Europäische Union

2002/271/EG: Entscheidung der Kommission vom 18. Juli 2001 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag und Artikel 5 EWR-Abkommen — Sache COMP/E-1/36.490 — Graphitelektroden (Text von Bedeutung für den EWR.)(Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 1986)

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Avis juridique important | 32002D0271 2002/271/EG: Entscheidung der Kommission vom 18. Juli 2001 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag und Artikel 5 EWR-Abkommen — Sache COMP/E-1/36.490 — Graphitelektroden (Text von Bedeutung für den EWR.)(Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 1986) Amtsblatt Nr. L 100 vom 16/04/2002 S. 0001 - 0042 Entscheidung der Kommission vom 18. Juli 2001 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag und Artikel 53 EWR-Abkommen Sache COMP/E-1/36.490 - Graphitelektroden (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 1986) (Nur der englische und der deutsche Text sind verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR) (2002/271/EG) DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN - gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, gestützt auf das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum, gestützt auf die Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962, Erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln 85 und 86 des Vertrages(1), zuletzt geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 1216/1999(2), insbesondere auf die Artikel 3 und 15, gestützt auf die Entscheidung der Kommission vom 24. Januar 2000, das Verfahren in dieser Sache einzuleiten, nachdem den beteiligten Unternehmen Gelegenheit gegeben wurde, sich gemäß Artikel 19 Absatz 1 der Verordnung Nr. 17 und der Verordnung (EG) Nr. 2842/98 der Kommission vom 22. Dezember 1998 über die Anhörung in bestimmten Verfahren nach Artikel 85 und 86 EG-Vertrag(3) zu den Beschwerdepunkten der Kommission zu äußern, nach Anhörung des Beratenden Ausschusses für Kartell- und Monopolfragen, in Erwägung nachstehender Gründe: 1. SACHVERHALT 1.1. ZUSAMMENFASSUNG DER ZUWIDERHANDLUNGEN (1) Diese Entscheidung, mit der Geldbußen wegen einer Zuwiderhandlung gegen Artikel 81 EG-Vertrag und Artikel 53 EWR-Abkommen verhängt werden, ist an folgende Unternehmen gerichtet: - SGL Carbon AG (SGL) - UCAR International Inc. (UCAR) - VAW Aluminium AG (VAW) - Showa Denko K.K. (Showa Denko) - Tokai Carbon Co., Ltd (Tokai) - Nippon Carbon Co., Ltd (Nippon) - SEC Corporation (SEC) - Carbide/Graphite Group, Inc. (C/G). (2) Die genannten Graphitelektrodenhersteller haben gegen Artikel 81 Absatz 1 EG-Vertrag und - seit dem 1. Januar 1994 - gegen Artikel 53 Absatz 1 EWR-Abkommen verstoßen, weil sie sich in der Gemeinschaft sowie in Norwegen, Österreich, Schweden und Finnland an dauerhaften Vereinbarungen und/oder aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen beteiligt haben, die Folgendes zum Gegenstand hatten: - Festsetzung der Preise für das betreffende Produkt, - Einführung eines Systems zur Durchsetzung von Preiserhöhungen, - Aufteilung von Märkten und Festlegung von Marktanteilsquoten, - Verzicht auf die Ausweitung der Produktionskapazitäten, - Unterbindung des Technologietransfers an Kartellaußenseiter, - Errichtung eines Mechanismus zur Überwachung und Durchsetzung der Absprachen. (3) Die Unternehmen beteiligten sich an der Zuwiderhandlung über folgende Zeiträume: - SGL: von Mai 1992 bis März 1998 - UCAR: von Mai 1992 bis März 1998 - VAW: von Mai 1992 bis mindestens Ende 1996 - Showa Denko: von Mai 1992 bis mindestens April 1997 - Tokai: von Mai 1992 bis Februar 1998 - Nippon: von Mai 1992 bis Februar 1998 - SEC: von Mai 1992 bis Februar 1998 - C/G: von Januar 1993 bis November 1996. 