Europäische Union

2004/124/EG: Entscheidung der Kommission vom 30. Oktober 2001 über die Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2416 — Tetra Laval/Sidel) (Text von Bedeutung für den EWR.) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3345)

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Quellenkennung: 32004D0124. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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tsprodukten in Frage kommen können. Weitere Verbesserungen des Erscheinungsbildes, der Ausgussvorrichtung, des Verschlusses usw. werden auf diesem Markt eine wichtige Rolle spielen. Kartonsysteme müssen ihren Kostenvorteil auf absatzstarken Märkten durch Erhöhung der Produktionsgeschwindigkeit, Reduzierung der Kosten für eine Verpackung und Verbesserung der Effizienz wahren."(58) "Der Erfolg von Saftgetränken mit Konservierungsstoffen in Plastikflaschen könnte sich auf die Nachfrage nach keimfreien Kartonsystemen auswirken. (...) Welche Möglichkeiten sich im Saftsektor ergeben, wird davon abhängen, inwieweit die Unternehmen verschiedene Arten von Designs und Verpackungen ausprobieren."(59) (134) In Frankreich beispielsweise entfällt auf keimfrei abgefuellte Plastikflaschen (PET und HDPE) bei reinen Qualitätssäften mittlerweile ein erheblicher Marktanteil. In allen anderen Ländern spielen Plastikflaschen bei Qualitätsprodukten mit langer Haltbarkeit jedoch nur eine geringe Rolle(60). Im Teesegment "ist auf den meisten Märkten keimfreies PET wahrscheinlich der wichtigste Verpackungstyp, wobei in Deutschland nach wie vor Karton dominiert."(61) (135) Der Warrick-Bericht zieht, was das allgemeine Vordringen von PET zur keimfreien Abfuellung "empfindlicher" Produkte betrifft, den Schluss, dass "Plastikflaschen das schnellste Wachstum in der Verpackung von Flüssignahrungsmitteln zu verzeichnen [hatten] und auch in den nächsten drei Jahren der am schnellsten wachsende Verpackungstyp sein dürften. Der Großteil des Wachstums entfällt auf PET-Flaschen, insbesondere für trinkfertigen Tee. HDPE-Flaschen machen derzeit etwa die Hälfte des Flaschenverbrauchs aus".(62) Die am schnellsten wachsenden Sektoren waren in den letzten Jahren trinkfertiger Tee sowie neuartige Getränke wie aromatisiertes Wasser und Sportgetränke, die in den kommenden Jahren wohl das größte Wachstum verzeichnen werden(63). (136) Der Warrick-Bericht prognostiziert eine Zunahme der keimfreien Abfuellung bis 2003 um zirka 50 %, wovon ein Großteil auf PET entfallen wird, das seinen Anteil mit zirka 2 Mrd. Verpackungen ungefähr verdoppeln wird(64). Der gesamte keimfreie Markt hatte 1999 in Europa einen Wert von 4,5 Mrd. EUR, wovon mehr als 3,5 Mrd. EUR auf keimfreie Kartonverpackungen entfielen. 3.3.4.5. Analystenberichte - Pictet "European Packaging Machinery" [Europäische Verpackungsmaschinen], September 2000 ("Pictet-Report") (137) Der Pictet-Report sagt für PET ein starkes Wachstum voraus. Dem Bericht zufolge soll "die Nachfrage nach PET jährlich um 10 % steigen."(65) "Das künftige Wachstum wird weitgehend durch die Verwendung von zur Abfuellung sauerstoffempfindlicher Produkte geeigneter PET-Flaschen mit verbesserten Barriereeigenschaften bedingt sein."(66)"Da die Verbraucher zunehmend auf PET-Verpackungen für Milch, Säfte und Soßen drängen, ist eine keimfreie Abfuelllösung für PET-Flaschen von größter Wichtigkeit."