Europäische Union

2004/304/EG: Entscheidung der Kommission vom 17. April 2002 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2547 — Bayer/Aventis Crop Science) (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2002) 1462)

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Quellenkennung: 32004D0304. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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e reale Wachstumsrate der auf einem Neonicotinoid beruhenden Insektizide lag im Zeitraum 1995-2000 bei 10,6 % und wird für den Zeitraum 2000-2005 auf 8,7 % geschätzt. (66) Nur in wenigen Kategorien von Insektiziden wird in den nächsten fünf Jahren ein reales Wachstum zu erwarten sein; zu diesen Kategorien gehören die Neonicotinoide, die Pyrrole und die Fiprole. Imidacloprid (Bayer) hat ein erhebliches Wachstum erreicht und ist heute weltweit das führende Insektizid. Es erweist sich als realistische Alternative zu älteren Insektiziden und hat auch neue Märkte erschlossen, wie z. B. die Anwendung am Halm/Stamm und als Komponente bei der Aufbereitung verschiedener Saaten. Von dieser Kategorie werden hohe Wachstumsraten erwartet. Auch die mit dem Pyrazol Fipronil erzielten Umsätze steigen schnell an. Nach dem Marktforschungsunternehmen Phillips McDougall liegt die Wachstumsrate der Pyrazol-Insektizide im Zeitraum 2000-2005 bei 8,4 % und erreicht damit einen ähnlichen Wert wie die Neonicotinoide. Für alle anderen Insektizidkategorien wird ein sehr viel langsameres Wachstum oder sogar ein Negativwachstum erwartet. Neonicotinoide (67) Neonicotinoide sind Acetylcholinrezeptoren mit einer außerordentlich hohen Wirkung auf das zentrale Nervensystem von Insekten, wo sie die Weiterleitung der neuralen Inpulse blockieren. Die Insekten stellen daraufhin ihre Nahrungsaufnahme ein. Im Ergebnis treten eine Lähmung und anschließend der Tod durch Verhungern oder Dehydrierung ein, oder die Schadinsekten werden anderen Arten zur leichten Beute. Dieser neuartige Wirkmodus und der Wirkort, der sich von denen der Carbomate, Organophosphate und Pyrethroide unterscheidet, macht die Neonicotinoide zu einem geeigneten Mittel für eine Anti-Resistenz-Strategie, da sie auch zur Bekämpfung von Schädlingen eingesetzt werden können, die gegenüber konventionellen Insektiziden bereits eine Resistenz entwickelt haben. Neonicotinoide sind hochwirksam gegen Blattläuse und die Weiße Fliege, die aus volkswirtschaftlicher Sicht relevantesten Sauginsekten auf dem Gebiet der EU. (68) Bayer hat die Neonicotinoidchemie mit Erfolg entwickelt und mit Imidacloprid bereits ein Produkt aus dieser Kategorie in Verkehr gebracht, das heute das Insektizid mit dem höchsten Umsatz weltweit ist und auch in Europa umsatzmäßig den ersten Rang einnimmt. Darüber hinaus entwickelt Bayer derzeit zwei weitere Neonicotinoide: Thiacloprid und Clothianidin [...](13). ACS seinerseits arbeitet an der Entwicklung von Acetamiprid [...]. Im Folgenden soll auf jedes dieser Produkte näher eingegangen werden. a) Imidacloprid (69) Die Entwicklung von Imidacloprid dauerte nur sechs Jahre. Die Substanz ist seit 1991 unter den Handelsnamen Gaucho, Confidor, Admire und Provado auf dem Markt. Das Präparat kommt in mehr als 80 Ländern in über 60 verschiedenen Kulturen zum Einsatz. (70) Imidacloprid ist ein Wirkstoff mit systemischer Wirkung, d. h. es wirkt in der Pflanze - im Gegensatz zu nicht systemischen Stoffen, die außen auf die Pflanze aufgebracht werden. (71) Imidacloprid kann auf das