Europäische Union

2004/251/EG: Entscheidung der Kommission vom 24. Juli 2002 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2698 — Promatech/Sulzer) (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2002) 2807)

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Avis juridique important | 32004D0251 2004/251/EG: Entscheidung der Kommission vom 24. Juli 2002 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2698 — Promatech/Sulzer) (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2002) 2807) Amtsblatt Nr. L 079 vom 17/03/2004 S. 0027 - 0044 Entscheidung der Kommission vom 24. Juli 2002 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2698 - Promatech/Sulzer) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2002) 2807) (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR) (2004/251/EG) DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN - gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, gestützt auf das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum, insbesondere auf Artikel 57 Absatz 2 Buchstabe a), gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates vom 21. Dezember 1989 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen(1), zuletzt geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 1310/97(2), insbesondere auf Artikel 8 Absatz 2 und Artikel 22 Absatz 3, im Hinblick auf die Entscheidung der Kommission vom 16. April 2002, ein Verfahren in dieser Sache einzuleiten, nach Anhörung des Beratenden Ausschusses für die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen(3), gestützt auf den Abschlussbericht des Anhörungsbeauftragten in dieser Sache(4), in Erwägung nachstehender Gründe: I. ALLGEMEINES (1) Am 7., 11., 18., 19. und 21. Dezember 2001 stellten Spanien, Italien, das Vereinigte Königreich, Deutschland und Frankreich gemeinsam gemäß Artikel 22 der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 ("Fusionskontrollverordnung") bei der Kommission einen Antrag auf Prüfung eines Zusammenschlussvorhabens, wonach das Unternehmen Promatech SpA (Promatech) beabsichtigte, den Geschäftsbereich Textilmaschinen (Sulzer Textile) des Unternehmens Sulzer Ltd zu erwerben. Am 11. und 13. Februar 2002 gingen von Portugal bzw. Österreich zwei weitere Anträge ein. (2) Die Kommission hat festgestellt, dass die genannten Anträge den Erfordernissen nach Artikel 22 Absatz 3 der Fusionskontrollverordnung entsprechen. Die Behörden der ersuchenden Mitgliedstaaten hatten der Kommission ihnen zur Verfügung stehende Unterlagen übermittelt, in denen es in erster Linie um Stellungnahmen der Parteien und die Ergebnisse vorläufiger Untersuchungen ging. Diese Informationen wurden später von den beteiligten Unternehmen ergänzt. (3) Nach sorgfältiger Prüfung des Zusammenschlussvorhabens gelangte die Kommission zu der Schlussfolgerung, dass die Transaktion Anlass zu schwerwiegenden Bedenken hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen gibt. Für die Kommission ergaben sich ernsthafte wettbewerbsrechtliche Bedenken im Hinblick auf den Markt für Greiferwebmaschinen oder, alternativ, den weiter segmentierten Markt für Webmaschinen mit negativem Greifer, in Westeuropa (d. h. EWR-Mitgliedstaaten und Schweiz). Die Kommission leitete deshalb am 16. April 2002 ein Verfahren nach Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe c) und Artikel 22 Absatz 4 der Fusionskontrollverordnung sowie Artikel 57 des EWR-Abkommens ein. II. DIE PARTEIEN (4) Promatech