Europäische Union

97/26/EG: Entscheidung der Kommission vom 24. April 1996 mit der ein Zusammenschluß als unvereinbar mit dem Gemeinsamen Markt und dem Funktionieren des EWR- Abkommens erklärt wird (Sache Nr. IV/M.619 - Gencor/Lonrho) (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Quellenkennung: 31997D0026. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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ber gewisse Kenntnisse der russischen Aktivitäten, doch sind diese nicht vollständig. (148) Insgesamt muß jedoch geschlossen werden, daß die Platinindustrie durch eine hohe Transparenz gekennzeichnet ist, was Preise, Förder- und Verkaufsmengen, Kapazitätssteigerungen durch neue Investitionsprojekte und Gesamtvorkommen der Erzeuger angeht. Die Markttransparenz wird durch die Tatsache erhöht, daß die Platinindustrie eine relativ kleine Anzahl von Unternehmen umfaßt, die in engem Kontakt miteinander stehen. Informationen scheinen sich über informelle Kanäle sehr schnell zu verbreiten. Im Prinzip kennen sich alle maßgebenden Beteiligten persönlich und kommen häufig zusammen. Es ist auch durchaus üblich, daß Schlüsselpersonal von einem Unternehmen zum anderen wechselt. Beispielsweise war der Gencor-Vorstandsvorsitzende, Herr Gilbertson, zuvor Vorsitzender der Rustenburg Platinum Mines (jetzt Amplats). Die große Transparenz des Markts und die Produkthomogenität verschaffen den Hauptbeteiligten Kenntnis von den Maßnahmen der anderen Marktbeteiligten, was ein wettbewerbswidriges Parallelverhalten vereinfacht. ii) Die Nachfrage ist in der jetzigen Preisspanne unelastisch (149) Wie im Abschnitt über die Ermittlung des relevanten Produktmarkts bereits ausgeführt, scheint die Nachfrage nach Platin wegen der Unersetzbarkeit des Metalls für viele Zwecke in der jetzigen Preisspanne unelastisch (kleiner eins) ist. Die geringe Preiselastizität der Platinnachfrage schafft einen größeren Anreiz für wettbewerbswidriges Parallelverhalten, da ein Preiswettbewerb allen Anbietern schaden würde. Außerdem scheint der Preiswettbewerb im Platinmarkt verhältnismäßig schwach zu sein (siehe unten). iii) Die Käufer verfügen über keine ausgleichende Nachfragemacht (150) Nach Aussage der Parteien wäre eine starke Käuferkonzentration mit etwa zehn maßgebenden Käufern weltweit gegeben, die eine erhebliche Nachfragemacht hätten. Zwei der größten Verarbeiter, Johnson Matthey und Engelhard, sind jedoch mit Amplats verbunden. Außerdem sind die verhältnismäßig geringen Kundenrabatte und die Klauseln in langfristigen Verträgen, die den Kunden einen Weiterverkauf ohne Genehmigung des Erzeugers verbieten (siehe unten), Anzeichen für die geringe Nachfragemacht. Wichtiger ist, daß die Verarbeiter - mit Ausnahme eines größeren Automobilherstellers (der Rabatte erhält) - nicht die Endkunden sind und Preisänderungen einfach an ihre Kunden weitergeben. Es ist unwahrscheinlich, daß diese Abnehmer über eine bedeutende ausgleichende Nachfragemacht verfügen, weil die Erzeugnisse nicht substituierbar sind und es eine große Anzahl solcher Abnehmer gibt. iv) Prognosen sagen ein gemäßigtes Nachfragewachstum voraus (151) Die Nachfrage soll Prognosen zufolge während der nächsten fünf Jahre mit einer gemäßigten Zuwachsrate von rund 3 % jährlich zunehmen. Dies wird im Jahr 2000 zu einem Marktvolumen von rund 5,7 Millionen Unzen (also rund 1 Million Unzen mehr als 1995) führen. Ein recht stabiler Markt wird keine neuen Unternehmen zum Eintritt in den Markt ermutigen und auch