Europäische Union

2013/163/EU: Durchführungsbeschluss der Kommission vom 26. März 2013 über Schlussfolgerungen zu den besten verfügbaren Techniken (BVT) gemäß der Richtlinie 2010/75/EU des Europäischen Parlaments und des Rates über Industrieemissionen in Bezug auf die Herstellung von Zement, Kalk und Magnesiumoxid (Bekanntgegeben unter Aktenzeichen C(2013) 1728) Text von Bedeutung für den EWR

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ur Minderung der NOx-Emissionen im Abgas der Ofenfeuerung ist eine Kombination folgender Maßnahmen/Techniken:   Maßnahme/Technik Anwendbarkeit a Auswahl geeigneter Brennstoffe mit einer Begrenzung ihres Stickstoffgehalts In Abhängigkeit von der Brennstoffverfügbarkeit allgemein anwendbar b Prozessoptimierung und verbesserte Feuerungstechnik In der Magnesiumoxidindustrie allgemein anwendbar Mit BVT verbundene Emissionswerte Der mit BVT verbundene Emissionswert für NOx (angegeben als NO2) im Abgas der Ofenfeuerung beträgt < 500-1 500 mg/Nm3, angegeben als Tagesmittelwert oder Mittelwert über den Stichprobenzeitraum (Einzelmessungen über mindestens eine halbe Stunde). Die höheren Werte beziehen sich auf den Hochtemperaturprozess zur Herstellung von totgebrannter Magnesia. 1.4.4.3   CO-Emissionen und CO-Trips 1.4.4.3.1   CO-Emissionen 63.   BVT zur Minderung der CO-Emissionen im Abgas der Ofenfeuerung ist die Anwendung einer Kombination folgender Maßnahmen/Techniken:   Maßnahme/Technik Beschreibung a Auswahl von Rohmaterialien mit niedrigem Organikgehalt Da CO-Emissionen teilweise durch die organischen Bestandteile der Rohmaterialien verursacht werden, können sie durch Rohstoffe mit geringem Organikgehalt gemindert werden. b Optimierung der Prozesssteuerung Eine vollständige, ordnungsgemäße Verbrennung ist Voraussetzung für die Reduzierung der CO-Emissionen. Sowohl die Luftzuführung vom Kühler, die Primärluft als auch der Zug des Kamingebläses können gesteuert werden, um einen Sauerstoffüberschuss zwischen 1 % (gesintert) und 1,5 % (kaustisch) während der Verbrennung aufrecht zu erhalten. Durch Änderung der Luft- und Brennstoffzufuhr können die CO-Emissionen gemindert werden. Auch durch Änderung der Eindringtiefe des Brenners lassen sich die CO-Emissionen reduzieren. c Kontrollierte, konstante und kontinuierliche Brennstoffzufuhr Kontrollierte Brennstoffzugabe z. B. durch: — gewichtsgesteuerte Beschicker und Präzisions-Zellenradschleusen für die Zuführung von Petrolkoks und/oder — Durchflussmesser und Präzisionsventile zur Regulierung der Zufuhr von Schweröl oder Gas zum Ofenbrenner Anwendbarkeit Die Maßnahmen/Techniken zur Minderung der CO-Emissionen sind in der Magnesiumoxidindustrie allgemein anwendbar. Inwieweit Rohmaterialien mit geringem Gehalt an organischen Stoffen ausgewählt werden können, hängt von ihrer Verfügbarkeit ab. Mit BVT verbundene Emissionswerte Der mit BVT verbundene Emissionswert für CO im Abgas der Ofenfeuerung beträgt < 50-1 000 mg/Nm3, angegeben als Tagesmittelwert oder Mittelwert über den Stichprobenzeitraum (Einzelmessungen über mindestens eine halbe Stunde). 1.4.4.3.2   Minderung von CO-Trips 64.   