ist ein in Italien ansässiges Unternehmen, das Webmaschinen und Ersatzteile herstellt und vertreibt. Das Unternehmen wird von der Radici-Gruppe, die in den Sektoren chemische Industrie, Kunststoffe, Maschinenbau, Verpackung, Webindustrie, synthetische Fasern und Textilindustrie tätig ist, sowie von der im Textilsektor tätigen Miro-Radici-Gruppe kontrolliert. (5) Sulzer Ltd ist eine in der Schweiz ansässige Holdinggesellschaft, deren Haupttätigkeitsgebiete in verschiedenen Bereichen - wie medizinaltechnische Implantate, Hochleistungspumpen sowie Infrastrukturlösungen für Gebäude - liegen. Außerdem entwirft, produziert, vermarktet und vertreibt sie vor allem über ihre hundertprozentige Tochter Sulzer Textil AG (Schweiz) und andere Gesellschaften, an denen sie direkt oder indirekt Beteiligungen hält, Webmaschinen und bietet in diesem Bereich Kundendienstleistungen an. III. DER ZUSAMMENSCHLUSS (6) Gegenstand des beabsichtigten Zusammenschlusses ist der vorgesehene Erwerb des Geschäftsbereichs Textilmaschinen von Sulzer durch Promatech im Wege des Kaufs von Anteilsrechten. Durch die angemeldete Transaktion würde Promatech somit die alleinige Kontrolle über eine Reihe von in verschiedenen Gebieten der Welt angesiedelten Unternehmen (einschließlich Vertriebsgesellschaften), die derzeit 100%ige Töchter von Sulzer sind, erwerben. Außerdem sollen weltweit elf von Sulzer Textil kontrollierte und von anderen Unternehmen der Sulzer Gruppe verwaltete Verkaufsabteilungen erworben werden. (7) Daher stellt das angemeldete Vorhaben einen Zusammenschluss im Sinne des Artikels 3 Absatz 1 Buchstabe b) der Fusionskontrollverordnung dar. (8) Der zu prüfende Zusammenschluss hat keine gemeinschaftsweite Bedeutung, da die Schwellen des Artikels 1 der Fusionskontrollverordnung nicht erreicht werden. Promatech erwirtschaftet einen weltweiten Umsatz von [...]*(5) und einen gemeinschaftsweiten Umsatz von [...]* (Zahlen des Jahres 2000). Mit den von der Übernahme betroffenen Geschäftsfeldern von Sulzer wird ein weltweiter Umsatz von [...]* und ein gemeinschaftsweiter Umsatz von [...]* erzielt (Zahlen des Jahres 2000). IV. WETTBEWERBSRECHTLICHE WÜRDIGUNG A. DEFINITION DES SACHLICH RELEVANTEN MARKTES 1. SCHÜTZENWEBMASCHINEN UND SCHÜTZENLOSE WEBMASCHINEN (9) Der vorgesehene Zusammenschluss betrifft den Sektor Herstellung und Vertrieb (einschließlich Ersatzteil- und Reparaturgeschäft) von Webmaschinen. Webmaschinen kommt im Marktsegment Textilmaschinen, das noch andere große Kategorien von Maschinen - wie Spinnereimaschinen oder Strickmaschinen - beinhaltet, besondere Bedeutung zu(6). (10) Webmaschinen lassen sich je nachdem, über welches Instrument der Schusseintrag - d. h. der Transport des Kettfadens von einer Seite der Maschine auf die andere - erfolgt und wie der Schussfaden in den Kettfaden abgespult wird, generell in folgende zwei Kategorien unterteilen: i) Schützenwebmaschinen, ii) schützenlose Webmaschinen. (11) Wegen ihrer niedrigen Produktionskapazität und sehr geringen Geschwindigkeit sind Schützenwebmaschinen offenbar technisch überholt. Sie sind in Südostasien und China für die Herstellung preiswerter Textilien weit verbreitet. In Europa wird die Schützenwebmaschine fast ausschließlich in der Herstellung von Luxustextilien eingesetzt, bei denen sich die geringe Geschwindigkeit dieser Maschine nicht nennenswert auf den Endpreis des Produkts auswirkt. In Europa ist der Absatz von Schützenwebmaschinen heutzutage