Europäische Union

2004/304/EG: Entscheidung der Kommission vom 17. April 2002 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2547 — Bayer/Aventis Crop Science) (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2002) 1462)

Amtliche Ursprungsfassung

Quellenkennung: 32004D0304. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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ngung(9). Außerdem beruhe die Wirkung von Boden- und Blattinsektiziden in der Regel auf unterschiedlichen Wirkstoffen, die nicht untereinander austauschbar sind. Die Unternehmen machen deshalb geltend, dass Bodeninsektizide, die zur Behandlung von Bodeninsekten durch Anwendung auf dem oder in den Boden bestimmt sind, und Blattinsektizide, die über eine Spritzvorrichtung auf die Pflanzen ausgebracht werden, getrennte Märkte darstellen. Die Unternehmen räumen dennoch ein, dass für eine Anzahl von Kulturen - z. B. Mais, Rüben und Getreide - der Landwirt die Wahl hat, entweder Boden- oder Blattinsektizide anzuwenden, so dass es doch einen gewissen Grad an Austausch zwischen diesen beiden Produktarten gibt. Gliederung der Insektizide für saugende und beißend-kauende Insekten (33) In Bezug auf das Bodensegment haben die beteiligten Unternehmen argumentiert, dass eine Differenzierung zwischen saugenden und beißend-kauenden Schädlingen im Boden irrelevant ist, da Saugschädlinge im Boden nicht vorhanden seien. (34) In der Frage, ob über die Gliederung des Marktes nach Kulturen und Boden- und Blattanwendungen hinaus bei den Blattanwendungen eine weitere Unterteilung in saugende und beißend-kauende Insekten vorgenommen werden sollte, halten die beteiligten Unternehmen eine Untergliederung des Marktes nach unterschiedlichen Schädlingsarten und eine Unterscheidung nach saugenden oder beißend-kauenden Insekten nicht für sinnvoll. (35) Die beteiligten Unternehmen haben insbesondere zu bedenken gegeben, dass die Landwirte in der Regel nach Produkten greifen, mit denen ganze Gruppen von Schadinsekten bekämpft werden können und deren Zusammensetzung von Pflanzenart zu Pflanzenart unterschiedlich sein kann. Die Unternehmen haben dazu den Standpunkt vertreten, dass die Landwirte eher geneigt sind, Produkten mit einem breiten Wirkspektrum, Kombinationspräparaten oder Insektiziden mit einem engen Wirkspektrum, die sie selbst mischen, den Vorrang zu geben. Daher - so die Ansicht der Unternehmen - seien Breitbandinsektizide und Insektizide mit engem Wirkspektrum austauschbar, so dass eine Gliederung der Märkte nach Pflanzenarten bereits eine Gliederung der Insektizide nach den Schädlingen, die sie bekämpfen sollen, enthalte. (36) Ein weiteres Argument der beteiligten Unternehmen war, dass es für den Landwirt keine klare Trennung zwischen saugenden und beißend-kauenden Insekten gebe, da er es je nach Kultur, Saison und Klima mit den einen wie mit den anderen oder auch mit beiden zusammen zu tun haben könne. Nach Ansicht der Unternehmen können saugende wie auch beißend-kauende Insekten - je nach dem Lebenszyklus des konkreten Schädlings entweder allein oder zusammen - das Blattwerk befallen, wobei dieser Befall von der jeweiligen Kultur, der Jahreszeit und dem Klima abhängig ist. Aus diesem Grunde kommen die Unternehmen zu dem Schluss, dass der Landwirt Insektizide brauche, die wirksam sowohl gegen saugende als auch gegen beißend-kauende Insekten wirksam sind. (37) Die beteiligten Unternehmen haben auch behauptet, dass Produkte, die zu den Hauptinsektizidklassen gehören, wie