Europäische Union

2003/2/EG: Entscheidung der Kommission vom 22. November 2001 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag und Artikel 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/E-1/37.512 — Vitamine) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3695) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Quellenkennung: 32003D0002. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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a für [1996] alle Unternehmen auffordern würde, bis Ende Oktober/Anfang November ein Angebot abzugeben, und Anfang Dezember würden in Puerto Rico Gespräche zwischen Coca Cola und den einzelnen Unternehmen stattfinden (...). Ferner stellte R fest, dass das Gesamtabsatzvolumen in diesem Jahr aufgrund einer rückläufigen Nachfrage in Europa und in den USA geringer ausfallen würde als in den Vorjahren. (...) Unser Unternehmen [Takeda] erklärte, dass wir im Jahr 1996 die Position beibehalten sollten, dass die japanischen und US-amerikanischen Firmen die wichtigsten Lieferanten sind und wir das Preisniveau von 1995 halten wollen, obgleich derzeit eine Preisanhebung kaum durchzusetzen ist. Alle Länder vereinbarten, dass sie einen höheren Preis anbieten werden." [Originalzitat Englisch] 1.4.7.7. Pfizer-Vertrag (412) Ferner erörterte das Kartell die Lieferverträge von Roche mit dem Pharmazieunternehmen Pfizer. Dieser Vertrag wurde alle zwei Jahre erneuert. Aus Takedas Bericht über die Beratungen des Unternehmens mit Roche im Februar 1993 geht Folgendes hervor: "1. Lieferung an Pfizer stoppen R liefert etwa 2000 Tonnen an Pfizer. Es ist jedoch nicht in der Lage, den Preis ordentlich zu kontrollieren, so dass die Lieferungen in diesem Geschäftsjahr eingestellt werden. R möchte, dass Takeda Pfizer nicht beliefert, wenn Pfizer in dieser Angelegenheit an Takeda herantritt. Wir werden Tokio in Kenntnis setzen, und T wird Pfizer ebenfalls nicht beliefern." [Originalzitat Englisch] (413) Es hat den Anschein, dass es für Takeda wichtig wurde, dass Roche die Lieferungen an Pfizer einstellt oder zumindest die Liefermengen drastisch reduziert. In dem detaillierten Protokoll von Takeda über die bilaterale Zusammenkunft am 10. November 1993 in Japan werden die Gespräche zu diesem Punkt wie folgt dargestellt: "(4) Liefervertrag zwischen Pfizer und R R hatte T mitgeteilt, dass der derzeitige Vertrag Ende 1993 ausläuft. Diesmal hat das Unternehmen jedoch erklärt, dass der Vertrag nächstes Jahr, d. h. Ende 1994, ausläuft. Als wir diese Diskrepanz hinterfragten, lautete die Antwort, dass der Vertrag alle 2 Jahre erneuert werde und die Laufzeit des Vertrages 1994 ende. Das Unternehmen erwähnte zwar, dass die Lieferungen seit 1993 rückläufig seien, doch blieb die Frage nach der Liefermenge und dem Umfang des Lieferrückgangs in Tonnen unbeantwortet. Bei den Lieferregionen konnte es ferner die regionalen Lieferungen nicht prüfen, da Pfizer ganz Europa beliefert und die einzige Dokumentation über den Vertrieb in den Berichten Pfizers enthalten ist." [Originalzitat Englisch] (414) Roche berichtete später, dass der Vertrag nach seinem Ablaufen im Dezember 1994 nicht wieder erneuert würde. Roche bat die anderen Hersteller, keine Lieferungen vorzunehmen; BASF und Takeda bestätigten, dass Pfizer nicht an sie herangetreten ist. 1.4.7.8. Zusammenkünfte des Kartells (415) Wie bei den anderen Vitaminen wurden Quartalsberatungen mit dem Ziel der Umsetzung der Kartellvereinbarungen abgehalten. Im Zeitraum von 1991 bis