Europäische Union

2001/418/EG: Entscheidung der Kommission vom 7. Juni 2000 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag bzw. Artikel 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/36.545/F3 — Aminosäuren) (Text von Bedeutung für den EWR.) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2000) 1565)

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Avis juridique important | 32001D0418 2001/418/EG: Entscheidung der Kommission vom 7. Juni 2000 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag bzw. Artikel 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/36.545/F3 — Aminosäuren) (Text von Bedeutung für den EWR.) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2000) 1565) Amtsblatt Nr. L 152 vom 07/06/2001 S. 0024 - 0072 Entscheidung der Kommission vom 7. Juni 2000 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag bzw. Artikel 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/36.545/F3 - Aminosäuren) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2000) 1565) (Nur der deutsche, der englische und der französische Text sind verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR) (2001/418/EG) DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN - gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, gestützt auf das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum, gestützt auf die Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962, Erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln 85 und 86 des Vertrages(1), zuletzt geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 1216/1999(2), insbesondere auf Artikel 15, gestützt auf den Beschluss der Kommission vom 29. Oktober 1998, ein Verfahren in dieser Sache zu eröffnen, nachdem den beteiligten Unternehmen Gelegenheit gegeben wurde, zu den von der Kommission gemäß Artikel 19 Absatz 1 der Verordnung Nr. 17 erhobenen Beschwerdepunkten gemäß der Verordnung Nr. 99/63/EWG der Kommission vom 25. Juli 1963 über die Anhörung nach Artikel 19 Absätze 1 und 2 der Verordnung Nr. 17(3) und Verordnung (EG) Nr. 2842/98 der Kommission vom 22. Dezember 1998 über die Anhörung in bestimmten Verfahren nach Artikel 85 und 86 EG-Vertrag(4) Stellung zu beziehen, nach Konsultierung des Beratenden Ausschusses für Kartell- und Monopolfragen, In Erwägung nachstehender Gründe: I. SACHVERHALT A. GEGENSTAND DES VERFAHRENS (1) Dieser Fall betrifft Vereinbarungen über Preise, Absatzmengen und den Austausch von firmenspezifischen Informationen über Verkaufsmengen von Unternehmen, die synthetisches Lysin herstellen und an Vertriebshändler und/oder im EWR niedergelassene gewerbliche Abnehmer zur Verwendung in Tierfuttermitteln zum Verkauf anbieten. Diese Entscheidung erfasst den Zeitraum von September 1990 bis Juni 1995. B. DIE BETEILIGTEN UNTERNEHMEN UND DER BETEILIGTE VERBAND 1. Archer Daniels Midland Company (2) Archer Daniels Midland Company ("ADM") ist die Muttergesellschaft einer Unternehmensgruppe, die Getreide und Ölsaaten weltweit verarbeitet. ADM betreibt weltweit mehr als 200 Werke, darunter umfangreiche Anlagen im EWR, wozu die weltgrößte Sojabohnen-Verarbeitungsanlage in Europoort (Niederlande), der weltgrößte Mehrsaatenkomplex in Hamburg (Deutschland) und die weltgrößte Weichsaaten-Brechanlage in Erith (Vereinigtes Königreich) zählt. (3) ADM ist ein Hersteller von Stärke und Stärkeerzeugnissen, der in den Biochemikalienmarkt eintrat, da mit der Produktion von Chemikalien auf der Grundlage von Stärkeerzeugnissen eine höhere Rentabilität als