Europäische Union

2002/271/EG: Entscheidung der Kommission vom 18. Juli 2001 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag und Artikel 5 EWR-Abkommen — Sache COMP/E-1/36.490 — Graphitelektroden (Text von Bedeutung für den EWR.)(Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 1986)

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Quellenkennung: 32002D0271. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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Die etwas geheimnisvollen Umstände der Zusammenkunft werden in der [...]* beschrieben (der [...]* war von seinem Vorgesetzten über das Treffen nicht vorab informiert worden; s. auch [...]*). Die nächste einschlägige Besprechung - wiederum ein Treffen auf Arbeitsebene - fand am 3. März 1993 in Wien statt. Anwesend waren Vertreter von SGL, UCAR, Tokai, SEC, Nippon und SDK. Es fand ein allgemeiner Informationsaustausch nach Regionen über den Graphitelektrodenmarkt statt. Erörtert wurden auch Informationen über Preise und bestimmte Abnehmer ([...]*). (54) Die Kommission hat ferner Kenntnis von folgenden Treffen auf der Arbeitsebene, an denen Vertreter der Firmen SGL und UCAR sowie der japanischen Unternehmen teilgenommen haben: Juli 1993 in Singapur, 8. September 1993 in Zürich, 16. und 17. November 1993 in Zürich, 25. Juli 1994 in Zürich, 6. Februar 1995 in Tokio, 11. und 12. September 1995 in Rohrschach, April 1996 in Kyoto, Juli 1996 in Meitingen, 12. und 13. September 1996 in Rohrschach, April 1997 in Tokio, August 1997 in Südostasien, November 1997 in Hongkong und Februar 1998 in Bangkok ([...]*). UCAR, SGL und die japanischen Hersteller waren bei allen Treffen auf der Arbeitsebene anwesend. VAW Carbon räumt die Teilnahme an solchen Treffen bis Ende 1996 ein, bringt aber vor, nicht so oft dabei gewesen zu sein wie die übrigen Teilnehmer; außerdem habe es sich nicht an Besprechung außerhalb Europas beteiligt ([...]*). (55) Bei diesen Treffen auf Arbeitsebene ging es in der Regel um den weltweiten Markt, wobei die Regionen - Nordamerika, Lateinamerika, Westeuropa, Osteuropa, asiatisch-pazifischer Raum und Nahost/Nordafrika - jeweils getrennt erörtert wurden. Neben den Diskussionen über Preise und bestimmte Abnehmer tauschten die Anwesenden auch Informationen über ihr jeweiliges Absatzvolumen während eines mehrjährigen Zeitraums aus, der das vorausgegangene Jahr, das laufende Jahr und das folgende Jahr (Prognosen) umfasste. Die Daten wurden jeweils als Gesamtwert für jede Region angegeben und anschließend nach Land und Hersteller aufgeschlüsselt, wobei die japanischen Produzenten eine Gruppe bildeten ([...]*). Die Mengenangaben für die einzelnen Regionen, einschließlich Europa, wurden bei jeder Zusammenkunft aktualisiert und berichtigt. (56) Die obersten Führungskräfte kamen, soweit bekannt, am oder um den 20. August 1994 in Zürich, am 5. und 6. Februar 1995 in Tokio und am 14. und 15. März 1995 in Paris zusammen (bei einer Besprechung am 13. November 1993 in London war möglicherweise auch die Führungsetage anwesend ([...]