Europäische Union

2004/275/EG: Entscheidung der Kommission vom 10. Oktober 2001 zur Erklärung der Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt — Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Sache COMP/M.2283 — Schneider/Legrand) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3014) (Text von Bedeutung für den EWR)

Amtliche Ursprungsfassung

Quellenkennung: 32004D0275. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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* Die wiederholte Verwendung von Legrand-Produkten durch die Elektriker und die Auftraggeber stärkt die Position von Legrand und stellt einen wichtigen Wettbewerbsvorteil dar."(178) (491) Die von der Kommission durchgeführte Untersuchung und die von den Parteien vorgelegten Daten bestätigen, dass die Elektroinstallateure und die Schalttafelbauer eine unumwundene Treue zu ihrer Gewohnheitsmarke an den Tag legen. Jedoch zeigt die Untersuchung der Kommission ebenfalls, dass diese Treue nicht absolut ist. Denn es hat den Anschein, dass die Sicherheit und die sofortige Verfügbarkeit der Produkte für die Elektroinstallateure und die Schalttafelbauer unbedingt zu erfuellenden Anforderungen darstellen, denen sie bei ihrer Materialauswahl den Vorrang vor der Marke selbst geben. Daraus ergibt sich, dass je mehr eine Marke eine ausreichende Qualität und Verfügbarkeit garantiert, desto mehr profitiert sie von der starken Treue aufseiten ihrer gewöhnlichen Kunden. Es ist also nicht leicht für die anderen Mitbewerber, diese Kundschaft zu erobern, selbst wenn sie höherwertige Produkte und/oder reduzierte Preise anbieten. Wenn eine Marke dagegen den wesentlichen Anforderungen der Elektroinstallateure und der Schalttafelbauer nicht mehr genügt, oder wenn sie dem Vergleich mit den Konkurrenzprodukten nicht mehr standhält, so kann sie schnell das Vertrauen ihrer bisherigen Installateure und Schalttafelbauer verlieren und es wird schwierig, diese als Kunden zurückzugewinnen. (492) Die Untersuchung der Kommission zeigt übrigens, dass die wichtigsten Hersteller dazu neigen, dieses Treueverhalten zu kultivieren und zu stärken, indem sie sehr häufig eine Handelspräsenz in der näheren Umgebung bereitstellen, indem sie beispielsweise Geräte zur Planung des elektrischen Schaltbildes und der Bezifferung der Elektroinstallation unter Verwendung der von ihnen hergestellten Produkte anbieten (insbesondere Computersoftware), indem sie die Montage ihrer Produkte vereinfachen, indem sie Schulungsveranstaltungen für die Elektroinstallateure veranstalten etc. Diese handels- und beziehungsrelevanten Investitionen stellen übrigens häufig einen beachtlichen Teil des Umsatzes der Marken dar und können mitunter bis zu [10-30]* % der nationalen Verkaufszahlen erreichen. (493) In ihrer Erwiderung vertreten die Parteien die Auffassung, dass die Kommission das Treueverhalten zur Marke überbewertet, so vor allem im Sektor der Verteilerschalttafeln. Insbesondere behaupten sie, dass die Kommission auf diese Märkte Kriterien anwendet, die eher auf eine aufgeteilte Elektroinstallation zutreffen, und dass sie auf eine "quasi absolute" Treue schließt, während diese nur in geringem Maße vorhanden sei. Denn die Parteien bringen vor, indem sie sich auf die Ergebnisse der vom Wirtschaftsberatungsunternehmen NERA durchgeführten Untersuchung stützen, dass die Treue zur Marke relativ schwach ausgeprägt ist. (494) Die Kommission bestreitet, auf das Vorhandensein einer "quasi absoluten" Treue geschlossen zu