Europäische Union

2004/124/EG: Entscheidung der Kommission vom 30. Oktober 2001 über die Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2416 — Tetra Laval/Sidel) (Text von Bedeutung für den EWR.) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3345)

Amtliche Ursprungsfassung

Quellenkennung: 32004D0124. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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it drittgrößte unabhängige Anbieter von Vorformlingen mit einem Marktanteil von [10-20 %]*(123). Die größten auf diesem Markt operierenden Unternehmen sind Konverter wie Schmalbach (Marktführer mit [30-40{START_ENTITY}nbsp;%]*) und Alpla. Überdies hat sich Tetra eine eigene Barrieretechnik für die Herstellung und den Verkauf von barriereverbesserten Vorformlingen patentieren lassen (Sealica). Tetra hat verlauten lassen, dass sie die Sealica-Technik aufgegeben habe. Außerdem plant Tetra, hauptsächlich im Rahmen von "Hole-through-the-wall"-Vereinbarungen, in begrenzter Anzahl Glaskin-barriereverbesserte fertige PET-Flaschen herzustellen(124). Darüber hinaus stellt Tetra über ihre Tochtergesellschaft Novembal (1999 erworben) auch Verschlüsse für Plastikgetränkeflaschen her(125). Nach Angaben von Tetra verfügte Novembal im Jahr 2000 im EWR über einen Marktanteil von [10-20 %]*. (299) Tetra/Sidel könnte nach der Fusion mit seinen Produkten den gesamten PET-Produktionsprozess abdecken, wie aus Tabelle 8 hervorgeht. Tabelle 8 Gesamtes PET-Produktspektrum >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (300) Durch die Zusammenlegung der Aktivitäten der Parteien würde ein vertikal integriertes Unternehmen bei Karton (Tetra), HDPE (Sidels EBM-Maschinen und Tetras Flaschenproduktion sowie die [...]*-Vereinbarung mit Graham Engineering in Bezug auf EBM-Maschinen) und bei PET (Tetras Vorformlinge und Flaschengeschäft sowie die Ausrüstung von Sidel) entstehen. Keine anderes Unternehmen auf dem Gebiet der Flüssignahrungsmittelverpackung ist auf diese Art und Weise integriert. 3.2.2. Versorgungskonflikt ("channel-conflikt") - möglicher Wettbewerbsausschluss von unabhängigen Flaschenherstellern ("Konverter") (301) Die vertikale Integration des fusionierten Unternehmens wird wahrscheinlich auf dem Markt zu einem Versorgungskonflikt führen, da die fusionierte Einheit sowohl Zulieferer als auch Wettbewerber von unabhängigen PET-Flaschenherstellern wäre. Ein Flaschenhersteller erklärte in seiner Antwort auf die Marktuntersuchung der Kommission, dass "die Verbindung von Tetra Lavals Kapazitäten bei Vorformlingen sowie deren Erfahrung im Bereich keimfreier Verpackung zusammen mit Sidels Blas-/Abfuell-/Verschlusskapazitäten auf dem Markt für das hausinterne Ausblasen und Abfuellen der Flaschen beherrschend werden könnte und möglicherweise wird, und zwar für sämtliche Produkte, für die PET-Flaschen verwendet werden können (angefangen von Milch über isotonische Getränke bis hin zu Säften usw.)... Alle PET-Flaschenhersteller werden diese ernsten Bedenken teilen."