z. B. Organophosphate, Pyrethroide, Carbamate und Neonicotinoide sowohl gegen saugende als auch gegen beißend-kauende Insekten wirksam sind. Die Abgrenzung der Insektizidmärkte sowohl für saugende als auch beißend-kauende Insekten wird den beteiligten Unternehmen zufolge durch die Tatsache gestützt, dass eine große Anzahl von Insektiziden zur Bekämpfung sowohl von saugenden als auch von beißend-kauenden Insekten angewendet werden. Dazu haben die beteiligten Unternehmen erklärt, dass Insektizide fast aller chemischer Klassen (z. B. Deltamethrin, Cyfluthrin, Beta-Cyfluthrin, Cypermethrin, Parathion-Methyl, Carbaryl) für beide Insektengruppen verwendet werden. Dabei haben die Parteinen die Meinung vertreten, dass Pyrethroide u. a. bei Kartoffeln gegen den Kartoffelkäfer (beißend-kauende Schädlinge) und gegen Blattläuse (Saugschädlinge) gleichzeitig angewendet werden, wohingegen die Organophosphate bei einigen Kulturen gegen den Apfelwickler (beißend-kauende Schädlinge) und gegen Blattläuse (Saugschädlinge) eingesetzt werden. Die Unternehmen haben weiter geltend gemacht, dass selbst Produkte mit einer speziellen Wirksamkeit gegenüber Saugschädlingen auch gegen kauende Schädlinge einsetzbar sind. So wirke z. B. Imidacloprid gegen die Weiße Fliege und Schildläuse (saugende Insekten), diene aber auch der Eindämmung von Blattminierern (beißend-kauende Insekten) an Zitrusfrüchten. (38) Auch von Seiten Dritter ist in der Regel bestätigt worden, dass es sinnvoll ist, den einschlägigen Markt in das Boden- und das Blattsegment zu unterteilen. Was jedoch die Frage anbelangt, ob eine weitere Unterteilung nach saugenden oder beißend-kauenden Insekten vorgenommen werden sollte, haben Dritte sich der Meinung der beteiligten Unternehmen nicht angeschlossen. Während es weithin Einvernehmen darüber gibt, dass die Unterscheidung für das Bodensegment nicht relevant ist, haben Dritte erklärt, dass in Bezug auf die Blattanwendungen eine Klassifizierung von Insekten und Insektiziden nach den Ernährungsgewohnheiten ein gültiges und sinnvolles Kategorisierungskriterium ist. Einige der Befragten haben sogar die Meinung vertreten, dass saugende und kauende Insekten getrennte Märkte darstellen. (39) Wie die Untersuchung zeigt, besteht zwar eine gewisse Beziehung zwischen Insekten einerseits und Kulturen andererseits, doch sind die Gruppierungen der Kulturpflanzen in Wirklichkeit häufig künstliche Konstrukte, die von staatlichen Zulassungsstellen und Chemieunternehmen geschaffen werden. Die Zulassung erfolgt für eine bestimmte Kultur oder Kulturengruppe. Die Chemieunternehmen beantragen möglicherweise die Zulassung für bestimmte Kulturen, ausgehend vom wirtschaftlichen Wert dieser Kultur, und verzichten auf die Zulassung für andere, obwohl der Wirkmechanismus bei diesen ähnlich ist. Ein Unternehmen, das ein Insektizid anbieten kann, welches gegen Insekten wirksam ist, die in verschiedenen Kulturen auftreten, kann möglicherweise mit diesem Produkt alle in Frage kommenden Kulturen abdecken. Daher spiegelt eine Untergliederung der Märkte nach Kulturen nicht notwendigerweise das volle Potenzial einer Verbindung wider. Während einige Arten von Schädlingen pflanzenspezifisch sind, treten die wirtschaftlich ins Gewicht fallenden Krankheiten bei einer Vielzahl von Kulturen auf. Insbesondere Saugschädlinge wie Blattläuse und Weiße Fliege sind nicht isolierte Schädlinge, die auf einer bestimmten Wirtspflanze auftreten, sondern sie sind auf vielen unterschiedlichen