Europäische Union

97/26/EG: Entscheidung der Kommission vom 24. April 1996 mit der ein Zusammenschluß als unvereinbar mit dem Gemeinsamen Markt und dem Funktionieren des EWR- Abkommens erklärt wird (Sache Nr. IV/M.619 - Gencor/Lonrho) (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Quellenkennung: 31997D0026. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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. Das geplante Vorhaben wird zu einer oligopolistischen Marktbeherrschung und effektiv zu einem Duopol führen i) Die Rolle von Amplats in der Platinindustrie (179) Laut der Antwort der Parteien ist die Amplats-Strategie klar: "Amplats hat den Wettbewerbern ihre eigene Strategie stets deutlich gemacht. Ein jüngeres Beispiel dafür ist die Pressemeldung (Business Day vom 29. Oktober 1995), in der Amplats mit den Worten zitiert wird, das Unternehmen würde seine Finanzkraft und seine überlegenen Erzvorkommen einsetzen, um den Wettbewerbern jegliches Wachstum im Platinmarkt zu verwehren. Außerdem würde die zur Zeit geplante Ausweitung die Produktionskosten zu dem Faktor machen, der Gewinner und Verlierer im Markt voneinander unterscheidet (siehe Anhang IV). Die Kontrolle über die zu den geringsten Kosten realisierbaren Expansionsmöglichkeiten der Branche (in PP Rust) machen Aussagen von Amplats wie diese glaubhaft. ... Damit behält Amplats eine Position bei, in der das Unternehmen eine einzigartige Marktmacht ausüben kann, sofern ihm nicht entgegengetreten wird. Für Amplats wäre dies die beste aller Möglichkeiten, während für Implats und LPD eine Neuausrichtung erforderlich würde, die die beste Option zur Wiederherstellung eines tatsächlichen Wettbewerbs auf Erzeugerebene darstellen würde (siehe Anhänge V, VI und VII)." (Anhang 10 der Antwort). (180) Amplats verfügt über die Möglichkeit, neue Kapazitäten zu geringen Kosten auf den Markt zu bringen, und dabei mit der Geschwindigkeit vorzugehen, die das Unternehmen für angemessen hält. Die wesentlichen Wettbewerbseinfluesse auf das Marktverhalten von Amplats im letzten Jahrzehnt waren die Expansion von LPD und die russischen Verkäufe aus Lagerbeständen. ii) Der Zusammenschluß würde effektiv zu einem Duopol führen (181) Das Vorhaben wird alle Platinaktivitäten von Gencor und Lonrho in einem Unternehmen zusammenfassen. Implats/LPD und Amplats hätten 1994 jeweils einen Marktanteil von rund 30-35 % gehabt. Dieser Marktanteil dürfte sich auf rund 40 % für jedes der beiden Unternehmen erhöhen, wenn Rußland wie erwartet in etwa zwei Jahren den Verkauf aus Lagerbeständen einstellt. Dies wird Rußland außerdem gegenüber Implats/LPD und Amplats die Rolle eines weniger bedeutenden Marktbeteiligten zuweisen. Mittel- bis langfristig dürfte sich die Wettbewerbssituation effektiv zu einem Duopol entwickeln. Eine Duopolsituation würde es den Haupterzeugern wesentlich erleichtern, ihr Verhalten aneinander anzupassen und beispielsweise die Produktion zu drosseln. iii) Ähnliche Kostenstrukturen von Amplats und Implats/LPD werden den Wettbewerbsanreiz vermindern (182) Wie aus dem Schaubild in Anhang II hervorgeht, wird der Zusammenschluß von LPD und Implats zu einem neuen Unternehmen führen, dessen Betriebskostenstruktur für die Bergwerke der von Amplats ähnelt. Aus den Schaubildern in Anhang II folgt nicht, daß die Betriebskosten in jeder Hinsicht gleich sein werden, da aufgrund der Erzgüte, der unterschiedlichen Zusammensetzung des geförderten Erzes, unterschiedlicher Kosten bei der Verarbeitung