Bei Verwendung von Elektrofiltern ist BVT zur Minimierung der Häufigkeit von CO-Trips die Anwendung folgender Maßnahmen/Techniken:   Maßnahme/Technik a Vermeidung von CO-Trips, um die Stillstandszeiten des Elektrofilters zu reduzieren b Kontinuierliche automatische CO-Messungen mithilfe eines Überwachungssystems mit kurzer Ansprechzeit nahe an der CO-Quelle Beschreibung Da Explosionsgefahr besteht, müssen Elektrofilter bei erhöhten CO-Werten im Abgas aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden. Durch folgende Maßnahmen/Techniken werden CO-Trips vermieden und so die Ausfallzeiten des Elektrofilters reduziert: — Kontrolle des Verbrennungsprozesses, — Kontrolle des Gehalts an organischen Stoffen im Rohmaterial, — Kontrolle der Qualität der Brennstoffe und des Brennstoffzufuhrsystems. Störungen treten vor allem während der Inbetriebnahmephase auf. Für einen sicheren Betrieb muss der Gasanalysator zum Schutz des Elektrofilters in allen Betriebsphasen eingeschaltet sein. Filterausfälle lassen sich durch ein betriebsbereites Reserveüberwachungssystem reduzieren. Die Reaktionszeit des Systems zur kontinuierlichen CO-Überwachung muss optimiert werden. Das System sollte sich nahe der CO-Quelle, beispielsweise am Gasaustritt des Vorwärmerturms und bei Nassöfen am Ofeneinlauf befinden. Anwendbarkeit Bei Öfen mit Elektrofiltern allgemein anwendbar. 1.4.4.4   SOx-Emissionen 65.   BVT zur Minderung der SOx-Emissionen im Abgas der Ofenfeuerung ist die Anwendung einer Kombination der folgenden primären und sekundären Maßnahmen/Techniken:   Maßnahme/Technik Anwendbarkeit a Prozessoptimierung Allgemein anwendbar b Auswahl von Brennstoffen mit geringem Schwefelgehalt Allgemein anwendbar je nach Verfügbarkeit von Brennstoffen mit geringem Schwefelgehalt, die von der Energiepolitik des jeweiligen Mitgliedstaates beeinflusst sein kann. Die Brennstoffauswahl hängt auch von der angestrebten Qualität des Endprodukts, den technischen Möglichkeiten und wirtschaftlichen Erwägungen ab. c Absorptionstechnik (Zugabe von Absorbentien in den Abgasstrom, z. B. reaktive MgO-Sorten, gelöschter Kalk, Aktivkohle) in Kombination mit einem Filter (38) Allgemein anwendbar d Nassabscheider (38) In trockenen Gegenden können der Anwendbarkeit durch den hohen Wasserbedarf und die notwendige Abwasseraufbereitung sowie die damit verbundenen medienübergreifenden Effekte Grenzen gesetzt sein. Mit BVT verbundene Emissionswerte Siehe Tabelle 15. Tabelle 15 Mit BVT verbundene Emissionswerte für SOx im Abgas der Ofenfeuerung in der Magnesiumoxidindustrie Parameter Einheit Mit BVT verbundener Emissionswert (39)  (40) (Tagesmittelwert oder Mittelwert über den Stichprobenzeitraum (Einzelmessungen über mindestens eine halbe Stunde)) SOx, angegeben als SO2 mg/Nm3 < 50 – 400 (41) 1.4.5   Prozessrückstände/Abfälle 66.   BVT zur Minderung/Minimierung von Prozessrückständen/Abfällen ist die Wiederverwendung von verschiedenen Arten erfasster Magnesiumkarbonatstäube im Prozess. Anwendbarkeit In Abhängigkeit von der chemischen Zusammensetzung der Stäube allgemein anwendbar. 67.   BVT zur Minderung/Minimierung von Prozessrückständen/Abfällen ist die Verwendung von verschiedenen Arten erfasster Magnesiumkarbonatstäube zur Herstellung anderer Handelsprodukte, soweit sie nicht wiederverwendet werden können. Anwendbarkeit Auf die Entscheidung, ob Magnesiumkarbonatstaub zur Herstellung anderer Handelsprodukte verwendet werden soll, hat der Betreiber möglicherweise keinen Einfluss. 68.   BVT zur Minderung/Minimierung von Prozessrückständen/Abfällen ist die Wiederverwendung von Schlämmen aus der nassen Abgasentschwefelung im Prozess oder in anderen Sektoren. Anwendbarkeit Auf die Entscheidung, inwieweit Schlämme aus der nassen Abgasentschwefelung in anderen Sektoren verwendet werden sollen, hat der Betreiber möglicherweise keinen Einfluss. 