Europäische Union

94/208/EG: Entscheidung der Kommission vom 31. Januar 1994 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.315 - Mannesmann/Vallourec/Ilva) (Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates) (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Quellenkennung: 31994D0208. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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edoch in Beziehung zu dem relevanten Markt setzt, d. h. die Erzeugung von nahtlosen nichtrostenden Rohren in Westeuropa, ergeben sich vergleichbare Unternehmensgrössen und Anteile am westeuropäischen Markt. (61) Selbst gemessen am weltweiten Gesamtabsatz von nahtlosen nichtrostenden Rohren des Jahres 1992 wären die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen nur unerheblich. Der etwas höhere Mengenabsatz von Sandvik ist hauptsächlich auf seine Produktion in Kanada und den Vereinigten Staaten zurückzuführen. Die nordamerikanische Produktion von Sandvik ist jedoch ausschließlich für den Absatz auf diesem Markt bestimmt. Es wäre für Sandvik unwirtschaftlich, seine nordamerikanischen Erzeugnisse angesichts der Einfuhrzölle in Westeuropa absetzen zu wollen, zumal Sandvik dort über ausreichende Produktionsanlagen und überschüssige NRS-Kapazitäten verfügt. Dies wird auch durch die von den Parteien vorgelegten Angaben erhärtet, wonach die Gesamtausfuhren nahtloser nichtrostender Rohre aus Nordamerika nach Westeuropa durch Sandvik und alle übrigen nordamerikanischen Hersteller im Jahr 1992 weniger als 0,5 kt betrugen. [D] Produktionskapazitäten von DMV und Sandvik (62) Nach den Angaben der Parteien sind die Kapazitäten von DMV und von Sandvik asymmetrisch, da Sandvik sowohl weltweit als auch in Europa über zweimal so grosse Kapazitäten als DMV verfügt. Für die Ermittlung der Kapazitäten können unterschiedliche Produktionsstufen herangezogen werden; von besonderer Bedeutung sind dabei der theoretische Durchsatz der Strangpressen und die theoretische Kapazität für warm- und kaltbearbeitete Rohre. Theoretischer Hoechstdurchsatz der Strangpressen (63) Die höchsten Kapazitätszahlen ergeben sich auf der Ebene der stranggepressten Hohlkörper, da Istkosten der Vergangenheit nur mit den Strangpressen verbunden sind. Nach den Angaben der Anmelder gibt es einen lieferfähigen Markt für gebrauchte Bearbeitungsanlagen. Grundsätzlich müsste dies bedeuten, daß ein Hersteller auf Nachfragesteigerungen flexibel reagieren könnte und nur durch seine Strangpreßkapazitäten in spürbarem Masse eingeschränkt wäre. Wegen der erheblichen Überschußkapazitäten beim Strangpressen in Europa ist es jedoch unwahrscheinlich, daß diese Kapazität eine ausschlaggebende Begrenzung für die Produktionsausweitung sein könnte. Angesichts der vorherrschenden Marktbedingungen im Bereich der nahtlosen nichtrostenden Stahlrohre, die selbst mittelfristig als grundsätzlich ungünstig angesehen werden müssen, müsste einer umfangreichen Investition auch bei der Warm- oder Kaltbearbeitung eine eingehende Untersuchung der zu erwartenden Mehreinnahmen aufgrund einer Produktionssteigerung vorausgehen. (64) Selbst wenn man einen Vergleich der theoretischen Hoechstkapazitäten von DMV und Sandvik bei stranggepressten Hohlkörpern vornähme, ergäben sich für DMV überschüssige Kapazitäten in Höhe von rund einem Drittel der Gesamtnachfrage in Westeuropa nach warm- und kaltbearbeiteten Erzeugnissen und bei Sandvik von rund der Hälfte der westeuropäischen Gesamtnachfrage