und Raffination und unterschiedlicher Verwaltungskosten weiterhin bedeutende Unterschiede gegeben sein können. Die Schaubilder in Anhang II zeigen jedoch eine größere Ähnlichkeit der Kosten von Amplats und Implats/LPD nach dem Zusammenschluß. (183) Implats hat vorgetragen, daß das Vorhaben dem kombinierten Unternehmen Implats/LPD erlauben wird, erhebliche Synergien zu erzielen. Wie im folgenden Abschnitt VII dargelegt wird, werden diese Synergien vom LPD-Management bestritten. Die Kommission ist der Auffassung, daß die angegebenen Synergien sich sogar negativ auswirken können, da die Unterschiede in den zwischen Implats und LPD bestehenden Organisationskulturen eine Integration schwierig machen werden und diese daher sehr teuer sein könnte. Die einzige Auswirkung des Zusammenschlusses auf die Kostenstruktur ist demnach die Schaffung eines Unternehmens mit einer Kostenstruktur, die der von Amplats ähnelt, jedoch werden Synergieeffekte Implats/LPD keinen Kostenvorteil gegenüber Amplats verschaffen. (184) Die größere Ähnlichkeit der Kostenstrukturen von Amplats und Implats/LPD bedeutet, daß das kombinierte Unternehmen Implats/LPD und Amplats in einem größeren Umfang auf die gleiche Weise von Marktentwicklungen beeinflußt wird und auf diese reagieren dürfte, z. B. in seinen Produktionsentscheidungen. Ein Preisanstieg würde beispielsweise ähnliche Auswirkungen auf die Rentabilität der beiden Unternehmen haben. Die beiden südafrikanischen Erzeuger werden daher in einem höheren Maße ein gemeinsames Interesse an Entwicklungstendenzen des Markts haben, was die Wahrscheinlichkeit eines wettbewerbswidrigen Parallelverhaltens nach dem Zusammenschluß, also z. B. eine Drosselung der Produktion, erhöhen wird. (185) Die Parteien haben in ihrer Antwort ausgeführt, daß sich Implats in den letzten Jahren stark verändert hat und die Kostenunterschiede zwischen den südafrikanischen Produzenten geringer als angenommen sind. Es ist jedoch unbestritten, daß LDP derjenige Produzent in der südafrikanischen Platinindustrie mit den geringsten Kosten ist, und daß es für Implats eines der Hauptziele des Zusammenschlusses ist, sich Zugang zu billigen Rohstoffen zu sichern. iv) Der Zusammenschluß wird LPD aus dem Markt ausschalten und den Wettbewerb vermindern (186) Durch den Zusammenschluß wird LPD als unabhängiger Marktbeteiligter ausgeschaltet. Alle Belange des Abbaus, der Aufbereitung, der Raffination und der Vermarktung des Platins werden in einem einheitlichen Management in Implats/LPD konzentriert sein. Daher wird LPD als bedeutende "dritte Kraft" im Markt als Folge des Zusammenschlusses ausgeschaltet, wodurch den Kunden weniger Wahlmöglichkeiten bleiben. Infolgedessen dürften die Vertragsbedingungen für die Kunden noch ungünstiger werden. Der bestehende beschränkte Wettbewerb bei Rabatten dürfte nach dem Zusammenschluß weiter zurückgehen. (187) Der Zusammenschluß wird mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Drosselung der Produktion des kombinierten Unternehmens Implats/LPD führen. In diesem Zusammenhang sollte festgehalten werden, daß eine Begrenzung des Ausstoßes nicht notwendigerweise eine Reduzierung des absoluten Produktionsniveaus sein muß. Eine Kontrolle der Wachstumsrate der Kapazität kann genauso wichtig sein. Selbst in einem Markt mit moderatem Wachstum wie dem Platinmarkt ist eine Verringerung der Wachstumsrate der Kapazität bereits ausreichend, um zu einer Verknappung der Angebots-Nachfrage-Relation und damit zu Preisanstiegen zu