Europäische Union

2002/405/EG: Entscheidung der Kommission vom 20. Juni 2001 in einem Verfahren nach Artikel 82 EG-Vertrag (COMP/E-2/36.041/PO — Michelin) (Text von Bedeutung für den EWR.)(Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 1582)

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Quellenkennung: 32002D0405. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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rden können, ist dies ein auf einen engen Raum beschränkter Markt, der allenfalls nationale Ausmaße annehmen kann. Selbst im Fall der "heißen" Runderneuerung, für die es den Runderneuerern in manchen Ländern an Einrichtungen fehlt, erfolgt nach Angaben von Michelin die Bewirtschaftung der abgenutzten Reifendecken auf nationaler Ebene. (155) Es gibt noch andere Faktoren, die diese Feststellung nötigenfalls unterstützen können: a) Der heterogene Charakter der Angebotsstruktur in der Gemeinschaft (156) In der Gemeinschaft ist die Situation gekennzeichnet durch sehr klare Unterschiede, die sich in sehr unterschiedlichen Marktanteilen der verschiedenen Anbieter niederschlagen. Hauptmerkmal des französischen Markts ist die sehr klar vorherrschende Stellung von Michelin, dessen Marktanteil z. B. im Jahr 1995 fast [...] betrug, während Bandag als stärkster Wettbewerber weniger als [...] dieses Markts hielt. In den anderen westeuropäischen Ländern ist das Verhältnis der Wettbewerbskräfte anders und in der Regel für Michelin ungünstiger, wie nachstehende Tabelle zeigt: Tabelle 13: Marktanteile der beiden Hauptanbieter auf dem Markt für die Runderneuerung von Lkw-Reifen in Westeuropa (in %, 1995) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Michelin b) Die innerhalb der Gemeinschaft bestehenden Unterschiede in der Nachfragestruktur tragen zu der starken Sonderstellung des französischen Markts bei (157) Die für die Struktur der Nachfrage auf dem Runderneuerungsmarkt in der Gemeinschaft bezeichnenden Unterschiede sind tatsächlich sehr markant. Der Umstand, dass die Runderneuerung in Frankreich bei weitem zumeist im Heißverfahren und nominativ erfolgt, trägt sehr zu der starken Aussonderung des französischen Markts bei. Tatsächlich bedingt das Heißverfahren den Einsatz industrieller Runderneuerungsanlagen, gewisse durch den Transport der Karkassen bedingte Einschränkungen, lange Bearbeitungszeiten und vor allem ein komplexes System für das Sammeln der Karkassen. Unter diesen Umständen sind die Dienste eines Vermittlers zwischen dem Runderneuerungsbetrieb und dem Transportunternehmer (normalerweise die des Fachhändlers) praktisch unentbehrlich. In den Ländern, in denen die "kalte" Runderneuerung stark verbreitet ist, ist es dagegen sehr oft der Fachhändler selbst, der die Runderneuerung ausführt, mit dem Ergebnis, dass zwischen Runderneuerer und Transportunternehmer eine direkte Beziehung besteht. c) Die Preisunterschiede zwischen den Mitgliedstaaten sind sehr erheblich (158) Zwischen den in den verschiedenen Ländern praktizierten Preisen bestehen erhebliche Unterschiede - gleich ob man die von Michelin angegebenen Listen- bzw. Rechnungspreise ("prix des barèmes de facturation") oder die Preise nach Abzug der verschiedenen Rabatte zugrundelegt. Die Kommission sieht hierin ein Zeichen für fehlende Homogenität der Wettbewerbsbedingungen in Europa. Als Beispiel soll der nachstehende Vergleich der beim Verkauf an Wiederverkäufer in sechs Ländern geltenden Preise für einen sehr gängigen runderneuerten Reifen (Michelin 385/65 R 22.5 XZA) dienen: Tabelle 14 >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (in FRF, umgerechnet zum jeweiligen Tageskurs) Quelle: Michelin (159) Die Preisunterschiede gegenüber dem französischen Markt sind sehr beachtlich, und zwar sowohl 1993 als auch 1996. 