mit den herkömmlichen Erzeugnissen zu erwarten war. Die Division BioProducts von ADM wurde im Jahr 1989 gegründet. Zu jener Zeit beschloss die Unternehmensführung die Aufnahme der Lysinherstellung, nachdem bekannt wurde, dass zwei andere Unternehmen mit der Errichtung von Produktionsanlagen in Nordamerika beschäftigt waren. (Nach der Ankündigung von ADM, in den Lysinmarkt einzutreten, zogen sich diese beiden Unternehmen jedoch vom nordamerikanischen Markt zurück.) Die Anlagen zur Lysinherstellung durch ADM wurden im Juni 1992 vollendet. (4) Archer Daniels Midland Ingredients Ltd ("ADM Ingredients") ist eine vollständige Tochtergesellschaft von ADM, in der das europäische Aminosäurengeschäft während des von dieser Untersuchung erfassten Zeitraums zusammengefasst war. (5) In dem zum 30. Juni 1995 zu Ende gehenden Geschäftsjahr erzielten sämtliche Unternehmen der Gruppe ADM einen Gesamtumsatz von rd. 12,6 Mrd. USD (12,6 Mrd. EUR), in dem zum 30. Juni 1998 zu Ende gehenden Geschäftsjahr einen Gesamtumsatz von rd. 16,1 Mrd. USD (16,1 Mrd. EUR). Im Jahr 1995 belief sich der weltweite Lysinumsatz vo ADM auf rd. 202 Mio. USD (202 Mio. EUR), wovon rd. 41 Mio. USD (41 Mio. EUR) auf den EWR entfielen. 2. Ajinomoto Company, Inc. (6) Die Ajinomoto Company, Inc. (Ajinomoto) ist die Muttergesellschaft einer Unternehmensgruppe, die Chemikalien einschließlich Lysin und Nahrungsmittel herstellt. Unter Nutzung seiner Einrichtungen im Bereich der Aminosäurentechnik ist Ajinomoto auch mit der Entwicklung und Herstellung von Arzneimitteln tätig. Ajinomoto unterhält in 21 Ländern Produktions- und Verkaufseinrichtungen. (7) Ajinomoto betreibt Produktionsanlagen für Futtermittel-Aminosäuren in Japan, dem EWR (Eurolysine SA - "Eurolysine"), in den Vereinigten Staaten, in Thailand, in China und Brasilien. (8) Im Jahr 1974 wurde Eurolysine als Gemeinschaftsunternehmen von Ajinomoto und Orsan für die Herstellung und den Vertrieb von Futtermittel-Lysin in Europa errichtet. Im Jahr 1976 errichtete Eurolysine ein Werk in Amiens und nahm die Herstellung von Lysin in Italien über seine vollständige Tochtergesellschaft Bioitalia Biopro Italia SpA auf. Die Beschäftigtenzahl von Eurolysine beträgt gegenwärtig 338. Eurolysine ist der einzige Hersteller von Futtermittel-Lysin im EWR. (9) Bis September 1994 waren Ajinomoto und Orsan mit jeweils 50 % an Eurolysine beteiligt. Daraufhin erhöhte Ajinomoto seinen Anteil auf 75 % durch den Erwerb zusätzlicher Anteile von Orsan. Im Jahr 1996 erwarb Ajinomoto sämtliche von Orsan an Eurolysine gehaltenen Anteile und wurde damit zum alleinigen Eigentümer. (10) In dem zum 31. März 1995 zu Ende gehenden Geschäftsjahr erzielten sämtliche Unternehmen der Gruppe Ajinomoto einen Gesamtumsatz von rd. 725,7 Mrd. YEN (5,1 Mrd. EUR), zum 31. März 1998 einen Gesamtumsatz von rd. 836 Mrd. YEN (5,8 Mrd. EUR). Im Jahr 1995 erzielte Ajinomoto mit Lysin weltweit einen Umsatz von rd. 239 Mio. USD (239 Mio. EUR), wovon rd. 483 Mio. FRF (75 Mio. EUR) im EWR erzielt wurden. 