*). Bei einigen dieser Treffen wurden die im Mai 1992 in London vereinbarten Basisregeln bestätigt und die Teilnehmer ermahnt, sich an die seinerzeit getroffenen Beschlüsse zu halten. Die obersten Führungskräfte verständigten sich ferner darauf, für große Elektroden einen Aufpreis zu erheben, d. h. den Preis für 24-Zoll-Standardelektroden um einen bestimmten Prozentsatz anzuheben (z. B. 10 % Zuschlag für 28-Zoll-Elektroden, 40 % Zuschlag für 30-Zoll-Elektroden). Zur Sprache kamen dabei außerdem die Produktion und Vermarktung der 283/4-Zoll-Elektroden, die die US-amerikanische Showa-Denko-Tochter SDC anbietet. In diesem Zusammenhang wurde von den übrigen Herstellern kritisiert, dass SDC für das Erzeugnis den gleichen Preis berechnet wie für eine billigere 28-Zoll-Elektrode, obwohl es mit ihren 30-Zoll-Elektroden konkurriert. SGL und UCAR übten angeblich Druck auf SDK aus, um das Unternehmen dazu zu bewegen, entweder das Produkt nicht mehr zum Kauf anzubieten oder dafür den Preis für eine 30-Zoll-Elektrode zu erheben (SDC stellte schließlich die Produktion des fraglichen Elektrodentyps ein, nachdem die Konzernmutter SDK im April 1995 entsprechende Zusicherungen gegeben hatte; siehe [...]*). ii) Gruppentreffen der europäischen Hersteller (57) Zusätzlich zu den beschriebenen Treffen zwischen den obersten Führungskräften und den Treffen auf der Arbeitsebene, an denen auch die japanischen Hersteller teilnahmen, fanden ab 1992 - hauptsächlich in Zürich und Lugano - "Gruppentreffen" der europäischen Produzenten statt, bei denen Vertreter der beiden großen Anbieter UCAR und SGL sowie von VAW Carbon anwesend waren, um die Preispolitik in Westeuropa zu erörtern. Diese Gruppentreffen wurden laut UCAR nach ungefähr einem Jahr eingestellt ([...]*); nachdem SGL 1993 das Graphitelektrodengeschäft von Pechiney übernommen hatte, habe man keine Notwendigkeit mehr für derartige Zusammenkünfte aller europäischen Hersteller gesehen. SGL habe enge Kontakte zu VAW Carbon und Conradty, den beiden anderen deutschen Herstellern, unterhalten. UCAR habe zwar nicht unmittelbar Kenntnis davon erhalten, sei aber davon ausgegangen, dass SGL mit diesen Unternehmen direkt in Verbindung trat, wenn eine Koordinierung der Preise in Europa erforderlich wurde ([...]*). VAW Carbon hat eigenen Angaben zufolge ([...]*) an solchen Zusammenkünften "ein- oder zweimal im Jahr" teilgenommen (dies bedeutet, dass die Treffen auch nach 1993 fortgesetzt wurden). iii) Bilaterale Kontakte (58) UCAR und SGL unterhielten weiterhin zahlreiche bilaterale Kontakte in Form von Zusammenkünften oder Telefonaten, um ihre Preispolitik und ihr Marktverhalten in Europa aufeinander abzustimmen. Diese Kontakte kamen nicht nur regelmäßig zwischen den Europa-[...]* zustande, sondern beinhalteten auch häufige Treffen und Telefongespräche zwischen dem [...]* von UCAR und dem [...]* von SGL ([...]*). Um diese Kontakte geheim zu halten, ließ der [...]* von SGL bei sich zuhause ein Extratelefon mit Faxgerät installieren. Die Gespräche fanden zwei- bis dreimal pro Monat statt; dabei ging es nach Aussage von SGL um eine Verständigung auf "relevante Marktparameter". Die bilateralen telefonischen Kontakte zwischen UCAR und SGL wurden durch persönliche Begegnungen ergänzt, die zwei- bis dreimal im Jahr stattfanden, und zwar wiederholt im Hilton-Hotel am Flughafen Zürich, in einem Hotel in der Nähe des Flughafens Genf sowie in Pariser Hotels der Ketten Holiday Inn und Sofitel. Zu den Begegnungen kam es üblicherweise im Herbst, wenn die Preiserhöhungen für das folgende Jahr geplant wurden. Den Angaben von SGL zufolge liefen die Treffen stets nach demselben Schema ab: Es wurden Marktdaten - u. a. Informationen über das Absatzvolumen und das Preisniveau - ausgetauscht, und die Teilnehmer erörterten erzielbare Preise sowie Absatzprognosen. Auf dieser Basis berechneten UCAR und SGL die neuen Preisziele für die einzelnen nationalen Märkte. Außerdem verständigten sie sich auch auf die Einhaltung des Heimatmarkt-Prinzips und die Beibehaltung der wichtigsten Kunden in Bezug auf Italien ([...]