keine aggressiven Maßnahmen zur Vereinnahmung des Marktwachstums rechtfertigen, so daß darin wohl kein bedeutender Wettbewerbsanreiz zu sehen ist. v) Die Bergbau- und Raffinationstechnologien sind ausgereift (152) Unternehmen sind im Rahmen ihrer normalen Geschäftstätigkeit ständig bestrebt, die Kosten durch Einführung neuer Arbeitsmethoden und neuer Produktionstechnologien zu senken. Daher werden die eingesetzten Arbeitsmethoden und Technologien in den meisten Branchen im Laufe der Zeit verbessert. Der Platinbergbau ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Außerdem ist es nicht ungewöhnlich, daß sich Unternehmen derselben Branche in ihren Arbeitsmethoden in gewissem Maß unterscheiden. Es bestehen dementsprechend auch erkennbare Unterschiede zwischen den Arbeitsmethoden der vier Hauptplatinerzeuger. LPD gilt allgemein als fortschrittlichstes und effizientestes Unternehmen des südafrikanischen Platinbergbaus. Es wird ebenso in der Branche anerkannt, daß der Wettbewerb durch LPD sowohl Amplats als auch Implats zu einer Senkung ihrer Kosten gezwungen hat. (153) Technologische Entwicklungen im Platinbergbau erfolgen jedoch nur verhältnismäßig langsam. Es sind keine größeren technologischen Durchbrüche zu erwarten, die grundlegende Änderungen der Produktionsstruktur der Platinindustrie bewirken würden. Der Fortschritt bei Bergbau- und Raffinationstechnologien dürfte daher keine Quelle intensiven Wettbewerbs sein. vi) Hohe Zutrittsschranken und keine bedeutenden neu in den Markt eintretenden Unternehmen (154) Die hochwertigen Erzvorkommen in der Welt befinden sich in den Händen von Amplats, Implats, LPD und Rußland. Insbesondere kontrollieren Amplats, Implats und LPD alle wirtschaftlich ausbeutbaren Vorkommen in Südafrika. Dies stellt definitiv eine Marktzutrittsschranke dar. Außerdem sind Bergbau und Raffination von Platin eine kapitalintensive Industrie. Aus dem Kapitalbedarf ergeben sich ebenfalls hohe Zutrittsschranken. Ein Großteil der Kosten für die Entwicklung eines Bergwerks sind unwiederbringlich, was das Risiko eines Engagements im Platinbergbau erhöht. Es scheint in absehbarer Zukunft keine bedeutenden, neu in den Markt eintretenden Unternehmen zu geben, die in der Lage wären, mit den Mitgliedern des Oligopols in Wettbewerb zu treten. vii) Kontakte auf mehreren Märkten und strukturelle Verbindungen (155) Die Mitglieder des Oligopols treffen in den Märkten für alle PGM sowie in einer Reihe anderer Märkte aufeinander; so sind z. B. Gencor, die Mütter von Gencor, AAC und Rußland alle bedeutende Golderzeuger. (156) Strukturelle Verbindungen sind zwischen mehreren Beteiligten der Branche gegeben. Insbesondere kontrolliert AAC das Unternehmen De Beers, das für den Betrieb der Central Selling Organisation, auf die zwischen zwischen 70 und 80 % der Diamantenverkäufe weltweit entfallen, verantwortlich ist. Dieses Unternehmen und Rußland haben ein Kartellabkommen im Diamantenmarkt abgeschlossen. Außerdem sind Gencor (über Samancor) und AAC (über Vanadium) als Gesellschafter am Gemeinschaftsunternehmen Columbus beteiligt, das im südafrikanischen Edelstahlbereich tätig ist. Seit 1992 war Columbus an größeren Erweiterungsmaßnahmen beteiligt, mit denen das Gemeinschaftsunternehmen der sechstgrößte Edelstahlerzeuger der Welt werden soll. Um die Rohstoffnachfrage decken zu können, hat Columbus Zugang zur Ferrochrom-Verhüttung eines seiner Gesellschafter (Samancor) und kann seinen Nickelbedarf bei den inländischen Nickelerzeugern