Kulturen anzutreffen. (40) Wie bereits erwähnt, haben es die Landwirte mit verschiedenen Schädlingen zu tun, die an unterschiedlichen Kulturen und zu unterschiedlichen Zeiten innerhalb einer Wachstumsperiode auftreten. Jede dieser durch Insekten verursachten Krankheiten muss zu einem bestimmten Zeitpunkt behandelt werden, d. h. dann, wenn die Krankheit tatsächlich auftritt und bestimmte wirtschaftlich bedingte Schwellenwerte erreicht sind. Der genaue Zeitpunkt für die Bekämpfung der verschiedenen Insekten im Laufe einer Wachstumsperiode ist nicht für alle Insekten, die eine bestimmte Kulturpflanze befallen, gleich. (41) Weil die Insektizide unterschiedliche Profile der Restaktivität haben, kommt es darauf an, die Produkte jeweils zum bestmöglichen Zeitpunkt auszubringen, um die jeweilige Krankheit wirksam unter Kontrolle zu bekommen. Eine verspätete Anwendung - auch wenn es sich nur um zwei bis drei Tage handelt - kann die Pflanze schwer schädigen, und auch eine zu frühe Anwendung wird nicht zu einer wirksamen Kontrolle der jeweiligen Krankheit führen. Demzufolge gibt es für eine optimale Anwendung nur einen relativ begrenzten Zeitraum. Auch wenn es zutrifft, dass saugende und beißend-kauende Insekten als Blattschädlinge je nach dem Lebenszyklus des jeweiligen Schädlings und abhängig von der Kultur und der Jahreszeit entweder einzeln oder zusammen auftreten können, bedeutet das doch nicht, dass der sehr begrenzte Anwendungszeitraum für diese Schädlinge immer gleich ist. In der Praxis ist es eher selten, dass der optimale Anwendungszeitraum für zwei verschiedene Schädlinge gleich ist. (42) Wenn die Landwirte deshalb ein Breitband-Insektizid verwenden und dieses einmal ausbringen, werden sie diejenigen Schädlinge wirkungsvoll bekämpfen können, die innerhalb dieses Anwendungsfensters auftreten, andere Schädlinge aber nur teilweise erfassen. In diesem Sinne ist deshalb eingewendet worden, dass es kein Breitband-Insektizid gibt, das auf zufriedenstellende Weise all die verschiedenen Schädlinge bekämpft, die während einer Wachstumsperiode auftreten. Daraus wurde der Schluss gezogen, dass eine Austauschbarkeit zwischen Insektiziden mit engem und solchen mit breitem Wirkspektrum nicht gegeben ist, sondern nur zwischen Produkten, deren Wirkung auf den jeweiligen Hauptschädling zielt. (43) In diesem Zusammenhang ist auch darauf hingewiesen worden, dass die meisten Insektizide gute Ergebnisse entweder nur gegenüber saugenden oder nur gegenüber beißend-kauenden Insekten erbringen, nicht jedoch gegenüber beiden Schädlingsgruppen zugleich. Dazu ist auch angemerkt worden, dass sogar Breitbandprodukte in erster Linie gegen saugende oder gegen beißend-kauende Insekten wirken. Es trifft deshalb im Normalfall nicht zu, dass die Landwirte Produkte einsetzen können, die gegen eine breite Palette von Schadinsekten gerichtet sind. (44) Diese Argumentation läuft darauf hinaus, dass die Anwendung auf bestimmte Hauptschädlinge abzielen muss. Im Allgemeinen ist es ein Hauptschädling, der oberhalb des wirtschaftlichen Schwellenwertes liegt und der eine Behandlung zur Verhinderung von Schäden an dieser Kultur auslöst. Demzufolge ist die Wahl des geeigneten Insektizids durch den Landwirt auf diesen Hauptschädling gerichtet. Zwei Beobachtungen unterstreichen die Bedeutung solcher Hauptschädlinge: Erstens erfolgt die Zulassung von Insektiziden für eine bestimmte Kultur mit Angabe des Schädlingsspektrums und für die Anwendung zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einer