*). iv) Vorkehrungen zur Verheimlichung von Zusammenkünften und Kontakten (59) Die Kartellmitglieder trafen sorgfältige Vorkehrungen, um ihre Kontakte und Begegnungen zu verschleiern oder geheim zu halten (siehe [...]*). So wurden - Unterlagen bei den Treffen entweder nicht verteilt oder anschließend vernichtet; - Spesen bar ausgezahlt, so dass die Treffen in Spesenabrechnungen nicht auftauchten; - Telefongespräche direkt zwischen den führenden Mitarbeitern unter Umgehung der Sekretariate vermittelt (in einer frühen Phase wurde der SGL-[...]* bei einem Telefonat mit UCAR versehentlich beim Namen genannt; daraufhin durfte nur noch verschlüsselt von "[...]*" gesprochen werden); - Mobiltelefone und Faxgeräte in den Privatwohnungen (mit eigenen Anschlüssen) für die Aufnahme von Kontakten zu Wettbewerbern benutzt; als die behördlichen Nachprüfungen begannen, kam es nur noch zur Kontaktaufnahme, wenn dies unbedingt erforderlich war (der [...]* von UCAR erwarb einen Mobilfunkanschluss bei einem Schweizer Netzbetreiber); - ein System von Kodenamen für die Unternehmen und einige Personen erfunden, um deren wahre Identität zu verbergen. SGL war "BMW", UCAR "Pinot" und die Gruppe japanischer Hersteller "Cold" nach den ersten Buchstaben der individuellen Kodenamen "Chivas", "Ocean", "Lawn" und "Dry". VAW Carbon hieß "Wave". Auch Einzelpersonen erhielten Kodenamen: "Artemis" bezeichnete beispielsweise den [...] von UCAR; daneben gab es auch "Moustache" und "Taurus" ([...]*). 1.4.5.2. Absprachen über Preise in Europa (60) Im Zeitraum 1992-1998 haben UCAR und SGL häufig miteinander Kontakt aufgenommen, um die Preise in Europa gemeinsam festzulegen und zu überwachen (Verzeichnis der bilateralen Kontakte: [...]*). Die für das Europageschäft zuständigen [...]* der beiden Unternehmen, die auch an den Kartellbesprechungen auf Arbeitsebene teilgenommen haben, erstellten Preisempfehlungen, die sich in der Regel auf Angaben der für die einzelnen Länder zuständigen Vertriebsleiter stützten. Diese "Empfehlungen" wurden entweder bei persönlichen Begegnungen oder am Telefon besprochen (s. Rdnr. 58). Preisgespräche führten UCAR und SGL ferner während oder am Rande der Treffen auf Arbeitsebene, an denen auch die japanischen Hersteller teilnahmen und bei denen die Preise in sämtlichen Regionen der Welt erörtert wurden. Dabei wurden die japanischen Kollegen über die Preise in Europa informiert. SGL und UCAR verständigten sich bei ihren bilateralen Kontakten für die westeuropäischen Märkte auf DEM-Preise, die anschließend je nach Markt in andere Landeswährungen umgerechnet wurden. Auf diese Weise sollten Preisabweichungen von mehr als fünf bis zehn Prozent in Europa ausgeschlossen werden (s. u. a. [...]*). Wenn sich die [...]* von SGL und UCAR nicht auf einen Preis einigen konnten, wurde die Entscheidung den [...]* der beiden Unternehmen überlassen. (61) UCAR hat der Kommission ferner eine Tabelle mit den Preisen vorgelegt, die am 1. Juli 1992 und 1. Januar 1993 in den einzelnen Regionen und EG-Mitgliedstaaten berechnet werden sollten (s. Anhang 4). Die Preise sind zumeist in der jeweiligen Landeswährung aufgeführt. Für die Niederlande, Portugal und Griechenland sind DEM-Preise angegeben; die Preise für Dänemark, Finnland und Norwegen sind der Gegenwert zum SEK-Preis in der betreffenden Landeswährung. Die Unterlage wurde wahrscheinlich von SGL an