unbedeutend (siehe Tabelle). TABELLE 1 Schützenwebmaschinen-Lieferungen im Jahr 2000 (Einheiten) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Internationale Textilmaschinen-Lieferstatistik, Bd. 23/2000. (12) Die beteiligten Parteien - und im Allgemeinen auch ihre wichtigsten Wettbewerber - stellen keine Schützenwebmaschinen her. Die Parteien haben vorgebracht, dass Schützenwebmaschinen und schützenlose Webmaschinen nicht demselben Markt zuzurechnen sind, was die Marktuntersuchung der Kommission bestätigt hat. 2. SCHÜTZENLOSE WEBMASCHINEN a) Übersicht über die verschiedenen Typen schützenloser Webmaschinen (13) Je nach Art und Weise, wie der Schussfaden durch den Kettfaden geschossen oder gewoben wird, können schützenlose Webmaschinen wie folgt unterteilt werden: i) Webmaschinen mit positivem Greifer, ii) Webmaschinen mit negativem Greifer, iii) Luftdüsen-Webmaschinen, iv) Projektilwebmaschinen, v) Wasserdüsen-Webmaschinen und vi) Multiphasen-Webmaschinen. (14) Diese Maschinentypen unterscheiden sich von der Technik, dem Einsatzbereich und den Kosten her. (15) Webmaschinen mit positivem Greifer sind am vielseitigsten einsetzbar. Der Schusseintrag erfolgt über metallene Greifer, die den Schussfaden bis in die Mitte der Webmaschine ziehen, wo er von dem anderen Greiferkopf übernommen wird, der ihn zur anderen Seite der Webmaschine transportiert (aktives Verfahren). Der Greiferkopf ist an einem Stab montiert. Diese Webmaschinen sind für die Herstellung hochwertiger Spezialtextilien konzipiert. Die Produktivität ist geringer als bei Webmaschinen mit negativem Greifer, während der Energieverbrauch höher ist, so dass sie sowohl von den Gestehungs- als auch von den Betriebskosten her zu den teureren Webmaschinen gehören. Sie können ein breites Spektrum von Materialien herstellen, von den feinsten Seidenstoffen sowie Woll- und Kammgarngeweben für die Modeindustrie, von Polster- oder Dekorationsstoffen bis hin zu schweren Industriegeweben aus Draht, Jute und Kohlenstofffasern. Diese Maschinen werden derzeit von Dornier und in geringerem Umfang von Promatech sowie Panter hergestellt. (16) Webmaschinen mit negativem Greifer, auf denen hochwertige Stoffe in anspruchsvollem Design hergestellt werden können, folgen in puncto Vielseitigkeit an zweiter Stelle (nach der Webmaschine mit positivem Greifer). Der Schusseintrag erfolgt über metallene Greifer, und der Schussfaden wird von einem dieser Greifer bis in die Mitte der Webmaschine transportiert, wo er an den anderen Greiferkopf übergeben wird, der ihn zur anderen Seite der Webmaschine transportiert (passives Verfahren). Konzeption und Entwicklung des Greiferkopfes erfordern hochentwickelte Techniken, bei denen Patente und Know-how ins Spiel kommen. Der Greiferkopf ist auf ein Band montiert. Diese Maschinen, deren Energieverbrauch und Geschwindigkeit sich auf durchschnittlichem Niveau bewegen, sind nicht übermäßig teuer. Sie werden in erster Linie von Promatech, Sulzer, Picanol und - in geringerem Maße - Panter, hergestellt. Tsudakoma produziert eine begrenzte Stückzahl dieser Webmaschinen für den japanischen Markt, wo sie zur Herstellung traditioneller japanischer Textilien verwendet werden. (17) Bei den Luftdüsen-Webmaschinen erfolgt der Schusseintrag über einen Druckluftstrahl. Diese Maschinen sind durch eine hohe Produktivität gekennzeichnet, jedoch nicht so vielseitig einsetzbar wie Greiferwebmaschinen. Am besten eignen sie sich für die Fertigung von