Europäische Union

2004/270/EG: Entscheidung der Kommission vom 30. Oktober 2001 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2420 — Mitsui/CVRD/Caemi) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3363) (Text von Bedeutung für den EWR)

Amtliche Ursprungsfassung

Quellenkennung: 32004D0270. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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er Stahlproduktion im Jahr 2000 schlug sich in einem Wachstum der weltweiten Eisenerzproduktion auf mehr als 931 Mio. t und des Überseehandels von 411 Mio. t im Jahr 1999 auf 455 Mio. t im Jahr 2000 nieder. Die Preise für Eisenerz gingen 1999 infolge der Asienkrise drastisch zurück, stiegen aber 2000 und 2001 wieder an, ohne jedoch das Rekordniveau von 1998 wieder zu erreichen. (74) Die Stahlproduktion weist weltweit seit 1992 einen Aufwärtstrend auf. Dass sich die Stahlindustrie nach der Asienkrise schneller als erwartet erholte, wird an einem Vergleich der Produktionszahlen von 1999 mit denen des Jahres 2000 deutlich, als die Rohstahlproduktion mit 874 Mio. t ein neues Rekordniveau erreichte. In einer Prognose bis zum Jahr 2005 rechnet CVRD mit einem Anhalten dieses Aufwärtstrends und einem weiteren Wachstum um jährlich im Schnitt etwa 1 % auf einen Stand von 890 Mio. t im Jahr 2005. Gegliedert nach Erdteilen dürfte das größte Wachstum in absoluten Zahlen wahrscheinlich in Asien erreicht werden (+ 26 Mio. t), gefolgt von Lateinamerika (+ 7 Mio. t). In Europa soll die Nachfrage konstant bleiben. (75) Die weltweite Eisenerzproduktion dürfte diesem Trend folgen, allerdings eine geringere Wachstumsrate aufweisen, da die Verwendung von Metallschrott anstelle von Eisenerz zur Stahlerzeugung voraussichtlich stärker zunehmen wird als die Stahlerzeugung im Hochofen. Beim internationalen Eisenerzhandel hingegen wird wiederum mit einem schnelleren Wachstum gerechnet als für die Eisenerzproduktion, da das Wachstum der Stahlerzeugung sich zu einem Großteil in Ländern abspielen wird, die Eisenerz einführen. Eisenerzverbrauch in der EU (76) Wie schon erwähnt, sind die EU-Stahlerzeuger inzwischen fast zur Gänze auf Eisenerzimporte aus Übersee angewiesen. Sämtliche westeuropäischen Stahlerzeuger führen große Mengen Eisenerz aus einer Reihe von Ländern außerhalb der EU ein, und zwar vor allem aus Brasilien (dem mit Abstand größten Eisenerzlieferanten Europas), Australien, Kanada und Mauretanien. In der nachstehenden Verbrauchstabelle sind auch geringe Mengen nicht eingeführten Erzes enthalten (vor allem etwa 5 Mio. t schwedische Eisenerzproduktion, die im Inland verbraucht wird). >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Schätzung der Parteien und Zahlen von UNCTAD. Änderungen des Erzgemischs nur begrenzt möglich (77) Eisenerz ist keineswegs ein typischer Rohstoff. Seine metallurgischen Eigenschaften unterscheiden sich - wie die beteiligten Unternehmen ausführen - von Erdteil zu Erdteil ganz erheblich, und das Kaufverhalten der Abnehmer ist konservativ. Wie erwähnt wird die spezifische Eisenerznachfrage der einzelnen Abnehmer durch das von ihnen verwendete Gichtgemisch bestimmt; an ihm entscheidet sich, in welchen Proportionen und zu welcher Qualität (die wiederum ausschlaggebend ist für den geografischen Ursprung) Sinterfeinerz, Stückerz und Pellets nachgefragt werden. Da die Abnehmer in der Regel bestimmte Feinerzsorten mischen, um die gewünschte Gichtzusammensetzung zu erhalten (Eisengehalt, LOI-Gehalt, Reinheitsgrad usw.), ist auch