Europäische Union

2004/269/EG: Entscheidung der Kommission vom 18. Januar 2000 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.1630 — Air Liquide/BOC) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2000) 62) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Quellenkennung: 32004D0269. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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eue Unternehmen hätte in dieser Hinsicht mehr Spielraum. cc) Beseitigung des bestehenden und potenziellen Wettbewerbs zwischen Air Liquide und BOC Air Liquide würde infolge des Erwerbs des Bulk- und des Flaschengasgeschäfts von BOC auf dem europäischen Festland letzteres Unternehmen als bestehenden und potenziellen Wettbewerber in seinem Heimatmarkt ausschalten (196) Vor dem angemeldeten Zusammenschluss war BOC in Belgien und den Niederlanden bei bestimmten Luftgasen in den Bulk- und Flaschengasmarkt eingestiegen, indem es eine Tonnageanlage in Terneuzen errichtete, die fluessigen Sauerstoff, Stickstoff und Argon für den Bulkmarkt erzeugt, und eine Flaschenfuellanlage in Herenthout baute, in der eine Vielzahl technischer Gase abgefuellt werden kann. Beide Anlagen versorgten Abnehmer in Belgien und den Niederlanden unter Nutzung BOC-eigener Lieferfahrzeuge. Beide Anlagen belieferten auch das Flaschengasunternehmen von BOC in Deutschland mit Sitz in Bopfingen. In Belgien, einem Land, in dem Air Liquide stark vertreten ist, entwickelte sich BOC zu einem beachtlichen Anbieter bestimmter Gase (Bulkargon - [...]* %, Bulkkohlendioxid - weniger als [...]* %; Sauerstoff in Flaschen - weniger als [...]* %; Argon in Flaschen - [...]* %), bis der Geschäftsbereich im vergangenen Jahr an Air Liquide verkauft wurde. (197) Der geografische Referenzmarkt für bestimmte hochwertige Gase wie Bulkargon und möglicherweise Flaschenargon, die über größere Entfernungen transportiert werden können als Standardluftgase, scheint sich nicht auf Belgien zu beschränken, sondern deckt ein Gebiet ab, zu dem auch einige Teile Nordfrankreichs gehören. Die Tatsache, dass Air Liquide fluessiges Argon aus Frankreich einführt, würde dafür sprechen. Der Erwerb der Geschäftstätigkeiten von BOC auf dem europäischen Festland stärkt damit die beherrschende Stellung von Air Liquide in Frankreich nicht nur durch die Ausschaltung eines Konkurrenten, sondern auch dadurch, dass der Marktanteil dieses Wettbewerbers an Air Liquide fällt. (198) Da sich der belgische Markt vom französischen unterscheidet, und zwar im Hinblick auf die Gase, die weniger wirtschaftlich über große Entfernungen transportiert werden können, würde Air Liquide seine beherrschende Stellung in Frankreich festigen, indem es einen potenziellen Wettbewerber im französischen Markt und einen bestehenden Wettbewerber in einem benachbarten Markt ausschaltet. Erstens ist BOC als potenzieller Konkurrent in Frankreich anzusehen, der bewiesen hat, dass er auf dem europäischen Festland einen Geschäftsbereich Bulk- und Flaschengase etablieren kann. Durch die Ausschaltung von BOC auf dem Festland würde zweitens der sich aus der Präsenz von BOC auf einem Markt in der Nähe seines Heimatmarktes ausgehende Wettbewerbsdruck von Air Liquide genommen. Drittens würde Air Liquide durch die Ausschaltung eines Wettbewerbers im belgischen Markt und den Erwerb des zusätzlichen Marktanteils dieses Konkurrenten zu einem noch mächtigeren Akteur in Belgien, wo es bereits einen Großteil des Marktes erobert hat. Damit wäre Air Liquide in der Lage, sich