Saatgut, in den Boden oder auf die Blätter auf- bzw. eingebracht werden. Bei der Saatgutaufbereitung wird der Wirkstoff auf das Saatgut aufgetragen und wandert von dort aus in die aufsprießende Pflanze, um sie in den frühen Entwicklungsstadien vor Schädlingsbefall zu schützen. Bei der Bodenausbringung wird der Wirkstoff vom Boden in die Wurzeln und von dort in die mit Saft gefuellten Blätter transportiert. Mit seinen Anwendungen auf das Saatgut und in den Boden schützt Imidacloprid die Kulturen in ihrer anfälligsten Entwicklungsphase. Bei der Anwendung auf das Blattwerk verleiht Imidacloprid Schutz vor Insekten bereits in den geringen Wirkstoffmengen, die im Blatt enthalten sind. Es schreckt die Schädlinge von der Nahrungsaufnahme ab und bewirkt eine niedrigere Reproduktionsrate. Imidacloprid wird auch auf Baumstämme aufgetragen und verteilt sich von dort mit dem aufsteigenden Saft. (72) Imidacloprid hat eine hohe Wirksamkeit und ein breites Wirkspektrum. Es gewährleistet einen über mehrere Wochen oder sogar Monate anhaltenden Schutz, in erster Linie gegen saugende Insekten wie Blattläuse, Zwergzikaden, Weiße Fliege und einige Thripse sowie gegen Schild- und Wollläuse. Es wirkt weiter gegen einige beißend-kauende Insekten wie z. B. mehrere Arten von Coleoptera (Kartoffel-, Rüsselkäfer), einige Diptera (Fliegen) und eine begrenzte Anzahl von Lepidoptera (Blattminierer). Ohne Wirkung bleibt Imidacloprid auf Nematoden (Bodeninsekten) oder Milben (saugende Insekten). (73) Imidacloprid hat günstige toxikologische Eigenschaften und ist besonders gut pflanzenverträglich. Seine systemische Wirkung schont Nützlinge. b) Thiacloprid (74) Wie Imidacloprid greift auch Thiacloprid in die Weiterleitung chemischer Signale im Nervensystem des Insekts ein. Es hat systemische Wirkung. Thiacloprid zielt hauptsächlich auf saugende Insekten (Blattläuse, Weiße Fliege, Thripse, Schildläuse, Halbfluegler, Wollläuse, Blattflöhe), hat aber auch eine gewisse Wirkung auf beißend-kauende Insekten (Rüssel- und Blattkäfer, Larven, Blattminierer, Apfelwickler und Stengelminierer) Der Wirkstoff soll gegen mehrere Schädlinge - insbesondere bei Blattanwendung - eine größere Wirkung haben als Imidacloprid und weniger gefährlich für Bienen und andere bestäubende Insekten sein. Thiacloprid übt auf Nützlinge keine Schadwirkung aus und zeigt nur eine geringe Toxizität bei Warmblütlern. (75) Die beteiligten Unternehmen haben vorgetragen, dass Thiacloprid [...]. Dritte haben darauf hingewiesen, dass Thiacloprid den Vorteil hat, dass es wirksam gegen den Apfelwickler und verwandte Insekten bei Obst und Nüssen und gegen Blattläuse (saugende Insekten) und gleichzeitig in der Blütezeit bienensicher ist. Bayer hat [...]. (76) Bayer hat beantragt, dass [...]. (77) [...] sind die wichtigsten Kulturen für Thiacloprid und die Marktanteile bei diesen Kulturen ein wesentlicher Faktor für die Erzielung von Mehrwert bei Thiacloprid. Aus Strategiepapieren geht hervor, dass Bayer in der EU im Jahr [...] einen Umsatz von [...] Mio. EUR und bis 2004 einen Umsatz von [...] Mio. EUR erreichen will. Auch die Verkaufserlöse [...] wurden prognostiziert, obwohl Bayer beantragt hat, dass [...]. (78) Thiacloprid genießt in der EU Patentschutz bis 2007 [...]