Europäische Union

2003/2/EG: Entscheidung der Kommission vom 22. November 2001 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag und Artikel 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/E-1/37.512 — Vitamine) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3695) (Text von Bedeutung für den EWR)

Amtliche Ursprungsfassung

Quellenkennung: 32003D0002. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

Zur amtlichen Quelle ↗

Originaldateien und Anlagen

Durchsuchbarer Text in vereinfachter Darstellung. Tabellen, Abbildungen und verbindliche Gestaltung bitte anhand der Originaldateien prüfen.

ng einschließlich Tabellen und Sitzungsprotokolle zur Verfügung, aus denen die Funktionsweise der Mengenkontrolle und des Überwachungssystems hervorgeht: - Ein Dokument vom 5. Juni 1991 trägt die Überschrift "Vitamin B1 monitoring 1990" [Überwachung Vitamin B1 1990] und gibt den von Roche, BASF, Takeda und den chinesischen Produzenten in den einzelnen Regionen (Nordamerika, Lateinamerika, Japan, Europa usw.) erzielten Absatz (für die letztgenannten Hersteller vermutlich geschätzt) für das Jahr 1990 an. - Ein weiteres Dokument (mit gleichem Datum) ist mit "Market forecast 1991" [Marktprognose 1991] überschrieben, und ausgehend von einem für die jeweilige Region angenommenen Marktwachstum (für Europa 1,5 %) sind die Mengenzuweisungen für die einzelnen Produzenten für 1991 aufgeführt. - Ein anderes Dokument (ebenfalls mit gleichem Datum) unter der Überschrift "Market Monitoring 1st quarter 1991" [Marktüberwachung 1. Quartal 1991] enthält einen Vergleich des von Roche, BASF und Takeda tatsächlich erzielten Absatzes mit den Prognosen für die einzelnen Regionen. - Ein Dokument vom 20. Mai 1993 ist mit dem Titel "Market and Competition Monitor - Vitamin B1" [Markt- und Wettbewerbsüberwachung - Vitamin B1] versehen und vergleicht den im Jahr 1992 erzielten Absatz von Hoffmann-La Roche, BASF und Takeda, aufgeschlüsselt nach Regionen, mit ihren jeweiligen Zuweisungen. - Ein Dokument vom 5. November 1993 stellt den von Takeda 1992 erzielten Absatz seiner Quotenzuweisung für die jeweilige Region gegenüber und enthält eine Schablone (die noch auszufuellen ist) für den Vergleich des "Leistungs-Ists" eines Produzenten mit dem "Soll" für den Zeitraum Januar-Dezember 1993. - Ferner liegen ausgefuellte Schablonen für den vierteljährlichen Vergleich von "Zuweisung" und "Ergebnis" für Roche, Takeda und BASF für das Jahr 1993 vor. - Ähnliche Dokumente liegen für weitere Jahre vor. 1.4.2.3. Zusammenkünfte des Kartells (250) Nach der ersten Beratung im Januar 1991 trafen sich die zuständigen Führungskräfte von Hoffmann-La Roche und Takeda regelmäßig in Tokio und Basel sowohl auf der "obersten Leitungsebene" als auch auf "operativer Ebene" zwecks Überwachung der Anwendung der Quotenregelung und Preisfestsetzung. (251) BASF nahm an den Beratungen nicht teil, erhielt jedoch eine Quote bei Vitamin B1, die auf den Beratungen erörtert wurde. (252) Angesichts der Tatsache, dass die Kartellabsprachen den gesamten sowohl von Roche als auch von Takeda produzierten Vitaminbereich betrafen (Vitamin B1, B2, B6, C und Folsäure), wurden auf den regelmäßigen Beratungen auch oftmals alle fünf Produkte behandelt. So wechselten die Teilnehmer von Roche auf der fachlichen Ebene, wenn die Diskussion zum nächsten Produkt überging (siehe z. B. Aufzeichnungen Takedas über eine zweitägige operative Beratung in Tokio im November 1992; am ersten Tage ging es um Vitamin C, während die Vormittagssitzung am zweiten