UCAR gefaxt (möglicherweise handelt es sich dabei aber auch um die Preisliste, die bei dem Treffen auf Arbeitsebene am 25. Mai 1992 oder bei der Zusammenkunft der beiden Unternehmen am 3. Juni 1992 in Berlin vereinbart worden war). (62) Auch wenn die eigentlichen Entscheidungsträger SGL und UCAR waren, so wurden die Preise in Europa auch bei den Kontakten und Treffen zwischen den beiden führenden Herstellern und kleineren Anbietern im westeuropäischen Markt erörtert. Laut VAW Carbon tauschten die Teilnehmer der Europa-Gruppentreffen, bei denen das Unternehmen anwesend war und bei denen stets SGL der Wortführer gewesen sein soll, ihre Meinungen über den Umfang der Preiserhöhung aus, den der Markt in den einzelnen Ländern verkraften würde ([...]*). Dabei habe es immer einer der beiden führenden Hersteller auf sich genommen, die Preiserhöhungsrunde einzuleiten und die neuen Preise bekannt zu geben. SGL hat die anzuwendenden Preise und "Preisziele" für jeden nationalen Markt in Europa den übrigen Herstellern mitgeteilt. (63) Bei der Nachprüfung im Juni 1997 in den Geschäftsräumen von SGL fanden die Bediensteten der Kommission mehrere Tabellen mit Preisen für Elektroden in den einzelnen Ländern und Regionen der Welt für den Zeitraum von 1994-1997 vor. Im Rahmen der Preisabsprachen wurden Preisziele weit im Voraus festgelegt. Eine Tabelle (vom 12. August 1996) enthält Preise, die an sieben Daten in der Zeit vom 1. Oktober 1994 bis zum 1. Juli 1996 wirksam waren bzw. werden sollten. Der Teil der Tabelle, der Westeuropa betrifft, ist nachstehend wiedergegeben: >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (64) Die eigentliche Beweiskraft dieser Tabelle (die auf den ersten Blick keine geheimen Abmachungen zwischen den Herstellern nahe legte und als rein interne Unterlage gelten konnte) ergibt sich aus dem Umstand, dass andere Hersteller über praktisch identische Übersichten verfügten, die der Kommission mittlerweile vorliegen. Eine nahezu identische Fassung der Tabelle (Aktenzeichen 13-6-95/GV) erhielt die Kommission am 13. März 1998 von SDK ([...]*). Eine spätere Fassung, die das Datum des 2. August 1995 trägt und die SDK am 23. August per Fax von SGL zugesandt bekam, liegt der Kommission ebenfalls vor (s. Anhang 7). Genau die gleiche Tabelle, die SDK am 23. August erhielt, hat SGL am 25. August 1995 dem Chairman von UCAR zugefaxt (s. Anhang 8). Am 24. Oktober 1995 erhielt C/G per Fax das gleiche Papier von seinem deutschen Handelsvertreter, der es von VAW Carbon zugefaxt bekommen hatte (s. Anhang 9; s. auch Antwort von C/G vom 22. Juli 1999 auf das Auskunftsverlangen der Kommission, S. 6). Ähnliche Preisübersichten, die anlässlich der Nachprüfung bei SGL vorgefunden wurden, sind in den Anhängen 10 bis 14 wiedergegeben. Diese Kalkulationstabellen waren eindeutig Bestandteil der Preisabsprachen für die europäischen Märkte und sind typische Beispiele für die Unterlagen, die das Kartell während seines Bestehens erstellt und verwendet hat. (65) [...]* hat ferner handschriftliche Tabellen von [...]* (s. Anhänge 15, 16) vorgelegt, die es wie folgt umschreibt: "These are examples of lists of world graphite electrode markets with current and future price objectives. [...] The price lists were prepared by SGL on a periodic basis and distributed to the graphite electrode producers". [Es handelt sich hier um Beispiele für Verzeichnisse der Graphitelektrodenmärkte der Welt mit aktuellen und künftigen Preiszielen. [...] Die Preislisten wurden von SGL in bestimmten Abständen erstellt und an die Graphitelektrodenhersteller verteilt.] (s. Anlange II zu [...]