. Bayer hat dazu erklärt, dass eine Verlängerung des Patentschutzes durch ein SPC gewährt wird, wenn der Zeitabschnitt zwischen dem Einreichen der Patentanmeldung und der Erstzulassung sehr lang ist. [...] c) Clothianidin (79) Bayers japanische Tochter Nihon Bayer Agrochem (NBA) und [...] führten Ende der 80er Jahre unabhängig voneinander Forschungsarbeiten auf dem Gebiet von Neonicotinoid-Verbindungen für Insektizide durch. Im Ergebnis dieser Arbeiten fand die NBA eine neue Gruppe insektizider Wirkstoffe [...]. (80) In [...]. (81) [...]. (82) [...]. (83) [...]. (84) Clothianidin ist wirksam gegen [...]. Bayer hat darüber informiert, dass Clothianidin [...]. Verglichen mit Imidacloprid hat Clothianidin [...]. d) Acetamiprid (85) Auch ACS entwickelt Neonicotinoide (vertrauliche Information von ACS). (86) (vertrauliche Information von ACS). (87) (vertrauliche Information von ACS). (88) (vertrauliche Information von ACS). (89) Acetamiprid dient zur Bekämpfung von (vertrauliche Information von ACS). Nach Aussagen der beteiligten Unternehmen konkurriert Acetamiprid mit [...] und wird sich zu einer wichtigen Konkurrenz insbesondere des Wirkstoffs Imidacloprid [...] in Europa entwickeln. (90) Von dritter Seite wurde darauf hingewiesen, dass Acetamiprid bei der Saatgutaufbereitung nicht besonders wirksam ist, da seine Möglichkeiten, in der Pflanze zu verbleiben, im Vergleich zu Imidacloprid oder Clothianidin begrenzt sind. Es erscheint daher zwar zur Blattbehandlung, nicht aber zur Saatgutaufbereitung geeignet. ACS hat der Kommission die Registrierungspläne für Acetamiprid zugeleitet (vertrauliche Information von ACS). Sonstige Neonicotinoide (91) Die beteiligten Unternehmen haben zu bedenken gegeben, dass eine Anzahl weiterer Neonicotinoid-Verbindungen im EWR in Verkehr gebracht werden sollen: Thiamethoxam, Dinotefuran, Flonicamid, AKD-1022 und Nitempyram. Diese sollen nachstehend kurz diskutiert werden. a) Thiamethoxam (92) Thiamethoxam ist wirksam gegen saugende, Blätter befallende und im Boden lebende Insekten. Das bereits in niedriger Dosierung wirksame Produkt bewirkt das rasche Absterben der Insekten. Es kann zur Blatt- oder Bodenbehandlung oder auch zur Saatgutaufbereitung eingesetzt werden. (93) Von dritter Seite ist darauf aufmerksam gemacht worden, dass es sich bei Thiamethoxam um ein sehr vielseitiges Insektizid handelt, das den gleichen Wirkmodus wie Imidacloprid und die anderen Neonicotinoide hat. Es hat eine lange Verweilzeit in der Pflanze und ist daher zur Saatgutaufbereitung geeignet. (94) Die Marktposition von Syngenta war über einen bestimmten Zeitraum erheblich eingeschränkt, da ein Patentstreit mit Bayer die Firma de facto vom Wettbewerb auf allen wichtigen EWR-Märkten ausschloss. Thiamethoxam ist derzeit nur in Spanien, Finnland und Österreich für den Einsatz bei einer beschränkten Zahl von Kulturen zugelassen. Bayer und Syngenta haben den erwähnten Patentstreit am 20. Dezember 2001 beigelegt. Entsprechend einer Vereinbarung zwischen beiden Unternehmen wird letzteres uneingeschränkten und unbestrittenen Zugang zum Weltmarkt für Thiamethoxam haben und kann Insektizide, die auf diesem Wirkstoff basieren, auf jedem nationalen Markt in Verkehr bringen. b) Dinotefuran (MTI-466) (95) Die beteiligten Unternehmen haben angegeben, dass dieses von Mitsui entwickelte Neonicotinoidprodukt ein breites Wirkspektrum hat, so dass es für den Einsatz in einer breiten Palette von Kulturen geeignet sei. Die Markteinführung von Dinotefuran werde in Japan für 2003/2004 und in Europa für 2004/2005 erwartet. Nach Ansicht der beteiligten Unternehmen wird Dinotefuran in naher Zukunft ein ernstzunehmender Wettbewerbsfaktor sein. (96) [Vertrauliche Information zu Dinotefuran]. c) Flonicamid (IKI-220) (97) Die beteiligten Unternehmen haben vorgetragen, dass Flonicamid von Ishihara in Zusammenarbeit mit FMC entwickelt wird. Seine Zulassung in Japan werde für 2003/2004 und in Europa für 2005/2006 erwartet. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen zielt Flonicamid hauptsächlich auf Blattläuse, Zwergzikaden und Thripse. Es habe eine ausgezeichnete Systemwirkung and erfuelle die IPM-Anforderungen. (98) Alle befragten Experten haben erklärt, dass sich Flonicamid in Struktur und Wirkweise von den Neonicotinoiden unterscheide und daher nicht als ein Neonicotinoid angesehen werden könne. Von unabhängiger Seite ist zudem darauf hingewiesen worden, dass Flonicamid als langsam wirkendes, auf die Nahrungsaufnahme zielendes Aphizid nicht in Konkurrenz zu den Neonicotinoiden stehe. Diese seien relativ schnell wirksam und gegen eine breite Palette von Homoptere und nicht nur gegen Blattläuse einzusetzen. "Antifraßstoff" bedeute, dass eine Wirkung des Präparats auf die Blattläuse erst eintritt, nachdem diese ihre Viren an die Pflanze weitergegeben haben. Eine der gravierendsten Folgen eines Blattlausbefalls bei vielen Kulturen seien die von diesen übertragenen Viruserkrankungen. d) AKD-1022 (99) Die beteiligten Unternehmen haben über AKD-1022, ein neues - von Agro-Kanesho entwickeltes - Neonicotinoid, informiert. Dieses habe ein recht breites Wirkspektrum, so dass es für den Einsatz in einer breiten Palette von Kulturen geeignet sei. Allerdings ist nach Aussage der Parteien die Entwicklung des Produkts noch nicht abgeschlossen, so dass seine Auswirkungen auf den EWR-Markt im Zusammenhang mit der hier anstehenden Entscheidung nicht weiter bewertet werden. e) Nitempyram (100) Takeda hat ein Neonicotinoid mit der Bezeichnung Nitempyram entwickelt und dieses 1996 in Japan zur Anwendung bei Reis, Obst und Gemüse sowie Tee auf den Markt gebracht. Im EWR ist Nitempyram bisher noch nicht registriert, und es gibt keine Hinweise darauf, dass dies in absehbarer Zeit geschehen wird. Daher werden die Auswirkungen von Nitempyram auf den Wettbewerb im EWR für die Zwecke der hier anstehenden Entscheidung nicht weiter bewertet. Pyrazole (101) Die Pyrazolchemie wird allein von ACS betrieben. ACS hat in ihrem Programm zwei Stoffe aus dieser Kategorie: Fipronil und Ethiprol. Während Fipronil in allen Ländern des EWR für verschiedene Kulturen und Anwendungen im Handel ist, ist Ethiprol im EWR nicht eingetragen. (102) Die beteiligten Unternehmen haben in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte darauf hingewiesen, dass sie nicht die einzigen Firmen seien, die in der Pyrazolchemie tätig sind. Sie verwiesen darauf, dass sowohl Mitsubishi Chemical als auch die BASF Pyrazole in ihrem Programm haben. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen ist Mitsubishi Chemical die Inhaberin des Patents für den ETK-I-Hemmer Tolfenpyrad (HABM 88), der eine Wirkung auf Blattläuse, Thripse, Weiße Fliege, Kohlschabe (Plutella) sowie Rost- und Breitmilbe bei Obst und Gemüse zeige. Die beteiligten Unternehmen haben darüber hinaus angegeben, dass die BASF Patentschutz für den Wirkstoff Chlorfenapyr genieße, der nach Angaben der beiden Unternehmen ein pyrazolanaloger Entkoppler der oxidativen Phosphorylierung sei. (103) Die Untersuchung der Kommission zeigt jedoch, dass sowohl Chlorfenapyr als auch Tolfenpyrad zwar Pyrazole enthalten, selbst aber keine Pyrazole sind. Sie haben einen anderen Wirkort und ein anderes Wirkspektrum