Europäische Union

2004/124/EG: Entscheidung der Kommission vom 30. Oktober 2001 über die Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2416 — Tetra Laval/Sidel) (Text von Bedeutung für den EWR.) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3345)

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Quellenkennung: 32004D0124. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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szweck, die die Art des vom Kunden verpackten Flüssignahrungsmittels wiedergeben. Die anmeldende Partei gelangte zu der Feststellung, dass keine der den Verwendungszweck wiedergebenden Variablen von statistischer Bedeutung sei. Die Kommission hat die angewandte Regressionsanalyse untersucht und festgestellt, dass die Berechnung nicht stichhaltig ist(159). Sie führte ihre eigene Berechnung basierend auf von Tetra vorgelegten Daten und unter Einbeziehung weiterer erklärender Variablen durch.(160) In der Regressionsanalyse der Kommission wurde als abhängige Variable der Preis der verkauften Maschine und nicht die Verkaufsgewinnspanne verwendet. Die erklärenden Variablen waren der Durchsatz der Maschine, einen Zeittrend, drei stellevertretende Ländervariablen und drei stellvertretende Variablen für den Verwendungszweck (Öl, Wasser und kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke). [Informationen zur Preispolitik von Sidel]*. (352) Bei der mündlichen Anhörung brachte Tetra vor, die Analyse der Kommission sei absolut fehlerhaft, da damit nicht das Vorliegen einer Preisdiskriminierung geprüft werde. Tetra argumentiert, dass zur Feststellung einer Preisdiskriminierung sichergestellt werden müsse, dass sich die Verkäufe auf dasselbe Produkt bezögen. Tetra behauptete, dass die Kommission bei ihrer Analyse nicht ausdrücklich auf die Kosten abstelle. Zwar könne auch der Durchsatz bis zu einem gewissen Grad Aufschluss über die Unterschiede bei den jeweiligen Geschäftsabschlüssen geben, doch sei er eine sehr schwache Kontrollvariable für Unterschiede bei den Spezifikationen, da sich die Geschäfte nicht allein nur nach dem Durchsatz der Maschinen unterscheiden. Tetra ist der Auffassung, dass sich die Auswirkungen, die die unterschiedliche Beschaffenheit der jeweiligen Geschäfte auf die Preise haben können, mit den Kosten weitaus besser nachprüfen lassen. (353) Tetra hat deshalb die Regression der Kommission, allerdings unter Einbeziehung der Kosten als erklärender Variable, erneut berechnet, mit dem Ergebnis, dass die stellvertretenden Variablen für den Verwendungszweck wiederum statistisch nicht signifikant waren. Tetra gelangt daher zu dem Schluss, dass nichts dafür spricht, dass Sidel in der Lage gewesen sei, gegenüber Käufern je nach Verwendungszweck Diskriminierungen vorzunehmen. (354) Bezüglich der Frage, ob der Durchsatz einer Maschine kostenerheblich ist, hat die Kommission festgestellt, dass die Verwendung des Durchsatzes als erklärende Variable gerechtfertigt ist, da er eindeutig die Kosten entscheidend mitbestimmt. Die Regression der Kosten nach Durchsatz, Verwendungszweck und Standort ergibt einen Anpassungsgrad ("goodness-of-fit") von 64 %, wobei sämtliche Variablen signifikant sind, was darauf schließen lässt, dass die Kosten in starkem Maße vom Durchsatz der Maschine abhängig sind. (355) Tetras letzte Regression verwendet sowohl die Kosten als auch den Durchsatz als erklärende Variablen. Dies führt zu einer Multikollinearität(161) (was bedeutet, dass die Koeffizienten sehr hohe Standardfehler