Europäische Union

98/526/EG: Entscheidung der Kommission vom 4. Februar 1998 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und mit dem EWR-Abkommen (Sache Nr. IV/M.950 - Hoffmann-La Roche/Boehringer Mannheim) (Bekanntgegeben unter Aktenzeichen K(1998) 70) (Nur der englische Wortlaut ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Quellenkennung: 31998D0526. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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ärkte von dem Zusammenschluß beeinträchtigt: Österreich (kombinierter Marktanteil [< 40 %], davon BM [< 30 %] und Roche [< 10 %]), Norwegen (kombinierter Marktanteil [< 30 %], davon BM [< 30 %] und Roche [< 10 %]), Deutschland (kombinierter Marktanteil [< 20 %], davon BM [< 20 %] und Roche [< 10 %]) und Spanien (kombinierter Marktanteil [< 20 %], davon BM [< 20 %] und Roche [< 10 %]). Auf allen diesen Märkten sind namhafte Wettbewerber tätig, vor allem Abbott, der Immunchemie-Weltmarktführer mit Marktanteilen in der gleichen Größenordnung wie BM in diesen Ländern, Dade Behring, dessen Marktanteil deutlich über dem von Roche, aber unter dem von BM liegt, und Beckman. (114) Auf der zweiten Stufe der EDMA-Klassifizierung führt der angemeldete Zusammenschluß zu erheblichen Überschneidungen in bestimmten Produktgruppen innerhalb des Bereichs Immunchemie. In der nachstehenden Tabelle sind jene Produktgruppen aufgeführt, in denen der Zusammenschluß, wenn man lediglich den kombinierten Marktanteil der Parteien heranzieht, Wettbewerbsprobleme verursachen könnte. >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (115) Die Tabelle zeigt, daß Roche/BM in einigen Immunchemie-Segmenten Marktanteile in ähnlicher Höhe erreichen würde wie in der klinischen Chemie. Die Marktstellung des fusionierten Unternehmens ist jedoch nicht so solide wie in der klinischen Chemie. Wie oben angegeben sind auf den meisten Märkten bedeutende Wettbewerber tätig, die dem Marktverhalten der Parteien Grenzen setzen werden. Auch auf den beiden Reagenzienmärkten, auf denen der Anteil der Parteien besonders hoch ist (Rheumakrankheiten und Autoimmunerkrankungen sowie Standard- und Kontrollmaterialien in Österreich), hat die Nachprüfung bestätigt, daß der Zusammenschluß keine Wettbewerbsprobleme verursachen wird. Für keines der beiden Produkte gibt es spezielle Geräte. Die Möglichkeit der Parteien, ihre starke Position in diesen Segmenten auszunutzen, wird daher durch ihre viel schwächere Stellung bei anderen Immunchemie-Reagenzien eingeschränkt, die auf dem gleichen Meßgerät zur Anwendung kommen. Und trotz des im wesentlichen nationalen Charakters der Märkte für Diagnostika der Immunchemie wird Dade Behring, das bei Reagenzien für Rheuma- und Autoimmunerkrankungen im EWR und in Deutschland ähnlich hohe Marktanteile erzielt wie die Parteien und auch in Österreich stark vertreten ist, bei einem Versuch von Roche/BM, seine Marktstellung in Österreich auszunutzen, zu Gegenmaßnahmen in der Lage sein. Dade Behring verfügt über ausreichende Produktionskapazitäten und Verkaufsinfrastruktur, um sich gegen Roche/BM zu wehren. (116) Die Kommission folgert daraus, daß Roche/BM in der Immunchemie wichtigen Wettbewerbern (vor allem Abbott, Dade Behring und Beckman) gegenüberstehen werden, die auch in den in der obigen Tabelle aufgeführten Marktsegmenten in beträchtlichem Umfang tätig sind. Aus diesen Gründen wird der Zusammenschluß in keinem der Märkte für Immunchemie-Diagnostika zur Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung führen. c) DNA-Sonden 1) Marktstruktur (117) Statistische Angaben von EDMA über DNA-Sonden liegen weiterhin nur teilweise vor, da in der Klassifizierung noch kein Segment vorgesehen ist, das alle einschlägigen Tests umfaßt. Demzufolge konnten die Parteien auch keine nach Mitgliedstaaten aufgeschlüsselten Daten über Marktanteile vorlegen. Nach den übermittelten Daten für die gesamte Gemeinschaft lag das Marktvolumen insgesamt 1996 bei 76 Mio. ECU, das sind 42 % über dem Stand von 1995 (im selben Zeitraum hat Roche seinen Absatz nahezu verdoppelt). Den Angaben ist ferner zu entnehmen, daß Roche eine herausragende Position einnimmt: Sein Marktanteil in den vier zentralen Anwendungsbereichen - Nachweis von HIV, Hepatitis C (HCV), Mycobacterium tuberculosis (MTB) und auf dem Geschlechtsweg übertragene Krankheiten (STD) -, die 1996 [< 70] % (1995: [< 80] %) des gesamten DNA-Sonden-Markts ausmachten, beträgt [< 60] %. Vor allem bei HIV- und HCV-Tests wurden in diesem Zeitraum enorme Zuwächse ([< 400 %] bzw. [< 50] %) verzeichnet. (118) Roche ist als einziges Unternehmen in der Lage, Reagenzien für alle vier Hauptanwendungsbereiche zu liefern und bietet dementsprechend die größte Palette an verfügbaren Tests an. Roche war auch das erste Unternehmen, das einen Test zur Bestimmung der Menge der im Blut eines Patienten enthaltenen Viren auf den Markt gebracht und ein Gerät für maschinelle DNA-Sonden-Tests - den "Cobas Amplicor"-Automaten - eingeführt hat. Damit können in einer Stunde 20 Tests durchgeführt werden. Automaten sind insofern vorteilhaft für die Kunden, als mit ihnen Tests wesentlich schneller durchgeführt werden können als manuell. Ein weiterer Vorteil automatisierter Systeme besteht in dem geringeren Risiko der Verunreinigung von Proben. Später folgten Geräteentwicklungen anderer Firmen (Abbott LCx und Organon Nasba QR), deren Testpalette jedoch in jedem Fall kleiner ist als die des Amplicor-Automaten von Roche. (119) Der Einsatz von DNA-Sonden-Tests und der Stand der Automatisierung solcher Tests scheint von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat erheblich zu variieren. Während in Deutschland, Österreich, Italien, Spanien und Frankreich schon verhältnismäßig viele dieser automatisierten Systeme installiert wurden, gibt es im Vereinigten Königreich, in Irland und in Griechenland überhaupt noch keine. Dies läßt sich u. a. dadurch erklären, daß die nationalen Kostenerstattungsregelungen, wie bereits erwähnt, auf die Entwicklung der IVD-Industrie insgesamt starken Einfluß ausüben. Doch selbst in den Mitgliedstaaten, in denen die Automatisierung der DNA-Sonden-Tests noch nicht sehr weit fortgeschritten ist, dürften die Marktanteile der Parteien nach den von ihnen vorgelegten Angaben nicht wesentlich von dem für die Gemeinschaft insgesamt übermittelten Wert abweichen. Für die vorliegende wettbewerbsrechtliche Würdigung geht die Kommission deshalb davon aus, daß der gegenwärtige Marktanteil von Roche in den einzelnen Mitgliedstaaten sich in derselben Größenordnung bewegt wie in der Gemeinschaft insgesamt. 