Europäische Union

94/601/EG: Entscheidung der Kommission vom 13. Juli 1994 in einem Verfahren nach Artikel 85 EG-Vertrag (IV/C/33.833 - Karton) (Nur der deutsche, englische, spanische, französische, italienische und niederländische Text sind verbindlich)

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Abstellzeiten zur Abstützung der Preisanhebungen gesehen werden. Eine dem Geschäftsführer von M-M übermittelte private Aufzeichnung des Vertreters von FS-Karton über die "Highlights" der Sitzung der Wirtschaftlichen Kommission in Zuerich vom 3. Oktober 1989 lässt erkennen, daß auf dieser Sitzung neben einer detaillierten Übersicht über Nachfrage, Produktion und Auftragsbestand auf den einzelnen nationalen Märkten fogendes erörtert wurde: - deutlicher Widerstand der Abnehmer gegen die letzte Preiserhöhung für GC-Sorten zum 1. Oktober - jeweiliger Auftragsbestand der GC- und GD-Hersteller einschließlich individueller Positionen; - Berichte über tatsächliche und geplante Abstellzeiten; - die speziellen Probleme der Durchsetzung der Preiserhöhung im Vereinigten Königreich und deren Folgen für die notwendige Preisdifferenz zwischen GC- und GD-Sorten; - Gegenüberstellung von tatsächlichen und vorgesehenen Auftragseingängen für jede nationale Gruppe. Diese Themen werden in den amtlichen Niederschriften der Sitzung nicht erwähnt. Über die Teilnahme der einzelnen Unternehmen an den Sitzungen der Wirtschaftlichen Kommission ab Ende 1986 gibt Tabelle 6 Aufschluß. Die einzigen Adressaten dieser Entscheidung, die an keiner Sitzung der Wirtschaftlichen Kommission teilnahmen, waren Enso-Gutzeit, Europa-Carton, Gruber & Weber und Weig. (Enso-Gutzeit war ein Mitglied des NPI, das an jeder Sitzung der Wirtschaftlichen Kommission teilnahm. Die anderen drei waren Mitglieder des JMC.) E. DER MECHANISMUS DER PREIS UND MENGENKONTROLLEN 1. Mengenkontrollen a) Die "Preis-vor-Menge"-Politik (51) Der Schlüssel zum Erfolg der Preisinitiativen nach 1988 war (aus Sicht der Hersteller) die Aufrechterhaltung eines annähernden Gleichgewichts zwischen Produktion und Verbrauch. Alle Mitglieder des PWG setzten sich dafür ein, daß die neuen Preisinitiativen nicht durch spürbare Erhöhungen in den Verkaufsmengen unterlaufen wurden. Diese Politik wurde von Stora mit der Formel "Preis vor Menge" bezeichnet (Erwiderung von Stora nach Artikel 11 vom 14. Februar 1992). Diese Politik bedeutete, daß die führenden Hersteller im PWG mit einer gewissen Erfolgsgarantie Preiserhöhungen vereinbaren konnten. (52) Die 1987 im PWG erzielte Vereinbarung umfasste auch ein "Einfrieren" der Marktanteile der führenden Hersteller in Westeuropa auf dem erreichten Niveau, ohne das Versuche unternommen wurden, neue Kunden zu gewinnen oder durch aggressive Preispolitik bestehende Geschäftsbeziehungen auszubauen. Laut Stora (Zweite Aussage, S. 11) bezog sich die Vereinbarung über die Marktanteile zwischen den führenden Herstellern auf die Marktanteile, die jede der führenden Herstellergruppen in Westeuropa insgesamt innehatte. Erörterungen über die Marktanteile auf einzelnen nationalen Märkten hatten (laut Stora) wenig Sinn, da die Kartonhersteller wegen grenzueberschreitender Zusammenschlüsse der grossen Konverter häufig selbst nicht mit Sicherheit wussten, wohin ihre Lieferungen letztendlich gingen. (53) Schriftstücke, die die Kommission bei FS-Karton (zur M-M-Gruppe gehörend) vorfand, bestätigen, daß Ende 1987 im Rahmen der