1.4.6   Verwendung von Abfällen als Brennstoff und/oder Rohmaterial 69.   BVT zur Gewährleistung der Eigenschaften von Abfällen, die als Roh- und/oder Brennstoff in Magnesiumoxidöfen eingesetzt werden sollen, ist die Anwendung folgender Maßnahmen/Techniken:   Maßnahme/Technik a Auswahl von für den Prozess und den Brenner geeigneten Abfällen b Anwendung von Qualitätssicherungssystemen, um die Eigenschaften der Abfälle zu gewährleisten und zu kontrollieren und alle als Brennstoff vorgesehenen Abfälle auf folgende Kriterien hin zu prüfen: I. Verfügbarkeit; II. konstante Qualität; III. physikalische Eigenschaften wie Emissionsverhalten, Korngröße, Reaktivität, Brennbarkeit und Heizwert; IV. chemische Eigenschaften wie Chlor-, Schwefel-, Alkali- und Phosphatgehalt sowie Gehalt an relevanten Metallen (z. B. Gesamtgehalt an Chrom, Blei, Cadmium, Quecksilber, Thallium). c Kontrolle der Höhe relevanter Parameter für alle als Brennstoff vorgesehenen Abfälle, z. B. des Gehalts an Halogenen (gesamt), Metallen (z. B. Gesamtgehalt an Chrom, Blei, Cadmium, Quecksilber, Thallium) und Schwefel Anwendbarkeit Abfälle können in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit, dem Ofentyp, den gewünschten Produkteigenschaften und den technischen Möglichkeiten für die Brennstoffzufuhr in den Ofen als Brennstoffe und/oder Rohmaterialien in der Magnesiumoxidindustrie verwendet werden (obwohl dies im Jahr 2007 noch nicht der Fall war). BESCHREIBUNG DER MASSNAHMEN/TECHNIKEN 1.5   Beschreibung der Maßnahmen/Techniken für die Zementindustrie 1.5.1   Staubemissionen   Maßnahme/Technik Beschreibung a Elektrofilter Elektrofilter erzeugen ein elektrisches Feld über den Pfad der Staubpartikel im Luftstrom. Die Partikel werden negativ geladen und bewegen sich zu den positiv geladenen Niederschlagselektroden. Die Niederschlagselektroden werden periodisch abgeklopft oder vibrieren, um das abgeschiedene Material zu lösen, so dass es in die darunter befindlichen Sammeltrichter fällt. Um ein erneutes Mitreißen von bereits abgeschiedenem Staub und damit das Risiko der Bildung einer sichtbaren Abgasfahne so gering wie möglich zu halten, ist es wichtig, die Klopfzyklen des Elektrofilters zu optimieren. Elektrofilter zeichnen sich durch ihre Fähigkeit aus, bei hohen Temperaturen (bis etwa 400 °C) und hoher Feuchtigkeit zu arbeiten. Der wesentliche Nachteil dieser Technik/Maßnahme ist die abnehmende Wirksamkeit bei Ausbildung einer isolierenden Schicht durch Ansammlung von Stoffen, die bei hohen Chlor- und Schwefeleinträgen gebildet werden. Für eine insgesamt hohe Wirksamkeit eines Elektrofilters ist es erforderlich, CO-bedingte Abschaltungen (CO-Trips) zu vermeiden. Für Elektrofilter gibt es keine Anwendungsbeschränkungen hinsichtlich der in der Zementindustrie eingesetzten Prozessvarianten. Dennoch werden Elektrofilter wegen der Investitionskosten und ihrer beschränkten Wirksamkeit bei An- und Abfahrvorgängen (relativ hohe Emissionen) nicht sehr häufig für die Entstaubung von Zementmühlen eingesetzt. b Gewebefilter Gewebefilter sind wirksame Staubabscheider. Das Grundprinzip der Filtration mit einem Gewebefilter ist die Verwendung einer Gewebemembran, die gasdurchlässig ist, aber Staubpartikel zurückhält. Grundsätzlich wird das Filtermedium immer geometrisch angeordnet. Anfangs scheidet sich der Staub sowohl auf der Oberfläche als auch in