Europäische Union

2004/237/EG: Entscheidung der Kommission vom 17. Oktober 2001 über die Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem Funktionieren des EWR-Abkommens (Sache COMP/M.2187 — CVC/Lenzing) (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3121)

Amtliche Ursprungsfassung

Quellenkennung: 32004D0237. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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ammenschlussvorhabens nicht auf die Zahlen der Parteien stützen und verweist auf ihre eigene Analyse des Umstellungsverhaltens in Rdnr. 40. (39) Was den Nachweis der tatsächlichen (völligen und teilweisen) Umstellung betrifft, den die Parteien fordern, so streitet die Kommission nicht ab, dass bestimmte Abnehmer andere Fasern wählen. Doch handelt es sich hierbei um isolierte Beispiele, die für die allgemeine Marktreaktion, die die Kommission aufgrund ihrer Marktuntersuchung beobachtet, nicht repräsentativ sind(30). (40) Unter Zugrundelegung einer zusammenfassenden Darstellung des voraussichtlichen Umstellungsverhaltens der Abnehmer im Falle einer kleinen, aber dauerhaften Preisheraufsetzung von 10 %(31) hat die Kommission die Antworten der Abnehmer auf ihre Marktuntersuchung vor den Hintergrund ihrer Faserbezüge im Jahr 2000 gestellt. Diese Berechnungen haben ergeben, dass sich bei einer 10 %igen VSF-Preiserhöhung die Verkaufseinbußen der Parteien infolge der Umstellung von Abnehmern auf andere Fasern auf weniger als 5 % belaufen würden(32). Dies bestätigt voll und ganz die Auffassung der Kommission, dass die Nachfragesubstituierbarkeit zwischen VSF und anderen Fasern nicht ausreicht, um sie demselben Produktmarkt zuordnen zu können. (41) In ihrem Schreiben behauptet die anmeldende Partei, dass die Kommission diejenigen Abnehmer, die erklärt haben, dass sie im Falle einer 5-10 %igen Preiserhöhung bei VSF oder Lyocell die Herstellung von VSF- oder Lyocell-Produkten reduzieren oder völlig einstellen würden, bei der Veranschlagung des Umstellungseffekts unberücksichtigt gelassen hat. (42) Die Kommission hält nach Prüfung dieses Arguments an ihrem Standpunkt fest, dass die Abnehmer, die erklärt haben, dass sie ihre VSF-Produktion einstellen oder reduzieren würden, nicht derselben Kategorie von Abnehmern zuzuordnen sind, die zu anderen Fasern überwechseln würden. Während Abnehmer, die einen Wechsel in Betracht ziehen würden, theoretisch auf einen größeren Produktmarkt schließen lassen, falls sich ein solcher Wechsel in einem Umfang ereignet, bei dem ein 5 bis 10 %iger Preisanstieg nicht mehr interessant wäre, bedeuten Abnehmer, die erklären, dass sie die Produktion einstellen oder reduzieren würden, für die Abgrenzung des Produktmarkts genau das Gegenteil. Denn diese lassen in ihrer Antwort keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie von einer bestimmten Faserart unbedingt abhängig sind und nicht einmal bei erheblichen, nicht vorübergehenden Preiserhöhungen einen Wechsel in Betracht ziehen können. Lang- und kurzfristige Konsumtrends (43) Die anmeldende Partei geht auf die langfristigen Tendenzen des Chemiefaserkonsums ein und erklärt, dass der VSF-Konsum z. B. nach einem Hoechststand um 1970 zurückgegangen ist. Sie stellt diese Entwicklung dem steilen Anstieg des Polyesterverbrauchs und dem wachsenden Konsum anderer Synthesefasern wie Polypropylen gegenüber(33). (44) Die Kommission stellt allerdings fest, dass die rückläufige Entwicklung des VSF-Verbrauchs(34), die sich in den 90er Jahren in Europa allerdings