(126) (302) Der "Versorgungskonflikt", in den die unabhängigen PET-Flaschenhersteller wahrscheinlich dadurch gerieten, dass sie gleichzeitig Kunden (Sidel) und Wettbewerber (Tetra) des fusionierten Unternehmens sind, ist nicht einfach nur die Folge von Tetras Betätigung auf dem Markt für Vorformlinge, auch wenn er durch Tetras Geschäftstätigkeiten in diesem Bereich besonders direkt zu Tage tritt. Tetras Aktivitäten als Verpackungsgesellschaft (nicht als Hersteller von Verpackungsausrüstungen) auf den Gebieten Karton und HDPE machen das Unternehmen für Konverter bei all ihren Tätigkeiten zu einem indirekten Wettbewerber. Beispielsweise arbeiten die PET-Flaschenhersteller derzeit mit Sidel an der Herstellung innovativer PET-Designs, die speziell auf den FME- und Saftmarkt abzielen, wo Tetra bei Karton und HDPE stark vertreten ist. Bei der Neueinführung von Produkten auf dem Markt müssen die Flaschenhersteller sehr eng mit Sidel zusammenarbeiten, da das End-Design auf einer Sidel-Maschine ausgeblasen wird; sie müssen sich auf eine Leistungsbeschreibung einigen und gesicherte Produktionsergebnisse erzielen. Daher wurde die Sorge laut, dass "jedes zukünftige Projekt, sei es ein neuer Kunde, ein verbessertes Werkzeug oder ein verbessertes Design, unweigerlich an einen Wettbewerber weitergegeben würde - eine unmögliche Situation mit einer düsteren Geschäftsperspektive."(127) 3.2.2.1. Abhängigkeit der unabhängigen Flaschenhersteller (Konverter) von Sidel (303) Das Unternehmenskonzept eines Flaschenherstellers besteht aus zwei Komponenten. Zum einen kaufen Flaschenhersteller SBM-Maschinen und Gussformen von Ausrüstungsanbietern für ihre eigene Produktion und verkaufen die fertigen PET-Flaschen an ihre Kunden, die Getränkehersteller, zur Abfuellung. Zum anderen stellen sie auch Vorformlinge her, die sie an Getränkehersteller verkaufen, die über eine hauseigene PET-Flaschenproduktion verfügen. Dies hat es den Getränkeherstellern ermöglicht, ihren Verpackungsbedarf durch verschiedene Bezugsquellen zu decken; es bringt jedoch auch mit sich, dass die Flaschenhersteller eng mit dem SBM-Maschinenhersteller zusammenarbeiten müssen, um ihre Vorformlinge und Gussformen zu testen und Ausrüstungsgüter zu erwerben, mit denen sie ihre Kunden beliefern. (304) Durch Sidels Stellung als herausragender Anbieter von SBM-Maschinen mit hohem Durchsatz und Spezialist für viele Anwendungen und - noch wichtiger - durch seinen kundenorientierten Ansatz mit speziellen Design- und Testcentern, die dazu dienen, auf den Kundenbedarf zugeschnittene PET-Lösungen anzubieten, ist das Unternehmen der größte und wichtigste Verpackungspartner für unabhängige Flaschenhersteller geworden. (305) Einige Flaschenhersteller haben erklärt, dass sie aufgrund ihres Geschäftsumfangs über sehr spezielle Bedürfnisse in Bezug auf ihre PET-Flaschenproduktion verfügen. Flaschenhersteller sind tatsächlich die größten Kunden von Sidel. [...]* der [...]* größten Kunden von Sidel sind Flaschenhersteller. Letztere haben nach eigener Aussage in großem Umfang in Sidel-Maschinen und -Gussformen (das geformte Metallstück, das in die Maschine eingeführt wird, um der fertigen Flasche ihre Gestalt zu geben) investiert. Deshalb sei es ihnen wirtschaftlich unmöglich, ihren Bedarf durch andere Anbieter zu decken, selbst wenn diese Maschinen von einer Art und Qualität anbieten könnten, die denen von Sidel in nichts nachstehen; was jedoch nicht der Fall ist. Einer der großen Flaschenhersteller im EWR erklärte, dass er mehr als [...]* Sidel-Maschinen in Betrieb habe und nur [...]