Amplats und Implats decken. Zwar liegen diese Tätigkeiten außerhalb des Platinmetallbereichs, zeigen aber doch die engen Verbindungen zwischen den Parteien und ihren Wettbewerbern. (157) Am 13. März 1996 (dem Tag der mündlichen Anhörung des Falls) hat AAC rund 6 % der Aktien an Lonrho PLC mit einen Vorkaufsrecht auf weitere 18 % erworben. Sanlam, eine der Gencor-Muttergesellschaften, hält rund 3 % des Aktienkapitals von Lonrho PLC. Ein Anteil von fast 25 % ist geeignet, dem Aktionär einen erheblichen Einfluß auf Lonrho PLC zu verschaffen, da sich die restlichen Aktien in Streubesitz befinden. Dies bestätigt das Interesse von Amplats an den LPD-Aktivitäten und verstärkt die strukturellen Verbindungen zwischen den Erzeugern in der Platinindustrie. (158) Die Kontakte auf mehreren Märkten und die strukturellen Verbindungen können eine disziplinierende Wirkung auf die Mitglieder eines Oligopols ausüben, weil dann mehrere Vergeltungsmöglichkeiten bestehen, indem sie das Vergeltungsrisiko erhöhen. In Unterlagen (datiert mit 6. Mai 1994) - die den Geschäftsführungen von Gencor und Implats übermittelt wurden - fand sich das Gutachten eines Beraters, das sich mit den möglichen Reaktionen von Konkurrenten in Folge von Implats Zusammenarbeit mit LPD beschäftigte. Ein mögliches Szenario beinhaltete folgendes: "Disziplinierungsmaßnahmen und gezielte Preiskriege - beispielsweise Rh (Rhodium)". viii) Schlußfolgerung (159) Die Markttransparenz und Produkthomogenität in Verbindung mit den anderen Merkmalen von Angebot und Nachfrage haben eine Situation geschaffen, die zu einer oligopolistischen Marktbeherrschung beiträgt. Wie im folgenden ausgeführt wird, wird die Tendenz zu einer oligopolistischen Beherrschung durch das geringe Wettbewerbsniveau im Markt während der letzten zwei Jahrzehnte belegt. In der Vergangenheit gab es eine Tendenz zur oligopolistischen Marktbeherrschung (160) Das Marktwachstum und die Entwicklung der Marktanteile im letzten Jahrzehnt weisen auf ein gewisses Maß an Wettbewerb im Markt hin. Der schwache Wettbewerb und andere Verhaltensweisen der Mitglieder des Oligopols in der Vergangenheit zeigen jedoch die geringe Ausprägung des Wettbewerbs und die Tendenz zur oligopolistischen Marktbeherrschung in den letzten zwei Jahrzehnten. i) Marktwachstum und Entwicklung der Marktanteile in der Vergangenheit (161) Wie aus der Tabelle in Anhang IV hervorgeht, wuchs der gesamte Platinmarkt im Zeitraum 1985-1995 um 2,4 Millionen von 2,8 auf 5,2 Millionen Unzen. Das Recycling nahm um 245 000 Unzen zu und erhöhte seinen Marktanteil von 2 auf 6 %. Die Hauptnutznießer des Nachfrageanstiegs waren jedoch Rußland, Amplats und LPD, die ihre Verkäufe um fast 2 Millionen Unzen steigerten. Rußland erhöhte seinen Marktanteil von 8 auf 23 %, hauptsächlich durch verstärkte Verkäufe aus Lagerbeständen, und LPD durch erweiterte Produktion von [...] (14) auf [...] (15), während die Produktionserhöhung von Amplats einen Rückgang des Marktanteils von [...] (16) auf [...] (17) nicht verhindern konnte. Implats war nicht in der Lage, seine Produktion zu steigern, und mußte einen Rückgang des Marktanteils von [...] (18) auf [...] (19) hinnehmen. Diese Veränderungen bei den Marktanteilen deuten sicherlich auf ein gewisses Maß an Wettbewerb im Markt hin. Insbesondere wurde der Wettbewerb um das Marktwachstum von Rußland und LPD ausgetragen, während Amplats nicht als aggressiver Wettbewerber bezeichnet werden kann, da es einen rückläufigen Marktanteil zu