Europäische Union

2003/215/EGKS: Entscheidung der Kommission vom 21. November 2001 zur Genehmigung des Zusammenschlusses von Arbed S.A., Aceralia Corporación Siderúrgica S.A. und Usinor S.A. zu Newco Steel (Sache COMP/EGKS.1351 — Usinor/Arbed/Aceralia) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3696)

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Quellenkennung: 32003D0215. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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Trotz des erheblichen Abstands zwischen Newco und seinen Konkurrenten liegt der Marktanteil von Newco insgesamt nur leicht über einem Fünftel des Marktvolumens. Kapazitätsauslastung (119) 1999 waren die Kapazitäten in der Gemeinschaft zu 68 % ausgelastet. Den Wettbewerbern stuende somit genügend freie Kapazität zur Verfügung, um im Fall einer einseitigen Preiserhöhung von Newco den eigenen Ausstoß zu erhöhen. Sie bieten damit auf der Angebotsseite glaubwürdige Alternativen, durch die dem Marktverhalten von Newco Grenzen gesetzt werden. Marktzutritt (120) Nach Angaben der beteiligten Unternehmen sind in den vergangenen fünf Jahren drei Unternehmen neu auf dem Markt tätig geworden: a) das tschechische Warmwalzunternehmen Vitkowice, dessen Erzeugnisse in die EU eingeführt werden, b) Duferco mit einer geplanten Kapazität von 950000 t und c) Marcegaglia. Einfuhren (121) Auf Einfuhren entfiel im Jahr 2000 ein Marktanteil von 14,6 %; 1999 waren es 19,5 %. Die relativ starke Marktdurchdringung mit Einfuhren verringert den Spielraum von Newco zusätzlich, sich unabhängig von seinen Wettbewerbern verhalten. Schlussfolgerung (122) Aus diesen Gründen kommt die Kommission zu dem Ergebnis, dass das angemeldete Vorhaben den Parteien nicht die Möglichkeit geben wird, auf dem Markt für Quartobleche wirklichen Wettbewerb zu verhindern oder die Wettbewerbsregeln des EGKS-Vertrags zu umgehen. 3. Kaltgewalzte Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse (123) Die genaue Abgrenzung des geografischen Marktes für kaltgewalzte Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse war unter dem Hinweis, dass die engstmögliche Definition die eines westeuropäischen Marktes wäre, offengelassen worden (Randnummer 90 f.). In dieser Würdigung werden gemeinschaftsweite Zahlen zugrunde gelegt, da umfassende Daten für den gesamten westeuropäischen Markt nicht zur Verfügung stehen. Auf die Gesamtwürdigung hat dies kaum Einfluss, da das relative Gewicht der übrigen Länder (Norwegen, Schweiz, Liechtenstein, Island) so gering ist, dass sich die Lage in Westeuropa insgesamt nicht in nennenswerter Weise von der in der Gemeinschaft unterscheidet. (124) Im Jahr 2000 wurden in der Gemeinschaft insgesamt 13,1 Mio. t kaltgewalzte Flachstahlerzeugnisse abgesetzt. Der Umsatz von Usinor betrug insgesamt [...]* Mio. t (Marktanteil [15-20]* %), der von Arbed/Aceralia [...]* Mio. t ([15-20]* %). Gemeinsam kommen die beteiligten Unternehmen mit [...]* Mio. t auf einen Anteil von [35-40]* % am Gesamtumsatz in der Gemeinschaft im Jahr 2000. 1999 betrug dieser Anteil 40 % (siehe Tabelle 8). TABELLE 8 Gemeinsamer Umsatzanteil der beteiligten Unternehmen bei kaltgewalzten Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnissen >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Beteiligte Unternehmen. (125) Von den genannten [...]* Mio. t Gesamtabsatz wurden ungefähr [...]