Europäische Union

Beschluss (EU) 2020/519 der Kommission vom 3. April 2020 über das branchenspezifische Referenzdokument für bewährte Umweltmanagementpraktiken, branchenspezifische Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte für die Abfallbewirtschaftung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 über die freiwillige Teilnahme von Organisationen an einem Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung (EMAS) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Quellenkennung: 32020D0519. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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, Nutzer von Wertstoffhöfen) durchgeführt und das jährliche Budget für Sensibilisierungsaktivitäten beläuft sich auf mindestens 5 EUR pro Einwohner. 3.2.6.   Einrichtung eines Netzes von Abfallberatern Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht in der Einrichtung eines Netzes von Abfallberatern (bzw. sogenannten „Sachverständigen für Abfall(vermeidung)“, „Recyclingbeauftragten“, „Abfall(vermeidungs)beratern“) auf lokaler Ebene zur Sensibilisierung der allgemeinen Öffentlichkeit (Bevölkerung und kleine Unternehmen, deren Abfälle in das lokale Bewirtschaftungssystem für feste Siedlungsabfälle eingehen). Abfallberater kommen besonders bei konkreten Problemen zum Einsatz, wenn es um ein spezielles Gebiet oder eine spezielle Zielgruppe mit einer schlechten Mülltrennungsquote bzw. einer starken Verunreinigung getrennt gesammelter Fraktionen geht, um gezielt darauf reagieren zu können, da Abfallberater den persönlichen Kontakt suchen. Abfallberater verfügen üblicherweise über eine Qualifikation im Umweltbereich und kennen sich mit den Praktiken der Abfallminimierung, Wiederverwendung und des Recyclings aus und arbeiten als Freiwillige, Teilzeit- oder Vollzeitkräfte. Sie übernehmen zahlreiche Aufgaben, beispielsweise: — sensibilisieren sie die Bevölkerung und kleine Unternehmen für Umweltfragen im Zusammenhang mit der Abfallerzeugung und -bewirtschaftung; — informieren sie die Bevölkerung und kleine Unternehmen über die Vorschriften im Bereich Abfallsammlung und die Behandlung und das Recycling der verschiedenen Fraktionen; — geben sie der Bevölkerung und kleinen Unternehmen Orientierungshilfen an die Hand, wie sich Abfälle reduzieren oder besser bewirtschaften lassen (z. B. durch bessere Mülltrennung); — arbeiten sie mit der Bevölkerung und kleinen Unternehmen an speziellen Abfallströmen, die als besonders problematisch gelten (Lebensmittelabfälle, Textilien, Windeln usw.); — führen sie Aktionen zur Einbeziehung spezieller Zielgruppen durch (z. B. Kinder/Teenager, Rentner, Unternehmen, Ausländer); — entwickeln sie ein besseres Verständnis für die Situation vor Ort (Fahrer, Gründe, Engpässe). Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann auf jeder Ebene umgesetzt werden. Die Tätigkeit der Abfallberater beschränkt sich jedoch mehr auf die lokale Ebene, da operative Fragen behandelt werden (Leitlinien zu Abfallvermeidung und Recycling). Verbundene Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i19) Anteil der Bevölkerung in dem Abfallsammelgebiet, der innerhalb eines bestimmten Zeitraums Ratschläge von Abfallberatern erhalten hat (z. B. % der Bevölkerung pro Monat). (i20) Anzahl der Abfallberater pro 100 000 Einwohner. (b9) Es existiert ein Netz von Abfallberatern mit mindestens einem Berater pro 20 000 Einwohner. . 3.2.7.   