verzeichnen hatte und nur in einem Tempo expandiert hat, das ihm die Verteidigung seiner Position als führender Erzeuger erlaubte, obwohl es über Möglichkeiten für eine weitere Expansion verfügte. ii) Geringer direkter Preiswettbewerb für langfristige Verträge (162) Die Tatsachen belegen, daß der direkte Preiswettbewerb im Markt gering ist. Die Tagespreise werden an den Metallbörsen ermittelt, jedoch wird nach Angaben sowohl der Kunden als auch der Parteien rund 90 % des Platins im Rahmen langfristiger Verträge und nur 10 % an den Metallbörsen gehandelt. Die meisten langfristigen Verträge haben eine Laufzeit von einem Jahr, werden aber in der Regel automatisch verlängert. Die Abnehmer-Lieferanten-Beziehungen sind deswegen in der Regel relativ stabil. Langfristige Verträge enthalten oft eine Klausel, nach der das Metall für den beabsichtigten Zweck verwendet werden muß und insbesondere ein Wiederverkauf nicht ohne Genehmigung des Verkäufers erfolgen darf, der sich das Recht vorbehält, das nicht benötigte Metall vom Käufer zurückzukaufen. Als Entschädigung für diese Beschränkungen erhält der Käufer häufig einen geringen Rabatt von [...] (20) auf den Marktpreis. Diese Beschränkungen verhindern jedoch auch, daß das Metall anderen Kunden angeboten wird oder auf die Metallbörsen gelangt und dadurch den Platinmarktpreis beeinflußt. Insbesondere die langfristigen Verträge der Automobilhersteller enthalten solche Klauseln, doch auch bei einigen Verarbeitern ist dies der Fall. Die Kommission schätzt, daß möglicherweise bis zu 40 % der jährlichen Platinverkäufe diesen Beschränkungen unterliegen. Die stabilen Abnehmer-Lieferanten-Beziehungen, die geringen Rabatte und die Beschränkungen hinsichtlich des Platinwiederverkaufs sind Belege für den eingeschränkten direkten Preiswettbewerb im Platinmarkt. (163) Die Parteien argumentieren in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte wie folgt: "Die Bedenken der Kommission hinsichtlich des Preiswettbewerbs scheinen sich auf die geringen Abweichungen bei Kundenrabatten zu beziehen, doch wäre in einer homogenen Branche keine Streuung zu erwarten (unabhängig davon, ob der Markt vollkommenem Wettbewerb ausgesetzt oder monopolisiert ist)" (NERA-Gutachten, S. 27). (164) Die Kommission stimmt dieser Schlußfolgerung über den Wettbewerb in der Platinindustrie nicht zu. Die Anbieter konkurrieren bei langfristigen Kundenverträgen miteinander. Ein für das Wachstum von LPD in den letzten Jahren wichtiger Faktor war der bedeutende Liefervertrag des Unternehmens mit Engelhard. Dabei stand LPD im Wettbewerb mit Amplats, konnte den Kunden aber aufgrund besserer Vertragsbedingungen für sich gewinnen, obwohl Engelhard mit AAC verbunden ist. In einem Markt mit einer beschränkten Anzahl von Anbietern und Abnehmern, und wo die Preise für Verkäufe unter langfristiger Verträge mit dem Marktpreis indexiert sind, würde der Preiswettbewerb in Form von Rabattangeboten erfolgen, wenn die Anbieter bei wichtigen Verträgen konkurrieren. Es wäre in der Tat unlogisch, wenn Rabatte für den Abnehmer bei der Auswahl eines Lieferanten keine Rolle spielten. Es ist jedoch belegt, daß es nur einen geringen derartigen Wettbewerb im Platinmarkt gibt. iii) Anhaltend hohe Preisniveaus als Beleg für eine geringe Wettbewerbsintensität (165) Die Parteien argumentieren in ihrer Antwort, daß die realen Platinpreise in Rand im Laufe der neunziger Jahre gefallen sind, was die südafrikanischen Erzeuger unter Wettbewerbsdruck gesetzt hat: "Wenn