nach diesen Erzeugnissen. Angesichts derartiger Kapazitätsreserven bestuende weder für Sandvik noch für DMV ein grösserer Anreiz für Produktionssteigerungen, da beiden Seiten bekannt ist, daß die Gegenseite über ausreichende Kapazitäten verfügt, um darauf erwidern zu können, selbst wenn die Kapazitäten in absoluten Werten unterschiedlich hoch sein mögen. Theoretische Hoechstkapazitäten bei der Warm- und Kaltbearbeitung (65) Die europäische und weltweite theoretische Hoechstkapazität von DMV bei der Warmbearbeitung wurde mit [ . . . ] kt angegeben. Bei der Kaltbearbeitung soll die theoretische Hoechstkapazität von DMV gemäß den Anmeldern [ . . . ] kt einschließlich [ . . . ] kt in den Vereinigten Staaten betragen. Die weltweiten Kapazitäten von Sandvik, die überwiegend in Westeuropa angesiedelt sind, liegen oberhalb der Zahlen von DMV. Damit würde DMV auf der Ebene der Hoechstkapazitäten für die Warm- und Kaltbearbeitung über ausreichende Reserven verfügen, um zwischen einem Drittel und der Hälfte der Gesamtnachfrage in Westeuropa nach warmbearbeiteten Erzeugnissen und rund einem Viertel der Nachfrage nach kaltbearbeiteten Erzeugnissen zu decken. Sandvik würde seinerseits über ausreichende Kapazitätsreserven in Westeuropa verfügen, um rund zwei Drittel der Gesamtnachfrage in Westeuropa nach warmbearbeiteten Erzeugnissen und ein Viertel der Nachfrage nach kaltbearbeiteten Erzeugnissen zu decken. Es ist hervorzuheben, daß die jeweiligen Kapazitätshöchstreserven von DMV und Sandvik grösser sind als der Gesamtabsatz von warmbearbeiteten Erzeugnissen im Jahr 1992 der beiden verbleibenden Wettbewerber in Westeuropa, Tubacex und SBER. Bei kaltbearbeiteten Erzeugnissen verfügen sowohl DMV als auch Sandvik über Kapazitätshöchstreserven von mehr als der Hälfte des Gesamtabsatzes von Tubacex und SBER im Jahr 1992. DMV und Sandvik wären damit in der Lage, bei einer Steigerung des Ausstosses von Tubacex und/oder SBER auf dem westeuropäischen Markt erfolgreich zurückschlagen zu können. Kapazitäten beim gegenwärtigen Beschäftigungsstand (66) Ein Vergleich der Kapazitäten auf der Beschäftigungsebene würde folgendes ergeben: Im Bereich des Strangpressens/unbearbeitete Erzeugnisse würde DMV in Westeuropa und weltweit über eine Kapazität von [ . . . ] kt verfügen, während Sandvik in Westeuropa vor allem bei Einbeziehung des neuen GU in den Vereinigten Staaten über eine grössere Kapazität verfügen würde. Der Abstand ist geringer bei der Warmbearbeitung, wo die westeuropäische und weltweite Kapazität von DMV [ . . . ] kt beträgt. Sandviks Kapazitäten wären deshalb bei der Warmbearbeitung sowohl in Westeuropa als auch weltweit höher. Bei der Kaltbearbeitung betragen die Kapazitäten von DMV in Westeuropa [ . . . ] kt und in den USA [ . . . ] kt. Sandvik verfügt gegenwärtig über geringere Kapazitäten als DMV bei der Kaltbearbeitung in Westeuropa, wird jedoch wahrscheinlich die Kaltverarbeitungsanlagen von Chomutov erwerben. (Hinzuzurechnen wären sein geringer Kaltbearbeitungsausstoß in den USA.) Schlußfolgerung (67) Selbst wenn die Kapazitäten von Sandvik und DMV voneinander abweichen, verfügen beide Hersteller über jeweils ausreichende Kapazitätsreserven jeglicher Definition, um auf die aggressive Absatzpolitik eines anderen Herstellers auf dem Markt angemessen reagieren zu können. Angesichts der stagnierenden Nachfrage und der niedrigen Preiselastizität der NRS-Nachfrage würde die Tatsache, daß die beiden den westeuropäischen