* SBM-Maschinen von anderen Anbietern. Er sagte außerdem aus, dass er im Allgemeinen mit der Leistung der von ihm betriebenen SBM-Maschinen anderer Anbieter nicht zufrieden sei. (306) Die Flaschenhersteller, die auf die Marktuntersuchung der Kommission antworteten, erklärten, dass es ihnen bezüglich des Großteils ihrer Produktionserfordernisse nicht möglich sei, zu anderen SBM-Maschinenherstellern überzuwechseln. Als Begründung hierfür nannten sie die Geschwindigkeit, Verlässlichkeit und Qualität der Sidel-Maschinen. Zu beachten ist, dass die Marktzutrittsschranken im oberen SBM-Maschinensegment angesichts der technischen Komplexität, des notwendigen Know-hows und des Investitionsbedarfs besonders hoch sind. Ein Flaschenhersteller führte aus, dass Maschinen anderer Anbieter weder die Geschwindigkeit noch die Verlässlichkeit und Qualität von Sidel-Maschinen erreichen. In einem Fall gab ein Flaschenhersteller die SBM-Maschine eines anderen Anbieters aufgrund der schlechten Qualität und häufiger Ausfälle zurück. Dazu ist anzumerken, dass für einen reibungslosen Betrieb von SBM-Maschinen die Serviceüberwachung von äußerster Wichtigkeit ist. Das Geschäft von Flaschenherstellern ist charakterisiert durch den niedrigen Wert der produzierten Ware, die jedoch in großen Stückzahlen hergestellt wird ("low-value high-volume business"), weshalb ein reibungsloser und effizienter Output sehr wichtig ist. Die Flaschenhersteller gaben an, dass nur Sidel die kurzen Reaktionszeiten einhalten könne, die für ihren Servicebedarf erforderlich seien. (307) Die Flaschenhersteller erklärten außerdem, dass sie für die Erprobung und Entwicklung ihrer Vorformlinge, Gussformenentwürfe und Flaschen von Sidel abhängig seien. Flaschenhersteller arbeiten auf der Forschungs- und Entwicklungsstufe eng mit Sidel zusammen, um Leistungsbeschreibungen und gesicherte Produktionsergebnisse zu erreichen. Sie teilen mit Sidel vertrauliche und geschützte Designs/Entwürfe und Projekte. Auf diese Weise hat Sidel ein unschätzbares Wissen aus erster Hand über die nachgeordneten Verpackungsmärkte erworben und verfügt über eine riesige Ansammlung von vertraulichen Zeichnungen, Vorformlingen und alten Designs/Entwürfen. Eine Auskunftsperson erklärte beispielsweise, dass "ein PET-Flaschenhersteller, um Erfolg zu haben, eng mit dem Maschinenhersteller, z. B Sidel, zusammenarbeiten muss; dazu gehört der Austausch von Geschäftsgeheimnissen und geschütztem Wissen. Dies gilt nicht nur in Bezug auf die Serviceüberwachung von Maschinen und Ausrüstung, sondern auch für die gemeinsame Entwicklung neuer Designs oder Techniken."(128) (308) Diese Faktoren führten die Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte zu dem einstweiligen Schluss, dass es angemessen wäre, einen eigenen Markt für hochwertige Maschinen mit hohem Durchsatz und Serviceleistungen für Flaschenhersteller zu definieren. In ihrer schriftlichen Antwort und bei der mündlichen Anhörung legte Tetra weitere Belege zur Untermauerung der Behauptung vor, dass sich die Flaschenhersteller gegenüber Sidel nicht in einer Position der Abhängigkeit befänden. Flaschenhersteller seien nicht auf hochwertige Maschinen mit hohem Durchsatz angewiesen. Die Vorliebe der Flaschenhersteller für Sidel sei schlicht auf wirtschaftliche Gründe und nicht auf bestimmte, spezifische Bedürfnisse zurückzuführen, die nur von Sidel befriedigt werden könnten(129). Das gelegentliche schlechte Abschneiden von Maschinen von Wettbewerbern sei zufallsbedingt und dürfe nicht mit in Betracht gezogen werden. Tetra zufolge verwendeten Flaschenhersteller "viele Maschinen von Sidel-Konkurrenten und scheinen keine Probleme damit zu haben."