Europäische Union

2004/251/EG: Entscheidung der Kommission vom 24. Juli 2002 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2698 — Promatech/Sulzer) (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2002) 2807)

Amtliche Ursprungsfassung

Quellenkennung: 32004D0251. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

Zur amtlichen Quelle ↗

Originaldateien und Anlagen

Durchsuchbarer Text in vereinfachter Darstellung. Tabellen, Abbildungen und verbindliche Gestaltung bitte anhand der Originaldateien prüfen.

eniger als 12 Webmaschinen in Westeuropa generell nicht wirtschaftlich zu betreiben. Im Allgemeinen wurden diese Fakten durch die Marktuntersuchung der Kommission bestätigt. Daher haben kleine Webereien nicht die Möglichkeit, von Greiferwebmaschinen auf Luftdüsen-Webmaschinen umzustellen. Nach Angaben der Parteien arbeiten 43 % ihrer Kunden mit zehn oder weniger Maschinen. (35) Die Untersuchung der Kommission hat ergeben, dass Greiferwebmaschinen und andere Maschinentypen nur begrenzt austauschbar sind. Die Kommission fand nur wenige Anhaltspunkte dafür, dass Kunden von Greiferwebmaschinen auf einen anderen Maschinentyp umstellen würden, wenn ihr Preis um 5 % bis 10 % angehoben würde. Dies liegt daran, dass i) die Kunden ihren vorhandenen Maschinenpark nur ungern verändern, ii) sie für Greiferwebmaschinen auf Vielseitigkeit angewiesen und aus technischen Gründen nicht in der Lage sind, bei einer Preiserhöhung um 5 % bis 10 % auf andere Techniken wie Luftdüsen- oder Projektilwebmaschinen umzustellen und iii) eine beträchtliche Anzahl Kunden für Greiferwebmaschinen nicht die erforderliche Mindestgröße hat, um kostengünstig auf Luftdüsen-Webmaschinen umzustellen. (36) Zur Unterscheidung zwischen Webmaschinen mit positivem und mit negativem Greifer sei gesagt, dass diese Frage - auch wenn es Hinweise darauf gibt, dass diese beiden Techniken unter Nachfrageaspekten nicht untereinander austauschbar sind - für die Zwecke dieser Entscheidung offen bleiben kann, da sie die wettbewerbsrechtliche Würdigung dieser Sache nicht berührt. d) Substituierbarkeit auf der Angebotsseite (37) Promatech hat angegeben, dass es von der Angebotsseite her möglich sei, zu mäßigen Kosten von der Produktion eines Webmaschinentyps auf die Produktion eines anderen Typs umzustellen. Die Marktuntersuchung der Kommission hat dies jedoch nicht bestätigt. (38) Vielmehr haben die von der Kommission kontaktierten Webmaschinenhersteller darauf hingewiesen, dass die Umstellung der Produktion von einer auf eine andere Technologie mit beträchtlichen Investitionen und Risiken (sowohl wirtschaftlicher als auch finanzieller Art) verbunden wäre. Der Übergang zu einer anderen Technologie erfordert tiefgreifende - und kostspielige (mehrere Millionen Euro) - Veränderungen im Produktionsprozess, da die Basistechnologien und Maschinen sowie das erforderliche Know-how verschieden sind. Nach Angaben eines Wettbewerbers würde die Entwicklung einer Technologie durch einen Hersteller, der in dem entsprechenden Marktsegment nicht vertreten ist, folgende Risiken aufwerfen: i) Es wäre möglich, dass die umfangreichen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten nicht zu existenzfähigen kommerziell nutzbaren Technologien führen. ii) Weil Wettbewerber Patente besitzen, ist es den Herstellern häufig nicht möglich, in neue Technologien einzusteigen, oder sind sie gezwungen, kostspielige Alternativlösungen zu wählen. iii) Ein später Einstieg in eine neue Technologie erfordert die Überwindung