3. Kyowa Hakko Kogyo Company Limited (11) Kyowa Hakko Kogyo Company Limited ("Kyowa") ist die Muttergesellschaft einer Unternehmensgruppe, die weltweit Arzneimittel, Lebensmittel, Chemikalien, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Tiergesundheitsprodukte, Alkohol und alkoholische Getränke entwickelt, herstellt und auf den Markt bringt. Kyowa, das den Lysin-Fermentierungsprozess im Jahr 1958 einführte, betreibt Aminosäuren-Produktionsanlagen in Japan, Ungarn und Mexiko. (12) Die europäische Tochtergesellschaft von Kyowa ist die Kyowa Hakko Europa GmbH (Kyowa Europa), die für die Vermarktung von Lysin im EWR zuständig ist. (13) Im Jahr 1995 erzielten sämtliche der Kyowa-Gruppe angehörenden Unternehmen einen Umsatz von rund 375 Mrd. YEN (2,8 Mrd. EUR). In demselben Jahr erzielte Kyowa mit dem Verkauf von Lysin weltweit einen Umsatz von rund 100 Mio. YEN (73 Mio. EUR), hiervon rund 30 Mio. DEM (16 Mio. EUR) im EWR. In dem zum 31. März 1998 zu Ende gehenden Geschäftsjahr belief sich der Gesamtumsatz der Gruppe Kyowa auf rund 398 Mrd. YEN (2,8 Mrd. EUR). 4. Daesang Corporation (14) Daesang Corporation ist ein koreanisches Unternehmen und die Muttergesellschaft einer weltweit tätigen Gruppe, deren Tätigkeiten die Herstellung von Würzstoffen, Futtermitteln und Aminosären einbeziehen. Sie entstand durch den Zusammenschluss von Daesang Industrial Limited und Miwon Corporation Limited. Daesang Industrial Limited war zuvor als Sewon Corporation Limited und Miwon Foods Corporation Limited (zusammen Sewon) bekannt. In der ersten Hälfte 1998 übertrug Sewon sein weltweites Lysingeschäft an ein Unternehmen, das einer mit keinem der Adressaten dieser Entscheidung verbundenen Unternehmensgruppe angehört. (15) Anfang 1992 wurde die Miwon Handels GmbH gegründet, die das Aminosäurengeschäft von Sewon in Europa übernahm. Im November 1994 änderte die Miwon Handels GmbH ihren Namen in Sewon Europa GmbH (zusammen Sewon Europa). (16) Im Jahr 1995 belief sich der weltweite Umsatz von Sewon auf rund 225 Mrd. WON (227 Mio. EUR). In diesem Jahr erzielte es mit Lysin einen weltweiten Umsatz von rund 125 Mio. DEM (67 Mio. EUR), wovon rund 28 Mio. DEM (15 Mio. EUR) auf den EWR entfielen. Im Jahr 1998 belief sich der weltweite Umsatz von Sewon auf rund 1,47 Billionen WON (946 Mio. EUR). 5. Cheil Jedang Corporation (17) Die Cheil Jedang Corporation (Cheil) ist die Muttergesellschaft einer weltweit niedergelassenen und tätigen Unternehmensgruppe. Sie wurde im Jahr 1953 als erste Produktionstochtergesellschaft der koreanischen Gruppe Samsung gegründet. Im Jahr 1993 wurde die Cheil ein selbstständiges Unternehmen. Es ist ein diversifiziertes Unternehmen mit Schwerpunkten Pharmazeutika und Lebensmittel. (18) Cheil trat im Jahr 1991 in den Lysinmarkt ein. Im Jahr 1995 erzielte es einen Umsatz von rund 1,9 Mrd. USD (1,9 Mrd. EUR). In jenem Jahr erzielte Cheil weltweit mit Lysin einen Umsatz von rund 52 Mio. USD (52 Mio. EUR), wovon rund 17 Mio. EUR auf den EWR entfielen. Im Jahr 1997 hatte Cheil einen Umsatz von rund 1,4 Mrd. USD (1,4 Mrd. EUR). 6. Fefana (19) Die Federation Européenne des Fabricants d'Adjuvants pour la Nutrition Animale ("Fefana") mit Zentralbüro in Brüssel vertritt und fördert die wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Interessen der Hersteller von Futtermittel-Zusatzstoffen. (20) Fefana wurde eingerichtet, um sich mit den zahlreichen die Tiernahrung betreffenden Vorschlägen für Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Gemeinschaft zu befassen. Die mit Futterzusätzen befassten nationalen Berufsverbände waren der Auffassung, dass ihr Wirtschaftszweig auf europäischer Ebene vertreten sein müsse, weshalb sie im Jahr 1963 Fefana zu diesem Zweck gründeten. C. DAS PRODUKT (21) Lysin ist eine essentielle Aminosäure. Aminosäuren sind Bausteine von Eiweiß, einem wesentlichen Bestandteil von Körpergeweben. Tiere synthetisieren Körpereiweiße aus Aminosäuren, die während der Verdauung freigesetzt werden. Alle im Leben