(130) Darüber hinaus behauptete Tetra, dass es keine Rolle spiele, ob Flaschenhersteller in großem Umfang in Sidel-Maschinen investiert hätten, da sie dennoch ohne weiteres auf die Maschinen anderer Anbieter umsteigen könnten. So habe beispielsweise ein großer Flaschenhersteller im EWR im Jahr 2000 drei Maschinen von Krones gekauft. Tetra behauptete außerdem, die Flaschenhersteller seien für die Erprobung und den Entwurf von Gussformen und Vorformlingen nicht von Sidel abhängig. Die Investition in Gussformen stellt der anmeldenden Partei zufolge kein wesentliches Hindernis für einen Wechsel dar, da Gussformen aufgrund periodischer Änderungen der Flaschenformen alle drei Jahre ersetzt werden müssten. Überdies hätten Anbieter wie SIG ihre SBM-Maschinen so entworfen, dass auch Sidel-Gussformen eingesetzt werden können; dies gebe ihnen die Möglichkeit, leichter in den Kundenbestand von Sidel einzudringen. (309) Die Flaschenhersteller äußerten dennoch weiterhin die Sorge, Sidel könne nach der Fusion als ein unabhängiger Anbieter von Maschinen verloren gehen und das fusionierte Unternehmen könnte in der Lage sein, die Flaschenhersteller vom PET-Verpackungsmarkt zu verdrängen, und zwar durch ihr Angebot an schlüsselfertigen Lösungen, Vorformlingen und fertigen PET-Flaschen. Für das fusionierte Unternehmen bestehe kein Anreiz, Flaschenherstellern Ausrüstungen und effiziente Serviceleistungen zur Verfügung zu stellen, da es die Flaschenhersteller einfach umgehen und ihren Kunden komplette Anlagen (von den Vorformlingen bis hin zu Abfuellmaschinen) anbieten könne. Um schlüsselfertige Angebote machen zu können, sind Flaschenhersteller beim Einkauf von SBM-Ausrüstungsgütern von Sidel abhängig. (310) Die Kommission ist der Auffassung, das Flaschenhersteller bis zu einem gewissen Grad von Sidel abhängig sind und auch von dem fusionierten Unternehmen weiterhin weiter abhängig sein würden. Sie können zwar offensichtlich für den Kauf neuer Maschinen und den Entwurf und die Erprobung von Vorformlingen zu anderen Anbietern von SBM-Maschinen wechseln, doch wird aufgrund der Kosten dieses Umstiegs und des notwendigen Weiterbetriebs der bereits gekauften Sidel-Maschinen der derzeitige Grad der Abhängigkeit von Sidel noch länger erhalten bleiben. 3.2.2.2. Mögliche Folgen des Versorgungskonfliktes (311) Die sich aus der Fusion ergebende Marktstruktur wird wahrscheinlich zu einem Versorgungskonflikt führen. Ein fusioniertes Unternehmen Tetra/Sidel könnte in der Lage sein, die Belieferung mit Ausrüstungsgütern zu verweigern oder zu Preisdiskriminierungen oder sonstigen diskriminierenden Praktiken übergehen, um ihr eigenes integriertes Geschäft zum Nachteil von reinen Flaschenherstellern zu begünstigen. So könnte Tetra/Sidel zum Beispiel ihre Ausrüstungspreise für Flaschenhersteller erhöhen und Getränkeherstellern günstigere Preise anbieten, die mit langfristigen Zahlungsmodalitäten oder, was wahrscheinlicher ist, mit langfristigen Vorformling-Lieferverträgen gekoppelt sind. Auf diese Weise könnte die enge Zusammenarbeit von Flaschenherstellern mit Sidel beim Entwurf und bei der Erprobung von Vorformlingen, die dazu dient, Getränkeherstellern innovative neue Produkte anbieten zu können, möglicherweise zum Erliegen kommen. (312) Als vertikal integriertes Unternehmen mit einer führenden Stellung auf dem Markt für SBM-Maschinen könnte Tetra/Sidel in der Lage sein, die Flaschenhersteller an den Rand des Marktes zu drängen, indem es seinen Kunden sowohl Paketlösungen aus SBM-Maschinen und Vorformlingen als auch schlüsselfertige Anlagen anbietet. (313) Tetra verfährt bei ihrem Kartongeschäft nach demselben Muster: Lieferung von Maschinen mit langfristiger Finanzierung, deren Kosten über die Lieferung von Kartonmaterial wieder hereingeholt werden. Tetra ist der Ansicht, dass dieses Unternehmenskonzept auf den Plastiksektor übertragen werden kann. In internen Dokumenten vertritt Tetra die Auffassung, es gebe in der Plastikindustrie im Vergleich zur Kartonindustrie eine wesentlich schwächere Bindung zwischen der Belieferung mit Abfuellmaschinen und der Belieferung mit Verpackungsmaterial. [...]