Mai 1993 fanden die Treffen normalerweise in Basel statt. Während dieses Zeitraums nahmen Roche, BASF und Merck an diesen Beratungen teil. (Takeda weigerte sich, an den multilateralen Zusammenkünften des Kartells mit der BASF und Merck teilzunehmen, traf aber zu "Eins-zu-Eins"-Gesprächen mit Roche zusammen.) (416) Diese Quartalsberatungen, auf denen Roche für Takeda sprach, hatten folgende Probleme zum Inhalt: - Überwachung der Vereinbarung, - Aktualisierung, um eine Abstimmung zwischen Ist-Werten und Zielvorgaben vorzunehmen, - Absprachen zu Preisen und Marktanteilen. (417) Die teilnehmenden Produzenten (und Takeda) teilten Roche ihre Verkaufszahlen mit, das wiederum die Gesamtergebnisse pro Unternehmen an die Gruppe weiterleitete. (418) Die Vertreter von Roche trafen sich normalerweise separat mit Takeda. Diese Beratungen fanden entweder in Tokio oder in Basel statt. Manchmal ging es bei den bilateralen Treffen zwischen Roche und Takeda um das von beiden hergestellte Vitaminsortiment (Vitamin B1, B2, B6, C und Folsäure); andere Beratungen des Kartells beschäftigten sich nur mit dem Thema Vitamin C. (419) In der Tat lud Roche Takeda am 13. April 1992 zur Teilnahme an den europäischen Quartalsberatungen unter Beteiligung von Roche selbst, der BASF und Merck ein. Takeda hatte die Einladung jedoch "due to our company policy" [aufgrund unserer Firmenpolitik] abgelehnt. "Sollte es jedoch ein wichtiges Thema geben, wie beispielsweise einen Absatzzuteilungsplan, werden wir versuchsweise an der Beratung teilnehmen. Selbstverständlich setzen wir die Gespräche mit R wie derzeit fort." [Originalzitat Englisch]. Ab Mai 1993 nahm Takeda an den multilateralen Treffen teil. 1.4.7.9. Arbeitsweise des Kartells im Zeitraum 1991-1995 (420) Die erste bilaterale Zusammenkunft zwischen Roche und Takeda, über die eine detaillierte Aufzeichnung vorliegt, fand am 15./16. Mai 1991 statt. Die Vertreter von Takeda trafen sich mit dem bei Roche für Vitamin C zuständigen Leiter, den beiden Produktmanagern und den für die einzelnen europäischen Regionen zuständigen Gebietsleitern. (421) Anliegen der Beratung war "die Diskussion (...) der Ergebnisse, die aufgrund der Preiserhöhung im März und April erzielt worden waren, sowie die Bestimmung des Mindestpreises für das dritte Quartal, das vierte Quartal '91 und das erste Quartal '92 nach Ländern mit (den) vier Gebietsmanagern unter Berücksichtigung von Bedarf und Anteil der Großkunden." [Originalzitat Englisch] (Takeda hatte eine Preiserhöhung mit Wirkung vom 1. März bekannt gegeben.) (422) Takeda fasst die Ergebnisse der Zusammenkunft wie folgt zusammen: "Wir haben die Hauptkunden anhand der Ergebnisse von '90 und auf der Grundlage des Plans '91 mit den noch zu den alten Preisen bestehenden Ausnahmeverträgen, die vor dem 1. März 1991 festgelegt wurden, bestätigt." [Originalzitat Englisch] (423) Der Mindestpreis für das dritte Quartal wurde vereinbart, jedoch akzeptierte Takeda in dieser Phase nicht den Vorschlag von Roche, die europäischen Verkaufsquoten für 1991 auf Basis der einzelnen Länder festzulegen. (424) Das Treffen war von Roche einberufen worden. Das Unternehmen erklärte, dass das derzeitige Preisniveau von 20,50 DEM zu niedrig sei und man schon in den vergangenen 4 bis 5 Jahren versucht habe, das Preisniveau zu erhöhen. Die BASF folge auf lokaler Ebene nicht immer der Preisgestaltung von Roche (so das Unternehmen); die oberste Geschäftsleitung der BASF hatte Roche jedoch zugesagt, dass sie (Roche), wenn