Markt beherrschenden Unternehmen nicht über gleichhohe Kapazitätsreserven in absoluten Zahlen verfügen, wohl kaum den Anreiz für Sandvik und DMV mindern, auf dem westeuropäischen Markt in gleichgerichteter Weise wettbewerbswidrig vorzugehen. [E] Kostenstruktur bei DMV und Sandvik (68) Nach den Angaben der Parteien ist die Kostenstruktur bei DMV und bei Sandvik unterschiedlich. Der Hauptunterschied ist darin zu sehen, daß Sandvik vertikal integriert ist (vorgelagert und nachgeordnet), was auf DMV nicht zutrifft. Angesichts der unterschiedlichen Kostenstrukturen bestuenden nach Aussage der Parteien deshalb auch unterschiedliche Anreize zur Steigerung bzw. zum Abbau der Produktion in Erwiderung auf Marktveränderungen. Damit für eines der beiden Unternehmen ein Interesse zur Aufgabe einer gleichgerichteten Verhaltensweise gegeben wäre, müssten erhebliche Abweichungen bei den Kosten eines Herstellers vorhanden sein, um höhere Gewinne durch die Aufnahme des Wettbewerbs erwarten zu können. Mit der Zunahme der Marktanteile der beiden Hersteller würden die zu erwartenden Gewinne aus dem stillschweigenden Zusammenspiel steigen, wodurch auch die Kostenunterschiede in gleichem Masse zunehmen müssten, um den Anreiz für ein wettbewerbswidriges, gleichgerichtetes Vorgehen auszugleichen. (69) Die Kommission hat den Versuch unternommen, die Lage von DMV und Sandvik anhand ihrer Durchschnittskosten zu ermitteln. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß ein derartiges Unterfangen in den Abweichungen bei den Buchhaltungspraktiken, der Produktzusammensetzung und der Kostenzuweisungsverfahren seine Grenzen findet. Die Kommission hat sich deshalb auf die festgestellten strukturellen Unterschiede zwischen DMV und Sandvik konzentriert, um zu ermitteln, in welchem Ausmaß derartige Abweichungen spürbare Auswirkungen auf die Grenzkosten und das zukünftige Verhalten der beiden Marktführer insgesamt haben können. Eine eingehende Untersuchung hat ergeben, daß derartige strukturelle Unterschiede nur bei einem Teil der Tätigkeiten von Sandvik und DMV bestehen. Sterling Tubes, die britische Tochtergesellschaft von Sandvik, bezieht nämlich einen Teil ihrer Vorerzeugnisse ausserhalb des Sandvik-Konzerns und vertreibt ihre Rohre eigenständig über unabhängige Lagerhändler. Lediglich ein kleiner Teil der Stahlproduktion von Sandvik wird für die NRS-Herstellung verwendet. Die DMV-Gesellschaften beziehen ihrerseits einen wesentlichen Teil der Vorerzeugnisse innerhalb ihrer jeweiligen Konzerne und vertreiben [ . . . ] ihrer Rohre über Konzern-Lagerhändler. Die strukturellen Unterschiede zwischen den beiden Unternehmensgruppen beeinflussen die Höhe ihrer Festkosten und damit auch ihrer Grenzkosten. Im allgemeinen sind mit der Herstellung von NRS wie mit der Erzeugung von nichtrostendem Stahl in der Elektrostahltechnik relativ niedrige Festkosten verbunden. Der überwiegende Teil der Kosten für die Herstellung von nichtrostendem Stahl besteht aus variablen Kosten (Schrott, Strom) im Gegensatz zur Erzeugung von unlegiertem Stahl. Es ist zu bezweifeln, daß die Grenzkosten in ausreichendem Masse zurückgehen, um einen mächtigen Anreiz zur Aufgabe des wettbewerbswidrigen gleichgerichteten Zusammenspiels darzustellen, was um so mehr bei einer stagnierenden, preisinelastischen Nachfrage gilt; ausserdem verfügen beide Hersteller über ausreichende Kapazitätsreserven, um langfristig den Markt mit ihren Erzeugnissen überschwemmen zu können. Vertikale