*(131). (314) Tatsächlich hat sich Tetra in der Vergangenheit häufig dieser Praktiken (Kopplungsverkauf von Kartonausrüstung und Kartonverpackungen oder SBM-Ausrüstung mit Vorformlingen) mit großem Erfolg bedient. Die Marktuntersuchung hat ergeben, dass eine erhebliche Anzahl von SBM-Maschinen-Ausschreibungen, für die Tetra den Zuschlag erhielt, aufgrund der Kombination von SBM-Maschinen mit Vorformlingen vergeben wurden, womit die Wettbewerber (darunter große Gesellschaften wie Sidel) nicht konkurrieren konnten. Tetra bietet die SBM-Maschinen in der Regel zu einem relativ niedrigen Preis an (d. h. sie unterbietet ihre Wettbewerber) und bindet die Kunden mit langfristigen Verträgen über den Kauf von Vorformlingen. Aus Unterlagen von Sidel geht hervor, dass Tetra den Zuschlag vielfach deshalb erhielt, weil das Unternehmen eine Kombination aus Vorformlingen und SBM-Maschinen anbieten konnte. Diese Strategie hat es Tetra ermöglicht, trotz der geringen Qualität ihrer Maschinen und ihrer geringen Präsenz auf dem SBM-Maschinenmarkt insgesamt einen hohen Marktanteil im unteren SBM-Segment zu erlangen (zweitgrößter Marktteilnehmer in 4 Jahren). Zusammen mit Sidel als führendem Anbieter von SBM-Maschinen mit hohem Durchsatz könnte Tetra in der Lage sein, ihre wirtschaftlich erfolgreiche Strategie der Kombination von SBM-Maschinen und Vorformlingen weiterzuführen und dadurch den Marktanteil des fusionierten Unternehmens sowohl bei SBM-Maschinen als auch bei Vorformlingen auszubauen und Flaschenhersteller an den Rand des Marktes zu drängen. (315) Was schlüsselfertige Anlagen anbelangt, so steht Kunden (insbesondere Kunden mit wenig Erfahrung) diesbezüglich die Möglichkeit offen, sich an Flaschenhersteller oder andere unabhängige Berater zu wenden. Der unabhängige Berater stellt dann eine PET-Anlage zusammen, zu der SBM-Maschinen von Sidel, Abfuellmaschinen oder Nebenanlagen anderer Anbieter und die eigenen Vorformlinge des Kunden gehören könnten. Auch Sidel bietet schlüsselfertige Anlagen an, allerdings ohne Vorformlinge, da Sidel auf diesem Gebiet nicht tätig ist. Somit hat der Getränkehersteller als Kunde derzeit die Möglichkeit, eine Sidel-SBM-Maschine direkt von Sidel zu beziehen oder aber von Konvertern, die überdies auch Vorformlinge liefern. (316) Tetra hat die zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch relativ offene Struktur des PET-Verpackungssektors kurz wie folgt beschrieben: "... Kunden können sich an unabhängige PET-Berater wenden, die sich auf die Zusammenstellung von speziell auf den Kunden zugeschnittenen Komplettanlagen nach dem Baukastensystem spezialisiert haben. So kann sich auch der unerfahrenste Kunde das erforderliche Fachwissen und die notwendige Nachfragemacht verschaffen, um sich seine Komplettanlage aus den geeignetsten Einzelkomponenten zusammenzustellen."