1.2. DIE GRAPHITELEKTRODENBRANCHE 1.2.1. DER PRODUKTMARKT (4) Graphitelektroden sind in keramischen Formen gegossene Graphitstäbe, die hauptsächlich bei der Stahlerzeugung in sog. Elektrostahlwerken zum Einsatz gelangen, die mit elektrische Lichtbogenöfen arbeiten und auch als Ministahlwerke bezeichnet werden. Nach dem Lichtbogenverfahren werden gegenwärtig 35 % des Stahls in der Gemeinschaft erzeugt; die Tendenz ist steigend. Die Herstellung von Elektrostahl ist im Wesentlichen ein Wiederaufbereitungsprozess, bei dem Stahlschrott in neuen Stahl umgewandelt wird. Die Elektroden haben einen Durchmesser von bis zu 700 mm (30 Zoll) und eine Länge von bis zu 2800 mm (9 Fuß) und können bis zu 2200 kg wiegen. Sie sind mit dem Ofendeckel verbunden. Sobald der Ofen mit sortiertem Stahlschrott beladen ist, werden die Elektroden so weit heruntergelassen, dass sie gerade nicht mit den Schrottteilen in Berührung kommen. An die Elektroden wird Strom angelegt, der von ihrer Spitze auf die Schrottmasse überspringt. Graphitelektroden erzeugen als elektrische Leiter genügend Hitze (bis zu 3000 °C), um den Stahlschrott zum Schmelzen zu bringen und die entstandene Schmelze weiter zu einem Endprodukt zu verarbeiten. In einem gewöhnlichen Dreiphasen-Wechselstrom-Lichtbogenofen werden neun in Dreiergruppen angeordnete Elektroden für das Einschmelzen von Schrott verwendet. Eine Elektrode ist wegen der Intensität des Schmelzvorgangs nach ungefähr acht Stunden aufgebraucht. (5) Graphitelektroden werden aus sog. Nadelkoks - einem Nebenprodukt, das in der Mineralölindustrie anfällt - und Kohlenteerpech hergestellt. Die Produktion erfolgt in sechs Schritten: Formierung, Backen, Imprägnierung, erneutes Backen, Graphitierung und Bearbeitung. Bei der Graphitierung wird das Erzeugnis elektrisch auf über 3000 °C erhitzt und physikalisch in Graphit (Kohlenstoff in Kristallform) umgewandelt. Dieses einzigartige Material ist aufgrund seiner niedrigen Strom-, aber hohen Wärmeleitfähigkeit sowie einer hohen Festigkeit und Leistungsfähigkeit bei hohen Temperaturen ideal geeignet für den Einsatz in Elektrolichtbogenöfen. Die Herstellung einer Elektrode dauert etwa zwei Monate. Graphitelektroden können durch keine anderen Erzeugnisse ersetzt werden. 1.2.2. DER GRAPHITELEKTRODENMARKT (6) Die größten Graphitelektrodenhersteller in der westlichen Welt sind multinationale Konzerne. Der Markt hat im Wesentlichen weltweite Dimension und ist durch eine oligopolistische Struktur und hohe Zutrittsschranken gekennzeichnet. Weltweit wurden 1998 rund 1 Mio. t Graphitelektroden hergestellt. Die Produktion in der Gemeinschaft lag bei rund 280000 t; ein beträchtlicher Teil davon wurde in Drittstaaten ausgeführt. (7) 1998 wurden Graphitelektroden an etwa 50 Standorten weltweit produziert. UCAR, der größte Graphitelektrodenhersteller, hat eine Produktionskapazität von [...]*(4) kt, verteilt auf insgesamt zwölf Standorte. In der Gemeinschaft hat UCAR drei Produktionsstäten - in Frankreich, Spanien und Italien - mit einer Kapazität von [...]* kt. Zweitgrößter Anbieter weltweit ist SGL mit [...]* kt Produktionskapazität und Werken in Europa und Nordamerika. Showa Denko, der drittgrößte Hersteller, produziert in Japan und in den Vereinigten Staaten von Amerika; in Europa hat das Unternehmen keine Fertigungsanlagen. 