1993 waren die Preise in [...] etwas niedriger ([...]), dafür aber viel höher in [...] ([...]) und vor allem in [...] ([...]), [...] ([...]) und [...] ([...]). Zwischen [...] und [...] betrug der Preisunterschied für den gleichen Reifen praktisch [...]. 1996 betrug der Preisunterschied zwischen einem runderneuerten Reifen in [...] und in [...] sogar [...]. (160) Wenn man bei diesem Vergleich die Preise nach Abzug der auf der Rechnung gewährten Sofortrabatte zugrunde legt, erhält man folgende Tabelle: Tabelle 15 >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (in FRF, umgerechnet zum jeweiligen Tageskurs) Quelle: Michelin (161) Und beim Vergleich der Netto-Endpreise nach Abzug aller Rabatte ergibt sich schließlich folgendes Bild: Tabelle 16 >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (in FRF, umgerechnet zum jeweiligen Tageskurs) Quelle: Michelin (162) Dieser vom Händler letztlich bezahlte Einstandspreis ist gewiss niedriger, er ist abhängig von Rabatten und/oder sonstigen Vorteilen, auf die er Anspruch hat, und die je nach Mitgliedstaat und nach den vom Händler eingegangenen Verpflichtungen erheblich variieren. Das gilt z. B. für die "PRO"-Prämie ("Convention Pour un Rendement Optimum des pneumatiques poids lourd Michelin"), die es in Frankreich und Spanien gibt, nicht aber in Deutschland oder im Vereinigten Königreich. (163) Michelin selbst ist sich der auf europäischer Ebene bestehenden Preisunterschiede durchaus bewusst. In dem bei den Überprüfungen sichergestellten Bericht einer Arbeitsgruppe Runderneuerung von Michelin findet sich die Feststellung, dass "[...]" (164) Eine nach Ländern vergleichende Analyse der Rückkaufpreise für Michelin-Karkassen zeigt ebenfalls erhebliche Preisunterschiede. Die nachstehenden Daten für einen häufig runderneuerten Reifentyp sind bei Michelin vorgefundenen Tabellen entnommen: Tabelle 17: Preisunterschiede beim Rückkauf von Karkassen in Europa >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Michelin Kaum Käufe französischer Fachhändler im Ausland (165) Trotz dieser Preisunterschiede sind Käufe französischer Fachhändler im Ausland äußerst selten. Hierfür gibt es zwei technische und zwei wirtschaftliche Gründe: (166) Zwei technische Gründe: - Da die Runderneuerung in Frankreich hauptsächlich nominativ erfolgt, ist es in Anbetracht der zeitliche Beschränkungen geboten, mit Runderneuerungsbetrieben zu arbeiten, die nicht zu weit vom Kunden entfernt sind, was u. a. bedeutet, dass die Händler die fraglichen Karkassen nur selten ins Ausland schicken. - Da der Preis eines runderneuerten Reifens geringer ist als der eines Neureifens, fallen die Transportkosten der Karkassen im Rahmen der Gesamtkosten des runderneuerten Reifens stärker ins Gewicht, als dies bei einem neuen Ersatzreifen der Fall wäre. Diese Kosten können sich als ein ernsthaftes Hindernis für den gemeinschaftsinternen Handel erweisen. (167) Zwei wirtschaftliche Gründe: - Das Einsammeln der Karkassen durch die im Heißverfahren arbeitenden Runderneuerer (u. a. Michelin) ist im Wesentlichen auf nationaler Ebene organisiert. - Die von Michelin eingeführten Verkaufsbedingungen und Rabattsysteme sind ein starker Anreiz für die Fachhändler, die zur Runderneuerung bestimmten Karkassen an die nationale