dem Vordringen anderer potenzieller Wettbewerber auf seinen Heimatmarkt effektiver in einem Nachbarland entgegenzustellen, von dem aus der Eintritt in den französischen Markt leichter versucht werden könnte, indem beispielsweise die Industrieregionen in Nordfrankreich beliefert werden. (199) In ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte der Kommission führt die Anmelderin an, die Geschäftstätigkeit von BOC in Belgien und den Niederlanden sei begrenzt und dessen Erwerb durch Air Liquide führe somit zu keiner relevanten Veränderung der Wettbewerbsbedingungen auf den französischen Bulk- und Flaschengasmärkten. Nach Überprüfung der Geschäftsunterlagen dieser Tätigkeitsbereiche muss dieses Argument jedoch zurückgewiesen werden. Das Tonnagegeschäft von BOC war durch langfristige Verträge gesichert, die mindestens bis ins Jahr [...]* bzw. [...]* reichten. Das Bulkgeschäft von BOC profitierte vom starken mengenmäßigen Wachstum des Flüssiggasumsatzes. Die Rentabilität hat sich von Jahr zu Jahr erhöht(43), und im Finanzjahr 1998/1999 war ein Betriebsgewinn zu verzeichnen. Das Unternehmen erwirtschaftet einen erheblichen Cash-Flow. Das Flaschengasgeschäft von BOC weist gesunde Wachstumsraten auf und verringerte die Betriebsverluste kontinuierlich im Verlauf der letzten Jahre(44). Vergleicht man die von BOC vorgelegten Finanzdaten mit Angaben von Wettbewerbern zu Markteinstiegsversuchen, die unter ähnlichen Umständen erfolgten, so entspricht die Entwicklung des Umsatzes und der Rentabilität dem, was in der Anlaufphase zu erwarten ist. Daher ist es legitim festzustellen, dass die Geschäftstätigkeit von BOC in diesen Märkten durchaus zukunftsträchtig war. BOC erklärte, dass es geplant habe, nach Überprüfung seiner globalen Aktivitäten die Unternehmungen auf dem europäischen Festland abzustoßen. (200) Durch den Erwerbsvorgang würde die beherrschende Stellung von Air Liquide in Frankreich gestärkt, da BOC als bestehender und potenzieller Wettbewerber in Frankreich ausgeschaltet würde. Die wettbewerblichen Bedenken ergeben sich aus dieser dauerhaften und strukturellen Veränderung im Markt und nicht aus der unternehmerischen Entscheidung eines Wettbewerbers. Der vorgesehene Zusammenschluss würde Air Liquide als den seriösesten potenziellen Konkurrenten im Vereinigten Königreich und Irland ausschalten (201) Air Liquide stellt einen der mächtigsten potenziellen Einsteiger in die Heimatmärkte von BOC dar. Wettbewerber haben zum Ausdruck gebracht, dass Air Liquide von allen Herstellern technischer Gase am besten in der Lage wäre, auf den britischen Markt vorzudringen(45). Angesichts eines Zusammenschlusses dieser Unternehmen ginge dieser Wettbewerbsdruck verloren. Das würde in jedem Fall zutreffen, ob nun Air Liquide im Heimatmarkt von BOC bereits tätig wäre oder nicht. (202) In ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte räumt die Anmelderin ein, dass ein beherrschender Anbieter in der Ausübung seiner Marktmacht durch potenziellen Wettbewerb seitens anderer Unternehmen, die durchaus auf den Markt vordringen könnten, eingeschränkt werden kann. Das anmeldende Unternehmen bestreitet, dass ein potenzieller Neuanbieter im Vereinigten Königreich eine solche Auswirkung hatte. Von einzelnen Anbietern wurde jedoch eine andere Ansicht geäußert. (203) Air Liquide führt an, seine Qualifikation als potenzieller Wettbewerber sei rein theoretischer Natur, da es niemals versucht habe, in den britischen Markt einzusteigen, und das Unternehmen