sowie einen geringen Aussagewert aufweisen können)(162) und zur Fehlerhaftigkeit der Ergebnisse in statistischer Hinsicht. (356) Die ursprüngliche Gleichung der Kommission ist deshalb statistisch signifikant, weil sie den Preis mit dem Durchsatz sowie verwendungs- und standortspezifischen Variablen erklärt. Wenn die Gewinnspanne die Differenz zwischen Preis und Kosten ist, dann sollten diese Variablen (Verwendungszweck und Standort) ebenfalls für die Erklärung der Gewinnspanne von Bedeutung sein. Dies war jedoch in Tetras erster Gleichung nicht der Fall. Hierzu ist zu sagen, dass die Gewinnspanne das Ergebnis von Einfluessen auf der Nachfrage- und auf der Angebotsseite ist; ohne zusätzliche Informationen, die diese Einfluesse voneinander trennen, lässt sich daher nicht auf das Bestehen bzw. Fehlen einer Preisdiskriminierung schließen. (357) Diese zusätzlichen Informationen sind in der Heteroskedastizität von Residuen(163) zu finden, die in sämtlichen der bisher erörterten Gleichungen zu entdecken sind. Heteroskedastizität tritt dann auf, wenn die Regressionsresiduen Varianzen aufweisen, die im Verlauf der Beobachtungen nicht konstant sind. Insbesondere die Residuen in Tetras ursprünglicher Regression sind nicht rein zufällig. Eine Regression auf die quadrierten Residuen gegen die Variablen "Durchsatz" und andere Variablen zeigt, dass Durchsatz und Standort eine signifikante Auswirkung auf die Varianz von Residuen haben. (358) Heteroskedastizität ist daher ein Beleg für Preisdiskriminierung, wobei sich zeigte, dass die kundenspezifischen Einfluesse die Varianz von Sidels Gewinnspannen steuern. Nach dem Heteroskedastizitätstest sind sowohl Tetras ursprüngliche Regression als auch die ursprüngliche Regression der Kommission insofern richtig, als beide zeigen, dass eine Preisdiskriminierung stattfindet. 3.3.2.4. Fähigkeit und Anreiz zur Ausnutzung der beherrschenden Stellung (359) Die Analyse der Kommission hat bestätigt, dass sich die Marktstruktur nach der Fusion ganz besonders dazu eignet, um aus der beherrschenden Stellung auf dem einen Markt Nutzen für den anderen Markt zu ziehen. Es würde einen gemeinsamen Kundenbestand geben, der sowohl Karton als auch PET-Verpackungssysteme zur Verpackung "empfindlicher" Flüssigkeiten benötigt. Tetras beherrschende Stellung bei der keimfreien Kartonverpackung ist mit einem Marktanteil von [80-90 %]* und einem abhängigen Kundenbestand besonders stark. Tetra/Sidel könnte auf einer starken führenden Stellung bei PET-Verpackungssystemen und insbesondere bei SBM-Maschinen mit einem Marktanteil im Bereich von [60-70 %]* aufbauen. Tetra/Sidel hätte die Möglichkeit, gezielt bestimmte Kunden oder bestimmte Kundengruppen anzusprechen, da die Struktur des Marktes Preisdiskriminierungen erlaubt. Tetra/Sidel hätte einen starken wirtschaftlichen Anreiz, seine Stellung marktübergreifend auszunutzen. Da Karton und PET technisch austauschbar sind, gelten Kunden, die auf PET umstellen, auf der Kartonseite des Geschäfts als verlorene Kunden, entweder weil sie teilweise von Karton auf PET umgestellt haben oder weil sie einen Teil der Produktion nicht von anderen Verpackungsmaterialien auf Karton umgestellt haben. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Anreiz, den Kunden für das PET-Geschäft zu gewinnen, um den Verlust auszugleichen. Durch die Ausnutzung ihrer derzeitigen Marktstellung im Bereich Karton würde Tetra/Sidel nicht nur ihren Marktanteil auf der PET-Seite erhöhen, sondern auch einem möglichen Verlust auf der Kartonseite entgegenwirken oder ihn kompensieren. Die Wettbewerber von Tetra/Sidel auf den Karton- und PET-Ausrüstungsmärkten wären weitaus kleiner; der größte unter ihnen würde über einen Anteil von höchstens [10-20 %]* des Marktes für Kartonverpackungsmaschinen bzw. SBM-Maschinen verfügen. (360) Angesichts dieser besonderen Lage der Dinge ist bei der Analyse der Auswirkungen von Zusammenschlüssen auf dem Markt besondere Wachsamkeit angezeigt(164). 3.3.2.5. Art der strategischen Ausnutzung (361) Aufgrund ihrer beherrschenden Stellung auf dem Gebiet der keimfreien Kartonverpackung deckt Tetras Kundenbestand nahezu die gesamte Molkerei- und Saftgetränkeindustrie ab. Die Marktuntersuchung der Kommission hat bestätigt, dass Tetra für Molkereien und Safthersteller im EWR ein unausweichlicher Geschäftspartner ist. (362) Des Weiteren hat Tetra eine sehr enge Beziehung zu ihren Kunden. Die engen Bindungen, die Tetra mit ihren Kunden unterhält, sind charakteristisch für ihr Geschäft und einer ihrer größten wirtschaftlichen Vorteile. Tetra ist in der Tat nicht nur ein einfacher Ausrüstungshersteller, der Maschinen an seine Kunden verkauft und dann seine Verbindungen zu ihnen abbricht. Viele der Kunden werden von Tetra auf langfristiger Basis mit Verbrauchsgütern (keimfreie Kartonrollen oder nicht keimfreie Kartonrohlinge) versorgt(165). (363) Durch die Fusion hätte Tetra/Sidel beim Eintritt in diese Märkte gegenüber PET-Ausrüstungswettbewerbern, die nicht über diesen etablierten Kundenbestand in den traditionellen Kartonendverwendungssegmenten verfügen, einen einmaligen Vorteil. Das fusionierte Unternehmen wüsste genau, welche Kunden eine Umstellung auf PET planen, und könnte aufgrund seiner Kenntnis der Bedürfnisse der Kunden aus dem Kartongeschäft diesen rechtzeitig maßgeschneiderte PET-Lösungen nahe legen, mittels derer sie nahtlos mit nur einem Lieferanten von Karton auf PET umstellen können. (364) Durch die auf mehrere Arten mögliche Ausnutzung seiner beherrschenden Stellung bei keimfreiem Karton wäre Tetra/Sidel in der Lage, Wettbewerber zu verdrängen und den PET-Ausrüstungsmarkt zu beherrschen, insbesondere im Bereich SBM-Maschinen. Tetra/Sidel hätte die Möglichkeit, den Verkauf von Kartonverpackungsausrüstungen und Verbrauchsgütern mit PET-Verpackungsausrüstungen und eventuell Vorformlingen (vor allem barriereverbesserte Vorformlinge) zu koppeln. Das Unternehmen könnte außerdem Druck ausüben oder Anreize schaffen (z. B. durch Preiskriege oder Treuerabatte), um zu erreichen, dass seine Kartonkunden PET-Ausrüstungsgüter und eventuell auch Vorformlinge von Tetra/Sidel und nicht von Tetra/Sidels Wettbewerbern oder von unabhängigen Flaschenherstellern beziehen. (365) Viele Kunden, die weiterhin für einen Teil ihrer Produktion Kartonverpackungen benötigen, könnten dazu gezwungen oder durch Anreize dazu bewogen werden, ihren Bedarf an Karton- und PET-Ausrüstungen von einem einzigen Hersteller zu beziehen. Kunden, die sich zur Deckung ihres Bedarfs an Kartonverpackungen langfristig an Tetra gebunden haben, werden besonders schutzlos sein. Tetra könnte ihnen einen neuen Vertrag anbieten, der es ihnen erlaubt, einen Teil ihrer Produktion auf PET umzustellen unter der Voraussetzung, dass sie ihre PET-Ausrüstung und Serviceleistungen von Sidel beziehen. Die Kunden könnten auch durch langfristige Vereinbarungen an Tetra gebunden werden (die meisten Kunden werden nicht komplett von Karton auf PET umstellen, d. h. sie bleiben bei Karton auf jeden Fall von Tetra abhängig). Somit würde sich Sidels Stellung bei PET-Ausrüstungen und insbesondere bei SBM-Maschinen in sämtlichen neuen PET-Segmenten (FMEs, Säfte, kohlensäurefreie Getränke und Tee-/Kaffeegetränke) verbessern. 