der Anteil der verschiedenen Qualitäten (und damit der Erzeugerländer) von Feinerz von der Gicht abhängig. (78) Aus den Angaben der Parteien und den Ergebnissen einer Nachprüfung durch die Kommission geht hervor, dass die Abnehmer wenig geneigt sind, die Zusammensetzung ihrer Gicht zu ändern, und dies nur in den seltensten Fällen tun. Die Hochöfen in Europa werden auf einem hohen Produktivitätsniveau betrieben, was durch die Verwendung großer Mengen Kohlenstaub und geringer Mengen Koks erreicht wird. Diese Parameter können nur erreicht und stabil gehalten werden, wenn die Gichtzusammensetzung so konstant wie möglich bleibt. Die Notwendigkeit stabiler Betriebsbedingungen schränkt die Möglichkeiten des Rohstoffabnehmers ein, kurzfristig auf andere Rohmaterialien umzusteigen, und erklärt auch, warum Eisenerz-Bezugsverträge in der Regel über viele Jahre laufen. (79) Dieser Umstand wirkt sich in zweierlei Hinsicht aus. Zum einen wird die Freiheit der Abnehmer, zwischen Sintererz, Stückerz und Pellets zu wechseln, erheblich eingegrenzt. Zum zweiten wirkt er sich aber auch innerhalb der jeweiligen Eisenerzsorten (Stückerz, Pellets und Sintererz) aus, da auch die Möglichkeit der Abnehmer zum Umstieg auf andere Herkunftsorte und Qualitätsniveaus eingeschränkt wird. Dies hat die Nachprüfung der Kommission bestätigt. So wurde u. a. festgestellt, dass die Abnehmer die Proportionen von Sintererz, Stückerz und Pellets in der Regel nicht in nennenswertem Umfang ändern (im Schnitt um nicht mehr als 3 bis 5 %). Auch wenn einige Abnehmer eindeutig zwischen verschiedenen Qualitätsgraden bei Sintererz wechselten (z. B. von Feinerz aus Australien auf solches aus Brasilien umstiegen), konnte festgestellt werden, dass der Wettbewerb zum Großteil innerhalb der gleichen Qualitätsstufe (und daher oftmals innerhalb des gleichen geografischen Ursprungsgebiets) stattfindet. (80) Die Parteien weisen darauf hin, dass die Nachfrageflexibilität der Abnehmer zunimmt, wenn die verschiedenen Sintererzsorten direkt vor Ort im Walzwerk gemischt werden, kurz bevor das Agglomerat produziert wird. In dem Fall kann ein Bestandteil des Gemischs ausgetauscht, weggelassen oder hinzugefügt werden, sofern die chemische Zusammensetzung und das metallurgische Verhalten des Agglomerats insgesamt stabil bleiben. Die Parteien geben aber auch zu, dass die Eisenerzabnehmer dazu neigen, die Zahl der ihrem Gemisch beizufügenden Erzsorten so gering wie möglich zu halten, um Transport-, Umschlag- und Lagerkosten zu sparen. Dadurch wird die Freiheit der Abnehmer zu einem kurzfristigen Umstieg auf andere Anbieter weiter eingeschränkt. (81) Bei der Stahlerzeugung im elektrischen Lichtbogenofen können Direktreduktionseisen, Roheisen und Eisenschrott als Input verwendet werden, Direktreduktionseisen wird in einem Direktreduktionsofen aus Direktreduktionseisenerz gewonnen, das im Wesentlichen in zwei Sorten vorkommt: DR-Pellets und DR-Stückerz. Je nach Typ des verwendeten DR-Ofens ist die gegenseitige Substituierbarkeit von DR-Stückerz und DR-Pellets aus technischen Gründen eingeschränkt: Generell kann Stückerz zwar durch Pellets ersetzt werden, nicht aber Pellets durch Stückerz, da Stückerz nicht mehr als 20 bis 40 % der Gesamtgicht ausmachen kann. C. Konzentrationsgrad und Gemeinschaftsunternehmen Konzentrationsgrad in der Eisenerz- und der Stahlindustrie (82) Die Besitzverhältnisse haben sich in der Eisenerzindustrie in den vergangenen Jahren rasch gewandelt, der Besitz konzentriert sich inzwischen