Europäische Union

97/26/EG: Entscheidung der Kommission vom 24. April 1996 mit der ein Zusammenschluß als unvereinbar mit dem Gemeinsamen Markt und dem Funktionieren des EWR- Abkommens erklärt wird (Sache Nr. IV/M.619 - Gencor/Lonrho) (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Quellenkennung: 31997D0026. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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äftsleitung, zum Geschäftsführenden Direktor ernannt, der diese Position seitdem innehat. Seine Stellung wurde dadurch gestärkt, daß Gencor erst mehr als ein Jahr nach Abschluß der Vereinbarung im Januar 1990 Mitglieder des Board of Directors von LPD ernannte. (120) Wie in Abschnitt VII.B.5 weiter ausgeführt wird, werden die Aktivitäten von Western Metal Sales und Lonrho Management Services durch den Zusammenschluß absorbiert. Außerdem wird LPD die Möglichkeit zu einer unabhängigen Ausweitung der Produktion verlieren, so daß geschlossen werden kann, daß die unabhängigen LPD-Aktivitäten im Zusammenhang mit der der Managementstruktur und den Produktions-, Marketing- und kommerziellen Strategien des Unternehmens verschwinden werden. Daraus folgen wesentliche Veränderungen des Wettbewerbscharakters der Branche. (121) LPD hat wegen seiner in den letzten Jahren vorgenommenen Investitionen vergleichsweise hohe Verbindlichkeiten und eine geringe Liquidität, doch arbeiten die Betriebe beim gegenwärtigen Preisniveau mit Gewinn. Ein Abbau der Verschuldung wäre wünschenswert. Das Management von LPD und Lonrho Südafrika ist jedoch nicht der Meinung, daß ein Zusammenschluß mit Gencor erforderlich ist, um eine Verringerung der Schuldenlast zu erreichen. Stattdessen hält es es für möglich, neues Kapital aus anderen Quellen aufzunehmen. Dies können zum Beispiel interne Kapitalzufluesse (die laut Prognose zur Deckung begrenzter Investitionen ausreichen sollen), Bankdarlehen (durch Gesellschafterbürgschaften abgesichert) oder weitere Gesellschafterdarlehen sein. Rußland (122) Rußland hatte 1994 und 1995 einen Anteil von 24 % am Weltplatinangebot. Nach Angaben von Johnson Matthey entfielen 1995 jedoch nur 14 der 24 Prozentpunkte auf die Erzeugung, während rund 10 Prozentpunkte, d. h. rund 500 000 Unzen, aus russischen Lagerbeständen kamen. Die Edelmetallausfuhr aus Rußland wird von der Regierung über den Ausschuß für Edelmetalle und Edelsteine und die Verkaufsagentur Almaz kontrolliert. (123) Die russische Platinproduktion soll nach Angaben von Johnson Matthey in "Platinum 1995" ihren Höhepunkt in den späten achtziger Jahren erreicht haben. Darüber hinaus berichten sie, daß die politischen Veränderungen in Rußland zu einem Produktionsrückgang geführt haben, unter anderem wegen des Ausbleibens größerer Investitionen und weil die PGM-Güte gesunken sein, da das sulfidreiche Erz bereits weitgehend abgebaut ist. Die russischen Bergwerke können ihre Wettbewerbsposition daher in der vorhersehbaren Zukunft nicht durch Erweiterung stärken. (124) Grundsätzlich wäre es westlichen Unternehmen möglich, in die russische Platinmetallerzeugung zu investieren. Wie im folgenden ausgeführt wird, ist dies jedoch unwahrscheinlich (siehe VII.B). Es ist daher davon auszugehen, daß die Bedeutung Rußlands für den Wettbewerb auf dem Platinmarkt in den nächsten Jahren zurückgehen wird. (125) Die Parteien haben angegeben, daß das russische Norilsk-Bergwerk die Jahresproduktion innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 1 Million Unzen steigern wird. Dies