Europäische Union

2004/124/EG: Entscheidung der Kommission vom 30. Oktober 2001 über die Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2416 — Tetra Laval/Sidel) (Text von Bedeutung für den EWR.) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3345)

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Quellenkennung: 32004D0124. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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im Zeitraum 2001 bis 2005 der Einfluss von PET eine Gefahr für den Kartonanteil in beiden Produktgruppen darstellt. Tabelle 4 Verpackungsmix bei Getränken mit Fruchtaroma ohne Kohlensäure sowie Eistee und Kaffee. 2000((Canadean-Studie, die der Kommission 24. August 2001 vorgelegt wurde.)) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (71) Laut Tetra wurden im Jahr 2000 in der Gemeinschaft 2,7 Mrd. Liter FFDs hergestellt, von denen über 95 % ungekühlt waren. Die Verwendung von PET erfolgte hauptsächlich im Bereich des ungekühlten Segments und machte mengenmäßig mehr als 95 % aus. An Tee-/Kaffeegetränken wurden im Jahr 2000 in der Gemeinschaft 2,3 Mrd. Liter hergestellt (einschließlich Sportdrinks). 3.3. Zunahme von PET in den gemeinsamen Produktsegmenten (72) Laut Tetra wird die Verwendung von PET für FMEs und Säfte in den nächsten fünf Jahren kaum zunehmen. Tetra räumt ein, dass PET zur Verpackung von FFDs und Tee-/Kaffeegetränken verwendet werden kann und derzeit bereits erfolgreich verwendet wird. 3.3.1. Technische Gesichtspunkte (73) Die anmeldende Partei behauptet, die Verwendung von PET werde aus technischen Gründen nicht zunehmen. (74) Bei FMEs ist Tetra zufolge(28) eine Lichtbarriere von größter Wichtigkeit. Lichteinwirkung führe zum Verderb von Vitaminen und zur Bildung von Beigeschmack. Der Grad der Verschlechterung der Milchqualität hänge vom Zeitfaktor und der Intensität der Lichteinwirkung ab. Diese Einschränkungen gälten nur für weiße H-Milch. Tetra räumt ein, dass es technische Lösungen zur Herstellung einer Lichtbarriere für PET gibt. Sie könne erreicht werden durch Einbau einer dunklen Zwischenschicht oder eine Außenbeschichtung, die eine dunkle Schicht enthält. Sämtliche dieser Lösungen seien derzeit technisch möglich. Sie verursachten jedoch hohe Kosten, erforderten eine komplizierte Herstellungstechnik, brächten Recyclingprobleme mit sich und führten dazu, dass die Durchsichtigkeit der Flasche, einer der Hauptvorteile von PET-Flaschen, verloren gehe. Darüber hinaus sei die keimfreie PET-Abfuelltechnik für säurearme Produkte (FMEs sind Produkte mit niedrigem Säuregehalt) noch unzureichend entwickelt. Tetra gab an, dass sich keimfreie PET-Abfuellmaschinen zur Verpackung von Produkten mit niedrigem Säuregehalt als unbrauchbar erwiesen und keine Genehmigung von der FDA (Federal Drug Agency, US-Bundesbehörde für Nahrungs- und Arzneimittel) erhalten hätten. Das Unternehmen räumt jedoch ein, dass mehrere Abfuellmaschinenhersteller, darunter auch Sidel, über keimfreie Abfuellvorrichtungen verfügen, von denen ausgegangen wird, dass mit ihnen FMEs im Prinzip abgefuellt werden können. (75) Für Säfte ist Tetra zufolge eine Sauerstoffbarriere erforderlich. Saft ist empfindlich gegenüber Sauerstoff, der zu einem Verlust an Vitamin C und zu farblichen und geschmacklichen Veränderungen des Produkts führen kann. Die Empfindlichkeit von Saft gegenüber Sauerstoff hängt von der Fruchtsorte ab. Am empfindlichsten sind Orangensaft und rote Säfte (schwarze Johannisbeere, Preiselbeere, Erdbeere). Laut