in den Händen einiger weniger Unternehmen. Die Kapazitäten weisen insbesondere nach der Übernahme des australischen Bergbauunternehmens North Ltd durch Rio Tinto (2000) und den Übernahmen anderer brasilianischer Bergbauunternehmen durch CVRD(24) seit 2000/2001 sogar einen noch höheren Konzentrationsgrad auf. Einer der wichtigsten Gründe für die derzeitige Konsolidierungswelle war das Bestreben, die Produktionskosten im Griff zu halten. Der Großteil des international gehandelten Eisenerzes befindet sich nunmehr in den Händen dreier Unternehmen: CVRD, Rio Tinto und BHP. Das Branchenanalyseunternehmen Roskill Informations Services Ltd stellt fest, dass dieser Konsolidierungstrend den Eisenerzabnehmern die Aushandlung von Rabatten erschwert(25). (83) Die Stahlindustrie weist einen wesentlich geringeren Konzentrationsgrad auf als die Eisenerzindustrie. Allerdings hat auch unter den europäischen Stahlunternehmen die Konsolidierung in letzter Zeit rapide Fortschritte gemacht. U. a. fusionierten 1997 Thyssen und Krupp zu Thyssen Krupp Stahl (Stahlerzeugung 1999: 16,1 Mio. t); 1999 fusionierten British Steel und die niederländische Hoogovens zu Corus (21,3 Mio. t), 1997 übernahm Arbed eine Beteiligung von 35 % an Aceralia; 1998 erwarb Usinor eine Beteiligung von 53 % bei Cockerill Sambre und dieses Jahr kündigten Arbed/Aceralia und Usinor (der dritt- und der viertgrößte Stahlerzeuger der Welt) ihre Fusion an, aus der das größte Stahlunternehmen der Welt mit einer Produktionskapazität von 46 Mio. t entstehen soll. (84) Die anmeldenden Unternehmen schätzen, dass Usinor, Arbed, Aceralia, Cockerill Sambre und ihre europäischen Tochtergesellschaften zusammen etwa 35 bis 40 Mio. t Eisenerz bzw. ungefähr 9 % der weltweiten Einfuhren aus Übersee verbraucht haben. Etwa 25 bis 27 Mio. t bzw. 6 % der Einfuhren entfallen auf Corus (einschließlich Hochofens) und jeweils 13 Mio. t bzw. 3 % auf Thyssen Krupp und den italienischen Riva-Konzern. (85) In ihrer Erwiderung vertreten die Parteien die Auffassung, dass der Konsolidierungsprozess in der Stahlindustrie noch intensiver war als von der Kommission dargestellt. In ihrer Sicht sind die japanischen Stahlunternehmen als ein Käuferblock anzusehen, so dass nach der Fusion von Usinor/Arbed/Aceralia 67 % des Übersee-Eisenerzes an die sechs größten Abnehmer verkauft würden. Die Kommission teilt diese Auffassung nicht. [...]* (Horizontale und vertikale) Gemeinschaftsunternehmen im Produktionsbereich (86) Im Eisenerzbergbau gibt es eine Reihe (horizontaler) Gemeinschaftsunternehmen insbesondere zwischen CVRD und BHP, die mit jeweils 50 % am brasilianischen Pellet-Produzenten Samarco beteiligt sind. Mitsui verfügt über eine erhebliche Minderheitsbeteiligung (33 % des Anlagevermögens) an der großen australischen Grube Robe River, an der auch Rio Tinto beteiligt ist. Darüber hinaus ist Mitsui an den von BHP kontrollierten Gruben Yandi, Goldworthy und Mount Newman mit jeweils 7 % beteiligt. (87) Daneben existieren auch mehrere (vertikale) Gemeinschaftsunternehmen von Eisenerzproduzenten und Stahlerzeugern wie Robe River, Mount Newman, Goldsworthy und Yandi. (88) Ferner verfügen einige Stahlunternehmen über unternehmenseigene Eisenerzgruben oder Minderheitsbeteiligungen an solchen in Verbindung mit langfristigen Bezugsvereinbarungen für einen Teil oder die Gesamtheit der dortigen Produktion. In jüngster Zeit ist es jedoch auch zu umgekehrten Entwicklungen gekommen, wie die Veräußerung von Ferteco durch Thyssen Krupp