Europäische Union

2004/275/EG: Entscheidung der Kommission vom 10. Oktober 2001 zur Erklärung der Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt — Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Sache COMP/M.2283 — Schneider/Legrand) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3014) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Quellenkennung: 32004D0275. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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iese Saisonabhängigkeit ist manchmal stark ausgeprägt, so insbesondere im Monat August, wo das Verkaufsvolumen um mehr als 75 % im Vergleich zum Monat Juli sinken kann. Da sie dieses Phänomen nicht isoliert betrachten, führen die von NERA vorgelegten Daten also zu einer erheblichen Überbewertung der wirklichen Wechselbeziehungen zwischen den Verkaufsvolumina. Zur Messung der wirklichen Wechselbeziehungen hat die Kommission eigene Berechnungen auf der Grundlage der von den Parteien vorgelegten Daten durchgeführt. Diese Berechnungen zeigen, dass die Wechselbeziehungen bei einer isolierten Betrachtung der Saisonabhängigkeit der Verkäufe beträchtlich abnehmen und eine Wertspanne (der Größenordnung von 0,7) erreichen, was genaue Rückschlüsse nicht erlaubt. (175) In jedem Fall scheint auf der Hand zu liegen, dass bestimmte Beziehungen zwischen den Verkäufen von verschiedenen Bauteiletypen bestehen, da es sich beim Verkauf an die Endabnehmer um montierte Schalttafeln handelt und diese Schalttafeln durch Zusammensetzung der betreffenden Bauteile entstehen. Die Kommission ist jedoch der Auffassung, dass das Bestehen dieser Beziehungen nicht den Rückschluss zulässt, dass alle Bauteile von einem einheitlichen Produktmarkt stammen. Auf einen anderen Wirtschaftssektor angewandt führte die von NERA entwickelte Beweisführung wiederum zu der Annahme, dass Reifen und Motoren Teile desselben Produktmarktes sind, da (wahrscheinlich) eine Beziehung zwischen dem Verkaufsvolumen von Reifen und von Motoren für Automobile besteht (da der Verkauf dieser beiden Ausstattungen nun einmal mit dem von Automobilen verknüpft ist). Diese Schlussfolgerung erscheint ziemlich absurd, und zwar in Anbetracht der komplett fehlenden Substituierbarkeit zwischen den beiden Produkten (sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite) und der fundamentalen Unterschiede im Hinblick auf die Wettbewerbsstruktur in diesen beiden Sektoren (Vorhandensein von integrierten Konstrukteuren, Ebene des Zusammenschlusses etc.). Übrigens stützen sich aus diesem Grunde die ökonometrischen Untersuchungen zur Definition der relevanten Produktmärkte in der Regel eher auf die Wechselbeziehungen der Preise als auf die der Verkaufsvolumina(38). Die Kommission ist somit der Auffassung, dass diese Beziehungen das Bestehen von spezifischen Wettbewerbsbedingungen für jeden Materialtyp nicht in Frage stellen, vor allem in Anbetracht der weiter oben beschriebenen Tatsachen und Erwägungsgründe. Die Tatsache, dass die Verkaufszahlen bei bestimmten Bauteilen steigen, während sie bei anderen fallen, und zwar trotz des unvermeidlichen Bestehens von Zusammenhängen zwischen den Bauteilen, bestätigt ferner diese Analyse. (176) Selbst wenn man bei den Bauteilen die Bedeutung der Marken und der Produktpaletten im Spiel des freien Wettbewerbs akzeptiert, so beruht die Stärke einer Marke in jedem Falle vor allem auf der Wettbewerbsfähigkeit der verschiedenen Bauteile. So ist etwa bei einem Lieferanten, der bei einem Bauteil eine