Tetra existieren brauchbare Barrieretechniken, doch seien diese noch nicht ausgereift und nach wie vor teuer. Außerdem behauptet Tetra, dass der keimfreien Technik für Säfte immer noch Grenzen gesetzt seien. (76) Die Untersuchung der Kommission hat die Einwände von Tetra nur teilweise bestätigt. Es trifft zu, dass sich keimfreie Techniken für die Abfuellung von säurearmen Produkten noch immer im Entwicklungsstadium befinden. Es trifft auch zu, dass weiße H-Milch eine Lichtbarriere erfordert und bei Säften eine Sauerstoffbarriere eingebaut werden muss. (77) Die Kommission ist jedoch zu der Erkenntnis gelangt, dass diese Einschränkungen für große Teile der hier in Frage stehenden "empfindlichen" Produktsegmente nicht gelten. Insbesondere bei gekühlt vertriebener Frischmilch (sie macht 40-50 % des gesamten Milchmarktes im EWR aus) bestehen diese Probleme nicht. Frische Milch kann und wird bereits erfolgreich in herkömmliches PET ohne Barriereeigenschaften verpackt. Aromatisierte keimfreie Milch wirft ebenfalls keine besonderen Probleme auf und wird derzeit in PET verpackt. (78) Die Untersuchung der Kommission hat überdies ergeben, dass die von Tetra vorgebrachten technischen Probleme (Lichtbarriere, Probleme bei der keimfreien Abfuellung und Sauerstoffbarriere) bereits angegangen wurden und dass sich die Techniken in Zukunft rapide verbessern werden. 3.3.1.1. Lichtbarriere (79) In Bezug auf die Lichtbarriere fand die Kommission heraus, dass die Verpackung keimfreier Milch durch den Einsatz von Mehrfachbeschichtungen technisch bereits machbar ist. Die Flasche hat an der Außenseite eine weiße Beschichtung und für gewöhnlich an der Innenseite eine schwarze Beschichtung, durch die die Milch vor Lichteinfluessen geschützt wird. Diese Art der Verpackung ermöglicht einen ausreichenden Lichtschutz, hat jedoch zwei große Nachteile: erstens ist sie teurer, weshalb sie nur für Qualitätsprodukte (wie z. B. Buttermilch) verwendet wird, und zweitens bestehen einige Einschränkungen bezüglich des Recyclings. Trotz dieser Nachteile hat eine große europäische Molkerei bereits eine PET-Flasche mit einer Lichtbarriere für Buttermilch unter der Marke Stassano auf den Markt gebracht; sie ist in niederländischen Supermärkten zu finden. (80) In einer unabhängigen Studie (Virginia Polytechnic Institute and State University (2001)(29) wurden in HDPE (ein bewährtes Material zur Verpackung von H-Milch) und in PET verpackte Milch mit verlängerter Haltbarkeit auf ihren Geschmack hin überprüft. In der Studie wurde angemerkt, dass "PETE(30) viele Vorteile gegenüber HDPE hat, worin Milch normalerweise verpackt wird. PETE verfügt über einen beträchtlichen mechanischen Widerstand, ist leicht, durchsichtig und relativ undurchlässig für Gase. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Verbraucher das Produkt sehen können, was bei pigmentiertem HDPE nicht der Fall ist. Das Ziel dieser Studie bestand darin festzustellen, ob die Entwicklung gewisser Nebengeschmäcke und damit in Verbindung stehender Geschmackskomponenten auf das Verpackungsmaterial zurückzuführen ist." Die Studie kam zu dem Schluss, dass "PETE-Materialien mit Brauneinfärbung für den Schutz des Milchgeschmacks gegen Oxidation sehr effektiv sind. Der Zusatz eines UV-Lichtblockers bewahrte im Vergleich mit dem für gewöhnlich verwendeten HDPE-Material den Geschmack besser, war jedoch weniger effektiv als braungefärbtes PETE. Die höheren Gasbarriereeigenschaften von PETE in Kombination mit dem Schutz vor Lichtoxidation