beiden Präsidentengremien eine Vereinbarung über die beiden miteinander verbundenen Fragen der Mengenkontrolle und der Preisdisziplin gefunden worden war. In einem "Vertrauliche Aktennotiz" überschriebenen internen Vermerk vom 28. Dezember 1988, den der für die Verkaufsaktivitäten der M-M-Gruppe in Deutschland zuständige Verkaufsleiter an den Geschäftsführer von M-M in Wien richtete, werden die einzelnen Schritte, die die europäischen Kartonhersteller seit Ende 1987 auf Präsidentenniveau zur Durchsetzung der "Preisdisziplin" unternommen haben, in einer Rückschau detailliert dargelegt. (54) Die Aufzeichnung von M-M bestätigt, daß es 1987 zu einem neuen Konsens gekommen war, der die "Preis-vor-Menge"-Politik verwirklichen half. Dem Verfasser der Notiz zufolge habe es dabei jedoch "Gewinner und Verlierer" gegeben. Ein Gewinn für alle Beteiligten sei es gewesen, daß der für den Markt kennzeichnende anhaltende Preisverfall 1988 in zwei genau definierten Schritten in einen Aufwärtstrend umgebogen werden konnte (die erwähnten beiden "Schritte" sind natürlich ein Hinweis auf die beiden "Preisinitiativen" des Jahres 1988). Auf der anderen Seite sei die Aktion für M-M - wie im übrigen auch für Feldmühle - ein Verlust gewesen. Nachdem M-M im Sommer 1987 ihre Marktanteile hatte ausweiten können, verlangten andere Hersteller - zweifellos als Preis für eine umfassende Einigung - von M-M gewisse "Opfer": - Die Marktanteile von M-M wurden auf dem Niveau von 1987 eingefroren, und den anderen Herstellern wurden klare Zusagen gegeben, daß M-M nicht versuchen würde, neue Aktivitäten über den Preis zu gewinnen; - den Aussendienst-Mitarbeitern in Deutschland und Österreich und den Verkaufsagenten in anderen Ländern wurden feste Anweisungen erteilt, die diese hart Preispolitik widerspiegelten. Zuvor hatte das einzige Ziel gelautet, die Verkäufe zu erhöhen. Jetzt war "absolute Preisdisziplin " oberstes Gebot, mit der Gefahr, die Maschinen abstellen zu müssen, um die Produktion zu drosseln. (55) M-M sei einer der ersten Hersteller gewesen, der die (bereits im Dezember 1987 angekündigte) Preiserhöhung für März 1988 wie auch die im Oktober 1988 in Kraft getretene zweite Preiserhöhung einführte. M-M habe die von ihr verlangten Opfer gebracht und Umsätze auf einem Hochpreismarkt eingebüsst. Ihre strikte Preispolitik habe zu einer Verärgerung vieler Stammkunden geführt. Auf der anderen Seite hätten nicht alle anderen Hersteller sich so strikt an die Preisinitiativen gehalten wie M-M. So hätte sich das Verkaufspersonal auf dem Markt anders verhalten, als auf höchster Ebene vereinbart worden war. Bezugnehmend auf einen Fall, in dem ein anderer Hersteller M-M bei einem wichtigen Kunden um 150 DM/Tonne unterboten hatte, stellte der Verkaufsleiter von M-M die rhetorische Frage, wie dieses Verhalten in das vereinbarte System passe. Er forderte deshalb seinen Vorgesetzten (der an den PWG-Sitzungen teilnahm) auf, die übrigen Hersteller auf die gleiche strikte Linie wie M-M "einzuschwören", d. h. eher auf Geschäfte zu verzichten als die vereinbarten Preise zu unterlaufen. Die Kommission versuchte, von M-M weitere Einzelheiten über die genauen Umstände der 1987 zwischen den Kartonherstellern zustande gekommenen Einigung zu erfahren. In ihrer Erwiderung nach Artikel 11 behauptete M-M, daß von einer Einigung im eigentlichen Sinne nicht die Rede sein könne und daß dieser von ihrem Verkaufsleiter in dem fraglichen