*, S. 6). Die aktive Rolle von SGL bei der Verbreitung der in Europa zu berechnenden Preise wird belegt durch eine Notiz, die sich der seinerzeitige Chief Executive Officer von C/G über ein Telefongespräch mit dem [...]* von SGL gemacht hat, bei dem es um Preisziele für Europa ging (s. auch Antwort von C/G vom 22. Juli 1999 auf das Auskunftsverlangen nach Artikel 11, S. 3 f). 1.4.5.3. Durchsetzung von Preiserhöhungen (66) Um die zweiseitig vereinbarten (und den übrigen Herstellern mitgeteilten) Preise durchzusetzen, verständigten sich SGL und UCAR vorab darauf, wer von ihnen als Erster die Kunden über die Erhöhung unterrichten würde. Ein einmal festgelegter Preis durfte nicht unterboten werden. Diese Vorgehensweise wurde im Grundsatz von den beiden [...]* von SGL und UCAR vereinbart, als sie sich im Oktober 1992 in Genf trafen (außerdem einigten sie sich darauf, die bestehende "Kundenstruktur" zu respektieren, d. h. keine Stammkunden der Konkurrenz durch attraktive Angebote abzuwerben). Die Ernennung zum Anführer einer Preiserhöhungsrunde in einem bestimmten Land in Europa hing von der Stellung der beiden Unternehmen in dem betreffenden Markt ab. SGL war wegen seines höheren Marktanteils für die Bekanntgabe der Preiserhöhungen und die Einleitung einer neuen Runde in Deutschland und Skandinavien zuständig. UCAR leitete in der Regel die Preiserhöhungsrunden in Frankreich und im Vereinigten Königreich ein. In den beiden andere nationalen Elektrodenmärkten der Gemeinschaft von Bedeutung, nämlich Italien und Spanien, wo UCAR und SGL auf etwa den gleichen Marktanteil kamen, wurde jedesmal neu vereinbart, welcher von beiden die Preiserhöhungsrunde "öffentlich" einläuten würde, um den neuen Preis im Markt durchzusetzen ([...]*). (67) Preiserhöhungen wurden den Kunden von dem für das jeweilige Land zuständigen Vertriebsleiter bekannt gegeben, die mit einigen ihrer Kollegen Kontakte im Hinblick auf die Durchsetzung der Preise unterhielten ([...]*). Es war nicht üblich, den Kunden Preislisten auszuhändigen (anders liegt der Fall in Italien; s. Rdnr. 77); Preiserhöhungen wurden offensichtlich mündlich mitgeteilt, obwohl sie in einigen Fällen auf Wunsch des Kunden auch schriftlich bestätigt wurden ([...]*). (68) UCAR und SGL haben ihren Kunden die Preise durchgehend in der vereinbarten Höhe berechnet. Bisweilen wurden auch Nachlässe gewährt, die aber weder auf der Rechnung erschienen noch schriftlich festgehalten wurden. Nach den Angaben von UCAR "griffen" die Preiserhöhungen nach 1992 - im Unterscheid zum Zeitraum 1987-1991, als das Kartell noch nicht bestand - in der Regel bei den Kunden ([...]*). (69) Die Preise wurden oft gestaffelt erhöht und traten in den einzelnen Ländern oder Ländergruppen zu unterschiedlichen Terminen in Kraft. In Ländern, in denen das Produkt in D-Mark in Rechnung gestellt wurde, gingen die Preise zur selben Zeit wie in Deutschland hoch. Die Erhöhung in Frankreich, Belgien und Luxemburg folgte gewöhnlich zu einem späteren Zeitpunkt; danach waren die Preise europaweit eine Zeit lang einheitlich (bis zur nächsten Runde und erneuten Anhebung der Preise in der D-Mark-Zone). Gelegentlich wurden geplante Preiserhöhungen auch verschoben. UCAR schlug Anfang 1997 vor, die Preise in Europa mit Wirkung vom 1. Juli 1997 zu erhöhen. SGL war von dieser Idee "nicht begeistert", weil die Preise in dem Jahr schon zum 1. Januar angehoben worden waren; dennoch sagte das Unternehmen UCAR seine Unterstützung für eine Preiserhöhung zu, die letztlich aber nicht durchgeführt wurde ([...]