sie feststellen, dass die Preise von BASF den Markt stören, die Führungsspitze der BASF informieren können, die dann ihrerseits "(would) change the local organization" [die Organisation auf lokaler Ebene verändern würden]. (425) Takeda beschwerte sich darüber, dass das Unternehmen wohl das für Europa verbindliche neue Preisniveau mit Wirkung vom 1. März bekannt gemacht hatte, ihm aber Absatzvolumen an Roche und BASF verloren gegangen sei, da diese unter dem vereinbarten Preis verkauft hätten. Wenn Takeda keinen Beweis dafür erhielte, dass die europäischen Hersteller im Mai und Juni seinem Preis folgten, würde es gegen die europäischen Hersteller "vorgehen". Roche versuchte, die Situation zu entschärfen, indem das Unternehmen erklärte, dass seit 1. März keine neuen Aufträge unter dem neuen Preisniveau entgegengenommen worden seien, es jedoch noch unerledigte Verträge zum alten Preis gebe. (426) Bis ins kleinste Detail werden die Gespräche mit den Gebietsleitungen von Roche für jedes Land beschrieben. Es wird eine Einschätzung der Gesamtnachfrage für 1991 und ein Austausch der im Vorjahr (1990) erreichten Ist-Werte vorgenommen. Ferner werden die Hauptkunden des jeweiligen Markts bestimmt und zugeteilt, die mit ihnen getroffenen vertraglichen Vereinbarungen werden individuell besprochen und Informationen über genaue Bedarfsangaben in Tonnen sowie die angebotenen bzw. anzubietenden Preise ausgetauscht. In einigen Fällen wird eine ganz spezifische Vereinbarung über die Aufteilung ihrer Aufträge bzw. die Erhöhung des Preises getroffen. Für jeden nationalen Markt wird für das Jahr 1991 ein "Absatzplan" vereinbart. (427) Aus Takedas Bericht über die Reaktion des Unternehmens auf den Vorschlag von Roche, Absatzquoten für jeden nationalen Markt festzusetzen, ist die ambivalente Haltung von Takeda zu den Wettbewerbsregeln und den Kartellgesetzen ersichtlich: "Seiner [Gebietsleiter von Roche für Westeuropa] Meinung nach reicht es nicht aus, die Zahlen für die Hauptkunden auszutauschen, sondern sie (...) müssen zur Durchsetzung unserer Strategie auch Land für Land festgesetzt werden. Nicht nur Herr [...], sondern auch die Leute von Basel haben uns nachdrücklich gebeten, die Zahlen nach Ländern festzusetzen. Wir haben ihren Vorschlag aufgrund rechtlicher Gesichtspunkte (sic) abgelehnt, aber sie werden ihn auf der nächsten Beratung am 23. Mai 1991 wieder unterbreiten." (428) Der Bericht von Takeda endet mit einer Auflistung der Mindestpreise, die in jeder nationalen Währung mit Wirkung ab 1. März, 1. Juli und 1. Oktober 1991 sowie 1. Januar 1992 (siehe Erwägungsgrund 400) vereinbart wurden. (429) Anfang 1993 wurden die weltweit erzielten Absatzergebnisse für 1992 ausgetauscht und Takeda nachgewiesen, dass das Unternahmen seine Quote um 4 % überschritten hatte. Die Situation stellte sich wie folgt dar: Takeda 104 % der Quote, Roche 95,6 %, Merck 85,6 % und BASF 88,5 %. (430) Für das Jahr 1993 schätzten die Hersteller den Weltmarkt auf insgesamt 43225 t, die auf der Grundlage des Absatzplans von 1992 aufgeteilt werden sollten. Vonseiten Takedas wurde argumentiert, dass es unfair sei, wenn sich die Ergebnisse von 1992 nicht in den Quoten für 1993 widerspiegelten. Einer Partei, der es nicht gelinge, angemessene Anstrengungen zu unternehmen, um ihre Absatzquoten zu erfuellen, sollte (so Takeda) der ihr zugedachte Anteil reduziert werden. Roche bestand jedoch darauf, an der Basisvereinbarung festzuhalten (siehe Erwägungsgründe 392-397). (431) Ungefähr