veranschaulicht. In ihrer Erwiderung werten die Parteien diese Veräußerung als ein Anzeichen dafür, wie wenig die Stahlunternehmen befürchten, von den Eisenerzanbietern "ausgebeutet" zu werden. Die Kommission weist dieses Argument als weit hergeholt zurück. Ein Stahlunternehmen kann aus vielerlei Gründen seine Eisenerzbeteiligungen veräußern; hierzu zählen ein etwaiger Kapitalbedarf für Investitionen im Kerngeschäft und/oder der Umstand, dass der betroffene Eisenerzproduzent nicht länger einen großen Teil des eigenen Bedarfs deckt. Außerdem können die Stahlwerke einer etwaigen "Ausbeutung" durch den Käufer entgegenwirken, indem sie entweder einen höheren Kaufpreis verlangen, der künftige Preiserwartungen widerspiegelt, oder langfristige Lieferverträge mit dem Käufer schließen. (89) In zunehmendem Ausmaß haben die Stahlunternehmen auch mit Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligungen in Pelletisieranlagen investiert. So verfügen beispielsweise Nippon Steel, Posco Pohang Iron & Steel Co. Ltd, die italienische Riva und die spanische Aceralia über erhebliche Minderheitsbeteiligungen an vier Pelletisieranlagen von CVRD. D. Eisenerzpreise: Verträge und Preisverhandlungen (90) In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Laufzeit der Lieferverträge zwischen Eisenerzproduzenten und Abnehmern verkürzt. In den meisten Fällen beträgt sie inzwischen drei bis fünf Jahre gegenüber zehn in den 70ern. Verträge mit japanischen Stahlunternehmen sind in der Regel länger als die mit europäischen Stahlerzeugern. Orientierungspreise (91) Obwohl die Verträge über mehrer Jahre abgeschlossen werden, werden die Preise jährlich neu festgesetzt; ausschlaggebend für den neuen Preis sind die Preisverhandlungen in Westeuropa und Ostasien (vor allem Japan) zu Beginn eines jeden Jahres. In diesen Verhandlungen wird ein Bezugspreis (der so genannte Orientierungspreis) für Stückerz, Sinterfeinerz und Pellets in den beiden Hauptabnehmergebieten festgesetzt. (92) Die Preisverhandlungen finden in Form einer Reihe von Treffen zwischen den großen Eisenerz- und Stahlproduzenten statt, die in der Regel zu Jahresende einsetzen und sich über mehrer Monate hinwegziehen. Verhandlungsgrundlage sind die Angebots- und Nachfrageaussichten auf dem Eisenerzmarkt, die finanzielle Lage der Eisenerzanbieter und der Stahlwerke sowie die langfristigen Bedürfnisse beider Branchen. (93) Sobald es im Zuge dieser Preisverhandlungen zur ersten Einigung zwischen einem Stahlwerk und einem Eisenerzanbieter kommt, wird der prozentuale Auf- oder Abschlag gegenüber dem Vorjahres-Frei-an-Bord-Preis (fob-Preis) für das Feinerz dieses Produzenten den übrigen Unternehmen beider Branchen zugänglich gemacht und gilt anschließend als neuer Orientierungspreis für Feinerz. Wie aus der nachstehenden Tabelle erkenntlich ist, wird die vereinbarte Preisänderung anschließend in der Regel sowohl in Ostasien als auch in Westeuropa übernommen. Preisauf- und -abschläge und verantwortliche Unternehmen in Japan und Europa >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Text-Bericht und Angaben der Parteien. (94) Wie erwähnt wird das erste, für den neuen Orientierungspreis ausschlaggebende Verhandlungsergebnis in der Regel für Feinerz erzielt, was vor allem an den niedrigeren Preisen und höheren Mengen liegt. Sobald die jährliche Preisanpassung für Feinerz vereinbart ist, werden die Preise für Stückerz und Pellets ausgehandelt. Nach Angaben der Parteien wird der Orientierungspreis für Stückerz