der Tiefe des Gewebes ab, aber sobald sich auf der Oberfläche eine Schicht gebildet hat, werden die Staubpartikel selbst zum dominierenden Filtermedium. Das Abgas kann von der Innenseite der Filterschläuche nach außen oder umgekehrt strömen. Da sich der Filterkuchen verdickt, nimmt der Strömungswiderstand fürden Gasstrom zu. Daher ist eine periodische Abreinigung des Filtermediums erforderlich, um den Druckverlust über den Filter zu begrenzen. Der Gewebefilter sollte mehrere Kammern haben, die im Falle eines Filterdurchbruchs voneinander getrennt werden können. Es sollten genügend Kammern vorhanden sein, um eine ausreichende Reinigungsleistung aufrecht erhalten zu können, falls eine Kammer außer Betrieb genommen wird. Jede Kammer sollte mit Detektoren für Filterdurchbrüche ausgestattet sein, die gegebenenfalls den Wartungsbedarf anzeigen. Filterschläuche sind als gewebte und nicht gewebte Gewebe erhältlich. Moderne synthetische Gewebe können bei hohen Temperaturen bis 280 °C arbeiten. Das Leistungsvermögen von Gewebefiltern wird durch verschiedene Parameter beeinflusst, z. B. die Verträglichkeit des Filtermediums mit den Eigenschaften des Abgases und des Staubes, seinen Eigenschaften hinsichtlich thermischer, physikalischer und chemischer Beständigkeit, z. B. gegenüber Hydrolyse, Säuren, Alkalien, Oxidation und der Prozesstemperatur. Feuchtegehalt und Temperatur der Abgase sind bei der Auswahl der Maßnahme/Technik zu berücksichtigen. c Hybridfilter Hybridfilter sind eine Kombination von Elektrofilter und Gewebefilter in demselben Gehäuse. Sie resultieren üblicherweise aus dem Umbau vorhandener Elektrofilter. So ermöglichen sie die partielle Wiederverwendung der alten Anlage. 1.5.2   NOx-Emissionen   Maßnahme/Technik Beschreibung a Primärmaßnahmen/-techniken   I. Flammenkühlung Die Zugabe von Wasser zum Brennstoff oder direkt in die Flamme durch Einsatz verschiedener Eindüsungsverfahren, z. B. die Eindüsung eines Fluids (Flüssigkeit) oder zweier Fluide (Flüssigkeit und Druckluft oder Feststoffe) oder die Verwendung von flüssigen/festen Abfällen mit einem hohen Wassergehalt, reduziert die Temperatur und steigert die Konzentration von Hydroxylradikalen. Dies kann einen positiven Effekt auf die NOx-Minderung in der Brennzone haben. II. NOx-arme Brenner Die Bauformen von NOx-armen Brennern (indirekte Feuerung) variieren im Detail, wesentlich ist aber, dass Brennstoff und Luft über konzentrische Rohre in den Ofen eingeblasen werden. Der Primärluftanteil wird auf etwa 6-10 % dessen reduziert, was für die stöchiometrische Verbrennung erforderlich ist (bei konventionellen Brennern sind 10-15 % üblich). Die Axialluft wird mit hohem Moment durch den äußeren Kanal eingeblasen. Die Kohle kann durch das Zentralrohr oder den mittleren Kanal verblasen werden. Ein dritter Kanal wird für Verwirbelungsluft verwendet, wobei die Verwirbelung durch Schaufeln an oder hinter der Auslassöffnung des Brennrohrs erzeugt wird. Der wesentliche Effekt dieser Brennerart ist die sehr frühe Zündung vor allem der flüchtigen Verbindungen im Brennstoff in einer sauerstoffarmen Atmosphäre, was tendenziell die Bildung von NOx vermindert. Allerdings führt der Einsatz von NOx-armen Brennern nicht immer zu einer Minderung der NOx-Emissionen. Die Konfiguration des Brenners muss optimiert werden. III. Feuerung in der Ofenmitte (engl. Mid-kiln firing) In langen Nass- und langen Trockenöfen kann die Erzeugung einer reduzierenden