Monopolstellung und aus seiner Position auf dieser Ebene Marktmacht herleiten kann, die Wettbewerbsanalyse auf der Ebene von jedem Bauteiletyp durchzuführen. (177) Die Kommission kommt somit zu der Schlussfolgerung, dass die Analyse der Auswirkungen des angemeldeten Zusammenschlussvorhabens auf den Wettbewerb auf zwei Ebenen durchzuführen ist: einerseits auf der Ebene der Gesamtheit der Bauteile, die zur Verwirklichung eines bestimmten Schalttafeltyps erforderlich sind (was der von den Parteien erfassten Ebene entspricht); und andererseits auf der Ebene der verschiedenen Bauteile, die zum Einbau in die Trennverteiler- bzw. Endverteilerschalttafeln bestimmt sind. Die Segmentierung der Produkte Die Unterscheidung nach Funktionstyp (178) Die Kommission stellt fest, dass die verschiedenen Kategorien von in einer Verteilerschalttafel verwendeten Bauteilen untereinander nicht substituierbar sind. Denn offensichtlich ist ein Schaltkasten (also ein Gehäuse, im Allgemeinen aus Metall, bestehend aus einem Gestell, auf dem äußere Schaltfelder montiert sind, und eine Türe) oder ein Verteilerkasten keineswegs durch eine Schutzvorrichtung (wie einen Trennschalter oder eine Sicherung) substituierbar. (179) Eine deutliche Unterscheidung muss bei den Schutzvorrichtungen auch zwischen Trennschaltern und Sicherungen (welche die Funktion haben, die Elektroinstallation gegen Überspannung oder Kurzschluss zu sichern) einerseits und den Differenzialschutzsperren (Fehlerstromschutzschalter, die dem Schutz von Personen dienen) andererseits vorgenommen werden. Aus denselben Gründen scheinen die Differenzialschutztrennschalter, welche die Funktionen einer Differenzialschutzsperre und eines Trennschalters in sich vereinen, nicht durch andere Typen von Schutzvorrichtungen substituierbar zu sein. (180) Diese Segmentierung besteht auch auf der Angebotsseite, da den Parteien zufolge jeder dieser Bauteiletypen das Produkt einer unterschiedlichen und spezifischen Herstellungskette (meistens in einer Fabrik) ist. Dies verbietet die Herstellung jeder anderen Apparaturenfamilie und die Umstellung zu wirtschaftlich akzeptablen Bedingungen. Die Unterscheidung zwischen Trennschaltern und Sicherungen (181) Die Sicherungen erfuellen eine Funktion, die der von Trennschaltern vergleichbar ist (Schutz gegen Kurzschluss und Stromschlag). Dennoch handelt es sich technisch um unterschiedliche Bauteile. Während die Trennschalter eine elektromagnetische Vorrichtung haben, funktionieren die Sicherungen durch die Unterbrechung des elektrischen Leiters, der sich im Falle von Überspannung oder Kurzschluss erhitzt. Folglich müssen Sicherungen nach einem Kurzschluss oder einer Überspannung im Unterschied zu Trennschaltern ersetzt werden, die einfach nur wieder in ihre Ausgangsstellung zurückgesetzt werden, solange die Stromstärke die Unterbrechungsstufe nicht erreicht. Ferner muss eine Sicherung mit einem Abschnittsunterbrecherschalter verbunden sein, der es ermöglicht, spannungsfrei zu arbeiten, wenn sie ersetzt wird. Schließlich ist eine Sicherung zwar preisgünstiger als (die Installation) eines Trennschalters, doch erfordert sie mehr Aufwand bei der Wartung, vor allem bei ihrer Ersetzung, und daher scheinen ihre Gesamtkosten wiederum höher zu sein. In Anbetracht dieser Unterschiede und der viel einfacheren Verwendung von Trennschaltern werden Letztere häufiger eingesetzt als Sicherungen und weisen die Tendenz auf, die Sicherungen auf lange Sicht zu ersetzen. (182) Angesichts der technischen Unterschiede