1.2.3. NACHFRAGE NACH GRAPHITELEKTRODEN (8) Die Nachfrage ist direkt an die Erzeugung von Stahl in Elektrolichtbogenöfen gebunden; Abnehmer sind daher hauptsächlich Stahlproduzenten, auf die rund 85 % der Nachfrage entfallen. In der Gemeinschaft und in Norwegen gibt es rund 200 Unternehmen, die Elektrostahl herstellen. 1998 wurden weltweit 800 Mio. t Rohstahl erzeugt, davon 280 Mio. t (35 %) in Lichtbogenöfen. Die entsprechenden Werte für die Gemeinschaft lauten 160 Mio. t Gesamtproduktion bzw. 60 Mio. t (38 %) Elektrostahl. Deutschland weist zwar die höchste Stahlproduktion in der Gemeinschaft auf (1997 wurden dort 45 Mio. t erzeugt), doch nur ein Viertel davon, nämlich 11,8 Mio. t, entsteht in Lichtbogenöfen. Italien produziert rund 60 % (15 Mio. t) seines Stahls in den Ministahlwerken, in denen Stahl - im Unterschied zur traditionellen Herstellung aus Eisenerz in Hochofen-/Sauerstoffkonverteranlagen - in elektrischen Lichtbogenöfen aus Schrott gewonnen wird. (9) In den letzten 20 Jahren hat die Elektrostahlerzeugung an Bedeutung zugenommen (von 18 % auf 35 % der Weltproduktion im Jahre 1998). In der 90er Jahren wurden Ministahlwerke errichtet, in denen sowohl Flachstahl als auch Profilstahl erzeugt werden kann. Außerdem haben eine Reihe von großen integrierten Stahlwerken in Europa Teile ihrer Produktion vom herkömmlichen Hochofen-/Sauerstoffkonverter- auf das Lichtbogenofenverfahren umgestellt. Weltweit hat die Elektrostahlproduktion in den Jahren 1987-1997 von 196 Mio. t auf 270 Mio. t zugenommen; das ist ein Anstieg von 38 %. 1995 wurden weltweit unter dem Strich Kapazitäten im Umfang von 20 Mio. t zusätzlich errichtet. Einigen Prognosen zufolge wird in zehn Jahren genau so viel Elektrostahl produziert werden wie Sauerstoffblasstahl. (10) Die Nachfrage nach Elektroden in der Gemeinschaft lag 1996 nach den eigenen Angaben des Kartells (s. Anhang 20: "CMS Report/Forecast 1995 & 1996" [CMS-Bericht], Ziff. 72 f.)(5) bei schätzungsweise 160000 t. Der italienische Markt, der größte in der Gemeinschaft, wurde auf 44000 t geschätzt, Deutschland auf 31000 t, Spanien auf 24000 t, Frankreich auf 18500 t und das Vereinigte Königreich auf 16000 t (Norwegen: rund 1200 t). (11) Der Preis für Graphitelektroden wird frei Haus in verschiedenen Landeswährungen pro Tonne für die Standardelektrode mit einem Durchmesser von 24 Zoll berechnet. Zum 1. Januar 1998 lag er bei 5600 DEM/t (bzw. den entsprechenden Gegenwerten). Größere Elektroden (und Elektroden für Gleichstromanlagen) sind um 15 bis 30 % teurer. 1.2.4. STRUKTURWANDEL IN DER BRANCHE (12) In den 80er Jahren hatten verbesserte Verfahren zur Herstellung sowohl von Elektroden als auch Elektrostahl einen erheblichen Rückgang des Elektrodenverbrauchs pro Tonne erzeugten Stahls zur Folge, und zwar von 6 kg (1979) auf 3 kg (1991); derzeit liegt der durchschnittliche Verbrauch in Westeuropa bei rund 2,4 kg. Die Stahlindustrie machte in dieser Zeit ebenfalls einen größeren Strukturwandel durch. Bis einschließlich der 80er Jahre war die Graphitelektrodenbranche gekennzeichnet von einer verhältnismäßig großen Zahl von Herstellern, die sich auf einzelne Staaten beschränkten. Die größten deutschen Produzenten waren Sigri, Conradty und VAW. In Frankreich und Belgien operierten Pechiney und UCF, in Italien Union Carbide und Electrocarbonium. Anglo-Great Lakes und Union Carbide stellten Elektroden im Vereinigten Königreich her. Weitere Anbieter waren die Pechiney-Tochter