von Hindernissen wie geringe Reputation, Nichtvorhandensein eines Maschinenparks und umfangreiche Anlageinvestitionen, während die bereits vorhandenen Marktteilnehmer ihre Entwicklungskosten bereits abgeschrieben haben. (39) Schließlich würde die Umstellung der Produktion auf eine andere Technik nach Angaben verschiedener Webmaschinenhersteller zwei bis fünf Jahre erfordern. (40) Eine Bestätigung der aufgelisteten Faktoren findet sich offensichtlich in der Tatsache, dass sich die Hersteller schützenloser Webmaschinen überwiegend auf die Herstellung von nicht mehr als zwei oder drei Technologien konzentrieren. Nur Sulzer (Webmaschine mit negativem Greifer, Projektil- und Multiphasen-Webmaschine), Promatech (Webmaschine mit negativem und positivem Greifer und Luftdüsen-Webmaschine) und Tsudakoma (Webmaschine mit negativem Greifer, Luftdüsen- und Wasserdüsen-Webmaschine) stellen drei verschiedene Webmaschinentypen her; Picanol (Webmaschine mit negativem Greifer und Luftdüsen-Webmaschine), Dornier (Webmaschine mit positivem Greifer und Luftdüsen-Webmaschine), Panter (Webmaschine mit positivem und negativem Greifer) und Toyota (Luftdüsen- und Wasserdüsen-Webmaschine) stellen zwei verschiedene Typen her, während die kleineren Hersteller nur einen Typ produzieren (Van de Wiele: Webmaschinen mit negativem Greifer; Vuts und Trustfin: Luftdüsen-Webmaschine). Darüber hinaus ist es - was noch wichtiger ist - sehr selten, dass Unternehmen einen Neueinstieg in eine dieser Technologien wagen (s. Ziffer 86). 3. SCHLUSSFOLGERUNG (41) Es muss aus diesen Gründen geschlossen werden, dass Greiferwebmaschinen einen separaten Produktmarkt bilden, der die anderen Typen schützenloser Webmaschinen nicht beinhaltet. Für die Zwecke dieser Entscheidung kann die Frage offen bleiben, ob Webmaschinen mit positivem und Webmaschinen mit negativem Greifer getrennte Produktmärkte bilden. (42) Der sachlich relevante Markt für die Beurteilung des Zusammenschlussvorhabens ist somit der Markt für Webmaschinen mit negativem Greifer oder - alternativ - der Markt für alle Webmaschinen sowohl mit positivem als auch mit negativem Greifer. B. DEFINITION DES RÄUMLICH RELEVANTEN MARKTES 1. EINLEITENDE BEMERKUNGEN (43) Gemäß den Parteien sind die Märkte für schützenlose Webmaschinen wegen der niedrigen Transportkosten, der großen Handelsströme zwischen der EU und dritten Ländern und der Ähnlichkeiten bei den Preisen und technischen Merkmalen weltweite Märkte. (44) Promatech macht geltend, dass die Transportkosten mit schätzungsweise durchschnittlich 2,1 % des Preises einer Webmaschine einen nur unerheblichen Anteil am Endpreis ausmachen. Außerdem weist es darauf hin, dass alle Webmaschinen im Ursprungsland hergestellt und weltweit ausgeführt werden, weshalb keine Handelsschranken bestuenden. Hinzu kämen die Einfuhr- und Ausfuhrströme von und nach der Europäischen Union. Promatech erwähnt, dass die beiden japanischen Hersteller Toyota und Tsudakoma bereits in Europa tätig seien, und dass die chinesischen Hersteller zwar noch nicht in Europa vertreten seien, in den europäischen Markt in naher Zukunft aber eintreten werden. Auch seien laut Promatech die Wettbewerbsbedingungen weltweit homogen und technische Unterschiede zwischen den weltweit hergestellten Webmaschinen nicht vorhanden. (45) Die Marktuntersuchung der Kommission hat bestätigt, dass der räumliche Erfassungsbereich der Märkte für Webmaschinen weiter ist als die nationalen Märkte. Hinsichtlich der genauen räumlichen Eingrenzung hat die Untersuchung jedoch auch ergeben, dass entgegen der Auffassung der Parteien die für die Bewertung des Vorhabens relevanten Märkte kleiner sind als der Weltmarkt. 