Tag den Vitaminen B1, B2 und B6 gewidmet war). (253) Die Aufzeichnungen Takedas über ein Treffen im November 1992 sind charakteristisch für die Verfahrensweise bei den operativen Zusammenkünften: "VB1 (1) Austausch der Ergebnisse für den Zeitraum Januar bis September >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Alle blieben unter den Erwartungen. B weist eine schwache Marktposition auf. Wechsel zu chinesischen Produkten Eher an der Sicherung des Preises als der Menge interessiert. (2) Quoten für 1993 Wachstumsraten um etwa 2 % gestiegen. 1992 >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (3) Preis Unverändert: 43,00 USD, 74,00 DEM (4) Chinesische Produkte Takeda möchte seine traditionellen Kunden durch die Lieferung von Produkten in Futtermittelqualität, die nicht der Spezifikation entsprechen, schützen. Haben die Kunden erst einmal begonnen, chinesische Produkte zu verwenden, lassen sie sich kaum zurückgewinnen." [Originalzitat Englisch] (254) Ferner fanden zwischen Hoffmann-La Roche und Takeda bilaterale Beratungen in Basel statt, deren Gegenstand die gemeinsamen Produkte beider Unternehmen waren (Vitamin B1, B2, B6, C und Folsäure). Gelegentlich gab es auch bilaterale Gespräche zwischen Takeda und BASF, bei denen es um Vitamin B1 ging. 1.4.2.4. Arbeitsweise des Kartells im Zeitraum 1991-1994 (255) Im Zeitraum 1991 bis etwa 1993 ließ das Kartell den Preis für Vitamin B1 allmählich ansteigen. 1991 hoben die Hersteller den Marktpreis von unter 65 DEM auf 68 DEM/kg an. Aus einer von Takeda vorgelegten Tabelle (mit Datum 29. März 1994) gehen die "Listen"- und "Mindest"-Preise für das Produkt in jeder geografischen Region einschließlich Europa hervor. (256) Ab 1. Januar 1992 betrug der "Listen"-Preis 76 DEM/geliefertes kg und der "Mindest"-Preis 74 DEM/kg. Die Hinweise der BASF zur Preisbestimmung vom 11. Dezember 1991 bestätigen den Mindestpreis von 74 DEM/kg. (257) Gegen Ende 1992 traten die Auswirkungen des Wettbewerbs seitens der chinesischen Produkte zutage, und die Hersteller erörterten, ob sie diese Konkurrenz einfach "ignorieren", wie sie dies bereits in der Vergangenheit getan hatten, oder die chinesische Produktion integrieren sollten. Im Juni 1993 hatten die Hersteller einen Preiswettbewerb im Hinblick auf bestimmte Kunden vereinbart, die chinesische Produkte bezogen. (258) Ende 1993 erfuhr diese Politik eine Bestätigung. Der grundlegende Plan sollte 1994 beibehalten werden. Zwecks Erhalt ihres Kundenstamms vereinbarten die Hersteller für ihre geschäftlichen Beziehungen zu wichtigen Kunden eine Anpassung an die Preise der chinesischen Hersteller von Vitamin B1 in Futtermittelqualität; der niedrige Preis sollte jedoch nicht allgemein gültig sein. Für Produkte in Nahrungsmittel- und Pharmaqualität sollten weiterhin höhere Preise gelten. (259) Angaben von Roche zufolge entschieden die beiden Hersteller 1994, dass ihre Vereinbarung keine Existenzberechtigung mehr hat, und lösten sie in der ersten Hälfte des Jahres 1994. Die letzte Beratung zu Vitamin B1 fand am 10. Juni des genannten Jahres statt. Bis etwa zur zweiten Hälfte des Jahres 1994 war der Marktpreis für die Futtermittelqualität von 38 ECU/kg auf ca. 28 ECU/kg gefallen. Die Entwicklung des Preisniveaus für Vitamin B1 während des Bestehens des Kartells und nach Beendigung der Kartellabsprachen ist aus Tabelle IV ersichtlich. 