leichten Geweben. Sie sind recht vielseitig und können zur Herstellung einer breiten Palette verschiedener Gewebe verwendet werden, auch wenn ihr Energieverbrauch bei der Herstellung von schweren Stoffen wie Jeansstoffen deutlich steigt. Der Energieverbrauch ist (verglichen mit Greifer- oder Luftdüsen-Webmaschinen) relativ hoch, doch sind die Ersatzteilkosten aufgrund der relativ geringen Anzahl beweglicher Teile vergleichsweise gering. Der Einsatz dieser Maschinen ist an das Vorhandensein spezifischer Infrastruktur - wie Luftkompressoren und Hochdruck-Luftdüsen - geknüpft, deren Kosten sich auf 15 %-25 % des Gesamtpreises der Maschinen belaufen können. In der Regel werden sie von Webereien verwendet, die eine mengenmäßig prognostizierbare Nachfrage nach einer bestimmten Gewebeart befriedigen. Diese Webmaschinen werden von Promatech, Picanol, Dornier, Tsudakoma und Toyota hergestellt. (18) Bei den Projektilwebmaschinen erfolgt der Schusseintrag über Projektile. Diese Technologie wurde Anfang der fünfziger Jahre entwickelt und kann als ausgereift betrachtet werden. Projektilwebmaschinen sind relativ teuer, zeichnen sich durch einen breiten Einsatzbereich und relativ niedrigen Energieverbrauch aus, eignen sich zur Herstellung von Textilien hoher bis mittlerer Qualität. Mit diesen Maschinen lassen sich breitere Stoffbahnen herstellen als mit anderen Webmaschinen. Außerdem haben sie eine längere Lebensdauer als alle anderen Webmaschinen. Projektilwebmaschinen ähneln von den technischen Merkmalen her den Greiferwebmaschinen, sind jedoch auch erheblich teurer als die meisten anderen Webmaschinen (mit Ausnahme der Multiphasen-Webmaschine). Bedingt durch ihren relativ hohen Preis und die durchschnittliche Produktivität sind Projektilwebmaschinen ein Produkt für Nischenmärkte(7). Dieser Maschinentyp wird fast ausschließlich von Sulzer hergestellt(8). (19) Bei den Wasserdüsen-Webmaschinen erfolgt der Schusseintrag über einen Druckwasserstrahl. Diese Maschinen sind relativ kostengünstig, haben einen geringen Energieverbrauch und weisen eine hohe Produktivität auf. Andererseits ist ihr Einsatzbereich begrenzt, da sie nur zur Fertigung wasserabweisender Gewebe, insbesondere synthetischer Stoffe, verwandt werden können. Da das Wasser die Korrosion fördert, ist die Lebensdauer dieser Maschinen in der Regel kürzer als bei anderen Webmaschinen. Wasserdüsen-Webmaschinen sind vor allem in Asien im Einsatz(9). Sie werden von keiner der Parteien hergestellt. (20) Multiphasen-Webmaschinen verkörpern die jüngste Entwicklung der Webmaschinen-Technologie. Derzeit werden sie nur an ausgewählte Kunden für Testzwecke verkauft(10). Diese Maschine ist durch eine extrem hohe Produktivität, hohe Betriebskosten, einen geringen Personalbedarf sowie einen begrenzten Einsatzbereich gekennzeichnet, der in erster Linie in der Massenproduktion von Geweben geringer Qualität besteht. Einziger Hersteller dieser Webmaschine ist Sulzer. (21) Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Maschinentypen, in Bezug auf technische Merkmale sowie die Preise der einzelnen Maschinen sind in nachstehender Tabelle dargestellt: TABELLE 2 Vergleich verschiedener Techniken schützenloser Webmaschinen >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Angaben der Parteien. b) Vorbringen der Parteien zur Produktmarktabgrenzung (22) Die anmeldenden Unternehmen vertreten die Auffassung, dass es einen einzigen relevanten Produktmarkt gibt, der alle