Niederlassung von Michelin zu schicken. Wenn der Händler möglichst hohe Rabatte erzielen möchte, liegt es somit in seinem Interesse, seine Käufe nicht zu zersplittern und die bei ihm anfallenden Karkassen bei einem und demselben Unternehmen runderneuern zu lassen. (168) Hinsichtlich der runderneuerten Lkw-Reifen ist somit festzustellen, dass der französische Markt als der räumlich relevante Markt betrachtet wird. (169) In Anbetracht der Bedeutung des französischen Markts für die fraglichen Produkte ist auch festzustellen, dass es sich um einen wesentlichen Teil des Gemeinsamen Markts im Sinne von Artikel 82 Absatz 1 EG-Vertrag handelt. Schlussfolgerungen zur Frage der relevanten Märkte (170) Der Bereich der Reifen für die Ersatzausrüstung von Lastkraftwagen und Omnibussen umfasst zwei relevante Produktmärkte, den Markt für neue Lkw-Ersatzreifen und den Markt für runderneuerte Reifen. (171) Für jeden dieser beiden oben definierten Produktmärkte hat sich der französische Markt als der räumlich relevante Markt erwiesen, insbesondere in Anbetracht des Fehlens homogener Wettbewerbsbedingungen auf den verschiedenen nationalen Märkten und des sehr begrenzten Umfangs der Reifenkäufe französischer Händler im Ausland. B. DIE BEHERRSCHENDE STELLUNG VON MICHELIN (172) Der Gerichtshof hat die beherrschende Stellung in seinem Urteil vom 13. Februar 1979 in der Rechtssache 85/76, Hoffmann-La Roche/Kommission, definiert als "wirtschaftliche Machtstellung eines Unternehmens (...), die dieses in die Lage versetzt, die Aufrechterhaltung eines wirksamen Wettbewerbs auf dem relevanten Markt zu verhindern, indem sie ihm die Möglichkeit verschafft, sich seinen Wettbewerbern, seinen Abnehmern und letztlich den Verbrauchern gegenüber in nennenswertem Umfang unabhängig zu verhalten"(16). Dem Gerichtshof zufolge kann sich "das Vorliegen einer beherrschenden Stellung (...) aus dem Zusammentreffen mehrerer Faktoren ergeben, die jeweils für sich genommen nicht ausschlaggebend sein müssen, unter denen jedoch das Vorliegen erheblicher Marktanteile in hohem Maße kennzeichnend ist"(17). (173) Die nachfolgende Analyse dreier Arten von Kriterien erlaubt den Schluss, dass Michelin auf den relevanten Märkten eine beherrschende Stellung besitzt. Zunächst dienen als Ausgangsbasis dieser Diagnose einige strukturelle Indikatoren, darunter vor allem die Marktanteile des Unternehmens. Die Analyse des Verhaltens von Michelin auf den relevanten Märkten lässt sodann gewisse, für eine beherrschende Stellung charakteristische Einstellungen und Praktiken erkennen. Bestätigt wird diese Analyse schließlich durch den Befund der wirtschaftlichen Abhängigkeit, in der sich die Fachhändler gegenüber einem Zwangspartner befinden, wie ihn Michelin darstellt. 1. STRUKTURELLE INDIKATOREN EINER BEHERRSCHENDEN STELLUNG (174) Seit dem Urteil in der Rechtssache Hoffmann-La Roche hat der Gerichtshof mehrfach festgestellt, dass außerordentlich hohe Marktanteile "für sich allein eine beherrschende Stellung beweisen"(18). Im gleichen Urteil stellte der Gerichtshof fest, dass ein Unternehmen, das z. B. Marktanteile von 86 % (Vitamin B-2) oder 75 % (Vitamin B-6, "95 %, nach Abzug von 20 %") hält, als in einer beherrschenden Stellung befindlich anzusehen ist. In seinem Urteil vom 3. Juli 1991 in der Rechtssache C-62/86, AKZO Chemie BV/Kommission(19), bestätigte der Gerichtshof, dass ein Marktanteil von 50 % außer in außergewöhnlichen Umständen allein schon einen Beweis für das Vorliegen einer beherrschenden Stellung darstellt. Wörtlich