1.4.2.5. Einbindung der BASF (260) Die BASF stellte die Produktion von Vitamin B1 1989 ein und bezog ihren Bedarf von diesem Zeitpunkt an von Hoffmann-La Roche. Zu diesem Zweck wurde ein Liefervertrag mit einer Laufzeit von zunächst 5 Jahren abgeschlossen. Während der Dauer des Kartells gehörte das Unternehmen zu den größten Lieferanten von Vitaminen (Bulkware) sowohl in der Gemeinschaft als auch weltweit. (261) Aus den der Kommission von Takeda vorgelegten Tabellen für Vitamin B1 unter der Überschrift "Market and Competition Monitor - Vitamin B1" [Markt- und Wettbewerbsüberwachung - Vitamin B1], die eindeutig für den Zweck der Überwachung abgestimmter Maßnahmen erstellt wurden, sind für Roche, Takeda und die BASF die "Prognosen" und "Einschätzungen" der Mengen, die auf Quartalsbasis in die wichtigsten geographischen Regionen einschließlich Europas geliefert wurden, ersichtlich. (262) In den Tabellen "Vitamin B1: Market forecast" [Vitamin B1: Marktprognosen] und in den kumulativen Tabellen, in denen bei allen Produzenten für das Jahr 1993 das "Ergebnis" der "Zuweisung" gegenübergestellt wird, sind auch Angaben für die BASF enthalten. (263) Im Memorandum von Takeda über die Zusammenkunft mit Roche im November 1992, auf der es um die fünf von beiden Unternehmen hergestellten Vitaminpräparate ging (einschließlich Vitamin B1), wird im Abschnitt "Exchange of Results for January through September" [Austausch der Ergebnisse im Zeitraum Januar bis September] für Takeda, Hoffmann-La Roche und die BASF (der BASF wurde für 1993 auch eine Quote zugeteilt) der "Plan" mit "dem Absatzergebnis" verglichen. Diese Informationen müssen von der BASF an Hoffmann-La Roche übermittelt worden sein. (264) Takedas umfassenderes Tagungsprotokoll bestätigt die Einbindung der BASF in die Quotenregelung. Roche stellt Folgendes fest: "Aufgrund des Einflusses chinesischer Produkte konnten weder R noch T noch B die geplanten Ergebnisse erreichen. Besonders betroffen ist B (- 50 t), wo Angleichungen auf jeden Fall befürwortet würden." [Originalzitat Englisch] (265) Roche hat zweifelsfrei von der BASF den Auftrag erhalten, in deren Namen zu sprechen. Im Protokoll heißt es weiter: "R: Wir würden hier gerne die Frage stellen, ob es eine Möglichkeit gibt, B zu helfen, da das Unternehmen so weit hinter dem Plan zurückliegt. (T entgegnete, dass die Produkte von B durch R verkauft würden, also solle, wenn B Hilfe benötige, R diese leisten)." [Originalzitat Englisch] (266) Von der BASF wird eine direkte Einbindung in das Vitamin-B1-Kartell bestritten. Gleichwohl hat das Unternehmen der Kommission handschriftliche Tabellen vorgelegt, die (gemäß ihren Aussagen) "die Informationen verdeutlichen, die die BASF durch einen Vertreter von Roche erhielt und die Absprachen zwischen Roche und Takeda bezüglich Vitamin B1 betreffen." (Ferner hat die BASF darauf verwiesen, dass das Unternehmen kein B1 herstellt.) Dabei liefert die BASF jedoch keine Erklärung für die aus den Tabellen ersichtliche Quotenzuteilung für das eigene Unternehmen (BASF) sowie "Roche" und "Tak". Für Europa (für andere geografische Regionen liegen ähnliche Berechnungen vor) sieht die Tabelle wie folgt aus: >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (Die Zahlen für das "Bezugsjahr" 1990 stimmen mit den von Takeda gemachten Angaben überein.) (267) Die BASF räumt ein, dass sie von Roche über die Absprachen mit Takeda in Kenntnis gesetzt wurde, die wiederum keine Störung des Vitamin-B1-Marktes durch den Weiterverkauf seitens BASF wünschten: "Entsprechend der mit Takeda getroffenen Absprache teilte Hoffmann-La Roche der BASF die für Vitamin B1 geltenden Preise sowie die Mengen mit, die das Unternehmen in den