(67) (138) Pictet zufolge entwickelt sich PET dank der jüngst verbesserten Barriereeigenschaften "nunmehr auch zu einer attraktiven Verpackungsoption für sauerstoffempfindliche Produkte wie Milch und Fruchtsaft - Produkte, die über ein beträchtliches Marktpotenzial verfügen."(68) Pictet fährt fort: "Die guten Marktchancen für PET-Behälter dürften unserer Meinung nach durch keimfreie Kartons, die derzeit auch für sauerstoffempfindliche Produkte verwendet werden, nicht beeinträchtigt werden. Wir sehen klare Wettbewerbsvorteile für PET-Behälter gegenüber keimfreien Kartons (siehe nachstehende Tabelle), und wir erwarten, dass Plastik auf Kosten von Karton rasch an Boden gewinnt."(69) "Wir erwarten eine Verlangsamung des Umsatzwachstums bei Saftkartons, da Säfte zunehmend in PET-Flaschen abgefuellt werden. Da die keimfreie Abfuellung für PET-Abfueller zum Standardverfahren wird, stellt das Abfuellen der Flaschen mit sauerstoffempfindlichen Flüssigkeiten wie Fruchtsäfte kein Hindernis mehr dar."(70) In Bezug auf Milch erwartet Pictet, dass "PET-Flaschen zunehmend an die Stelle von Karton treten werden."(71) 3.3.4.6. Prognosen der Parteien (139) Sidel hat einige Prognosen zur Entwicklung der PET-Märkte angestellt. So sagt Sidel ein jährliches Wachstum von [...]* für Fruchtsäfte, Tees und isotonische Getränke voraus(72). Bis 2005 prognostiziert Sidel eine Zunahme der PET-Umsätze in diesen Produktbereichen um [...].* Auf seiner Jahreshauptversammlung(73) erklärte das Unternehmen, dass bei Säften, Tees und isotonischen Getränken "zunehmend auf PET umgestiegen wird ... auf Kosten von Karton- und Glasbehältern." In einem Interview mit PET planet sagte Francis Oliver:(74) "Ich sage voraus, dass sich der PET-Markt in kurzer Zeit verdoppeln wird ... Zu den neuen Anwendungen gehören Bier, Milch, Fruchtsäfte ..." Daraus geht eindeutig hervor, dass Sidel für die gemeinsamen Produktsegmente in Zukunft eine zunehmende Verpackung in PET voraussieht. (140) Tetra prognostiziert ein rapides Wachstum für den Markt der keimfreien PET-Abfuellung (Verkauf nur an Kunden in den gemeinsamen Produktsegmenten). Innerhalb der letzten drei Jahre habe sich die Zahl der installierten Maschinen im EWR um [70-80 %]* erhöht, die höchste Zuwachsrate sei im Jahr 2000 verzeichnet worden. Tetra geht von einem Anhalten dieses Marktwachstums in den nächsten Jahren in einer Größenordnung von jährlich [20-30 %]* aus(75). 3.3.4.7. Marktuntersuchung der Kommission (141) Die Marktuntersuchung der Kommission zeigte, wie die Marktteilnehmer die künftige Entwicklung von PET-Verpackungen bewerten. Dabei gingen die Meinungen je nach Art, Herkunftsland und PET-Erfahrung des befragten Unternehmens stark auseinander. Deutsche Milchproduzenten beispielsweise sahen geringe Aussichten für ein Wachstum in naher Zukunft, während die italienischen und belgischen Hersteller weitaus optimistischer waren. Optimistisch zeigten sich auch die Hersteller von Eistee, die ein rasches Wachstum von PET auf Kosten von Karton erwarteten. (142) Im Allgemeinen gingen die Marktteilnehmer von einer deutlichen kurzfristigen Zunahme der Verwendung von PET bei den "empfindlichen" Produkten aus. Den Angaben der Teilnehmer zufolge, die eine Prognose zum Anteil der "empfindlichen" Produkte wagten, die bis 2005 in PET verpackt sein werden, konnte die Kommission entnehmen, dass PET-Verpackungen bei Milch durchschnittlich zirka 40 %, bei Säften 30 %, bei FFDs 40 % und bei Eistee über 50 % ausmachen werden. Auskunftspersonen, die keine genauen Angaben zum künftigen PET-Anteil machen konnten, brachten gegenüber der Kommission ihre Meinung zum zukünftigen