Zone durch Zufeuerung von stückigen Brennstoffen die NOx-Emissionen herabsenken. Da ein Temperaturbereich von etwa 900-1 000  °C bei langen Öfen üblicherweise nicht zugänglich ist, wurden bei einigen Anlagen Systeme zur Feuerung in der Ofenmitte installiert, die die Verwendung von Sekundärbrennstoffen ermöglichen, die nicht den Hauptbrenner passieren können (z. B. Reifen). Die Feuerungsrate der Brennstoffe kann von entscheidender Bedeutung sein. Wenn sie zu niedrig ist, können reduzierende Bedingungen in der Brennzone entstehen, was die Produktqualität ernsthaft beeinträchtigen kann. Wenn sie zu hoch ist, kann der Ofenabschnitt mit den Ketten überhitzt werden, was dazu führt, dass die Ketten durchbrennen. Der Temperaturbereich unterhalb von 1 100  °C schließt den Einsatz von gefährlichem Absatz mit einem Chorgehalt von mehr als 1 % aus. IV. Zugabe von Mineralisatoren für bessere Brennbarkeit des Rohmehls (mineralisierter Klinker) Die Zugabe von Mineralisatoren, z. B. Fluor, zum Rohmaterial ist ein Verfahren, um die Klinkerqualität einzustellen, und erlaubt die Herabsetzung der Temperatur in der Sinterzone. Durch das Absenken der Brenntemperatur wird auch die NOx-Bildung vermindert. V. Prozessoptimierung Zur Minderung der NOx-Emissionen kann die Prozessführung optimiert werden, z. B. durch Vergleichmäßigung und Optimierung der Ofenführung und der Brennbedingungen, durch Optimierung der Ofensteuerung und/oder Vergleichmäßigung der Brennstoffzuführung. Übliche primäre Optimierungsmaßnahmen /-techniken sind Maßnahmen/Techniken zur Prozesssteuerung, eine verbesserte Technik zur indirekten Feuerung, eine Optimierung der Kühleranbindung, der Brennstoffauswahl und der Sauerstoffgehalte. b Gestufte Verbrennung (mit konventionellen oder Sekundärbrennstoffen), auch in Kombination mit Vorkalzinator und optimiertem Brennstoffmix Die gestufte Verbrennung wird in Zementöfen mit einem besonders konstruierten Vorkalzinator eingesetzt. Die erste Verbrennungsstufe läuft im Drehrohrofen unter optimalen Bedingungen für den Klinkerbrennprozess ab. Die zweite Verbrennungsstufe besteht aus einem Brenner am Ofeneinlauf, der eine reduzierende Atmosphäre erzeugt, die einen Teil der Stickstoffoxide, die in der Sinterzone gebildet wurden, zerlegt. Die hohe Temperatur in dieser Zone ist besonders günstig für die Reaktion der Rückverwandlung des NOx in elementaren Stickstoff. In der dritten Verbrennungsstufe wird der kalzinierende Brennstoff mit einem Teil der Tertiärluft in den Kalzinator eingeleitet, so dass auch dort eine reduzierende Atmosphäre erzeugt wird. Dieses Verfahren reduziert die Bildung von NOx aus dem Brennstoff und senkt auch das NOx, das aus dem Ofen austritt. In der vierten und letzten Verbrennungsstufe wird die restliche Tertiärluft als „Oberluft“ für die Vervollständigung des Ausbrandes in das System eingeleitet. c Selektive nichtkatalytische Reduktion (SNCR) Bei der selektiven nichtkatalytischen Reduktion (SNCR) werden Ammoniakwasser (NH3-Gehalt bis zu 25 %), Ammoniakvorläuferverbindungen oder Harnstofflösung in das Verbrennungsgas eingedüst, um NO zu N2 zu reduzieren. Die Ausbeute der Reaktion ist optimal in einem Temperaturfenster von etwa 830 bis 1 050  °C. Dabei muss dem eingedüsten Stoff eine ausreichend lange Verweilzeit zur Verfügung stehen, um mit dem NO reagieren zu können. d Selektive katalytische Reduktion (SCR) Bei der SCR werden NO und NO2 mit Hilfe von NH3 und einem Katalysator in