* Mio. an andere Unternehmen des Usinor- und des Arbed-Konzerns weiterverkauft. Auf dem Handelsmarkt betrug der Umsatzanteil von Newco im Jahr 1999 [35-40]* %. In Tabelle 9 werden die Umsätze und Marktanteile der beteiligten Unternehmen und der Konkurrenten am Gesamtumsatz und am Umsatz auf dem Handelsmarkt im Jahr 1999 aufgeführt. TABELLE 9 Anteile am Absatz kaltgewalzter Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse 1999 in der Gemeinschaft >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Beteiligte Unternehmen. (126) Zur mutmaßlichen Marktentwicklung wurde in Bezug auf die Auswirkungen der Fusion von einem unabhängigen Beratungsunternehmen, das von den beteiligten Unternehmen beauftragt wurde, der Newco-Anteil am Gesamtmarkt für kaltgewalzte Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse in Höhe von ca. [35-40]* % im Jahr 2006 prognostiziert. (127) In ihren Beschwerdepunkten war die Kommission zu der vorläufigen Auffassung gelangt, dass das Vorhaben den Parteien die Möglichkeit gegeben hätte, die Preise einseitig anzuheben. Als Gründe hierfür hatte sie angeführt: a) den besonders hohen gemeinsamen Marktanteil der beteiligten Unternehmen und den großen Abstand zu ihren stärksten Konkurrenten, b) die geringe Menge geplanter neuer Kapazitäten in den kommenden Jahren, c) die Unwahrscheinlichkeit von Marktzutritten, d) das Fehlen von Wettbewerbsdruck durch alternative Materialien, e) unzureichende Einschränkung des Wettbewerbsverhaltens durch Einfuhren, f) das Fehlen jeglicher Möglichkeit insbesondere für Abnehmer aus der Automobilindustrie, kurz- und mittelfristig den Anbieter zu wechseln, und g) die starke Position von Newco auf den vor- und nachgelagerten Märkten. (128) In ihrer Erwiderung bestreiten die beteiligten Unternehmen die Feststellungen der Kommission und argumentieren dabei im Wesentlichen wie folgt: - Die beteiligten Unternehmen haben in den letzten Jahren erhebliche Marktanteile verloren und erreichten im Jahr 2000 nur noch einen Umsatzanteil von [30-35]* % (1997 hatte er noch [40-45]* % betragen). - Auf dem Markt gibt es viele freie Kapazitäten, die in der Zukunft noch zunehmen dürften. Auf der Grundlage eines von ihrem Beratungsunternehmen vorgelegten Berichts führen die beteiligten Unternehmen ferner an, dass die Stahlerzeuger wegen der hohen Festkosten unter starkem Druck stuenden, so viele zusätzliche Tonnen wie möglich zu verkaufen. Deswegen könnte schon die Drohung von Abnehmern mit einem Lieferantenwechsel selbst dann einen erheblichen Preisdruck entfachen, wenn sie nur geringe Mengen beträfe. - Der Markt für kaltgewalzte Flachstahlerzeugnisse ist sehr stark von Einfuhren durchdrungen, die zum Großteil (68 %) aus Mittel- und Osteuropa, der Türkei und der GUS stammen. Freie Kapazitäten in diesen Ländern können kurz- oder mittelfristig nicht durch einheimische Nachfrage absorbiert werden. - Da es sich bei den meisten im EWR verwendeten kaltgewalzten Flachstahlprodukten um Ausgangsmaterial handelt, leiden diese Einfuhren aus Drittländern auch nicht unter einem Qualitätsnachteil. - Diese Einfuhren stellen eine echte und langfristige Einschränkung des Wettbewerbsverhaltens der einheimischen Produzenten dar, auch wenn die Importeure nicht über langfristige Lieferverträge oder eigene Vertriebsnetze verfügen. - Die Abnehmerseite weist einen hohen Konzentrationsgrad auf und kann daher eine erhebliche Nachfragemacht ausüben. - Auch die vertikale Integration wirkt sich nicht zum Vorteil von Newco aus, da die Konkurrenten ebenfalls integrierte Unternehmen sind und sich die Abnehmerbasis auf den verschiedenen Märkten unterscheidet. Die Ausführungen der beteiligten Unternehmen lassen sich dahin gehend