haben. Genau genommen handelt es sich um das Beziehungsmerkmal und die notwendige Pflege dieser Treue, welche die großen Bemühungen der Hersteller um die Beziehungen rechtfertigen, welche die Kommission in der Mitteilung ihrer Einwände zur Sprache gebracht hat. Zusammenfassend bleibt die Kommission bei ihrer Auffassung, dass die Treue zur Marke die Kosten für die Gewinnung neuer Kunden erhöht, und dass sie somit ein erhebliches Hemmnis für den Marktzugang darstellt. Sie erhöht auch die Toleranz des Marktes gegenüber leicht niedrigeren Leistungsmerkmalen oder leicht höheren Preisen als dem Mittelwert der Produkte der anderen Akteure und bremst damit die Zunahme oder die Abnahme der auf einem bestimmten Markt eingesessenen Marken. Aber aufgrund der Tatsache des Beziehungsmerkmals, auf dem die Parteien bestehen, ist es einem eingesessenen Hersteller nicht möglich, seine Marktposition aufrechtzuerhalten, sobald die technische und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit seiner Produkte zu sehr unter den Stand der anderen auf dem Markt befindlichen Marken sinkt. (495) Die Analyse der Parteien, nach der die Treue zur Marke schwach ausgeprägt ist, wird durch die Untersuchung der Kommission widerlegt, die das Vorhandensein eines erheblichen Treueverhaltens zur Marke veranschaulicht, und zwar auch im Sektor der Verteilerschalttafeln. Diese Treue entspricht auch der Auffassung, welche die Parteien mehrfach zum Ausdruck gebracht haben, so zunächst im Formular CO ("die Elektroinstallateure sind in der Regel einer Marke treu und kaufen den kompletten Bausatz bei einem einzigen Hersteller ein, und zwar aufgrund der einfacheren Montage der Schalttafel, der Produktästhetik, der funktionsgerechten Ausrichtung der Apparaturen und des Vertrauens in die technische Qualität eines Herstellers"(179)), und dann in den Antworten auf die späteren Fragebögen ("Schneider und Legrand bieten den Elektroinstallateuren die [Endverteilerschalttafeln]* im Wege des Vertriebs an. Diese sind in der Regel der Marke treu, die sie für gewöhnlich verwenden."(180)) (496) Die Kommission ist ebenfalls der Auffassung, dass angesichts der Ergebnisse ihrer Untersuchung die Ergebnisse der von NERA durchgeführten Untersuchung unzureichend sind, um das erhebliche Treueverhalten zur Marke in Zweifel ziehen zu können. Denn NERA stützt sich auf die vorhandenen und umfangreichen Werbemaßnahmen, um das Vorhandensein einer starken Preiskonkurrenz zwischen den Herstellern zu beweisen. (497) Denn einerseits stellt die Kommission fest, dass die von den Herstellern gewährten Rabatte oftmals beträchtlich sind ([10-30]* %), was nahe legt, dass die Kosten für die Gewinnung neuer Kunden (und somit das Treueverhalten) ebenfalls beträchtlich sind. (498) Und andererseits macht es die von NERA durchgeführte Untersuchung nicht möglich, das Treueverhalten zur Marke zu evaluieren, denn sie macht zwar einen starken Anstieg der Verkäufe von relevanten Betriebsmitteln während der Werbeperioden deutlich, doch zeigt sie nicht, worin dieser Verkaufsanstieg besteht, der gegenüber anderen Herstellern erkämpft wurde. So könnte sich der Verkaufsanstieg bei Materialien aus Werbeverkäufen ganz einfach mit einem Bevorratungsphänomen aufseiten der Großhändler erklären lassen (oder der dieser Marke treuen Elektroinstallateure, welche die Materialien zu einem Niedrigpreis einkaufen, um sie dann erst später einzubauen), oder auch mit einer Art Verdrängungseffekt bei anderen Referenzartikeln desselben Herstellers (der Verkaufszuwachs bei einem Referenzartikel im Werbeverkauf erfolgt zum Nachteil der Verkaufszahlen anderer vergleichbarer Referenzartikel, die aber nicht im Werbeverkauf sind). Diese beiden Erklärungen werden übrigens weitgehend auch durch die von NERA verwendeten Daten nahe gelegt. Denn [...]