die verhältnismäßig starke südafrikanische Inflation in diesem Zeitraum berücksichtigt wird, wird der starke Verfall der realen Platinpreise im Laufe der neunziger Jahre deutlich. Der Durchschnittspreis war 1995 halb so hoch wie zehn Jahre zuvor. Dies vermittelt eine Vorstellung von dem Wettbewerbsdruck, dem die südafrikanischen Erzeuger in den letzten Jahren ausgesetzt waren." (NERA-Gutachten, S. 18) (166) Die Entwicklung der jährlichen realen Platinpreise von 1975 bis 1995 in US-Dollar, Yen und Rand ist in Anhang V wiedergegeben. Es wird deutlich, daß die realen Platinpreise in Rand von 1 500 R/Unze 1980 und 1986 auf über 3 000 R/Unze stiegen. Mit Ausnahme des Jahres 1982 blieb der reale Platinpreis während des gesamten Zeitraums 1978-1990 über 2 000 R/Unze. Angesichts der Nachfragesteigerung seit 1985 und der Tatsache, daß LPD und Rußland ihren Marktanteil erhöht haben, muß geschlossen werden, daß LPD und Rußland eine wesentliche Rolle bei der Senkung des realen Preisniveaus im Lauf der letzten fünf Jahre, fast bis auf das Niveau Mitte der siebziger Jahre, gespielt haben. Dies ist eine weitere Bestätigung dafür, daß während der letzten fünf Jahre von LPD und Rußland ein gewisses Maß an Wettbewerb ausging, was aber sicherlich nicht der Fall ist, wenn der gesamte Zeitraum der letzten beiden Jahrzehnte betrachtet wird. (167) Außerdem ist zu beachten, daß die relativ geringe Menge des an den Metallbörsen gehandelten Platins und das Bestehen langfristiger Verträge den Erzeugern die Möglichkeit zu erheblichem Einfluß auf die Marktpreisentwicklung geben. Erstens haben die Erzeuger bei langfristigen Verträgen größere Kontrolle über die Liefermengen und somit über den Marktpreis. Dies ist insbesondere bei Verträgen mit Wiederverkaufsbeschränkungen der Fall. Langfristige Verträge sind daher geeignet, eine direkte Beeinflussung der Marktpreisentwicklung auf den Metallbörsen zu verhindern. Zweitens haben die Haupterzeuger aufgrund ihres Angebots an den Metallbörsen erhebliche Einflußmöglichkeiten auf die dort ermittelten Preise. Rußland hat z. B. in den letzten Jahren eine erhebliche Menge Platin an den Metallbörsen verkauft, was zu der obengenannten Senkung der Platinpreise beigetragen hat. 1991 fiel der Platinpreis sogar unter 350 US-Dollar, als die russischen Ausfuhren zum ersten Mal die Schwelle von 1 Million Unzen überstiegen. iv) Verhalten der Hauptmarktbeteiligten in der Vergangenheit (168) Die Kommission hat nicht nachgeprüft, ob die Haupterzeuger sich in der Vergangenheit wie ein Kartell verhalten haben. Bei der Beurteilung, ob ein wettbewerbswidriges Parallelverhalten künftig möglich ist, müssen jedoch das besondere Wettbewerbsumfeld, in dem die südafrikanischen Erzeuger in der Vergangenheit tätig waren, sowie das gegenwärtige Wettbewerbsverhalten Rußlands berücksichtigt werden. (169) Wettbewerb war vor den kürzlich erfolgten politischen Veränderungen kein vorrangiges Merkmal der südafrikanischen Wirtschaft. Präsident Mandela hat in einem Interview der südafrikanischen Fernsehsendung "Focus" auf die Frage, ob er eine Kartellrechtspolitik für erforderlich hält, geantwortet: "Daß es fünf Großkonzerne gibt, die mehr als drei Viertel aller an der Börse gehandelten Aktien besitzen, ist absolut unerwünscht. Unsere Volkswirtschaft kann nicht gedeihen und sich entwickeln, wenn sie sich im Würgegriff von fünf Großkonzernen befindet, die über eine Monopolstellung in der Industrie verfügen. Es muß Wettbewerb geben. Deshalb ist der