Wachstum zum Ausdruck. Ein großes auf dem Markt für "empfindliche" Produkte tätiges Unternehmen erklärte: "Wenn es kosteneffektiv und für die Verbraucher akzeptabel wäre, dann bestuende wahrscheinlich ein Anreiz, von Karton auf PET umzusteigen, und zwar wegen der Faktoren, die Karton und PET derzeit voneinander unterscheiden, namentlich Image und Akzeptanz beim Verbraucher, Möglichkeiten der Produktabgrenzung, Widerstandsfähigkeit des Materials und effektive Wiederverschließbarkeit." Ein anderes Unternehmen gab an: "Wir glauben, dass die Technik, die nötig ist, um gute Sauerstoff- und Lichtbarriereeigenschaften zu erreichen, bereits vorhanden ist und dass die Verwendung von PET in den vier genannten Segmenten rasch zunehmen wird." (143) Die Untersuchung der Kommission ergab, dass Dritte die künftige Entwicklung von PET äußerst positiv beurteilen, sofern die Barrieretechnik verbessert wird. Ein SBM-Maschinenhersteller erklärte: "Wir sind absolut überzeugt davon, dass PET dank der Barrieretechnik bei Säften Marktanteile zu Lasten von Karton erobern kann." Die meisten Auskunftspersonen prognostizierten für diesen Fall sowohl bei Milch als auch bei Saft eine rapide Zunahme von PET-Verpackungen in naher Zukunft auf Kosten von Karton. PET gilt aufgrund seiner besonderen Eigenschaften - Durchsichtigkeit, Elastizität, leichte Handhabung, niedrige Kosten und Wiederverwertbarkeit - als wettbewerbsfähiges Material. Mit den entsprechenden Barrieretechniken ausgestattet kann PET nach Auffassung vieler Marktteilnehmer in den nächsten 4-5 Jahren bei Milch und Säften einen Marktanteil von mehr als 50 % zum Nachteil von Karton erreichen. Ein große im Bereich Barrieretechnik tätige Gesellschaft prognostizierte, dass bei einer weiteren Kostensenkung der Technik und bei Verbesserungen des Produktionsprozesses (d. h. beim Blasformvorgang) PET Karton wirksam Konkurrenz machen kann und weiter in das Kartonsegment vordringen wird. 3.3.5. Fazit zur derzeitigen Verwendung und zum Wachstum von PET in den gemeinsamen Produktsegmenten (144) In Anbetracht der vorstehenden Ausführungen ist die Kommission zu dem Schluss gelangt, dass es bei FFDs und Tee-/Kaffeegetränken bereits erhebliche Überschneidungen zwischen PET und Karton gibt. PET macht in diesen Segmenten 20 % bzw. 25 % aus und wird weiter auf Kosten von Karton in diese Segmente vordringen(76). Nach vorsichtigen Schätzungen, wonach PET in diesen Segmenten bis 2005 einen Anteil von 30 % erreicht, würden dann 800 Mio. Liter Tee-/Kaffeegetränke (einschließlich Sportdrinks) und 1 Mrd. Liter Fruchtaromagetränke in PET verpackt werden. (145) Trotz der gegenwärtig generell schwachen Verbreitung von PET bei Flüssigmolkereiprodukten und Säften im gesamten EWR-Raum kommt PET bei FMEs und Säften in bestimmten Mitgliedstaaten wie Italien, Belgien, Niederlande, Frankreich und Großbritannien bereits verstärkt zum Einsatz. (146) Es steht zu erwarten, dass sich die Verbesserungen bei der Barrieretechnik und der keimfreien PET-Abfuelltechnik positiv auf die Stellung von PET in allen vier relevanten Produktsegmenten auswirken werden. Die Kommission hat die Vorlagen und Prognosen der Parteien, die unabhängigen Studien Dritter und die Antworten auf die Marktuntersuchung sorgfältig geprüft und eine Bestandsaufnahme der technischen Verbesserungen vorgenommen. Das Fazit lautet somit, dass PET in den nächsten fünf Jahren bei Flüssigmolkereiprodukten und Säften erheblich zunehmen wird. (147) Die Kommission hält die Erwartungen, wonach