erheblich verlangsamt hat, kein Beweis dafür ist, dass Viskose-Stapelfasern durch andere Chemiefasern austauschbar sind. Dass für Viskose-Stapelfasern neue Einsatzgebiete wie der in vollem Boom befindliche nichttextile Sektor(35) gefunden werden konnten, ist vielmehr ein Beweis für die Besonderheit dieser Fasern und die unzureichende Austauschbarkeit durch andere Fasern. Wäre die VSF, die normalerweise teurer als andere Fasern ist(36), durch diese Fasern völlig austauschbar, so wäre sie insgesamt ersetzt worden(37). (45) Der Ersatz einer Faser durch eine andere wird im Übrigen häufig durch bedeutende technologische Entwicklungen ausgelöst und kann nicht als Beweis für eine generelle und ausreichende Austauschbarkeit angesehen werden. Dies wird insbesondere im nichttextilen Sektor deutlich. Die Verwendung von Viskose-Stapelfasern in Babywindeln ist beispielsweise überhaupt nicht zurückgegangen, sondern hat aufgrund bedeutender Produktveränderungen, wie der Herstellung mehrlagiger Windeln und der Entwicklung hochsaugfähiger Polymere, zugenommen. In der Textilindustrie werden Fasereinsatz und -verbrauch wesentlich durch neue Spinn- und Fertigungstechnologien sowie durch die Entwicklung neuer Synthese- oder Cellulosestoffe beeinflusst. Die Tatsache, dass verschiedene Fasern in völlig veränderten Produkten verwendet werden, ist jedoch kein Beweis dafür, dass diese Fasern einen gemeinsamen Produktmarkt bilden. (46) In ihrer Erwiderung(38) bestreiten die Parteien, dass in den Spinn- und Veredelungstechnologien in den letzten Jahren große Neuerungen eingetreten sind. (47) Die Kommission hält nach Prüfung dieser Behauptung an ihrem Standpunkt fest, dass in der Vergangenheit erhebliche technologische Entwicklungen im Cellulosefasersektor stattgefunden haben und auch in Zukunft stattfinden können und derartige Entwicklungen die Faser-Verarbeitungsmöglichkeiten und somit den Faserverbrauch erheblich beeinflussen. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf die Produktentwicklungen bei den Parteien, z. B. auf eine nicht fibrillierende Lyocellfaser, und deren Zusammenarbeit mit Spinnereien und Färbereien im Bereich der Lyocellbehandlung. Aber nicht alle Faserqualitäten eignen sich gleichermaßen für Open-End-Spinnen(39). Sogar ohne größere technologische Entwicklungen kann die Verwendung unterschiedlicher Fasern in wesentlich veränderten Produkten nicht als ein Hinweis dafür angesehen werden, dass es einen gemeinsamen Produktmarkt für beide Faserarten gibt. (48) Außerdem behaupten die Parteien in ihrer Erwiderung(40), dass VSF in den nicht textilen Anwendungsbereichen konjunkturabhängig ist. Sobald sich das Einsatzgebiet einer Faser ausdehne, würden miteinander konkurrierende Anbieter und Abnehmer billigere Alternativen finden. Sie würden alle notwendigen technologischen Entwicklungen finanziell unterstützen, durch die Viskose verdrängt würde. Nach Angaben der Parteien ist dies ein Beweis für die Anfälligkeit von Viskose im nicht textilen Sektor. (49) Die Kommission vertritt jedoch die Auffassung, dass diese Argumente ihrer eigenen Analyse nicht widersprechen. Uneinigkeit mit den Parteien besteht für sie im Wesentlichen in der Frage, inwieweit technologische Veränderungen das Verwendungsmuster von Fasern verändern. In dieser Hinsicht vertritt die Kommission die Auffassung, dass derartige Veränderungen, die nur mittel- bis langfristig wirksam werden, kein Hinweis dafür sind, dass VSF und andere Fasern demselben Produktmarkt angehören. Technische