als diese und unterscheiden sich von diesen überhaupt in jeder Hinsicht. Diese Produkte werden daher im Rahmen der hier anstehenden Entscheidung nicht weiter bewertet. (104) Unabhängigen Experten zufolge sind Pyrazole nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen als Insektizide gegen Coleoptera (Käfer) und bodenbürtige Diptera (Fliegen) wirksam. a) Fipronil (105) Die Untersuchung hat gezeigt, dass Fipronil ein (vertrauliche Information von ACS) ist. Im nicht-landwirtschaftlichen Bereich ist es auch wirksam gegen (vertrauliche Information von ACS). Fipronil wird in der Regel in den Boden ausgebracht oder auf das Saatgut appliziert, kommt aber auch durch Blattanwendung zum Einsatz und soll für diese Anwendungsgebiete ein Konkurrent der Neonicotinoide sein. (106) Nach den von den beteiligten Unternehmen zur Bekämpfung von beißend-kauenden Insekten vorgelegten Informationen [...]. Dritte haben jedoch darauf hingewiesen, dass sowohl Fipronil als auch Imidacloprid ausgezeichnete Ergebnisse an Coleoptera (beißend-kauende Käfer) und vor allem an Elateridae (Schnellkäferlarven), den zweifellos volkswirtschaftlich relevantesten Bodeninsekten, erzielt. Imidacloprid und Fipronil sind eine gute Wahl auch für die Eindämmung der Eulenfalter (Erdraupe) als den wichtigsten Lepidoptera, die die Pflanzen befallen, wenn die ersten Blätter aus dem Boden sprießen. Im Hinblick auf Diptera (bodenbürtige Fliegen), die für eine Reihe von Getreide- und Gemüsesorten von Bedeutung sind, wurde von dritter Seite angeführt, dass sowohl Imidacloprid als auch Fipronil je nach Art hohe Wirksamkeit erreichen. (107) Während Fipronil (vertrauliche Information von ACS). (108) Dritte haben darauf hingewiesen, dass Fipronil, das in der Hauptsache ein Mittel gegen beißend-kauende Insekten ist, bei der Bekämpfung saugender Insekten in der Regel nicht als direkter Wettbewerber der Neonicotinoide angesehen werden kann. Sie haben dazu erklärt, dass Fipronil, welches sich in der Pflanze nicht besonders gut bewegt, nicht dasselbe Potenzial hat wie die Neonicotinoide. Von Seiten Dritter ist ferner betont worden, dass Fipronil zur Blattanwendung z. B. gegen Thripse und Coleoptera (z. B. den Kartoffelkäfer) Anwendung findet. Darüber hinaus haben Dritte festgestellt, dass die Kombination von Imidacloprid und Fipronil in der Angebotspalette der beteiligten Unternehmen zweierlei bewirkt: Zum einen werde das mit neuen Verbindungen erfasste Schädlingsspektrum erweitert und ergänzt. Beide Verbindungen seien für eine breite Palette von Kulturen anwendbar, zeigten sich hochwirksam und gewährleisteten die Eindämmung des Haupterregers und böten einen neuen Wirkmechanismus, der in der Lage ist, eine mögliche Resistenz gegenüber Stoffen aus anderen chemischen Kategorien zu überwinden. In dieser Hinsicht seien die Möglichkeiten der beteiligten Unternehmen, technisch fortgeschrittenere Behandlungsprogramme anzubieten, einmalig und von keinem Wettbewerber bisher erreicht. Daher - so haben Dritte eingewendet - würde eine Kombination von Imidacloprid mit seinen überragenden Eigenschaften zur Bekämpfung von saugenden und Fipronil mit ebenso überragenden Eigenschaften zur Bekämpfung von beißend-saugenden Insekten wettbewerbsrechtliche Bedenken hervorrufen. Zum zweiten würden sich wegen der sich überschneidenden Ziele und des unterschiedlichen Wirkmodus von Imidacloprid und Fipronil riesige Möglichkeiten für ein Resistenzmanagement durch Rotation der beiden Produkte in den Bereichen ergeben, in denen sie dasselbe Ziel haben. b) Ethiprol (109) Ethiprol ist ein (vertrauliche Information von ACS) Fiprol-Insektizid. Dritte haben darauf hingewiesen, dass Ethiprol ein Fipronil-Produkt der zweiten Generation ist [...]