Kompostierung in Privathaushalten und in der Gemeinde Wenn entsprechend der Abfallbewirtschaftungsstrategie bzw. einer Ökobilanzstudie zu den Abfallbewirtschaftungsoptionen (siehe Abschnitte 3.1.1 und 3.1.2) die Kompostierung in Privathaushalten und in der Gemeinde die geeignetste Abfallbewirtschaftungsoption für Biomüll darstellt, besteht die bewährte Umweltmanagementpraxis in Folgendem: — Systematische Anwendung und Unterstützung der Kompostierung in Privathaushalten und in der Gemeinde, Erfassung der daran beteiligten Einwohner, Registrierung der Stand- und Betriebsorte der Kompostierungsanlagen. — Organisation erster Sensibilisierungsmaßnahmen mithilfe von grafischem Material, öffentlichen Treffen, Abfallberatern usw. (siehe Abschnitte 3.2.5 und 3.2.6) zur Information und Schulung der Bevölkerung zur Kompostierung in Privathaushalten und in der Gemeinde, ihren Vorteilen und der korrekten Umsetzung (zur Begrenzung der Methanemissionen und Bodenverunreinigung sowie zur Gewährleistung eines qualitativ guten Komposts) sowie zur Information über geeignete Bioabfälle usw. — Regelmäßige Schulung der Bevölkerung sowie Information derselben über aktuelle Entwicklungen hinsichtlich der richtigen Kompostierung in Privathaushalten und in der Gemeinde. — Regelmäßige Überwachung der Kompoststellen in Privathaushalten und in der Gemeinde. Um die richtige Kompostierung zu überprüfen und deren ökologische Vorteile zu sichern, kann eine bestimmte Anzahl repräsentativer Stellen jährlich inspiziert werden. Anwendbarkeit Wenn die Kompostierung in Privathaushalten und in der Gemeinde die geeignetste Abfallbewirtschaftungsoption für Biomüll darstellt, bestehen für die Umsetzung dieser bewährten Umweltmanagementpraxis keine wesentlichen Einschränkungen. Der Erfolg dieser Kompostierung als Umweltmanagementstrategie hängt jedoch stark von der Handhabung der Abfalltrennung und der Kompostierung durch die Einwohner ab, die zunächst überzeugt und motiviert werden müssen, organische Abfälle getrennt zu sammeln, und anschließend im richtigen Umgang mit der Kompostierung geschult werden müssen. Ferner sind zusätzliche Anstrengungen erforderlich, um in städtischen Gebieten die Kompostierung in Privathaushalten und in der Gemeinde zu organisieren. Verbundene Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i21) Anteil der Bevölkerung, die privat Abfälle kompostiert oder die in der Gemeinde die Möglichkeit zur Kompostierung hat (% der Gesamtbevölkerung im Abfallsammelgebiet). (i22) Anteil der Bevölkerung, die privat/in der Gemeinde richtig kompostiert, ermittelt anhand eines jährlichen Besuchs und einer Analyse des erzeugten Komposts (% der Bevölkerung, die privat Abfälle kompostiert oder die in der Gemeinde die Möglichkeit zur Kompostierung hat). (i23) Vorhandensein eines Systems zur regelmäßigen Überprüfung der Einwohner, die privat kompostieren (ja/nein). (i24) Anteil der jährlich besuchten privaten Kompostierer (% der privat kompostierenden Haushalte). (b10) Alle Einwohner haben Zugang zur getrennten Sammlung von Biomüll oder zur Kompostierung im Privathaushalt oder in der Gemeinde. Bewährte Umweltmanagementpraktiken für die Abfallvermeidung 3.2.8.   Lokale Abfallvermeidungsprogramme Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht in der Einführung von Vermeidungsmaßnahmen, die sich sowohl an Privathaushalte als auch an öffentliche und private Organisationen richten. Dies können zum Beispiel lokale Gebühren für Kunststofftaschen, die Förderung der Gründung von Reparaturwerkstätten, die Einrichtung von Tauschplätzen für Produkte/Wertstoffe im Hoheitsgebiet sowie die Zusammenarbeit mit Organisationen der Sozialwirtschaft, NRO und Restaurants sein, um mithilfe von Spendengeldern die Ausarbeitung von Vereinbarungen zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen zu fördern. Abfallvermeidungsmaßnahmen lassen sich ermitteln durch: — Auswertung der aktuellen Abfallerzeugungsmuster im jeweiligen Hoheitsgebiet; — Priorisierung der relevantesten Abfallströme in Bezug auf das Vermeidungspotenzial, z. B. Lebensmittelabfälle, Biomüll, Papier/Pappe, Kunststoff (Verpackung), Glas und Textilien; — Ausarbeitung einer lokalen Abfallvermeidungsstrategie unter Einbeziehung der maßgeblichen Interessenträger (z. B. Einwohner, lokale Unternehmen, Organisationen der Sozialwirtschaft, NRO); — Überwachung der Ergebnisse der Abfallvermeidungsmaßnahmen und Überprüfung der Abfallvermeidungsstrategie im Hinblick auf die Ergebnisse. Anwendbarkeit Abfallvermeidungsmaßnahmen