ist laut "The Platinum Group Metals - a global perspective" von C.F. Vermaak ein zuvor noch nie erzieltes Produktionsniveau. Nach den Parteien werden, um diese Produktion zu erreichen, umfangreiche Investitionen in Höhe von 1 bis 2 Mrd. US-Dollar notwendig sein, die in den nächsten vier bis fünf Jahren bereitgestellt werden könnten. Die Parteien behaupten darüber hinaus, daß eine Verpflichtung diese Mittel (in den nächsten zwei Jahren) aufzubringen von der Uneximbank und der Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung eingegangen wurde. Anders als angegeben, beteiligt sich die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung nicht an der Finanzierung. Angesichts des weiten Investitionshorizonts und der geringen Wahrscheinlichkeit, die Finanzierung zu sichern, ist es sehr unwahrscheinlich, daß Rußland das bisherige Produktionsniveau während der nächsten fünf Jahre erreichen (oder, wie von den Parteien angegeben, sogar überschreiten) kann. Weitere Marktbeteiligte (126) Weitere Marktbeteiligte dieser Branche sind insbesondere Stillwater in den USA, und Inco, Kanada. Stillwater verfügt weder über die Produktionskapazität noch die Vorkommen der südafrikanischen Unternehmen, um deren Marktstellung streitig zu machen. Inco betreibt im wesentlichen Nickelbergbau. In jedem Fall können auf diese weiteren Marktbeteiligten aufgrund ihres Potentials nur einige Prozent des Platinweltmarkts entfallen. B.3 Angebots- und Nachfrageprognosen Von den Parteien vorgelegte Nachfrageprognosen (127) Sowohl Implats als auch Lonrho haben Prognosen zur Platinnachfrage vorgelegt. Die Implats-Prognose wurde im Unternehmen intern erstellt, während die von Lonrho vorgelegte Prognose (Tabelle 7) von der Maklerfirma Anderson, Wilson & Partners Inc, Johannesburg, erstellt und in einem Rundbrief vom 28. August 1995 veröffentlicht wurde. Danach wird sich die Nachfrage (in 1000 Unzen) wie folgt entwickeln: >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Der Durchschnittsanteil an der Gesamtnachfrage im entsprechenden Zeitraum beträgt für Kfz-Abgaskatalysatoren rund 34 %, für Schmuckwaren rund 40 %, für den industriellen Einsatz 19 % und für Anlagezwecke 7 %. Der Kommission wurden von den Parteien weitere Prognosen vorgelegt: für 1996 und 1997 Prognosen von BOE Nat West Securities und SBC Warburg und für den Zeitraum bis zum Jahr 2000 eine Prognose von Engelhard. Die Prognosen von Implats und BOE Nat West Securities sind optimistischer als die oben wiedergegebene Prognose, während diejenigen von Engelhard und SBC Warburg pessimistischer ausfallen. Für den Zeitraum 1997-2000 ist die obige Tabelle optimistischer als die Prognosen von Implats und Engelhard. Faktoren, die die Prognose beeinflussen Kfz-Abgaskatalysatoren (128) Die künftige Nachfrage nach Platin für Kfz-Abgaskatalysatoren hängt vom Nachfragezuwachs bei Kraftfahrzeugen und der Einführung neuer oder verschärfter Abgasvorschriften ab. Strengere Abgasvorschriften werden sowohl in den USA als auch in Europa bis zum Ende des Jahrhunderts erwartet. Außerdem liegen Anzeichen für eine zunehmende Nutzung von Platin in Abgaskatalysatoren für Dieselfahrzeuge in Europa vor. Es wird angenommen, daß in diesem Bereich ein weltweites Wachstum zu verzeichnen sein wird. (129) Die Nachfrage nach Platin für Kfz-Abgaskatalysatoren wird anhalten und weiter zunehmen und durch neue Gesetzesvorschriften, die zum Beispiel 1996 in Brasilien und 1997 in Argentinien eingeführt werden sollen, gestärkt. Schmuckwaren (130) PGI