vorgelagerte Integration (70) Das Ausmaß an vertikaler, vorgelagerter Integration ist ein Faktor, der die Kostenstruktur eines Unternehmens und seinen Festkostenanteil beeinflussen kann. Dies musste nach Auffassung der Parteien für Sandvik gelten, das sein eigenes Stahlwerk unterhält, welches Stäbe und Knüppel als Vorerzeugnisse für die NRS-Fertigung erzeugt. Tubacex hat diese Annahme bestätigt und darauf hingewiesen, daß seine günstige Kostenstruktur zum Teil darauf zurückgeführt werden kann, daß seine Stahlerzeugung vollständig auf die Bedürfnisse seiner Rohrfertigung abgestellt ist. Dies trifft auf Sandvik jedoch nicht zu, dessen Stahlerzeugung an eine Vielzahl von Abnehmern innerhalb und ausserhalb des eigenen Konzerns geht und - ebenso wie sein Rohrbereich - als unabhängiges Profitzentrum geführt wird. Dies kann man insbesondere daraus ersehen, daß Sterling Tubes, die britische Tochtergesellschaft von Sandvik, mit Ausnahme bestimmter Stahlsorten, die aus Schweden geliefert werden müssen, in ihrer Beschaffung nicht auf firmeneigene Bezuege beschränkt ist und diese nach den Marktbedingungen und Währungsschwankungen ausrichtet. Für seine neue Strangpresse in den Vereinigten Staaten plant Sandvik die gleiche Einkaufspolitik wie für Sterling Tubes. (71) DMV wird nach eigenen Aussagen die Vorerzeugnisse von den Stahlerzeugern auf dem freien Markt beziehen. Seine Muttergesellschaften bzw. die Unternehmen, mit denen Kapitalverflechtungen bestehen, sind jedoch ebenfalls wichtige Anbieter auf dem vorgelagerten Markt (siehe Randnummer 13). Auch wird die Käufermacht von DMV grösser sein als die der drei getrennten Gesellschaften vor dem Zusammenschluß (wobei die Anmelder in ihrer Machbarkeitsstudie nicht von Kostenänderungen bei den Vorerzeugnissen ausgegangen sind). Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, daß unter normalen Bedingungen auf dem Markt der Vorerzeugnisse nichtintegrierte Hersteller wie DMV gegenüber den vertikal integrierten Unternehmen Kostennachteile bei den Vorstoffen zu erleiden haben. Dies gilt in besonderem Masse für die Stahlindustrie, wo auch bei der Erzeugung von Knüppeln und Stäben überschüssige Kapazitäten vorhanden sind. Eine nähere Überprüfung des gruppeninternen Verrechnungspreises von Sandvik für Stabeisen und Knüppel der meistgebrauchten Stahlsorten bestätigt diese Schlußfolgerung. Denn danach hat das Ausmaß an Integration in den vorgelagerten Markt sehr geringe Auswirkungen auf die Kosten des Rohrgeschäfts von Sandvik. (72) Nach Auffassung der Anmelder muß Sandvik, das vorgelagert integriert ist, einen höheren Anteil an Festkosten haben als DMV, das seine Vorerzeugnisse auf dem freien Markt bezieht, wodurch ihm ausschließlich variable Kosten entstuenden. Ausserdem sind sie der Ansicht, daß Sandvik höhere Festkosten aufgrund der Tatsache entstehen, daß es ein Zentrallager in Schweden unterhält und vier Strangpressen in Westeuropa betreibt, während DMV lediglich zwei Strangpressen betreiben wird. Deshalb gehen sie davon aus, daß vor allem bei schwierigen Marktbedingungen Sandvik angesichts seines höheren Anteils an Festkosten weiterhin Aufträge entgegennehmen würde, wenn DMV bereits unter seinen variablen Kosten für Vorstoffe ist, um sein Stahlwerk und seine Strangpressen möglichst hoch auslasten zu können. Die Strangpressen von Sandvik im westeuropäischen Markt sind wie auch die von DMV weitgehend amortisiert und dürften Sandvik deshalb keine spürbar höheren