3.3.2.6. Auswirkungen der strategischen Vorteile (366) Die anmeldende Partei bringt vor, dass die vorerwähnten Praktiken keine wettbewerbswidrigen oder marktabschottenden Auswirkungen haben würden(166). Tetras Vorbringen konzentriert sich lediglich auf zwei mögliche Praktiken, auf den "Paketverkauf" ("mixed bundling") und die "Zwangskopplung" ("forced bundling"), die laut Tetra keine Auswirkungen auf den Verpackungsmarkt haben werden. Der "Paketverkauf" sei, so Tetra, nicht bedenklich, da "die Summe der SBM-Maschinenverkäufe, die durch eine Strategie des Verkaufs im Paket von den Wettbewerbern abgelenkt werden könnte, im Verhältnis zur Gesamtnachfrage nach SBM-Maschinen relativ klein ist", weil die Wettbewerber weiterhin ihre SBM-Maschinen an die große Mehrheit derjenigen Kunden verkaufen könnten, die nur SBM-Maschinen benötigen, wie Hersteller von kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken (CSDSs) und Wasser. Eine Strategie der "Kopplung" würde laut Tetra darauf hinauslaufen, die beiden Maschinen (Karton- und SBM-Maschine) nur zusammen zu verkaufen. Eine solche Strategie wäre unrentabel, da viele nicht an PET interessierte Kunden das Paket nicht haben wollten und sich somit an Wettbewerber wenden würden. Überdies könnten Wettbewerber keinen Schaden nehmen, da sie ihre SBM-Maschinen in anderen Endverwendungssegmenten (in denen Karton nicht verwendet wird) - z. B. CSDs und Wasser - weiterhin verkaufen könnten. (367) Die Kommission kann die Argumentation von Tetra nicht teilen. Es ist nicht einsichtig, weshalb das fusionierte Unternehmen nur die Wahl zwischen "Paketverkauf" und der von den Wirtschaftsexperten der anmeldenden Partei erwähnten begrenzten Form der Kopplung haben soll. Angesichts der ihr offen stehenden Möglichkeit der Preisdiskriminierung ist es tatsächlich äußerst unwahrscheinlich, dass die fusionierte Einheit dazu übergeht, Kartonverpackungsmaschinen und PET-Verpackungsausrüstungen ausschließlich im Paket anzubieten. Stattdessen wäre es vernünftiger, wenn das fusionierte Unternehmen den Kunden, die nicht in der Lage sind, Karton zu verwenden (z. B. Hersteller von CSDs oder Bier), seine PET-Verpackungsausrüstung weiterhin unabhängig anbietet, und umgekehrt. (368) Die anmeldende Partei behauptet, die strategische Ausnutzung ihrer Stellung könne keine wettbewerbswidrigen Auswirkungen haben, da Wettbewerber keinen Schaden nehmen bzw. nicht vom Markt ausgeschlossen werden könnten. Sie stützt sich dabei auf das Argument, dass die Wettbewerber weiterhin über Großabnehmer für ihre SBM-Maschinen in den Endverwendungssegmenten verfügen, in denen Karton nicht das Hauptverpackungsmaterial darstellt (Wasser, kohlensäurehaltige Getränke). Dabei wird jedoch ein wesentlicher Punkt übersehen. Völlig unabhängig davon, ob Wettbewerber in den Segmenten Wasser, CSDs oder Bier nun ausgeschlossen werden oder nicht, bleibt die Tatsache bestehen, dass Tetra, wenn es ihr gelingt, die Wettbewerber aus dem Saft- und FME-Segment ganz oder nahezu zu verdrängen, eine Stellung einnehmen wird, die sie in Bezug auf die Kunden auf diesen Märkten ausnutzen kann. (369) In jedem Fall ist eine Abschottung des Marktes gegenüber Wettbewerbern aus folgenden Gründen wahrscheinlich: a) Ob Wettbewerber weiterhin in den