Handels- und Industrieminister entschlossen, das Wettbewerbsrecht zu ändern, um Wettbewerb zu gewährleisten. Eine besonders wichtige Rolle kommt dabei dem Kartellrecht zu." (170) Übereinstimmend mit der Aussage von Präsident Mandela heißt es in einem offiziellen Diskussionsdokument der südafrikanischen Regierung zu einer Bodenschatz- und Bergbaupolitik für Südafrika: "Marktstrukturen, die sich aus der Marktbeherrschung durch Großkonzerne ergeben haben, stellen kritische Probleme dar, da sie zu oligopolistischen Märkten führen. ... In Südafrika haben Großkonzerne die Marktanteile mit einer Reihe kollusiver Verhaltensweisen unter sich aufgeteilt, wobei sie sich absprechen, sich auf einigen Märkten des Wettbewerbs zu enthalten, um in anderen, damit nicht zusammenhängenden Märkten ungestört vorgehen zu können." Bei diesem Dokument handelt es sich um ein Diskussionsdokument, das einander widersprechende Ansichten enthalten kann. Die zitierte Aussage wird jedoch in dem Dokument nicht bestritten. Dabei ist zu bedenken, daß der Bergbau einen der wichtigsten Wirtschaftszweige Südafrikas darstellt und AAC, Gencor und die Gencor-Muttergesellschaften zu den bedeutendsten Beteiligten im südafrikanischen Bergbau gehören. (171) Im Platinmarkt hat Rußland in den letzten Jahren 10 % der Marktnachfrage durch Verkäufe aus seinen Lagerbeständen abgedeckt. Die russischen Verkäufe von Lagerbeständen dürften in erster Linie durch den Devisenbedarf begründet sein. Rußland hat durch seine Verkäufe einen gewissen Wettbewerb gewährleistet und dazu beigetragen, den realen Platinpreis Anfang der neunziger Jahre zu senken, und in gewissem Maße auch bis heute starke Preissteigerungen verhindert. Auf der Grundlage öffentlich verfügbarer Informationen von Johnson Matthey scheint es jedoch, daß Rußland die Vorteile eines Verkaufs in starken Marktphasen erkannt hat und den Platinpreis nicht zu tief hat fallen lassen. Dem von Rußland gewährleisteten Wettbewerb auf dem Platinmarkt sind daher Grenzen gesetzt. Ausgehend vom Verhalten in der Vergangenheit ist zu schließen, daß Rußland lediglich in gewissem Maße als effektiver Wettbewerber gegenüber den südafrikanischen Haupterzeugern auftreten wird, und das auch nur bis zur Erschöpfung der Lagerbestände (siehe unten). (172) Nach Aussagen von Herrn R.W. Rowland, dem früheren Lonrho-Vorstandsvorsitzenden, ist wettbewerbswidriges Verhalten seit Jahren in der Branche im Gespräch, was sich auch auf die Möglichkeit der Gründung eines Kartells nach Art von De Beers erstreckt. Außerdem ist Gencor bereits seit einigen Jahren am Erwerb der Lonrho-Platinaktivitäten interessiert, um die praktische Kontrolle über die LPD-Bergwerke zu erlangen. Die monopolistischen Absichten waren laut Herrn Rowland für alle Parteien offensichtlich. Die Parteien haben in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte vorgetragen, daß die Auslassungen von Herrn Rowland entweder nicht substantiiert oder irrelevant seien (Antwort, S. 11). Die Parteien haben die Aussagen von Herrn Rowland jedoch weder bestritten noch widerlegt. v) Nur wenige Wettbewerbselemente in der künftigen Marktsituation (173) Wie bereits ausgeführt hat Rußland einen Anreiz gehabt, seine Lagerbestände in den letzten Jahren zu verringern, da es Devisen benötigte. Diese zusätzlichen Mengen haben für einen gewissen Wettbewerb auf dem Markt gesorgt, wie beispielsweise die Entwicklung der realen Preise belegt. Die russischen Bergwerke sind jedoch heruntergewirtschaftet, und es wird