einem Temperaturbereich von etwa 300-400 °C zu N2 reduziert. Diese Technik zur NOx-Minderung ist in anderen Industrien (kohlegefeuerte Kraftwerke, Müllverbrennungsanlagen) weit verbreitet. Für die Zementindustrie kommen grundsätzlich zwei Verfahrensvarianten in Betracht: die Low-Dust-Konfiguration zwischen Entstaubungseinrichtung und Kamin oder die High-Dust-Konfiguration zwischen dem Vorwärmer und der Entstaubungseinrichtung. Bei Low-Dust-Anlagen ist ein Wiederaufheizen des Abgases nach der Entstaubung erforderlich, was zusätzliche Energiekosten und Druckverluste verursachen kann. Aus technischen und ökonomischen Gründen werden High-Dust-Anlagen als vorteilhaft angesehen. Bei diesen Anlagen ist kein Aufheizen erforderlich, weil die Abgastemperatur am Austritt des Vorwärmersystems normalerweise im richtigen Temperaturbereich für den SCR-Betrieb liegt. 1.5.3   SOx-Emissionen   Maßnahme/Technik Beschreibung a Zugabe von Absorptionsmitteln Absorptionsmittel werden entweder zum Rohmaterial zugegeben (z. B. Löschkalk) oder in den Gasstrom eingedüst (z. B. Hydrat- oder Löschkalk (Ca(OH)2), Branntkalk (CaO), aktivierte Flugasche mit einem hohen CaO-Gehalt oder Natriumbicarbonat (NaHCO3)). Kalkhydrat kann zusammen mit den Rohmaterialkomponenten in die Rohmühle dosiert oder direkt am Ofeneinlauf zuzugeben werden. Die Kalkhydratzugabe bietet den Vorteil, dass das kalziumhaltige Additiv Reaktionsprodukte bildet, die direkt im Klinkerbrennprozess eingebunden werden können. Die Absorptionsmitteleindüsung in den Gasstrom kann in trockener oder nasser Form (Semi-Nasswäsche) angewandt werden. Das Absorptionsmittel wird bei Temperaturen nahe am Taupunkt des Wassers in den Abgaspfad eingeblasen, was zu günstigeren Bedingungen für die SO2-Zurückhaltung führt. In Zementofensystemen liegt dieser Temperaturbereich im Bereich zwischen der Rohmühle und dem Staubabscheider vor. b Nasswäscher Der Nasswäscher ist die am häufigsten eingesetzte Technik für die Rauchgasentschwefelung in kohlebefeuerten Kraftwerken. Auch für die Zementherstellung ist das Nassverfahren zur Minderung der SO2-Emissionen eine bewährte Technik. Die Nasswäsche beruht auf der folgenden chemischen Reaktion: Das SOx wird durch eine Flüssigkeit/Suspension, die in einem Sprühturm versprüht wird, absorbiert. Als Absorptionsmittel dient Calciumcarbonat. Nassverfahren bieten von allen Rauchgasentschwefelungsverfahren (REA) die höchsten Abscheideleistungen für lösliche saure Gase bei vergleichsweise minimaler stöchiometrischer Dosierung und dem geringsten Abfallaufkommen. Es wird aber ziemlich viel Wasser benötigt, das anschließend wiederaufbereitet werden muss. 1.6   Beschreibung der Maßnahmen/Techniken für die Kalkindustrie 1.6.1   Staubemissionen   Maßnahme/Technik Beschreibung a Elektrofilter Zur allgemeinen Beschreibung von Elektrofiltern siehe Abschnitt 1.5.1. Elektrofilter sind für den Einsatz bei Temperaturen oberhalb des Taupunkts und bis zu 400 °C geeignet. Es ist sogar möglich, Elektrofilter nahe bei oder unterhalb des Taupunkts einzusetzen. Wegen der hohen Volumenströme und relativ hohen Staubbelastungen werden hauptsächlich Drehrohröfen ohne Vorwärmer, aber auch Drehrohröfen mit Vorwärmer mit Elektrofiltern ausgestattet. Bei Kombination mit einer Quenche kann eine hervorragende Minderungsleistung erreicht werden. b Gewebefilter Zur allgemeinen Beschreibung von Gewebefiltern siehe Abschnitt 1.5.1. Gewebefilter sind für Öfen, Mahl- und