zusammenfassen, dass die Bedingungen auf dem Markt für kaltgewalzten Flachstahl auch nach der Fusion einen wirklichen Wettbewerb gewährleisten würden. (129) Die Kommission hat die Ausführungen der beteiligten Unternehmen sorgfältig geprüft und insbesondere mehrere entscheidende Argumente für die Nachhaltigkeit des Wettbewerbs wie a) die hohe Einfuhrquote und b) die freien Kapazitäten auf dem in Rede stehenden Markt berücksichtigt. (130) Wie in Tabelle 10 aufgeführt, wuchsen die Einfuhren von 9,8 % im Jahr 1997 auf fast 18 % im Jahr 2000. Von allen in diesem Verfahren näher untersuchten Stahlmärkten weist dieser damit die höchste Einfuhrquote und das stärkste Einfuhrwachstum auf. Die Marktanteilsgewinne der Einfuhren scheinen zu Lasten der beteiligten Unternehmen gegangen zu sein, deren am Gesamtumsatz-Anteil von [40-45]* % im Jahr 1997 auf [30-35]* % zurückgegangen ist. Die Marktanteile der übrigen Anbieter blieben unverändert. TABELLE 10 Einfuhrquote auf dem Markt für kaltgewalzte Stahlerzeugnisse >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Formblatt CO. (131) Da die Einfuhren hauptsächlich, wie die beteiligten Unternehmen zu Recht ausführen, aus osteuropäischen Ländern stammen, dürften sich die Transportkosten nicht wesentlich von denen innerhalb der Gemeinschaft unterscheiden. Die große Menge der Einfuhren sowie ihr starkes Wachstum in den letzten Jahren weisen ohnedies darauf hin, dass kaltgewalzte Flachstahlerzeugnisse von Anbietern aus Drittländern nicht unter Wettbewerbsnachteilen im Hinblick auf Qualität, Preis oder Logistik leiden, die eine Einfuhr nach Westeuropa unmöglich machen würden. (132) Außerdem weist der Markt für kaltgewalzte Flacherzeugnisse, wie aus Tabellen 11 und 12 hervorgeht, mit die größten freien Kapazitäten unter den im Rahmen dieses Verfahrens genau untersuchten Märkten auf. TABELLE 11 Kapazitätsauslastung im Jahr 1999 >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Anmeldung der beteiligten Unternehmen. TABELLE 12 Entwicklung der Kapazitätsauslastung bei kaltgewalzten Erzeugnissen >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: beteiligte Unternehmen und EU-Zahlen. (133) Die freien Kapazitäten auf dem Markt dürften auch nicht durch zusätzliche Nachfrage in den kommenden Jahren absorbiert werden. In den vergangenen vier Jahren war beim Gesamtumsatz nur ein geringes Marktwachstum zu verzeichnen (weniger als 4 % zwischen 1997 und 2000). Der Handelsmarkt ging sogar zurück, da die Abnehmer auf feuerverzinktes Blech umgestiegen sind. Die derzeitige Kapazitätsauslastungsrate verleiht den Konkurrenten in der Gemeinschaft somit genügend Spielraum, um auf Preiserhöhungen von Newco mit einer Produktionsausweitung zu reagieren und damit Wettbewerbsdruck auf Newco auszuüben. Dies gilt umso mehr, als der Kapazitätsauslastungsgrad in der Branche insgesamt niedriger ist als bei Newco. Auch in Osteuropa, der wichtigsten Quelle für Einfuhren von kaltgewalztem Flachstahl, sind freie Kapazitäten verfügbar. (134) Die Kommission gelangt daher insgesamt zu dem Schluss, dass die Marktstruktur nach der Fusion Newco zwar scheinbar die Möglichkeit verleiht, sich unabhängig von seinen Konkurrenten zu verhalten, dass aber das fusionierte Unternehmen dem Wettbewerbsdruck durch das hohe Niveau der Einfuhren in die Gemeinschaft ausgesetzt ist und außerdem bei seinen strategischen Entscheidungen die erheblichen freien Kapazitäten in der Branche berücksichtigen muss. Die verbleibenden Wettbewerber (einschließlich der Drittlandsanbieter) werden dem Marktverhalten von Newco wirksam Grenzen setzen können. Schlussfolgerung (135) Aus diesen Gründen gelangt die Kommission zu dem Ergebnis, dass der angemeldete Zusammenschluss den Parteien nicht die Möglichkeit geben wird, auf dem Markt für kaltgewalzte Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse den wirksamen Wettbewerb zu verhindern oder die Wettbewerbsregeln des EGKS-Vertrags zu umgehen. 