Festkosten als DMV verursachen. Da die Pressen von Sandvik zur Herstellung verschiedener Grössenbereiche ausgelegt sind, würden Sandvik geringere Kosten als DMV entstehen, wenn der Behälter, der die Grösse des stranggepressten Hohlkörpers festlegt, geändert werden müsste. Auch hat Sandvik keine andere Festkosten-Durchschnittszahl als die übrigen Hersteller in den Antworten an die Kommission angegeben. Der Einnahmeneffekt einer wettbewerbswidrigen, gleichgerichteten Vorgehensweise auf die Preise zwischen zwei Unternehmen mit erheblichen Marktanteilen ist beträchtlich und wird durch den Kosteneffekt einer besseren Auslastung des Stahlwerks von Sandvik, das nur teilweise von der Rohrfertigung abhängt, wohl kaum übertroffen werden können. (73) Es gibt in dem bisherigen Vorgehen von Sandvik auf dem NRS-Markt keine Anhaltspunkte dafür, daß es bereit wäre, wegen seiner höheren Festkosten oder aus anderen Gründen zu niedrigen Preisen zu verkaufen, um seinen Absatz zu erhöhen. Vielmehr genießt es in diesem Wirtschaftszweig allgemein den Ruf eines Herstellers, der mit hohen Preisen auf den Markt tritt. Ausserdem kann man den von den Parteien vorgelegten Zahlen entnehmen, daß der Anteil von Sandvik am westeuropäischen Markt zwischen 1988 und 1992 beständig zurückgegangen ist. Da in dem gleichen Zeitraum die Marktpreise ebenfalls gefallen sind, ist der Rückgang der Absatzmengen dahin gehend auszulegen, daß Sandvik keine aggressive Preispolitik verfolgt und über keine Kostenvorteile verfügt hatte (in dem gleichen Zeitraum blieben die Marktanteile der Parteien weitgehend unverändert). Es gibt somit keine Anhaltspunkte dafür, daß bei den gegenwärtigen und absehbaren Marktbedingungen eine vertikale vorgelagerte Integration als Vorteil oder als Nachteil zu gelten hat. Auch ist nicht davon auszugehen, daß Sandvik als ein vorgelagert integriertes Unternehmen einen Anreiz zur Steigerung seiner Wettbewerbsbemühungen hätte, wodurch lediglich seine Möglichkeiten geschmälert würden, gemeinsam mit DMV auf wettbewerbswidrige Weise gleichgerichtet vorzugehen. Vertikale nachgeordnete Integration (74) Die nachgeordnete vertikale Integration ist ein weiterer Faktor, der die Kosten von DMV und von Sandvik beeinflussen kann, da Sandvik ein Netz von Tochtergesellschaften in verschiedenen Ländern unterhält, die als Lagerhändler für den Konzern tätig sind, was auf DMV nicht zutreffen würde. Sterling Tubes, die britische Tochtergesellschaft von Sandvik, tätigt ihren Absatz jedoch hauptsächlich über unabhängige Lagerhändler. Innerhalb der Konzerne der Muttergesellschaften von DMV bzw. der Unternehmen, mit denen Kapitalverflechtungen bestehen, sind bedeutende Anbieter wie TAD, Starval, MannesmannHandel, Stappert Spezial Stahl und Thyssen auch auf dem nachgeordneten Markt umfangreich vertreten. [ . . . ] Auch würde DMV auf dem nachgeordneten Markt weniger abhängig von der Käufermacht sein als die drei getrennten Unternehmen vor dem Zusammenschluß. (75) Nach Auffassung der Anmelder müsste Sandvik als nachgeordnet integriertes Unternehmen höhere Festkosten haben als DMV. Die Untersuchungen der Kommission haben jedoch keine sicheren Anhaltspunkte dafür erbracht, daß eine nachgeordnete vertikale Integration entweder als Vorteil oder als Nachteil anzusehen wäre. Auch gibt es keine Hinweise dafür, daß Sandvik aufgrund seiner nachgeordneten Integration eine aggressivere Preispolitik verfolgen müsste (4), wodurch es lediglich seine Möglichkeiten schmälern