*. Dies wäre also ein Hinweis für das Vorhandensein eines sehr ausgeprägten Treueverhaltens zur Marke. (499) In der Schlussfolgerung hält die Kommission also an ihrer Auffassung fest, dass in Einklang mit den Ergebnissen der Untersuchung ein erhebliches Treueverhalten zur Marke bei den Stromverteilerschalttafeln vorhanden ist, auf die sich die Einwände der Kommission erstrecken. Die Kommission unterstreicht jedenfalls, dass das Ausmaß der Treue ohne Folgen auf die Analyse der marktbeherrschenden Stellung ist. Denn wie bereits weiter oben ausgeführt wurde, besteht die einzige Wirkung des Treueverhaltens darin, die Kosten für die Gewinnung neuer Kunden in die Höhe zu treiben und den Misserfolg einer weniger leistungsfähigen Marke zu verlangsamen. Denn wie weiter unten festgestellt wird, hängen die Gründe, aus denen das Zusammenschlussvorhaben eine marktbeherrschende Stellung schafft, vor allem mit dem unumkehrbaren Charakter der fusionierten Einheit und mit ihrer Fähigkeit zusammen, ihre bereits vorhandenen Marktpositionen noch weiter auszubauen und die Mitbewerber durch eine Neuausrichtung ihrer Marken und ihrer privilegierten Beziehungen zu den Großhändlern zu schwächen. Ein schwächer ausgeprägtes Treueverhalten würde die Kapazitäten der Mitbewerber, der fusionierten Einheit dauerhaft widerstehen zu können, reduzieren und damit also Gefahr laufen, die Auswirkungen des Zusammenschlussvorhabens noch zu beschleunigen oder zu verschärfen. Die Bedeutung der Marken (500) Die vorstehenden Erwägungsgründe erklären zwei weitere wichtige charakteristische Merkmale dieses Sektors: die Bedeutung von Marken und die Suche nach möglichst breitgefächerten Produktpaletten. (501) Die wichtigsten Hersteller verkaufen ihre Produkte unter einer oder unter mehreren Markennamen, und war je nach relevantem Land und Materialtyp. So hat jede der Parteien insgesamt mehr als zehn Marken von unterschiedlichem Umfang und geografischem Ausmaß. Diese Marken sind in Anhang 2 des vorliegenden Dokuments aufgeführt. (502) Die Ergebnisse der von der Kommission durchgeführten Untersuchung zeigen, dass die Marken ein wichtiges Element für den Wettbewerb zwischen der Herstellern darstellen. Den Erklärungen der Parteien zufolge(181) ist die Marke ein wenig die Garantie für den gesamten Rest. Dieses Phänomen kann mit den Auswahlkriterien der Architekten, Elektroinstallateure, und Schalttafelbauer mit moderaten Betriebsgrößen erklärt werden. Es sind nämlich die Marken, welche die Beziehungen zwischen den Herstellern und ihren Kunden tragen, da sie allein Letzteren garantieren, dass jedes Produkt die Garantien bietet (an Sicherheit, leichter Einbaubarkeit etc.), die sie vorzufinden gewohnt sind. (503) Die relative Attraktivität der Marken ist das Ergebnis von kommerzieller Arbeit an Ort und Stelle, von Investitionen in Maßnahmen des Werbeverkaufs und der Beziehungspflege und von F& E-Anstrengungen, die den Elektroinstallateuren von den Herstellern zugebilligt werden. Die Bedeutung der Marken kann sich also auch aus dem Gegenwert dieser Ausgaben ergeben, die mitunter [10-30]* % (für kommerzielle Investitionen) und [0-20]* % (für die F& E) der Jahresverkäufe ausmachen können. Denn wie die internen