müssen unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten sorgfältig ausgewählt und gut umgesetzt werden (und mitunter z. B. auch durch finanzielle Anreize gefördert werden), wobei jedoch für jeden Kontext geeignete Maßnahmen zur Verfügung stehen. Obwohl einige wesentliche Instrumente zur Abfallvermeidung nur auf internationaler oder nationaler Ebene angestrebt werden können (z. B. Produktpolitik, Mehrwertsteuererhebung), kann auch auf regionaler und lokaler Ebene etwas unternommen werden. Verbundene Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i25) Erstellung eines lokalen Abfallvermeidungsplans mit lang- und kurzfristigen Zielen und Vorschriften zur regelmäßigen Überwachung (ja/nein). (i26) Für Abfallvermeidungsprogramme vorgesehenes Budget pro Einwohner und Jahr (EUR/Kopf/Jahr). (i27) Auf die Abfallvermeidung entfallender Anteil der Gesamtkosten für die Bewirtschaftung von festen Siedlungsabfällen (in %). (i28) Anzahl der an Vermeidungsprogrammen beteiligten Interessenträger. (b11) Die Abfallvermeidung nimmt in der Abfallbewirtschaftungsstrategie, die auch ein lokales Abfallvermeidungsprogramm mit langfristigen (d. h. 10-20 Jahre umfassenden) und kurzfristigen (d. h. 1-5 Jahre umfassenden) Abfallvermeidungszielen und Vorschriften zur regelmäßigen Überwachung beinhaltet, eine strategische Bedeutung ein. 3.2.9.   Regelungen zur Förderung der Wiederverwendung von Produkten und Vorbereitung zur Wiederverwendung von Abfällen Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht in der Förderung der Umlenkung von Produkten weg von den Abfallströmen hin zu den Wiederverwendungsströmen durch aktive Schaffung bzw. Ermöglichung von kommunalen Gebrauchtwaren- und Tauschmärkten (sofern erforderlich über Reparaturwerkstätten) oder der Sammlung entsprechender Produkte zu wohltätigen Zwecken. Darüber hinaus können Entsorgungsorganisationen bestimmte Abfallströme der Vorbereitung zur Wiederverwendung zuführen, indem sie die Einrichtung von Zentren für Wiederverwendung/Reparatur ermöglichen oder unterstützen. Die bewährte Umweltmanagementpraxis umfasst vier wesentliche Maßnahmen: — Abholung von zur Wiederverwendung geeigneten Produkten, bevor sie als Abfall eingestuft werden, sofern erforderlich, Reparatur sowie Verteilung oder Verkauf derselben an Einwohner und Organisationen, einschließlich wohltätigen Einrichtungen; — Abholung von zur Wiederverwendung geeigneten Abfällen, Reparatur zwecks Wiederverwendung sowie Verteilung oder Verkauf derselben an Einwohner und Organisationen, einschließlich wohltätigen Einrichtungen; — Begründung eines effektiven Informationsaustauschs, um für die Nachfrage nach wiederverwendbaren Gebrauchtwaren zu werben und deren Verfügbarkeit zu vermarkten; — Überwachung der Ausgabe (unabhängig von der Einstufung der Eingabe als Abfall oder Produkt) der nach Anhang IV der Richtlinie über Abfälle (2008/98/EG) akkreditierten Zentren für Reparatur und Wiederverwendung. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis gilt für alle Entsorgungsorganisationen, die sämtliche Arten wiederverwendbarer Gegenstände handhaben, insbesondere Kleidung, Möbel sowie elektrische und elektronische Geräte. Verbundene Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i29) Anzahl der Zentren für Wiederverwendung/Reparaturstellen in der Gemeinde pro 100 000 Einwohner. (i30) Anzahl oder Menge (d. h. Gewicht oder Volumen) der zwecks Wiederverwendung gesammelten Altprodukte und der der Vorbereitung zur Wiederverwendung zugeführten Abfallteile. (i31) Jährliche Anzahl der Kunden der Zentren für Wiederverwendung/Reparaturstellen in der Gemeinde. (i32) Verfügbarkeit von Tauschplätzen für Produkte/Wertstoffe zur Unterstützung der Wiederverwendung in Wertstoffhöfen (ja/nein). (b12) In Wertstoffhöfen stehen Tauschplätze für Produkte/Wertstoffe zur Unterstützung der Wiederverwendung zur Verfügung. Bewährte Umweltmanagementpraktiken für die Abfallsammlung 3.2.10.   