Arten schützenloser Webmaschinen einschließt, unabhängig davon, ob es sich um Luftdüsen-, Wasserdüsen-, Multiphasen- und Projektilwebmaschinen oder Webmaschinen mit positivem und negativem Greifer handelt. Sie führen aus, dass sich die verschiedenen Webmaschinentypen durch ein hohes Maß an Austauschbarkeit auszeichnen, da den Verwendern sehr häufig ein problemloses Wechseln zwischen den Produktionstypen möglich ist. Zur Nachfrageseite geben die Parteien an, dass die einzelnen Maschinentypen unter den Aspekten Geschwindigkeit, Flexibilität (d. h. die Möglichkeit, problemlos den Produktionstyp zu wechseln), Qualität, Endprodukt, Einsatzmöglichkeiten und Kundendienst austauschbar sind. Zur Angebotsseite bringen die Parteien vor, dass jeder Hersteller eines Maschinentyps ohne nennenswerte Kosten oder Risiken auf die Produktion der anderen Typen umstellen kann. c) Substituierbarkeit auf der Nachfrageseite i) Allgemeine Merkmale der Nachfrage (23) Die Untersuchung der Kommission hat ergeben, dass der größte Teil der Webmaschinen in Westeuropa an Kunden verkauft wird, die Ersatz- oder Erweiterungsinvestitionen tätigen, und dass eine Weberei ihre Webmaschine im Durchschnitt alle sieben bis zehn Jahre ersetzt; dieser Zeitraum kann dann kürzer ausfallen, wenn die Nachfrage durch technologische Fortschritte angekurbelt wird oder Webereien beschließen, ihren Maschinenpark zu modernisieren, um die Produktivität ihrer Anlagen zu verbessern und dergestalt Kosten zu senken. ii) Technische Hindernisse, die einem Wechsel zwischen verschiedenen Maschinentypen entgegenstehen (24) Von der Nachfrageseite her ist keine nennenswerte Substituierbarkeit der einzelnen Webmaschinentypen gegeben. Alle sechs Maschinen weisen von ihrem technischen Verwendungszweck (Fabrikationsspektrum und Vielseitigkeit) sowie der Eignung für die einzelnen spezifischen Einsatzmöglichkeiten erhebliche Unterschiede auf. (25) Was das Fabrikationsspektrum anbelangt, können einige Textilien nur auf einer bestimmten Maschine gewebt werden, während andere auf einer Reihe verschiedener Maschinen gewebt werden können. Am einen Ende des Spektrums ist die Seide zu nennen, für deren Herstellung eine Greiferwebmaschine am besten geeignet ist, am anderen Ende befinden sich synthetische Fasern, die auf jeder beliebigen Maschine gewebt werden können. Zwischen diesen beiden Polen gibt es Gewebe, die auf verschiedenen Maschinentypen produziert werden können. Ein Beispiel für ein vielseitigeres Gewebe sind Hemdenstoffe, die auf Greifer- oder Luftdüsen-Webmaschinen hergestellt werden können, was jedoch nicht bedeutet, dass für alle Hersteller von Hemdenstoffen die jeweils andere Webmaschine eine vernünftige Alternative darstellt. Im Allgemeinen wird es immer einen Maschinentyp geben, der vom technischen Standpunkt her besser für ein bestimmtes Gewebe geeignet ist und wirtschaftlich besser in das allgemeine Produktionsprofil der Weberei passt. Vieles wird von der Art der Geschäftstätigkeit abhängen - vom Umfang des Kundenstamms und von den Ansprüchen, die die Kunden stellen, sowie von der Kontinuität und Prognostizierbarkeit der Produktion, also davon, ob große Mengen ein und desselben Gewebes oder kleinere Mengen verschiedener Gewebe produziert werden müssen. So eignen sich beispielsweise Luftdüsen-Webmaschinen nicht für die Herstellung von kleinen Mengen, weil das Einknüpfen der Fäden in den Webrahmen zeit- und personalintensiv ist. Eine Weberei, die kleine Mengen