Europäische Union

98/526/EG: Entscheidung der Kommission vom 4. Februar 1998 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und mit dem EWR-Abkommen (Sache Nr. IV/M.950 - Hoffmann-La Roche/Boehringer Mannheim) (Bekanntgegeben unter Aktenzeichen K(1998) 70) (Nur der englische Wortlaut ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Quellenkennung: 31998D0526. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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eeinflußt der Gerätebestand erheblich den künftigen Geräteabsatz, da ein Anbieter in der klinischen Chemie wesentlich einfacher an Einrichtungen verkaufen kann, die bereits Kunde sind und bei denen er die Entscheidungsträger und den Ersatzbedarf kennt, als an Abnehmer, zu denen er noch keine Lieferbeziehungen hatte. Die für die Beschaffung von Geräten der klinischen Chemie verantwortlichen Personen sind oftmals nicht die gleichen, die über den Kauf anderer IVD-Geräte entscheiden, so daß ein Hersteller mit einem großen Bestand an anderen Geräten wie Abbott nicht den gleichen Zugang zu Abnehmern in der klinischen Chemie hat. (75) Die Wahl des Geräts erzeugt eine gewisse Bindewirkung unabhängig davon, ob das Gerät als solches gekauft oder als Gegenleistung für den Abschluß eines Reagenzien-Kaufvertrags empfangen wurde. Diese Bindewirkung kann sowohl aus vertraglichen Verpflichtungen als auch aus ökonomischen Erwägungen im Zusammenhang mit dem Laborbetrieb resultieren. Hat ein Kunde das Gerät gekauft, wird er es normalerweise nicht vor Ende des Abschreibungszeitraums (in der Regel fünf Jahre) ersetzen wollen. Hat er das Gerät als Gegenleistung erhalten, werden die Reagenzien-Lieferverträge mit Roche und BM meistens für fünf Jahre geschlossen. Während des Vertragszeitraums ist der Kunde - über mehrere Jahre hinweg - verpflichtet, Reagenzien (für einen bestimmten Betrag/Jahr oder in Form einer Mindestabnahmemenge von Testkits) bei dem betreffenden Gerätelieferanten zu bestellen. In den von Roche vorgelegten Standardverträgen ist keine Klausel zur vorzeitigen Vertragsauflösung vorgesehen. Die jährliche Mindestabnahmemenge wird für jeden Kunden individuell nach dem voraussichtlichen Jahresverbrauch berechnet. Außerdem haben die Abnehmer einen wirtschaftlichen Anreiz, einen möglichst großen Anteil bestimmter Tests an ein- und demselben Gerät abzuwickeln, da dies der einfachste Weg zur Verringerung der Teststückkosten ist (optimale Nutzung des investierten Kapitals, minimale Schulungskosten für das Personal usw.). Im Gesamtpreis ist auch eine Mietgebühr für das Meßgerät enthalten, für die der ursprüngliche Gerätepreis, die Vertragslaufzeit, der Wert des Geräts bei Vertragsende und die Kapitalkosten ausschlaggebend sind. Außerdem werden in den Verträgen die Zusatzleistungen wie Schulung des Laborpersonals, Wartung und Ersatzteile geregelt. (76) Der Gerätebestand der Parteien in der klinischen Chemie wäre mit über [< 9 000] (BM [< 6 200] und Roche [< 2 400]) im EWR mindestens dreimal so hoch wie der der nächstgrößten Wettbewerber (J& J und Bayer mit jeweils weniger als 2 300 Geräten) und würde auch in jedem einzelnen Mitgliedstaat über dem des größten Konkurrenten liegen. Die nachstehende Tabelle zeigt den Gerätebestand der Parteien und ihrer wichtigsten Wettbewerber in den Mitgliedstaaten, in denen die Marktanteilsaddition auf wettbewerbsrechtliche Probleme hindeutet. >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (77) Der beachtliche Gerätebestand und die damit einhergehende Abnehmerzahl würde die Marktstellung der Parteien weiter stärken. Laut einer von Roche der Anmeldung beigefügten Unterlage kann BM in der klinischen Chemie wegen seines hohen Gerätebestands und seiner umfangreichen Reagenzienproduktion erhebliche Skaleneinsparungen und sehr hohe Margen ([ . . . ] %) erzielen. Das Verhältnis zwischen Reagenzien- und Gerätegeschäft (75:25, d. h. 75 % Reagenzien) sei sehr gut, und BM würde trotz der Offenheit seiner Systeme wegen der Qualität seiner Reagenzien viele Geräteabnehmer an sich binden und damit seine Margen beibehalten. (78) Der Zusammenschluß führt nicht nur zur Verbindung der beiden zahlenmäßig größten Gerätebestände in Europa. Die Geschäftstätigkeiten der Parteien ergänzen sich auch in großem Maße, da sie gemeinsam als einziger Anbieter Geräte in sämtlichen Größen liefern könnten. Während der Schwerpunkt von BM traditionell bei den mittelgroßen bis sehr großen Geräten liegt, war Roche mit seinem "Cobas Mira" bisher immer im Segment für kleine Geräte am stärksten vertreten. Deswegen würde es für Konkurrenten voraussichtlich immer