(132) (317) Ein Kunde der Parteien(133) erklärte: "Bei Sidel handelt es sich um einen Maschinenanbieter, bei Tetra um einen Maschinen- und Verpackungsanbieter. Es besteht das Risiko, dass nach der Fusion die Ausrüstung zur Herstellung von Verpackungen auf dem Markt nicht mehr frei verfügbar ist, sondern nur noch die mit dieser Ausrüstung hergestellte Verpackung. Somit richten sich unsere Bedenken hauptsächlich gegen die vertikale Integration eines Ausrüstungsherstellers und eines Anbieters von Verpackungsmaterial." (318) Es gibt somit Befürchtungen, dass Tetra/Sidel nach der Fusion in der Lage sein könnte, die Marktposition von Konvertern in diesen Bereichen auf ein Minimum zu reduzieren, indem die Lieferung von SBM-Maschinen verweigert wird oder indem man die Kosten erhöht und das eigene integrierte Geschäft begünstigt. Dies könnte dazu führen, dass einige Merkmale des markenspezifischen Wettbewerbs beim Verkauf von Sidel-SBM-Maschinen verloren gehen. 3.2.2.3. Tetras Entscheidung, aus dem Markt für Vorformlinge auszusteigen (319) Tetra hat eingeräumt, dass als Folge der Fusion ein Versorgungskonflikt entstehen könnte, und hält diesen in geschäftlicher Hinsicht für schädlich, da er einige von Tetras Kunden gegen das Unternehmen aufbringen würde. Tetra ist jedoch nicht der Auffassung, dass dieser Konflikt zur Schaffung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung führen würde. Das fusionierte Unternehmen sei praktisch nicht in der Lage, unabhängige Flaschenhersteller vom Markt auszuschließen: Erstens seien Flaschenhersteller Tetras wichtigste Abnehmer, die man nicht verärgern wolle; zweitens könnten Flaschenhersteller sowohl für die Herstellung und den Entwurf von Vorformlingen als auch das Ausblasen der Flaschen zu anderen Anbietern wechseln; drittens handele es sich bei Vorformlingen um Massenware; viertens seien Tetras Aktivitäten zum gegenwärtigen Zeitpunkt derart begrenzt ([0-10 %]* Marktanteil im Jahr 2000), dass das Unternehmen den Markt für Vorformlinge unmöglich beherrschen könne; fünftens könnten Wettbewerber ebenfalls Vorformling-Geschäfte erwerben und schließlich könnten die Wettbewerber ebenfalls schlüsselfertige Anlagen in Konkurrenz zum fusionierten Unternehmen anbieten. (320) Die Marktuntersuchung und die Marktanalyse der Kommission führten zu Ergebnissen, die die Argumente der anmeldenden Partei teilweise bestätigen. (321) Erstens muss die Tatsache, dass Flaschenhersteller die größten Kunden des fusionierten Unternehmens sind, genauer erläutert werden. Entgangene Verkäufe an Flaschenhersteller könnten durch direkte Verkäufe an deren Kunden (die Getränkehersteller) wettgemacht werden, und zwar mit dem zusätzlichen Vorteil gekoppelter Lieferungen von Vorformlingen, was die möglicherweise niedrigeren Gewinnspannen bei den SBM-Maschinenverkäufen ausgleichen würde. Zweitens erklärten die Flaschenhersteller, dass sie zur Deckung ihres Bedarfs an SBM-Maschinen und für den Entwurf und die Erprobung von Vorformlingen zu anderen Anbietern überwechseln könnten. Dies scheint zutreffend zu sein, obgleich die Kommission der Ansicht ist, dass sie in Bezug auf ihre bereits installierte Maschinenbasis von Sidel abhängig bleiben werden(134). Drittens kann es sich bei Standard-Vorformlingen um Massenware handeln, bei barriereverbesserten Vorformlingen werden jedoch höhere Gewinnspannen erzielt(135). Tetra hat jedoch erklärt, sie habe vor kurzem die Sealica-Technik aufgegeben. Viertens bewegt sich Tetras Marktanteil auf dem offenen Markt (d. h. die hauseigene Produktion ausgenommen), wo das Unternehmen mit den Flaschenherstellern konkurriert, im Bereich von [10-20 %]* und nicht im Bereich von [0-10 %]*. Die Marktuntersuchung hat gezeigt, dass Tetra diese Stellung innerhalb von 3-4 Jahren erlangen konnte, und zwar auch ohne über den Vorteil einer überlegenen Technik und einer führenden Stellung bei SBM-Maschinen zu verfügen (wie dies nach der Fusion der Fall wäre). Tetra könnte problemlos ihre Kapazitäten ausbauen. Die Marktuntersuchung hat gezeigt, dass Tetra mit einer (für Tetra Laval) mäßigen Investition in Höhe von [...]