prognostiziert, daß der japanische Platinschmuckwarenmarkt bis Ende dieses Jahrhunderts wachsen wird. Außerdem werden der chinesische und der amerikanische Markt mit einer umfangreichen Marketingkampagne der International Platinum Association und der PGI bearbeitet. In den USA könnte die Nachfrage auf das Niveau der zwanziger Jahre (150 000 Unzen jährlich) zurückkehren. Ein Nachfragezuwachs bei Platinschmuck in China ist demgegenüber eher Spekulation, jedoch sind kulturelle Ähnlichkeiten zwischen Japan und China durchaus gegeben, so daß die Reinheit und die weißliche Erscheinung des Metalls wichtige Faktoren für ein solches Wachstum darstellen. Industrielle Anwendungen (131) Eine nennenswerte neue Nachfrage der mineralölverarbeitenden und der chemischen Industrie ist insgesamt unwahrscheinlich, da deren Platinanwendungen im allgemeinen ausgereift sind. Trotzdem wird ein gewisser Ersatz stattfinden, da Anlagen, die für die Dauer der Rezession stillgelegt wurden, jetzt wieder in Betrieb genommen werden. Die zunehmende Nutzung von Personal Computern wird zu einer erhöhten Nachfrage führen, da mehr Platin für die Festplattenbeschichtungen und andere Bauteile der Computer benötigt wird. Außerdem können Brennstoffzellen langfristig zu einer höheren Nachfrage führen. Von den Parteien vorgelegte Angebotsprognosen (132) Lonrho hat sich auf eine Prognose bezogen (Tabelle 8), die von der Maklerfirma Anderson, Wilson & Partners Inc, Johannesburg, erstellt und in einem Rundbrief vom 28. August 1995 veröffentlicht wurde. Danach entwickelt sich das Angebot (in 1000 Unzen) wie folgt: >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (133) Der Kommission wurden von den Parteien weitere Prognosen vorgelegt: für 1996 und 1997 Prognosen von BOE Nat West Securities und SBC Warburg und für den Zeitraum bis zum Jahr 2000 eine Prognose von Engelhard. Alle drei Prognosen weisen ein größeres Angebot aus, als aus der obigen Tabelle für 1996 und 1997 hervorgeht. Laut Engelhard wird das Angebot auch im Zeitraum 1998-2000 die obigen Werte übersteigen. Auch Implats hat eine Angebotsprognose für den obigen Zeitraum aus Unterlagen der Geschäftsleitung vorgelegt, nach der das Angebot über den obigen Werten liegt. Diese Prognose ist laut LPD im Hinblick auf das Angebot zu pessimistisch. (134) Welche dieser Prognosen am zutreffendsten ist, ist unerheblich. Was von Bedeutung ist und aus Tabelle 8 eindeutig hervorgeht, ist die Tatsache, daß die südafrikanische und russische Förderung das weltweite Platinangebot weiterhin dominieren werden und eine moderate Nachfragesteigerung eintreten wird. Da das Angebot aus anderen Regionen und die Recyclingmengen gering sind, kann ein Angebotsdefizit nur durch Südafrika oder durch Rußland gedeckt werden. Es ist unwahrscheinlich, daß die russischen Verkäufe ausreichen werden, um ein künftiges Marktungleichgewicht abzuschwächen, da das Norilsk-Bergwerk (aus Mangel an Ersatzteilen und Verbrauchsgütern und wegen anderer Probleme wie dem Ausfall des örtlichen Kraftwerks) nicht in vollem Umfang in Betrieb ist. Außerdem ist es unwahrscheinlich, daß das Bergwerk ohne umfangreiche, vermutlich westliche Investitionen vollständig wieder in Betrieb genommen werden kann. Derartige Investitionen dürften ausbleiben, da ein westlicher Investor vor Durchführung von Investitionen im Bergwerk die bereits entstandenen Umweltschäden beheben müßte. (135) Johnson Matthey schätzt, daß Rußland "in mindestens vier Jahren seit 1991" Verkäufe aus Lagerbeständen