Genosa in Spanien und Steeg in Österreich, an dem Sigri beteiligt war. Außerdem exportierten die US-amerikanischen Produzenten Airco (Tochtergesellschaft von BOC) und Great Lakes Carbon ebenso wie japanische Unternehmen - u. a. Showa Denko, Tokai und NCK - Elektroden in den EWR. Infolge des Rückgangs der Nachfrage nach Elektroden setzte Ende der 80er bzw. Anfang der 90er Jahre in der Elektrodenindustrie weltweit ein Strukturwandel ein. Mehrere Produktionsstäten wurden stillgelegt. Die Sigri GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Hoechst-Konzerns, fusionierte mit dem US-amerikanischen Hersteller Great Lakes Carbon zu dem Unternehmen SGL, das 1993 SERS, den für das Graphitgeschäft zuständigen Unternehmensbereich von Pechiney, übernahm. Im Zeitraum 1990-1991 fasste Union Carbide Corporation sein Geschäft mit Kohlenstofferzeugnissen in einer selbständigen Einheit, UCAR, zusammen. Airco wurde veräußert und in C/G umgewandelt. Hersteller aus dem Westen versuchten, auf asiatischen Absatzmärkten Fuß zu fassen, um ihre Kapazitäten auszulasten. Die japanische Graphitelektrodenindustrie geriet daraufhin unter Druck, und die Zahl der japanischen Hersteller ging von sechs auf vier zurück. (13) Bis zum Jahr 1991 besaßen die beiden kleineren deutschen Graphitelektrodenhersteller VAW Carbon GmbH und C. Conradty Nürnberg GmbH eine gemeinsame Vertriebsgesellschaft, die Cova GmbH, die ihre Tätigkeit im September 1991 einstellte (die förmliche Abwicklung erfolgte allerdings erst 1994). Seit 1991 verfügen beide Hersteller über eine eigene Vertriebsorganisation. Infolge der weltweiten Konzentration in der Branche ging die Zahl der westlichen Hersteller von 16 auf neun zurück, von denen zwei - die beiden Weltmarktführer UCAR und SGL - mehr als [...]* % des westeuropäischen bzw. [...]* % des Weltmarkts abdecken. 1982 waren die Kapazitäten der Branche zu weniger als 60 % ausgelastet. Im Zuge der Konsolidierung und Umstrukturierung wurde 1996 eine Auslastungsrate von 85 % erreicht. 1.2.5. DER RÄUMLICHE MARKT FÜR GRAPHITELEKTRODEN (14) Nach Ansicht der Kommission umfaßt der Markt für Graphitelektroden mindestens den EWR, aber es gibt mehrere Hinweise darauf, dass es sich um einen Weltmarkt handelt. (15) Der Strukturwandel in der Graphitelektrodenbranche weltweit Ende der 80er Anfang der 90er Jahre hatte einen erheblichen Rückgang der Zahl der westlichen Hersteller zur Folge. Im Bezugszeitraum wurde der Markt von den zwei weltweit führenden Unternehmen UCAR und SGL beherrscht, die über [...]* % des EWR-Markts und über [...]* % des Weltmarkts abdeckten. (16) Zwar erhöhen Zölle und Transport die Produktionskosten, doch hindern sie die Hersteller nicht daran, ihre Produkte weltweit anzubieten, wie am Beispiel der Carbide Graphite Group deutlich wird, die ohne einen Produktionsstandort außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika in Europa einen Marktanteil von annähernd 7 % erreichen konnte. (17) Dass es sich beim Graphitelektrodenmarkt um einen Weltmarkt handelt, wird auch durch die Struktur, Organisation und Funktionsweise des Kartells selbst bestätigt. Die beteiligten Hersteller verständigten sich auf eine Kartellvereinbarung für den Graphitelektrodenmarkt weltweit und veranstalteten regelmäßige Zusammenkünfte, die den Weltmarkt betrafen (siehe u. a. Rdnrn. 49, 51 und 55). (18) Die Kommission schließt hieraus, dass es sich beim Graphitelektrodenmarkt um einen Weltmarkt handelt. 