einzelnen Regionen weiterverkaufen dürfe." [Originalzitat Englisch] (268) Bei den gelegentlichen bilateralen Treffen von Takeda und BASF ging es auch um den Preis von Vitamin B1. Während seines Besuchs in Tokio am 13. Juli 1993 erklärte der Vitamin-Marketingleiter der BASF, dass die BASF bei Vitamin C, B1 und B6 "sich der Preispolitik von R(oche) und T(akeda) anschließen wird ..., steigt der Preis, werden wir Ihrem Beispiel folgen." [Originalzitat Englisch] (269) Obgleich die BASF an den Beratungen von Roche und Takeda nicht teilnahm, steht die Einbindung des Unternehmen in die geheimen Absprachen zwecks Kontrolle des Vitamin-B1-Marktes nach alledem außer Frage. 1.4.3. VITAMIN B2 (RIBOFLAVIN) 1.4.3.1. Ursprung und Grundstruktur des Kartells (270) Im Zeitraum 1988-1990 fiel der Preis für Vitamin B2 um etwa 12 %. Daraufhin beschlossen die beiden größten Hersteller, diese Entwicklung mittels koordinierter Maßnahmen umzukehren. (271) Am 14./15. Juli 1991 trafen Vertreter von Roche und BASF in Bottmingen (Schweiz) zusammen, um den Rahmen eines Kartells für Vitamin B2 zu vereinbaren. Auf dieser ersten Sitzung war Takeda zwar nicht vertreten, doch beabsichtigten die BASF und Roche, das Unternehmen in einer zweiten Phase einzubeziehen. (Zu diesem Zeitpunkt war Takeda bereits an den Kartellvereinbarungen für Vitamin B1 und C beteiligt.) (272) Ausgehend von ihrem im Jahr 1990 erzielten Absatz und der Einschätzung der Marktanteile der anderen Hersteller für die jeweiligen Jahre vereinbarten sie globale Quoten für den Zeitraum 1992 bis einschließlich 1994. Dabei wurden die folgenden Mengenquoten festgelegt: >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (273) Das Absatzverhältnis bei Vitamin B2 zwischen Roche und der BASF veränderte sich im Zeitraum 1990-94 von 65:35 auf 62:38. Erstmalig sollte das Quotensystem im Jahre 1992 Anwendung finden. Für das Jahr 1994 wurde für Roche und die BASF zusammen ein Anteil von 80 % am verfügbaren Weltmarkt berechnet. Takeda sollte einen Anteil von 13,5 % haben (angesichts der Zahlen für Takeda stellte die BASF fest: "If they go higher war?" [Wenn sie diesen Prozentsatz überschreiten, Krieg?]). Aus einer von der BASF zur Verfügung gestellten Unterlage ist die auf diesem Treffen getroffene Vereinbarung ersichtlich. (274) Im Laufe des Jahres 1991 reisten dann leitende Angestellte von Roche und BASF (getrennt) nach Japan, um Takeda zu überzeugen, der vorgeschlagenen Marktzuteilung bei Vitamin B2 zuzustimmen, was Takeda letztendlich Ende 1991/Anfang 1992 auch tat. Bei den während des Besuchs der Vertreter von Takeda in Basel am 13. April 1992 geführten Gesprächen über "die neue Preispolitik zur Sicherung einer kontinuierlichen Preissteigerung" ging es auch um Vitamin B2. 1.4.3.2. Zusammenkünfte des Kartells (275) Das Kartell wurde in Form vierteljährlicher Sitzungen durchgeführt. Im Normalfall traf offensichtlich zunächst Roche mit Takeda zusammen, und im Anschluss daran fand eine separate bilaterale Beratung mit der BASF statt. (276) Bei den vierteljährlichen Beratungen sollte die Einhaltung der Quoten überwacht und der Absatz so gesteuert werden, dass die zugewiesenen Quoten eingehalten wurden. So wurde ein Kontrollsystem entwickelt, das dem bei den Vitaminen A-E angewandten Mechanismus entsprach (siehe Erwägungsgrund 283). (277) Das von Takeda angefertigte Protokoll einer Zusammenkunft mit Roche, die am 25. Mai 1993 in Zürich stattfand (überschrieben mit "Destroy after reading" [Nach dem Lesen zu vernichten]), kann als typisches Beispiel für