getätigt hat. Die Frage lautet daher, für wie viele Jahre Lagerbestände vorhanden sind, die zur Deckung einer die Produktion überschreitenden Nachfrage der westlichen Welt zur Verfügung stehen könnten. Diese Frage kann nicht genau beantwortet werden, doch [... wird in der Industrie allgemein davon ausgegangen, daß auf dem gegenwärtigen Niveau an Verkäufen der russische Platinvorrat zum Ende des Jahres 1997 verbraucht sein wird. Diese Ansicht ...] spiegelt sich in Tabelle 8 wider, der ein Rückgang der russischen Verkäufe zu entnehmen ist. (136) In einem Wachstumsmarkt ist daher ein Angebotsdefizit wahrscheinlich, das realistischerweise nur von den südafrikanischen Erzeugern gedeckt werden kann. B.4. Zugrundegelegte wirtschaftliche Prämissen für die Komissionsanalyse der Marktbeherrschung in der Platinindustrie (137) Die Kommission ist der Auffassung, daß der Wettbewerb in der Platinindustrie im wesentlichen auf vier Hauptanbieter beschränkt ist - Amplats, Implats, LPD und Rußland -, die 90 % des Markts abdecken. Alle vier Marktbeteiligten sind sich darüber hinaus ihrer Wirkung im Markt bewußt, was ihr Marktverhalten beeinflußt. Die Gründe für diese Auffassung sind folgende: (138) a) Die Platinindustrie ist eine Rohstoffindustrie, die ein homogenes Produkt mit notierten Marktpreisen erzeugt. Alle vier Haupterzeuger sind sich ihres Gewichts im Markt bewußt. Dies wird beispielsweise durch den von [...] Bericht [...] belegt, der zeigt, [...] daß eine Einschränkung der Produktion durch das neue Unternehmen zu einer Preiserhöhung führen würde. Desgleichen scheint auch Rußland die Vorteile des Platinverkaufs in marktstarken Phasen erkannt zu haben (siehe unten). Die Erzeuger wissen, welche Risiken mit einem preisdrückenden Verhalten verbunden sind. In wirtschaftlicher Sicht sehen sich die Erzeuger nicht einfach als Mengenanpasser. Dies ist noch weniger nach einem Zusammenschluß von Implats und LPD der Fall, wenn es anfangs drei und kurz darauf (unter Annahme eines Rückgangs der russischen Verkäufe, siehe unten) nur noch zwei größere Marktbeteiligte geben wird. b) Die Platinindustrie ist durch hohe Fixkosten und eine unflexible Kostenstruktur geprägt. [...] gibt beispielsweise an, daß auf die Fixkosten 70 % der Gesamtkosten entfallen. [... in der Platinindustrie kann die Erzeugung angesichts dieser Kostenstruktur mit hohen Fixkosten nicht wesentlich variiert werden, selbst wenn eine Reihe von Abbaustätten nur einen geringen oder gar keinen Rentabilitätsbeitrag leisten. Eine Strategie mit dem Ziel, die Abbaustätten mit niedrigen Deckungsbeiträgen zu schließen und sich auf die rentabelsten Abbaustätten zu konzentrieren, würde bedeuten, daß nicht reduzierbare Kosten den verbleibenden Abbaustätten zugerechnet werden müssen, wodurch alle Abbaustätten mit marginalem Deckungsbeitrag unrentabel würden, was wiederum zu neuen Schließungen von Abbaustätten führen würde.] Ein Platinerzeuger muß daher bei der Festlegung des angemessenen Produktionsniveaus die gesamte Kostensituation seiner Betriebe berücksichtigen und nicht bloß die Betriebskosten einzelner Abbaustätten. Außerdem erhöhen die Kosten für die vorübergehende Schließung und für die Wiederinbetriebnahme von Abbaustätten die Starrheit der Produktion. Einzelne Abbaustätten werden nicht einfach kurzfristigen Entwicklungen des Platinpreises folgend außer Betrieb gesetzt und wieder in Betrieb genommen. Die Kommission hat in Anhang II einen Kostenvergleich zwischen den Haupterzeugern in Südafrika auf