Memorandum wiederholt verwendete Begriff (und ähnliche Ausdrücke) "nicht wörtlich zu verstehen" seien. (56) Die Grundvereinbarung zwischen den führenden Herstellern über das Einfrieren ihrer Marktanteile bestand während des gesamten von der vorliegenden Entscheidung erfassten Zeitraums weiter. Ursprünglich ging es dem PWG in dieser Frage darum, die wachsenden EG-Marktanteile der Hersteller aus den EFTA-Ländern (M-M, Finnboard, Kopparfors und Iggesund) zu begrenzen. Die Hersteller in der EG wollten ihren Heimmarkt schützen, während die skandinavischen Hersteller (und M-M) den EG-Raum als ihren natürlichen Exportmarkt betrachteten. So fanden mit diesen EFTA-Herstellern Gespräche über die Höhe des Marktanteils statt, bei der sie einem Einfrieren zustimmen würden. Es wurde ihnen klar gemacht, daß eine Erhöhung ihres Marktanteils auf Kosten der anderen das Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch empfindlich stören und die gemeinsamen Bemühungen um Erhöhung der Preise untergraben würde. Als die EFTA-Hersteller später selbst Produktionsanlagen in der Gemeinschaft erwarben, verlor die von den anderen verfolgte Politik der Beschränkung des Marktanteils der Nicht-EG-Produzenten im EG-Raum an Bedeutung. Jetzt ging es zunehmend darum, ein Gleichgewicht zwischen den führenden Herstellergruppen zu erhalten, damit die Preisinitiativen nicht gefährdet wurden (Erwiderung von Stora nach Artikel 11 vom 14. Februar 1992). Als Basis für die Berechnungen dienten den Herstellern die Zahlen für die Gesamtverkäufe im Vorjahr, die in der Regel im März des jeweils darauffolgenden Jahres bekannt waren. Da jedem Hersteller der für das kommende Jahr erwartete prozentuale Marktzuwachs bekannt war, konnte er das Volumen der zusätzlichen Verkäufe errechnen, die er im kommenden Jahr ohne Erhöhung seines Marktanteils (und damit ohne Destabilisierung des Marktes) tätigen konnte. Die Unternehmen, die an den Beratungen über die Marktanteile teilnahmen, waren die gleichen wie die Mitglieder des PWG, nämlich Cascades, Finnboard, KNP (bis 1988), M-M, MoDo, Sarrió, die beiden zur Stora-Gruppe gehörenden Hersteller CBC und Feldmühle und (ab 1988) Weig. (57) Die "Entwicklung der Marktanteile" wurde auf jeder PWG-Sitzung auf der Grundlage vorläufiger Statistiken analysiert (siehe Randnummer 63). Erörtert wurden dabei die Marktanteile für Westeuropa insgesamt und in geringerem Umfang die Position in einzelnen Ländern. Laut Stora "würden signifikante Veränderungen in den Marktanteilen analysiert und erörtert werden". Eine Veränderung in der Absatzstruktur könnte (beispielsweise) auf einen Sonderauftrag auf einem bestimmten Markt oder darauf zurückzuführen sein, daß ein Kunde dazu übergeht, seinen gesamten Bedarf aus Europa in einem einzigen Land zu beziehen. Es wurde jedoch den Herstellern überlassen, selbst zu entscheiden, welche Maßnahmen jeder im einzelnen ergreifen sollte, um seinen Marktanteil auf dem erreichten Niveau zu belassen. Fragen wie Abstellen der Betriebsanlagen oder Umlenkung überschüssiger Produktion in aussereuropäische Exportmärkte wurden auf den Sitzungen erörtert. Die Durchführung der entsprechenden Maßnahmen richtete sich aber nach der individuellen Verfassung jedes Herstellers. Die PWG-Mitglieder hofften und erwarteten, daß sie mit ihrem Vorbild auch die kleineren Hersteller dazu bringen würden, Zurückhaltung zu üben. (58) Obgleich die kleineren Kartonhersteller, die an den