PET bis 2005 bei Frischmilch mindestens 10-15 % und bei aromatisierten und sonstigen Milchgetränken mindestens 25 % ausmachen wird, für realistisch. Hinsichtlich der Verwendung von PET für H-Milch (die zirka 50 % des gesamten Milchmarktes im EWR ausmacht) besteht, obgleich die relevante Lichtbarrieretechnik existiert, Ungewissheit. Das Wachstum wird davon abhängen, wie sich die Abfuelltechnik für säurearme Produkte entwickelt und ob die Kosten gesenkt werden können. Die Kommission ist der Auffassung, dass PET bei keimfreier Milch zumindest in kleineren, hochwertigen Segmenten, z. B. bei den Einportionspackungen, über ein erhebliches Wachstumspotenzial verfügt. Wenn bis 2005 mindestens 15 % der Frischmilch, 25 % der sonstigen Milchgetränke und nur 1 % der H-Milch in PET-Flaschen verpackt werden, hieße dies, dass zirka 3 Mrd. Liter jährlich in PET-Flaschen abgefuellt würden (das wären rund 9 % aller Flüssigmolkereierzeugnisse im gesamten europäischen Raum). (148) Bei Säften erwartet die Kommission ausgehend von der Marktuntersuchung einen weitreichenden Umstieg von Glas auf PET und in geringerem Umfang einen Umstieg von Karton auf PET. Große Getränkehersteller haben bereits Saft in PET-Behältnissen auf den Markt gebracht, darunter die Marken Minute Maid und Tropicana. Die Kommission hält die Prognose für realistisch, wonach der Anteil der PET-Flaschen bis 2005 zumindest 20 % des gesamten Saftmarktes im EWR erreichen wird; dies entspräche einer Abfuellmenge von rund 2 Mrd. Litern. Der Anteil wäre damit immer noch immer deutlich geringer als in Nordamerika und im australisch-asiatischen Raum. 3.4. Konkurrenz zwischen PET und Karton bei sich überlappenden Produktmärkten (149) Die Kommission hat aufgrund der Tatsache, dass Karton und PET technisch gesehen austauschbar sind, d. h. dass mit beiden Materialien dieselben Produkte verpackt werden können, sowie aufgrund der Zunahme von PET-Verpackungen in den gemeinsamen Produktsegmenten, auch die Frage untersucht, ob Karton- und PET-Verpackungssysteme einander so weit ersetzen, dass sie aus wettbewerbsrechtlicher Sicht dem selben Produktmarkt zugeordnet werden können. (150) Tetra hat vorgebracht, dass PET- und Kartonverpackungssysteme, auch wenn beide Materialien zur Verpackung derselben Produkte verwendet werden können, getrennte Produktmärkte bilden und dass die Preise des einen Marktes sich nicht zwingend auf die Preise des anderen auswirken. Dies rühre daher, dass die Hauptkriterien bei der Wahl von Verpackungssystemen die Abgrenzung des Endprodukts gegenüber anderen Produkten, das äußere Erscheinungsbild, die Positionierung auf dem Markt sowie die Zielgruppe seien. 3.4.1. Konkurrenz auf den Verbrauchermärkten (151) Tetra hat vorgebracht, dass Getränkehersteller dazu tendieren, PET für Qualitätsprodukte zu verwenden, während Karton für Massenprodukte mit niedrigen Gewinnspannen für preisbewusste Verbraucher eingesetzt wird. Infolgedessen beziehen sich PET und Karton, so Tetra, auf unterschiedliche Verbrauchergruppen und stehen auf dem Endverbrauchermarkt nicht in Wettbewerb miteinander. Als Beleg brachte Tetra vor, dass dasselbe unter der Hausmarke eines Supermarktes verkaufte Produkt (Orangensaft oder Apfelsaft) in PET verpackt deutlich teurer sei als das kartonverpackte Produkt. (152) Die Marktuntersuchung hat die Ansicht der anmeldenden Partei nur teilweise bestätigt. Die Kommission stellte fest, dass PET als Vermarktungsinstrument zur Einführung von Qualitäts- und Markenprodukten diente. Nach