4. Nicht kornorientierte Elektrostahlbleche Marktstruktur (136) Der Gesamtumsatz auf dem Markt für nicht kornorientierte Elektrostahlbleche betrug im Jahr 2000 in Westeuropa 1,4 Mio. t (Gemeinschaft, Norwegen und Schweiz). Die beteiligten Unternehmen verkauften [...]* Mio. t, davon Usinor [...]* Mio. t und Arbed/Aceralia [...]* Mio. t (einschließlich konzerninterner Umsätze). Dies entspricht einem Marktanteil von [15-20]* % (Usinor [10-15]* %, Arbed/Aceralia [5-10]* %) gegenüber [20-25]* % im Jahr 1999. TABELLE 13 Gemeinsamer Marktanteil der beteiligten Unternehmen bei nicht kornorientierten Elektrostahlblechen in der Gemeinschaft sowie Norwegen und der Schweiz >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Beteiligte Unternehmen. (137) TKS wird mit einem Marktanteil von [35-40]* % im Jahr 1999 der Marktführer bleiben. Auch Corus ([15-20]* %) und Voest-Alpine ([10-15]* %) verfügen über eine starke Stellung auf diesem Markt. Wegen der mächtigen Wettbewerber kann die Gefahr ausgeschlossen werden, dass Newco einseitig wirklichen Wettbewerb verhindern oder die Wettbewerbsvorschriften umgeht. (138) Die Kommission ist darüber hinaus zu der Schlussfolgerung gekommen, dass das Vorhaben auch nicht die Gefahr eines wettbewerbswidrigen Parallelverhaltens nach sich zieht. Die Marktanteile der Konkurrenten sind nicht ähnlich hoch, sondern ziehen sich über eine Bandbreite von mehr als 20 Prozentpunkten hin, so dass ein gemeinsames wirtschaftliches Interesse fehlen dürfte. TKS ist eindeutiger Marktführer und seinen Konkurrenten weit voraus. Voest-Alpine war in den vergangenen Jahren sehr aktiv und hat seinen Anteil um fast 30 % steigern können (von [10-15]* % im Jahr 1997 auf [10-15]* % im Jahr 1999). Auf Einfuhren entfiel ein Anteil von rd. 10 %. Die beteiligten Unternehmen rechnen mit einem weiteren Wachstum der Einfuhren, da sich die Beförderungskosten im Verhältnis zum Gesamtproduktpreis zurückentwickeln werden. Schlussfolgerung (139) Aus diesen Gründen ist die Kommission der Auffassung, dass der geplante Zusammenschluss auf dem Markt für nicht kornorientierte Elektrostahlbleche keine wettbewerbsrechtlichen Probleme aufwirft. 5. Verzinkter Stahl (140) Im Jahr 2000 wurden auf dem Gemeinschaftsmarkt für verzinkten Stahl insgesamt 21,1 Mio. t Stahl umgesetzt. Der Markt hatte in den letzten Jahren ein beträchtliches Wachstum zu verzeichnen, das allein seit 1997 jährlich 9 bis 10 % betrug (siehe Tabelle 14). TABELLE 14 Umsatz von verzinktem Stahl in der EU >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Beteiligte Unternehmen. (141) Die beteiligten Unternehmen verkauften im Jahr 2000 [...]* Mio. t (Usinor [...]* Mio. t, Arbed/Aceralia [...]* Mio. t), was einem Marktanteil von etwa [40-45]* % entspricht. Davon gingen jedoch etwa [...]