allgemein davon ausgegangen, daß die russischen Lagerbestände beim jetzigen Verkaufstempo in rund zwei Jahren vollständig abgebaut sein werden. Der Wettbewerb, der vom Verkauf aus russischen Lagerbeständen ausging, wird daher in etwa zwei Jahren zum Erliegen kommen. Als Folge davon wird die Marktmacht von Implats, LPD und Amplats verglichen mit der Rußlands in absehbarer Zukunft zunehmen, und Rußland wird auf den Rang eines weniger bedeutenden Marktbeteiligten verwiesen werden. (174) Das andere wichtige neue Wettbewerbselement im letzten Jahrzehnt (außer den russischen Verkäufen aus Lagerbeständen) war die Expansion von Lonrho mit einer Erhöhung des Marktanteils von [...] (21) auf [...] (22) im Zeitraum 1985-1995. Die Aussage eines bedeutenden Platinabnehmers dazu: "Im Laufe der Jahre hat sich die Lonrho Platinum Division durch Expansion zu einer maßgebenden 'dritten Kraft' auf dem Markt entwickelt." (175) Lonrho hat das Potential für eine weitere Expansion in den nächsten Jahren mit nur geringem zusätzlichen Investitionsaufwand. Eine weitere Expansion von Lonrho würde mit Wettbewerb in der Platinindustrie einhergehen und sollte erwartungsgemäß Wettbewerbsmaßnahmen insbesondere von Amplats als Antwort auf die Herausforderung auslösen. (176) Die Betriebskostenkurven der Minen der südafrikanischen Erzeuger sind im Schaubild in Anhang II dargestellt. Es muß festgehalten werden, daß beispielsweise im Fall von [...], ungefähr 80 % der Gesamtkosten auf Bergbau und Verdichtung entfallen, wovon 70 % Fixkosten sind. Wie aus dem Schaubild hervorgeht und in Abschnitt VII.B.2 bereits ausgeführt wurde, sind die Abweichungen in den Kostenstrukturen von Implats und Amplats wesentlich größer als im Fall von LPD. Es wird allgemein anerkannt, daß Implats derjenige Erzeuger mit hohen Kosten unter den drei südafrikanischen Unternehmen und LPD derjenige mit niedrigen Kosten ist. Die Unterschiede in ihren Kostenstrukturen stellen unterschiedliche Wettbewerbsanreize für die Unternehmen dar. Insbesondere verfügt LPD mit seinen zu geringen Kosten arbeitenden Betrieben über einen Anreiz, ihre Produktion auszuweiten, was Wettbewerb gegenüber den anderen Mitgliedern des Oligopols darstellen würde. (177) Von den drei südafrikanischen Erzeugern hat Implats wegen seiner mit hohen Kosten arbeitenden Bergwerke durch weiteren Wettbewerb am meisten zu verlieren. Der Wettbewerb würde jedoch auch Druck auf die zu höheren Kosten arbeitenden Betriebe von Amplats ausüben und das Unternehmen zur weiteren und früheren Entwicklung seiner kostengünstigen Vorkommen zwingen. Aus den internen Unterlagen von Implats und Lonrho geht klar hervor, daß Lonrho die Produktion erhöhen will und Implats gegen eine Expansion bei LPD ist. vi) Schlußfolgerung (178) Aufgrund der Marktmerkmale, der Entwicklung des Preiswettbewerbs und des Verhaltens der wesentlichen Marktbeteiligten in der Vergangenheit ist offensichtlich, daß wettbewerbswidriges Parallelverhalten ein Merkmal des Platinmarkts war. In den letzten fünf Jahren wurde jedoch durch russische Verkäufe aus Lagerbeständen (die in zwei Jahren erschöpft sein werden) und durch die Expansion von LPD, mit der sich das Unternehmen zu einer bedeutenden "dritten Kraft" am Markt entwickelte, Wettbewerb gewährleistet. LPD hat das Potential für eine weitere Expansion mit geringem zusätzlichen Investitionsbedarf und wäre fähig, mit den anderen Mitgliedern des Oligopols in Wettbewerb treten

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.