dies höchstwahrscheinlich auch nicht tun werde, da jetzt andere Anbieter auf den Markt vorgedrungen seien. Aus einer der Kommission vorgelegten Projektstudie geht jedoch hervor, dass Air Liquide in Erwägung gezogen hat, Bulk- und Flaschengase im Vereinigten Königreich anzubieten, als es von einem Kunden befragt wurde(46). Ferner gibt Air Liquide zu, dass es Messer gelungen ist, die Einstiegsbarrieren in den britischen Bulk- und Flaschenmarkt zu überwinden, nennt aber keine Gründe dafür, warum es selbst nicht in der Lage sein sollte, auf den britischen Markt vorzudringen. Air Liquide ist im Hinblick auf den Einstieg in andere europäische Märkte der erfolgreichste Hersteller von technischen Gasen. Indem es bei der mündlichen Anhörung erklärte, dass seine Abwesenheit vom britischen Markt als strategische Entscheidung zu werten ist, gesteht Air Liquide ein, dass es nicht durch objektive Faktoren am Einstieg in den britischen Markt gehindert wurde. (204) Schließlich erklärte die Anmelderin bei der mündlichen Anhörung, dass Praxair als ähnlich großes Industriegasunternehmen ebenfalls als ernst zu nehmender potenzieller Wettbewerber im Vereinigten Königreich angesehen werden sollte. Allerdings hat Air Liquide nicht erklärt, weshalb ein Unternehmen, das den größten Teil seiner Geschäftstätigkeit auf dem amerikanischen Kontinent durchführt und nur in begrenztem Maße in Europa präsent ist, als ebenso ernstzunehmender Einsteiger wie Air Liquide, der mächtigste Anbieter von technischen Gasen in Europa, betrachtet werden sollte. Das Beispiel Linde und Messer hat gezeigt, dass Wettbewerber, die ihren Sitz auf dem europäischen Kontinent haben, auch auf den britischen Markt vordringen können (205) Ein Markteinstieg "aus dem Stand" ist beim Flaschengas- und Bulkgeschäft möglich und wurde im Vereinigten Königreich bewerkstelligt. Im Prinzip gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, auf einen ausländischen Markt vorzudringen: - Ausfuhr von technischen Gasen in das Zielland; - Schaffung einer eigenen Produktionskapazität im Zielland, beispielsweise durch Gewinnung von Kunden für große On-site-Produktionsanlagen; - Erstaufbau einer Vertriebsinfrastruktur und Bezug der technischen Gase auf dem Handelsmarkt, bevor eine eigene Produktionskapazität errichtet wird; - Übernahme eines kleinen örtlichen Anbieters und Erweiterung des Vertriebsnetzes und Kundenstamms des übernommenen Anbieters. (206) Der Markteintritt kann erfolgen, ohne dass es notwendig ist, die ganze Breite an technischen Gasen einzuführen, wenn ein solcher Import nicht möglich oder wirtschaftlich tragbar wäre. In diesem Fall würde ein Markteinsteiger in der Regel wie folgt vorgehen: Zuerst errichtet das Unternehmen ein Gasflaschenlager und eine Vertriebsstelle bzw. mehrere Einrichtungen dieser Art. Standardluftgase werden bei örtlichen Anbietern gekauft und in die Flaschen abgefuellt. Hochwertige Gase wie Acetylen, Gasgemische, hochreine und Spezialgase sowie fluessiges Argon werden eingeführt. Wettbewerber haben bestätigt, dass solche Importe erfolgt sind, um den Markteintritt im Vereinigten Königreich zu unterstützen. Nach Gewinnung einer bestimmten Zahl von Kunden errichtet der Anbieter in einem zweiten Schritt eine Anlage zum Abfuellen von Standardgasen (Sauerstoff, Stickstoff, Argon, Argongemische und Kohlendioxid) in Flaschen. Die benötigten Flüssiggase werden auf dem Handelsmarkt gekauft. Hochwertige Gase werden entweder weiter eingeführt oder bei lokalen Anbietern bezogen. Ausgehend