verschiedener Muster oder Gewebe herstellt, würde in Luftdüsen-Webmaschinen deshalb keine echte Alternative zu Greiferwebmaschinen sehen. (26) Außerdem können die verschiedenen Maschinen nach ihrer Vielseitigkeit unterschieden werden, d. h. nach der Palette von Garnen und der Anzahl von Farben, die verarbeitet, sowie den Gewebearten, die hergestellt werden können. Nach diesem Kriterium nimmt die Webmaschine mit positivem Greifer den ersten und die Wasserdüsen-Webmaschine den letzten Platz ein, da die mit ihr herzustellende Palette von Gewebetypen und Musterarten am stärksten begrenzt ist. So ist beispielsweise die Greiferwebmaschine am besten für die Herstellung von Geweben komplexer und ungleichmäßiger Webart geeignet. Luftdüsen-Webmaschinen werden für die Herstellung großer Mengen (d. h. Herstellung ein und desselben Gewebes über einen längeren Zeitraum) bevorzugt, weil die nach jeder Unterbrechung fällige Neueinstellung der Maschine zeitaufwendig und kostenintensiv ist, während Webereien, deren Auftragsbestand sich in erster Linie aus Aufträgen zur Herstellung begrenzter Mengen einer bestimmten Gewebeart zusammensetzt, Greiferwebmaschinen bevorzugen dürften. (27) Die Parteien haben darauf hingewiesen, dass die Kunden bei unveränderten Rahmenbedingungen dazu neigen, sich beim Neukauf einer Maschine für den bei ihnen bereits vorhandenen Maschinentyp zu entscheiden. Mit anderen Worten findet nach Angaben der Parteien selbst kaum ein Wechsel zwischen den sechs Maschinentypen statt. Die Untersuchung der Kommission bestätigt die sehr begrenzte Substituierbarkeit der verschiedenen Webmaschinentypen. Insbesondere gilt für alle Webmaschinentypen, dass der weitaus größte Anteil an Kunden verkauft wird, bei denen eine Maschine desselben Typs ersetzt werden muss. Nach Schätzung der Parteien halten 90 % der europäischen Kunden, die Webmaschinen mit negativem Greifer erwerben, später an dieser Wahl fest. Die übrigen 10 % werden vielleicht Webmaschinen mit positivem Greifer (3 %), Luftdüsen-Webmaschinen (3 %) und Projektilwebmaschinen (4 %) erwerben. Die Untersuchungen haben ergeben, dass bei Webmaschinen mit positivem Greifer die Kunden noch seltener auf einen anderen Webmaschinentyp umsteigen. Im Rahmen der Untersuchung gaben fast alle Webmaschinenhersteller an, dass von nahezu sämtlichen Kunden zu Beginn der Verhandlungen fast immer eine Präferenz für einen bestimmten Maschinentyp zum Ausdruck gebracht wird und dass nur eine kleine Minderheit dieser Kunden in den Verhandlungen zum Wechsel des Maschinentyps überredet werden kann. iii) Wirtschaftliche Hindernisse, die einem Wechsel zwischen verschiedenen Webmaschinentypen entgegenstehen (28) Aus der Untersuchung der Kommission wird ferner deutlich, dass einem Wechsel von einem auf einen anderen Maschinentyp erhebliche wirtschaftliche Hindernisse entgegenstehen. Zwischen den sechs Produkttypen bestehen beträchtliche Preisunterschiede: Webmaschinen mit positivem Greifer kosten in der Regel zwischen [...]* EUR und [...]* EUR, Webmaschinen mit negativem Greifer zwischen [...]* EUR und [...]* EUR und Luftdüsen-Webmaschinen zwischen [...]* EUR und [...]* EUR. Mit Preisen zwischen [...]* EUR und [...]