. (110) Ethiprol kann für (vertrauliche Information von ACS) eingesetzt werden. Angaben zufolge ist sein toxikologisches Profil besser als das von Fipronil [...]. (111) Die beteiligten Unternehmen haben darum gebeten, dass (vertrauliche Information von ACS). Die Kommission stellt in diesem Zusammenhang fest, dass zudem ein ruhendes Patent den Markteintritt verhindert und den Wettbewerb einschränkt. c) Acetoprol und Vaniliprol (112) Von Seiten Dritter ist in der ersten Phase der Untersuchung darauf hingewiesen worden, dass ACS in der Kategorie der Pyrazole derzeit zwei weitere Verbindungen entwickelt: Acetoprol und Vaniliprol. Zu diesen Wirkstoffen haben die beteiligten Unternehmen vorgetragen, dass (vertrauliche Information von ACS). Diese Produkte werden daher in dieser Entscheidung nicht weiter gewürdigt. Weitere Produkte, die sich bei den beteiligten Unternehmen noch in der Entwicklung befinden (113) Neben den Neonicotinoiden hat Bayer weitere Produkte in Vorbereitung. Diese sollen schon bald auf den Markt kommen: Methoxyfenozid, Spirodiclofen und Spiromesifen. a) Methoxyfenozid (114) Methoxyfenozid [...]. (115) Gemäß Information durch die beteiligten Unternehmen ist Methoxyfenozid [...] b) Spirodiclofen (116) Spirodiclofen [...]. Als Acarizid ist Spirodiclofen [...]. (117) Spirodiclofen [...]. c) Spiromesifen (118) Spiromesifen [...]. Auswirkungen des Sortiments neuer chemischer Verbindungen der Parteien auf den Wettbewerb (119) Nach erfolgtem Zusammenschluss hätte das neue Unternehmen in seiner Produktpalette vier der sechs derzeitigen und zukünftigen Neonicotinoide, die sich sämtlich im EWR auf dem Markt befinden bzw. kommen werden. Mit Imidacloprid, Thiacloprid, Clothianidin und Acetamiprid würden die beteiligten Unternehmen in einem unterschiedlichen Maße das ganze Spektrum von Blatt-, Boden- und Saatgutanwendungen abdecken. Das einzige wirksame Konkurrenzpräparat für diese Wirkstoffe, Thiamethoxam von Syngenta, bliebe außerhalb der Angebotspalette der beteiligten Unternehmen. Clothianidin von Takeda wird im EWR eingeführt [vertrauliche Information zu Clothianidin](14). Die Kommission merkt an, dass [...]. Darüber hinaus würde nach einem Zusammenschluss im EWR das Pyrazol Fipronil zu dem Produktangebot von Bayer hinzukommen. Kein anderes Unternehmen hat Produkte aus dieser chemischen Kategorie. (120) Bezüglich Thiamethoxam von Syngenta ist die Kommission nicht der Meinung, dass - wie weiter unten gezeigt werden soll - diese Substanz ein Gegengewicht zur Marktkraft des neuen Unternehmens wäre, das in seinem Produktangebot für Blatt- und Bodenanwendungen drei Neonicotinoide und ein Pyrazol (plus Ethiprol) haben wird. Die beteiligten Unternehmen haben in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte angemerkt, dass die Kommission die Auswirkungen konkurrierender Neonicotinoide auf den Wettbewerb nicht erwogen habe, und erklärt, dass "nur zwei Monate nach der Beilegung des Patentstreits zwischen Bayer und Syngenta Thiamethoxam in Spanien, Finnland und Österreich eingetragen worden ist." Während die beteiligten Unternehmen mit diesem Beispiel zeigen wollen, wie schnell nach der Beendigung des Patentstreits Thiamethoxam auf die Märkte im EWR gelangt ist, weist die Kommission darauf hin, dass