zu dieser Zeit begannen die chinesischen Hersteller von Vitamin C, die erhebliche Investitionen in neue Produktionsanlagen getätigt hatten, in den Weltmarkt für Vitamin C einzudringen. Mit ihren niedrigen Preisen und steigenden Mengen brachten sie die Kartellabsprachen der anderen Hersteller durcheinander. (Eine von dem Kartell erörterte kurzfristige Lösung bestand darin, chinesische Produkte aufzukaufen.) (432) Anfang 1993 hielt die BASF im Hauptsitz des Unternehmens in Ludwigshafen eine Beratung mit Roche und Merck ab, bei der es um die von ihnen wahrgenommene Bedrohung seitens der chinesischen Produzenten ging. Auf diesem Treffen wurde von Roche vorgeschlagen, dass die europäischen Produzenten und Takeda ihre Produktion einschränken und die Preise im zweiten, dritten und vierten Quartal von 1993 anheben sollten. Roche behauptet demgegenüber, es habe damals die Preise für Vitamin C um 12 % senken wollen. (433) Aus von der BASF vorgelegten, wohl detaillierten Aufzeichnungen dieser Beratung geht hervor, dass entgegen den heutigen Behauptungen von Roche die "Ziel"-Preise für das II., III. und IV. Quartal 25 DEM, 26 DEM bzw. 27 DEM betragen sollten. In der Tat wird im Protokoll der Beratung mit den Gebietsleitern von Roche, die vom 15. bis 18. Juni 1993 stattfand, von einer "stabilen" Preispolitik für Vitamin C gesprochen. (434) Die beiden anderen europäischen Hersteller stimmten dem Vorschlag von Roche zu, die Produktion zu drosseln, sofern Takeda dem zustimmt. Takeda war damit einverstanden. (435) Der Bericht von Takeda vom 19. April 1993 über die Preispolitik von Roche bestätigt, dass Roche die ab 1. April geltende Preissteigerung über die Fachpresse bekannt gemacht hatte (Listenpreis: 28,00 DEM/kg) (obgleich in Wirklichkeit von Roche erwartet wurde, dass es echte Anstrengungen zur Erhöhung der effektiven Preise in Europa erst ab Juli unternehmen würde). (436) Am oder um den 25. Mai 1993 hielten die Produzenten ein Folgetreffen am Zürcher Flughafen ab. Dabei handelte es sich um die erste multilaterale Beratung, an der Takeda teilnahm. Auf dieser Beratung unterbreitete Roche Takeda den Vorschlag, die Produktion so zu drosseln, dass eine 5 %ige Reduzierung der für das Jahr 1993 zugewiesenen Produktionszahlen erreicht würde. Takeda stimmte einer generellen Senkung um 5 % nicht zu, sondern argumentierte, dass "es vernünftiger wäre, die zugewiesenen Produktionsmengen den in den unterschiedlichen Gebieten erreichten Ist-Werten anzupassen." [Originalzitat Englisch] Dieser Gegenvorschlag hätte für Takeda eine berichtigte Quote weltweit von 13014 t gegenüber der ursprünglichen Zuteilung von 13310 t bedeutet. (437) Es wurde ein Kompromiss dahin gehend erzielt, dass die drei europäischen Hersteller ihre Quote um 2,5 % und Takeda um 2,2 % verringern sollten, wobei wahrscheinlich weitere Beratungen notwendig sein würden, um zu ermitteln, ob weitere Anpassungen erforderlich sind. Die BASF legte ihre Arbeitsunterlagen für dieses Treffen vor, aus denen die Einzelheiten des Vorschlags für eine 5%ige Verringerung und die Kompromisslösung hervorgehen. (438) Des Weiteren wurde auf dieser Zusammenkunft in Zürich auch eine prinzipielle Einigung über die Durchsetzung eines Plans zur Verbesserung des Systems der Kundenzuordnung erreicht, indem jedem Produzenten die Verantwortung für einen bestimmten Hauptkunden übertragen wurde. (439) Eine weitere Beratung der vier Hersteller fand am 5. August 1993 in den Geschäftsräumen der BASF in Frankfurt statt. Darüber