JMC-Sitzungen teilnahmen, nicht im einzelnen über die Gespräche im PWG betreffend die Marktanteile unterrichtet waren, war ihnen im Rahmen der "Preis-vor-Menge"-Politik, an die sie sich alle hielten, sehr wohl bekannt, daß sich die führenden Hersteller darauf verständigt hatten, "das Angebot auf einem konstanten Niveau" zu halten, wie ihnen sicherlich auch die Notwendigkeit bewusst war, ihr eigenes Verhalten entsprechend anzupassen. Bestätigt wird dies durch eine Aufzeichnung des damaligen Rena-Geschäftsführers über eine Sondersitzung des NPI (siehe oben Randnummer 28) im Flughafen Arlanda (Stockholm) am 3. Oktober 1988. Auf der Sitzung ging es vor allem um die für April 1989 vorgesehene nächste Preiserhöhung. Ziel war es, die Preise bis Ende 1989 um 15 % anzuheben. In der Aufzeichnung heisst es wörtlich: "In schwierigen Zeiten: Kontrolle der Produktion mit Abstellzeiten für alle Hersteller. Entsprechender Vorschlag wird ausgearbeitet. Preise müssen gehalten werden." (Orginal: Norwegisch) Bemerkenswert ist, daß zu dieser Zeit der damalige Geschäftsleiter von Finnboard nicht nur Vorsitzender des NPI war (und auf dem Treffen auf dem Flughafen Arlanda teilnahm), sondern auch als Vorsitzender der PG Karton fungierte und damit den Vorsitz in der Präsidentenkonferenz und im PWG innehatte (siehe auch Randnummer 38). (59) Für die im PWG vertretenen Hersteller hing die Vereinbarung über das Einfrieren der Marktanteile von "freiwilliger Zurückhaltung" und einem System gegenseitiger Ermutigung ab. Stora führt aus, daß die Frage, "ob die Hersteller sich an die Vereinbarungen hielten oder nicht, letztlich davon abhing, ob sie einsahen, daß es in ihrem ureigensten Interesse liegt". Soweit bekannt ist, gab es kein formelles System von Strafen oder Kompensationsmaßnahmen, um die in der Frage der Marktanteile erzielte Einigung durchzusetzten, doch waren sich die Hersteller sehr wohl der Möglichkeit von "Vergeltungsmaßnahmen" für den Fall bewusst, daß einer von ihnen in einem bestimmten Markt grössere Anteile auf Kosten der anderen gewinnen würde (Erwiderung von Stora nach Artikel 1 vom 14. Februar 1992, S. 4). Sicher gibt es Hinweise dafür, daß Hersteller, die sich nicht an die Spielregeln hielten und ihre Marktanteile auf Kosten der anderen ausweiteten, zur Ordnung gerufen wurden. Dies scheint Weig passiert zu sein. (60) Die Kommission räumt ein, daß ungeachtet der Vereinbarung über die Marktanteile der Anteil einzelner grosser Hersteller von Jahr zu Jahr wuchs. Stora erklärte dies damit, daß die Hersteller befanden, daß ihre eigenen Interessen und Schwierigkeiten nicht immer Maßnahmen zur Begrenzung ihrer Verkäufe gestatteten. Sicherlich erwarteten Hersteller, die von einer Position der Stärke aus verhandeln können, einen höheren Marktanteil. Auch galten möglicherweise einige Hersteller als weniger verläßlich als andere. Jedes Jahr mussten deshalb die Gespräche über die Marktanteile mit den Herstellern von einer neuen Basis aus wieder aufgenommen werden. Die Höhe der Marktanteile wurde jedoch im PWG ständig überwacht, und die spezifischen Probleme und Erfordernisse einzelner Mitglieder wurden anerkannt und erörtert. Die Vereinbarung zwischen den Herstellern über die Marktanteile war folglich keine statische Regelung, sondern wurde in regelmässigen Abständen angepasst und neu ausgehandelt. b) Der Fides-Informationsaustausch (61) Als ein wesentliches Element für die erfolgreiche Durchführung