bestimmten Aufwandmenge. Dies geschieht unter dem Aspekt der Selektivität, da nur Hauptschädlinge getroffen werden sollen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt auftreten, und Nützlinge ausgespart werden. Zweitens ist erklärt worden, dass 80-90 % der Insektizide nur einen Wirkstoff mit einem bestimmten Wirkspektrum enthalten. Danach seien die Fertigprodukte mit mehreren Wirkstoffen die Ausnahme, die meistens dann zur Anwendung kämen, wenn eine Resistenz durchbrochen werden oder die Wirkung auf die Hauptschädlinge verstärkt werden soll. Weiterhin vertraten sie den Standpunkt, dass das Mischen von Insektiziden in einem Tank durch den Landwirt keine generelle Praxis sei. In diesem Zusammenhang ist darauf hingewiesen worden, dass das Mischen von mehreren Mitteln mit engem Wirkspektrum mit dem Ziel, ein breiteres Wirkspektrum zu erreichen, normalerweise kostenträchtiger ist als die sequenzielle und zeitgerechte Anwendung verschiedener Produkte mit engem Spektrum. Die beteiligten Unternehmen selbst haben in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte zu Herbiziden zu bedenken gegeben, dass "eine Tankmischung nicht so einfach zu handhaben ist wie ein Einzelprodukt" und dass die Kosten höher liegen. Die Unternehmen haben jedoch keine Argumente dafür geliefert, warum dies nicht auch für Insektizide gelten sollte. Unterschiede zwischen saugenden und beißend-kauenden Insekten (45) Die Insekten können zunächst in Collembola (Springschwänze) und Pterygota (gefluegelte Insekten) unterteilt werden. Pterygota lassen sich dann weiter in drei große Untergruppen unterteilen: blattoid-orthopteroide, hemipteroide und endopterygote Pterygota. Blattoid-orthopteroide P. sind Insekten mit beißend-kauenden Mundwerkzeugen (z. B. Schaben, Termiten), hemipteroide P. sind Insekten mit saugenden Mundwerkzeugen, und endopterygote P. sind solche, die eine vollständige Metamorphose einschließlich eines Verpuppungsstadiums durchlaufen. Hemipteroide sind saugende Insekten, Endopterygote sind beißend-kauende Insekten. (46) Die wichtigste Unterklasse der Hemipteroide sind Hemiptera, zu denen in erster Linie Blattläuse, Weiße Fliege und Zwergzikaden gerechnet werden. Die Endopterygoten umfassen vor allem Lepidoptera (Schmetterlinge und Motten) sowie Coleoptera (Käfer, insbesondere Rüsselkäfer). Es ist angeführt worden, dass diese drei Insektenklassen - Hemipteroide, Lepidoptera und Coleoptera - die wichtigsten Märkte für handelsübliche Insektizide in Europa sind. Die verbreitetsten Sauginsekten sind Blattläuse und Weiße Fliege. Die relative Größe des Hemiptera-Marktes (saugende Insekten) hat mehr oder weniger die Ausmaße des Lepidoptera- und des Coleopoteramarktes (kauende Insekten) zusammen genommen. (47) Saugende Insekten sind Insekten, die sich vom Saft und den fluessigen Bestandteilen der Pflanze ernähren ("sap-feeders"). Beißend-kauende Insekten reißen Pflanzenteile ab und fressen sie. Die unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten von saugenden und beißenden Insekten sind Ursache für einen grundlegenden Unterschied in der Physiologie dieser Schädlinge: Beißend-kauende Insekten haben viel feste Stoffe auszuscheiden, während saugende Insekten sehr viel Flüssigkeit mit einem hohen Zuckergehalt (Honigtau) absondern. Saugende Insekten schädigen die Pflanzen, indem sie Krankheiten übertragen, sich von ihnen ernähren und eine Pilzinfektion über den Honigtau auslösen. Sie reproduzieren sich sehr schnell und