*Mio. t an konzerneigene Unternehmen. Der Anteil der beteiligten Unternehmen am Handelsmarkt (Verkäufe außerhalb des eigenen Konzerns) betrug 1999 (für 2000 standen keine Zahlen zur Verfügung) rd. [40-45]* % (Usinor [25-30]* %, Arbed/Aceralia [10-15]* %). Marktführer (142) Durch die Fusion wird Newco zum unumstrittenen Führer auf dem Gemeinschaftsmarkt für metallbeschichtete Stahlerzeugnisse. Es wird in der Lage sein, Preise einseitig anzuheben. Andere Hersteller werden entweder keinen Anreiz verspüren, in intensiven Wettbewerb zu Newco zu treten, oder dazu nicht in der Lage sein. (143) Wegen der Marktstruktur wird Newco einseitig vorgehen können. Wie aus Tabelle 15 hervorgeht, sind die beteiligten Unternehmen zusammen mehr als doppelt so groß wie ihr stärkster Konkurrent TKS und deutlich größer als einer der anderen Anbieter (viermal größer als Corus und fünfmal größer als Riva). Newco wäre sogar größer als seine vier stärksten Konkurrenten zusammengenommen. TABELLE 15 Gemeinschaftsweiter Umsatzanteil bei verzinktem Stahl im Jahr 1999 >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Beteiligte Unternehmen. (144) Dieser große Abstand zwischen dem Marktanteil von Newco und dem seiner Konkurrenten macht es für die übrigen Anbieter noch schwerer, auf Preiserhöhungen und/oder Produktionsverringerungen von Newco in einer Weise zu reagieren, die das einseitige Vorgehen des fusionierten Unternehmens unrentabel machen würde. Durch die Fusion erhält Newco eine breitere Abnehmerbasis für Preiserhöhungen, wohingegen ein Konkurrent (Arbed/Aceralia) ausgeschaltet würde, auf den die Abnehmer ansonsten hätten umsteigen können. Derzeit ist Arbed/Aceralia wohlgemerkt der zweitstärkste Konkurrent von Usinor (nach TKS). Wie nachstehend näher ausgeführt wird, werden die Abnehmer daher wahrscheinlich nicht in der Lage sein, auf preisgünstige andere Anbieter umzusteigen. Einschränkung durch vorhandene Kapazitäten (145) Der Kapazitätsauslastungsgrad ist generell hoch (86 % im Gemeinschaftsdurchschnitt 1999), insbesondere aber im Segment des feuerverzinkten Stahls (hier betrug der Durchschnitt 1999 90 %), so dass konkurrierenden Erzeugern nur in begrenztem Ausmaß freie Kapazitäten zur Belieferung der Abnehmer von Newco zur Verfügung stehen. Geplante neue Kapazitäten (146) In ihrer Erwiderung auf die Beschwerdepunkte der Kommission führen die Parteien aus, dass in Zukunft beträchtliche freie Kapazitäten für verzinkten Stahl in der Gemeinschaft bestehen würden, da bei feuerverzinktem Stahl zwischen 2001 und 2004 mit Kapazitätsaufstockungen zu rechnen sei (feuerverzinkter Stahl machte im Jahr 2000 76 % des Gesamtmarktes aus und dürfte 2003 über 80 % erreichen). Zur Stützung ihres Arguments haben die beteiligten Unternehmen Angaben zu in Bau befindlichen oder förmlich angekündigten Kapazitäten für feuerverzinkten Stahl in Europa und an der Peripherie Europas sowie Prognosen zum Nachfragewachstum vorgelegt; Grundlage sind Schätzungen von Eurofer für den Zeitraum 2000 bis 2005. Ihrer Auffassung nach wird die Gesamtnachfrage bis 2004 um [ > 2000]* 1000 t wachsen, die Gesamtkapazität jedoch um [ > 5000]* 1000 t(73). (147) In ihrer Untersuchung wurde die Kommission mit unterschiedlichen Zahlenangaben aus verschiedenen Quellen über die erwartete Kapazitäts- und Nachfrageentwicklung in den nächsten Jahren konfrontiert. Angesichts der unterschiedlichen Zahlen lässt sich die künftige Entwicklung der Kapazitäten nur schwer vorhersagen. Gemessen an den von der Kommission untersuchten Investitionen scheinen die übrigen Unternehmen bis 2004 eine Kapazitätsausweitung um insgesamt 1,6 Mio. t zu planen. Das ist weniger als die von den Parteien im CO-Formblatt angegebenen [...]* Mio. t(74) und die prognostizierten 2,6 Mio. t zwischen 2001 und 2004 aus der Eurofer-Umfrage. In ihrer neuesten Schätzung gehen die beteiligten Unternehmen in ihrer Erwiderung auf die Beschwerdepunkte der Kommission sogar von einem Wachstum um [...]