der Grundlage von Implats-Daten vorgenommen. Dabei handelt es sich um einen Vergleich der Betriebskosten von Abbaustätten und nicht der Grenzkostenkurven für die Platinerzeugung. Ein Großteil der Betriebskosten einer Abbaustätte ändert sich tatsächlich nicht in Abhängigkeit von der Produktionsmenge, sondert stellt Fixkosten dar. Wie bereits erwähnt, basieren Entscheidungen über die Produktionsmenge eines Platinbergwerks außerdem auf einer Reihe von anderen Faktoren als den kurzfristigen Betriebskosten und Deckungsbeiträgen einzelner Abbaustätten. Daher stellen die Kostenkurven in Anhang II weder die kurzfristigen noch die langfristigen Angebotskurven der einzelnen Erzeuger dar, sondern dienen lediglich zum Vergleich der Betriebskosten. c) In der Platinindustrie wäre ein Merkmal für den Mißbrauch einer beherrschenden Stellung die kontrollierte Begrenzung der Produktionsmenge, was zu einem Preisanstieg führen würde. Damit ein solcher Mißbrauch erfolgreich ist, darf die Angebotsreaktion marginaler Quellen, wie sie das Recycling, Anbieter außerhalb des Oligopols und oberirdische Lagerbestände darstellen, nicht so stark sein, daß sie die durch die Produktionsrücknahme im Markt entstandene Lücke fuellt. In dieser Hinsicht ist aufschlußreich, daß die bisherigen Daten nicht viele Belege für eine Angebotsreaktion derjenigen marginalen Quellen liefern. Mengenmäßig wuchs der Platinmarkt von 1985 bis 1995 von 2,8 auf 5,2 Millionen Unzen. Von der zusätzlichen Nachfrage in Höhe von 2,4 Millionen Unzen wurden 2 Millionen Unzen von Amplats, LPD und Rußland bedient, während andere Anbieter und das Recycling nur den Rest des Anstieges abdeckten. Anbieter außerhalb Rußlands und Südafrikas haben ihren Marktanteil von 6 % im Jahr 1985 lediglich auf 7 % im Jahr 1995 gesteigert, während das Recycling im gleichen Zeitraum von 2 % auf 6 % des Gesamtmarkts angewachsen ist. Es ist daher unrealistisch anzunehmen, daß das Recycling und die marginalen Anbieter außerhalb Südafrikas und Rußlands einen wesentlichen Anstieg des Platinpreises hätten verhindern können, wenn Amplats, LPD und Rußland die zusätzliche Nachfrage nach Platin nicht gedeckt hätten. Im Zeitraum 1985-1995 gab es einen verhältnismäßig geringen Abbau oberirdischer Lagerbestände (Rußland ausgenommen), obwohl die realen Platinpreise von 400 US-Dollar je Unze im Jahr 1985 auf über 600 US-Dollar in den Jahren 1986-1989 angestiegen waren und dort verharrten, während die jährliche Nachfrage im Zeitraum 1985-1995 gleichzeitig um 2,4 Millionen Unzen gestiegen war. Der Lagerabbau erreichte innerhalb dieses Zeitraums 1987 und 1988 seinen Höhepunkt mit Mengen von 220 000 und 370 000 Unzen, was höchstens 10 % der Nachfrage entsprach und einen Anstieg des Platinpreises zwischen 1986 und 1987 nicht verhindern konnte. Somit konnte der Lagerabbau während dieses Zeitraums keine ausreichend disziplinierende Wirkung auf einen dominanten Beteiligten am Platinmarkt ausüben. Die Parteien haben vorgetragen, daß seit 1985 Lagerbestände von 4 Millionen Unzen in Form von Platinbarren für Anlagezwecke gebildet wurden. Die meisten dieser Barren wurden an Privatanleger in Japan verkauft und sind weit gestreut. Die Parteien argumentieren, daß diese Barren wieder auf den Markt kommen und preisdisziplinierend wirken könnten. Da diese Barren jedoch weit gestreut gehalten werden, Bestandteil privater Anlagepläne sind und für den längerfristigen Besitz gekauft werden, ist es unwahrscheinlich, daß sie dieselbe disziplinierende Wirkung