führen. Der in Vorbereitung des Zusammenschlusses an die Lonrho-Aktionäre gerichtete Rundbrief führt dazu aus: "Implats und Lonrho konnten in der Vergangenheit keine Einigung über einige Fragen erzielen, zu denen auch die von Lonrho vorgeschlagenen Pläne zur Erweiterung der LPD-Aktivitäten gehören. Der Board of Directors ist der Meinung, daß die Interessen von Lonrho und Gencor an einer Wertsteigerung des fusionierten Unternehmens Implats nach dem Zusammenschluß zum Vorteil beider Aktionäre ausgeglichen werden." (188) Darüber hinaus wird nach den Vorhersagen, die dem [...] präsentiert wurden, die Angleichung der Interessen nach dem Zusammenschluß eine Zurückführung der Expansionspläne beinhalten. Sie wird also zu höheren Preisen im Vergleich zu der Situation führen, in der der Zusammenschluß nicht ausgeführt wird und beide Firmen mit ihren bisherigen Zukunftsplanung fortfahren. Insbesondere wurden dem [...] zwei verschiedene Produktionsszenarien vorgelegt, in denen die Konsequenzen für die Produktion von Implats und LPD für den Fall, daß der Zusammenschluß erfolgt, und für den Fall, daß er nicht erfolgt, dargelegt werden: "a) [...] b) [...] (22)(22) [...]"(189) [...] ist laut dem Bericht [...] insbesondere der Auffassung, daß der Zusammenschluß marktseitig zwei Hauptvorteile (zusätzlich zu möglichen Kosteneinsparungen) haben wird: "[... die Beibehaltung der jetzigen Produktionsniveaus dürfte die Preise für die wichtigsten Metalle positiv beeinflussen.] (23)(23) [...]"Außerdem heißt es dort: "[... der fusionierte Konzern wird eine höhere Marktkapitalisierung aufweisen, als dem zugrundeliegenden Wert der fusionierten Unternehmen entspricht. Grund dafür sind die Größe des Konzerns und seine Möglichkeit, stärkeren Einfluß auf den Markt auszuüben]." (190) Findet der Zusammenschluß nicht statt, würde eine Expansion von LPD den Wettbewerbsdruck auf die mit geringem Deckungsbeitrag arbeitenden Abbaustätten von Implats und Amplats erhöhen. Die Kommission schätzt ausgehend vom Schaubild in Anhang II, daß auf Abbaustätten, die Betriebsverluste erzielten, [...] (23) der Implats-Produktion und [...] (24) der Amplats-Produktion des Jahres 1994 entfielen. Der Zusammenschluß wird aus zwei Gründen den Wettbewerb verringern und zu einer oligopolistischen Marktbeherrschung führen: a) Der Zusammenschluß wird eindeutig den von LPD ausgeübten Wettbewerbsdruck auf die mit hohen Kosten arbeitenden Implats-Betriebe ausschalten, indem die Marketingfunktionen von LPD und Implats zusammengefaßt werden und sichergestellt wird, daß jede künftige Expansion der gegenwärtigen LPD-Vorkommen nur unter Berücksichtigung des Gesamtinteresses des fusionierten Unternehmens Implats/LPD erfolgt. Vom Implats-Standpunkt aus würde der Zusammenschluß dem Wettbewerbsverhalten des jetzigen Unternehmens LPD Einhalt gebieten; b) durch den Zusammenschluß wird ein Unternehmen derselben Größe wie Amplats geschaffen, das über erhebliche, zu geringen Kosten ausbeutbare Vorkommen und eine ähnliche Kostenstruktur verfügt und in der Lage ist, einen größeren Einfluß auf den Markt auszuüben. In dieser Lage wird es angesichts der Marktmerkmale und des bisherigen Wettbewerbsverhaltens in der Branche keinen Anreiz für Amplats und Implats/LPD geben, miteinander zu konkurrieren. Ein sehr wahrscheinliches Ergebnis des Zusammenschlusses ist daher wettbewerbswidriges Parallelverhalten. Die jetzige Struktur dürfte in der Tat weit eher ein gewisses Maß an Wettbewerb gewährleisten, weil LPD eine dritte Kraft