2) Marktstellung der Parteien i) Roche (120) Roche hat, wie erwähnt, auf dem Markt der DNA-Sonden eine sehr starke Stellung. Ursache hierfür ist die Vielzahl an Patenten, über die das Unternehmen für das wichtigste einschlägige Verfahren, die Polymerase-Kettenreaktion (Polymerase Chain Reaction (PCR)), verfügt. Diese Methode hat sich mittlerweile als Standard sowohl in der Forschung als auch in der Industrie etabliert. Roche hat die PCR-Technik 1991 von dem US-amerikanischen Unternehmen Cetus erworben und seither in immer mehr Bereichen für kommerzielle Zwecke eingesetzt. Neben drei PCR-Grundpatenten, die zwischen 1987 und 1990 in den Vereinigten Staaten erteilt wurden, hält Roche mindestens 81 Patente für technische Verbesserungen, wichtige Enzyme zur Durchführung der Kettenreaktion, spezifische Krankheitserreger, Nachweismethoden, Zielinformationen über Krebszellen usw. Viele dieser Folgepatente wurden in der zweiten Hälfte der 90er Jahre erteilt. So erhielt Roche zum Beispiel im November 1996 vom Europäischen Patentamt (EPA) ein Patent für ein Enzym, das für die PCR von zentraler Bedeutung ist, nämlich die sogenannte "Taq-Polymerase". Dieses Enzym spielt laut Aussage des Unternehmens eine äußerst wichtige Rolle im PCR-Verfahren. Durch die Entscheidung des Europäischen Patentamts sei der schon starke Patentbestand des Unternehmens auf dem Gebiet der DNA-Amplifikation ganz erheblich aufgewertet worden. Man kann also davon ausgehen, daß Roche noch bis weit ins 21. Jahrhundert hinein über einen bedeutenden Patentschutz in bezug auf die PCR-Technik verfügen wird. (121) Seit dem Erwerb der Technik hat Roche nicht nur mehrere PCR-Tests erfolgreich auf den Markt gebracht, sondern das Verfahren - durch die Erteilung von weltweit 450 Lizenzen (davon 150 in Europa) - auch in der Forschung mit sehr großem Erfolg verbreitet. Seine Forschungslizenzen wurden sowohl von Forschungseinrichtungen (Hochschulen usw.) als auch von konkurrierenden Diagnostika-Herstellern (u. a. BM) erworben (10). Der Umstand, daß die PCR erfolgreich als erste DNA-Sonden-Technik vermarktet wurde, führte zusammen mit der großzügigen Erteilung von Forschungslizenzen durch Roche dazu, daß in den meisten Veröffentlichungen über DNA-Sonden das PCR-Verfahren im Vordergrund steht. Alle Veröffentlichungen, die die Parteien im Verlauf der von der Kommission angestellten Untersuchungen vorgelegt haben, bestätigen den Eindruck, daß PCR auch in absehbarer Zukunft die kommerziell weitaus wichtigste Methode für DNA-Sonden-Tests sein wird. Diese Einschätzung wurde im Verlauf der Untersuchungen auch von anderen IVD-Firmen bestätigt. (122) Die Forschungslizenzen verleihen den Lizenznehmern nicht das Recht, Produkte oder Geräte, bei denen die patentierte PCR-Methode zum Einsatz gelangt, zu vermarkten. Roche hat diese Einschränkung der von ihr erteilten einschlägigen Lizenzen aktiv und erfolgreich, gegebenenfalls auch vor Gericht, durchgesetzt. Daraus läßt sich schlußfolgern, daß keines der Unternehmen, das eine PCR-Forschungslizenz hält, aufgrund dieser in der Lage sein wird, eigene DNA-Sonden-Tests auf den Markt zu bringen und so die starke Marktstellung von Roche anzutasten. ii) BM (123) BM erhielt 1993 von Roche eine Lizenz für die Anwendung der PCR-Technik in der Forschung und hat seither das bereits erwähnte PCR-Schlüsselenzym "Taq-Polymerase" hergestellt und an Forschungslabors verkauft. Davon abgesehen ist BM laut Anmeldung der Parteien nicht auf dem DNA-Sonden-Markt tätig und hat auch keine entsprechenden Produkte entwickelt. (124) Die Nachforschungen der Kommission haben jedoch ergeben, daß BM vor dem geplanten Zusammenschluß sowohl allein als auch in Verbindung mit Roche erhebliche Anstrengungen unternommen hat, um sich auf dem Markt zu positionieren. (125) Zu den eigenständig getroffenen Maßnahmen gehört ein Programm, in dessen Rahmen BM in beträchtlichem Umfang DNA-Sonden-relevante Patente (mindestens 126) erworben hat. In einer der Kommission vorgelegten Liste werden diese Patente in drei Kategorien unterteilt: 46 Patente für Verfahren zur Umgehung der PCR-Methode; 60 allgemeine Patente für analytspezifische Formate und für die Verbesserung des Amplifikationsverfahrens sowie der Probenaufbereitung; 20 Patente für die 1994 von einer dänischen Firma erworbene alternative "PNA"-Methode. (126) Bei den Nachforschungen der Kommission haben sich aber auch noch andere Anhaltspunkte für das Interesse von BM ergeben, sich selbst als unabhängiger Anbieter von sowohl Reagenzien als auch Geräten auf dem DNA-Sonden-Markt zu etablieren. Für die Reagenzien hat das Unternehmen Kooperationsvereinbarungen mit insgesamt zehn unabhängigen Firmen geschlossen, die ohne Ausnahme DNA-Sonden-Produkte für BM herstellen. Diese Vereinbarungen beziehen sich sowohl auf Forschungsanwendungen als auch auf kommerzielle Anwendungen; fünf davon räumen BM ausschließliche Produktrechte ein. Schließlich entwickelt BM derzeit intern DNA-Sonden-Tests zum Nachweis von u. a. HIV. Für das Gerätegeschäft hat BM eine Vereinbarung mit dem US-amerikanischen Unternehmen Idaho Technologies über den Vertrieb von Geräten für DNA-Sonden-Tests an Forschungslabors getroffen. BM hat darüber hinaus selbst ein Programm für die Produktion eines solchen Geräts aufgestellt. Nach Aussage der Parteien wird BM seine Entwicklungsprojekte nach Vollzug des Zusammenschlusses einstellen. (127) Aus den vorstehenden Gründen läßt sich zusammenfassend feststellen, daß BM vor dem Fusionsvorhaben mehrere Projekte in die Wege geleitet hatte, um unabhängig von Roche den Einstieg in den DNA-Sonden-Markt vorzubereiten. Es ist allerdings aufschlußreich, daß BM parallel zu diesen eigenständigen Maßnahmen zur Vorbereitung des Marktzutritts vier Jahre lang auch in Forschung, Entwicklung und Nutzung der DNA-Sonden-Technik mittels PCR investiert hat. Dies bestätigt zum einen den Vorsprung der PCR-Methode gegenüber anderen Verfahren (s. u.) und deutet zum anderen darauf hin, daß BM ungeachtet des Zusammenschlusses einen starken Anreiz hatte, entweder sich mit Roche über eine Lizenz für die Vermarktung der PCR-Produkte zu einigen oder die eigenen Anstrengungen zur Entwicklung und/oder zum Erwerb eines alternativen Verfahrens fortzusetzen. Nach Aussage des Leiters des Geschäftsbereichs Diagnostika von Roche hatten sich die beiden Unternehmen schon vor dem Zusammenschlußvorhaben über einen Lizenzvertrag zur Vermarktung von PCR-Produkten durch BM geeinigt, der lediglich wegen der geplanten Fusion nicht geschlossen worden sei. (128) Entgegen den Andeutungen der Parteien in der Anmeldung muß somit der Schluß gezogen werden, daß BM vor dem Zusammenschlußvorhaben wichtige Projekte für den DNA-Sonden-Markt geplant hatte und auch ohne die Übernahme durch Roche in diesen Markt eingetreten wäre. 3) Geringe Bedeutung alternativer Verfahren (129) Den Parteien zufolge sind auf dem DNA-Sonden-Markt die Unternehmen Abbott, Chiron, Organon und Genprobe sowie eine Reihe "anderer" Firmen vertreten, die Erzeugnisse anbieten, welche trotz gewisser Unterschiede in den Merkmalen und der Handhabung im wesentlichen gleichwertig sein sollen. Die Nachforschungen der Kommission haben jedoch ergeben, daß keines dieser Unternehmen gegenwärtig in der Lage ist, den Roche-Produkten entsprechende Erzeugnisse für DNA-Sonden herzustellen (dies wird auch durch den zuvor erwähnten Marktanteil von Roche bestätigt). (130) Abbott, Organon und Genprobe