1.2.6. ZWISCHENSTAATLICHER HANDEL (19) Der EWR-Graphitelektrodenmarkt war 1998 etwa 420 Mio. EUR wert. In allen EG-Mitgliedstaaten und im EFTA-Staat Norwegen wird Elektrostahl produziert und werden Graphitelektroden verbraucht. Die beiden führenden Elektrodenhersteller SGL und UCAR verfügen in mehreren EG-Mitgliedstaaten über Produktionsstätten: SGL in Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, Österreich und Belgien, UCAR in Frankreich, Italien und Spanien. Conradty und VAW Carbon, die beiden anderen europäischen Hersteller, fertigen nur in Deutschland. Das Produkt wird in allen EG-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen vermarktet (s. nachstehende Tabelle). Nach den der Kommission vorliegenden Daten werden rund 44 % der in Europa hergestellten und gemeinschaftsweit vertriebenen Graphitelektroden über innergemeinschaftliche Grenzen hinweg geliefert. Es besteht also ein umfangreicher Handel zwischen Mitgliedstaaten und - seit seiner Errichtung - innerhalb des EWR. Aus der folgenden Tabelle werden die Mengen ersichtlich, die SGL, VAW Carbon(6), Conradty und UCAR 1996(7) in der Gemeinschaft produziert und in die einzelnen EG-Mitgliedstaaten geliefert haben (Einfuhren aus den Vereinigten Staaten von Amerika, Japan und anderen Ländern sind darin nicht berücksichtigt). >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Norwegen hat zwar eine eigene Stahlerzeugung, aber keine eigene Elektrodenfertigung. Der norwegische Elektrodenbedarf im Umfang von rund 1200 bis 2000 t pro Jahr wird vorrangig aus EG-Produktionen von UCAR, SGL und VAW befriedigt. Der Bedarf Finnlands und Schwedens wurde bis zum EG-Beitritt der beiden Länder im Jahre 1995 ebenfalls vollständig durch Einfuhren gedeckt. Österreich, ein verhältnismäßig kleines Stahlerzeugerland, konnte zwar auf einen inländischen Anbieter (SGL) zurückgreifen, führte aber jährlich noch Elektroden im Umfang von rund 300 t aus EG-Mitgliedstaaten ein. 1.2.7. DIE HERSTELLER (20) Es gibt derzeit neun westliche Hersteller, die den Graphitelektrodenmarkt im EWR effektiv bedienen. SGL und UCAR, die beiden Marktführer, decken zusammen [...]* der Nachfrage in Europa. Die beiden kleineren deutschen Produzenten VAW und Conradty kommen zusammen auf einen Marktanteil von rund [...]* %. Der Marktanteil des Anbieters C/G, der den EWR-Markt von den Vereinigten Staaten von Amerika aus versorgt, liegt bei etwa [...]* %. Die japanischen Hersteller beliefern zusammen ungefähr 3 bis 4 % des EWR-Markts. Der restliche Bedarf in der Gemeinschaft und im EWR wird von indischen, chinesischen und russischen Anbietern gedeckt. (21) Die SGL Carbon AG (SGL) ist der weltweit größte Hersteller von Karbon- und Graphitprodukten mit einem Weltmarktanteil von ca. 20 % und knapp hinter UCAR der zweitgrößte Graphitelektrodenhersteller der Welt. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Wiesbaden, Deutschland. SGL ist in drei Geschäftsfelder - "Carbon und Graphit", "Spezialgraphit" und "technische Werkstoffe" - untergliedert. Der erste und zugleich wichtigste Unternehmensbereich mit dem Kerngeschäft Graphitelektroden trägt mit 55 % zum Konzernumsatz bei. SGL ging aus zwei Fusionen hervor, die 1992 bzw. 1993 erfolgt sind. Im Februar 1992 legte das Unternehmen, das seinerzeit unter dem Namen Sigri GmbH firmierte und eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Hoechst AG war, ihre Kohlenstoff- und Graphitproduktion mit der des Konzerns Great Lakes Carbon Group (GLC) zusammen. Im Oktober 1993 übertrug Pechiney SA, ein großer französischer Verpackungshersteller und Aluminiumproduzent, sein Graphitgeschäft auf SGL. Im Dezember 1994 wurde SGL von einer GmbH in eine AG umgewandelt. Seit Juni 1996 ist das Unternehmen völlig unabhängig von der Hoechst AG. Das Unternehmen setzte 2000 weltweit 2,56 Mrd. DEM (etwa 1,262 Mrd. EUR) um. Es schätzt seinen Anteil am europäischen Graphitelektrodenmarkt selbst auf [...]