der Preisinitiativen galt es, ein umfassendes System der Berichterstattung und Kontrolle im Zusammenhang mit der Produktion, den Verkaufsmengen und der Kapazitätsnutzung aufzubauen. Die meisten Mitglieder der PG Karton lieferten der Fides regelmässig (wöchentlich, monatlich, halbjährlich, jährlich) verschiedene Berichte über Auftragslage, Produktion, Verkäufe und Kapazitätsauslastung, und zwar - wöchentliche Auftragseingangsberichte, - monatliche Produktions- und Verkaufsberichte, - monatliche Produktionsvorausschätzungen (ab April 1991), - halbjährliche Produktionsberichte betreffend GC und GD, aufgeschlüsselt nach "Substanz" (d. h. nach den verschiedenen Gewichtskategorien), - jährliche Kapazitätsberichte. Die skandinavischen Hersteller leiteten die Informationen über all diese Fragen nicht direkt an die Fides, sondern in nicht aufbereiteter Form an ihre Branchenorganisation, das NPI. Das Fides-System deckte ganz Europa (EG und EFTA) ab. (62) Im Rahmen des Fides-Systems wurden dann die individuellen Berichte zentral ausgewertet und den Teilnehmern die zusammengefassten (und wohl anonym gemachten) Daten übermittelt. Die Abonnenten von Fides erhielten folgende Statistiken: - wöchentliche Auftragseingangs-Statistiken; - monatliche Verbrauchsstatistiken (nach Ländern für jede der 28 Sorten oder Sortengruppen); - monatliche Produktions- und Lieferstatistiken (GC-, GD- und SBS-Sorten nach Herstellungsland); - Kurzuebersichten über den Verbrauch von GC- und GD-Sorten (auf der Grundlage "laufender 12 Monate" und einer "projizierten jährlichen" Basis); - Marktstatistiken (alle sechs Monate); - Aufschlüsselung nach Flächenmasse (alle sechs Monate); - Jahreskapazitäts-Statistiken; - Übersicht über den Maschinenpark (von Zeit zu Zeit). Die Teilnehmer erhielten von der Fides für jeden Monat die "Produktions- und Lieferstatistiken" und die "Verbrauchsstatistiken" in zwei Formen, nämlich in Form einer "Schnellstatistik" und einer "endgültigen Statistik". Die Schnellstatistiken, die noch vor der Vorbereitung der endgültigen Zahlen herausgegeben wurden, basierten zum Teil auf Schätzungen anhand der Vorjahresmittelwerte. Wöchentliche Auftragseingangszahlen wurden der Fides von rund 75 % der Mitglieder der PG Karton übermittelt. Die zusammengestellten Statistiken wurden von der Fides am darauffolgenden Tag versendet. Diese Statistiken wiesen den gesamten Auftragsbestand der teilnehmenden Hersteller - weltweit und für Westeuropa - aus. (63) Die von Fides den Teilnehmern zurückgeschickten aufbereiteten Statistiken waren nach den wichtigsten Sorten auf Länderbasis aufgeschlüsselt - ausgenommen die wöchentlichen Berichte über die Auftragseingänge, die für ganz Westeuropa galten. In der Aktennotiz von M-M vom 28. Dezember 1988 (Randnummer 53) war (sicherlich zwecks einfacherer Überwachung des "Preis-vor-Menge"-Systems) angeregt worden, jeder Hersteller solle der Fides seine Gesamtproduktion melden und diese sodann auf folgende fünf Segmente aufteilen: Heimatmarkt, übrige EG, übriges Europa, übrige Welt und Eigenverbrauch. Laut M-M wurde das Fides-System später weitgehend entsprechend diesem Vorschlag geändert. Es ist nicht bekannt, ob und inwieweit die der Fides gemeldeten Zahlen individueller Hersteller dem PWG generell zur Verfügung gestellt wurden. Selbst die zusammengefassten Fides-Statistiken konnten jedoch als Hilfsmittel bei der Ermittlung und Beobachtung individueller Marktanteile