zwischen Sicherungen und Trennschaltern, der Folgen, die sich daraus für die Wartung von Stromverteilerschalttafeln ergeben, und der unterschiedlichen technologischen Herstellungsverfahren für diese beiden Bauteilekategorien könnte man die Frage stellen, ob es überhaupt notwendig ist, eine Unterscheidung zwischen beiden Produkttypen vorzunehmen. Diese Frage kann indessen offenbleiben, soweit sie die wettbewerbsrechtliche Analyse des Zusammenschlussvorhabens nicht beeinträchtigt. Die Unterscheidung zwischen Trennschalterfamilien (183) Unter den Trennschaltern sollte wiederum eine Unterscheidung zwischen Trennschaltern für Starkstrom, Trennschaltern mit Panzergehäuse und Miniaturtrennschaltern getroffen werden. In erster Linie hat es den Anschein, dass jede dieser Trennschalterkategorien eine unterschiedliche Funktion gewährleistet. Bei den Trennschaltern für Starkstrom handelt es sich um Trennschalter, die in den Gesamtverteilerschalttafeln für Niederspannungsanlagen am Kopfende der Elektroinstallation montiert werden, während die Trennschalter mit Panzergehäuse hauptsächlich beim Abgang von Gesamtverteilerschalttafeln oder am Kopfende von Trennverteilerschalttafeln eingesetzt werden, und die Miniaturtrennschalter am Abgang von Trennverteilerschalttafeln oder im Rahmen von Endverteilerschalttafeln ihre Funktion wahrnehmen. (184) Wie in der Tabelle 4 weiter oben dargestellt ist, erklären sich diese spezifischen Nutzungen aus der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der verschiedenen Trennschalterkategorien. Die von den Parteien vorgelegten Daten zeugen von beträchtlichen Preisunterschieden zwischen diesen Kategorien. So beträgt der interne Abgabepreis innerhalb der Unternehmensgruppe von Schneider zwischen [1000 und 5000]* EUR für Trennschalter für Starkstrom(39), zwischen [1000 und 5000]* EUR für Panzerschalter(40), und zwischen [0 und 50]* EUR für Miniaturtrennschalter(41). (185) Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass alle diese Produkte Gegenstand unterschiedlicher Fertigungslinien sind, und zwar derart, dass der Hersteller eines bestimmten Typs von Trennschalter seine Produktion nicht kurzfristig auf andere Erzeugnisse umstellen und vermarkten könnte. Die Unterscheidung zwischen Schaltkästen und Verteilerkästen (186) Die von den Parteien vorgelegten Daten zeigen, dass Grund dazu besteht, eine Unterscheidung zwischen den Bauteilen von Verteilerschränken für Gesamtverteilerschalttafeln und den Bauteilen von Schaltkästen für Trennverteilerschalttafeln sowie den Bauteilen von Verteilerkästen für Endverteilerschalttafeln vorzunehmen. Bei den Schaltkästen und den Verteilerkästen handelt es sich um Ausrüstungen aus Blech oder Kunststoff, die zum Schutz der elektrischen Bauteile der Verteilerschalttafeln von Niederspannungsanlagen dienen. Die Schaltkästen oder Verteilerkästen bestehen aus dem "Gehäuse" der Stromverteilerschalttafel, ergänzt um die "Bauteile der Schalttafel" (Klemmschienen DIN, Bausatz an Kupferschienen etc.) zur Montage und Halterung der elektrischen Bauteile. (187) Nach den von den Parteien vorgelegten Daten bestehen auch große Unterschiede von einer Verteilerebene zur anderen. Einerseits unterscheiden sich die Endverteilerschaltkästen (aus Kunststoff, ausgestattet mit Klemmschienen DIN und weitgehend standardisiert) deutlich von den Verteilerkästen (aus Metall, mit Aufnahmekapazität für spezifische Bauteile etc.). Und andererseits unterscheiden sich die Verteilerschränke für Gesamtverteilerschalttafeln