vorkommenden Eiweiße gehen auf 22 verschiedene Aminosäuren zurück. Tiere können hiervon nur einige synthetisieren. Die als essentiell bezeichneten Aminosäuren müssen über die Nahrung bereitgestellt werden, entweder an Eiweiß natürlich gebunden oder in chemisch reiner Form. Die wichtigsten Aminosäurequellen für Tiere sind Eiweiße pflanzlichen oder tierischen Ursprungs, wie zum Beispiel Sojabohnenmehl, Rapssaatenmehl, Maisklebefutter, Erbsen, Fischmehl, Fleisch- und Knochenmehl, Magermilch und andere Produkte. Eine weitere Quelle bestimmter Aminosäuren ist die Industrieerzeugung. Diese Aminosäuren sind die gleichen wie die in Eiweißfuttermitteln vorhandenen Aminosäuren. (22) In den meisten Fällen liefert ein einziges Futtermittel oder die Kombination von Futtermitteln nicht jede Aminosäure in der erforderlichen Menge, um dem Nahrungsmittelbedarf der Tiere genau zu entsprechen. Bestimmte Aminosäuren werden in überschüssigen Mengen bereitgestellt, um eine ausreichende Menge an anderen Aminosäuren bereitzustellen. Die Hinzufügung von Aminosäuren in Reinform schafft ein ausgewogenes Ernährungseiweiß. (23) Bei der Ermittlung des jeweiligen Aminosäurenbedarfs der verschiedenen Tierarten wurden spürbare Fortschritte erzielt, wobei die Ernährungsfachleute schon seit langem den Vorteil der richtigen Futtermittelzusammensetzung erkannt haben. Die Ergänzung der Ernährung durch einzelne Aminosäuren erlaubt die Verringerung des Roheiweißgehalts der Ernährung, wobei die Aminosäuren auf ihrer angemessenen Höhe gehalten werden können. Die Forschung hat gezeigt, dass die Menge an Ernährungseiweiß in normalem Mais-Sojabohnenmehl verringert werden kann, wenn die Ernährung durch ausreichend Lysin, Tryptophan und Threonin ergänzt wird. (24) Die Verfügbarkeit synthetischer Aminosäuren verschafft den Ernährungsfachleuten die Flexibilität, um Futtermittel mit Aminosäuren zu formulieren, die dem Bedarf der Tiere besser als bei der Verwendung herkömmlicher Rohstoffe entsprechen. Dadurch kann die Verwendung relativ teurer Eiweißquellen verringert und gleichzeitig die Tierleistung verbessert werden. (25) In den europäischen Ländern wird zunehmend Druck ausgeübt, die sich aus der intensiven Tierhaltung ergebenden Stickstoff- und Phosphormengen in den Abwässern zu verringern. Nach Schätzungen von Fefana liegt in der zunehmenden Verwendung von Aminosäuren in Verbindung mit verringerten Roheiweißanteilen in Futtermitteln das Potential für die Verringerung der Stickstoffausscheidung um bis zu 20-25 %. (26) Durch das Wegfallen der Staatszuschüsse im Zuge der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik müssten die Aufwendungen für Getreide in den europäischen Ländern zurückgehen. Dadurch könnte sich der Getreideanteile im Tierfutter gegenüber Ölkuchen in Europa erhöhen. Dies würde schließlich dazu führen, dass die Nachfrage nach synthetischen Aminosäuren zunimmt, da bei sonst unveränderten Bedingungen der Aminosäurebedarf nicht länger durch einen hohen Anteil an Ölkuchen in den Futtermitteln gedeckt würde. (27) Die Herstellung von synthetischen Aminosäuren zählt zu den ältesten und wahrscheinlich häufigsten biotechnischen Anwendungen in der Tierfutterindustrie. Sie erfordert die Fermentierung einer geeigneten Kohlenwasserstoffquelle, wie zum Beispiel Zucker oder Stärke durch einen genetisch modifizierten Organismus, der die jeweilige Aminosäure im Überschuss erzeugt. (28) Lysin für Tierfutter wird seit rund 30 Jahren kommerziell hergestellt, wobei die Zunahme der Verwendung