2. DER MARKT FÜR GREIFERWEBMASCHINEN a) Handelsströme (46) Greiferwebmaschinen werden innerhalb der Länder des europäischen Wirtschaftsraumes und zwischen der Schweiz und den Mitgliedstaaten des EWR in erheblichem Umfang gehandelt. (47) Die Mehrzahl der Länder wie Spanien, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Portugal, Österreich, die Niederlande, Dänemark, Griechenland und Schweden stellen Greiferwebmaschinen selbst nicht her und beziehen sie bei Herstellern in anderen Ländern der Region(11). In westeuropäischen Ländern wie Italien, Belgien, Deutschland und der Schweiz mit einer erheblichen Produktion an Greiferwebmaschinen wurde auch ein hoher Prozentsatz an Beschaffungen aus anderen Ländern dieser Region festgestellt (zwischen rund 19 % bis 75 % im Jahr 2001). (48) Da der westeuropäische Markt für Greiferwebmaschinen ausschließlich von westeuropäischen Herstellern beliefert wird, wurden für diesen Markt bisher keine Maschinen dieser Art aus dritten Ländern eingeführt, was in Abschnitt b) erläutert wird. (49) Wie im folgenden Abschnitt erläutert, haben die westeuropäischen Abnehmer von Greiferwebmaschinen wegen fehlender Einfuhren keine alternativen Lieferquellen außerhalb Westeuropas. b) Keine alternativen Lieferquellen außerhalb Westeuropas (50) Japan und China sind neben Westeuropa die wichtigsten Standorte für die Herstellung von Webmaschinen, kurz- und mittelfristig jedoch offenbar keine alternativen Lieferquellen für die westeuropäischen Abnehmer von Greiferwebmaschinen. (51) Die japanischen Hersteller konzentrieren sich fast ausschließlich auf die Luft- und Wasserdüsentechnik, die den Gegebenheiten der in einem stürmischen Wachstum befindlichen Textilindustrie im Fernen Osten mit ihren niedrigen Arbeits- und Energiekosten und der Verwendung von Kunstfasern entspricht. Von den beiden größten japanischen Herstellern produziert Toyota überhaupt keine Greiferwebmaschinen und stellt Tsudakoma nur eine sehr kleine Anzahl von Maschinen mit negativem Greifer her. Diese kleine Produktion ist auf den Bedarf der herkömmlichen japanischen Textilindustrie abgestimmt und wird ausschließlich in Japan abgesetzt. Die Marktuntersuchung hat nicht ergeben, dass die japanischen Hersteller von Webmaschinen die Absicht hätten, eine Produktion von Greiferwebmaschinen gemäß den Normen der westeuropäischen Textilindustrie aufzubauen. Sie haben offenbar einen größeren Anreiz, in dem fernöstlichen Wachstumsmarkt zu expandieren, als zu alternativen Webtechniken überzugehen, die auf den westeuropäischen Markt ausgerichtet wären. (52) Die Untersuchung hat in Bezug auf China, den anderen wichtigen Herstellermarkt außerhalb Europas ergeben, dass sich die Hersteller auf die einfachen herkömmlichen Greifermaschinen mit ihrem hohen Personalbedarf konzentrieren, die für Westeuropa mit seinen hohen Arbeitskosten, dessen Industrie kapital- und nicht arbeitsintensive Lösungen benötigt, ungeeignet sind. Die chinesischen Hersteller setzen ihre Webmaschinen mit negativem Greifer fast ausschließlich im Inland ab, wo sie mit den technisch anspruchsvolleren Maschinen der europäischen und japanischen Hersteller im Wettbewerb stehen. (53) Es gibt erhebliche technische Unterschiede zwischen den in China hergestellten Maschinen mit negativem Greifer und den in Europa hergestellten und auf den Markt gebrachten Maschinen. Nach Aussage