Veränderungen, durch die die Verwendung billigerer alternativer Fasern möglich wäre, sind naturgemäß ungewiss und wirken sich auf jeden Fall nur mittel- bis langfristig aus. Auch wenn die gegenwärtigen VSF-Abnehmer stark genug sind, die technologische Produktentwicklung aktiv zu fördern, um billigere alternative Fasern verwenden zu können, haben sie überhaupt keine andere Wahl, als VSF zu benutzen, bevor eine derartige Entwicklung eintritt. Die Marktuntersuchung der Kommission hat nicht zu dem Ergebnis geführt, dass kurzfristig infolge gegenwärtiger oder absehbarer technologischer Entwicklungen mit einer größeren Abwendung von VSF für den Standardgebrauch zu rechnen ist(41). (50) Wie für die technologischen Entwicklungen treffen ähnliche Überlegungen auch für die Veränderungen in der Mode zu, selbstverständlich mit dem Unterschied, dass die Mode im Gegensatz zu technologischen Entwicklungen die Verbrauchsmuster in kurzen Zeitabständen verändert. Die Fasern oder Fasermischungen, die für die Herstellung eines bestimmten Kleindungsstücks verwendet werden, können sich je nach Mode von Jahr zu Jahr ändern. Früher benutzte Fasern oder Mischungen werden bei einer neuen Mode möglicherweise nicht hinreichend austauschbar sein, da die aus ihnen hergestellten Erzeugnisse nicht als modisch und daher auch nicht als attraktiv angesehen werden. Die Kommission hat in ihrer Marktuntersuchung tatsächlich von einer Vielzahl von Abnehmern in der Textilindustrie die Antwort erhalten, dass die Mode für den Konsum von Viskose-Stapelfasern eine wichtige Rolle spielt(42). (51) In ihrer Erwiderung(43) behaupten die Parteien, dass die Kommission in ihrer Würdigung das zwischen Fasern bestehende Preis-Leistungs-Verhältnis und den sich hieraus ergebenden Wettbewerb unberücksichtigt lässt. Außerdem erklären sie, dass die Mode kurzlebig ist. (52) Die Kommission hält nach Prüfung dieser Argumente ihre Analyse aufrecht. Die Parteien geben selber zu, dass die Abnehmer bei der Wahl eines bestimmten Kleidungsstücks "nicht nur die Preise verschiedener Kleidungsstücke miteinander vergleichen, sondern auch auf Preiskorb, Ästhetik, Funktionalität, Marke, Stil usw. achten"(44). Dies bestätigt die Auffassung der Kommission, dass die Wahl der Faser nicht vorrangig von preislichen Erwägungen abhängt. Die Kommission stimmt der Auffassung der Parteien bezüglich der Kurzlebigkeit der Mode zu und vertritt die Auffassung, dass ihre Untersuchung über die begrenzte Austauschbarkeit von Fasern zu einem bestimmten Zeitpunkt hierdurch bestätigt wird. (53) Daher drängt sich der Schluss auf, dass die Wahl von Viskose-Stapelfasern bei den Abnehmern nicht in erster Linie von Preiserwägungen abhängig gemacht wird, sondern vielmehr von den besonderen VSF-Eigenschaften, der Produktinnovation und den Verbraucherpräferenzen zu einem gegebenen Zeitpunkt(45). Angesichts einer Substituierbarkeit, die nicht als ausreichend betrachtet werden kann, wären potenzielle Preiserhöhungen für einen hypothetischen Monopolisten nicht unrentabel. Lyocell (54) Außerdem haben die Parteien die Auffassung vertreten, dass es keinen spezifischen Markt für Lyocell gibt. Sie haben behauptet, dass Lyocell immer noch keinen eigenen Markt hat und als durch andere Fasern, insbesondere durch Viskose-Stapelfasern, aber auch durch Baumwolle und Polyester austauschbar angesehen werden sollte. Die Ergebnisse der Marktuntersuchung und der Preiskorrelationsanalyse der Kommission haben diese Auffassung allerdings nicht bestätigt. (55) Lyocell-Stapelfasern (nachstehend "Lyocell")(46) haben nämlich besondere Eigenschaften, die sie von Viskose-Stapelfasern eindeutig unterscheiden. Loycell zeichnet sich vor allem durch eine hohe Nass- und Trockenfestigkeit sowie durch geringen Schrumpf aus, was zur Folge hat, dass bei der Endbearbeitung kaum Verluste anfallen und die Faser beim Waschen nur wenig schrumpft. (56) Lyocell wird häufig als Mischfaser verwendet und mit anderen Fasern wie Viskose, Leinen, Baumwolle, Polyamid und Polyester verarbeitet. Die besonderen Lyocell-Eigenschaften wurden bisher vor allem von Herstellern hochwertiger Markentextilerzeugnisse(47) verwertet, auch wenn diese Faser gegenwärtig viel teurer als alle anderen vorerwähnten Fasern ist(48). Tatsächlich werden VSF für Luxusjeans, einer der wichtigsten Lyocell-Anwendungsbereiche, für völlig ungeeignet gehalten. (57) Die textilen Anwendungen sind im Übrigen auch ein Beispiel für die Besonderheit von Lyocell gegenüber Baumwolle. Obwohl Lyocell wesentlich teurer ist, wird es z. B. für bestimmte Jeans verwendet, weil Jeansstoffe aus Lyocell einen besonderen Griff und fließenden Fall haben. Im Übrigen hat Lyocell eine größere Trockenfestigkeit und ein größeres Wasserrückhaltevermögen als Baumwolle. (58) Im Gegensatz zu Synthesefasern sorgt bei Lyocell die Anwesenheit von Cellulose für die hohe Feuchtigkeitsaufnahme und in textilen Anwendungsbereichen für einen hohen Tragekomfort, mit dem Synthesefasern nicht konkurrieren können. Lyocell unterscheidet sich außerdem von allen anderen als Substitut genannten Synthesefasern durch seine biologische Abbaubarkeit, die auch andere Cellulose- und Naturfasern haben. Diese Abbaubarkeit ist besonders wichtig bei nichttextilen Einwegerzeugnissen und wurde in den Antworten auf die Marktuntersuchung der Kommission als solche erwähnt. (59) Ein ganz besonderes Merkmal von Lyocell, das keine der herkömmlichen Fasern hat, ist die Tendenz zur Fibrillation(49). Diese Tendenz kann zum einen von Nachteil sein, da sie besondere Spinn- und Färbeverfahren bedingt und nach wiederholtem Waschen ein "Grauschleier" entsteht. Andererseits eignet sie sich aber zur Herstellung außergewöhnlicher Stoffe, die fließend fallen und weich im Griff sind (sogenannter "Peachskin-Effekt"). Dieser Effekt kann durch keine andere Faser in dieser Weise erzielt werden. (60) In ihrer Erwiderung(50) bringen die Parteien vor, dass die Mitteilung der Beschwerdepunkte der Kommission den Umstand, dass Baumwolle der Hauptkonkurrent von Lyocell ist, völlig ignoriert. Außerdem behaupten sie, dass sich die Kommission irrt, wenn sie meint, dass andere Fasern über die spezifischen Eigenschaften von Lyocell, insbesondere die Tendenz zur Fibrillation, nicht verfügen. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf Acordis-Aufzeichnungen von Kundengesprächen und legen Gewebemuster vor. (61) Die Kommission hält nach Prüfung dieser Argumente an ihrer Analyse fest. Erstens war das Wettbewerbsverhältnis zwischen Lyocell und anderen Fasern, insbesondere zwischen Lyocell und Baumwolle, ein wesentlicher Gegenstand der Marktuntersuchung und der Preiskorrelationsanalyse der Kommission (siehe Rdnr. 74). (62) Zweitens sind die von den Parteien in der Anlage 9 ihrer Erwiderung angeführten Umstellungsbeispiele im Vergleich zu den Antworten der Abnehmer auf die Marktuntersuchung nicht repräsentativ. Zwar streitet die Kommission nicht ab, dass sich manche Abnehmer umstellen, doch reichen die genannten Beispiele nicht aus, um Lyocell in einen größeren, aus noch anderen Fasern bestehenden Produktmarkt einzubeziehen (siehe Rdnrn. 