Abfallsammelstrategie Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht in der Erarbeitung und Umsetzung einer Abfallsammelstrategie, in der Folgendes berücksichtigt wird: — die wesentlichen Merkmale der Abfallbewirtschaftungsstrategie (z. B. die Anzahl der getrennt gesammelten Fraktionen); — die in der Abfallbewirtschaftungsstrategie festgelegten Ziele (z. B. der Anteil der getrennt gesammelten Abfälle an der Gesamtmenge der gesammelten Abfälle, die Verunreinigungsquote der getrennt gesammelten Fraktionen, Einnahmen aus Wertstoffen); — die Besonderheiten des Sammelgebiets (z. B. Bevölkerungsdichte und vorherrschende Gebäudetypen); — das Umweltbewusstsein und die Umweltwahrnehmung der Einwohner; — sonstige besondere Bedingungen, die sich auf die Abfallsammlung auswirken (z. B. ein signifikantes Aufkommen von Touristen/Pendlern, besondere Wirtschaftstätigkeiten, Klima). Das Hauptziel der Abfallsammelstrategie besteht darin, möglichst zeit- und kostensparend so viele korrekt getrennte Abfälle zu sammeln wie möglich, um die daran anschließende Abfallsortierung/-behandlung zwecks maximalem Recycling zu erleichtern. In vielen Fällen lassen sich diese Ziele durch folgende Tätigkeiten erreichen: — häufige Haussammlung getrennter Lebensmittelabfälle (z. B. wöchentlich oder noch häufiger, je nach Jahreszeit und Klima); — weniger häufige Sammlung gemischter Abfälle (z. B. alle zwei Wochen); — Haussammlung von Wertstoffen (z. B. Papier, Pappe, Dosen, Kunststoff, Glas), getrennt nach Quelle, sofern möglich, ansonsten vermengt zwecks Sortierung in einer Verwertungsanlage; am häufigsten effektiv getrennt gesammelt wird Glas, gefolgt von Papier und Pappe; — ein sinnvolles Netz von Wertstoffhöfen (siehe Abschnitt 3.2.12), an denen sämtliche Abfallfraktionen aus Privathaushalten angenommen werden, die nicht per Haussammlung oder in Containern an der Straße gesammelt werden, einschließlich gefährlicher Abfälle und Biomüll. Anwendbarkeit Bei der Festlegung der Abfallsammelstrategie müssen der vorherrschende sozioökonomische Status und das Recyclingbewusstsein in dem betreffenden Sammelgebiet berücksichtigt werden. Die kostspieligsten Strategien wie z. B. die Haussammlung können sich als am rentabelsten erweisen, wenn sie uneingeschränkt funktionieren, erfordern jedoch Anfangsinvestitionen. Verbundene Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i33) Beteiligungsquote, d. h. der Anteil der Bevölkerung, der das Abfallsammelsystem nutzt (14), (in %). (i34) Anteil des von einem bestimmten Abfallsammelsystem abgedeckten lokalen Gebiets (in %). (i15) Kundenzufriedenheit (% der Einwohner, der mit der Hausmüllsammlung und insbesondere der Sammlung getrennt gesammelter Fraktionen zufrieden ist). (i35) Sperrmüllabholung auf Anforderung (ja/nein). (b13) Die Haussammlung von mindestens vier Abfallfraktionen (15) wird im gesamten Gebiet, in dem feste Siedlungsabfälle bewirtschaftet werden, durchgeführt. 3.2.11.   Interkommunale Zusammenarbeit kleinerer Gemeinden Bei kleinen und mittleren Gemeinden besteht die bewährte Umweltmanagementpraxis in einer Zusammenarbeit, die die Umsetzung von Maßnahmen ermöglicht, die für eine Gemeinde allein zu kostspielig wären, und kann zu einer besseren Umweltleistung des Abfallbewirtschaftungssystems führen. Gemeinden können sich bei der Abfallbewirtschaftung oder bei der Vergabe von Abfallbewirtschaftungsaufträgen zusammenschließen, um Skaleneffekte zu erzielen und eine kritische Masse zu bilden. Bei einer interkommunalen Zusammenarbeit wird den beteiligten Gemeinden Folgendes ermöglicht: — das Teilen der Verwaltungsausgaben, — die Senkung der Kosten pro Einheit und eine bessere Dienstleistungsqualität durch Skaleneffekte, — die Anziehung von für Projekte einer bestimmten Mindestgröße vorgesehenen Investmentfonds (z. B. EU-Strukturfonds und sonstige Investitionsmechanismen) und — die Steigerung der wirtschaftlichen Leistung durch eine koordinierte Planung bei gleichzeitig besserem Umweltschutz. Anwendbarkeit Es bestehen keine besonderen Hindernisse für eine interkommunale Zusammenarbeit bei der Abfallbewirtschaftung. Vorteile der Skaleneffekte zeigen sich jedoch nur für kleine und mittlere Gemeinden. Verbundene Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i36) Umsetzung der interkommunalen Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden (ja/nein). — 3.2.12.   