traditionell zwischen den japanischen Stahlwerken und den australischen Anbietern ausgehandelt, der Preis für Pellets hingegen in Westeuropa. Dies liegt an der unterschiedlich starken Verwendung von Pellets und Stückerz in diesen Erdteilen. In den jüngsten Jahren erfolgten die ersten Preisabschlüsse in der Regel zwischen australischen Eisenerzanbietern und japanischen Stahlerzeugern, die zumeist auch in Europa übernommen wurden(26). (95) Die Preisverhandlungen finden in ziemlich transparenter Form statt. Die Erwartungen der Anbieter und der Abnehmer im Hinblick auf die Angebots- und Nachfrageentwicklung und folglich auf die als "fair" erachteten Preisbewegungen finden in der Presse ein umfassendes Echo; Branchenzeitschriften(27) berichten regelmäßig über die Verhandlungsfortschritte, schreiben, wer sich mit wem getroffen hat, und spekulieren über die Verhandlungen. Endpreise (96) Nach Festlegung des Orientierungs- bzw. "Bezugs-"preises setzen die Verhandlungen zwischen den Eisenerzanbietern und den Abnehmern ein, in denen die endgültigen Preise vereinbart. [...]* V. ABGRENZUNG DER SACHLICH RELEVANTEN MÄRKTE (97) Wie erwähnt, wird der Rohstoff Eisenerz fast ausschließlich an integrierte Stahlerzeuger verkauft. Für die Verwendung in Sauerstoffeinblasöfen werden drei Sorten angeboten: Sinterfeinerz, Stückerz und Pellets. (98) Jeder Stahlerzeuger verwendet eine individuelle Mischung aus Sintererz, Stückerz und Pellets zur Produktion von Roheisen im Hochofen, das dann weiter zu Stahl verarbeitet werden kann. Nach Auskunft der Parteien besteht eine typische Gicht in Westeuropa aus ungefähr 60 % Feinerz, 20 % Stückerz und 20 % Pellets, wobei die genaue Zusammensetzung von Walzwerk zu Walzwerk variiert. Während Stückerz direkt in den Hochofen eingegeben werden kann, ist Sinterfeinerz dafür zu klein und muss daher in Sinteranlagen, die fast immer von den Stahlwerken betrieben werden, zu Sinter weiterverarbeitet werden. Pellets werden aus der Weiterverarbeitung von hochfeinem Erz in Pelletisieranlagen gewonnen, die in der Regel von den Bergwerksgesellschaften betrieben werden, und können direkt in Hochöfen verwendet werden. (99) Nach Auffassung der Parteien sind alle drei Erzsorten (Feinerz, Pellets und Stückerz) unterschiedslos einem einzigen relevanten Produktmarkt zuzuordnen. Ihrer Meinung nach sind die verschiedenen Erzsorten untereinander in einem hohen Maße austauschbar, da die Nutzer sehr frei zwischen den verschiedenen Erzsorten wechseln können. Die Preise entwickeln sich generell in die gleiche Richtung, auch wenn sich ihr absolutes Preisniveau jeweils aufgrund der unterschiedlichen Verarbeitung erheblich unterscheidet. (100) Aufgrund der (fast einstimmigen) Angaben der Eisenerzabnehmer im Zuge der Marktuntersuchung der Kommission kommt diese zu dem Ergebnis, dass die drei Eisenerzsorten jeweils für sich einen eigenen Produktmarkt bilden und nur sehr begrenzt untereinander substituierbar sind. A. Substituierbarkeit auf der Nachfrageseite Technische Hindernisse für die Umstellung von einer Eisenerzsorte auf eine andere (101) Aus Nachfragesicht sind die drei Erzsorten untereinander nicht in einem erheblichen Ausmaß austauschbar. Wie erwähnt können die Hochöfen nur dann eine hohe Produktivität beibehalten, wenn die Gichteigenschaften so stabil wie möglich gehalten werden. Die Notwendigkeit stabiler Betriebsbedingungen schränkt die Freiheit des Materialabnehmers ein, kurzfristig auf anderes Eingangsmaterial umzusteigen, und erklärt auch, warum