerlegen können, daß die Gewinnspannen in Schweden bei einem Konjunkturumschwung und einer höheren Kapazitätsauslastung nicht wieder zunehmen würden. (82) Abschließend ist angesichts des vorliegenden Sachverhalts festzustellen, daß Scancem trotz der konjunkturellen Schwankungen in der Lage war, seine Gewinnspannen in sämtlichen nordischen Ländern [...]* zu halten. Außerdem lassen diese Tatsachen nicht erkennen, daß ein wettbewerblicher Gegendruck z. B. durch Embra spürbare Auswirkungen auf das Preisgebaren von Scancem oder seine Gewinnspannen gehabt hätte. iv) Zutrittsschranken (83) Gemäß der Anmeldung ist bei der Errichtung eines neues Zementwerkes mit Kosten von rund 200 Mio. ECU zu rechnen. Deshalb sind die Parteien der Auffassung, daß ein potentieller Wettbewerb nur über Einfuhren möglich sei. Um Zement einführen zu können, sind jedoch Inv

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.