legen den Schluss nahe, dass braungefärbtes PETE oder PETE-UV wirksame Materialien für die Verpackung von Milch mit längerer Haltbarkeit sind." 3.3.1.2. Keimfreie Technik (81) Nach Erkenntnissen der Kommission können sowohl säurearme als auch stark säurehaltige Produkte bereits keimfrei in PET-Flaschen abgefuellt werden. Sidel hat bestätigt, dass es zwar derzeit noch nicht möglich ist, H-Milch zu vertretbaren Kosten in PET-Flaschen abzufuellen, dass es rein technisch gesehen aber keinen Grund gibt, H-Milch nicht in PET-Flaschen abzufuellen, und dass dies bei Milch mit Geschmackszusatz auch schon geschehe. (82) Die Parteien betätigen sich auf diesem Gebiet und können keimfreie PET-Abfuellmaschinen für Produkte mit niedrigem und mit hohem Säuregehalt anbieten. Tetra behauptet in Bezug auf säurearme Produkte, es habe sich keine Abfuellmaschine für die Abfuellung von Produkten mit niedrigem Säuregehalt als brauchbar erwiesen, räumte jedoch ein, dass mehrere Abfuellmaschinenhersteller über keimfreie Abfuellvorrichtungen verfügen, mit denen säurearme Produkte abgefuellt werden können. Tatsächlich stellte die Kommission fest (und Tetra hat dies eingeräumt), dass Tetras eigene Abfuellmaschine, die RFA-40, in Asien erfolgreich für die Abfuellung von säurearmen Produkten, z. B. Milchtees, verwendet wird. Die keimfreie Abfuellung dieser Produkte ist weniger schwierig als bei FMEs. Tetra(31) forscht derzeit auf diesem Gebiet, um eine brauchbare keimfreie PET-Abfuelllösung für FMEs zu entwickeln. (83) Tatsächlich versuchen viele Gesellschaften, aktiv die Verwendung von PET für fluessige Molkereierzeugnisse, darunter auch H-Milch, zu fördern. In einer unabhängigen Studie wird festgestellt: "Es bestehen kaum Zweifel, dass die keimfreie Verpackung in Plastikflaschen aktuell eines der dynamischsten Gebiete der Lebensmittelverpackung darstellt. Nicht nur die Anzahl der installierten Anlagen wird weiterhin rapide zunehmen und sich ausweiten, sondern auch der Umfang an Produkten ... Man sehe sich Unternehmen an wie Sidel/Rémy, Stork, Serac, Shibuya and TetraPak, die allesamt intensivst an technischen Neuerungen arbeiten, die letztlich dazu führen sollen, dass die Verpackung von Produkten mit verlängerter Haltbarkeit und niedrigem Säuregehalt auf ihren Abfuellanlagen bezahlbar wird. Diese plötzliche Geschäftigkeit des Marktes geht zurück auf die Vorliebe der Konsumenten für die Plastikflasche und auf die wirtschaftlichen Vorteile, welche die keimfreie Verpackung gegenüber der herkömmlichen Heißabfuellung hat..."(32). (84) Überdies wird Milch mit verlängerter Haltbarkeit (ESL-Milch, extended shelf life) zunehmend in PET verpackt. ESL-Milch ist ein nicht keimfreies, gekühltes Produkt, das unter ultrasauberen Bedingungen verpackt wird, wodurch eine verlängerte Haltbarkeit (zirka 30 Tage) erzielt wird. ESL-Milch stellt deshalb eine mittlere Lösung zwischen keimfreier und frischer Milch dar. Sidel hat [...]* Kombi-SRU-Maschinen [...]* zur Verpackung von aromatisierter ESL-Milch (Nesquick-Milch mit Schoko- und Bananengeschmack) verkauft. Lehman Brothers berichtete: "Es wurde die doppelte Produktionsgeschwindigkeit gegenüber den zuvor verwendeten Pappkartons erreicht, außerdem Flexibilität beim Verpackungsdesign, verbesserte Rentabilität und eine längere Haltbarkeit für ein größeres Spektrum an Produkten."