Thiamethoxam in diesen Mitgliedstaaten auch schon vor der Beilegung des Patentstreits registriert war, weil Imidacloprid in Spanien, Finnland und Österreich nicht patentrechtlich geschützt ist und der Patentstreit diese Mitgliedstaaten daher nicht berührte. (121) Die Untersuchung zeigt, dass sowohl die Neonicotinoide als auch die Pyrazole zu der Insektizidkategorie mit dem höchsten Wachstum - wahrscheinlich zu Lasten der alten Kategorien - gehört. Deshalb haben Dritte darauf hingewiesen, dass die Position der beteiligten Unternehmen auf den Insektizidmärkten, insbesondere im Segment des "sap feeding", bei allen drei Anwendungen - Boden, Blätter und Saatgut - in naher Zukunft beträchtlich gestärkt werden wird. (122) Neben den Neonicotinoiden und den Pyrazolen wurde auch auf andere FuE-Projekte der beteiligten Unternehmen hingewiesen, die die Wettbewerbsposition des neuen Unternehmens auf dem Gebiet der Insektizide weiter stärken würden. In diesem Zusammenhang wurde erklärt, dass ACS ein Patent für Acetylcholin-Agonisten hat, das das bestehende Neonicotinoidprogramm ergänzen würde. Nach Ansicht Dritter könnte auch ein neues Nematizid (Thienylpyrazol) zu einer besonders starken Position bei der Bekämpfung von Bodeninsekten und Nematoden, wenn dieses mit den wichtigsten Carbamaten und Organophosphaten kombiniert würde, und einer starken technologischen Basis bei der Saatgutaufbereitung führen. Schließlich ist noch darauf hingewiesen worden, dass ACS dabei ist, Isobutylamide zu entwickeln, die ein wirksames Mittel gegen Lepidoptera sein könnten. ACS hat darauf aufmerksam gemacht, dass (vertrauliche Information von ACS). (123) Die beteiligten Unternehmen haben in ihrer Antwort auf das Ersuchen der Kommission um Informationen angegeben, dass die Neonicotinoide und Pyrazole nicht Vertreter der neuesten chemischen Insektizidkategorien sind. Sie haben erläutert, dass Neonicotinoide seit 1990 und Pyrazole seit 1994 auf dem Markt sind. Damit - so argumentieren die Unternehmen - handele es sich bei beiden chemischen Kategorien eher um bereits etablierte als um neue chemische Substanzen, die nicht die neueste Technologie verkörpern. Nach Auskunft der Unternehmen umfasst die neue Generation von Insektiziden, die auf die Märkte kommt, Bezoylhydrazine, Tetronsäuren, Spinosyne und Carboxylate. (124) Dritte haben jedoch erklärt, dass es zwar richtig ist, dass neuere Stoffe als die Neonicotinoide und Pyrazole auf den Markt gekommen sind oder noch kommen werden, der innovative Charakter dieser Verbindungen gegenüber den Neonicotinoiden und Pyrazolen aus kommerzieller Sicht jedoch nicht relevant sei. Die Neonicotinoide und Pyrazole sind danach kommerziell weit wichtiger als jede der oben genannten chemischen Kategorien. Das Marktpotenzial der Neonicotinoide und Pyrazole werde in dem Maße weiter gestärkt, indem diese als Ersatz für alte Formulierungen mit Resistenzproblemen sowie für solche Produkte, deren Zulassung nicht erneuert wird, eingesetzt werden. Deshalb werde auch bei erneuter Registrierung einer Anzahl von Produkten aus den älteren chemischen Kategorien und deren Weiterverwendung die Gesamtbedeutung der Neonicotinoide und Pyrazole in Zukunft weiter wachsen. (125) Zu den konkreten Beispielen, die die beteiligten Unternehmen angeführt haben, wurde von dritter Seite erklärt, dass die Bezoylhydrazine keine neue Kategorie darstellen und z. B. Diflubenzuron bereits seit einigen Jahren auf d

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.