eines europäischen Herstellers von Webmaschinen haben die in China hergestellten Greifermaschinen einen technischen Rückstand von 20 bis 25 Jahren gegenüber den europäischen Maschinen. Die Marktuntersuchung hat bestätigt, dass der Entwicklungsstand der Greiferwebtechnik in China so weit zurück ist, dass die chinesischen Hersteller in den kommenden Jahren außerhalb des Fernen Ostens wohl keine Maschinen in größerem Umfang verkaufen können. Um Maschinen nach Europa ausführen zu können, müssten die chinesischen Hersteller nicht nur ihren technischen Rückstand aufholen (Erwerb des erforderlichen Know-hows, der nötigen Patente, Entwicklung der modernsten Webmaschinentechnik) und ihren schlechten Ruf durch den Aufbau eines neuen Markenbildes verbessern, sondern auch in Europa die entsprechenden Absatz-, Kundendienst- und Vertriebsnetze aufbauen (siehe unten). (54) Hinzu kommt, dass die chinesischen Hersteller kaum den wirtschaftlichen Anreiz hätten, in den europäischen Markt für Greiferwebmaschinen einzutreten. Gemäß den von Promatech vorgelegten Zahlen, die auf Statistiken des Internationalen Verbandes der Textilhersteller (ITMF) beruhend, hat sich der Absatz von Maschinen mit Negativgreifer und von Projektilmaschinen in Asien und Ozeanien zwischen 1996 und 2000 um 7 % erhöht, während er in Westeuropa in demselben Zeitraum um 11 % zurückgegangen ist. Angesichts der Wachstumsaussichten der chinesischen Textilindustrie in den kommenden Jahren und der Stagnation auf dem europäischen Markt haben die chinesischen Hersteller eher ein wirtschaftliches Interesse, ihre Verkäufe im Inland zu konsolidieren und nicht auf dem westeuropäischen Markt zu expandieren. TABELLE 3 Entwicklung der Lieferungen von Greifer- und Projektilwebmaschinen (Stückzahlen) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Angaben der Parteien. c) Zugang zu Vertriebsnetzen, Nähe eines zuverlässigen Kundendienstes und Verfügbarkeit von Ersatzteilen (55) Die Marktuntersuchung hat gezeigt, dass ein Hersteller, der auf den westeuropäischen Markt treten möchte, Zugang haben muss zu: i) Vertriebsnetzen/Verkaufsvertretern und ii) Kundendienst einschließlich Beschaffung von Ersatz- und Zubehörteilen. (56) Die europäischen Hersteller wickeln ihren Absatz von Webmaschinen überwiegend über unabhängige Verkaufsvertreter ab, die in der Regel durch ausschließliche Vereinbarungen über den Vertrieb von Webmaschinen mit den Herstellern verbunden sind. Promatech hat darauf hingewiesen, dass diese unabhängigen Vertreter in der Regel auch andere Arten von Textilmaschinen wie z. B. Spinn- oder Strickmaschinen vertreiben, und dass die Hersteller von Webmaschinen häufig ihre Verkaufsvertreter wechseln. Promatech ist der Ansicht, dass ein neuer Marktzugänger seine Webmaschinen über die bereits bestehenden Netze von unabhängigen Verkaufsvertretern ohne weiteres vertreiben könnten. (57) Andere Hersteller haben jedoch geltend gemacht, dass die Hersteller und Vertreter eher an langfristigen Geschäftsbeziehungen interessiert seien, und dass es angesichts der Bedeutung des Maschinenparks eines Herstellers für die Geschäftsaussichten eines Verkaufsvertreters unwahrscheinlich wäre, dass ein Verkaufsvertreter seinen Vertrag mit einem bereits eingeführten Hersteller zugunsten eines neuen Marktzugängers kündigen würde. Hinsichtlich der Möglichkeit, dass neue Marktzugänger Verbindung mit Mehrproduktvertretern aufnehmen, die nicht bereits an Hersteller von Webmaschinen gebunden sind, ist zu bemerken, dass diese Vertreter sich