die Veranstaltungen zu Vitamin B2 betrachtet werden: "1) VB2 - Der Preisanstieg verläuft reibungslos, (R) (T) Zum Beispiel erzielte R in Europa im April einen Preis von 91,4 DEM (R), während T in Europa im März einen Preis von 88 DEM in Anwendung brachte. - Mit einem Anstieg der Nachfrage ist nicht zu rechnen, so dass eine quantitative Zunahme kaum möglich ist. (R) T erwartet für 1993 400 t, d. h. etwa die gleiche Menge wie 1992 (T). (...) - Lohmann(16) Da R und die BASF miteinander im Wettbewerb stehen, möchte Lohmann nicht die gesamte Menge von Konkurrenten kaufen, d. h., sie würden lieber von T kaufen. T sollte bei der Angebotseinreichung auf den Preis achten. Der Preis darf unter keinen Umständen zu niedrig liegen. (R) Verstanden, werden Kontakt zu Herrn [Mitarbeiter Takeda] aufnehmen." [Originalzitat Englisch] (278) Auch zwischen Takeda und der BASF fanden gelegentlich bilaterale Treffen zu Vitamin B2 (und anderen Produkten) statt, das Protokoll einer solchen Beratung ist in einem Memorandum vom 13. Juli 1993 zu finden (ebenfalls mit "Destroy after reading" [Nach dem Lesen zu vernichten] überschrieben): "VB2 Futtermittel (B) B nimmt in Europa einen Preis von 90-92 DEM. T bietet jedoch einen Preis von nur 85/86 DEM. Bitte so bald als möglich eine Korrektur vornehmen. (T) T verkauft zum Preis von DEM 88/90 DEM. Andererseits verursacht der geringere Preis von 86 DEM, den B Loevense in DK anbietet, Probleme. (B) Wir werden das morgen prüfen und Sie entsprechend informieren. Wir würden darum bitten, mit den Preisen generell nicht unter 90 DEM zu gehen. (T) Einverstanden." [Originalzitat Englisch] 1.4.3.3. Die Quoten (279) Im Anschluss an den Beitritt von Takeda zu den Kartellabsprachen für Vitamin B2 wurden die jährlichen Quoten intensiv ausgehandelt, wobei Takeda eine höhere Zuteilung forderte. Aus einem Takeda-Vermerk von einer Sitzung im bzw. kurz vor oder nach November 1992 über den Bereich der Vitamine einschließlich B2 geht hervor: "VB2 Januar - September (1) Quotenentscheidungen >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Gesamt 384 >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Der Bereichsleiter wünschte eine Steigerung auf 500 Tonnen innerhalb von 5 Jahren (1991). R unterlief bei der Schätzung für 1991 ein Rechenfehler (...). Eine Überschreitung der Quote sollte zulässig sein, wenn sich diese nicht nachteilig auf die Preisbildung auswirkt." [Originalzitat Englisch] (280) Takedas mengenmäßige Absichten beunruhigten Roche eindeutig. Dazu stellt Takeda im Protokoll der Beratung mit Roche, die am 17. November 1992 in Tokio stattfand (und Vitamin B2 betraf), Folgendes fest: "R nahm eine zurückhaltende Position in Bezug auf die von T geplante Steigerung der Umsatzmengen bei VB6 ein und kam immer wieder auf die Feststellung von T zurück, dass dieses Unternehmen seinen Umsatz innerhalb von 5 Jahren auf 500 Tonnen erhöhen will." [Originalzitat Englisch] (281) Roche schlug Takeda 1993 eine Quote von 385/390 Tonnen vor, die dann 1994 auf 420 Tonnen steigen sollte. Takeda äußerte sich dazu wie folgt: "T: Da unsere Produktionskapazität noch nicht feststeht, kennen wir unsere Produktionsmenge noch nicht. Obgleich noch keine Zahlen vorliegen, möchte Herr ... 