wurde von Takeda ein detailliertes Memorandum aus dieser Zeit vorgelegt. Nach einem Austausch der Daten wurde bestätigt, dass die 2,5%ige Reduzierung (als "freiwilliges Ziel" bezeichnet) im Verlaufe des ersten Halbjahres 1993 mehr oder minder erreicht worden sei. In Europa wurden die Preise auf 25,00 DEM erhöht. (440) Angesichts der unerwarteten Steigerung der chinesischen Exporte wiederholten die europäischen Produzenten ihren Vorschlag, eine 5 %ige Senkung der Produktion vorzunehmen. Diesem Vorschlag widersetzte sich Takeda: Der US-Markt für Vitamin C zeige ein schnelles Wachstum und es wäre absurd (so die Argumentation von Takeda), steigende Absätze in Amerika durch Drosselung in anderen Regionen zu kompensieren. (441) Roche wiederholte die Grundprinzipien der 1991 erreichten Vereinbarung (der Vertreter der BASF hielt sie schriftlich fest). Jedes Unternehmen erarbeitete eigene Vorschläge für den Plan zur Reduzierung des Produktionsvolumens. Der von Takeda unterbreitete Vorschlag zur Drosselung dieser Mengen (das Unternehmen hatte sich selbst die geringste Reduzierung zugedacht) rief lautstarke Proteste seitens der anderen Teilnehmer hervor. Aus den Aufzeichnungen von Takeda geht hervor, dass es "sich als unmöglich erwies, eine Einigung in dieser Angelegenheit zu erzielen." (442) Der BASF zufolge stellten die drei europäischen Produzenten Takeda jedoch vor ein Ultimatum: Entweder Takeda stimme der Drosselung des Absatzes von Vitamin C zu, oder sie würden aus der Vereinbarung ausscheiden. "Takeda gab nach, und die vier Unternehmen vereinbarten neue geringere Mengenzuteilungen für Vitamin C." [Originalzitat Englisch] (443) Im Protokoll Takedas über die Beratung mit Roche auf Arbeitsebene, die am 10. November 1993 in Tokio zu mehreren Vitaminen stattfand, wird bestätigt, dass in der Beratung vom August neue Mengenzuteilungen für Vitamin C vereinbart worden waren: Die Verkaufsergebnisse der vier Unternehmen im Zeitraum Januar bis September lagen "im Rahmen der Zuweisung von 73,6 %". [Originalzitat Englisch] (444) Takeda wandte sich jedoch wieder seinem Lieblingsthema zu, dass es nämlich "unvernünftig sei, die Anteile von 1990 uneingeschränkt aufrechtzuerhalten, und dass Einschnitte bei den Zuteilungen für B und M, die direkt von den chinesischen Erzeugnissen beeinflusst sind, in Erwägung gezogen werden müssten." [Originalzitat Englisch]. Roche antwortete, für den Fall, BASF und Merck gegenüber Einschnitte in den zugeteilten Mengen erwähnt würden, sie sich nicht mehr an den Plan halten und mit ihren niedrigen Preisen ein Chaos auf dem Markt verursachen würden: "Es ist daher notwendig, diese grundlegende Vereinbarung zur Beibehaltung der Anteile aufrechtzuerhalten. Das aktuelle System sollte beibehalten werden, da es jetzt von höchster Bedeutung ist, die derzeitigen Preise zu halten." [Originalzitat Englisch] (445) Roche schlug für die Mengenzuteilungen für 1994 eine Neuregelung (mit "aktiven" und "passiven" Quoten für jede Region) vor. In der Beratung des "Top-managements", die an dem darauf folgenden Tag stattfand, wurde die Mengenzuteilung für 1994 in Verbindung mit vorläufigen Plänen zur Erhöhung des Marktpreises in Europa ab 1. Januar auf 25,00 DEM und ab 1. April auf 26,00 DEM vereinbart. (446) Am 8. Februar 1994 vereinbarten alle vier Vitamin-C-Hersteller auf einer Zusammenkunft in Basel, ihre Basisvereinbarung (Einfrieren ihrer Marktanteile auf dem Stand von 1990) 1994 fortzuführen. Während von den drei europäischen