von den Schaltkästen für Trennverteilerschalttafeln insofern, als im Unterschied zu den Verteilerschränken für Gesamtverteilerschalttafeln, die häufig auch spezifische Bauteile enthalten können und von Schalttafelbauern zusammengebaut werden, die Schaltkästen für Trennverteilerschalttafeln standardisierter sind, und die Rolle der Schalttafelbauer bei diesem Typ Schaltkästen sich im Allgemeinen auf die Zusammensetzung von "Baukastensystemen" beschränkt (Produktpalette Prisma bei Schneider, Produktpaletten Altis oder MAS bei Legrand), die von den Herstellern geliefert werden. Außerdem müssen die Verteilerschränke für Gesamtverteilerschalttafeln höheren technischen Anforderungen genügen (im Hinblick auf elektromechanische Sachzwänge, Stromstärken bei Kurzschlüssen), denen die Schaltkästen für Trennverteilerschalttafeln nicht unterliegen. (188) Diese Unterschiede finden sich auch auf der Angebotsseite wieder, da die Standardisierung von Trennverteilerschaltkästen und Endverteilerschaltkästen die Hersteller im Allgemeinen dazu veranlasst hat, diesem Sektor spezifische Mittel mit starken Produktionskapazitäten bereitzustellen, während die Verteilerschränke für Gesamtverteilerschalttafeln häufig aus vielseitigen Mitteln mit geringen Ausmaßen zusammengebaut werden (um an die besonderen Anforderungen jedes einzelnen Projekts angepasst werden zu können). Die Netzanschlusstrennschalter (189) Außer den oben beschriebenen Bauteilen ist noch auf eine andere Kategorie von Produkten hinzuweisen: die Netzanschlusstrennschalter. Dabei handelt es sich um Apparaturen, die von Electricité de France (EDF) in Frankreich und von der Elektrizitätsversorgung in Portugal gefordert werden. (190) Die Netzanschlusstrennschalter unterscheiden sich von den anderen Bauteilen durch (i) eine Differenzialschutzsperrfunktion, die außer dem Schutz des Benutzers auch dem Schutz des Versorgungsunternehmens vor Energiediebstahl dient, durch (ii) eine Stromtariffunktion (Messung des Stromverbrauchs) und durch (iii) eine Mehrkaliberfunktion, die es dem Versorgungsunternehmen ermöglicht, den Netzanschlusstrennschalter an den Bedarf des Abnehmers anzupassen. (191) Diese Apparate werden zu zwei Dritteln an die Elektrizitätsversorgungsunternehmen und zu einem Drittel an die Elektroinstallateure verkauft. Da es sich um Apparaturen handelt, die der besonderen Nachfrage des Elektrizitätsversorgungsunternehmens gerecht werden, gibt es derzeit keine substituierbaren Erzeugnisse. Außerdem sind die Netzanschlusstrennschalter kein Bestandteil der Stromverteilerschalttafeln. Diese Apparaturen bilden also einen unterschiedlichen sachlich relevanten Produktmarkt. Schlussfolgerung (192) Angesichts der vorstehenden Ausführungen können die relevanten Produktmärkte entweder auf der Ebene jedes einzelnen Bauteils oder auf der Ebene der Kategorien der Verteilerschalttafeln festgelegt werden.. Diese Frage kann aber offen gelassen werden, da die Auswirkungen auf die Wettbewerbssituation bei beiden Definitionen ähnlich sind. Die Produktmärkte können in folgende Segmente eingeteilt werden: Tabelle 5 >PLATZ FÜR EINE TABELLE> B.1.4 Die Definition der räumlich relevanten Produktmärkte für Verteilerschalttafeln Die von den Parteien vorgeschlagene Definition der räumlich relevanten Märkte (193) Die Parteien sind der Auffassung, dass die Märkte für Verteilerschalttafeln im Niederspannungsbereich europäische Ausmaße haben.(42) Insbesondere führen die Parteien an, dass die Transportkosten gering sind (unter [...]