Dokumente der Parteien bestätigen, kann damit wahrscheinlich auch erklärt werden, warum die Parteien den Überfluss der von ihnen gehaltenen Marken aufrechterhalten und ein Warenzeichen abschaffen, mit dem sie Gefahr laufen, das mit den Elektroinstallateuren gepflegte Treueverhältnis zu zerbrechen und den Profit aus den bisherigen Investitionen in die Beziehungspflege zu verlieren. (504) Die den Marken eingeräumte Bedeutung kann offenbar von einem Sektor zum anderen und von einem Hersteller zum anderen unterschiedlich sein. Ihre Rolle ist somit bei den Materialien deutlich ausgeprägter, die von den Elektroinstallateuren und den Schalttafelbauern mit moderater Betriebsgröße ausgewählt werden (d. h. für Trennverteiler- und Endverteilerschalttafeln oder auch für elektrische Betriebsmittel, die den Endverteilerschalttafeln nachgelagert sind), die in der Regel einer Marke treu sind, als bei den vorgeschriebenen Ausrüstungen (vor allem Gesamtverteilerschalttafeln), die von den großen Schalttafelbauern oder den Auftraggebern ausgestattet werden. Gleichfalls investieren die Hersteller je nach Typ der verkauften Ausrüstungen und je nach ihrer Marktposition (eher auf Wohngebäude oder Dienstleistungsgebäude oder im Gegenteil eher auf Industrieprojekte konzentriert) auch mehr oder weniger in ihre Marken. (505) Demzufolge zeigen die Ergebnisse der Untersuchung der Kommission, dass die Marke nach wie vor einer der wichtigsten Faktoren für die Auswahlentscheidung der Elektroinstallateure ist. Auch ist festzuhalten, dass die Bedeutung der Marken ein starkes Hemmnis für den Marktzugang oder die Diversifizierung des Marktes darstellt, da die Elektroinstallateure meistens nur die Produkte der Marken mit dem besten Ruf und dem besten Vertriebssystem auswählen und also Produkte von Herstellern, die sie nur schlecht kennen, meiden werden. So weist Legrand darauf hin(182), dass "die Hersteller, die keinen ausreichenden Ruf bei der Belieferung mit einer großen Produktpalette an Qualitätsprodukten aufzuweisen haben, langfristig beträchtlichen Nachteilen ausgesetzt sind, und zwar aufgrund der Zurückhaltung der Elektriker und der Auftraggeber, neue Produkte mit bisher nicht gekannter Leistungskraft zu testen". (506) Dieser Nachfragemangel straft auch die neuen Akteure auf dem Markt in ihrem Verhältnis zu den Großhändlern, welche die Tendenz haben, diese Produkte nicht als Referenzartikel zu führen. So haben bestimmte Hersteller, wie z. B. Moeller(183), angegeben, dass der Zugang zu den Großhändlern ohne den Besitz einer anerkannten Marke nicht gelingen könne. Die Zurückhaltung der Großhändler, weniger bekannte Markenprodukte zu bevorraten, verschärft die Schwierigkeiten für neue Marktakteure, da sie die Verfügbarkeit ihrer Produkte und damit auch ihre Anziehungskraft auf die Elektroinstallateure vermindert. (507) Die Untersuchung der Kommission zeigt ebenfalls, dass das Ausmaß der von einem Hersteller angebotenen Produktpalette einen weiteren wichtigen Erfolgsfaktor darstellt. Dies wird übrigens von den Parteien bestätigt, die darauf hinweisen, dass man, (i) um im Sektor der Trennverteiler- und Endverteilerschalttafeln glaubwürdig zu sein, über ein komplettes Angebot an zu diesen Schalttafeln passenden Bauteilen (Kästen, Sicherungen, Trennschalter, Differenzialschutzsperren, Bedienungsapparaturen etc.) verfügen muss, und dass (ii) es bei der aufgeteilten Elektroinstallation für die Hersteller notwendig ist, über komplette Produktpaletten zu verfügen. Jeder der großen Hersteller (wie Schneider, Legrand, ABB, Siemens und GE) bietet daher über 2000 Referenzartikel an Bauteilen für Trennverteilerschalttafeln und über 5000 Referenzartikel an Bauteilen für Endverteilerschalttafeln an. Die Produktkataloge der großen Hersteller von den Endverteilerschalttafeln nachgelagerten Materialien und von damit zusammenhängenden Ausrüstungen enthalten ebenfalls mehrere tausend Referenzartikel. (508) Die Antworten der Mitbewerber und der Großhändler legen nahe, dass die Hersteller gewillt sind, ihr Angebot aus mehreren Gründen zu erweitern. Einerseits handelt es sich darum, eine Antwort auf die Nachfrage der Großhändler zu finden, die zur Optimierung ihrer Kosten den Wunsch haben, die Anzahl ihrer Zulieferanten zu verringern oder zumindest die Hersteller vorzuziehen, die über ein umfangreiches Warensortiment verfügen. Andererseits ermöglicht es das Vorhandensein eines ausgedehnten Angebots, die Aufwendungen in einem viel größerem Umfang zu amortisieren, die von den Herstellern in Bezug auf Logistik (um die Verfügbarkeit der Produkte und geringe Lieferzeiten zu gewährleisten), Investitionen in die Verkaufsförderung oder Beziehungspflege (Schulungsmaßnahmen für Elektroinstallateure, Fachausstellungen etc.), ästhetische Kohärenz, F& E etc. gutgeheißen werden. (509) Auf dem Gebiet der Stromverteilerschalttafeln erklärt sich das unverzichtbare Merkmal einer kompletten Produktpalette auch aus der Tatsache, dass die Schalttafeln einer großen Anzahl von Konfigurationen genügen müssen, um an jede einzelne Elektroinstallation angepasst werden zu können. Die Hersteller müssen sich also mit einer kompletten Produktpalette an Bauteilen (in Bezug auf Leistungsfähigkeit, Typ etc.) ausstatten. Was die Gesamt- und die Trennverteilerschalttafeln anbelangt, so können außerdem die von einem bestimmten Hersteller angebotenen Bauteile nicht immer angepasst oder leicht auf den Schalttafeln seiner Konkurrenten montiert werden. Angesichts der Spezifitäten jeder Marke (in Bezug auf Leistungsfähigkeit, Montagetechniken, Dimensionierung etc.) wäre es für die Schalttafelbauer und die Elektroinstallateure kostenträchtig, in Hersteller zu investieren (in Schulungs- und Ausbildungszeit etc.), deren Produkte keine Lösungsmöglichkeiten für die gesamte Angelegenheit bieten. (510) Genau wie die Marken stellt diese notwendige Ausweitung der Produktpalette ebenfalls ein Handelshemmnis für den Marktzugang und die Diversifizierung der Hersteller dar, da diese ihren Kunden von einem Augenblick auf den anderen ein umfassendes Warensortiment liefern müssen. Die Handelshemmnisse beim Marktzugang (511) Ein neuer Akteur auf den betreffenden Märkten müsste von Null auf anfangen, um eine Nachfrage bewirken, Zugang zu den Großhändlern finden und dem Konkurrenzdruck der vorhandenen Mitbewerber widerstehen zu können. (512) Zusätzlich zu diesen Hindernissen müssten die neuen Akteure eine Reihe von spezifischen Hemmnissen überwinden. In erster Linie hat es den Anschein, dass ein neuer Akteur auf dem Markt unbedingt eine komplette Produktpalette anbieten können muss, um hoffen zu können, das Vertrauen einiger Elektroinstallateure und Schalttafelbauer zu erhalten, und um sich auch nur ansatzweise vorstellen zu können, eine Marktposition bei den Großhändlern einzunehmen. (513) Aus dieser Sicht der Dinge könnte ein etwaiger Neuzugang auf den Markt nur von einem Lieferanten ausgehen, der bereits in einem relevanten Land Fuß gefasst und den Wunsch hat, eine Diversifizierung bei den