dieser Aminosäure weltweit bemerkenswert ist. Während im Jahr 1979 in der gesamten Welt rund 30000 t verbraucht wurden, beträgt der derzeitige Verbrauch rund 250000 t jährlich. Diese Steigerung ist zwar teilweise auf die Zunahme der Schweine- und Gefluegelerzeugung zurückzuführen, spiegelt jedoch auch die Verbesserungen bei der Zusammensetzung der Tiernahrung wider. D. DER LYSINMARKT 1. Die Angebotsseite a) Produktion (29) Zur Herstellung von synthetischen Aminosäuren wird unter hohem technischen Einsatz ein genetisch verändertes Bakterium zur Fermentierung von Kohlenwasserstoffen verwendet. Die wichtigste Anforderung ist dabei die Schaffung und Aufrechterhaltung steriler Bedingungen, unter denen der Organismus wachsen kann, jedoch eine Kontaminierung durch andere Mikroorganismen verhindert wird. Die Produktionstechnik wurde im Laufe der Jahre spürbar verbessert, was zu erheblichen Kosteneinsparungen geführt hat. (30) Die für den Fermentierungsprozess verwendete Kohlenwasserstoffquelle verursacht die bei weitem größten Produktionskosten. Da die Herstellung erhebliche Mengen an elektrischer Energie zum Schütteln und Belüften der Fermentoren erfordert, ist der Zugang zu billigem Strom entscheidend. Die Herstellung von Aminosäuren ist höchst kapitalintensiv. Sie erfordert umfangreiche Investitionen in die Ausrüstung für die Fermentierung, das Ausziehen, Reinigen und die Verunreinigungskontrolle. (31) Vor 1991 gab es nur drei Hersteller von Lysin, nämlich Ajinomoto/Eurolysine, Kyowa und Sewon. Mit einer Produktionskapazität von rund 80000 t war Ajinomoto/Eurolysine der größte Anbieter. Kyowa und Sewon hatten geringere Kapazitäten von rund 50000 bzw. 30000 t. Im Jahr 1994 begann Sewon mit der Erweiterung seiner Kapazität auf bis zu 50000 t. (32) Im Jahr 1991 trat ADM in den Lysinmarkt ein. Mit seinem Werk verdoppelte sich die weltweite Kapazität zur Herstellung von Lysin. Außerdem war bekannt, dass ADM finanziell sehr gut ausgestattet war und einen billigen Zugang zu Rohstoffressourcen hatte. (33) Ebenfalls im Jahr 1991 trat Cheil in den Lysinmarkt mit einer Produktionskapazität von rund 10000 t ein. Ende 1993 begann Cheil mit der Erweiterung seiner Produktionskapazität auf bis zu 40000 t. Dieses Wachstum setzte sich bis Anfang 1994 fort und war schließlich im Juli 1995 abgeschlossen. (34) In dem von diesem Verfahren erfassten Zeitraum kam es zu keinem größeren Eintritt in den Lysinmarkt. (35) Eurolysine ist der einzige Lysinerzeuger im EWR. b) Vertrieb (36) Im EWR unterhalten die von dieser Entscheidung betroffenen Lysinhersteller unterschiedliche Vertriebssysteme, die von Direktverkäufen an die industriellen Abnehmer (Futtermühlen) bis zu indirekten Verkäufen über Handelsvertreter und/oder unabhängige in den verschiedenen Mitgliedstaaten niedergelassene Vertriebshändler reichen. (37) Bis Mai 1995 griff ADM Ingredients auf zwei Verkaufsvertreter zurück, hiervon wurde BASF im Folgenden durch Direktverkäufe und eine Reihe anderer Vertriebshändler oder Handelsvertreter ersetzt. (38) Eurolysine verkauft Aminosäuren über eine Reihe von Vertriebshändlern. Ajinomotos direkte Teilnahme an dem europäischen Lysinmarkt war auf seine Beteiligung an Eurolysine beschränkt (siehe Ziffern 8 und 9). (39) Kyowa Europa ernannte zwei japanische Handelshäuser als Verkaufsvertreter für Lysin, die Büros und Vertretungen in verschiedenen EWR-Mitgliedstaaten unterhielten. (40) Sewon Europa verkaufte Lysin an Vertriebshändler und gewerbliche Abnehmer. (41) Cheil unterhält keine Verkaufstochtergesellschaft im EWR. Es verkauft sein Lysin über ein Verkaufsbüro überwiegend an gewerbliche Abnehmer. 