* EUR (weniger als [...]* des Wertes, den Tetra willens ist, für die Sidel-Aktien zu zahlen) ihre Kapazitäten bei Vorformlingen verdoppeln könnte. Fünftens verfügen derzeit keine Wettbewerber über ein Geschäft mit Vorformlingen und sind reine Ausrüstungsanbieter. Der Eintritt in den Markt für Vorformlinge ist relativ leicht, so dass Wettbewerber tatsächlich Vorformlinge zusammen mit kompletten PET-Ausrüstungen anbieten könnten. Wettbewerber haben außerdem die Möglichkeit, sich für die Lieferung von Vorformlingen mit Flaschenherstellern zusammenzuschließen, wenn dies die für sie wirtschaftlich attraktivere Lösung ist. Der Eintritt in den Markt für barriereverbesserte Vorformlinge ist hingegen wesentlich schwieriger. Was schließlich schlüsselfertige Anlagen anbelangt, so können die größten Wettbewerber des fusionierten Unternehmens im oberen Maschinensegment komplette PET-Ausrüstungsanlagen anbieten (mit Ausnahme von Vorformlingen). (322) Die Kommission ist deshalb der Ansicht, dass, solange Sidel bei SBM-Maschinen nicht beherrschend ist, der Wettbewerb zwischen den einzelnen Marken nicht sonderlich beeinträchtigt wird. Würde jedoch Sidel bei SBM-Maschinen, insbesondere für die "empfindlichen" Produktsegmente beherrschend, könnte dies dazu führen, dass das fusionierte Unternehmen in der Lage wäre, den Markt für Vorformlinge zu beherrschen, insbesondere bei barriereverbesserten Vorformlingen, die für "empfindliche" Produkte verwendet werden, und zwar dadurch, dass man sich der vorstehend beschriebenen Praktiken bedient und vor allem reine Flaschenhersteller ausgrenzt und Kombipakete aus SBM-Maschinen und Vorformlingen anbietet. (323) Angesichts der von Tetra zugegebenen nachteiligen Auswirkungen des Versorgungskonfliktes für das eigene Geschäft hat das Unternehmen die wirtschaftliche Entscheidung getroffen, sich aus dem Markt für Vorformlinge zurückzuziehen, um so die von den Flaschenherstellern (Konvertern) erhobenen Bedenken auszuräumen. Tetra erwartet sich hiervon eine Verbesserung ihrer Geschäftsbeziehungen mit den Flaschenherstellern. De facto dürfte sich Sidel dadurch seine starke Stellung beim Verkauf von SBM-Maschinen an Flaschenhersteller bewahren. Tetra hat diese wirtschaftliche Entscheidung in öffentlichen Presseerklärungen bekannt gegeben und sie in ihrer Antwort auf das Auskunftsverlangen und nochmals bei der mündlichen Anhörung wiederholt. Das Unternehmen hat gegenüber der Kommission angeboten, sich zur Veräußerung des Vorformling-Geschäfts zu verpflichten. Darauf wird im nachstehenden Abschnitt über Verpflichtungszusagen noch ausführlich eingegangen werden. 3.2.2.4. Fazit (324) Die vorstehenden Ausführungen lassen den Schluss zu, dass das Zusammenschlussvorhaben dazu führen würde, dass Tetra/Sidel bei drei Verpackungssystemen vertikal integriert wäre: Karton, HDPE und PET. Dies kann zu einem Versorgungskonflikt im Verhältnis zu unabhängigen Flaschenherstellern mit möglichen wettbewerbswidrigen Auswirkungen vor allem in Form der Beschränkung des markenspezifischen Wettbewerbs bei Sidel-Maschinen, und, falls Sidel bei SBM-Maschinen für "empfindliche" Endprodu

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.