im Markt darstellt und einen größeren Anreiz hat, ihre Produktion zu erweitern, als ein fusioniertes Unternehmen Implats/LPD. (191) Trotz der zuvor bestehenden Verbindungen zwischen den Konzernen Gencor und Lonrho wäre Implats nicht auf längere Zeit in der Lage, LPD an einer Erweiterung der Platinproduktion zu hindern, wenn der Zusammenschluß nicht stattfindet. LPD kann mit lediglich begrenzten Zusatzinvestitionen expandieren. Aus den von den Parteien bereitgestellten Daten sowie einer von Herrn R.W. Rowland, dem früheren Lonrho-Vorstandsvorsitzenden, bereitgestellten Analyse geht hervor, daß die geplante Erweiterung einfach durch vom Unternehmen selbst erwirtschaftete Mittel finanziert werden kann. Eine weitere Expansion zu geringen Kosten ist ebenfalls möglich, und auch die Minderheitenrechte von Implats können auf längere Sicht keine Maßnahmen verhindern, die allen Aktionären Vorteile bringen würden. (192) In ihrer Antwort haben die Parteien die Befürchtung ausgedrückt, daß die Kommission es versäumt hat, den Beweisen in diesem Fall das richtige Gewicht zu geben, indem sie eine irreführende Darstellung der Ansichten von Drittparteien bezüglich des Zusammenschlusses abgegeben habe. Sie versuchen die Bedeutung der Beweise zu quantifizieren, indem sie einen Prozentsatz von Antworten auf zwei bestimmte Fragen im Fragebogen der Kommission zitieren. Dies unterstützt ihrer Ansicht nach ihre Auffassung bezüglich der Auswirkungen des Zusammenschlusses. Die Kommission stimmt nicht damit überein, daß es möglich sein soll, die Bedeutung dieser Beweise dadurch zu ermitteln, daß man den Antworten Prozentzahlen zuweist. Tatsächlich ist die Kommission gerade aufgrund aller Beweismittel zu dem Schluß gekommen, daß der Zusammenschluß den Wettbewerb im Platinmarkt beeinträchtigen würde. B.6. Von den Parteien vorgelegtes Wirtschaftsgutachten (193) Die Parteien haben als Bestandteil ihrer schriftlichen Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte ein Wirtschaftsgutachten für den geplanten Zusammenschluß vorgelegt, das von dem Wirtschaftberater NERA, Großbritannien, im Auftrag der beiden Parteien erstellt wurde. (194) Das NERA-Wirtschaftsgutachten legt Rahmenbedingungen für die Analyse des Wettbewerbs in der Platinindustrie dar. Die Schlußfolgerung hinsichtlich des bisherigen Wettbewerbs in der Platinindustrie lautet: "Die Beziehung zwischen dem gegenwärtigen Marktpreis und den Betriebskosten der südafrikanischen Erzeuger steht im Einklang mit wettbewerblich bedingten Marktergebnissen" (NERA-Gutachten, S. 12). (195) Die Kommission ist der Auffassung, daß das Ausmaß, in dem das gegenwärtige Preisniveau den Wettbewerbspreis einer durch vollkommenen Wettbewerb gekennzeichneten Branche widerspiegelt, im Rahmen empirischer Untersuchungen zu ermitteln wäre, was weder von seiten NERAs noch von seiten der Kommission der Fall ist. Wie jedoch bereits in Abschnitt VI.B.5 ausgeführt, stimmt die Kommission der Auffassung zu, daß es in den letzten Jahren ein gewisses Maß an Wettbewerb gegeben hat. Dieser Wettbewerb kam im wesentlichen durch die russischen Verkäufe aus Lagerbeständen und der LPD-Expansion zustande. Die Kommission stimmt NERA auch darin zu, daß dieser Wettbewerb zu einer Verringerung der Betriebskosten und zu Anreizen zur Einführung neuer, mit geringen Kosten arbeitender Versorgungsquellen geführt hat (NERA-Gutachten, S. 6). LPD hat in dieser Hinsicht in der südafrikanischen Platinindustrie eine wichtige Rolle gespielt. (196) Was die Möglichkeit