können infolgedessen nach kurzer Zeit eine Resistenz erwerben. (48) Saugende Insekten hinterlassen weniger gut sichtbare Spuren, da sie kein Blattwerk fressen. Beißend-kauende Insekten wie z. B. Schwärmerraupe oder Eulenraupesind dagegen für den Landwirt sehr gut sichtbar, da der Schaden auch bei fluechtigem Hinsehen vollständig zu erkennen ist. Blattläuse, Weiße Fliege und andere Insekten sind sehr klein und werden häufig eher durch den Honigtau wahrgenommen, den sie ablagern, als durch einen offensichtlichen Schaden, d. h. es ist keine Vorwarnung vor einem Befall mit saugenden Insekten möglich, und die Kontrollen müssen im Allgemeinen durch Suche nach Anzeichen eines Befalls erfolgen. Da sich saugende Insekten sehr schnell reproduzieren, müssen die befallenen Bestände schnell behandelt werden. Saugende Insekten treten vorzugsweise zu Beginn der Wachstumsperiode auf. (49) Beißend-kauende Insekten haben einen langen und komplexen Lebenszyklus, so dass sie eine Resistenz erst später entwickeln. Ein Befall kann häufig über Adultenfallen festgestellt werden, auch vorbeugende Anwendungen sind möglich (z. B. deutet das Vorhandensein von Eiern darauf hin, dass ein Befall der Kultur durch Larven bevorsteht). Bei beißend-kauenden Insekten ist eine langsamere Bekämpfung möglich. Sie können die Kultur zu jeder Zeit befallen. (50) Ein grundlegender Unterschied zwischen saugenden und beißend-kauenden Insekten ist durch den Teil der Pflanze gegeben, an dem sie anzutreffen sind. Während beißend-kauende Insekten überall an der Pflanze angetroffen werden können, sind saugende Insekten normalerweise unter dem Blatt zu finden. Das hat seinen Grund darin, dass saugende Unsekten die Pflanzenfluessigkeit aufsaugen und unter den Blättern weniger Pflanzenwachse vorhanden sind, so dass der Saugvorgang dort leichter ist. (51) Zur Wirksamkeit von Insektiziden ist anzumerken, dass saugende Insekten schwieriger zu bekämpfen sind als beißend-kauende, die an allen Pflanzenteilen auftreten können: Um saugende Insekten unter Kontrolle zu bringen, ist ein Kontakt unter dem Blatt erforderlich. Insektizide, die lediglich auf die Blattoberfläche treffen und nicht in die Pflanze wandern, sind nicht sehr effektiv. Erforderlich ist deshalb eine gewisse Fähigkeit der Substanz zum Eindringen in die Pflanze (systemische Eigenschaften) oder zumindest die Fähigkeit, von einer Seite des Blattes auf die andere zu wandern (translaminare Eigenschaften). Dies bedeutet, dass das Präparat zumindest in das Blatt eindringen muss, wenn es wirksam gegenüber saugenden Insekten sein soll. Ältere Substanzen wie Carbamate oder Organophosphate haben eine gewisse translaminare Funktion und können in der Pflanze wandern, wenn in der Regel auch nur in begrenztem Maße. Die Neonicotinoide andererseits sind in dem Sinne systemisch, dass sie sich z. B. nach dem Besprühen eines Teils der Pflanze innerhalb der Pflanze verteilen und die ganze Pflanze vor saugenden Insekten schützen. (52) Unabhängige Dritte haben erklärt, dass die Trennlinie zwischen saugenden und beißend-kauenden Insekten in Positionspapieren der Hersteller und in der Werbung für ein bestimmtes Insektizid gezogen wird. Bayer selbst verwendet die Begriffe Saugschädling oder "sap-feeder" zu Klassifizierungszwecken. Bei der Durchsicht von Webseiten und von Werbematerial für Bayer-Produkte wird deutlich, dass die Bekämpfung der saugenden Insekten eine wichtige Überlegung im Zusammenhang mit der kommerziellen Lebensfähigkeit ihrer Produkte