Eisenerzlieferverträge in der Regel für einen Zeitraum von mehreren Jahren geschlossen werden. (102) Nach Angaben der Parteien werden größere Veränderungen in der Regel durch betriebliche Anforderungen (Neuverziehung eines Hochofens oder Schließung einer Sinteranlage) diktiert oder kommen dann vor, wenn der Eisenerzanbieter sein bestehendes, nicht länger verfügbares Produkt durch ein neues ersetzt. Werden solche Veränderungen geplant, dann ist grundsätzlich eine längere Testphase vorgesehen. Diese beginnt mit Labor- und Pilotversuchen, an die sich mehrwöchige umfassende Tests anschließen. Durch diese praktischen Zwänge wird der Spielraum für einen kurzfristigen Umstieg auf andere Eisenerzsorten unvermeidlicherweise eingeschränkt. (103) Die Ergebnisse der Kommissionsuntersuchung bestätigen, dass die verschiedenen Eisenerzsorten nur in sehr beschränktem Ausmaß untereinander austauschbar sind. Die große Mehrheit der Stahlerzeuger hat angegeben, dass sie eine signifikante Änderung ihres Gichtgemischs für den Hochofen mit großem Widerstreben betrachten. Mehrere Abnehmer haben darüber hinaus erklärt, dass eine weiterreichende Änderung des Gemischs aus Sintererz, Stückerz und Pellets sich über mehrere Jahre hinwegziehen und in bestimmten Fällen mehrere Millionen Euro kosten könnte. Wirtschaftliche Schranken eines Umstiegs zwischen verschiedenen Erzsorten (104) Die Ergebnisse der Kommissionsuntersuchung zeigen auch, dass der Umstieg von einer Erzsorte zur anderen mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten verbunden wäre. Die Preise für die drei Produkttypen unterscheiden sich erheblich: Die cif-Preise (Kosten, Versicherung, Fracht) für Sinterfeinerz bewegen sich um die 0,37 USD/fe-dmt, die für Stückerz um 0,45 USD/fe-dmt und die für Pellets um 0,65 USD/fe-dmt(28). Das ergibt einen Preisunterschied von 22 % zwischen Sinterfeinerz und Stückerz sowie von 76 % zwischen Feinerz und Pellets. Feinerz bleibt die billigste Option, selbst wenn Stahlwerke ihre eigenen Pelletisieranlagen betreiben (was in der Regel nicht der Fall ist). Keine disziplinierende Wirkung des Feinerzpreises auf die Preise anderer Eisenerzsorten (105) Zum einen hat eine große Mehrheit der Abnehmer angegeben, dass die Möglichkeiten der Walzwerke, den Sintererzanteil am eigenen Gemisch zu Ungunsten oder zu Gunsten anderer Eisenerzsorten zu ändern, schon allein deswegen beschränkt sind, weil die Stahlerzeuger dazu neigen, möglichst viel Sinterfeinerz, die bei weitem billigste Eisenerzsorte, zu verwenden, zumal sie ihre Sinteranlagen wegen der hohen Fest- und der niedrigen Grenzkosten möglichst voll auslasten wollen. Da einer Ausweitung von Sinterkapazitäten erhebliche Hindernisse entgegenstehen, üben weder die Preise für Stückerz noch die für Pellets in nennenswertem Umfang eine disziplinierende Wirkung auf die Sintererzpreise und -nachfrage aus. (106) Auch die Preise für Sinterfeinerz wiederum wirken sich kaum disziplinierend auf die Preise von Stückerz und Pellets aus. Im Gegensatz zur Ansicht der beteiligten Unternehmen hat eine große Mehrheit der Abnehmer angegeben, dass die Walzwerke ihre Sinterkapazitäten nicht kurz- oder mittelfristig ausweiten können, da hierfür erhebliche Investitionen erforderlich sind und einer solchen Ausweitung auch umweltrechtliche Hindernisse entgegenstehen. (107) Ein Ausbau der Kapazität von Sinteranlagen ist nicht rentabel. Neue Sinteranlagen sind in Europa seit mindestens 20 Jahren nicht mehr gebaut worden; daraus kann gefolgert werden, dass