ausüben, wie wenn sie, wie im Fall der russischen Lagerbestände, in einem größeren Block gehalten würden. Nur in einem einzigen Jahr (1986) kam ein Teil dieses Metalls wieder auf den Markt, was aber auch nur eine bestimmte Art Barren betraf. In jedem Fall würde der Ankauf und Verkauf eines Lagerbestands von nur 4 Millionen Unzen wahrscheinlich stark von den zugrundeliegenden Angebots- und Nachfragefaktoren im Platinmarkt und somit von den Maßnahmen der Erzeuger beeinflußt sein. Dies stimmt auch mit dem Ergebnis der RSI-Studie über Einflußfaktoren des Platinpreises überein, daß "es im Gegensatz zu Gold nur begrenzte Lager gibt, die periodische Ausschläge in der Investmentnachfrage befriedigen können." Wie oben ausgeführt ist die Kommission daher nicht der Auffassung, daß Angebotsreaktionen marginaler Art in bezug auf Lagerbestände, neue Bergwerke und Recycling disziplinierende Kräfte von Bedeutung darstellen, die einen Mißbrauch einer beherrschenden Stellung, wie sie Amplats, Implats/LPD und Rußland gemeinsam haben (13), verhindern könnten. Ein Ergebnis des geplanten Zusammenschlusses ist in der Tat, daß die zusammengeschlossenen Unternehmen Implats und LPD keinen Anreiz haben werden, die Produktion auszuweiten, wenn dies dem Gesamtinteresse des Oligopols widerspricht (siehe unten). Es muß auch festgehalten werden, daß ein marginaler Anbieter in seiner Entscheidungsfindung das überwältigende Gewicht der Oligopolmitglieder im Markt berücksichtigen muß. (139) Zusammenfassend ist festzuhalten, daß eine wirtschaftliche Analyse des Wettbewerbs und der Marktbeherrschung in der Platinindustrie von den Prämissen auszugehen hat, daß die vier Haupterzeuger sich der Tatsache bewußt sind, daß die Preise durch ihre Produktionsentscheidungen beeinflußt werden, und daß das Angebot marginaler Quellen nicht ausreicht, um monopolistische Verhaltensweisen zu verhindern. Unter diesem Blickwinkel kommt die folgende Analyse zu dem Schluß, daß die oligopolistische Marktbeherrschung eine sehr wahrscheinliche Konsequenz des Zusammenschlusses ist. B.5. Oligopolistische Beherrschung (140) Ähnlich negative Auswirkungen wie die, die sich aus der beherrschenden Stellung eines einzelnen Unternehmens ergeben, hat auch die beherrschende Stellung eines Oligopols. Eine solche Situation kann eintreten, wenn die bloße Anpassung der Mitglieder des Oligopols an die Marktbedingungen ein wettbewerbswidriges Parallelverhalten verursacht, durch das das Oligopol beherrschend wird. Eine aktive Kollusion wäre daher keine unbedingte Voraussetzung dafür, daß die Mitglieder des Oligopols eine beherrschende Stellung erreichen und sich in erheblichem Ausmaß unabhängig von ihren restlichen Wettbewerbern, ihren Kunden und schließlich auch den Verbrauchern verhalten. (141) Im Platinmarkt kontrollieren Amplats, Implats, LPD und Rußland die Förderung und bilden ein Oligopol. Bereits vor einem Zusammenschluß scheint der Platinmarkt viele Merkmale eines nichtwettbewerblichen oligopolistischen Markts aufzuweisen: a) Auf der Nachfrageseite ist ein gemäßigtes Wachstum, eine unelastische Nachfrage und eine unbedeutende ausgleichende Nachfragemacht gegeben. Die Käufer sind daher in hohem Maße für mögliche Mißbräuche anfällig. (b) Die Angebotsseite weist einen hohen Konzentrationsgrad auf und ist durch eine große Transparenz bei einem homogenen Produkt, eine ausgereifte Produktionstechnologie und hohe Zutrittsschranken (zu denen hohe unwiederbringliche Kosten gehören) gekennzeichnet, und die Anbieter verfügen