haben EWR-weit bei DNA-Sonden einen Marktanteil von jeweils unter 5 %. Sie bieten nur eine begrenzte Zahl von Tests an, und die von ihnen alternativ verwendeten Methoden werden von den meisten Branchenbeobachtern als der PCR-Technik unterlegen angesehen. Diese Unternehmen sind somit derzeit nicht in der Lage, Roche auf dem DNA-Sonden-Markt ernsthaft Konkurrenz zu machen. Es gibt auch keine Hinweise darauf, daß sich diese Situation in absehbarer Zeit ändern könnte. (131) Chiron ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das sich vor allem auf die Diagnose von Infektionskrankheiten spezialisiert hat. Für DNA-Sonden-Tests verwendet es die sogenannte "Branched DNA"-Methode. Der Anmeldung zufolge beschränkt sich die Tätigkeit von Chiron im DNA-Sonden-Markt ausschließlich auf die Erkennung von HIV und Hepatitis C (HCV), wo das Unternehmen über bedeutende Patentrechte und - mit 23 bzw. 25 % - über verhältnismäßig hohe Marktanteile im EWR verfügt. Auf dem DNA-Sonden-Markt insgesamt liegt der Marktanteil von Chiron damit bei 14 % (bzw. 20 %, wenn nicht automatisierte Tests der Kategorie "sonstige Tests" ausgeschlossen werden; s. u.). Das Unternehmen ist im DNA-Sonden-Markt kein unbedeutender Anbieter, hat jedoch den schwerwiegenden Nachteil, daß ihm ein Gerät für automatisierte Tests fehlt. Weiter wird seine Fähigkeit, Roches Marktstellung wesentlich zu erschüttern, durch den Umstand eingeschränkt, daß es in zwei der wichtigsten Segmente des DNA-Sonden-Markts - Nachweis des Mycobacterium tuberculosis (MTB) und Erkennung auf dem Geschlechtsweg übertragener Krankheiten (STD) - überhaupt nicht vertreten ist. Diese Erkenntnis wird durch das Gutachten eines Beratungsunternehmens bestätigt, das Roche vorgelegt hat und dem zufolge die "Branched-DNA"-Methode von Chiron zwar für die Feststellung bestimmter Signalschwellenwerte ("application signal thresholds") sehr geeignet ist, jedoch nicht weiter in die für die Amplifikation von Nukleinsäuren nutzbaren IVD-Anwendungen vordringen dürfte. (132) Die Kategorie der "sonstigen Tests", die nach den Angaben der Parteien rund 30 % des gesamten DNA-Sonden-Markts ausmachen, umfassen hauptsächlich diagnostische Parameter, deren Marktumsatz deutlich unter dem der vier Tests liegt, die der Amplicor-Automat der Firma Roche hauptsächlich durchführt. Die "sonstigen" Tests dienen u. a. zum Nachweis von Viren (z. B. THLV I/II oder Enterovirus) und zur Erkennung von Genschäden oder Krebszellen. Die Kategorie umfaßt ferner auch den Absatz von Geräten und Einwegmaterial. Bis auf Roche erzielt keines der genannten Unternehmen in diesem Bereich Umsätze. Laut den Parteien basieren über 80 % der Produkte dieser Kategorie auf der PCR-Methode von Roche. Die restlichen 20 % dürften zum größten Teil auf Geräte und Einwegmaterial entfallen. (133) Da diese "sonstigen Tests" sich überwiegend noch im Forschungsstadium befinden und von vielen kleinen Unternehmen oder Forschungseinrichtungen angeboten werden, die mit Roche einen Forschungslizenzvertrag geschlossen haben, muß davon ausgegangen werden, daß keiner von ihnen ohne die Beteiligung der Firma Roche vermarktet werden kann. (134) Die meisten Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der DNA-Sonden werden, wie bereits erwähnt, auf der Grundlage der PCR-Methode von Roche geleistet. Diese Feststellung unterstreicht den Umstand, daß die PCR inzwischen zum Industriestandard geworden ist. Der verbreitete Einsatz dieser Technik ist für Roche von großem Wert, da es das