eines Monopolmißbrauchs angeht, führt NERA aus: "Erstens ist eines der Schlüsselmerkmale des Monopolmißbrauchs die Drosselung derjenigen Produktion, deren Betriebskosten unterhalb des (vorherrschenden) Monopolpreisniveaus liegen, und zweitens ist die Ausübung der Monopolmacht weitgehend von der Möglichkeit des Monopolisten abhängig, marginale Versorgungsquellen zu kontrollieren." (197) Die Kommission stimmt zu, daß die Möglichkeit einer Angebotsreaktion marginaler Versorgungsquellen für die Ausübung der Monopolmacht im klassischen wirtschaftlichen Sinn von überragender Bedeutung ist. Wie jedoch bereits ausgeführt (siehe z. B. Abschnitt VI.B.4), ist es äußerst unwahrscheinlich, daß eine Drosselung der Platinproduktion durch das Oligopol durch marginale Versorgungsquellen, d. h. durch Anbieter außerhalb des Oligopols, durch Recycling und durch Lagerbestände außerhalb Rußlands, ausgeglichen werden könnte. (198) Hinsichtlich der Möglichkeit einer oligopolistischen Marktbeherrschung argumentiert NERA: "Die möglicherweise wichtigste Vorbedingung für die Erzielung eines nichtwettbewerblichen Marktergebnisses durch eine eng verbundene oligopolistische Gruppe ist ein stabiles Marktumfeld, das frei von externen Störungen ist, die den Status quo beeinträchtigen könnten" (NERA-Gutachten, S. 25). (199) Laut NERA gehören zu den möglichen Quellen externer Störungen: a) Nachfrageverschiebungen; b) Unsicherheit bezüglich der (kurz- und langfristigen) Nachfrageelastizität; c) Unsicherheit bezüglich der Verkaufspolitik der Inhaber von Platinbeständen und marginaler Platinquellen wie Nickelbergwerke; d) Unsicherheit bezüglich der Verfügbarkeit von recyceltem Platin (NERA-Gutachten, S. 25). (200) Zu Punkt a): Es ist darauf hinzuweisen, daß gewisse im Laufe der Zeit eintretende Nachfrageverschiebungen ein normales Merkmal vieler Märkte sind und keine Besonderheit der Platinindustrie darstellen. Solche Verschiebungen sind für die Beurteilung einer oligopolistischen Marktbeherrschung jedoch nur in dem Maße von Bedeutung, wie sie das oligopolistische Gleichgewicht stören können. Wie bereits ausgeführt, wird für die kommenden Jahre lediglich ein gemäßigtes Wachstum des Platinmarkts vorhergesagt. Außerdem haben Nachfrageverschiebungen in den letzten Jahrzehnten positiv gewirkt und zu einer höheren Nachfrage geführt, und zur Zeit gibt es praktisch keine Negativrisiken hinsichtlich des erwarteten Marktwachstums. Stattdessen können die erwarteten Versorgungslücken realistischerweise nur durch Amplats, Implats, LPD oder (kurzfristig) durch russische Lagerbestände gedeckt werden. (201) NERA argumentiert, daß "Platin in gewissem Maße spekulativen Nachfrageverschiebungen unterliegt" und "sich das Volumen der Abschlüsse an den Börsen NYMEX und TOCOM 1995 auf rund 135 Millionen Unzen belief, 27 mal mehr als das physische Liefervolumen" (NERA-Gutachten, S. 8). Das absolute Volumen der Börsenabschlüsse ist ein unzulänglicher Indikator für das Niveau von Spekulationsaktivitäten in einem Markt. Die Kommission hat im Laufe ihrer Untersuchung nicht feststellen können, daß der Platinmarkt ein spekulativer Markt ist, sondern daß er im Gegenteil durch grundlegende Angebots- und Nachfragefaktoren bestimmt wird, wie im Abschnitt über den Produktmarkt ausgeführt wurde. Insbesondere wurde in der von der Kommission in Auftrag gegebenen RSI-Studie festgestellt, daß die NYMEX-Börse hauptsächlich ein Terminmarkt, der dem physischen Handel dient, und kein reiner Terminkontraktmarkt