ihren Erkenntnissen wird PET jedoch auch für Produkte mit niedrigen Gewinnspannen wie normale Milch, Frischmilch, die 50 % des gesamten Molkereimarktes im EWR ausmacht, und in begrenzterem Umfang auch für keimfreie Milch verwendet. PET hat bereits 10 % des Frischmilchmarktes in Italien erobert; dort wird diese Milch zum selben Einzelhandelspreis wie kartonverpackte Milch angeboten. Es gibt nichts, was Getränkehersteller davon abhalten könnte, PET in verschiedenen einfacheren Formen für Niedrigpreis-Produkte einzusetzen, sobald PET sich auf dem Markt etabliert hat und die Kosten weiter sinken werden. Tatsächlich kommt ein Analyst zu dem Schluss: "Unsere Analyse des PET-Marktes zeigt deutlich, dass PET auf den Massenverbrauchsmärkten sowohl Vermarktungsvorteile als auch wirtschaftliche Vorteile hat."(77) (153) Überdies hat die Untersuchung gezeigt, dass auch Karton für Qualitäts- und Markenprodukte verwendet wird; hier würde PET vermutlich eine direkte Konkurrenz darstellen. Darüber hinaus hat die technische Entwicklung bei Karton, die noch nicht abgeschlossen ist, dazu geführt, dass Karton in immer mehr verschiedenen Ausführungen zur Verfügung steht, so dass sich hieraus eine unmittelbare Vermarktungsalternative für Qualitäts- und Markenprodukte ergeben könnte. Eisteeprodukte von Twinings werden z. B. derzeit in runden "dosenartigen" Kartonbehältern verkauft. (154) Hieraus folgt, dass sowohl Karton als auch PET, obgleich sie auf Verbraucherebene nicht vollkommen austauschbar sind, dieselben Verbrauchergruppen ansprechen können und in sämtlichen der gemeinsamen Endverwendungssegmente eine brauchbare Alternative darstellen, wobei sich PET in jedem Falle für in der Vergangenheit in Karton abgepackte Qualitätsprodukte eignet. 3.4.2. Elastizität der Nachfrage zwischen PET und Kartonverpackungssystemen (155) Tetra hat erklärt, die Wahl der Verpackung hänge von zahlreichen Faktoren ab; dazu gehörten die physikalischen Eigenschaften der Flüssigkeit und der Verpackungen, Verpackungsgröße und Aussehen, Wahrnehmung der Art des Getränks und der Verpackung durch den Verbraucher sowie Vermarktungsstrategien. Diese Vielfalt von Faktoren bringe mit sich, dass Getränke gewöhnlich in mehreren Verpackungsarten auf den Markt gebracht würden, um unterschiedliche Verbraucherbedürfnisse zu befriedigen, und dass des Weiteren die Getränke in unterschiedlichen Verpackungsmaterialien verpackt würden. (156) Dies wurde durch die Marktuntersuchung bis zu einem gewissem Grad bestätigt. Der Vortrag der Parteien und die von die Kommission gesammelten Daten zeigen, dass es schwierig ist, den Grad der Austauschbarkeit zwischen den verschiedenen Verpackungsmaterialien genau zu bestimmen, weil dabei viele Parameter in Betracht gezogen werden müssen. Beispielsweise führen Vergleiche der Verpackungskosten je nach verwendeter Verpackungsgröße zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. (157) Die relativen Kosten von PET-Verpackungen wurden in Abschnitt IV.3.3.2 bereits erörtert. Tetra hat vorgebracht, dass sich Getränkehersteller bei der Wahl des Verpackungsmaterials ungeachtet der relativen Kosten hauptsächlich von Abgrenzungsstrategien und Verbrauchervorlieben leiten lassen. Die Marktuntersuchung hat die Ansicht der anmeldenden Partei nur teilweise bestätigt. Marktauskunftspersonen wurden z. B. gefragt, ob sie von einem Kartonverpackungssystem auf ein PET-Verpackungssystem umsteigen würden und umgekehrt, sofern die Kosten eines Verpackungssystems dauerhaft um