(33) Der Kommission wurde von Dritten berichtet, dass ESL-Milch derzeit in einer Reihe von europäischen Ländern in PET verpackt wird. In den Niederlanden beispielsweise wird ESL-Milch mit einer Haltbarkeit von 30 Tagen in durchsichtiges PET verpackt. (85) Was Säfte betrifft, so kann PET zur Verpackung von lange haltbaren, keimfrei abgefuellten Säften verwendet werden. Diese Produkte befinden sich bereits auf dem Markt (Minute Maid 1 litre in Frankreich, Tropicana in Großbritannien und Sinaasappelsap in Belgien). Die entsprechende Barrieretechnik ist vorhanden. Tatsächlich ist die von Sidel entwickelte Kombi SRA für keimfrei abgefuellte Produkte mit langer Haltbarkeit gedacht (Tee, aromatisiertes Wasser, isotonische Getränke, Säfte und möglicherweise Molkereierzeugnisse mit einer UV-Barriere). Sidel hat bereits [...]* Kombi-SRA-Maschinen [...]* zur Verpackung von keimfreiem Tee und Orangensaft verkauft. 3.3.1.3. Sauerstoffbarriere (86) Was Sauerstoffbarrieretechniken anbelangt, so behauptet Tetra nicht, dass sie nicht existieren. Marktteilnehmer bestätigten auf Anfrage, dass PET mit bestehenden Barrieretechniken für viele Arten von "empfindlichen" Produkten wie FFDs, Tee- und Kaffeegetränke sowie für einige Säfte und FMEs verwendet werden kann und derzeit auch verwendet wird. Die problematischsten Anwendungsgebiete sind reine Säfte. (87) Die Nachforschungen der Kommission haben ergeben, dass sich die Barrieretechnik bei PET-Verpackungen zum Schutz vor Sauerstoffzufuhr kontinuierlich weiterentwickelt. PET wird sich daher zur Verpackung von fluessigen Molkereiprodukten und Fruchtsäften in Zukunft noch besser eignen. Die Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten PET-Verpackungshersteller bereits Barrieretechniken zur Lösung dieses speziellen Problems anbieten. Sowohl die anmeldende Partei als auch Sidel haben bereits erfolgreiche Barriere-Technologien in Form von Plasmabeschichtungen entwickelt. Nach Erkenntnissen der Kommission gibt es über 20 Unternehmen, die verschiedene technische Lösungen auf diesem Gebiet anbieten. Die vielsprechendste Zukunftstechnologie ist ein einschichtiges PET-Harz, das die erforderlichen Barriereeigenschaften aufweist. Diese Techniken werden wahrscheinlich demnächst auf den Markt kommen und eine radikale Veränderung der Gesamtlage im Bereich der PET-Barriere-Technik mit sich bringen. (88) In Anbetracht der vorbezeichneten Gründe ist die Kommission zu dem Schluss gelangt, dass sich PET derzeit sowohl aufgrund der keimfreien Abfuelltechnik als auch aufgrund der Barrieretechnik zur Verpackung von FMEs, Säften, FFDs und Tee-/Kaffeegetränken eignet und dass sich diese beiden Techniken in naher Zukunft weiterhin rapide und kontinuierlich verbessern werden. 3.3.2. Kostengesichtspunkte (89) Die anmeldende Partei hat vorgebracht, dass einer der Gründe, weshalb PET-Verpackungen in Zukunft nicht rapide auf Kosten von Karton zunehmen werden, die höheren Kosten seien. Tetra hat eine Kostenstudie durchgeführt, wonach die Kosten für die Herstellung einer PET-Flasche wesentlich höher sein sollen als die einer Kartonverpackung. Für einen Liter keimfreien Saft beispielsweise seien die Kosten bei PET um bis zu 50 % höher; die Zusatzkosten entstuenden wegen des Bedarfs an Verbrauchsgütern (gesondertes Etikett und Schraubverschluss), sowie aufgrund der höheren Ausrüstungskosten. Ein großer Anteil der Kostendifferenz wurde dem Abfuell-/SBM-Verfahren zugeschrieben. Ähnliche Ergebnisse ergaben sich in Bezug auf kleinere Verpackungen und nicht keimfreie Verfahren sowohl für Saft als auch für Milch. (90) Der Warrick Report(34) gelangt zu der Feststellung, dass PET für die keimfreie