von dieser erweiterten Verteilungsstruktur errichtet der Einsteiger als dritten Schritt eine nicht allzu große Luftzerlegungsanlage (zum Beispiel 15-40 Mio. m3/Jahr für Sauerstoff/Stickstoff) sowie weitere Umfuellanlagen im Zielland. Dadurch wird es dem neuen Anbieter möglich, Bulkkunden zu gewinnen und zu beliefern. (207) Ein Hersteller von technischen Gasen kann auf einen ausländischen Markt einsteigen, wenn er einen kleinen lokalen Anbieter erwirbt und dessen Sortiment, Infrastruktur und Kundenstamm erweitert. Ist dieser erste Schritt einmal getan, ist der Einsteiger in der Lage, seine eigene Produktions- und Vertriebskapazität aufzubauen oder zu erweitern, indem er wie in Erwägungsgrund 206 beschrieben vorgeht. (208) Das Beispiel von Linde und Messer bestätigt, dass es möglich ist, auf den Gasflaschen- und Bulkmarkt im Vereinigten Königreich vorzustoßen und begrenzte Marktanteile zu erwerben. Linde stieg 1992 in den britischen Markt ein und hat seither Marktanteile im Gasflaschensegment von unter 5 % bei Sauerstoff, 5-10 % bei Stickstoff, unter 5 % bei Acetylen, 5-10 % bei Argon und Argongemischen und 5-10 % bei Wasserstoff erworben. Messer erlangte Zugang zum britischen Markt, indem er einen kleinen Anbieter von Kohlendioxid erwarb und seine Vertriebsinfrastruktur ausbaute. Das Unternehmen errichtete anschließend eine einzeln stehende Luftzerlegungsanlage in Eggsborough (ursprünglich gemeinsam mit AGA). Im Gasflaschensegment hat es Marktanteile von 5-10 % bei Stickstoff, unter 5 % bei Argon/Argongemischen und 35-40 % bei Kohlendioxid erreicht. Im Bulkgeschäft liegen die Marktanteile von Messer bei Sauerstoff unter 5 %, bei Stickstoff unter 5 % und bei Argon ebenfalls unter 5 %. Der Einstieg in den britischen Markt ist am ehesten Air Liquide, dem in Europa und in der Welt führenden Unternehmen, zuzutrauen (209) In den Märkten für Flaschen- und Bulkgase bestehen die hauptsächlichen Zutrittshindernisse in der Kapitalanlage und den Betriebskosten für die Errichtung und den Unterhalt einer Produktions- und Vertriebsinfrastruktur, im Aufbau eines ausreichenden Kundenstamms, der solche Ausgaben rechtfertigt, sowie in der Finanzierung von Betriebsverlusten im Anlaufstadium, bis das neu gegründete Unternehmen rentabel wirtschaftet. (210) Investitionen und Betriebskosten schwanken in Abhängigkeit von der gewählten Form des Markteintritts. Entscheidet sich ein neuer Anbieter dafür, sich um On-site-Tonnageaufträge in der Absicht zu bewerben, die Produktionsanlage zu groß auszulegen und die Überschüsse an Bulk- oder Flaschengaskunden zu verkaufen, entstehen erhebliche Anschaffungskosten. In den meisten Fällen werden die entstandenen Kosten während der Laufzeit des Vertrags wieder hereingeholt, da On-site-Lieferverträge normalerweise über einen Zeitraum von 10-15 Jahren laufen. Allerdings verfügt nur eine begrenzte Zahl der großen Industriegashersteller über die finanziellen Mittel (und besitzt überhaupt die Voraussetzungen für das Projektmanagement), um so große Projekte in Angriff zu nehmen. Entscheidet sich der Einsteiger dafür, erst eine Infrastruktur für den Vertrieb der Gasflaschen aufzubauen und anschließend sein Geschäft auf den Bulkmarkt auszudehnen, liegen die anfänglichen Investitionsausgaben (Bau eines Gasflaschenlagers und einer Abfuellanlage) im Bereich von 2-3 Mio. EUR. Die Errichtung einer Luftzerlegungsanlage und entsprechender weiterer Abfuellzentren erfordert jedoch eine wesentlich höhere Investition, die sich durchaus