nicht gemeinsamen Produktsegmenten (z. B. Wasser oder CSDs) verkaufen können, ist irrelevant, solange die Möglichkeit der Preisdiskriminierung und Anvisierung bestimmter Kundengruppen besteht, die zu einer Segmentierung der relevanten Märkte nach dem Endverwendungszweck führt. b) Die "empfindlichen" Produktsegmente bestehen aus äußerst anspruchsvollen Flüssigkeiten, die sehr spezifische PET-Anlagen mit den entsprechenden Barrieretechniken und keimfreien Abfuellmaschinen oder keimfreie Kombi-SBM-Maschinen erfordern. Wettbewerber hätten keinen ausreichenden Anreiz, in diese hochtechnisierten Gebiete der PET-Ausrüstung zu investieren und Tetra/Sidel dort Konkurrenz zu machen. Bei der mündlichen Anhörung erklärten die Wettbewerber Sipa und SIG, dass ihre Möglichkeiten und ihr Anreiz zur Durchführung von Forschung und Entwicklung sowie zum Wettbewerb auf den PET-Märkten der "neuen Ära" (d. h. bei den "empfindlichen" Getränken) durch die Fusion stark eingeschränkt würden. Die Wettbewerber würden daher von den PET-Märkten der sogenannten "zweiten Ära"(167) ausgeschlossen. (370) Außer von diesen Märkten könnten die Wettbewerber auch vom übrigen SBM-Maschinenmarkt verdrängt werden. Selbst unter den jetzigen wettbewerbsintensiveren Bedingungen nimmt Sidel mit einem Marktanteil von [60-70 %]* bei SBM-Maschinen eine führende Stellung ein (unabhängig von der Endverwendung). Den Wettbewerbern verbleibt damit der kleinere Teil des Marktes. Darüber hinaus sind die traditionellen nicht empfindlichen Produktmärkte gesättigt, wo ein weitaus geringeres Wachstum erwartet wird. Diese Sichtweise vertritt auch Sidel in seinem Jahresbericht 1999, wenn es erklärt, dass PET nunmehr in die "zweite Ära" eintrete. BNP Paribas erklärt, dass angesichts der nahezu völligen Sättigung der traditionellen PET-Märkte für nicht empfindliche Produkte "Sidel, um weiterhin viele Blasformmaschinen zu verkaufen, nunmehr die 'empfindlichen' Getränke anvisiert."(168) Wahrscheinlich ist deshalb der Ausschluss der Wettbewerber von dem Teil des Marktes, der ein höheres Wachstum und höhere Gewinnspannen aufweist. 3.3.2.7. Schwache Stellung der Wettbewerber (371) Überdies sind die Wettbewerber von Tetra/Sidel sowohl auf dem Kartonverpackungsmarkt als auch auf dem SBM-Maschinenmarkt wesentlich kleiner als das fusionierte Unternehmen. Allein der Vergleich des Jahresumsatzes von Tetra/Sidel nach der Fusion mit dem seines größten Wettbewerbers, der SIG-Gruppe, zeigt, dass Tetra/Sidel fast um das Zehnfache größer wäre. (372) Vor allem jedoch lässt Tetra bei ihrer Behauptung, die drei Wettbewerber von Sidel im oberen Maschinensegment seien in der Lage, mit Sidels Angeboten mitzuhalten, einen entscheidenden Punkt außer Acht: Diese Wettbewerber verfügen nicht über die beherrschende Stellung des fusionierten Unternehmens im Bereich Kartonverpackung. Die SIG-Gruppe, der einzige der drei Wettbewerber, der sowohl im Karton- als auch im PET-Sektor aktiv ist, verfügt über Marktanteile in Höhe von höchstens [10-20 %]* bei Kartonverpackungsmaschinen und SBM-Maschinen. Außerdem hat SIG nicht, wie das fusionierte Unternehmen, das volle Spektrum an PET-Ausrüstung zu bieten, da SIG derzeit ein wesentliches Element für das künftige Vordringen in die neuen PET-Produktsegmente fehlt, nämlich die Barrieretechnik. Kein anderer Hersteller von Verpackungsausrüstungen wird in der Lage sein, sowohl Karton- als auch PET-Verpackungsausrüstung anzubieten. 