2. Nachfrageseite (42) Die europäische Futtermittelindustrie erzeugt jährlich mehr als 150 Mio. t Tierfutter in tausenden von Futtermühlen in ganz Europa. In den Futtermühlen werden Futtermittel und Mikroingredienzen formuliert und zu Mischfutter gemischt, sowie, falls erforderlich, weiterverarbeitet, um den Ernährungsbedarf zu möglichst niedrigen Kosten je Tonne Tierfutter quantitativ und qualitativ zu decken. Bei der Futterformel muss insbesondere ein ausreichender Anteil an jeder essentiellen Aminosäure gewährleistet sein. 3. Marktinformation a) Faktoren, welche die Festlegung der Lysinpreise bestimmen (43) Synthetisches Lysin wird weitgehend als Beifügung zu Tierfutter verwendet, das kein oder nicht genug natürliches Lysin wie z. B. Getreide enthält. Futtermittel, denen Lysin beigefügt wird, sind somit durch Futtermittel substituierbar, die im Naturzustand ausreichend Lysin enthalten wie z. B. Sojabohnen. Deshalb wird die Nachfrage der europäischen Futtermittelindustrie nach synthetischem Lysin und damit sein Preis von den europäischen Getreidepreisen und den Sojabohnenpreisen auf dem Weltmarkt beeinflusst, der auf der Chicago Board of Trade notiert wird. Der Preis für Sojabohnen abzüglich des Getreidepreises wird als der "Lysin-Schattenpreis" bezeichnet. (44) Die Ernährungsfachleute ermitteln die optimalen Futtermittelformeln nach Maßgabe der geringsten Kosten. Nach Eingabe der Daten über die verfügbaren Futtermittel und ihre gegenwärtigen Preise werden aufeinander folgende Substitutionen zwischen verschiedenen Futtermitteln vorgenommen, bis die kostengünstigste Formel, die sämtliche Ernährungsanforderungen erfuellt, gefunden ist. (45) Änderungen im Markt zwingen die Futtermittelindustrie zu raschen Reaktionen auf Bewegungen bei den Preisen für die Zutaten, indem sie unverzüglich neue Formeln gemäß denselben ernährungswissenschaftlichen Vorgaben ermitteln. Dies kann zu Veränderungen bei den eingesetzten Lysinmengen führen. Übertreffen die Kosten für das Futtermittel, dem synthetisches Lysin beigefügt wird, die Preise alternativer natürlich aminosäurereicher Futtermittel, werden synthetische Aminosäuren nur solange verwendet, wie es erforderlich ist, um eine ausgewogenere Ernährung zu erhalten und einen überschüssigen Eiweißgehalt zu verhindern. b) Durchschnittliche Monatspreise für Lysin (46) Zwischen Anfang 1981 und Ende 1988 haben sich die Lysinpreise fast verdoppelt. Danach gingen die Preise wieder zurück. (47) Zwischen 1991 und 1995 haben Eurolysine, ADM Ingredients, Kyowa Europa und Sewon Europa ihren Kunden folgende Monatspreise für Lysin berechnet: >PLATZ FÜR EINE TABELLE> c) Lysin-Jahresmengen (48) Die von dieser Entscheidung betroffenen Unternehmen haben folgende Lysinmengen jährlich verkauft (-L): >PLATZ FÜR EINE TABELLE> >PLATZ FÜR EINE TABELLE> >PLATZ FÜR EINE TABELLE> >PLATZ FÜR EINE TABELLE> >PLATZ FÜR EINE TABELLE> E. ABLAUF DER EREIGNISSE (49) Bis Anfang der 90er Jahre waren Ajinomoto/Eurolysine, Kyowa und Sewon die einzigen Hersteller von synthetischem Lysin. Ajinomoto/Eurolysine war weltweit und auch in Europa der Marktführer. Zu Beginn der 90er Jahre tätigten ADM und Cheil Investitionen in Kapazitäten zur Lysinherstellung und bereiteten ihren Eintritt in den Lysinmarkt vor. 1. Asien-/Europa-Kartell (50) Die Kommission hat Hinweise dafür, dass in den 70er und 80er Jahren die in Asien tätigen