ist. Gliederung nach chemischen Kategorien (53) Auf die Frage, ob der einschlägige Produktmarkt nach chemischen Kategorien gegliedert werden sollte, haben die beteiligten Unternehmen dies als nicht sinnvoll bezeichnet. Dazu haben sie erklärt, dass der Landwirt, der mit einem Schädling in einer bestimmten Kultur konfrontiert ist, die Insektizide nicht nach chemischen Kategorien auswählt, sondern nach dem Preis des Produkts und nach dessen Wirksamkeit auf bestimmte Schadinsekten an einer bestimmten Kulturpflanze. (54) Die beteiligten Unternehmen haben den Standpunkt vertreten, dass dieselbe Schädlingsart im Allgemeinen mit einer Reihe verschiedener Insektizide aus unterschiedlichen chemischen Familien bekämpft werden kann. Im Lichte der Austauschbarkeit unterschiedlicher Formulierungen unter dem Aspekt der Fähigkeit der Präparate, eine wirksame Kontrolle bestimmter Schädlinge zu gewährleisten, ist die Abgrenzung der Teilmärkte nach chemischen Kategorien nach Ansicht der Unternehmen kein geeigneter Weg. Dasselbe gilt in solchen Fällen, in denen eine bestimmte Kultur am effektivsten mit Insektiziden aus ein und derselben chemischen Kategorie geschützt werden kann. (55) Einige der unabhängigen Experten haben sich bereits für die Gliederung des Marktes nach chemischen Kategorien ausgesprochen. Sie haben erklärt, dass insektizide Wirkstoffe im Allgemeinen chemischen Kategorien zugeordnet werden, die in der Regel einem bestimmten Wirkmodus entsprechen. Dazu wurde angeführt, dass der Wirkmodus und das Vorhandensein unterschiedlicher Kategorien von Insektiziden von Bedeutung für das Resistenzmanagement sowohl bei der Lösung des Problems zum Zeitpunkt seines Auftretens als auch und vor allem bei dessen Vermeidung ist. Austauschbarkeit von Boden- und Blattanwendungen für Mais, Rüben und Getreide (56) Zu der Angabe der beteiligten Unternehmen, dass bei Rüben, Mais und Getreide der Landwirt die Wahl zwischen der Anwendung von Boden- oder Blattinsektiziden hat, haben unabhängige Experten eingewandt, dass die Austauschbarkeit in der Regel begrenzt ist. Die Unternehmen haben daraufhin ihre Angaben korrigiert und in einem späteren Stadium der Untersuchung eingeräumt, dass diese Frage für Getreide nicht relevant ist. (57) Unabhängige Experten haben darauf hingewiesen, dass bei Zuckerrüben, Mais und Getreide die in einer frühen Wachstumsphase der Pflanze auftretenden Saugschädlinge im Wesentlichen durch die Saatgutaufbereitung unter Kontrolle gehalten werden und dass dies dazu geführt hat, dass für die Bekämpfung früher Saugschädlinge durch Blattanwendung bei diesen Kulturen praktisch kein Markt mehr besteht. In der späteren Wachstumsphase sind dann zur Bekämpfung der Schädlinge andere Methoden erforderlich. (58) Auf ähnliche Weise könnten einige systemische chemische Bodeninsektizide möglicherweise mindestens eine Blattanwendung überfluessig machen. Blattschädlinge, die in einer späteren Wachstumsphase auftreten, können jedoch mit Bodeninsektiziden nicht wirksam behandelt werden. Hier sind nach wie vor Blattanwendungen erforderlich. (59) Es wurde außerdem darauf hingewiesen, dass Bodeninsektizide, die zur Bekämpfung von Blattschädlingen eingesetzt werden, nicht einfach durch Blattinsektizide ersetzt werden können. Bodeninsektizide werden häufig eingesetzt, Pflanzen in der frühen Wachstumsphase, in denen die Kulturpflanzen sehr anfällig gegenüber Schädlingsbefall sind, gegen Blattschädlinge zu schützen. In dieser frühen Wachstumsphase bieten Blattinsektizide