63 und 67). (63) Die Marktuntersuchung der Kommission hat bestätigt, dass die Nachfragesubstituierbarkeit zwischen Lyocell und anderen Fasern nicht ausreicht, um sie demselben sachlich relevanten Markt zuzuordnen. Eine Vielzahl der befragten Abnehmer erklärte nämlich, dass sie Lyocell in ihren Produkten überhaupt nicht ersetzen können. Ihrer Ansicht nach müssten bei einer Heraufsetzung des Lyocell-Preises um 5-10 % einige Abnehmer die Herstellung ihres Produkts einstellen und würde sich bei den meisten Abnehmern überhaupt nichts verändern. Warum sich die Abnehmer nicht umstellen würden, wurde vor allem mit den besonderen Lyocell-Eigenschaften und den Anforderungen der nachgelagerten Abnehmer begründet(51). (64) In ihrer Erwiderung(52) behaupten die Parteien, dass die Kommission die Reaktion der Lyocell-Abnehmer subjektiv interpretiert. Sie bringen vor, dass der Prozentsatz der Lyocell-Abnehmer, die erklärt haben, dass sie keine andere Faser verwenden würden, lediglich 11,5 % beträgt. (65) Die Kommission hält nach Prüfung dieser Argumente an ihrer ursprünglichen Schlussfolgerung aus den Ergebnissen der Marktuntersuchung fest. Erstens ist die Berechnungsmethode der Parteien inkohärent, da zwischen den Antworten auf den Fragebogen in der Phase I und auf den Fragebogen in der Phase II nicht unterschieden wird, was zur Folge hat, dass die Antworten bestimmter Abnehmer, die beide Fragebögen beantwortet haben, zweimal gezählt wurden. Im Übrigen wurden den Abnehmern in der Phase I und in der Phase II völlig andere Fragen gestellt, die folglich getrennt ausgewertet werden müssen. Außerdem haben die Parteien bestimmte in der Kommissionsakte befindliche Antworten der Abnehmer, auf die sie ihre Analyse stützen, falsch interpretiert(53). Die Kommission kann sich also bei der Würdigung des angemeldeten Vorhabens nicht auf die Zahlen der Parteien stützen. (66) Was den Nachweis der tatsächlichen (völligen und teilweisen) Umstellung betrifft, den die Parteien fordern, so streitet die Kommission nicht ab, dass bestimmte Abnehmer andere Fasern wählen. Doch handelt es sich hierbei um isolierte Beispiele, die für die allgemeine Marktreaktion, die die Kommission aufgrund ihrer Marktuntersuchung beobachtet, nicht repräsentativ sind(54). (67) Unter Zugrundelegung einer zusammenfassenden Darstellung des voraussichtlichen Umstellungsverhaltens der Abnehmer im Fall einer kleinen, aber dauerhaften Preisheraufsetzung von 10 %(55) hat die Kommission die Antworten der Abnehmer auf ihre Marktuntersuchung vor den Hintergrund ihrer Faserbezüge im Jahre 2000 gestellt. Diese Berechnungen haben ergeben, dass eine Lyocell-Preiserhöhung von 10 % für die Parteien Absatzeinbußen infolge der Umstellung von Abnehmern von rund 15 % (im EWR) bzw. weniger als 10 % (sowohl innerhalb als auch außerhalb des EWR) nach sich ziehen würde(56). Eine Einbuße von 10-15 % infolge von Umstellungen ist aber nicht signifikant genug, um Preiserhöhungen als unrentabel anzusehen. (68) Diese Feststellung trifft auch angesichts der gegenwärtigen Überkapazitäten zu, da die Parteien beschließen könnten, ganze Werke (oder einzelne Produktionsanlagen) zu schließen bzw. "stillzulegen", und auf diese Weise ihre Festkosten vermindern würden. Auf jeden Fall würden die variablen Kosten durch Produktionskürzungen reduziert. Durch die Kosteneinsparungen und höhere Einnahmen aufgrund höherer Preise würden die Einnahmeverluste infolge der