* % der Ausrüstungskosten), die Organisation der Produktion in der Regel auf der Grundlage einer begrenzten Anzahl von Produktionseinheiten in Europa erfolgt und die Rahmenvorschriften in Europa harmonisiert sind. Analyse der Kommission (194) Die gründliche Untersuchung der Kommission bestätigt das Vorhandensein nationaler Märkte, was die in den Trennverteiler- oder Endverteilerschalttafeln verwendeten Materialien betrifft. Diese Schlussfolgerung beruht auf folgenden vier Elementen. Erstens bestehen beträchtliche Unterschiede zwischen den in den verschiedenen Mitgliedstaaten verkauften Produkten, und zwar aus Gründen vorwiegend im Zusammenhang mit dem in diesen Mitgliedstaaten geltenden Rahmen an Normen und Vorschriften und dem Vorhandensein nationaler Gewohnheiten. Zweitens werden die Preise nach wie vor auf nationaler Ebene festgesetzt, und bei bestimmten Referenzartikeln herrschen von einem Mitgliedstaat zum anderen erhebliche Preisunterschiede (bis zum doppelten Preisniveau). Drittens hat es den Anschein, dass die entscheidenden Elemente der Wettbewerbssituation sowohl auf der Angebotsseite (Positionierung von Marken, Zugang zu den Großhändlern) als auch auf der Nachfrageseite (Struktur und Erwartungen der Kunden) hauptsächlich von nationalen Faktoren abhängen (wie Konzentration, Umfang und geografische Reichweite der Großhändler, Wahrnehmung der Marken und Produktpaletten seitens der Elektroinstallateure und Schalttafelbauer etc.) und sich von einem Land zum anderen erheblich unterscheiden. Schließlich bestehen zwischen den Ländern noch beträchtliche Hemmnisse für den Marktzugang und die Ausdehnung der Geschäftstätigkeiten. (195) Die nationale Ausdehnung der Märkte richtet sich übrigens eindeutig nach der eigenen Organisation der Parteien. Beispielsweise werden die Strategiepapiere Land für Land ausgearbeitet. So verhält es sich auch bei den Dienstleistungen der Parteien für die jeweiligen Investoren. Legrand fasst dies so zusammen(43), dass "Legrand sich auf die verschiedenen Wettbewerbsebenen einstellt, die vom jeweiligen Markt und der Art der verkauften Produkte abhängt. So gehören zu den wichtigsten Konkurrenten von Legrand in Frankreich Hager und Entrelec, in Italien Gewiss und Vimar, im Vereinigten Königreich MK Electric [...]*. Bestimmte multinationale Gesellschaften wie General Electric, ABB, Siemens, Schneider und Matsushita treten mit Legrand auf mehr als einem nationalen Markt in Konkurrenz." Die von den Herstellern verkauften Produkte sind von einem Land zum anderen verschieden. (196) So können zwischen den Mitgliedstaaten erhebliche Unterschiede bei den verkauften Produkten bestehen. Die von Schneider, Legrand und verschiedenen anderen Herstellern vorgelegten Daten zeigen auch, dass das Warenverzeichnis der 5 am meisten verkauften Referenzartikel an Miniaturtrennschaltern von der Funktion her von einem Mitgliedstaat zum anderen beträchtliche Unterschiede aufweist, und dass selten ein Referenzartikel vorzufinden ist, der in mehr als 3 Mitgliedstaaten ebenfalls in diesem Warenverzeichnis enthalten ist. Wenn Schneider das Warenverzeichnis der fünf in den 15 EWR-Ländern am meisten verkauften Referenzartikel an Miniaturtrennschaltern für Endverteilerschalttafeln vorlegt, so umfasst dieses Verzeichnis 40 Referenzartikel. Von diesen 40 Referenzartikeln werden [...]* in Frankreich, [...]* in Italien, [...]* in Spanien, [...]* in Portugal etc. verkauft. Übrigens sind nur zwei Referenzartikel in [...]* Ländern (und kein einziger in über [...]