auf 50-60 Mio. EUR belaufen kann. Darüber hinaus entstehen ständig Betriebskosten und Transportkosten für die einzuführenden Gase. Im Prinzip ergeben sich langfristig ähnliche Kosten, wenn ein neuer Anbieter einen kleinen lokalen Anbieter aufkauft und versucht, die übernommene Infrastruktur auszubauen. (211) Ein neu gegründetes Industriegasunternehmen benötigt oftmals eine gewisse Zeit, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Die Notwendigkeit, Betriebsverluste während dieser Anlaufphase durchzustehen, stellt eine zusätzliche Barriere dar. Erfolgt der Eintritt in den Markt, könnten etablierte Anbieter versuchen, den Einsteiger daran zu hindern, in ihrem Heimatmarkt richtig Fuß zu fassen, indem sie die Preise des neuen Anbieters auf dem Gebiet zu unterbieten suchen, auf dem das Vordringen erfolgt. Wettbewerber haben Beispiele dafür genannt, wie BOC eine solche Strategie verfolgt hat, um ihnen den Zutritt zum britischen Markt zu verwehren. Der Neueinsteiger muss also in der Lage sein, in einer Anlaufphase einen Betriebsverlust zu verkraften. (212) Großen Herstellern von technischen Gasen gelingt es daher besser als kleinen Lieferanten, auf einen Markt vorzudringen, der bereits von einem etablierten Anbieter beherrscht wird. Große Unternehmen haben höchstwahrscheinlich eher die Finanzkraft, die logistischen und technologischen Ressourcen sowie das strategische Planungsvermögen, um die erforderlichen Investitionen vorzunehmen und den Marktzutritt gegen aggressive Gegenmaßnahmen eines lokalen, eine beherrschende Stellung einnehmenden Anbieters durchzusetzen. Im Fall des Vereinigten Königreichs wird diese Einschätzung dadurch erhärtet, dass zwei im Ausland ansässige große Wettbewerber, Linde und Messer, erfolgreicher bei der Gewinnung von Marktanteilen waren als kleine Neueinsteiger, selbst wenn diese aus dem Vereinigten Königreich (beispielsweise Energas und Medigas) heraus operierten. (213) Vor diesem Hintergrund besitzt Air Liquide als das führende europäische Industriegasunternehmen spezielle Stärken, durch die der ausländische Wettbewerber am besten in der Lage ist, auf den britischen Markt erfolgreich vorzudringen. (214) Air Liquide verfügt über hervorragende Voraussetzungen, um eine Produktions- und Vertriebsinfrastruktur in ausländischen Märkten aufzubauen. Das geht aus der Tatsache hervor, dass Air Liquide mit Erfolg ein Produktions- und Vertriebsnetz für technische Gase in einer Reihe von europäischen Ländern errichtet hat, zu dem einzelne Produktionsanlagen (Bulkgasanlagen), dedizierte Anlagen (die für einen oder mehrere Kunden produzieren) mit Überkapazitäten für den Bulkmarkt, kleine On-site-Produktionsanlagen sowie Flaschenfuelleinrichtungen gehören. Aus Tabelle 4 geht das europäische Produktions- und Vertriebsnetz von Air Liquide außerhalb Frankreichs hervor. Daraus lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen: - In Märkten abseits von seinem Heimatmarkt (Frankreich), die aus Rentabilitätsgründen nicht für Bulklieferungen in Frage kommen, hat Air Liquide eine eigene Produktionskapazität aufgebaut, indem es entweder Einzelanlagen errichtet oder bei dedizierten Tonnageanlagen Überkapazitäten vorgesehen hat. Lediglich in Ländern, in die Bulklieferungen von französischen Produktionsstätten aus erfolgen können (Belgien, Niederlande, Luxemburg und in geringerem Maße auch Deutschland), wurden weniger bedeutende lokale Produktionskapazitäten errichtet. - In allen Ländern, in denen eine einzelne Produktionsanlage