heißt es hier: "Hinsichtlich der Marktanteile hat der Gerichtshof (...) entschieden, dass besonders hohe Anteile - von außergewöhnlichen Umständen abgesehen - ohne weiteres den Beweis für das Vorliegen einer beherrschenden Stellung liefern. Dies ist der Fall bei einem Marktanteil von 50 %, wie er im vorliegenden Fall festgestellt wurde"(20). (175) Alle Analysen zeigen übereinstimmend, dass die Anteile von Michelin an den beiden relevanten Märkten seit mehr als 20 Jahren ständig über diesem Schwellenwert lagen. Der Markt für neue Ersatzreifen (176) Der Fachverband SNCP (Syndicat National du Caoutchouc et des Plastiques) schätzte den Anteil von Michelin am Markt für neue Lkw-Ersatzreifen 1995 auf 58,9 %. Eine Veröffentlichung der auf die Branche spezialisierten Marketline Ltd gab Michelin 55 % Marktanteile. Michelin bestritt dies und beanspruchte für sich nur [...] dieses Markts. Die Wettbewerber von Michelin schätzen den Marktanteil des Unternehmens auf Werte zwischen 51 und 65 %. Bei der Überprüfung 1997 gefundene interne Zahlentabellen der Verkaufsleitung von Michelin zeigen, dass der Marktanteil von Michelin [...] stabil zwischen [...] und [...] lag. Gleich wie wohlfundiert jede einzelne dieser Analysen sein mag, sie bestätigen alle, dass Michelin im ganzen Bezugszeitraum einen Marktanteil von mehr als [...](21) hatte, und wenn man bedenkt, dass Michelin nach eigenen Angaben anfangs der 80er Jahre einen Marktanteil von [...] hatte, ist der Schluss berechtigt, dass Michelin auf dem französischen Markt für neue Lkw-Ersatzreifen seit 20 Jahren stets in einer beherrschenden Stellung war und dass sich seine Marktanteile seit Beginn des Jahrzehnts auf sehr hohem Niveau stabilisiert haben. Tabelle 18: Geschätzte Marktanteile der Anbieter auf dem französischen Markt für neue Lkw-Ersatzreifen (in %) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (177) In der nachstehenden Tabelle sind die Daten wiedergegeben, die bei der Überprüfung in der Verkaufsleitung des Herstellers gefunden wurden: Tabelle 19: Geschätzte Anteile von Michelin am Markt für neue Lkw-Ersatzreifen in sechs europäischen Ländern (in %) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Michelin (178) Auf jeden Fall bestätigen die befragten Hersteller und die Studien übereinstimmend, dass Michelin einen Marktanteil hält, der 5-6 mal so groß ist wie der seines nächsten Wettbewerbers (Dunlop), der knapp [...] des Markts kontrolliert. Der Markt für runderneuerte Reifen (179) Nach eigenen Angaben hielt Michelin selbst und seine Tochtergesellschaft Pneu Laurent in der Zeit von 1985 bis 1996 ununterbrochen Marktanteile, die auf oder über [...] lagen. Ihre Hauptwettbewerber waren die (nur in der Kalt-Runderneuerung präsente) Gruppe der Franchisenehmer von Bandag, die insgesamt in dieser Zeit höchstens [...] des Markts hielt (und zu Anfang der Periode noch deutlich weniger), gefolgt von der Gruppe Dunlop-SEIA-Pneu Holding, die zusammen [...] hielt, vor Goodyear mit [...] und Continental mit [...]. Zu Beginn des hier betrachteten Zeitraums erreichte der Marktanteil von Michelin sogar [...]. Tabelle 20: Geschätzte Anteile der Anbieter am französischen Markt für runderneuerte Lkw-Reifen (in %) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Michelin (180) An der Tatsache, dass Michelin auf dem Markt für runderneuerte Reifen eine beherrschende Stellung hält, kann somit kaum gezweifelt werden, da außerordentlich hohe Marktanteile abgesehen von außergewöhnlichen Umständen für sich allein schon den Beweis für das Vorliegen einer beherrschenden Stellung liefern. Zudem ist diese beherrschende Stellung dauerhaft verankert und auch aus diesem Grund offenbar nicht bestreitbar. 