*). Sobald die Kunden die vom jeweiligen Marktführer angekündigte Preiserhöhung akzeptiert hatten, zogen die kleineren Hersteller nach und berechneten ebenfalls die neuen Preise ([...]*). 1.4.5.4. Preiserhöhungen im Zeitraum 1992-1997 (70) Zu Beginn des Kartells (Mai 1992) kosteten Graphitelektroden in Europa 3600 DEM/t (in Deutschland, Skandinavien, den Niederlanden, Griechenland, Portugal und in der Schweiz galten DEM-Preise). Der Preis stieg bis zum 1. Juli 1996 in (nachweisbar neun) Schritten auf 5400 DEM/t, d. h. um 50 % in einem Zeitraum von fünf Jahren (s. Anhang 14). 1997 wurde die für den 1. Juli 1997 geplante Preiserhöhung in Anbetracht der bevorstehenden Kartelluntersuchung auf 1998 verschoben. 1997/1998 stagnierten die Preise Meldungen zufolge bei 5500 DEM/t. Am 1. Januar 1998 lag der Preis bei 5600 DEM/t. 1.4.5.5. Aufteilung von Märkten (71) Die den einzelnen Herstellern zugewiesenen Marktanteilsquoten waren im Mai 1992 in Zürich vereinbart worden ([...]*). Es gibt aus jener Zeit keine Aufzeichnungen über die bei dieser Gelegenheit tatsächlich abgesprochenen Quoten. Bemerkenswert ist aber ein unternehmensinternes Papier vom November 1996, in dem SGL seine Strategie bis zum Jahr 2000 darlegt (s. Anhang 18). Darin heißt es u. a.: "Market Share/Competition Market shares will stay stable with 25 % for SGL, 31 % for UCAR and 24 % for Japanese" [Markanteil/Wettbewerb Marktanteil werden stabil bleiben: 25 % für SGL, 31 % für UCAR und 24 % für die Japaner]. An anderer Stelle wird Folgendes empfohlen: "Follow equilibrium with stable market shares for SGL (25 %), UCAR (31 %) and Japanese (24 %)." [Gleichgewicht mit stabilen Marktanteilen für SGL (25 %), UCAR (31 %) und Japaner (24 %) halten.] [Die Prozentzahlen beziehen sich auf den Weltmarkt.] Der Marktanteil der einzelnen Hersteller in Westeuropa wird für 1996 wie folgt veranschlagt: 40 % für SGL, 31 % für UCAR, 8 % für C/G, 3 % für die japanischen Hersteller und 13 % für die "anderen", d. h. Conradty und VAW Carbon (s. Anhang 19). Mangels anderer Beweise kann davon ausgegangen werden, dass diese von den beteiligten Unternehmen in ihren schriftlichen Antworten auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte nicht bestrittenen Zahlen den vereinbarten Quoten entsprechen. (72) Bei den späteren Treffen auf Arbeitsebene überprüften die Teilnehmer ihre Umsätze in den einzelnen Märkten und tauschten Informationen aus, um die Einhaltung der zugeteilten Quoten zu überwachen. Laut UCAR brachten alle Teilnehmer zu den Treffen Informationen über ihre Umsätze mit, die dann in einer Tabelle mit drei Spalten - für SGL, UCAR und die Gruppe der vier japanischen Hersteller - zusammengefasst wurden. Die Daten wurden jeweils als Gesamtwert für jede Region gegeben und innerhalb jeder Region nach Ländern aufgeschlüsselt ([...]*). Dies wird von Tokai bestätigt, wonach diese "Nachfrageübersicht" auch die Vorausschau für die nahe Zukunft enthielt (Antwort von Tokai auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte, S. 8). Um den Austausch von Absatzdaten zu formalisieren und die Datenerhebung wirksamer zu gestalten, schlug SGL bei dem Treffen der obersten Führungskräfte, das im Februar 1995 in Tokio stattfand, ein zentrales Überwachungssystem - das "Central Monitoring System" bzw. CMS - vor. Tokai wurde vom Kartell damit beauftragt, die einschlägigen