Produzenten die Bedeutung der Beibehaltung der Marktanteile von 1990 unterstrichen wurde, zeigte Takeda ernste Vorbehalte und (war nach eigenen Angaben) nur zu einem Kompromiss bereit, um sicherzustellen, dass BASF und Merck die vierseitigen Gespräche fortsetzen würden (sie hatten gedroht auszusteigen, falls Takeda nicht bereit wäre, sich an die in der Vereinbarung von 1990 festgelegten Marktanteile zu halten). (447) Nach dem üblichen Informationsaustausch über die 1993 erzielten Ergebnisse, wobei jedes Unternehmen die Gründe für etwaige Abweichungen von den Zielvorgaben erläuterte, wurde von Takeda der Vorschlag unterbreitet, die vier Hersteller sollten ihren Anteilen entsprechend chinesische Produkte aufkaufen, um sie auf diesem Weg vom Markt zu nehmen. Da diese Vorgehensweise Auswirkungen auf die in der "Basisvereinbarung" von 1990 festgelegten Anteile gehabt hätte, die von Roche nachdrücklich als unveränderlich bezeichnet wurden, wurde der Takeda-Vorschlag abgelehnt. Wie in den Vorjahren wurde daher in der Planung für das Jahr 1994 chinesisches Material aus der Schätzung der Gesamtnachfrage ausgeschlossen. Die Preispolitik für Europa wurde bestätigt, jedoch wurde schließlich beschlossen, ab 1. April 1994 25,50 DEM statt 26,00 DEM einzuführen. (448) Die chinesischen Hersteller verkauften auch weiterhin zu Preisen, die die Stabilität des Kartells bedrohten. Laut BASF kam es infolgedessen bis 1995 zu einem Preisverfall für Vitamin C um ca. ein Drittel. (449) Zu diesem Zeitpunkt entsandte Takeda regelmäßig einen Vertreter zu den europäischen Treffen, obwohl es anscheinend hinsichtlich einer dauernden Beteiligung durch Takeda unverbindlich blieb. Laut des BASF waren die vierteljährlichen europäischen Treffen von zunehmenden Spannungen zwischen Roche und Takeda gekennzeichnet; Roche beschuldigte die japanischen Hersteller des Betrugs durch Falschangabe ihres tatsächlichen Absatzes. (450) Im März 1995 wurden die regionalen Quoten für jeden Produzenten für das Jahr 1995 als "verbindlich und endgültig" bestätigt. (451) Roche behauptet, das Unternehmen habe Mitte 1995 bekannt gegeben, dass es aus den Vereinbarungen zu Vitamin C aussteige. Die letzte Zusammenkunft fand offenbar im August 1995 in Hongkong statt. In den umfassenden Aufzeichnungen von Takeda gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, dass auf dieser globalen Beratung, die am 24. August stattfand, die vier Produzenten tatsächlich beschlossen haben, ihre Absprachen zu beenden. Die Geschäfte wurden jedoch wie bisher fortgesetzt: Es wurden Prognosen für den Zeitraum Juli bis Dezember 1995 gestellt und die Absatzquoten und die Mindestpreise für jede Region festgesetzt. (452) Bei dieser Zusammenkunft kam jedoch ein unangenehmes Ärgernis zur Sprache, das ihre Absprachen stören konnte. Wegen der in den Vereinigten Staaten von Amerika laufenden strafrechtlichen Ermittlungen, die auch ADM betrafen, einigten sich die vier Unternehmen in dieser Beratung auf "absolute Geheimhaltung". "Ferner vereinbarten die vier Unternehmen, vorläufig jeden direkten Kontakt mit der Tochter (sic) in den USA einzustellen. Kontakte würden nur über die Zentrale (...) laufen. Der Grund dafür liegt darin, dass R(oche) USA aufgefordert worden ist, Unterlagen in Verbindung mit (einer Ermittlung in Sachen) Zitronensäure vorzulegen. Darüber hinaus sind wir besorgt, dass die Kommission nach den Sommerferien Schritte einleiten könnte, wenngleich die Situation in den USA derzeit keinen Einfluss auf Europa