1993 einen Absatz von 500 Tonnen erreichen. Wenn wir uns in der Mitte zwischen diesem Wert und Ihrem Vorschlag von 390 treffen würden, wären dies etwa 440/445 Tonnen. (R stellte keine weiteren Forderungen)." [Originalzitat Englisch] Siehe auch einen Takeda-Vermerk über ein Treffen vom 21. April 1993 als Hinweis auf die Drosselung von Takeda bei seinen Mengenansprüchen). (282) Für 1994 erklärte sich Takeda bereit, seinen Absatz bei rund 410 Tonnen zu belassen. Bei einer Zusammenkunft mit Roche im Baseler Hilton-Hotel am 9. Februar 1994 tauschten die Teilnehmer die im Jahre 1993 erzielten Absatzergebnisse bei Vitamin B2 sowie die für 1994 geplanten Absatzzahlen aus: "T: Mit einem Ergebnis von 421 t im Jahr 1993 bewegen wir uns ganz in der Nähe der vereinbarten Menge, und wir planen für 1994 einen ähnlichen Absatz zwischen etwa 420 und 440 t. Bezüglich des Preises werden wir die Politik von R voll und ganz unterstützen und bei den Produkten in USD einen Mindestpreis auf cif-Basis von 69,00 USD/115,00 DEM und bei Futtermitteln von 61,00 USD/92,00 DEM (Lieferpreis USA) anstreben ... In Europa wird B Mitte Februar einen Preisanstieg für Futtermittel (4 %) ankündigen. T möchte den Mindestpreis zum 1. April von 92,00 DEM auf 97,00 DEM anheben. Da die Absatzmengen von T weiterhin niedrig bleiben, werden alle Anstrengungen auf eine Preiserhöhung gerichtet. b) Was die im Jahre 1993 von T erzielten Ergebnisse und die Planziffern für 1994 anbetrifft, so stimmen diese mit der grundlegenden Vereinbarung überein ... Für 1994 ist keine wesentlich höhere Nachfrage zu erwarten. Es werden Bemühungen um eine Preissteigerung in Europa und Aufrechterhaltung des Mindestpreises von 61,00 USD in den USA unternommen. R möchte, dass sich auch T dieser Preispolitik anschließt. (T erklärte sein Einverständnis.)" [Originalzitat Englisch] 1.4.3.4. Mengenkontrolle und Überwachung (283) Wie bei den meisten anderen Vitaminen unterlagen auch die Quotenregelungen für Vitamin B2 einer kontinuierlichen Aktualisierung, Berichterstattung und Überwachung. Von der BASF wurden der Kommission Unterlagen über die Durchführung des Kontroll- und Überwachungssystems für Vitamin B2 vorgelegt, wofür nachstehende Angaben repräsentativ sind: - Umsatzdaten für jede Region (Europa, Nordamerika, Lateinamerika, Fernost und Japan) für das Jahr 1995 und die ersten drei Monate von 1996 (I-III). Für Produzenten, die nicht an den Vereinbarungen beteiligt sind (ADM = Archer Daniels Midland; GUS = die russischen Produzenten), wurden Schätzungen vorgenommen; - Aus einem internen BASF-Arbeitsblatt gehen die eigenen Umsätze in dem jeweiligen Land hervor(17). 1.4.3.5. Listen- und Mindestpreise (284) Während der Dauer des Kartells wurden regelmäßige Preissteigerungen vereinbart und Unterpreisgrenzen festgelegt. Takeda hat der Kommission zudem Tabellen mit den nach Regionen aufgeschlüsselten "Listen"- und "Mindest"-Preisen für die einzelnen Vitamine einschließlich B2 übergeben, die vom 1. Juni 1991 bis zum 1. April 1993 galten. Für Vitamin B2 wurden folgende Preise angegeben. >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (285) Die Entwicklung des Durchschnittspreisniveaus für Vitamin B2 während der Existenz des Kartells und nach deren Auflösung ist aus Tabelle V im Anhang ersichtlich. 1.4.3.6. Arbeitsweise des Kartells im Zeitraum 1991-1996 (286) Die bei den Zusammenkünften getroffenen Entscheidungen zu Preisen und Mengen wurden von den einzelnen Unternehmen mittels Anweisungen an ihre Gebietsleiter umgesetzt. Im Zeitraum 1991-1993 sind bei B2 regelmäßige Preissteigerungen zu verzeichnen gewesen (siehe Erwägungsgrund 284). (287) Im Jahr 1993 mussten die Parteien erkennen, dass Coors, ein Produzent in den USA, größere Produktionskapazitäten für Vitamin B2 besitzt, als 1991 angenommen. Um nun zu verhindern, dass Coors durch den Export