in einer benachteiligten Stellung gegenüber den bereits im Markt aktiven Verkäufern befinden, da die meisten Verkäufe von Webmaschinen im westeuropäischen Markt den Ersatz oder die Erweiterung bestehender Anlagen betreffen. (58) Ein Neuzugänger auf dem westeuropäischen Markt müsste ebenfalls Zugang zu einem Kundendienstnetz haben, um seinen Kunden eine zeitgerechte und wirksame technische Unterstützung leisten zu können. Zu diesen Tätigkeiten zählt die Bereitstellung von Ersatzteilen und wohl auch Zubehör für die verkauften Webmaschinen. Wie von Promatech darauf hingewiesen, werden in Europa die Ersatzteile in der Regel nicht zusammen mit den Maschinen geliefert, im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt, wo es üblich ist, mit den Webstühlen auch Ersatzteile in einem bestimmten Umfang, in der Regel für die ersten beiden Betriebsjahre, zu liefern. (59) Die Provision eines Verkaufsvertreters ergibt sich zu einem erheblichen Teil aus dem Verkauf von Ersatzteilen. Der Umfang der von den Kunden nachgefragten Ersatzteile hängt direkt von der Größe des Maschinenparks eines Herstellers im Verkaufsgebiet des Vertreters ab. Wie von einem Wettbewerber der Parteien formuliert, nimmt mit der Größe des Maschinenparks eines Herstellers auch die Höhe der Provision seines Verkaufsvertreters zu. Es wäre deshalb für einen Neuzugänger nicht leicht, einen Verkaufsvertreter davon zu überzeugen, seine Geschäftsbeziehung mit dem Hersteller zu beenden und den Vertrieb der Produkte des Neuzugängers aufzunehmen. (60) Nach den Aussagen eines von der Kommission angesprochenen Marktteilnehmers würde es angesichts der geschilderten Anforderungen zwischen durchschnittlich drei bis fünf Jahren dauern, bis ein Hersteller von Webmaschinen aus einem anderen Teil der Welt in den europäischen Markt eintreten könnte. Die Mehrzahl der Hersteller von Webmaschinen haben die Bedeutung sowohl der Verkaufsvertreter als auch der Kundendienstzentren für den Absatz auf dem westeuropäischen Markt bestätigt. d) Ansichten der Kunden (61) Die Marktuntersuchung der Kommission hat bestätigt, dass die Kunden in Westeuropa die Einfuhren von Greiferwebmaschinen aus einem anderen Teil der Welt nicht als realistische alternative Lieferquelle ansehen. (62) Zu den von den Kunden dafür angegebenen Gründen zählt das Maß an Abhängigkeit von der technischen Leistung der Webmaschine für ihre eigene Produktion. Die Zuverlässigkeit der Maschinen und vor allem die Nähe eines zuverlässigen Kundendienstes sowie die Verfügbarkeit von Ersatz- und Zubehörteilen sind daher von größter Bedeutung (siehe oben). Die Marktuntersuchung hat ebenfalls bestätigt, dass der Ruf eines Herstellers in einer Region ein weiterer wichtiger Faktor ist, den die Kunden in Erwägung ziehen, wenn sie über den Kauf einer Webmaschine mit negativem Greifer entscheiden. e) Besondere Merkmale der Nachfrage (63) Außerdem bestehen Unterschiede zwischen Westeuropa und anderen räumlichen Gebieten bei der Erneuerung des bei den Kunden installierten Maschinenparks. Laut Promatech ersetzen die Hersteller in Europa (und Nordamerika) ihre Webmaschinen alle fünf Jahre, in Afrika, Asien und Südamerika in der Regel jedoch nur durchschnittlich alle zehn Jahre. Dieser Unterschied ist darauf zurückzuführen, dass in Europa die Ersetzung der Maschinen vor allem durch die technische Entwicklung bedingt ist (Modernisierung und Fortentwicklung der Webmaschinen), um bessere Gewebe mit einem höheren wirtschaftlichen Wert herstellen zu können. Die meisten der in