Zerkleinerungsanlagen für Branntkalk und Kalkstein, für Hydratationsanlagen, Materialtransport sowie Lagerungs- und Verladeeinrichtungen gut geeignet. Oft ist eine Kombination mit Zyklonvorabscheidern sinnvoll. Die Verwendung von Gewebefiltern wird durch Abgasbedingungen wie Temperatur, Feuchtigkeit, Staubfracht und chemische Zusammensetzung eingeschränkt. Es sind vielfältige Gewebematerialien verfügbar, die dem mechanischen, thermischen und chemischen Verschleiß widerstehen, um diesen Bedingungen gerecht zu werden. c Nassabscheider Bei Nassabscheidern wird der Staub dadurch aus dem Abgasstrom entfernt, dass der Gasstrom in engen Kontakt mit einer Waschflüssigkeit (üblicherweise Wasser) gebracht wird, so dass die Staubpartikel in der Flüssigkeit zurückgehalten und weggespült werden können. Es gibt zahlreiche verschiedene Arten von Nassabscheidern, die zur Entstaubung nutzbar sind. Die wichtigsten Typen, die bei Kalköfen eingesetzt wurden, sind mehrstufige / Mehrfachkaskadenwäscher, dynamische Wäscher und Venturiwäscher. Die Mehrzahl der bei Kalköfen eingesetzten Nasswäscher sind mehrstufige / Mehrfachkaskadenwäscher. Nasswäscher werden gewählt, wenn die Abgastemperatur nahe dem Taupunkt oder darunter liegt. Sie stehen auch zur Wahl, wenn der verfügbare Platz begrenzt ist. Nasswäscher werden gelegentlich bei Gasen mit höherer Temperatur betrieben; in dem Fall kühlt das Wasser die Gase ab und vermindert so deren Volumen. d Zentrifugal-/Zyklonabscheider Bei einem Zentrifugal-/Zyklonabscheider werden die aus dem Abgasstrom abzuscheidenden Staubpartikel durch einen Zentrifugalvorgang zur Außenwand des Abscheiders befördert und dann durch eine Öffnung am Boden abgeführt. Die Zentrifugalkräfte können durch die Ausrichtung des Gasstroms als eine Spiralbewegung zum Boden des zylindrischen Behältnis (Zyklonabscheider) oder durch einen in die Einheit eingebauten Propeller (mechanischer Zentrifugalabscheider) erzeugt werden. Allerdings sind diese Abscheider wegen der begrenzten Entstaubungsleistung nur als Vorabscheider geeignet. Sie entlasten Elektrofilter und Gewebefilter von hohen Staubfrachten und vermindern so deren Verschleiß. 1.6.2   NOx-Emissionen   Maßnahme/Technik Beschreibung a Brennergestaltung (Low-NOx-Brenner) Diese Brenner dienen dazu, die Flammentemperatur herabzusetzen und so thermisches und (in beschränktem Maße) brennstoffbedingtes NOx zu mindern. Die NOx-Minderung wird durch die Zuführung von Spülluft zur Herabsetzung der Flammentemperatur oder einen gepulsten Betrieb des Brenners erreicht. Low-NOx-Brenner dienen dazu, den Primärluftanteil zu mindern, was zu einer Minderung der NOx-Bildung führt, wobei übliche Mehrkanalbrenner mit einem Primärluftanteil von 10 bis 18 % der gesamten Verbrennungsluft betrieben werden. Ein höherer Anteil der Primärluft führt durch die frühe Vermischung von heißer Sekundärluft mit dem Brennstoff zu einer kurzen und intensiven Flamme. Dies führt zu hohen Flammentemperaturen und zu einer starken NOx-Bildung, die durch Low-NOx-Brenner vermieden werden kann. b Gestufte Verbrennung Es wird eine reduzierende Zone erzeugt, indem die Sauerstoffzufuhr in der primären Reaktionszone vermindert wird. Für die Reaktion der Rückverwandlung von NOx in elementaren Stickstoff sind insbesondere hohe Temperaturen in dieser Zone vorteilhaft. In späteren Verbrennungszonen wird die Luft- und Sauerstoffzufuhr wieder

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.