und bei der Analyse der Kapazitätsauslastung benutzt werden (und wurden auch dazu benutzt). Die genaueste Analyse erfolgte jedesmal dann, wenn die Zahlen des ganzen Vorjahres verfügbar waren (in der Regel im März). Während des Jahres wurden normalerweise die "Schnellstatistiken" verwendet, obgleich sie wegen Schwankungen die endgültige Jahresabschlussposition möglicherweise nicht genau wiedergaben und mit Vorsicht zu behandeln waren. Die Ergebnisse dieser Analysen wurden auf den Sitzungen des PWG geprüft; hierzu wurden Übersichten erstellt, und Hersteller, deren Marktanteile eine deutliche Zunahme erkennen ließen, mussten "Erklärungen" dafür liefern (siehe Randnummer 57). (64) In vielen Fällen waren Informationen zur Überwachung der Marktanteile der einzelnen Gruppen verfügbar bzw. konnten ohne zusätzliche Preisgabe von Daten problemlos dem Fides-Meldesystem selbst entnommen werden. Die von Fides in anderen Produktmeldesystemen verwendeten "Sicherungen" gegen eine mögliche Identifizierung der Lieferungen einzelner Hersteller waren in das Meldesystem der Kartonbranche nicht eingebaut. Ein Beispiel sind die "Produktions- und Liefer"-Statistiken für Finnland. Diese weisen neben den in Finnland produzierten Mengen SBS und GC (GD wurde in Finnland nicht hergestellt) die aus Finnland stammenden Lieferungen jeder dieser Sorten nach den einzelnen nationalen Märkten aus. Diese konnten jedoch nur von Enso-Gutzeit bzw. Finnboard stammen. Die gleichen Statistiken für das Vereinigte Königreich (GC und GD) wiesen die Verkäufe von Iggesund (ehemals Thames Board) und Reed Paper & Board (UK) Ltd. nach den einzelnen Märkten aus. Diese Firmen sind die einzigen nationalen Hersteller von GC- bzw. GD-Sorten. Die gleichen Informationen bieten in grösserer Ausführlichkeit die "Verbrauchsstatistiken". c) Kapazitätsberichte (65) Mit Beginn der Tätigkeit der PG Karton im Jahre 1981 erstellte die Fides einen jährlichen Kapazitätsbericht auf Länderbasis wie auch ein mehr detailliertes "Maschineninventar" für alle Arten von Karton und Pappe, also einschließlich auf Kartonmaschinen hergestellter Produkte wie Graupappe. Daneben legte der damalige Verkaufsdirektor von Finnboard der PG Karton eine jährliche Untersuchung über die Kapazitätsauslastung in der eigentlichen Kartonbranche (unter Zugrundelegung einer engeren Produktdefinition, als sie im Kapazitätsbericht und im Maschineninventar der Fides verwendet wurde) vor. Wegen der unterschiedlichen Parameter war ein direkter Vergleich zwischen den Fides-Kapazitätsberichten und den Finnboard-Studien nicht möglich. Es wurden deshalb Versuche unternommen, den in den beiden Berichten enthaltenen Daten eine ähnliche Grundlage zu geben; so wurde ab 1985 in den Fides-Berichten zwischen "cartonboard" (Karton) und "other types of board" (andere Pappearten) unterschieden ( "revidierter Fides-Kapazitätsbericht"). (66) 1987 stellten die Mitglieder des PWG fest, daß sich die Nachfrage so stark erhöht hatte, daß nicht mehr von einem Kapazitätsüberhang gesprochen werden konnte. Trotz der Unterteilung in "cartonboard" und "other board" bestanden weiterhin Abweichungen zwischen der Finnboard-Studie und dem revidierten Fides-Bericht. Auf der Generalversammlung von 1987 machte die Fides den Vorschlag, den revidierten Fides-Kapazitätsbericht aufzugeben und nur noch die Bestandsaufnahme des Maschinenparks beizubehalten. Die Generalversammlung beschloß jedoch, den