Westeuropa und Nordamerika ersetzten Webmaschinen werden gebraucht nach Afrika, Asien und Südamerika verkauft. (64) Wie von den Parteien vorgebracht und durch die Marktuntersuchung bestätigt, erfolgt die Ersetzung der Webmaschinen in Europa und Nordamerika überwiegend wegen der erforderlichen Leistungssteigerungen bei den Kunden (höhere Geschwindigkeit und Effizienzgewinne), und um die Kosten vor allem bei den Ersatzteilen und dem Kundendienst zu senken. Deshalb ersetzen viele europäische Textilhersteller ihre Maschinen vor Ablauf deren natürlicher Nutzungsdauer(12). Demgegenüber ist für die Hersteller in Asien, Afrika und Südamerika vor allem der Kaufpreis für die Entscheidung zum Kauf einer Maschine maßgeblich, wobei jedoch die Parteien vermuten, dass sich dies in Zukunft ändern könnte, da auch diese Hersteller zunehmend technische Erwägungen in ihre Maschinenbeschaffung einfließen lassen. (65) Schließlich ist eine zunehmende Anzahl der Verkäufe in Westeuropa an die Erweiterung bestehender Anlagen oder die Einführung technischer Neuerungen und weniger an den Bau neuer Fabriken geknüpft. Die Errichtung neuer Werke findet häufiger in den sich entwickelnden Märkten z. B. im Fernen Osten statt. Da in diesem Raum die Anzahl der neuen Marktzugänger größer ist, wird verglichen mit Westeuropa weniger Nachdruck auf Markentreue gelegt und ist die Bedeutung des vorhandenen Maschinenparks eines Kunden für die späteren Kaufentscheidungen von geringerer Bedeutung. f) Schlussfolgerung (66) Hieraus ist zu schließen, dass der Markt für Greiferwebmaschinen (bzw. der Markt für Webmaschinen mit negativem Greifer) Westeuropa umfasst, d. h. das Gebiet der EWR-Mitgliedstaaten und die Schweiz. (67) Gemäß dieser Definition des räumlich relevanten Marktes bilden die Gebiete der sieben ersuchenden Mitgliedstaaten Spanien, Italien, Vereinigtes Königreich, Deutschland, Frankreich, Portugal und Österreich einen einzigen relevanten Markt für die Anwendung von Artikel 22 Absatz 5 der Fusionskontrollverordnung(13). C. VEREINBARKEIT MIT DEM GEMEINSAMEN MARKT (68) Gemäß Artikel 2 Absatz 3 der Fusionskontrollverordnung ist ein Zusammenschluss, der eine beherrschende Stellung begründet oder verstärkt, mit der ein wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt oder in einem wesentlichen Teil davon spürbar behindert würde, für mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar zu erklären. (69) Der Gerichtshof(14) hat den Begriff der Marktbeherrschung als eine Stellung wirtschaftlicher Stärke eines Unternehmens bezeichnet, die es in die Lage versetzt, die Aufrechterhaltung eines wirksamen Wettbewerbs in dem relevanten Markt zu verhindern, indem sie ihm die Macht verleiht, in spürbarem Maße unabhängig von seinen Wettbewerbern, seinen Kunden und schließlich den Verbrauchern vorzugehen. Eine solche Stellung schließt nicht das Vorhandensein eines geringen Wettbewerbs aus, versetzt jedoch das Unternehmen in einer solchen Stellung in die Lage, zumindest einen spürbaren Einfluss auf die Bedingungen zu nehmen, unter denen sich der Wettbewerb entwickelt, sofern es diese Bedingungen nicht selbst bestimmt, und weitgehend ungeachtet davon vorzugehen, solange dieses Verhalten nicht zu seinem Nachteil wirkt. (70) Das Bestehen einer beherrschenden Stellung kann sich aus verschiedenen Faktoren ergeben, die für sich genommen nicht unbedingt ausschlaggebend sind; ein wichtiger Faktor ist das Vorhandensein sehr hoher Marktanteile. Außerdem ist das Verhältnis zwischen den Marktanteilen der an dem