keinen ausreichenden Schutz, da die Sprühbedingungen nicht optimal sind und sich daher die Anwendung von Blattinsektiziden als schwierig erweist. (60) Deshalb ist es zwar möglich, dass der Markt für Boden- und Blattanwendungen für diese Kulturen im Ergebnis der Saatgutaufbereitung schrumpfen wird oder die Bodenausbringung die Notwendigkeit von Blattanwendungen reduzieren werden, doch stützen die Ergebnisse der Untersuchung nicht die These der beteiligten Unternehmen, wonach Boden- und Blattanwendungen untereinander austauschbar sind. Schlussfolgerungen (61) Zum Zwecke dieser Entscheidung und im Einklang mit der Praxis der Kommission auf diesem Gebiet wird der relevante Markt für Insektizide durch die Art der Kulturen definiert und in Blatt- und Bodeninsektizide untergliedert. In dieser Entscheidung galt besondere Aufmerksamkeit der ausgesprochenen Stärke der beteiligten Unternehmen auf dem Gebiet der Mittel gegen saugende und beißend-kauende Insekten, die in der Abgrenzung des Marktes insgesamt enthalten sind. Ein spezielles Interesse galt dabei den Neonicotinoiden und den Pyrazolen, die ebenfalls in der Gesamtabgrenzung des Marktes erscheinen. A.2. Wettbewerbsrechtliche Würdigung Einführung (62) Nach erfolgtem Zusammenschluss würde das neue Unternehmen eine besonders starke Position auf dem Insektizidmarkt - sowohl EWR-weit als auch national - einnehmen. Zahlreiche unabhängige Dritte haben darauf hingewiesen, dass die Position der beteiligten Unternehmen im Bereich der Insektizide aufgrund ihrer starken Präsenz in den sogenannten neuen chemischen Kategorien (Neonicotinoide(10) und Pyrazole(11)) in naher Zukunft noch erheblich gestärkt werden wird. Zu dieser gestärkten Position werde es sowohl bei den bestehenden als auch bei den zukünftigen Produkten kommen. (63) Die Marktuntersuchung zeigt, dass es in der Entwicklung von Insektizidtechnologien fünf wichtige Entwicklungsstufen gibt: - Organochlorine in den 50er Jahren, - Organophosphate in den 60er Jahren, - Carbamate in den 70er Jahren, - Pyrethroide in den 80er Jahren, - Neonicotinoide/Pyrazoleim Zeitraum 1990 bis 2000. (64) Laut der Wood-Mackenzie-Studie(12) sind im Bereich der Insektizide weniger chemische Kategorien mit einschlägiger Wirkung festgestellt worden als in den anderen Sektoren des Agrochemikalienmarktes. Zwischen der Markteinführung der synthetischen Pyrethroide Mitte der 70er Jahre und der der Fiprole, der Neonicotinoid-Derivate, der Pyrrole und der Spinosyne Anfang der 90er Jahre war die Suche nach anderen aktiven chemischen Substanzen nicht sehr erfolgreich. Die genannten Produkte zeigen andere Wirkmodi als die bisherigen Wirkstoffe und haben so die dem Landwirt offenstehenden Optionen verbessert. (65) Nach der Wood-Mackenzie-Studie ist der Markt für die älteren Insektizidkategorien in den letzten Jahren deutlich kleiner geworden. Der Absatz von Organophosphaten, Carbamaten und Pyrethroiden hatte seinen Höhepunkt im Jahr 1995, wohingegen die durchschnittliche Wachstumsrate in den letzten Jahren bei allen diesen Kategorien real zurückgegangen ist. Im Jahre 2000 war der Gesamtumsatz bei den älteren Wirkstoffen wie auch bei den Organophosphaten, Carbamaten und Pyrethroiden rückläufig. Ein starkes positives Wachstum wurde nur bei den neuen, auf natürlicher Basis beruhenden Produkten und den Neonicotinoiden - vor allem bei Imidacloprid - beobachtet. Die Neonicotinoide nahmen im Jahr 2000 um 8,3 % zu. Di

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.