Verpackung "derzeit um 30-40 % teurer ist als Karton." Im Bericht heißt es, dass, um in Bezug auf die Gesamtkosten wettbewerbsfähig zu sein, der PET-Verpackungspreis um 5-10 % niedriger als der für keimfreien Karton sein müsste, um so die geringeren Vertriebskosten von Kartonsystemen kompensieren zu können. Selbst bei einer Verringerung des Preises von Flaschen mit Barriere aufgrund der Produktion größerer Mengen würden die Kosten immer noch um rund 20 % höher liegen als bei Karton. Vor diesem Hintergrund kommt der Bericht zu dem Schluss, dass "sich jegliche Verwendung [von PET-Flaschen] auf Nischenmärkte beschränken wird ..."(35). Die keimfreie Verpackung von Milch schließt möglicherweise auch "ein ungekühltes ESL-Produkt mit ein - keimfrei abgefuellt in einer Flasche ohne Barriere"(36). (91) Die Kommission hat geprüft, inwieweit es zum gegenwärtigen Zeitpunkt und in Zukunft möglich ist, PET zu einem gegenüber Karton wettbewerbsfähigen Preis anzubieten. (92) Die Marktuntersuchung der Kommission ergab kein klares Bild der relativen Kosten von PET- und Kartonverpackungssystemen. Einige Marktteilnehmer gaben an, dass für die meisten Anwendungen und insbesondere für Produkte, die eine Barriere erfordern, PET teurer sei. Die Mehrheit der Befragten war jedoch nicht in der Lage, die genauen Kostenunterschiede anzugeben, meistenteils deshalb, weil sie über keine Erfahrungen mit beiden Materialien verfügten. Dennoch erklärten einige (hauptsächlich diejenigen, die über größere Erfahrungen mit PET verfügen) gegenüber der Kommission, dass für sie PET tatsächlich billiger sei als Karton. Ein Eisteehersteller berichtete, dass die Kosten für die Verpackung in einer herkömmlichen 1,5 Liter-PET-Flasche zirka 25 % unter denen für einen Ein-Liter-Karton lägen. Ein anderer Eisteehersteller setzte den PET-Preis um 33 % niedriger an als den Preis für die Verpackung in Karton. Eine von einem Milchproduzenten in Auftrag gegebene Studie, in der die Kosten für die Verpackung von einem Liter keimfreie Milch in PET-Flaschen bzw. in Karton unter Einsatz verschiedener Techniken und Designs miteinander verglichen wurden, zeigte zweifelsfrei, dass PET in einigen Fällen billiger und in anderen zumindest äußerst konkurrenzfähig ist. Die Studie bestätigte somit die von der anmeldenden Partei berichteten großen Preisunterschiede zwischen PET und Karton nicht. (93) Tetra brachte außerdem vor, die Verpackungskosten würden nur einen Bruchteil (zirka 10 %) der Kosten des Endprodukts ausmachen. Es gibt daher auf den ersten Blick keinen Grund, weshalb kleine Kostenunterschiede zwischen PET- und Kartonverpackungssystemen zu wesentlichen Preisunterschieden beim im Supermarkt verkauften Einzelhandelsprodukt führen sollten. In PET verpackte Produkte sind jedoch deshalb teurer als in Karton verpackte Erzeugnisse, weil die Getränkehersteller sie anfangs als Spitzenprodukte vermarkten, um in diesem Bereich größere Gewinne erzielen zu können. Sobald PET auf dem Markt etabliert ist, dürfte es sich jedoch auch in Nicht-Hochpreis-Produktsegmenten durchsetzen. In Italien und Australien, wo Frischmilch in PET-Flaschen keine Besonderheit mehr ist, gibt es nahezu keinen Preisunterschied zwischen kartonverpackter und in PET verpackter Frischmilch mehr. (94) Ein aktuelles Beispiel für die Einführung von PET-Flaschen liefert die OLMA-Molkerei in der Tschechischen Republik. OLMA hat kürzlich damit begonnen, Frischmilch und Trinkjoghurt in PET abzufuellen. OLMA gab an, dass "die Kosten der neuen