über finanzielle Verknüpfungen und Kontakte auf mehreren Märkten. Diese Merkmale der Angebotsseite erleichtern es den Anbietern, ein Parallelverhalten an den Tag zu legen, und bieten ihnen Anreize dazu, ohne daß ein Ausgleich durch Maßnahmen auf der Nachfrageseite möglich ist. (142) Aufgrund dieser Marktmerkmale war die Wettbewerbsintensität im Platinmarkt gering und lagen in der Vergangenheit nur wenige Wettbewerbselemente sowie eine Tendenz zur oligopolistischen Marktbeherrschung vor. Der geplante Zusammenschluß wird zu einer Ausschaltung dieser Wettbewerbselemente und zu einer oligopolistischen Marktbeherrschung letztlich zum Schaden der Verbraucher führen. Die Merkmale des Platinmarkts fördern die oligopolistische Beherrschung i) Markttransparenz und Homogenität (143) In einem transparenten Markt fällt es einem Unternehmen leicht, die Maßnahmen seiner Wettbewerber zu verfolgen und seine eigenen Entscheidungen daran auszurichten. In einem Rohstoffmarkt wie dem Markt für Platin ist das Produkt homogen, und die wichtigsten Marktparameter sind Preis und Liefermengen. (144) Die Tatsache, daß es sich bei Platin um ein Grunderzeugnis handelt sowie der Handel mit Platin an den Metallbörsen machen den Markt in preislicher Hinsicht äußerst transparent. (145) Die Liefermengen am Markt sind der Branche ohne weiteres bekannt. Erstens sind die an den Metallbörsen gehandelten Mengen öffentlich bekannt, und alle Marktteilnehmern würden unmittelbar erfahren, wenn beispielsweise erhebliche neue Mengen an den Metallbörsen angeboten würden. Zweitens werden Statistiken über Produktion und Verkäufe regelmäßig von Unternehmen wie Johnson Matthey und Degussa veröffentlicht. Selbst Zahlen über russische Verkäufen sind öffentlichen Quellen, z. B. aus diesen Veröffentlichungen, zu entnehmen, und in der Branche scheinen der allgemeine Zustand des russischen Bergwerks, dessen Produktionsniveau sowie Schätzungen zu russischen Lagerbeständen und Vorkommen im Grunde unbestritten zu sein. Drittens ist die Anzahl der Direktkunden verhältnismäßig gering, so daß es den Erzeugern leichtfällt, mit allen potentiellen und tatsächlichen Kunden in Verbindung zu treten. Viertens bedeutet die Tatsache, daß das meiste Platin im Rahmen langfristiger Verträge verkauft wird (siehe unten), daß Kunden auf neue Angebote nur mit einer gewissen Verzögerung reagieren können und der Lieferantenwechsel eines Kunden den Wettbewerbern unmittelbar bekannt wird. Schließlich begrenzen Klauseln in langfristigen Verträgen, die den Wiederverkauf des Platins untersagen (siehe unten), die Anzahl der Verkäufer am Markt, wodurch die Transparenz erhöht wird. (146) In der Platinindustrie wird neue Zusatzkapazität in der Regel durch separate Investitionsprojekte geschaffen. Details neuer Investitionsprojekte, die zu Kapazitätserhöhungen führen, sind in der Branche in der Regel ebenfalls bekannt. Die Stillwater-Erweiterungspläne und die genauen erwarteten Produktionsmengen des neuen Hartley-Bergwerks in Simbabwe sind beispielsweise öffentlich bekannt. (147) Offensichtlich erstreckt sich die Transparenz nicht auf alle Aspekte des Platinbergbaus und der Raffination einzelner Unternehmen. Bestimmte Daten werden als Geschäftsgeheimnis behandelt. Dies ist der Fall bei Einzelheiten zu Kundenverträgen, detaillierten Produktionsdaten bezüglich der Erzbeschaffenheit und der genauen Qualität und dem Ausmaß von Vorkommen. Außerdem verfügt die Branche zwar ü

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.