einen kleinen Prozentsatz (5-10 %) ansteigen würden. Die Mehrzahl der Auskunftspersonen bestätigte, dass derart geringe Preisanstiege keinen wesentlichen Einfluss auf ihre Wahl des Verpackungssystems ausüben würden. Dieses Argument hat naturgemäß dann mehr Gewicht, wenn man spezifische Ausrüstungsteile, die nur einen Teil des gesamten Verpackungssystems ausmachen, miteinander vergleicht (z. B. schätzt man, dass die Kosten einer SBM-Maschine 20-40 % der Kosten einer ganzen PET-Abfuellanlage ausmachen). (158) Die Marktuntersuchung hat jedoch auch gezeigt, dass die Kosten, auch wenn sie nicht der wichtigste Faktor bei der Wahl des Verpackungssystems sind, insbesondere dann, wenn zwei Verpackungen von den Verbrauchern nicht als hundertprozentig austauschbar angesehen werden, ein wesentlicher Faktor bleiben. Viele Auskunftspersonen gaben zu verstehen, dass für sie ein Preisanstieg von 20 % für eine Umstellung auf das alternative Verpackungssystem ausreichen würde. Die Untersuchung hat auch gezeigt, dass die Umstellung hauptsächlich in einer Richtung ablaufen würde, nämlich von Karton auf PET und nicht umgekehrt. Sofern sämtliche sonstigen Faktoren (einschließlich Preis) gleich bleiben, ist dies nicht weiter verwunderlich, da PET als das modernere Material angesehen wird, das insgesamt von den Verbrauchern bevorzugt wird. 3.4.3. Umstellungskosten (159) Die Marktuntersuchung hat ergeben, dass die Abnehmer nicht bereit wären, bereits installierte Kartonanlagen zugunsten von neuen PET-Anlagen aufzugeben, solange es keine deutlichen Preisunterschiede (weit über 5-10 %) bzw. keine zwingende Verbrauchernachfrage gibt. Dies gilt nicht bei Anschaffung neuer Anlagen zur Aufstockung der Kapazitäten oder als Ersatz für alte ausgediente Anlagen (normalerweise haben PET- und Kartonanlagen eine Lebensdauer von zirka 7-10 Jahren). Überdies sind die Kosten einer Umstellung nicht untragbar, auch wenn sie relativ hoch sind. Die Installierung einer neuen PET-Anlage kostet zwischen zirka 1,5 Mio. EUR für eine Standardanlage und rund 7 Mio. EUR für eine keimfreie Anlage mit hohem Durchsatz. 3.4.4. Austauschbarkeit auf der Angebotsseite (160) Die Kommission stimmt mit der anmeldenden Partei darin überein, dass die mechanischen Prinzipien von Kartonverpackungsmaschinen und SBM-Maschinen sehr unterschiedlich sind und die Technik nicht übertragbar ist. Eine Kartonverpackungsmaschine kann nicht für die Herstellung von PET-Flaschen umgerüstet werden und umgekehrt. Sowohl Tetra als auch ihr kleinerer Wettbewerber, der Kartonlieferant SIG, konnten auf dem PET-Markt mehr durch Akquisitionen als durch Nutzbarmachung ihrer eigenen Kartonverpackungstechnik Fuß fassen. (161) Obgleich die Kommission zustimmt, dass keine hinreichende Austauschbarkeit auf Angebotsseite vorliegt, die von sich aus auf einen einzigen Produktmarkt hinweisen würde, kann sie Tetras Argument nicht folgen, wonach beide Sektoren derart verschieden sind, dass das Know-how in dem einen Sektor von keinerlei Nutzen für den anderen Sektor ist. Dies trifft insbesondere für die keimfreie Technik nicht zu. Tetra bringt vor, dass die keimfreie Technik, obgleich ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Kartonverpackung (die meisten der verwendeten Kartons sind keimfrei), bei PET keinerlei Rolle gespielt habe (weniger als 0,5 % der PET-Verpackungen sind keimfrei). Der Grund dafür, dass die keimfreie Technik bei PET nur eine geringe Rolle spielt, ist der, dass es für Produkte verwendet wurde, die keine keimfreie Abfuellung erfordern (z. B. kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke). Wenn jedoch PET seine Präsenz in den neuen Produktsegmenten ausbaut, wird die keimfreie Abfuellung zu einem Schlüsselfaktor für dessen Erfolg werden. Know-how im Bereich der keimfreien Abfuellung ist deshalb ein wichtiger Faktor, weil es vom Kartonsektor auf den PET-Sektor übertragbar sein könnte. 