* EUR stellt die Wasserdüsen-Webmaschine nach wie vor die preiswerteste Option dar (ist jedoch für die Herstellung nichtsynthetischer Gewebe ungeeignet). Folglich besteht ein Preisgefälle von rund [10 bis 30 %]* zwischen Webmaschinen mit negativem Greifer und Luftdüsen-Webmaschinen und von [35 bis 45 %]* zwischen der Wasserdüsen-Webmaschine (eine nicht sehr vielseitige Webmaschine) und der Webmaschine mit positivem Greifer (die vielseitigste Maschine). Das Preisgefälle zwischen dem teuersten Typ der Projektilwebmaschine und der Luftdüsen-Webmaschine (die preisgünstigste Maschine) beträgt über 400 %. (29) Unter wirtschaftlichen Aspekten bestehen zwischen den sechs Maschinentypen erhebliche Unterschiede, die sich nicht nur - wie vorstehend beschrieben - auf den Gestehungspreis, sondern auch auf die Anzahl der zur Bedienung der Maschine erforderlichen Arbeitskräfte, den Energieverbrauch, die Betriebskosten in Form der benötigten Ersatzteile und Wartung sowie die Produktivität in Form der Produktionsgeschwindigkeit beziehen. (30) Fast alle Kunden haben darüber hinaus angegeben, dass beim Wechsel von einem bestehenden Maschinenpark (d. h. dem Typ und der Marke der bereits installierten Webmaschinen) auf einen anderen Maschinentyp erhebliche Kosten sowohl für die Ausbildung des Personals als auch das Ersatzteillager anfallen würden. iv) Keine gegenseitige Beeinflussbarkeit der Preise für die verschiedenen Maschinentypen (31) Die vorerwähnten Faktoren haben nicht für jede Weberei die gleiche Bedeutung, und einigen von ihnen ist die Vielseitigkeit vielleicht wichtiger als Produktivität oder Energieersparnis. So dürften beispielsweise für bestimmte für die Modeindustrie (in der sich die Nachfrage nach neuen Stoffmustern ständig ändert und die Prognostizierbarkeit gering ist) tätige Webereien Vielseitigkeit und Fabrikationsspektrum wichtiger sein als die Betriebskosten, während für die in der Massenproduktion qualitativ minderwertiger Gewebe tätigen Webereien die Betriebskosten das wichtigste Auswahlkriterium vor der Vielseitigkeit darstellen dürften. (32) Vor diesem Hintergrund kann man sich nur schwer vorstellen, wie der Preis eines Maschinentyps den Preis der anderen Maschinentypen nennenswert beeinflussen könnte. So haben die Parteien auch nicht ausgesagt, dass sie von einer derartigen Beeinflussbarkeit wissen oder dass im Rahmen ihrer Preispolitik eine Beziehung zwischen den Preisen der verschiedenen Maschinen ihrer eigenen Produktpalette hergestellt wird. Vielmehr haben mehrere Hersteller angegeben, dass Preiserhöhungen bei einem Maschinentyp unabhängig von möglichen Erhöhungen bei anderen Maschinentypen beschlossen werden. Auch hätten sie nie festgestellt, dass sich im Anschluss an eine Preiserhöhung bei einem Maschinentyp die Nachfrage nach einem anderen Maschinentyp verändert hätte. v) Nachfrageseitige Substituierbarkeit zwischen Greiferwebmaschinen und anderen Maschinentypen (33) Wie bereits erwähnt, bestehen zwischen Greifer- und anderen Webmaschinen beträchtliche Unterschiede. So liegt beispielsweise der Preis einer Projektilwebmaschine um mindestens 50 % über demjenigen der durchschnittlichen Greiferwebmaschine. (34) Darüber hinaus können Luftdüsen-Webmaschinen nur dann betrieben werden, wenn die Fabrik über eine spezifische Infrastruktur verfügt. Da eine Luftdüsen-Webmaschine keinen eigenen Kompressor hat, sind ein oder mehrere zentrale Kompressoren sowie Druckluftleitungen erforderlich, um die Webmaschinen mit dem Kompressor zu verbinden. Nach Angaben von Promatech liegen die Kosten dieser Infrastruktur in der Regel bei rund 15 % bis 25 % des Gesamtpreises der Maschine. Zudem seien Anlagen mit w

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.