* Mio. t aus. (148) Auch über das Nachfragewachstum gibt es unterschiedliche Prognosen. Im CO-Formblatt wurde das Nachfragewachstum auf [...]* % geschätzt. Gegenüber dem Wachstum in den vergangenen Jahren (mehr als 10 % jährlich zwischen 1997 und 2000) ist diese Zahl niedrig angesetzt. In ihrer Erwiderung auf die Beschwerdepunkte der Kommission gehen die Parteien sogar von einem Wachstum von jährlich durchschnittlich nur [...]* % aus, wie in Tabelle 16 veranschaulicht: TABELLE 16 Entwicklung der Gemeinschaftsnachfrage nach feuerverzinktem Stahl >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Erwiderung auf die Beschwerdepunkte der Kommission, S. 21. (149) Ohnedies haben die beteiligten Unternehmen für die Berechnung des Kapazitätswachstums eine größere geografische Grundlage gewählt (nämlich einschließlich Osteuropa und Türkei) als den relevanten geografischen Markt. Außerdem haben sie das Nachfragewachstum in diesen Ländern nicht berücksichtigt. Deswegen dürften die freien Kapazitäten künftig geringer sein als von den beteiligten Unternehmen vorausgeschätzt. In Tabelle 17 werden die Angaben der beteiligten Unternehmen zum Kapazitätswachstum zusammengefasst. TABELLE 17 Kapazitätszuwachsprognosen für feuerverzinkten Stahl >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Erwiderung auf die Beschwerdepunkte der Kommission, S. 20. (150) Auf der Grundlage der Kapazitäts- und Nachfrageprognosen der beteiligten Unternehmen für die Gemeinschaft kann damit gerechnet werden, dass der Kapazitätsauslastungsgrad voraussichtlich relativ hoch bleiben wird. Ferner wird, wie die beteiligten Unternehmen selbst geschätzt haben, ein hoher Anteil der Gemeinschafts-Produktionskapazität ([40-45]* % bei verzinktem Stahl insgesamt und [40-45]* % bei feuerverzinktem Stahl im Jahre 2004) auf Newco entfallen, so dass die von den Konkurrenten von Newco kontrollierten freien Kapazitäten zusammengenommen gegenüber den Kapazitäts- und Produktionszahlen von Newco relativ bescheiden ausfallen. (151) Der Kapazitätszuwachs in den Nachbarländern der Gemeinschaft wird selbst bei Nichtberücksichtigung eines etwaigen Nachfrageanstiegs in diesen Ländern die Wettbewerbslage innerhalb der Gemeinschaft kurz- bis mittelfristig nicht wesentlich beeinträchtigen, da die Lieferungen aus diesen Ländern nicht die notwendigen Qualitätsanforderungen der Automobilindustrie zu erfuellen scheinen; dieses Branche stellt jedoch die Hauptabnehmergruppe für feuerverzinkten Stahl dar. Marktzutritte (152) Auch durch Marktzutritte wird das Wettbewerbsverhalten des fusionierten Unternehmens wahrscheinlich nicht eingeschränkt. Wenn auch Kapitalkosten und technische Lizenzen nicht unbedingt nennenswerte Marktzutrittsschranken darstellen, so sind doch wegen der Besonderheiten des Marktes für verzinkten Stahl gewisse zusätzliche Einschränkungen zu beachten. Zum ersten muss ein Neuanbieter in der Lage sein, seine Belieferung mit kaltgewalztem Kohlenstoffstahl sicherzustellen, da es sich bei feuerverzinktem Stahl um ein nachgelagertes Produkt handelt. Außerdem verlangen die Abnehmer in der Regel keine Massenerzeugnisse, sondern Spezialanfertigungen (hohe oder superhohe Festigkeit). Außerdem ist der Zugang zu den Abnehmern insbesondere in der Automobilindustrie schwierig, da der Anbieter sich einem Zulassungsverfahren unterwerfen muss. In einem von den beteiligten Unternehmen in Erwiderung auf die Beschwerdepunkte der Kommission vorgelegten Bericht wird darauf hingewiesen, "dass