Trennverteiler- oder den Endverteilerschalttafeln vorzunehmen, oder auch von einem ausländischen Hersteller, der über eine komplette Produktpalette an Bauteilen für Trennverteiler- oder Endverteilerschalttafeln verfügt. (514) Die Untersuchung der Kommission zeigt auch, dass die erste Option nicht in Betracht gezogen werden kann. Beispielsweise zeigen die von den Parteien vorgelegten Daten, dass Investitionen in Höhe von [20-50]* Mio. EUR und Vorlaufzeiten von [1-5]* Jahren notwendig sind, um auf wettbewerbsfähige Art und Weise Miniaturtrennschalter oder Trennschalter mit gegossenem Gehäuse produzieren zu können. Bei den Trennverteilerschalttafeln scheinen die Schwierigkeiten aufgrund ihrer höheren technischen Ausstattung noch größer zu sein. So gibt Schneider an, dass die Fertigstellung seines letzten Trennschalters mit gegossenem Gehäuse fast [400-1200]* Mio. EUR an Forschungs- und Entwicklungskosten bis zur Serienreife verursacht hat. Selbst unter der Annahme, dass der potenzielle neue Akteur auf diesem Markt bereits Aktivitäten auf benachbarten Märkten ausübt (indem er beispielsweise schon im Sektor der Trennverteilerschalttafeln präsent ist und sich vornimmt, auf dem Markt für Endverteilerschalttafeln tätig zu werden), müsste er Investitionen für die Anpassung oder Erweiterung seiner Produktionsgeräte tätigen und könnte diesen Markt erst nach Ablauf von mehreren Jahren wirklich betreten. (515) Die Untersuchung der Kommission bestätigt, dass der Marktzugang eines ausländischen Lieferanten nicht in Betracht gezogen werden kann. In diesem Fall befinden sich die Hemmnisse für den Marktzugang nicht so sehr aufseiten der Produktion als vielmehr aufseiten der Nachfrage. Wie bereits weiter oben erklärt wurde, bestuende die Schwierigkeit für den neuen Akteur auf dem Markt im Entfachen der Nachfrage in diesem Land und in der Erlangung eines ausreichenden Zugangs zu den Großhändlern. Den Parteien zufolge beginnt ein neuer Akteur auf dem Markt in der Praxis in der Regel mit dem Direktverkauf an die Schalttafelbauer, um eine Nachfragesituation zu schaffen, die es ihm dann ermöglicht, den Großhändlern Angebote zu unterbreiten, die seine Angebotspalette dann nach und nach übernehmen. Dieser sequenzielle Charakter bedeutet, dass ein derartiger Marktzugang im Bereich der Endverteilerschalttafeln wenig gangbar ist, da diese Produkte im Wesentlichen von den Elektroinstallateuren ausgewählt werden, die ihrer vorhandenen Marke treu sind und eine sofortige Verfügbarkeit der Produkte verlangen (was somit den vorherigen Zugang zu den Großhändlern voraussetzt). Dies zeigt, dass ein potenzieller neuer Akteur selbst bei den Endverteilerschalttafeln nicht in der Lage wäre, vor Ablauf einer beachtlichen Anzahl von Jahren einem mächtigen Wettbewerbsdruck Stand zu halten. (516) In ihrer Erwiderung beziehen sich die Parteien auf den jüngsten Eintritt von Gewiss auf den Markt der Endverteilerschalttafeln, und zwar als Gegenbeispiel zu der soeben dargestellten Analyse. Die Kommission ist der Auffassung, dass dieses Beispiel die Bedeutung von Handelshemmnissen beim Marktzugang nicht in Frage stellt. Denn zum einen hat sich Gewiss dank seiner bereits soliden Marktpositionen im Bereich der aufgeteilten Elektroinstallation in Italien erweitert. Ausgehend von einem bereits vorhandenen Kundenstamm und einer bereits weitgehenden Verwurzelung bei den Großhändlern musste dieses Unternehmen also nicht die weiter oben beschriebenen wesentlichen Hemmnisse beim Marktzugang überwinden und