Wertstoffhöfe Als wichtige Ergänzung zu einer effektiven Haussammlung der häufigsten Abfallfraktionen (an der Straßenkante) besteht die bewährte Umweltmanagementpraxis in dem Betrieb von Wertstoffhöfen (auch Containerparks, Sammelstellen, Recyclinghöfe, Abfallparks usw. genannt), bei denen Einwohner und kleine Unternehmen so viele Abfallfraktionen wie möglich zur getrennten Sammlung abgeben können. Bewährte Praktiken in Bezug auf Wertstoffhöfe sind unter anderem: — das Vorhandensein mindestens eines Wertstoffhofs in der Gemeinde oder die regelmäßige Anwesenheit eines mobilen Wertstoffhofs. — die getrennte Sammlung möglichst vieler Abfallfraktionen und die Möglichkeit der Abladung sämtlicher Haushaltsabfälle. — Schulung der Mitarbeiter der Wertstoffhöfe zur Maximierung von Recycling, Rückgewinnung und entsprechend sicherer Entsorgung. — wasserdichte gepflasterte Flächen und Auffangen von Wasserabflüssen zwecks angemessener Aufbereitung. — bürgernahe Standorte der Wertstoffhöfe (z. B. für einen Großteil der Bevölkerung ohne Auto erreichbar), auch dank mobiler/temporärer Wertstoffhöfe. — lange Öffnungszeiten für größeren Komfort der Einwohner. Diese können sich jahreszeitbedingt ändern (insbesondere in Bezug auf Grünschnitt). Anwendbarkeit Das Konzept der Wertstoffhöfe ist allgemein umsetzbar. Ob die gesammelten Abfallströme letzten Endes rezyklierbar sind, hängt auch von der Verfügbarkeit nachgelagerter Märkte ab. Verbundene Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i37) Anzahl der Wertstoffhöfe pro 100 000 Einwohner. (i38) Anzahl der in den Wertstoffhöfen gesammelten verschiedenen Abfallströme. (i32) Verfügbarkeit von Tauschplätzen für Produkte/Wertstoffe auf Wertstoffhöfen zwecks Förderung der Wiederverwendung (ja/nein). (i39) Leichte Erreichbarkeit der Wertstoffhöfe, z. B. ohne Auto (ja/nein). (b14) In Gemeinden mit mindestens 1 000 Einwohnern existiert mindestens ein Wertstoffhof oder ist regelmäßig ein mobiler Wertstoffhof präsent. (b15) In den Wertstoffhöfen werden mindestens 20 verschiedene Abfallfraktionen gesammelt. (b16) In den Wertstoffhöfen sind Tauschplätze für Produkte/Wertstoffe zwecks Förderung der Wiederverwendung vorhanden. 3.2.13.   Logistische Optimierung der Abfallsammlung Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht in der Optimierung der Logistik der Abfallsammlung durch: — die etwaige Aufstellung eines alternativen Sammelsystems zum Straßentransport, z. B. eines pneumatischen Systems in städtischen Gebieten; — Verwendung einer computergestützten Touren- und Planungstechnik zur Optimierung der Abholungen; — Sondierung der Kooperationsmöglichkeiten mit benachbarten Abfallentsorgungsorganisationen; — Vergleich des Kraftstoff-/Energieverbrauchs bzw. der CO2-Emissionen; — Berücksichtigung von einem oder mehreren Umweltmesswerten, z. B. dem kumulierten Energieaufwand bzw. den CO2-Emissionen bei den Algorithmen für die Netzerstellung und Routenoptimierung; — Einbau von Telematikgeräten in die Sammelfahrzeuge zwecks GPS-basierter Routenoptimierung in Echtzeit und Schulung der Fahrer in umweltfreundlichen Fahrweisen. Anwendbarkeit Alle an der Abfallsammlung beteiligten Organisationen können ihre Logistik in gewissem Maße optimieren (z. B. durch Planung der Standorte von Abfalleimern). Mitunter werden sie jedoch durch bestehende organisatorische Strukturen in ihrem Handeln eingeschränkt (z. B. durch laufende Verträge zur Auslagerung der Abfallsammlung). Was die Optimierung der Sammelstrategie anbelangt, so ist diese im Vergleich zur Optimierung des Recyclings sekundär. Pneumatische Abfallsammelsysteme sind für dicht besiedelte Gebiete eher geeignet und lassen sich in Neubaugebieten leichter verwirklichen als in bestehenden städtischen Gebieten. Verbundene Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i40) Kraftstoffverbrauch pro Tonne gesammelten Abfalls (16) (Liter/t). (i41) Treibhausgasemissionen pro Tonne Abfall und zurückgelegtem Kilometer (kg CO2e/tkm) — 3.2.14.   