* % (1998). Die Produktionsstätten von SGL im EWR befinden sich in Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, Österreich und Belgien. (22) UCAR International Inc. (UCAR) ist der weltweit größte Graphitelektrodenhersteller und einer der weltweit führenden Hersteller von Graphit- und Karbonprodukten, der seine Produkte in so gut wie allen Ländern absetzt, in denen Nachfrage nach solchen Erzeugnissen besteht, und über Produktionsstandorte in Nord- und Südamerika sowie in Europa und Asien verfügt. Sein Hauptgeschäftssitz liegt in Danbury, Connecticut (USA); die Konzernzentrale befindet sich inzwischen in Nashville, Tennessee. Die europäische Hauptverwaltung liegt in Rungis (Frankreich). UCAR ging aus der Carbon Products Division des Konzerns Union Carbide Corporation hervor, der im Februar 1991 50 % des Unternehmenskapitals an die Mitsubishi Corporation verkaufte. 1995 ersetzte UCAR sein bestehendes Eigenkapital durch Fremdkapital und führte ein öffentliches Erstangebot zur Zeichnung von Stammaktien durch. (23) Das Unternehmen entwickelt, fertigt und vertreibt Kohlenstoff- und Graphiterzeugnisse für folgende Wirtschaftszweige: Stahl, Eisenlegierungen, Aluminium, Chemie, Luftfahrt und Verkehr. Seine wichtigsten Produkte sind Graphitelektroden, Kohleelektroden, Spezialgraphit, Spezialkohlenstoff, Kathodenblöcke und flexibler Graphit. Auf Graphitelektroden entfielen 1999 [...]* % des Gesamtumsatzes des Unternehmens. UCAR stellt Graphitelektroden in acht Ländern her. 1998 wurde die Produktion, aufgeschlüsselt nach geographischen Regionen, wie folgt abgesetzt: [...]* % in den Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada, [...]* % in Afrika und Nahost, [...]* % in Westeuropa, [...]* % in Osteuropa, [...]* % in Mexiko, [...]* % in Südamerika und [...]* % im asiatisch-pazifischen Raum. Im EWR verfügt UCAR über Produktionsstandorte in Frankreich, Italien und Spanien. Das Unternehmen erzielte im Jahr 2000 einen Umsatz von insgesamt 776 Mio. USD (841 Mio. EUR). Sein Anteil am europäischen Graphitelektrodenmarkt lag 1998 bei rund [...]* %. (24) Die VAW Aluminium AG (VAW) ist ein großer Industriekonzern mit unterschiedlichen Geschäftsbereichen und zahlreichen Tochtergesellschaften. Seine Kohlenstoff- und Graphitprodukte werden in Grevenbroich (Deutschland) hergestellt. Das Unternehmen ist u. a. in der Herstellung von Aluminium, Walzprodukten und flexiblen Verpackungen sowie in der Gießerei tätig. Für den Vertrieb der von VAW produzierten Kohlenstoff- und Graphiterzeugnisse war bis zum 31. Dezember 1995 die hundertprozentige Tochtergesellschaft VAW Carbon GmbH (VAW Carbon) zuständig. Am 1. Januar 1996 wurde die gesamte Kohlenstoff- und Graphitproduktion von VAW in Grevenbroich auf eine andere hundertprozentige Tochter übertragen, die die Firmenbezeichnung VAW Carbon GmbH erhielt und anschließend die vormalige Vertriebsgesellschaft desselben Namens schluckte. Bei einer am 1. Juli 1998 vollzogenen Übernahme durch das Management (Management Buyout) wurden sämtliche Vermögenswerte der neuen VAW Carbon GmbH auf ein neu gegründetes Unternehmen namens Erftcarbon übertragen, dessen Aktienkapital zu 85 % der