ist. (202) Zu Punkt b): Die Kommission ist zu dem Schluß gekommen, daß die Platinnachfrage in der gegenwärtigen Preisspanne preisunelastisch ist. Wie bereits hinsichtlich des Produktmarkts (Abschnitt VI.A.2 iii)) ausgeführt, räumt die Kommission ein, daß die langfristigen Nachfrageelastizitäten für Platin größer sein können, falls die Preise z. B. um das Zwei- oder Dreifache steigen. Ein größerer, aber dennoch stärker begrenzter Preisanstieg (beispielsweise um 10 %) dürfte jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zu einer wesentlichen Substitution führen. Dies wird auch durch die Erfahrungen der Jahre 1985-1989 belegt, als der reale Platinpreis über 600 US-Dollar (rund 40 % über dem Preisniveau des Jahres 1995) lag, aber keine Substitution stattfand und die Nachfrage weiter zunahm. In ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte bestreiten die Parteien nicht, daß die Preiselastizität der Nachfrage in der gegenwärtigen Preisspanne unelastisch ist. Dies entspricht einem wettbewerblichen Ergebnis. Tatsächlich hätte nach der volkswirtschaftlichen Theorie eine Preiselastizität größer als 1 bedeutet, daß der Platinpreis bereits vor dem geplanten Zusammenschluß auf Monopolniveau festgesetzt gewesen wäre (NERA-Gutachten, S. 27, Ziffer 3). Wie bereits dargelegt, ist dies in der gegenwärtigen Marktsituation jedoch nicht der Fall, da Wettbewerb insbesondere durch LPD und Verkäufe aus russischen Lagerbeständen gewährleistet ist. Dies stimmt mit der Tatsache, daß die Nachfrage unelastisch ist, überein. (203) Zu den Punkten c) und d): Wie zuvor ausgeführt, hält es die Kommission für äußerst unwahrscheinlich, daß Anbieter außerhalb des Oligopols, Lagerbestände außerhalb Rußlands und die Verfügbarkeit von recyceltem Platin ausreichende Auswirkungen auf den Markt haben werden, um den Mißbrauch einer beherrschenden Stellung verhindern zu können. B.7. Schlußfolgerung (204) Der Platinmarkt war in der Vergangenheit durch Tendenzen zu wettbewerbswidrigem Parallelverhalten gekennzeichnet. Es liegen Belege für einen schwachen Preiswettbewerb während der letzten zwei Jahrzehnte vor. Rußland hat in den letzten Jahren vermutlich zur Deckung seines Devisenbedarfs Verkäufe aus Lagerbeständen getätigt. Dabei hat Rußland jedoch die Politik verfolgt, bei einem "starken" Markt zu verkaufen. Außerdem ist festzustellen, daß die südafrikanische Bergbauindustrie in der Vergangenheit durch ein stark wettbewerbswidriges Verhalten gekennzeichnet war. LPD war Teil dieses Umfelds, hat jedoch ihre Produktion ausweiten können und ist dadurch in den Wettbewerb mit Amplats und Implats eingetreten. Die russischen Verkäufe aus Lagerbeständen und die LPD-Expansion sind die Hauptwettbewerbselemente im Markt. (205) Falls der Zusammenschluß erfolgen sollte, gäbe es in Zukunft zwei südafrikanische Erzeuger mit ähnlichen Förderkostenstrukturen und Anreizen. Der Zusammenschluß von LPD und Implats hätte wettbewerbswidrige Auswirkungen, da LPD zur Zeit Anreize für eine Expansion hat und LPD als aktiverer Marktbeteiligter wegfallen würde. Das fusionierte Unternehmen hätte weniger Anreiz zur Expansion, da es die mit hohen Kosten arbeitenden Implats-Betriebe nicht unter Druck setzen will. Aufgrund der Marktmerkmale und sich daraus ergebenden ähnlichen Kostenstrukturen und angesichts des bisherigen Wettbewerbsverhaltens in der Platinindustrie gäbe es keinen Anreiz für Implats/LPD und Amplats, miteinander in Wettbewerb zu treten. Die Ausschaltung von LPD würde einen