* Ländern) im Verkauf, und [...]* dieser Referenzartikel erscheinen nur in weniger als fünf Ländern. Ähnliche Feststellungen können für den Verkauf von Miniaturtrennschaltern für Trennverteilerschalttafeln und für den Verkauf von Differenzialschutzsperren getroffen werden. Das gleiche Phänomen ist bei Legrand zu beobachten. Die Warenverzeichnisse von Schneider sind häufig total unzusammenhängend, wie das beispielsweise zwischen Griechenland und Italien (bei Miniaturtrennschaltern für Trennverteilerschalttafeln) oder zwischen Spanien und Belgien (bei Differenzialschutzsperren) der Fall ist. Im Unterschied dazu werden die Trennschalter mit Panzergehäuse in der Regel in den meisten Mitgliedstaaten verkauft (mit den entsprechenden Preisunterschieden, wie nachfolgend dargelegt wird). (197) Diese Situation erklärt sich hauptsächlich aus dem Vorhandensein mehrerer Ebenen von nationalen Vorschriften oder Gewohnheiten, welche die Elektroinstallateure und die Schalttafelbauer dazu veranlassen, von einem Land zum anderen unterschiedliche Materialien zu verwenden. (198) In erster Linie gilt es auf die zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten vorhandenen normativen Hemmnisse hinzuweisen. So bestehen von einem Mitgliedstaat zum anderen unterschiedliche "Installationsregeln". Diese Bestimmungen betreffen insbesondere die Sicherheitsaspekte (Erdung, Trennung des Nullleiters, Differenzialschutzsperren für bestimmte gefahrgeneigte Örtlichkeiten etc.). Diese Normen sind obligatorisch, und ihre Nichteinhaltung durch die Elektroinstallateure wird mit strafrechtlichen Sanktionen geahndet. Die Anwendung dieser Normen führt zu Unterschieden auf der Ebene der Bauteile, die für Stromverteilerschalttafeln von Niederspannungsanlagen verwendet werden. So sind die in Deutschland verkauften Trennschalter einpolig (Unterbrechung der einzigen Phase), während sie in Frankreich und in Italien doppelpolig sein müssen (Trennung von Phase + Nullleiter). Gleichfalls legt ein Dokument von CEI(44) nahe, dass bestimmte Länder die Verwendung von Differenzialschutzsperren untersagen, die den Nullleiter nicht trennen, und bestimmte Mitgliedstaaten die Verwendung von Differenzialschutzsperren AC beschränken oder untersagen. (199) In zweiter Linie ist auch festzuhalten, dass nicht alle Länder das Nullleitersystem einheitlich anwenden. Angesichts der unterschiedlichen Funktionsweise der Nullleitersysteme wird die Entscheidung für ein solches System häufig durch die Anwendung (kontinuierliche Betriebsbereitschaft, Vorhandensein eines Wartungsdienstes, Brandgefahr) und durch die Qualität der betreffenden Erdungen (und damit die Konsistenz der Böden) bestimmt. Was die Anwendung in Wohnanlagen anbelangt, so haben die Länder germanischer Prägung die Tendenz, dem System TN den Vorzug zu geben, während die Niederlande, Dänemark und Spanien das System TT bevorzugen, und Norwegen sich für das System IT entschieden hat. Das Nullleitersystem kann übrigens durch den Elektrizitätsversorger vorgeschrieben werden. Dies ist vor allem in Frankreich der Fall, wo Electricité de France verlangt, dass die Elektroinstallationen in Wohnbereichen unter das System TT fallen. (200) Diese Entscheidungen beeinflussen auch die Auswahl der Bauteile in diesen verschiedenen Ländern. Wie bereits oben dargestellt wurde, bestimmt die Wahl des Nullleitersystems den Typ der Vorrichtungen zum Schutz von Personen. Mit dem System TT ist also die Verwendung von Differenzialschutzsperren vorgegeben, während das