PET-Flasche im Vergleich zu einem Standardkarton auf dem Markt zwischen 30 bis 40 % [höher] liegen, doch ist dieser Umstand im Rahmen unseres neuen Herstellungskonzepts völlig irrelevant. Wenn es uns gelingt, unseren Marktanteil bei Frischmilch von 3 % auf 11 % zu steigern, relativieren sich sämtliche projektbedingten Kosten"(37). OLMAs Einführung von Frischmilch in PET-Flaschen ist bereits jetzt erfolgreicher als erwartet; "die hohe Nachfrage seitens des Einzelhandels und seitens der Verbraucher nach der attraktiven, durchsichtigen und leichten Flasche" führte schnell zu Kapazitätsengpässen. OLMA hat daher bei Elopak Plastic Systems(38) eine weitere PET-Anlage in Auftrag gegeben. 3.3.2.1. HDPE-Kostenvergleich (95) Mit dem Kostenargument begründete Tetra auch ihre Behauptung, PET werde im Milchsegment HDPE keine Marktanteile abnehmen können. Nach Aussage von Tetra ist PET um mehr als 10 % teurer als HDPE. In ihrer Antwort auf das Auskunftsverlangen führt Tetra die Vorteile von HDPE für die keimfreie Verpackung von Molkereierzeugnissen auf. HDPE sei wesentlich kostengünstiger als barrierebehandeltes PET, keimfreie Abfuellmaschinen für HDPE existierten bereits, bei PET-Flaschen könnten im Gegensatz zu Flaschen aus HDPE keine außermittigen Flaschenhälse oder Henkel angebracht werden, das Sterilisierungsverfahren sei bei HDPE sei einfacher und weniger störungsanfällig als bei PET und außerdem sei eingefärbtes PET schwer zu recyceln. (96) In der PCI-Sudie(39) wurde ebenfalls das Abschneiden von PET im Vergleich zu HDPE untersucht. Darin heißt es: "PET erfuellt denselben Zweck wie HDPE, allerdings hat PET eine bessere Gesamterscheinung. Durchsichtige Flaschen stellen die Frische des Produkts in den Vordergrund und bieten ein apartes Erscheinungsbild im Regal. Der Kostenunterschied wird mit ungefähr 10 % pro Verpackung angegeben. Diese Vorzüge haben PET bisher für gewisse Segmente des Marktes für Molkereierzeugnisse interessant gemacht, wo es einen eindeutigen Vorteil gegenüber den anderen Verpackungen hat. Zu diesen Segmenten gehören Frischmilch erster Güteklasse in Packungsgrößen von unter einem Liter, Milchgetränke sowohl in Haushaltspackungsgrößen als auch in Einzelportionen und Milchgetränke für Kinder in Einzelportionen."(40) (97) Die Marktuntersuchung der Kommission bestätigte die Theorie von PCI, wonach PET Vermarktungsvorteile gegenüber HDPE aufweist, insbesondere dort, wo es auf die Sichtbarkeit des Produkts ankommt. Soweit Vermarktungsvorteile bestehen, gibt es keinen Grund, weshalb die etwas höheren Kosten von PET gegenüber HDPE die Wachstumsaussichten für PET behindern sollten. In der Tat hielten in Frankreich die höheren Kosten für HDPE im Vergleich mit Karton das rapide Wachstum von HDPE auf Kosten von Karton nicht auf. In der Tetra-Vorlage vom 3. Oktober 2001 wird auf den französischen Markt für keimfreie Milch verwiesen und darauf, dass HDPE dort nunmehr einen Marktanteil von nahezu 30 % erreicht habe. HDPE für einen Liter keimfreie Milch kostete über 20 % mehr als perforierter Karton. Trotz dieses Kostenunterschieds drang Milch in HDPE erfolgreich auf dem französischen Milchmarkt vor, und zwar zum Nachteil von Karton. 