Lysinhersteller Ajinomoto, Kyowa und Sewon in unterschiedlicher Weise zusammengearbeitet haben, um die Preise und Verkaufsmengen für Europa festzusetzen. (51) Die nachweisbar erste geheime Absprache fand im Juli 1990 statt. Als deutlich wurde, dass ADM und Cheil Investitionen vornahmen, um in den Lysinmarkt eintreten zu können, wurde das Asien-/Europa-Kartell als Forum genutzt, um genau zu überwachen, wie sich das Potenzial der neuen Marktteilnehmer, die Wettbewerbsbedingungen im Markt beeinflussen zu können, entwickeln würde. a) Beginn (52) In einem Schreiben an Ajinomoto vom 6. Dezember 1990 bezieht sich Sewon auf eine Zusammenkunft der beiden Unternehmen, die im Juli 1990 stattfand. Darin wird mitgeteilt, dass Sewon nach der Zusammenkunft in der Lage war, den Lysinpreis "mit Hilfe von Ajinomoto" spürbar zu erhöhen. Angesichts der Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen bei den Preisen und Absatzmengen für Lysin, die sich an die Zusammenkunft vom Juli 1990 anschloss, ist die Kommission der Auffassung, dass Ajinomoto und Sewon auf dieser Zusammenarbeit die auf dem Weltmarkt anzuwendenden Lysinpreise vereinbarten. (53) Am 20. September 1990 trafen Ajinomoto und Sewon in Seoul zusammen. Ajinomoto teilte Sewon dabei mit, dass am Tag zuvor seine amerikanische Tochtergesellschaft eine Preiserhöhung angekündigt hatte, und dass der neue Preis der weltweite Standardpreis sein würde (der europäische Preis betrug 4,60 DEM/kg). Außerdem bezog sich Ajinomoto auf die Absicht von Kyowa, am 24. September 1990 in den Vereinigten Staaten eine entsprechende Preiserhöhung anzukündigen. Ajinomoto, Kyowa und Sewon hatten vor der Zusammenkunft die neuen Preise telefonisch erörtert und die Grundzüge einer Vereinbarung besprochen. Sewon ging davon aus, dass es von Ajinomoto aufgefordert war, die Preisentwicklung nachzuvollziehen und erklärte sich bereit, die von Ajinomoto angegebenen Preise zu übernehmen. (54) Im Dezember 1990 erörterten Ajinomoto und Sewon die Möglichkeit einer weiteren Preiserhöhung. Am 12. Dezember 1990 teilte Sewon Ajinomoto mit, dass es mit der weltweiten Erhöhung des Lysinpreises einverstanden war. (55) Aus dem Ablauf der Preisfestsetzung vom 20. September 1990 wird deutlich, dass Kyowa auch an den Preisvereinbarungen für Europa beteiligt war, da der amerikanische Preis als Standardweltpreis angesehen wurde. Außerdem ist die Kommission der Auffassung, dass die zwischen Ajinomoto und Sewon im Juli und Dezember 1990 vereinbarten Preisabsprachen nicht auf diese beiden Unternehmen beschränkt waren. Erstens wäre die spürbare Erhöhung des Lysinpreises im Juli 1990, auf die sich Sewon in seinem Schreiben vom 6. Dezember 1990 bezog, ohne die Mitwirkung des zweitgrößten Lysinherstellers nicht möglich gewesen. Zweitens zeigt die Funktionsweise des Asien-/Europa-Kartells, dass die Beteiligung von Kyowa unerlässlich war. Schließlich ist in einer unternehmensinternen Unterlage, in der die Marktaufteilung innerhalb der Gruppe Ajinomoto/Orsan gemäß den Gesprächen auf der von Ajinomoto im Hinblick auf die Zusammenkunft von Tokio vom 10. Juli 1992 vorbereiteten Zusammenkunft von Mexiko vom 23. Juni 1992 dargelegt ist, Kyowa unter der Überschrift "Alter Club" gemeinsam mit Ajinomoto, Sewon und Cheil aufgeführt. Dies stimmt mit der Aussage von Ajinomoto überein, dass in der Zeit vor Mitte 1992 die Initiative für Gespräche über den europäischen Markt nicht von Ajinomoto, sondern von Sewon und

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.