2. SONSTIGE FAKTOREN DER BEHERRSCHENDEN STELLUNG VON MICHELIN (181) Gewisse Merkmale der Aktivitäten von Michelin lassen die Gründe für die Stärke des Unternehmens auf dem relevanten Markt besser verstehen. (182) Der technologische Fortschritt von Michelin ist unbestreitbar. Das Unternehmen hat 1948 den Gürtelreifen eingeführt und ist bis heute der weltweit führende Hersteller dieses Produkts. Obwohl die ursprünglichen Patente für den Gürtelreifen schon seit mehreren Jahren abgelaufen sind und seit 1956 Lizenzen an andere Hersteller vergeben wurden, besitzt Michelin immer noch ein besonderes Know-how auf diesem Gebiet. Ein weiteres Beispiel ist der so genannte "grüne" Reifen, den Michelin kürzlich nach mehreren Jahren umfangreicher Forschungsarbeit unter dem Namen "Energy" auf den Markt gebracht hat. (183) Dieser unbestreitbare technologische Fortschritt erwächst insbesondere aus den enormen Investitionen, die Michelin dank seiner großen finanziellen Mittel durchführen konnte. Das Unternehmen hat stets eine aktive Forschungs- und Innovationspolitik verfolgt. Sein laufendes Budget für Forschung und Technologische Entwicklung (FuTE) beläuft sich auf [...] seines Umsatzes - womit die FuTE-Quote bei Michelin deutlich höher ist als die seiner Hauptwettbewerber. Die FuTE-Budgets von Goodyear, Bridgestone/Firestone, Continental, Pirelli und Dunlop liegen bei [...], [...], [...], [...] bzw. [...] vom Umsatz(22). (184) Die Marke Michelin ist in der Lage, eine sehr breite Auswahl von Reifen vorzulegen, es wird also ein sehr differenziertes Produkt angeboten, mit dem immer zahlreichere Kundenkategorien angesprochen werden. In Frankreich ist diese Angebotspalette größer als die der anderen Hersteller, und zugleich bleiben Qualität und Ansehen der Michelin-Produkte unbestreitbar. (185) Schließlich spricht auch die spontane Nachfrage der großen Transportunternehmen dafür, dass die französischen Transportunternehmer nach wie vor Michelin-Produkte bevorzugen. Für diese Haltung sind mehrere anzuführen: der erhebliche technische Vorsprung, den Michelin in der Vergangenheit hatte, der bedeutende Anteil dieser Marke an der Erstausrüstung der Fahrzeuge, die Effizienz der Vertriebsorganisation und der Grad der Runderneuerbarkeit der Karkassen, der bei Michelin oft höher ist als bei anderen Marken. Die Händler schätzen den Anteil dieser spontanen Nachfrage in Frankreich recht hoch ein. Michelin selbst schätzt den eigenen Anteil [...]. Die starke Präsenz von Michelin auf angrenzenden Märkten (186) Die starke Präsenz des Unternehmens auf angrenzenden Märkten wirkt zugunsten von Michelin, und zwar sowohl auf dem Markt für neue Ersatzreifen als auch auf dem für runderneuerte Reifen. Das darin liegende Hindernis für das Vordringen von Wettbewerbern auf den relevanten Märkten ist keineswegs zu vernachlässigen. (187) Auf dem Markt für neue Ersatzreifen befindet sich Michelin aus zwei Gründen in einer vorteilhaften Lage gegenüber seinen Wettbewerbern. Erstens ist das Unternehmen naturgemäß durch seine sehr starke Stellung auf dem Erstausrüstungsmarkt für Lkw-Reifen ("OE") begünstigt. Tatsächlich ist Michelin der bevorzugte Lieferant des in Frankreich marktführenden französischen Lkw-Herstellers Renault. Tabelle 21: Anteile am europäischen Erstausrüstungsmarkt für Lkw-Reifen (in %) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Michelin (188) Auf europäischer Ebene hält Michelin somit einen Marktanteil von [...], vier mal soviel wie der nächste Wettbewerber und fast sechs mal soviel wie der danach folgende Anbieter. Diese Situation bringt Michelin unbestreitbar in eine äußerst günstige Lage, zumal zweifellos bei den Verwendern eine - wenn auch begrenzte - Tendenz besteht, der Reifenmarke treu zu bleiben, die ursprünglich auf ihre Fahrzeuge montiert war. (189) Zweitens ist Michelin begünstigt durch eine starke Präsenz auf allen Ersatzreifenmärkten, was, wie die nachstehende Tabelle zeigt, für die anderen Hersteller nicht zutrifft: Tabelle 22: Anteile von Michelin und seinen Hauptwettbewerbern an verschiedenen Reifenmärkten in Frankreich (in %, 1995) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Michelin (190) Auf dem Markt für runderneuerte Reifen hat Michelin den erheblichen Vorteil, der einzige Anbieter zu sein, der zugleich eine starke Stellung auf dem Neureifenmarkt besitzt. Tatsächlich hält Michelin in Frankreich etwa [...] des Runderneuerungsmarkts, mit sehr weitem Vorsprung vor dem nächsten Wettbewerber, dem von den anderen Herstellern unabhängigen Netz der Bandag-Franchisenehmer. Michelin ist somit der einzige Reifenhersteller, der seinen Kunden in großem Umfang eine "werksseitige" Runderneuerung seiner eigenen Reifen anbieten kann. Für eine Analyse der Marktmacht des Herstellers erweist sich diese Konstellation als besonders interessant. Tatsächlich gründet sich die ganze Michelin-Werbung auf die Aussage, dass ein (Lkw-)Reifen von Michelin von vorn herein so konstruiert ist, dass er vier Leben haben kann. Somit komme ein Michelin-Reifen, auch wenn er beim Kauf teurer als Wettbewerbsprodukte ist, je Kilometer Fahrleistung auf einen sehr günstigen Selbstkostenpreis. Dieses Verkaufsargument, das sich insbesondere auf die Förderung der Runderneuerung durch den Hersteller stützt, ist somit ein echter Beitrag zur Marktmacht von Michelin. Michelins allgegenwärtiger kommerzieller und technischer Kundendienst (191) Michelin unterhält in Frankreich etwa 50 regionale Logistikzentren, denen mehrere hundert technisch-kaufmännische Vertreter angeschlossen sind, die für eine starke Präsenz von Michelin bei den Händlern sorgen. (192) Die Wettbewerber von Michelin haben in Frankreich zwar auch ihre Verkaufsteams, diese sind aber weit weniger zahlreich und auch deutlich weniger strukturiert. Die im Lkw-Sektor operierende Verkaufsmannschaft von Michelin umfasst mehr als [...] Mitarbeiter(23), während keiner der konkurrierenden Hersteller über eine Verkaufsequipe verfügt, die mehr als etwa 40 Personen zählt. Michelin kann somit seine Marktstellung optimal verteidigen und sicher sein, dass seine Konkurrenten nicht in der Lage sind, auf der Ebene der Endabnehmer ebenso intensiv tätig zu werden. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass [...]. Michelins grosses Gewicht in den französischen Vertriebsnetzen (193) Wie aus dem vorhergehenden Abschnitt zu ersehen ist, hält Michelin in der sehr zersplitterten Branche des Vertriebs von Lkw-Reifen eine sehr starke Stellung. Über sein integriertes Vertriebsnetz "Euromaster" kontrolliert Michelin direkt etwa [...] der insgesamt in Frankreich bestehenden 2225 Verkaufsstellen. Die genannte Zahl entspricht [...] aller Verkaufsstellen im Lande, aber [...] der Gesamtzahl der zu den integrierten Netzen der Hersteller gehörenden Verkaufsstellen. Tatsächlich kontrolliert Dunlop [...] Verkaufsstellen (also gut ein Drittel so