Informationen von den japanischen Herstellern, UCAR und SGL einzuholen. In Anhang 20 ist eine entsprechende Datensammlung wiedergegeben. Der CMS-Bericht ("CMS Report/Forecast 1995 & 1996") beginnt mit einer allgemeinen Übersicht über den weltweiten Markt und die Marktstellung von SGL, UCAR sowie der japanischen Unternehmen in den einzelnen Regionen; die drei "Säulen" der Branche weltweit werden mit den Schenkeln eines Dreiecks verglichen, in dem ein Gleichgewicht in Bezug auf die Marktanteile gewahrt werden muss: "The balance in markt shares within this triangle in these 4 years inclines to Pinot ..." [Es besteht in diesem Vierjahreszeitraum ein Ungleichgewicht in dem Dreieck zugunsten von Pinot (gemeint ist UCAR)]. "There is a sign of enlarging distortion in the balance of market shares within the triangle which might result in some destructive reactions from the losing part. Though it is not easy to say what the just balance is, we have to be vary (sic) careful about the balance all the more we are more or less enjoying the fruit of the co-operation ..." [Es gibt Anzeichen für eine wachsende Verschiebung des Gleichgewichts der Marktanteile im Dreieck, die zu destruktiven Reaktionen seitens der verlierenden Partei führen könnte. Es lässt sich zwar nicht einfach sagen, wie das richtige Gleichgewicht auszusehen hat; dennoch müssen wir sehr sorgfältig auf das Gleichgewicht achten, und zwar umso stärker, als wir mehr oder weniger die Früchte der Zusammenarbeit pfluecken ...] "The coming years till 2000 will be very important and adequate for us to promote a new way of symbiosis in which we can all secure reasonable profits, while on the other hand from another point of view these years, by disorderly releasing the power accumulated and reserved under the co-operation, could be years of destruction of what we have so far formed into a shape." [Die nächsten Jahre bis 2000 werden sehr wichtig für uns sein und eine passende Gelegenheit, um eine neue Art der Symbiose zu fördern, in der wir alle angemessene Profite erzielen können; andererseits können diese Jahre aber auch die Zerstörung dessen mit sich bringen, was wir bislang aufgebaut haben, wenn wir die durch Zusammenarbeit angehäufte und beanspruchte Macht mangels Disziplin aufgeben.] Beigefügt sind vier Tabellen (eine fünfte mit dem Titel "Sales volume and share overview" [Übersicht über Absatzvolumen und Marktanteil] fehlt). (73) Maßgeblich sind hier die Tabellen "World Review of sales volume and demand as of end August 95" [Überblick über das Absatzvolumen und die Nachfrage weltweit Ende August 1995] und "World Forecast Sales Volume and Demand 1996 as of end August 95" [Prognose zum Absatzvolumen und zur Nachfrage weltweit 1996 Ende August 1995]. Unter der Region Westeuropa werden alle stahlproduzierenden Länder einschließlich Norwegen aufgeführt; die Benelux-Staaten werden als eine Einheit betrachtet, und Irland scheint beim Vereinigten Königreich berücksichtigt zu sein. Der Gesamtwert wird für jedes Land nach "Japan", "SGL", "UCAR", "VAW Carbon" und "Andere" aufgeschlüsselt (in der dreispaltigen Übersicht, in der UCAR die Daten zusammengefasst hat, fehlen offensichtlich die Angaben für VAW Carbon). Während im fortlaufenden Text des Berichts die Kodenamen "BMW", "Cold", "Pinot" and "Wave" verwendet wurden, stehen in den beigefügten Tabellen die echten Namen. Die Tabelle "Sales Volume and Share Overview" [Übersicht über Absatzvolumen

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.