Umstellungen mehr als kompensiert(57). Bei Preiserhöhungen von 10 % wären daher Produktionskürzungen von weit über 10 % rentabel. b) Angebotssubstituierbarkeit (69) Es besteht keine Angebotssubstituierbarkeit zwischen Synthesefasern und cellulosischen Chemiefasern; beide Faserarten werden aus völlig unterschiedlichen Rohstoffen und nach völlig unterschiedlichen Verfahren und in unterschiedlichen Betrieben hergestellt. (70) Ebenso wenig besteht eine Angebotssubstituierbarkeit zwischen Lyocell und VSF. Obwohl sowohl Viskose- als auch Lyocell-Stapelfasern cellulosische Chemiefasern sind, wird Lyocell nach einem völlig unterschiedlichen Verfahren in anderen Betrieben als VSF hergestellt. Lyocell-Stapelfasern werden mittels eines Direktlöseverfahrens hergestellt. Das bedeutet, dass eine echte Lösung der Cellulose erfolgt und nicht wie beim Viskoseverfahren ein Cellulosederivat gelöst und versponnen wird (verdünnte Natronlauge löst das Xanthat zu Viskose, die anschließend durch Spinndüsen gepumpt wird). Für die Herstellung von Lyocell werden besondere Ausrüstungen und Maschinen benötigt. Die Produktionstechnologie ist äußerst kapitalintensiv, was zur Folge hat, dass Lyocell gegenwärtig die cellulosische Chemiefaser mit den bei weitem höchsten Produktionskosten ist(58). Auf der anderen Seite ist die Lyocell-Produktion nicht umweltschädlich, insbesondere im Vergleich zum Viskose-Herstellungsverfahren, da das Lösungsmittel (NMMO) und das Wasser beim Lyocell-Produktionsverfahren weitgehend wiederverwertet werden können. (71) Die Wettbewerber vertreten die Auffassung, dass eine Umstellung der Produktion von der Viskose-Stapelfaser auf Lyocell bedeutet, dass ein völlig neuer Betrieb errichtet werden muss, was mit erheblichen Kosten und einem erheblichen Zeitaufwand verbunden ist. Die anmeldende Partei hat dieser Auffassung nicht widersprochen. c) Preiskorrelationsanalyse - Preiskreuzelastizität (72) Bei der Abgrenzung der sachlich relevanten Märkte berücksichtigt die Kommission zur Ermittlung des Substitutionsverhaltens in der Vergangenheit die verfügbaren quantitativen Nachweise, die einer strengen Nachprüfung standhalten(59). Im vorliegenden Fall hat sie die Preiskorrelationen und die Preiskreuzelastizitäten zwischen Viskose-Stapelfasern und potenziellen Substituten auf der Grundlage der von den Fusionsparteien übermittelten monatlichen Verkaufsdaten untersucht. Diese Daten betreffen einen Zeitraum von zehn Jahren, der sich von Januar 1991 bis Mai 2001 erstreckt. Die Untersuchungsergebnisse der Kommission bestätigen die vorerwähnte Feststellung, dass gesonderte Produktmärkte vorliegen. Preiskorrelationsanalyse: Viskose-Stapelfasern und andere Faserarten (73) Die Preiskorrelationsanalyse dient dazu, die Empfindlichkeit des Preises eines Erzeugnisses im Vergleich zum Preis eines angeblichen Substituts zu bewerten. Im vorliegenden Fall sollte im Rahmen der Analyse festgestellt werden, wie groß der Wettbewerbsdruck zwischen Viskose-Stapelfasern und anderen Faserarten ist. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass weder im textilen noch im nichttextilen Sektor zwischen Viskose-Stapelfasern einerseits und Baumwolle, Polyester oder Polypropylen andererseits hinreichende Ähnlichkeit besteht, um diese Erzeugnisse demselben Produktmarkt zuordnen zu können. (74) Das Maß, anhand dessen die generelle Abhängigkeit zweier Preisreihen und somit der Substituierbarkeitsgrad zwischen zwei Erzeugnissen veranschlagt werden kann, heißt Korrelationskoeffizient. Definitionsgemäß liegt der positive Korrelationskoeffizient zwischen 0 und +1: Je höher der Korrelationsgrad für zwei Erzeugnisse (d. h. je näher der Korrelationskoeffizient an +1 heranreicht), umso wahrscheinlicher ist die Existenz eines aus beiden Produkten bestehenden Marktes. Die Daten der nachstehenden Tabelle 1 lassen erkennen, dass zwischen VSF und Baumwolle und zwischen VSF und Polyester sowie zwischen VSF und Polypropylen keine bedeutende Preiskorrelation besteht. Sogar der größte Koeffizient (σ = 0,44), der die Korrelation zwischen VSF und Polyester widerspiegelt, ist nicht hoch genug, um auf einen solchen Produktmarkt zu schließen(60). Tabelle 1 Ergebnisse der VSF-Preiskorrelationsanalyse der Kommission >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Untersuchung der Preiskreuzelastizitäten: Viskose-Stapelfasern und andere Faserarten (75) Das obige Ergebnis für die Abgrenzung der sachlich relevanten Märkte wird im Übrigen durch eine Analyse der Preiskreuzelastizitäten bestätigt. Die Preiskreuzelastizität ist ein Maßstab dafür, wie die Nachfrage nach einem Produkt auf Änderungen des Preises anderer Produkte reagiert. Dies gibt Aufschluss darüber, in welchem Umfang Erzeugnisse von der Nachfrageseite betrachtet Substitute sind. Im vorliegenden Falle sollte festgestellt werden, inwieweit sich die Nachfrage nach Viskose-Stapelfasern infolge einer Änderung des Preises für Baumwolle, Polyester und Polypropylen verändern würde. Tatsächlich wurde festgestellt, dass frühere Preisschwankungen bei Baumwolle, Polyester und Polypropylen die Nachfrage nach Viskose-Stapelfasern nicht wesentlich verändert haben, was darauf hindeutet, dass VSF einen gesonderten Markt bilden. (76) Je höher der Elastizitätsgrad für zwei Erzeugnisse (d. h. je größer der Koeffizient), umso wahrscheinlicher ist die Existenz eines aus beiden Produkten bestehenden Marktes. Generell bedeutet eine Preiskreuzelastizität von weniger als +1, dass die Erzeugnisse keine wirklichen Substitute sind. Aus der nachstehenden Tabelle 2 geht hervor, dass die Preiskreuzelastizitäten für VSF einerseits und für Baumwolle, Polyester und Polypropylen andererseits an 0 grenzen. Folglich können diese Erzeugnisse nicht als VSF-Substitute angesehen werden. Tabelle 2 Von der Kommission berechnete VSF-Preiskreuzelastizitäten >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Preiskorrelationsanalyse: Viskose-Stapelfasern und Lyocell (77) Die Korrelationskoeffizienten zwischen VSF und Lyocell sind bei einer Prüfung sowohl des textilen als auch des nichttextilen Lyocell-Segments (oder -Teilmarkts) niedrig. Unabhängig vom VSF-Segment (bzw. -Teilmarkt) ist die Korrelation zwischen Lyocell und VSF gering; sie liegt nämlich zwischen 0,08 und 0,47. Die Analyse der Korrelationen zwischen Lyocell und Polyester einerseits und zwischen Lyocell und Baumwolle andererseits führt ebenfalls zu Koeffizienten zwischen 0,23 und 0,6; auch diese Werte sind ein Hinweis dafür, dass gesonderte Produktmärkte bestehen(61). Erwiderung der Parteien (78) In ihrer Erwiderung(62) behaupten die Parteien, dass die Kommission auf die Bedeutung und Zuverlässigkeit der Korrelationsanalyse zu viel Gewicht gelegt hat, statt wirkliche Umstellungsbeispiele zu untersuchen. (79) Für die Kommission sind diese Argumente nicht überzeugend. Die Verwendung ökonometrischer und statistischer Tests ist in Übereinstimmung mit ihrer Bekanntmachung über die Definition des relevanten Mark

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.