würde, gemeinsam mit DMV auf wettbewerbswidrige Weise gleichgerichtet vorzugehen. Arbeitskosten (76) Die Anmelder haben geltend gemacht, daß Sandvik gegenüber DMV einen Vorteil bei den Arbeitskosten erlangen könnte, indem es einen grösseren Anteil seiner Produktion in das Vereinigte Königreich oder auch nach Tschechien im Anschluß an die Übernahme von Chomutov verlagern könnte. Dem ist entgegenzuhalten, daß auch in den Ländern, in denen DMV tätig sein wird, die Arbeitskosten stark voneinander abweichen. Wenn man die Arbeitskosten mit denen von Sandvik in den einzelnen Ländern vergleicht (sämtliche Zahlenangaben von den Anmeldern), erhält man gleichartige Ergebnisse. Sollte es den Parteien gelingen, mit der Freisetzung von Beschäftigten nach dem Zusammenschluß die eingeplanten Einsparungen zu erzielen, wären sie wahrscheinlich in einer etwas günstigeren Lage als Sandvik selbst nach dem Erwerb von Chomutov. (77) Da auf die Arbeitskosten rund ein Fünftel der Gesamtkosten der Herstellung von nahtlosen nichtrostenden Stahlrohren gemäß den Angaben der Anmelder und deren westeuropäischer Wettbewerber entfällt, könnte ein so geringer Abstand bei den Arbeitskosten keine Unterschiede bei den Gesamtkosten hervorrufen, die groß genug wären, um einen Anreiz für die Aufgabe des wettbewerbswidrigen, gleichgerichteten Vorgehens der beiden Unternehmen zu schaffen. Kosteneinsparungen durch Innovation (78) Innovation wäre ein möglicher Weg für einen Hersteller, gegenüber seinen Wettbewerbern einen Vorsprung zu erringen. Angesichts der besonderen Merkmale dieses Wirtschaftszweiges fällt die Innovation als Faktor jedoch nur gering ins Gewicht, da zwischen 80 und 90 % der nahtlosen nichtrostenden Rohre Erzeugnisse sind, die allgemein anerkannten internationalen Spezifikationen unterliegen. Für Forschung und Entwicklung werden relativ geringe Mittel aufgewendet, so daß keiner der Marktführer sich einen spürbaren Wettbewerbsvorteil verschaffen könnte, wenn er seine gegenwärtigen FuE-Mittel aufstocken würde. Schlußfolgerung (79) Die Kostenstrukturen der beiden Unternehmensgruppen lassen nicht auf strukturelle Kostenvorteile zugunsten einer Gruppe schließen, die groß genug wären, um an die Stelle der Gewinne zu treten, die beiden Unternehmen aus einer wettbewerbswidrigen, gleichgerichteten Vorgehensweise erwachsen. [F] Markttransparenz (80) Um zu ermitteln, ob eine wettbewerbswidrige, gleichgerichtete Vorgehensweise zwischen den Unternehmensgruppen DMV und Sandvik durchführbar wäre, hat die Kommission das Ausmaß an Transparenz auf dem Markt der nahtlosen nichtrostenden Stahlrohre untersucht. Diese Untersuchung hat ein so grosses Ausmaß an Transparenz ergeben, daß DMV und Sandvik sehr schnell herausfinden könnten, falls der andere Hersteller das stillschweigend vereinbarte Preisgebaren aufgeben sollte. Die Transparenz des NRS-Marktes lässt sich im wesentlichen auf folgende Faktoren zurückführen: die Zusammenfassung des Angebots, die Marktbeschaffenheit der Erzeugnisse, die niedrige Innovationsrate und die Tatsache, daß alle Hersteller ihre Preisliste um ein einziges Standarderzeugnis aufgebaut haben. Hinzu kommt, daß die Marktnachfrage aufgesplittert ist und die Abnehmer in der Regel häufige Käufe tätigen, wobei sie eher kleine Mengen erwerben. DMV und Sandvik würden entweder direkt oder indirekt (über ihre Konzern-Lagerhändler) in sämtlichen Marktsegmenten dieselben Kunden antreffen. Von der Abnehmerseite wäre somit eine schnelle und