3.4.5. Fazit zur Konkurrenz zwischen PET-Verpackungssystemen und anderen Verpackungssystemen (162) Sowohl PET als auch Kartonmaterialien eignen sich zu Verpackungszwecken in den vier relevanten Produktsegmenten (FME, Säfte, FFDs, Tee-/Kaffeegetränke) und werden auch tatsächlich in diesen Segmenten verwendet, wobei diese Produktsegmente nahezu die Gesamtheit der kartonverpackten Produkte ausmachen. Eine künftige Zunahme der Verwendung von PET ist daher wahrscheinlich, wobei PET bis zu einem gewissen Grad Marktanteile von Karton übernehmen wird. Aus den vorstehend ausgeführten Gründen und vor allem wegen der noch fehlenden Kreuzpreiselastizität auf der Nachfrageseite gilt jedoch der Schluss, dass PET und Kartonmaterialien aus wettbewerbsrechtlicher Sicht nicht dem selben Produktmarkt angehören, auch wenn ein geringer wechselseitiger Preisdruck vorhanden zu sein scheint. (163) Zum Zwecke der Marktdefinition gilt daher, dass Kartonverpackungssysteme und PET-Verpackungssysteme (und somit Kartonverpackungsausrüstungen und PET-Verpackungsausrüstungen) getrennte relevante Produktmärkte bilden. Des Weiteren gilt, dass die Substituierbarkeit zwischen beiden Systemen derzeit zwar nicht so zwingend und unmittelbar ist, wie es für die Definition eines einzigen Marktes erforderlich wäre (d. h. sie sind schwache Substitute), doch kann sich dies künftig ändern, da die Barrieretechnologie bei PET-Flaschen Fortschritte macht und sich die Kosten für PET- und Kartonverpackungen einander annähern. Deshalb ist nicht auszuschließen, dass in Zukunft diese Märkte so weit zusammenwachsen, dass sie aus wettbewerbsrechtlicher Sicht als zu ein und demselben Produktmarkt gehörig betrachtet werden müssten. Da beide Systeme dieselben Produktsegmente im Bereich der Flüssignahrungsmittelverpackung bedienen, denselben Kundenkreis ansprechen und in zunehmendem Maße mit aseptischen Technologien arbeiten, bilden beide Verpackungssysteme zwei äußerst eng miteinander verwandte Märkte. Die Wechselwirkungen zwischen beiden Systemen werden in Abschnitt V, wo es um die Frage der Marktbeherrschung geht, einer weitergehenden Analyse unterzogen werden müssen. (164) Ausgehend von der Feststellung, dass die beiden Verpackungssysteme verschiedenen, jedoch eng benachbarten Produktmärkten angehören, ist ferner zu prüfen, ob es bestimmte relevante Produktmärkte für spezifische Ausrüstungsteile innerhalb der jeweiligen Verpackungssysteme gibt. Der Markt wird insbesondere mit Blick auf die gemeinsamen Endprodukte (FMEs, Säfte, FFDs und Tee-/Kaffeegetränke) und die Unterscheidung zwischen keimfreien und nicht keimfreien Techniken untersucht. 4. PET-VERPACKUNGSSYSTEME 4.1. SBM-Maschinen (165) SBM-Maschinen dienen der Umwandlung von PET-Vorformlingen oder PET-Harz zur fertigen PET-Flasche. Sie sind in den unterschiedlichsten Ausführungen erhältlich. Die SBM-Maschinenkapazität wird nach Flaschen pro Stunde gemessen (bph = bottles per hour); sie bewegt sich zwischen 1000 bis 50000 bph. Die meisten SBM-Maschinen auf dem Markt sind Standard-SBM-Maschinen, m

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.