hat." [Originalzitat Englisch] (453) Wie üblich überprüften die Hersteller die von ihnen erzielten Absatzmengen (für den Zeitraum Januar bis Juni 1995) sowie den (für den Zeitraum Juli bis Dezember) verfügbaren Gesamtmarkt. (454) In Europa war die Gesamtnachfrage gesunken, während der Zustrom von chinesischem Material rasch zugenommen hatte. Gegenüber einer Prognose für den "verfügbaren Markt" in Europa in Höhe von 11078 t für das Jahr 1995 musste die Schätzung auf 9500 t nach unten korrigiert werden. Takeda hält fest: "... auf der Regionalversammlung am 11. August, an der unser Vertriebsunternehmen teilnahm, war eine Reduzierung der Absatzquoten für die Unternehmen festgelegt worden, und den reduzierten Absatzmengen wurde bereits von den vier Unternehmen zugestimmt." [Originalzitat Englisch] (455) Im Gegensatz zu den Behauptungen der BASF, dass bis zu diesem Zeitpunkt die Preise auf nur 15 DEM/kg gefallen waren, geht aus den Aufzeichnungen von Takeda über die Beratung vom 24. August hervor, dass der von den vier Produzenten auf der europäischen Regionalversammlung vereinbarte Mindestverkaufspreis in Höhe von 24-23,50 DEM/kg bestätigt wurde. Roche rückte sogar mit der Vorschau heraus, dass der Preis für Europa bei 24 DEM/kg bleibe. (456) Bei einer separaten bilateralen Zusammenkunft zwischen Takeda und Roche bat Takeda sogar um eine "Prüfung und Revision" der Vereinbarung, worauf Roche antwortete "es gibt mit dem derzeitigen System kein Problem, und die beiden anderen Unternehmen würden keinen Änderungen zustimmen." [Originalzitat Englisch] (457) Es ist nicht dokumentiert, zu welchem genauen Zeitpunkt die Vereinbarung über Vitamin C beendet wurde, aber bis Mitte 1996 war Roches niedrigster Preis auf ca. 20 DEM/kg reduziert worden (Listenpreis 25 DEM/kg). (458) Eine Übersicht über die Entwicklung des Preisniveaus für Vitamin C während der Existenz des Kartells und nach dessen Beendigung wird in Tabelle VIII im Anhang gegeben. 1.4.8. VITAMIN D3 1.4.8.1. Ursprung des Kartells (459) Solvay und Roche stellen die Ereignisse um die Entstehung der Kartellabsprachen unterschiedlich dar. Roche schreibt die Initiative Solvay zu. Solvay habe schon im Verlaufe des Jahres 1992 (erfolglos) Kontakte mit den anderen Produzenten aufgenommen, um diese für die Bildung eines Kartells zu interessieren. Im Gegensatz zu Solvay behauptet Roche, kein besonderes Interesse an einer Erhöhung des Preises für reines D3 gehabt zu haben. Roche zufolge bestand das Interesse des Unternehmens darin, den Preis für D3 niedrig zu halten, um auf diesem Wege den Absatz des weit profitableren Vitamins A in der AD3-Verbindung anzukurbeln. [In Wirklichkeit wurde die Strategie von Roche in Bezug auf Vitamin D3 schon im März 1991 wie folgt dargestellt: "Preisziele und Preiserhöhungen sind mit Vitamin A (AD3) zu koordinieren. Preisvereinbarungen sind strikt umzusetzen."] [Originalzitat Englisch] Laut Roche ließ Solvay nicht locker und überzeugte schließlich die anderen, einem Treffen Anfang 1994 zuzustimmen. (460) Solvay wich ursprünglich der Frage aus, welches Unternehmen das Kartell ins Leben rief. In den Stellungnahmen, die das Unternehmen nach der Mitteilung der Beschwerdepunkte vorlegte, behauptet Solvay jedoch, dass es der letzte Vitamin-D3-Hersteller gewesen sei, an den man sich wegen des Kartells gewandt habe, das von den Vitamin-A-Herstellern (Roche, RPAN und BASF) ins Leben gerufen worden sei. Durch die beiden grö

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.