qualitativ wichtigen Unterschied im Markt ausmachen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Zusammenschluß mittelfristig eine weitere Verknappung des Platinangebots und somit höhere Platinpreise zur Folge hätte. Dies läge im Interesse sowohl von Amplats als auch des fusionierten Unternehmens Implats/LPD, die aufgrund der mittelfristig schlechteren Wettbewerbsfähigkeit Rußlands eine Duopolstellung einnehmen könnten. (206) Zusammenfassend würde das geplante Vorhaben mittelfristig ein aus Amplats und Implats/LPD bestehendes marktbeherrschendes Duopol im Platinmarkt (der bereits heute durch schwachen Wettbewerb gekennzeichnet ist) schaffen, wodurch ein effektiver Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich beeinträchtigt würde. Die Parteien haben im Gemeinsamen Markt - verglichen mit anderen Teilen der Welt - verhältnismäßig geringe Marktanteile und argumentieren, daß das Vorhaben daher nur geringe Auswirkungen auf den Gemeinsamen Markt haben würde. Der Platinmarkt ist jedoch ein Weltmarkt, und die Platinpreise in der Europäischen Gemeinschaft werden auf Weltmarktniveau festgesetzt. Wettbewerbsbeeinträchtigende Auswirkungen des Vorhabens auf den Platinmarkt würden sich daher in der Europäischen Gemeinschaft beispielsweise in höheren Preisen für das gesamte dort verkaufte Platin bemerkbar machen, und nicht nur bei dem von Implats und LPD verkauften Platin. C. Rhodium (207) Rhodium ist gemessen am Umsatz das nach Platin und Palladium drittwichtigste PGM. Auf Rhodium entfiel 1994 ein Anteil von 12 % des gesamten PGM-Umsatzes. (208) Hinsichtlich Marktanteilen und Angebotskonzentration ist die Lage mit der bei Platin vergleichbar. Implats/LPD und Amplats decken etwa 70 % des Markts ab, Rußland etwa 20-25 % (siehe Tabellen A1 und A2 in Anhang I). Der Rhodiummarkt scheint die gleichen Merkmale aufzuweisen wie der Platinmarkt. Der Markt ist transparent, das Metall ist ein homogenes Gut, das frei gehandelt wird, und die Händlerpreise sind öffentlich bekannt. Außerdem ist die Abbau- und Raffinationstechnologie ausgereift, der Produktionsprozeß ist derselbe wie für andere Platinmetalle, es bestehen hohe Zutrittsschranken zur Branche, es sind finanzielle Verbindungen und Kontakte auf mehreren Märkten vorhanden, und es ist wie bei Platin unwahrscheinlich, daß die Käufer über Nachfragemacht verfügen. (209) Wie auch im Fall von Platin ist die Nachfrage nach Rhodium preisunelastisch, da der Verbrauch fast ausschließlich mit der Herstellung von Kfz-Abgaskatalysatoren verknüpft ist. 98 % des Rhodiums wird für Abgaskatalysatoren verwendet und die restlichen 2 % für industrielle Anwendungen. Schlußfolgerung (210) Aus denselben Gründen, die bereits für den Platinmarkt vorgebracht wurden, folgt aus den Merkmalen des Rhodiummarkts, daß der Wettbewerb zwischen den führenden Marktbeteiligten nach dem Zusammenschluß nicht ausreichen wird, um einen wirksamen Wettbewerb in diesem Markt zu gewährleisten. Daher dürfte das Vorhaben zu einer duopolistischen Beherrschung des Rhodiummarkts führen, aufgrund derer ein wirksamer Wettbewerb in der Europäischen Gemeinschaft erheblich eingeschränkt würde. D. Palladium, Ruthenium, Iridium (211) Außer den Märkten für Platin und Rhodium hat die Kommission auch die Märkte für Palladium, Ruthenium und Iridium untersucht. In den Märkten für Ruthenium und Iridium wurden keine Wettbewerbsprobleme festgestellt. Rußland scheint den Palladiummarkt zu beherrschen. D

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.