installiert wurde, hat Air Liquide auch Flaschenfuellanlagen entsprechend der Größe des betreffenden Marktes errichtet (mit Ausnahme von Finnland, wo lediglich dedizierte Anlagen existieren). In den meisten Ländern deckt das Flaschenfuellnetz das gesamte Spektrum der Gase ab und umfasst u. a. eine Reihe von Einrichtungen, die auch hochwerte Gase mit einem größeren Transportradius (Argon, Argongemische, Acetylen und andere Gase einschließlich von Spezialgasen) abfuellen können. - Darüber hinaus ist es Air Liquide gelungen, in beachtlichem Maße in ausländische Märkte vorzudringen, indem es kleine On-site-Anlagen für Standardgase (Sauerstoff und Stickstoff) angeboten und installiert hat. Erwähnenswert ist weiterhin, dass Kunden in Ländern, die weit ab vom Heimatmarkt von Air Liquide liegen, mit einer solchen Technologie beliefert werden können und auch wurden. (215) Air Liquide gilt bei Wettbewerbern und Branchenkennern allgemein als der führende Anbieter von technischen Gasen über dedizierte On-site-(Tonnage)-Anlagen. Durch seine europaweit starke Position im Tonnagemarkt erhöht sich noch das Vermögen von Air Liquide, in ausländische Bulk- und Flaschengasmärkte unangefochten von jeglichem Wettbewerber einzudringen. In der Vergangenheit hat Air Liquide eine Politik der Überdimensionierung dedizierter Tonnageanlagen verfolgt, um die Überschüsse auf den Bulk- und Gasflaschenmärkten abzusetzen. Diese Art der gleichzeitigen Erzeugung von Gasen im gasförmigen und fluessigen Aggregatzustand machte 1998 [...]* % seiner Gesamtproduktion von fluessigem Sauerstoff und Stickstoff im EWR aus. (216) Air Liquide verfügt über eine beachtliche Ertragskraft, die das Unternehmen Anlaufverluste durchstehen lassen. Es ist der Branchenführer im Hinblick auf Umsatz und Investitionsausgaben. Die Art des Einstiegs von Air Liquide in die Flaschengas- und Bulkmärkte anderer europäischer Länder (Belgien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Italien, Niederlande, Portugal, Spanien und Schweden) bestätigt, dass das Unternehmen in der Lage ist, die finanzielle Belastung des Marktzutritts zu tragen. Das war insbesondere in den Ländern der Fall, in denen lokale Anbieter starke Konkurrenten darstellen (beispielsweise in Deutschland, Italien und Schweden). Air Liquide ist der einzige europäische Wettbewerber, der von einer äußerst starken Position - die einer Vormachtstellung gleichkommt - in einem Heimatmarkt für Bulk- und Flaschengase von beträchtlicher Größe (Frankreich) ausgehen kann. (217) Air Liquide verfügt über hervorragende technologische Sachkompetenz, die ihm den effektiveren Eintritt in ausländische Märkte ermöglicht. Die Branche ist sich darin einig, dass Technologie, insbesondere Anwendungstechnik, zu den wichtigsten Triebfedern des Wettbewerbs im Bulk- und Flaschengasmarkt gehört, da die Produkte weitgehend homogen sind und neue Kunden gewonnen werden können, indem man ihnen neue oder wirtschaftlichere anwendungstechnische Lösungen anbietet, so dass sich kundenseitig die Kosten verringern und die Produktivität steigt. Wird der Zugang zum Markt angestrebt, nimmt die Fähigkeit, neue anwendungstechnische Lösungen zu unterbreiten, an Bedeutung noch zu. Jeder Einsteiger stößt an Grenzen, wenn es um die Gewinnung von Kunden durch Billigangebote geht, da die Produktionskosten seines Unternehmens anfänglich über denen eines angestammten Anbieters liegen, der versucht sein könnte, seine Preise denen des Einsteigers anzupassen(47). Daher ist die Fähigkeit