revidierten Fides-Kapazitätsbericht in der bisherigen Form weiterzuführen und mit einer neuen Kapazitäts-Bestandsaufnahme ausschließlich für "cartonboard"-Maschinen zu ergänzen. (67) Als 1988 die neue Kapazitätserhebung vorgelegt wurde (Niederschrift von der Präsidentenkonferenz vom 25. Mai 1988), bestätigte sich, was die Wirtschaftliche Kommission bereits festgestellt hatte, nämlich daß "die oft beschworene Überkapazität in Wirklichkeit nicht existiert". Weiter heisst es in der Niederschrift: "Die Kunden können nicht oft genug auf diesen Umstand hingewiesen werden." In der jährlichen Generalversammlung des folgenden Tages wies der (den Vorsitz im JMC führende) Vertreter von Feldmühle darauf hin, daß es sich um "faktische und nicht theoretische Kapazitätswerte handelt. Folglich sind die Daten äusserst wichtig für die laufende Arbeit. Sie können und müssen dazu benutzt werden, die bei den Kunden häufig herrschende Meinung zu widerlegen, daß es in der Kartonindustrie grosse Überkapazitäten gibt". Nach einem Vorschlag von Feldmühle, der Bericht solle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, wurde der Bericht erstmals im Frühjahr 1989 vom Europäischen Papierinstitut den Kunden zugestellt. Stora erklärte dazu: "Mit dieser Maßnahme sollte demonstriert werden, daß die Industrie mit zu fast 100 % ausgelasteter Kapazität arbeitet; ferner sollten die Verkaufsleiter/Vertriebsdirektoren davon überzeugt werden, daß sich jetzt eine Gelegenheit bietet, die grossen Verluste der vorangegangenen Jahre wieder hereinzuholen; und drittens sollte den Kunden klargemacht werden, daß der Spielraum für Verhandlungen über Preiserhöhungen unbedeutend ist." (Zweite Aussage von Stora, S. 13) (68) Die neue Kapazitätserhebung (bekannt als "Grünbuch") wurde von der Fides auf der Grundlage der Informationen erstellt, die die Mitglieder der PG Karton im September/Oktober jedes Jahres liefern und die auch Schätzungen ihrer Kapazität für das jeweils folgende Jahr umfassen. Durch einen Vergleich der gemeldeten Kapazität mit der Verbrauchsstatistik für das Vorjahr konnte die PG Karton Schätzungen über den Grad der Kapazitätsauslastung anstellen. Der Bericht gab Aufschluß über die jährliche "praktische Produktionskapazität" jeder im Einsatz befindlichen Kartonmaschine, berechnet nach einer Standardformel. Nicht angegeben wurde jedoch das Output jeder einzelnen Maschine. Der Bericht enthielt die gesamte in den Vorjahren in Westeuropa tatsächlich produzierte Menge und eine Vorausschätzung der gesamten Produktion für das kommende Jahr. Auf der Basis dieser beiden Zahlenreihen wurde dann die Kapazitätsauslastungsrate für die Branche berechnet. d) Auftragsbestand und Abstellzeiten (69) Durch Vergleich des wöchentlichen Auftragsbestands mit der verfügbaren Kapazität konnte sich der PWG ein Bild von der globalen Nachfragesituation in der Kartonindustrie machen. Fällt der Auftragsbestand eines grösseren Herstellers unter ein bestimmtes Niveau, so kann das Produktionsprogramm nicht effizient geplant werden und müssen die Maschinen möglicherweise vorübergehend abgestellt werden, um Qualitätseinbussen in der Produktion zu vermeiden. Neben den zusammengefassten Daten des Fides-Systems pflegten die Hersteller auf den JMC-Sitzungen auch ihren individuellen Auftragsbestand offenzulegen. Die Informationen über den Auftragsbestand (ausgedrückt in Produktionstagen

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.