seiner Produktionsüberschüsse ihre Absprachen zunichte macht, vereinbarten Roche und die BASF, dass das erstgenannte Unternehmen 1993 115 Tonnen Vitamin B2 (dies entspricht der Hälfte der Produktionskapazität von Coors) von dem Hersteller aufkauft. Die BASF sollte wiederum 43 Tonnen von Roche beziehen. Das bedeutet eine Aufteilung der damit verbundenen Belastung unter den beiden Unternehmen im Verhältnis 62:38, das ihren Quoten entspricht. (288) Später verkaufte dann Coors seinen Betrieb zur Herstellung von Vitamin B2 an Archer Daniels Midland (ADM). 1995 schlossen Rhône-Poulenc und ADM einen Vertrag über den Verkauf des von ADM in den Vereinigten Staaten hergestellten Riboflavins durch Rhône-Poulenc in Europa. Die BASF wies auf die "ambivalente" Haltung von Roche insofern hin, dass manchmal der Preis Vorrang hatte, zu einem anderen Zeitpunkt wiederum die Menge. Die BASF sah keinen Sinn in Preiserhöhungen, die lediglich ADM den Zugang zum Markt erleichtern würden. Der Marktanteil von ADM in Europa stieg von nur 2 % auf 9 %, hauptsächlich zulasten von Roche. Das Preisniveau begann zu fallen. Roche behauptet, dass das Unternehmen Kenntnis von Täuschungsmanövern seitens Takeda habe, dessen angegebener Absatz um bis zu 20 % unter den tatsächlich erreichten Zahlen liege. (289) In einem "Confidential Memorandum" (Vertrauliches Memorandum) über eine Beratung am 16. März 1995 (vorrangig zu Vitamin C) mit Vertretern von Roche, BASF und E. Merck stellt Takeda Folgendes fest: "Es gab scharfe Kritik an unserer Überversorgung der Märkte mit B2. Wie zwischen Herrn [...] (Vertreter von Takeda) und Herrn [...] (Vertreter von Roche) vereinbart, sollte das Absatzvolumen von Takeda zwischen 380 t und maximal 420 t liegen. Entsprechend den statistischen Angaben zu den japanischen Ausfuhren (etwa 500 t,) zur Einfuhr von Rohstoffen und zu den Absatzmengen in Japan (etwa 80 t) beträgt das Absatzvolumen von Takeda 580 t, womit die Quote von 420 t um 40 % überschritten wird. Takeda soll die Gründe für diese Entwicklung sowie die Unternehmensstrategie hierzu darlegen. Hierauf haben wir nur Folgendes erwidert: Wir sehen uns nicht in der Lage, mengenmäßige Aussagen zu treffen. Nach Erörterung dieser Angelegenheit in unserem Unternehmen werden wir uns über die entsprechenden Kanäle an Sie wenden. Wir haben erkannt, dass wir unsere kooperative Haltung zur Frage der Preiserhöhung für V(itamin) C zu diesem Zeitpunkt nicht durch Darlegung unseres Standpunkts abschwächen dürfen." [Originalzitat Englisch] (290) Im Anschluss daran versicherte Takeda Roche, dass keine Erweiterung der Produktionsanlagen erfolgt sei: "Folglich erwarten wir künftig keine wesentlichen Steigerungen, gleichwohl können wir unser Absatzvolumen aber auch nicht verringern." (291) Aufgrund dieser Meinungsverschiedenheiten entschied sich Roche offensichtlich etwa im dritten Quartal 1995, die Kartellvereinbarung mit der BASF und Takeda zu kündigen. 1.4.4. VITAMIN B5 (CALCIUM-D-PANTOTHENAT ODER CALPAN) 1.4.4.1. Ursprung des Kartells (292) 1989 hatten Roche und Daiichi bei Calpan einen Anteil von jeweils 35 % am Weltmarkt, die BASF einen Anteil von 20 %. (293) Hintergrund für die Bildung des Kartells (laut Angaben von Daiichi) ist der in den 80er Jahren verzeichnete stetige Preisabfall bei den Vitaminen des B-Komplexes sowie die 1989/90 eingetretene Dollarschwäche, was dazu führte, dass Roche bei diesen Produkten keine Gewinne erwirtschaften konnte. (294) Angaben von Daiichi zufol

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.