System TN eher auf die Verwendung von Trennschaltern setzt und das System IT meistens den Einbau von Geräten zur ständigen Kontrolle der Isolierung erforderlich macht. Aber die Wahl des Nullleitersystems wirkt sich auch auf die charakteristischen Merkmale der verwendeten Trennschalter aus, so insbesondere auf die Anzahl der Pole und auf ihren Ausklinkmechanismus: das System TT bevorzugt die Verwendung von zwei- und dreipoligen Apparaturen und vom Ausklinkmechanismus C, während bei den Systemen TN die ein- und dreipoligen Vorrichtungen und der Ausklinkmechanismus B vorherrschen und im System IT nur zwei- und dreipolige Apparaturen anzutreffen sind. (201) Auch ist darauf hinzuweisen, dass keine umfassende Harmonisierung der technischen Normen für Verteilerschalttafeln besteht. Außer dem Gütezeichen "CE", das aufgrund der einschlägigen Richtlinien der Gemeinschaft (insbesondere die Niederspannungsrichtlinie) obligatorisch ist, ist es zum Verkauf eines Produkts in einem bestimmten Mitgliedstaat oft notwendig, das nationale Qualitätsmarkenzeichen für diese Vorrichtung zu erhalten, das von der nationalen Zertifizierungsorganisation des betreffenden Landes vergeben wird. (202) Die Ergebnisse der von der Kommission durchgeführten Untersuchung zeigen, dass dieses Qualtitätsmarkenzeichen zwar von Gesetzes wegen nicht zwingend ist, aber von den Elektroinstallateuren und den Schalttafelbauern aber doch meistens verlangt wird. Dieses Phänomen wird übrigens durch die Tatsache bestätigt, dass trotz der erheblichen Kosten ([10000-15000]* EUR für 60 Referenzartikel) und Dauer (3 Monate) jedes nationalen Zertifizierungsvorgangs fast alle Trennschalter und Differenzialschutzsperren von Schneider mehrere Qualitätsmarkenzeichen tragen. Dies geht auch aus den internen Dokumenten der Parteien hervor: so erklären die internen Dokumente von Legrand(45), dass in Belgien "trotz Umsetzung der europäische Normung das Qualitätsmarkenzeichen CEBEC bei den Elektroinstallateuren nach wie vor unumstößlich ist." Aus diesen Dokumenten geht ebenfalls hervor, dass die Haupthemmnisse für den Zugang nach Deutschland in der Erteilung des Prüfzeichens durch den VDE (Zertifizierungsorganisation) und den nationalen Qualitätsstandards und Gütezeichen bestehen. (203) Außer diesen "objektiven" Kriterien bestehen schließlich noch Gepflogenheiten (hinsichtlich der Installation, der Wahl und der Trennung der Stromkreise) auf der Ebene der einzelnen Mitgliedstaaten, die häufig eine wichtige Rolle bei der Auswahl der Vorrichtungen spielen. So weist Schneider beispielsweise darauf hin, dass man in bestimmten Ländern wie Deutschland die Trennschalter häufig von unten her anschließt, während man diese in anderen Ländern (Frankreich, Italien, Spanien) von oben her anschließt. Dieser Unterschied liegt schon im Ursprung der Produkte (mit der Bezeichnung Dreifachanschluss) begründet, die spezifisch für die deutschen Elektroinstallateure konzipiert sind. Auch weisen die internen Dokumente von Legrand(46) darauf hin, dass in Belgien, "der Großteil des Marktes aus [Miniatur-] Trennschaltern mit einem Unterbrechungswert von 3 kA besteht", während in den meisten anderen Ländern die Wahl eher auf Trennschalter mit einem Unterbrechungswert von 4,5 kA oder 6 kA fällt. Schließlich hat es den Anschein, dass in Frankreich der Nulleiter systematisch nach links und nicht nach rechts geschaltet wird, wie dies in den meisten anderen Mitgliedstaaten üblich ist.

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.