der höchstmögliche Nutzungsgrad von Sinterfeinerz bereits erreicht ist und die Inbetriebnahme einer völlig neuen Anlage (deren Kapazität vermutlich nicht ausgelastet werden könnte) unwirtschaftlich wäre. Ein Ausbau der Kapazitäten von bereits vorhandenen Anlagen ist theoretisch in geringem Umfang möglich, allerdings würde der zusätzliche Ausstoß nicht ausreichen, um die Preise für die anderen Eisenerzsorten zu beeinflussen. Außerdem dürfte eine Kapazitätsausweitung wegen der extrem hohen Kosten aufgrund der erforderlichen Schließung des Hochofens und der damit einhergehenden Unterbrechung der Stahlproduktion zu teuer sein. Außerdem würden sich die Walzwerke in Europa wegen der mit der Sinterproduktion verbundenen Freisetzung toxischer Gase rechtlichen Schwierigkeiten gegenübersehen. Eine Ausweitung durch Verwendung eines schon weiterverarbeiteten und damit produktiveren Ausgangsstoffs in der Sinteranlage würde wiederum zusätzliche Kosten nach sich ziehen, die die wirtschaftlichen Vorteile des Feinerzes zunichte machen würden. Der zusätzliche Ausstoß (von ungefähr 5 %) würde ohnehin keinesfalls ausreichen, um sich auf die Preisbildung auszuwirken. (108) Im Gegensatz zu Sinterfeinerz werden darüber hinaus bestimmte Sorten Stückerz und Pellets auch für die Produktion von DRE verwendet. Nach einer Darstellung von JP Morgan und CVRD im November 2000(29) wird die Nachfrage nach Pellets wahrscheinlich künftig in beträchtlichem Ausmaß auf das erwartete Wachstum der DRE-Produktion zurückgehen. Damit werden sich die Wettbewerbsbedingungen auf dem Pellet-Markt noch weiter von denen auf dem Markt für Sinterfeinerz (das nur in Sauerstoffeinblaseöfen verwendet wird) entfernen. Keine gegenseitige Beeinflussbarkeit der Preise für Stückerz und Pellets (109) Die Ergebnisse der Kommissionsuntersuchung zeigen ferner, dass auch der Spielraum für die gegenseitige Substituierbarkeit von Stückerz und Pellets begrenzt ist. Nach Auskunft der großen Mehrheit der Abnehmer decken die Stahlwerke mit Stückerz und Pellets ihre Restnachfrage, wobei sie nach einem möglichst großen Stückerzanteil trachten, da dieses Material um 40 % billiger ist als Pellets. Die Stückerzverwendung wird jedoch durch den Umstand eingeschränkt, dass dieses "natürliche" Produkt aufgrund der schwankenden Qualität im Eisenerz-Gesamtgemisch nicht mit einem zu hohen Anteil vertreten sein darf, da die Beständigkeit der Gicht eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Produktion von Stahl guter Qualität ist. Außerdem zersetzt sich ein Teil des Stückerzes im Hochofen in Feinerz, das die erforderliche Luftdurchströmung blockiert und damit die Produktivität des Hochofens zusätzlich zu beeinträchtigen droht. (110) Auch eine Aufstockung des Pelletanteils im Verhältnis zu Stückerz ist nur in begrenztem Ausmaß möglich. Wegen des hohen Pelletpreises, das zwar die teuerste, aber auch die produktivste Erzsorte darstellt, würde vor allem die Erhöhung der Hochofenproduktion in Zeiten hoher Nachfrage einen Anreiz für die Verwendung von mehr Pellets bieten (da die höheren Stahlerzeugungskosten in diesem Fall an die Abnehmer weitergegeben werden können). Generell gelten Pellets daher als Umstiegsprodukt, allerdings mit Ausnahme jener Erdteile (wie Nordamerika), in denen sie wegen der geologischen Beschaffenheit der einheimischen Eisenerzgruben das einzige verfügbare Produkt sind. Schlussfolgerungen (111) Aus diesen Gründen kommt die Kommission

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.