Unternehmen als einziges in die Lage versetzt, bei der Vermarktung sämtlicher Produkte mitzuwirken, die Ergebnisse dieser Forschungsanstrengungen sind. Sollten Erzeugnisse dieser Kategorie aufgrund ihrer Nähe zur Forschung zur Berechnung der Marktanteile auf dem DNA-Sonden-Markt herangezogen werden, müßten die entsprechenden Aktivitäten logischerweise auch bei Roches Marktanteil berücksichtigt werden, da das Unternehmen aufgrund seiner Patentrechte in der Lage ist, Einfluß auf die Vermarktung solcher Produkte zu nehmen. In diesem Fall läge der Marktanteil des Unternehmens sogar noch höher als weiter oben geschätzt, nämlich bei 66 %. 4) Marktentwicklung (135) Da die DNA-Sonden-Technik ein verhältnismäßig junger Markt mit hohen Wachstumsraten ist, muß geprüft werden, ob die beherrschende Stellung von Roche tragbar ist. Die diesbezügliche Argumentation der Parteien lief darauf hinaus, daß sich der DNA-Sonden-Markt noch im Anfangsstadium befindet und Marktanteilsangaben infolgedessen für die Einschätzung der Wettbewerbssituation nur geringe Aussagekraft haben. Die Kommission räumt ein, daß bei Aussagen über die wahrscheinliche Entwicklung von Märkten, in denen der technologische Fortschritt eine wichtige Rolle spielt, mit großer Sorgfalt vorgegangen werden muß. Eine Marktanalyse ergibt aber ganz eindeutig, daß die Marktstellung von Roche aus den dargelegten Gründen auch weiterhin gut abgesichert ist. Im Gegensatz zu anderen Fällen, in denen die Kommission zu dem Schluß gekommen war, daß hohe Marktanteile im Lauf der Zeit infolge des Wettbewerbs ausgehöhlt würden (11), wurden auf den fraglichen Märkten keine starken Marktanteilsschwankungen beobachtet. Die führende Marktposition von Roche hat sich seit dem Erwerb der PCR-Technik im Jahr 1991 nicht verändert. Die Nachforschungen der Kommission haben auch keinen Hinweis auf einen grundlegenden Wandel der Marktstruktur in der Zukunft ergeben. Ganz im Gegenteil: Aus allen Unterlagen, die die Parteien und Dritte vorgelegt haben, geht hervor, daß die gesamte Branche in der PCR auch künftig das wichtigste Verfahren sieht. Eine von den Parteien vorgelegte Studie prognostiziert, daß der Marktanteil der PCR-Methode bis zum Jahr 2002 auf 75 % und bis 2005 sogar auf 80 % ansteigen wird. Daraus ist zu folgern, daß der fragliche Markt sich trotz der hohen Wachstumsrate nicht mehr in einem Anfangsstadium befindet, in dem erhebliche Ungewißheit darüber herrscht, welche Technik sich als Industriestandard durchsetzen wird. Die Kommission kommt daher zu dem Schluß, daß die Position von Roche auf dem DNA-Sonden-Markt in absehbarer Zeit nicht durch dynamische Marktentwicklungen in Frage gestellt wird. (136) Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, daß Roche bei DNA-Sonden in allen Mitgliedstaaten eine marktbeherrschende Stellung innehat und daß es derzeit kein Verfahren gibt, das der PCR-Methode in absehbarer Zukunft ernsthaft Konkurrenz machen könnte. 5) Auswirkungen des geplanten Zusammenschlusses (137) Vor dem fraglichen Zusammenschluß hat Roche sich drei Jahre lang auch mit einer Reihe anderer Kandidaten für eine mögliche Übernahme befaßt (bis auf Abbott praktisch alle größeren IVD-Firmen). Strategisches Ziel des Unternehmens dabei war, wie aus seinen Unterlagen eindeutig hervorgeht, sich für die Vermarktung von PCR-Produkten eine möglichst breite Basis zu schaffen und Wege zur erfolgreichen Bündelung des Absatzes von Erzeugnissen der klinischen Chemie und der Immunchemie sowie von DNA-Sonden zu