Gesellschaft NatWest Ventures (Nominees) Ltd, London, und zu 15 % leitenden Angestellten gehört. VAW Carbon kam 1997 bei Graphitelektroden in Europa auf einen Marktanteil von rund 6 %. Der weltweite Umsatz der VAW Aluminium AG lag im Jahr 2000 bei 3,693 Mrd. EUR. (25) Showa Denko K.K. (SDK), eine Tochtergesellschaft des japanischen Fuyo-Konzerns, gehört zu den führenden Chemieunternehmen Japans. Seine Hauptgeschäftsbereiche sind Petrochemie, Chemie, Elektronik, anorganisches Material und Aluminium. Um den Geschäftsbereich Aluminium weiter auszubauen und zu konsolidieren, fusionierte SDK am 30. März 2001 mit der Showa Aluminium Corporation. Der Firmensitz befindet sich in Tokio. Eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Unternehmens, Showa Denko Carbon, Inc. (SDC), ist in South Carolina (USA) angesiedelt; in Europa ist die SDK-Tochter Showa Denko Europe GmbH, Düsseldorf, tätig. Die SKD-Gruppe setzte 2000 weltweit insgesamt 747 Mrd. JPY (7,508 Mrd. EUR) um. SDK-Graphitelektroden wurden im Zeitraum 1992-1996 in Europa hauptsächlich auf dem deutschen Markt abgesetzt. 1995 verkaufte das Unternehmen seine Produkte auch in Frankreich, Schweden und dem Vereinigten Königreich. (26) Tokai Carbon Co., Ltd (Tokai) ist einer der führenden japanischen Hersteller von Ruß (Carbon Black), Graphitelektroden und Feinkohle. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Tokio. 1998 entfielen [...]* % der Verkaufserlöse auf Kohlenstofferzeugnisse. Das Unternehmen verfügt über zwölf konsolidierte Tochtergesellschaften, elf in Japan und eine in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Unternehmen besteht seit 1918; 1992 fusioniertes es mit Toyo Carbon. Tokai verkaufte Graphitelektroden im Vereinigten Königreich (1991-1998), Deutschland (1996-1998), Frankreich (nur 1997), Schweden (1991-1996) und Österreich (nur 1991). Der weltweite Gesamtumsatz des Unternehmens betrug im Jahr 2000 65 Mrd. JPY (etwa 471 Mio. EUR). (27) Nippon Carbon Co., Ltd (Nippon) stellt Elektroden und Kohlenwasserstofferzeugnisse her. Das Unternehmen besteht seit 1915. 1998 entfielen 93 % der Verkaufserlöse auf künstliche Graphitelektroden, Ruß (Carbon Black), Kohlenstofffasern und andere Kohlenstofferzeugnisse. Firmensitz ist Tokio. Das Unternehmen hat im Jahr 2000 weltweit 19 Mrd. JPY (ca. 189 Mio. EUR) umgesetzt. Im Zeitraum 1992-1996 setzte Nippon in Europa nur in Finnland, im Vereinigten Königreich und in Irland Graphitelektroden ab. (28) SEC Corporation (SEC) wurde 1934 zur Herstellung von Elektroden für elektrische Lichtbogenöfen gegründet. Das Unternehmen ist mit der Ohtani Steel K.K. verbunden, die mit 23,61 % an SEC beteiligt ist. SEC erwarb 1986 den Karbonprodukthersteller Kyowa Carbon. 45 % der nicht konsolidierten Einnahmen im Geschäftsjahr 1999 entfielen auf Graphitelektroden. Der Firmensitz befindet sich in Amagasaki, Hyogo (Japan). Der Graphitelektrodenabsatz des Unternehmens in Europa beschränkte sich auf den deutschen Markt und die Jahre 1992, 1994 und 1995. Der weltweite Umsatz von SEC betrug im Jahr 2000 15,4 Mrd. JPY (155 Mio. EUR). (29) Das Airco-Nachfolgeunternehmen The Carbide/Graphite Group Inc. (C/G) ist ein US-amerikanischer Hersteller von Graphitelektroden, Nadelkoks und Kalziumkarbidprodukten. Es ging aus einer fremdfinanzierten Übernahme (Leveraged Buyout) im Juni 1988 hervor, als leitende Angestellte Airco übernahmen. C/G erzeugt als einziger Graphitelektrodenhersteller selbst den Ha

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.