viele wie Michelin), während Bridgestone/Firestone nur [...] und die anderen Hersteller überhaupt keine kontrollieren. (194) Die gleiche Situation gilt für die so genannten "Clubs", d. h. für die von den Herstellern geschaffenen Organisationen für die verstärkte Partnerschaft mit ausgewählten Fachhändlern. Mit insgesamt [...] Mitgliedern, die [...] Verkaufsstellen besitzen, erfasst der "Club des amis Michelin" bei weitem die Mehrzahl aller den Mitgliedern dieser "Clubs" gehörenden Verkaufsstellen. Wenn man die Verkaufsstellen der Clubmitglieder zu denen des Euromaster-Netzes hinzurechnet, kommt man somit auf etwa ein Drittel aller in Frankreich bestehenden Verkaufsstellen. (195) Die Marktmacht, die diese mehr oder weniger direkte Kontrolle des Vertriebsapparats dem Unternehmen Michelin verschafft, wird klar erkennbar bei einem Vergleich der Marktanteile der Hersteller in den einzelnen Vertriebskanälen. Die nachstehend wiedergegebene, bei Michelin vorgefundene Tabelle betrifft zwar Europa als ganzes, lässt aber darauf schließen, dass die Situation in Frankreich zumindest gleich, wenn nicht günstiger (für Michelin) ist, wofür zwei Hauptargumente sprechen: - auf allen Reifenmärkten zusammen hält Michelin in Frankreich eine stärkere Stellung als in den anderen Mitgliedstaaten; - das "Euromaster"-Netz und der "Club" sind aus historischen Gründen auf dem französischen Markt stärker entwickelt als anderswo in Europa. Tabelle 23: Vergleich der Anteile von Michelin am europäischen Markt für Lkw-Ersatzreifen, aufgeschlüsselt nach Vertriebswegen (in %, 1994) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Michelin (196) Diese aus der strukturellen Analyse der relevanten Märkte gewonnenen Elemente genügen in ihrer Gesamtheit bereits als Nachweis für die beherrschende Stellung von Michelin. Michelin genießt erhebliche komparative Vorteile und hält sehr bedeutende Marktanteile; kombiniert mit der Schwäche seiner Wettbewerber geben diese Faktoren dem Unternehmen eine Position der Stärke, die es ihm erlaubt, sich in einer Weise unabhängig zu verhalten, wie sie für eine beherrschende Stellung bezeichnend ist. Michelins Verhalten ist ein starker Beweis für seine beherrschende Stellung (197) Eine genauere Analyse der verschiedenen von Michelin praktizierten Verhaltenweisen bestätigt die sich aus der Betrachtung der strukturellen Merkmale des Markts ergebende Feststellung einer beherrschenden Stellung des Unternehmens. Treuerabatte und Unterschiede im Nettopreis gegenüber dem Wettbewerb (198) Die Geschäftspraxis von Michelin, die darin bestand, in großem Maße Treuerabatte zu gewähren, die erst mit erheblicher Verzögerung ausgezahlt wurden, ist ebenfalls ein klarer Beweis für die beherrschende Stellung des Unternehmens. Die Tatsache, dass die Händler es zumindest bis 1997 akzeptiert haben, Michelin-Reifen in Erwartung der erst im Februar des folgenden Jahres ausgezahlten Rabatte zunächst unter Einstandspreis, d. h. mit Verlust weiterzuverkaufen, zeugt für das Ausmaß der von dem Hersteller ausgeübten Marktmacht. (199) Natürlich trifft es zu, dass diese Praxis - insofern, als sie in sich selbst einen Missbrauch darstellen könnte - im weiteren Verlauf weiterentwickelt wurde. Ihre Erwähnung als eines zusätzlichen Beweises für das Bestehen einer beherrschenden Stellung ist jedoch gerechtfertigt. Tatsächlich betonte der Gerichtshof in seinem Urteil vom 14. Februar 1978 in der Rechtssache 27/76, United Brands/Kommission, dass es

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.