der Zulassungsprozess ganz offensichtlich mit hohen Zeitkosten und beträchtlichen Verwaltungsausgaben für die Stahlerzeuger verbunden ist"(75). (153) Ferner dürften Neuzutritte auf einem Wachstumsmarkt wahrscheinlich keine nennenswerten Wettbewerbsfolgen zeitigen. In jüngster Zeit lässt sich das an drei Beispielen von Marktzutritten veranschaulichen: Marcegaglia im Jahr 1999 (Kapazität von 700000 Jato), Bancolor im Jahr 2001 (200000 Jato) und eine geplante Anlage von Duferco, die im Jahr 2002 in Betrieb genommen werden soll (350000 Jato). Selbst zusammengenommen würden diese Marktzutritte eine Kapazitätszunahme von lediglich weniger als 5 % ausmachen. (154) Außerdem waren diese Kapazitätsausweitungen ausnahmslos bereits vor Ankündigung des Newco-Projekts geplant und in der obigen Erörterung behandelt (Randnummern 146 bis 151). Für potenzielle Neuanbieter wird die Situation durch die Gründung von Newco weniger günstig. Newco wird die Macht haben, die (potenziellen) Abnehmer eines jeden Neuanbieters selektiv zu behandeln, da das Unternehmen der größte Anbieter im Automobil- und im Bausektor ist. (155) Angesichts der sinkenden Nachfrage ist mit Neuzutritten auf dem Markt für galvanisch verzinkten Stahl ohnehin nicht zu rechnen. Alternative Materialien (156) Generell ist galvanisch verzinkter Stahl nicht durch alternative Materialien ersetzbar. Sobald das Material für Industrie- oder Kfz-Teile oder für weiße Ware einmal gewählt wurde, sind die Würfel gefallen. Bei Kraftfahrzeugen und weißer Ware ist es extrem schwierig, wenn nicht gar unmöglich, während des Lebenszyklus eines Produkts von einem Material auf ein anderes zu wechseln. Die Automobilbauer richten ihre Produktions- und Fertigungsanlagen spezifisch auf das für die jeweiligen Bauteile verwendete Material aus und könnten daher so gut wie nie glaubwürdig mit dem Umstieg auf ein Alternativmaterial drohen, da sie ihren Produktionsprozess erheblichen Änderungen unterziehen müssten. (157) Die beteiligten Unternehmen erwidern auf die Beschwerdepunkte der Kommission, dass langfristig insbesondere zwischen Stahl und Aluminium Wettbewerb existieren würde, und zwar zum Zeitpunkt des Entwurfs eines neuen Fahrzeugs. Selbst nach Berücksichtigung der Einwände der beteiligten Unternehmen scheint sich jedoch zu bestätigen, dass Stahl und Aluminium in wettbewerblicher Hinsicht nicht als Alternativprodukte betrachtet werden. Die beteiligten Unternehmen führen aus, dass "Aluminium traditionell vor allem auf dem Nischenmarkt für besonders teure Kfz-Marken verwendet wurde"(76), und bestreiten nicht, dass dies auch heute noch der Fall ist: Die Automobilbauer, die in großen Mengen Aluminium verwenden, sind alle in der Oberklasse tätig (Audi, Jaguar). Für bestimmte Teile sind Aluminium oder Kunststoff de facto zwischen zwei- und viermal teurer als Stahl und taugen somit wenig zur Verhinderung einer Preiserhöhung bei Stahl. Auch die Drohung mit einem Umstieg auf Aluminium oder Kunststoff stellt daher keine Option dar. Einfuhren (158) Auf Einfuhren entfielen in den letzten vier Jahren zwischen 3 und 9 % des Gesamtumsatzes mit verzinktem Stahl in der Gemeinschaft. Sie scheinen das Wettbewerbsverhalten der Gemeinschafs-Erzeuger auf diesem Markt nicht ernsthaft beeinträchtigen zu können. Da es sich vor allem um Massenprodukte handelt, stellen sie keine Alternative zu dem hochwertigen metallbeschichteten Material dar, das von der Automobilindustrie nachgefragt wird, der mit 51 % Nachfrageantei

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.