hielt also die besseren Trümpfe in der Hand, die für einen Eintritt auf den Markt der Verteilerschalttafeln in Betracht kommen. Außerdem konnte es sich von konzeptions- oder produktionsrelevanten Sachzwängen befreien, indem es sich mit bestimmten Materialien (vor allem Trennschaltern) bei ABB eindeckte. Doch trotz dieser privilegierten Situation kommt Gewiss nicht über [0-10]* % der Verkaufszahlen bei Miniaturtrennschaltern für Endverteiler- oder Trennverteilerschalttafeln in Italien. Dieses Beispiel bestätigt also, dass es selbst für fest etablierte Mitbewerber unmöglich ist, vor Ablauf einer großen Anzahl von Jahren einen wesentlichen Konkurrenzdruck auszuüben. Daraus kann man das Ausmaß der Schwierigkeiten ableiten, die auf einen neuen Akteur auf dem Markt warten, der eine weniger günstige Ausgangssituation hat. Die geringe Preissensibilität auf der Nachfrageseite (517) Auch der Bericht(184) von Crédit Suisse First Boston führt aus, und interne Dokumente der Parteien bestätigen dies(185), dass die Nachfrage nach elektrischen Betriebsmitteln hauptsächlich von Bau- oder Renovierungsprojekten in der Industrie, dem Dienstleistungssektor und dem Wohnungsbau abhängt. Denn die Entscheidung über den Beginn derartiger Projekte wird nicht durch die Preise für elektrische Betriebsmittel beeinflusst. Zum einen stellt die Elektroinstallation oftmals nur einen moderaten Teil der Gesamtkosten des Projekts dar (angesichts der Kosten für Maurer-, Maler-, Heizungs-/Wasserinstallationsarbeiten etc.). Zum anderen machen die elektrischen Betriebsmittel häufig nur 20 % der Gesamtkosten der Elektroinstallation aus (die restlichen 80 % sind hauptsächlich Arbeitskosten). Eine Erhöhung der gesamten Preise für elektrische Betriebsmittel hätte also nur schwache (bzw. keinerlei) Auswirkungen auf die Nachfrage nach diesen Materialien. (518) Die Parteien bestreiten diese geringe Preissensibilität auf der Nachfrageseite in ihrer Erwiderung. Sie begründen dies mit den Ergebnissen der von der Kanzlei NERA durchgeführten Untersuchung, die zeigt, dass der Beginn einer Verkaufswerbung für ein bestimmtes Material zu einem erhöhten Verkauf dieses Materials führt (so zumindest während des Zeitraums der Werbemaßnahmen). (519) Die Kommission kann dieser Analyse nicht folgen. Zunächst stellt sie fest, dass die Parteien die Marktelastizität (die beschreibt, inwieweit eine hypothetische Monopolstellung die Preise auf gewinnbringende Art und Weise in die Höhe treiben könnte) und die Kreuzelastizität zwischen den Herstellern (die beschreibt, inwieweit ein bestimmter Hersteller dem Konkurrenzdruck eines anderen bestimmten Herstellers unterliegt) miteinander verwechseln. Diese beiden Elastizitäten messen einen unterschiedlichen Konkurrenzdruck: Die Gesamtelastizität des Marktes bildet die Konkurrenz ab, die auf alle Produkte des Marktes durch Produkte von außerhalb dieses Marktes ausgeübt wird, und die Kreuzelastizität misst den Druck, der auf ein Produkt eines Marktes durch ein anderes Produkt dieses Marktes ausgeübt wird. Beispielsweise misst die Marktelastizität für Trennschalter das Verhältnis von Trennschaltern, die im Falle einer Erhöhung des Preises für Trennschalter um 1 % nicht mehr gekauft würden. Hingegen misst die Kreuzelastizität zwischen den Herstellern A und B das Verhältnis der Verkäufe, die A verloren gehen, wenn B seinen Preis für Trennschalter um 1 % senkt. Bei Märkten mit differenzierten Produkten, wie dies hier der

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.