3.3.2.7.1. Marktanteile der Wettbewerber (373) Tetra/Sidel würde unabhängig von möglichen Unterscheidungen nach dem Endverwendungszweck über den mit Abstand höchsten Marktanteil verfügen, und zwar sowohl bei SBM-Maschinen mit hohem als auch mit niedrigem Durchsatz. Auf Tetra/Sidel entfielen mehr als [60-70 %]* des Marktes im oberen Maschinensegment und zirka 60 % des Marktes im unteren Segment. Sidel schätzt, dass sein Anteil am SBM-Maschinenmarkt im oberen Segment bei [60-70 %]* im Milchsektor und bei [60-70 %]* im Saftsektor liegt. (374) Der zweitgrößte Wettbewerber wird mit einem Marktanteil von [10-20 %]* (SIG und Krones bei Maschinen im oberen Segment und ADS bei Maschinen im unteren Segment) vergleichsweise wesentlich kleiner sein. Zu beachten ist auch, dass der Marktanteil der fusionierten Einheit über einen langen Zeitraum relativ konstant auf einem sehr hohen Niveau geblieben ist (im Bereich von 60 %). (375) Das fusionierte Unternehmen würde auch im Bereich keimfreie Kartonverpackungsmaschinen und keimfreie Kartons eine beherrschende Stellung einnehmen (mit durchweg hohen Marktanteilen [von 80-90 %]*); dazu käme eine führende Stellung bei nicht keimfreier Kartonverpackung, was ihm insgesamt eine beherrschende Stellung auf dem Gesamtmarkt für Kartonverpackungsausrüstungen und Kartonverbrauchsgüter verleihen würde. 3.3.2.7.2. Technische Überlegenheit (376) Tetra/Sidel hätte auch einen klaren technologischen Vorteil gegenüber seinen Wettbewerbern. Sidel ist ein Vorreiter auf dem SBM-Maschinenmarkt. Die Marktuntersuchung der Kommission hat bestätigt, dass die Mehrheit der Kunden Sidel gerade wegen der technischen Qualität seiner Maschinen sehr hoch einstuft. Das geht soweit, dass einige große Kunden in Bezug auf ihre PET-Flaschenproduktion ihren Bedarf ausschließlich über Sidel decken. (377) Sidel ist selbstverständlich sehr stolz auf seine technischen Fähigkeiten. In seinem Jahresbericht 1999 erklärt Sidel: "Sidels Führungsposition beruht auf beispielloser technischer Kompetenz bei Maschinen mit hohem Durchsatz, profunder Kenntnis der Verpackungsmaterialien und konsequent schnellem Service in aller Welt. Sidels vollständige Beherrschung der PET-Blasformtechnik ermöglicht es dem Unternehmen, dieser steigenden Nachfrage gerecht zu werden." Sidel zufolge haben "die technischen Fortschritte der SBO-Serie 2 die Maschinenproduktivität um 25 % gesteigert. Es ist genau diese Fähigkeit zur Innovation ... zusammen mit den Komplettangeboten und Serviceleistungen, die es Sidel ermöglichen, seine weltweite Führung auszubauen: 65 % der weltweit produzierten PET-Verpackungen stammen aus Maschinen von Sidel."(169) (378) Das fusionierte Unternehmen hätte ein weitaus größeres Produktsortiment auf dem PET-Verpackungssektor im Angebot als sämtliche seiner Wettbewerber. Es würde über ein beispielloses SBM-Maschinensortiment verfügen, welches das gesamte bestehende Sepktrum von Maschinen im untersten Sortiment mit linearer Technik (Dynaplast) über Rotationsmaschinen mit niedrigem Durchsatz (Sidel) bis hin zu den Maschinen mit der weltweit höchsten Kapazität (Sidels SBO 50000 bph) abdecken würde. Ferner könnte es führende innovative Produkte wie die Kombi-Maschine, SBM-Maschinen für die Heißabfuellung und Maschinen mit Preferential Heating anbieten. Der unabhängige Analyst Pictet kam in seinem Branchenbericht im September 2000 zu dem Schluss: "Mit seinem beispiellosen Sortiment verfügt Sidel über die richtige Maschine für jeden Herstellungszweck, mit einem Output, der exakt den Produktionszielen der Kunden entspricht."