sehr zuverlässige Preisrückmeldung gegeben. Diese einzelnen Faktoren werden im folgenden eingehend untersucht. Preislisten (81) Die Untersuchungen der Kommission haben ergeben, daß bei internationalen Preisangeboten den Kunden keine Preislisten übergeben, sondern die Preise einzeln mitgeteilt werden. Beim Vertrieb über Lagerhändler in Westeuropa werden hingegen von allen Wettbewerbern Preislisten an die Kunden verteilt. Vallourec, Mannesmann, Dalmine, die Sandvik-Tochter Sterling Tubes und SBER veröffentlichen regelmässig eine Preisliste für den gesamten westeuropäischen Markt. Tubacex veröffentlichte seine erste Preisliste im Jahr 1992, während Sandvik Listen für Frankreich, Italien, Deutschland und Schweden herausgibt. (82) Eine genaue Untersuchung hat gezeigt, daß zwischen zwei Gruppen von Preislisten unterschieden werden kann, die zwei Gruppen von Wettbewerbern gemäß den jeweiligen Vertriebswegen entsprechen. Einerseits vertreiben die meisten Hersteller, darunter auch Dalmine, Vallourec, Mannesmann, Sterling Tubes und Tubacex, ihre Erzeugnisse hauptsächlich über unabhängige Lagerhändler. Diese Hersteller produzieren nach Auftrag; sie unterhalten keine Lagerbestände und sind deshalb nicht in der Lage, schnell zu reagieren oder kleine Mengen umgehend zu liefern. Andererseits haben zwei Hersteller, nämlich Sandvik und SBER, ein zentrales Lager- und Vertriebssystem aufgebaut, Sandvik über Tochtergesellschaft und SBER über Alleinvertriebshändler. Deshalb sind diese Wettbewerber in der Lage, kleine Mengen umgehend anzuliefern, und erzielen einen wesentlich kleineren Teil ihres Umsatzes über unabhängige Lagerhändler als die Wettbewerber der ersten Gruppe. (83) Hieraus ergibt sich, daß die Wettbewerber der ersten Gruppe Ab-Werk-Preislisten veröffentlichen, die auf die unabhängigen Lagerhändler abzielen, während die Wettbewerber der zweiten Gruppe Ab-Lager-Preislisten herausgeben, die höhere Preise enthalten, jedoch keine der für die Ab-Werk-Lieferungen üblichen Zuschläge und Rabatte. Alle Preislisten, einschließlich - wenn auch in geringerem Masse - derjenigen von Sandvik und SBER, beruhen auf einem gemeinsamen Grundsatz (siehe unten). Ausserdem besteht innerhalb jeder der beiden Gruppen eine grosse Ähnlichkeit zwischen den Preislisten sämtlicher Wettbewerber. (84) Ein Vergleich der Ab-Lager-Preislisten von Sandvik und SBER hat gezeigt, daß in beiden die Preishöhe entsprechend gleichartiger Gruppen von Stahlsorten aufgeführt ist. Zuschläge oder Rabatte sind in keiner der Listen enthalten. (85) Die Ab-Werk-Preislisten sind umfassender aufgebaut. In allen Listen sind die Rohre nach Grössen, Durchmesser und Dicke aufgeführt und die Preise für die billigste, am meisten abgesetzte Stahlsorte, das heisst die Sorte ASTM TP304, enthalten. Der TP304-Preis wird als Bezugspreis verwendet, während die Preise für die anderen Stahlsorten als Prozentsatz dieses Preises angegeben werden. Der Kunde kann somit den Preis für jede Stahlsorte ermitteln, indem er den TP304-Preis mit dem jeweiligen Aufschlag multipliziert, der den Kostenunterschied zur Grundstahlsorte widerspiegelt. Ausserdem geben die meisten Wettbewerber in ihren Preislisten die Sonderpreisfaktoren für die Länge, Toleranzen und Zertifizierung an. Drei der fünf Listen enthalten Rabatte für gleichartige Mengen. Die Preislisten der Wettbewerber der ersten Gruppe sind somit gleichartig aufgebaut. (86) Die grosse

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.