eines neuen Anbieters, bei der Anwendungstechnik mitzuhalten, oftmals für den Ausbau seines Kundenstamms unerläßlich. Es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, dass Air Liquide fortgeschrittenes technologisches Wissen besitzt und im Hinblick auf die Anwendungstechnik eine führende Stellung einnimmt(48). (218) Air Liquide ist ferner ein führender Anbieter von speziellen Technologien, die auch Kunden angeboten werden können, die fern vom Heimatmarkt des Einsteigers ansässig sind (zum Beispiel kleine On-site-Produktionsanlagen für Sauerstoff und Stickstoff auf der Grundlage der VDWA- und Membrantechnik). Air Liquide hat die erfolgreiche Vermarktung dieser Technologien dadurch unter Beweis gestellt, dass es bei Kunden in EU-Ländern außerhalb Frankreichs ungefähr [...]* Aufträge über kleine On-site-Anlagen akquirierte(49). Angesichts der Tatsache, dass die durch kleine On-site-Anlagen bereitgestellten Gasmengen oftmals einem Bedarf entsprechen, der ansonsten durch Bulklieferungen abgedeckt würde, erzielt ein neuer Anbieter aufgrund seiner Fähigkeit, diese Technologie anzubieten, einen zusätzlichen Vorteil bei der Gewinnung von Bulkgasabnehmern. (219) Eine Analyse der speziellen Wettbewerbsstärken von Air Liquide bestätigt, dass das Unternehmen bestens in der Lage ist, auf den britischen Flaschengas- und Bulkmarkt vorzudringen. Ferner vermag Air Liquide besser als jeder andere Wettbewerber, einen solchen Markteintritt erfolgreich durchzustehen. Zwar haben Linde und Messer eine begrenzte Präsenz auf dem britischen Flaschengas- und Bulkmarkt erreicht, doch ist ihre Konkurrenzfähigkeit, insbesondere wenn man sie mit der Marktmacht von BOC vergleicht, wesentlich geringer als die Wettbewerbsstärke, die Air Liquide im Vereinigten Königreich und in Irland ausspielen könnte. Keines der beiden Unternehmen konnte sich in der Vergangenheit in anderen europäischen Ländern im gleichen Maße wie Air Liquide etablieren. Andere Wettbewerber (Praxair, AGA) sind gemessen an Umfang, Gesamtmarktanteil und Produktions- sowie Vertriebsinfrastruktur in Europa wesentlich kleiner(50). Keines der Unternehmen verfügt über ähnlich gute Voraussetzungen wie Air Liquide, um auf den britischen und irischen Markt vorzudringen. Es gibt keinen anderen großen Hersteller von technischen Gasen, der auf den Märkten des Vereinigten Königreichs und Irlands eine Rolle spielen könnte. Daher ist Air Liquide der einzige aussichtsreiche potenzielle Wettbewerber. (220) Abschließend sei festgestellt, dass der potenzielle Wettbewerb auf den Märkten für Flaschen- und Bulkgase im Vereinigten Königreich und in Irland im Wesentlichen davon abhängt, dass Air Liquide weiterhin als unabhängiger Wettbewerber agiert. Wenn sich das etablierte Unternehmen (BOC) und der stärkste potenzielle Einsteiger (Air Liquide) zusammenschließen, ginge dieser Wettbewerbsdruck verloren. Die Abwesenheit von Air Liquide vom britischen Markt ist bislang als strategische Entscheidung eingestuft worden, die jederzeit widerrufen werden kann (221) In der Branche ist man sich darin einig, dass es sich bei dem Entschluss eines Industriegasherstellers, in einen ausländischen Markt einzusteigen, um eine strategische Entscheidung des Unternehmens handelt. Jeder Hersteller von technischen Gasen, der langfristig wachsen will, kann dies nur tun, wenn er seinen räumlichen Marktanteil ausbaut. Davon zeugt insbesondere die Expansion von Air Liquide in Europa un

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.