(170) (379) Das fusionierte Unternehmen stuende mit der Kombination der beiden Plasmabarrieretechniken, Actis (Sidel) und Glaskin, auch bei neuen Techniken an der Spitze. Es besteht kein Zweifel, dass die Kombination der beiden führenden Plasmatechniken und die einmalige keimfreie Abfuelltechnik (Kombi) Tetra/Sidel eine extrem starke Stellung bei der Verpackung von sauerstoffempfindlichen Produkten in PET - einem der Gebiete mit besonderen Wachstumsmöglichkeiten für PET zum möglichen Schaden von Karton - verleihen würden. (380) Tetra/Sidel wäre auch der einzige voll integrierte PET-Ausrüstungshersteller, der das gesamte Spektrum von PET-Produkten und Ausrüstungen, von Vorformlingen bis hin zur fertigen Flasche samt Plastikverschlüssen, im Angebot hätte. Dies und Sidels beispiellose Erfahrung und Sachkenntnis beim Design von Gussformen und Flaschen und bei Vorformling- und Durchführbarkeitstests in seinen eigens dafür eingerichteten Testcentern in Frankreich würde dem fusionierten Unternehmen zu einer Stellung verhelfen, mit der sich seine Wettbewerber nicht messen könnten. 3.3.2.7.3. Know-how in der keimfreien Technik (381) Damit ein PET-Ausrüster von dem, was Sidel "die zweite Ära der PET-Verpackung"(171) nennt, d. h. die Verpackung "empfindlicher" Produkte wie Saft, fluessige Molkereierzeugnisse und isotonische Getränke (Getränke die traditionell in Karton verpackt wurden), profitieren kann, muss er über eine geeignete Barrieretechnik und - wichtiger noch - über eine geeignete keimfreie Abfuelllösung verfügen. Dieser Tatsache ist man sich in der Branche allgemein bewusst. Ein unabhängiger Analyst kommt zu dem Schluss: "Da Verbraucher zunehmend PET-Verpackungen für Milch, Säfte und Soßen verlangen, ist es von äußerster Wichtigkeit, über eine keimfreie Abfuelllösung für PET-Flaschen zu verfügen."(172) (382) Die Fusion würde zu einer Verbindung der beiden führenden Namen im Bereich keimfreie Abfuellung mit einem Drittel der installierten keimfreien PET-Abfuellmaschinen im EWR führen: TetraPak (Tetra) und Rémy (Sidel). Keimfreies Know-how und nachweisliche langjährige Erfahrung ist für Kunden aufgrund der schwerwiegenden Folgen jeglicher Art von Unsterilität beim Endprodukt von größter Wichtigkeit. Die Mehrzahl der Getränkehersteller, die auf die Marktuntersuchung der Kommission antworteten, betonten, dass nachweisliche Erfahrungen und Fachkenntnisse in der keimfreien Technik als Garant für Sterilität von größter Bedeutung seien. (383) Das fusionierte Unternehmen wäre in den Bereichen keimfreie Abfuellung in Karton, PET und HDPE aktiv. Es würde von Tetras einmaligem Know-how und Ruf im keimfreien Bereich profitieren, wozu ein ganzes Sortiment an Verfahrenstechnik gehört, z. B. Separatoren, Wärmeaustauscher, Homogenisierer, Evaporatoren, keimfreie Verfahrenssysteme und Fördersysteme. Große Wettbewerber wie die SIG-Gruppe verfügen nicht über die notwendige Präsenz bei keimfreien PET- oder HDPE-Verpackungen und sind auch bei der keimfreien Kartonverpackung, insbesondere bei den äußerst "empfindlichen" fluessigen Molkereierzeugnissen, nur schwach vertreten. Kein anderer Verpackungshersteller verfügt über profunde Kenntnisse im Bereich der keimfreien Prozesstechnik. Somit würden das Ansehen des fusionierten Unternehmens im Bereich der keimfreien Verpackung, seine nachweisliche langjährige Erfahrung und seine Fähigkeit, die Sterilität des Endprodukts zu garantieren, für bereits vorhandene u

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.