Zusammenschluss beteiligten Unternehmen zu ihren nächstfolgenden Wettbewerbern ein weiterer Nachweis für das Vorhandensein einer beherrschenden Stellung(15). (71) Die Faktoren, die bei der Schlussfolgerung berücksichtigt werden, dass das Vorhaben eine beherrschende Stellung im westeuropäischen Markt sämtlicher Greiferwebmaschinen bzw. im westeuropäischen Markt der Webmaschinen mit negativem Greifer in Westeuropa begründen oder verstärken wird, mit der wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt oder einem wesentlichen Teil davon spürbar behindert würde, sind in Absatz 72 bis 104 dargelegt. 1. Horizontale Auswirkungen A. Greiferwebmaschinen a) Marktanteile (72) In der nachstehenden Tabelle sind die Anteile der Parteien und jedes ihrer wichtigsten Wettbewerber am Markt der Greiferwebmaschinen aufgeführt: TABELLE 4 Marktanteile bei sämtlichen Greiferwebmaschinen (Mengenanteil) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Angabe der Parteien und ihrer Wettbewerber. b) Veränderte Marktstruktur (73) Auf dem Markt der Greifermaschinen in Westeuropa würde der gemeinsame Marktanteil der Parteien [65-75 %]* (Promatech [40-50 %]*, Sulzer [15-25 %]*) betragen. Die nächstfolgenden Wettbewerber in diesem Markt wären Dornier mit [10-15 %]*, Picanol mit [5-10 %]*, Van de Wiele mit [1-5 %]* und Panter mit [< 5 %]*. Außerdem würde das Vorhaben die Kluft im Marktanteil zwischen dem größten Wettbewerber, der dann aus der fusionierten Einheit gebildet würde, mit [65-75 %]* und seinem nächstfolgenden Wettbewerber Dornier erheblich erweitern. Vor dem Zusammenschluss lag der Abstand zwischen dem größten Wettbewerber Promatech und dem zweitgrößten Wettbewerber Sulzer in der Größenordnung von 2:1, während Dornier als drittgrößter Anbieter einen Marktanteil hatte, der rund 2,5-mal kleiner war als der des Marktführers Promatech. Nach dem Zusammenschluss würde der Abstand zwischen dem größten und zweitgrößten Wettbewerber somit um einen Faktor von rund 5 und der Abstand zwischen dem größten Unternehmen und dem drittgrößtem Wettbewerber Picanol um einen Faktor von rund 10 zunehmen. (74) Diese Bedenken werden noch dadurch verstärkt, dass die Marktanteile der Wettbewerber wie Picanol, Dornier, Van de Wiele und Panter in den vergangenen Jahren kaum zugenommen haben. Ihr Marktanteil ist in diesem Zeitraum in etwa gleich geblieben. c) Zusammenschluss der engsten Wettbewerber (75) Neben dieser erheblichen Änderung der Marktstruktur hat die Untersuchung der Kommission ergeben, dass Promatech und Sulzer vor dem Zusammenschluss die jeweils engsten Wettbewerber in Westeuropa waren. Die Untersuchung hat gezeigt, dass die Kunden beider Parteien auf den jeweils anderen Anbieter als alternative Lieferquelle zurückgreifen würden. Mit dem Zusammenschluss würde dieser Wettbewerber wegfallen und würden wie bereits erwähnt, die Vorteile der fusionierten Einheit gegenüber den verbleibenden Wettbewerbern erheblich zunehmen. d) Hohe Zutrittsschranken (76) Außerdem zeigen die Ergebnisse der von der Kommission geführten Untersuchung, dass ein neuer Eintritt in den westeuropäischen Markt der Greiferwebmaschinen wahrscheinlich nicht in einem genügenden Ausmaß oder nicht rechtzeitig genug erfolgen würde, um die neue Einheit von der Ausübung ihrer Marktmacht abhalten zu können. Ein Eintritt in diesen Markt erscheint höchst unwahrscheinlich. (77) Die Schranken für den Eintritt in den Markt der Greifermaschinen liegen hoch. Erstens hat die U

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.