Emissionsarme Fahrzeuge Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht in der Verringerung des Kraftstoffverbrauchs und der Emissionen von Abfallsammelfahrzeugen. Zu den bevorzugten technischen Optionen gehören: — Start-Stopp- und Leerlauf-Abschaltsysteme; — Reifen mit geringem Rollwiderstand; — Hybridfahrzeuge; — Erdgas-/Biomethan-Fahrzeuge oder Zweistofffahrzeuge (Diesel/Gas); — Elektrofahrzeuge. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis ist allgemein anwendbar. Das Vorhandensein von Tankstellen bzw. Ladestationen ist bei Abfallsammelfahrzeugen weniger problematisch als bei anderen Fahrzeugtypen, da sie normalerweise nur über eine begrenzte Distanz und von einer zentralen Deponie aus betrieben werden, an der die Betankung stattfinden kann. Komprimiertes Erdgas ist in allen EU-Mitgliedstaaten erhältlich. Biomethan steht möglicherweise nicht in vielen Regionen zur Verfügung, aber für die Erzeugung von Biogas, das zu Biomethan veredelt werden kann, können organische Nassabfälle (z. B. Lebensmittelabfälle) verwendet werden. Verbundene Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i42) Durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch der Abfallsammelfahrzeuge (Liter/100 km). (i43) Anteil der Euro-6-Fahrzeuge an allen Abfallsammelfahrzeugen (in %). (i44) Anteil der Abfallsammelfahrzeuge mit Hybrid-, Elektro-, Erdgas oder Biogasantrieb (in %). (b17) Alle neu gekauften oder gemieteten Abfallsammelfahrzeuge der Entsorgungsorganisation sind Euro-6-Fahrzeuge und werden mit komprimiertem Erdgas oder Biogas betrieben oder sind Hybrid- oder Elektrofahrzeuge. Bewährte Umweltmanagementpraktiken für Regelungen zur erweiterten Herstellerverantwortung 3.2.15.   Bestmögliche Nutzung von Anreizen durch Organisationen zur Herstellerverantwortung Die bewährte Umweltmanagementpraxis für Organisationen zur erweiterten Herstellerverantwortung besteht in der Verbesserung der Leistung ihrer entsprechenden Systeme durch die Schaffung von (über die rechtlichen Auflagen hinausgehenden) Anreizen, die zu einer verstärkten getrennten Sammlung, Wiederverwendung und Verwertung der gesammelten Abfälle im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung animieren. Die von den einschlägigen Organisationen umzusetzenden Maßnahmen umfassen: — Motivation der Bevölkerung zu mehr und besserer getrennter Abfallsammlung durch innovative Kommunikationsmaßnahmen wie Wettbewerbe zwischen verschiedenen Gebieten; — enge Zusammenarbeit (in finanzieller, technischer bzw. logistischer Hinsicht) mit den öffentlichen Behörden auf regionaler/lokaler Ebene; — Zusammenarbeit mit Akteuren der Sozialwirtschaft bei der Sammlung und Wiederverwendung von Produkten; — Schaffung von Anreizen für die Hersteller, mehr nachhaltige Erzeugnisse zu produzieren (z. B. über „Gebührenanpassung“); — Vergleich der ökologischen Erfolge der verschiedenen von den Regelungen zur erweiterten Herstellerverantwortung abgedeckten Gebiete, z. B. auf der Ebene der Gebiete der öffentlichen Behörden auf regionaler/lokaler Ebene. Anwendbarkeit Welchen Einfluss eine Organisation zur Herstellerverantwortung auf das entsprechende System hat, hängt von den nationalen Gegebenheiten und der rechtlichen Zuteilung der Rollen und Aufgaben ab. Für die Anwendung einiger Anreize ist eine entsprechende Zuteilung der Mittel erforderlich. Dafür kann die Führungsstruktur der Organisation eine Rolle spielen (ob sie Eigentum oder kein Eigentum der Hersteller, gemeinnützig oder nicht ist usw.).

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.