eröffnen. (138) Die Marktführerschaft von BM bei Erzeugnissen der klinischen Chemie in Europa, seine Stellung als einer der größten Anbieter von Erzeugnissen der Immunchemie, die Präsenz von BM-Produkten in den meisten Labors und eine diesen Tätigkeiten angemessene Absatz- und Marketingorganisation kommen dieser Zielsetzung entgegen. Es ist deshalb davon auszugehen, daß Roche durch den direkten Zugang zum Absatz- und Marketingnetz von BM in die Lage versetzt wird, seine beherrschende Stellung auf dem DNA-Sonden-Markt zu festigen und weiter auszubauen. (139) Obwohl die Kombination von DNA-Sonden mit Tests der klinischen Chemie auf einem Gerät auf absehbare Zeit technisch nicht möglich sein wird, lassen Roches eigene Ausführungen klar erkennen, daß das Unternehmen die Bündelung von Erzeugnissen der klinischen Chemie und der Immunchemie sowie von DNA-Sonden für machbar und vorteilhaft hält. Die Vermutung liegt daher nahe, daß Roche nach der Übernahme von BM eine solche Geschäftsstrategie verfolgen wird. Auch wenn Roche, wie dargelegt, schon jetzt in den Bereichen klinische Chemie und Immunchemie tätig ist, würde die hervorragende Marktposition von BM, vor allem bei Produkten der klinischen Chemie, die Aussichten von Roche auf eine erfolgreiche Bündelung mit DNA-Sonden-Erzeugnissen signifikant erhöhen. Dieser Effekt des geplanten Zusammenschlusses würde die beherrschende Stellung des Unternehmens auf dem DNA-Sonden-Markt deutlich festigen und weiter verstärken. (140) Schließlich steht fest, daß ohne den Zusammenschluß BM in den DNA-Sonden-Markt eingestiegen wäre, und zwar entweder als unabhängiger Anbieter und/oder mit Hilfe einer Roche-Lizenz. Die Anreize für den Marktzutritt ergeben sich schon aus dem Umstand, daß DNA-Sonden der einzige rasch expandierende Produktmarkt im Bereich der In-vitro-Diagnostik sind. Als einer der weltweit führenden Diagnostika-Hersteller hätte BM in jedem Fall einen starken Anreiz zum Eintritt in den DNA-Sonden-Markt, da sonst auf lange Sicht die Gefahr besteht, daß das Unternehmen seine bisherige Stellung auf anderen Märkten verliert. Bei einem Marktzutritt des Unternehmens als unabhängiger Anbieter kann aus den dargelegten Gründen - Absatzorganisation und Kundenbasis, Fähigkeit zur Bündelung des Produktangebots - davon ausgegangen werden, daß BM die größten Chancen hätte, um Roche auf den europäischen Märkten potentiell Konkurrenz zu machen. Daraus ergibt sich, daß Roche seine beherrschende Stellung im DNA-Sonden-Markt weiter festigen und sogar verstärken würde, wenn es durch Übernahme von BM den größten potentiellen Wettbewerber in Europa ausschaltet. (141) Sowohl Abnehmer als auch Wettbewerber von Roche und BM haben weitgehend bestätigt, daß der geplante Zusammenschluß zu den vorstehend beschriebenen Konsequenzen führen dürfte. Einige befürchten insbesondere, daß Roche seine marktbeherrschende Stellung bei DNA-Sonden weiter ausbauen würde. Als Beleg für die mögliche Ausnutzung dieser Marktstellung haben mehrere Abnehmer die beispiellose Praxis des Unternehmens angeführt, von seinen Kunden, d. h. den Labors, einen festen prozentualen Anteil am Umsatz mit PCR-Tests als "Lizenzgebühr" zu verlangen. Sie befürchten, daß diesen und ähnlichen Praktiken durch den Zugang von Roche zum BM-Absatznetz weiter Vorschub geleistet würde. (142) Abschließend ist festzuhalten, daß Roche schon vor dem geplanten Zusammenschluß bei DNA-Sonden im EWR einen Marktanteil von [< 70] %

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.