3.3.2.2. Investitionskosten (98) Tetra hat die Höhe der Investitionen geprüft, die erforderlich wären, um das von der Kommission prognostizierte PET-Wachstum zu erzielen, und hält es für unrealistisch. Als Beispiel für den Investitionsbedarf legte Tetra den Milchmarkt im EWR zugrunde. Danach sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Molkereien im gesamten EWR ungefähr 4000 Kartonabfuellmaschinen installiert. Wenn PET bis 2005 50 % der gesamten Milchverpackung ausmachen soll, würde dies bedeuten, dass 2000 Kartonabfuellanlagen innerhalb der nächsten 3 Jahre ersetzt werden müssten (9-12 Monate Vorlaufzeit, bis die Anlage in Betrieb genommen werden kann). Da PET-Abfuellanlagen im Durchschnitt etwas schneller als Kartonabfuellanlagen laufen, würde dies bedeuten, dass zirka 1500 PET-Abfuellanlagen installiert werden müssten. Die durchschnittlichen Kosten für eine für säurearme Produkte ausgelegte PET-Abfuellanlage liegen bei zirka 10 Mio. EUR. Das hieße, dass sich allein die zur Ersetzung der Verpackungsanlagen von den Molkereien im EWR aufzubringenden Investitionen auf 15 Mrd. EUR belaufen würden. Hierzu kämen eine Reihe von Zusatzkosten, wie z. B. Kosten aufgrund von Veränderungen in der Logistikkette und der Vermarktungsstrategie. (99) Die Kommission hält diese Analyse in mehrerlei Hinsicht für fehlerhaft. Erstens prognostizierte die Kommission in ihrer Mitteilung der Beschwerdepunkte kein Wachstum in Höhe von 50 %(41). Zweitens wird durch PET-Abfuellanlagen nicht nur Karton, sondern auch Glas, Dosen und HDPE ersetzt werden. Drittens wird laut PCI-Studie der Verbrauch von einfacher weißer Milch in größeren Packungen kaum steigen, während der Verbrauch von Milch in Einportionsflaschen und von aromatisierter Milch rasch zunehmen wird. Kapazitäten für diese Produkte müssen deshalb nicht notwendigerweise bestehende Kapazitäten ersetzen. Viertens hatten die Investitionen in neue Anlagen offenbar keine nachteiligen Auswirkungen auf die rapide Zunahme von PET in Italien, wo PET in nur zwei Jahren einen Frischmilch-Marktanteil von 10,5 % erobert hat(42). Sogar Canadean(43) geht von einem Anhalten dieses rapiden Wachstums in Italien aus und schätzt, dass "im Kühlsektor PET-Flaschen in Italien bis 2005 nahezu 23 % ausmachen könnten." Desgleichen haben in Frankreich, wo HDPE Marktanteile von Karton übernommen hat, die rasanten Investitionen in HDPE-Abfuellanlagen für keimfreie Milch dazu geführt, dass HDPE in nur sechs Jahren zirka 10 % dieses Marktes erobert hat(44). Fünftens beträgt die Nutzungsdauer einer Kartonmaschine rund 10 Jahre, was bedeutet, dass im Durchschnitt von einem Erneuerungsbedarf der bestehenden Kapazitäten in Höhe von 10 % pro Jahr auszugehen sein dürfte. Ausgehend von den von Tetra vorgelegten Informationen hieße dies, dass jährlich 400 Kartonmaschinen ersetzt werden. Wenn auch nur ein Teil der sich daraus ergebenden Maschinenneuverkäufe auf PET-Maschinen entfällt, würde dies noch immer eine deutliche Zunahme der PET-Kapazitäten bedeuten. (100) Die Kommission merkt überdies an, dass die Berechnung der Kosten für eine durchschnittliche PET-Abfuellanlage für säurearme Produkte bei Tetra höher ausfällt als in dem von Sidel(45) vorgenommenen Kostenvergleich für verschiedene PET-Abfuellanlagen. Für eine Standard-Abfuellanlage für keimfreie Produkte (Alto) und eine keimfreie Kombi-Anlage geht Sidel von Kosten von knapp über [4-7]* Mio. EUR aus und nicht wie Tetra von 10 Mio. EUR. Das OLMA-Projekt in der Tschechischen Republik kostete 2,7 Mio. EUR und umfasste SBM-Maschinen, Vorrichtungen zur Flascheneinlagerung und die Abfuellmaschinen, die innerhalb von nur fünf Monaten installiert waren(46). 3.3.3. Absatzstrategische Gesichtspunkte (101) PET lässt sich gut vermarkten, was das Wachstum

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.