schwieriger, die starke kombinierte Marktstellung von Roche/BM insgesamt oder durch Konzentration auf bestimmte Marktsegmente anzugreifen. (79) Ein Vergleich des Gerätebestands der Parteien mit dem der sechs wichtigsten Konkurrenten in Europa (J& J, Beckman, Bayer, Dade Behring, Merck, Olympus) zeigt die Vorteile, die das fusionierte Unternehmen in jenen Mitgliedstaaten genießen würde, in denen der kombinierte Marktanteil auf eine beherrschende Stellung von Roche/BM schließen läßt. Der Gerätebestand läßt sich auf zweierlei Weise vergleichen: Der Gesamtbestand unabhängig von der Gerätegröße gibt Aufschluß über die Abnehmerbasis und Geschäftskontakte eines Anbieters. Eine Betrachtung nach Gerätegröße gibt Aufschluß über den durch die verschiedenen Gerätegrößen bewirkten Reagenzienabsatz und gewährleistet die Vergleichbarkeit der jeweiligen Geräte. (80) In Österreich verfügt BM über den größten Gerätebestand und Roche über den zweitgrößten. Gemeinsam wäre ihr Gerätebestand fast dreimal so umfangreich wie der der sechs nächstgrößten Anbieter zusammen. Auch in den einzelnen Marktsegmenten - mit Ausnahme der kleinen Geräte, wo Roche führend ist - liegt BM an erster Stelle. Ihr gemeinsamer Gerätebestand wäre in jedem einzelnen Marktsegment erheblich größer als der der sechs nächstgrößten Anbieter zusammen. (81) In Deutschland verfügt BM über den größten Gerätebestand und Roche über den zweitgrößten. Gemeinsam wäre ihr Gerätebestand fast zweimal so umfangreich wie der der sechs übrigen Anbieter zusammen. Auch in den einzelnen Marktsegmenten liegt BM an erster Stelle. Der gemeinsame Gerätebestand von BM und Roche wäre in jedem einzelnen Marktsegment mit Ausnahme des mittleren Segments, wo die sechs Konkurrenten gemeinsam vorne lägen, größer als der der Konkurrenten zusammen. (82) In Spanien verfügt BM über den größten Gerätebestand sowohl insgesamt als auch in den einzelnen Segmenten mit Ausnahme der kleinen Geräte. Roche ist bei den kleinen Geräten stark und liegt bei den großen Geräten an vierter Stelle. Der gemeinsame Gerätebestand von BM und Roche wäre insgesamt und in jedem einzelnen Marktsegment mit Ausnahme des mittleren Segments genauso groß wie der der sechs Konkurrenten zusammen. (83) In Portugal und Finnland verfügt BM über den größten Gerätebestand sowohl insgesamt als auch in den einzelnen Segmenten. Roche liegt an zweiter Stelle (fast ausschließlich kleine Geräte). Der gemeinsame Gerätebestand von BM und Roche wäre in jedem einzelnen Marktsegment größer als der der sechs Konkurrenten zusammen. (84) In Schweden ist Roche der Marktführer bei kleinen Geräten, BM bei mittelgroßen und großen. Nur Bayer hat ein sehr großes Gerät verkauft. Roche und BM wären außer bei den sehr großen Geräten in allen Segmenten und auch insgesamt genauso stark oder stärker als die übrigen Wettbewerber zusammengenommen. (85) In Dänemark verfügt Roche über den größten Gerätebestand und BM über den drittgrößten (nach Bayer). Der gemeinsame Gerätebestand von BM und Roche wäre insgesamt und in jedem einzelnen Marktsegment der größte und überträfe den der sechs Konkurrenten zusammen in allen Segmenten außer bei den mittelgroßen Geräten, wo J& J die meisten Geräte verkauft hat. (86) In Italien verfügt BM über den größten Gerätebestand und Roche über den drittgrößten. BM führt auch in den einzelnen Segmenten mit Ausnahme der mittelgroßen Geräte, wo Beckman am stärksten vertreten ist. Gemeinsam würden Roche und BM jeden Konkurrenten einzeln übertreffen, nicht jedoch den kombinierten Anteil aller sechs. (87) In Norwegen ist Roche bei kleinen Geräten führend. J& J ist so groß wie Roche/BM zusammen bei mittelgroßen und großen Geräten, und Bayer liegt bei den sehr großen Geräten vor Roche/BM. Insgesamt wäre der Gerätebestand von Roche und BM nicht größer als der von J& J und Bayer zusammen. (88) Dieser Vergleich zeigt, daß BM in den Ländern, in denen es schon vor dem Zusammenschluß über eine beherrschende Stellung verfügte (Österreich, Deutschland, Spanien), eindeutig die Mehrheit des Gerätebestands kontrolliert. Diese Stellung würde durch die Addition des Gerätebestands von Roche, das vor allem im Kleinsegment stark ist, weiter gefestigt. In Portugal, Finnland, Schweden und Dänemark wäre der gemeinsame Gerätebestand der Parteien genauso groß oder größer als der der sechs Wettbewerber zusammen. In Italien wäre er so hoch wie der der vier nächstgrößten Konkurrenten. In Norwegen legt der Vergleich des Gerätebestands die Prognose nahe, daß das fusionierte Unternehmen keine beherrschende Stellung innehaben wird, da J& J und Bayer seine Marktführerschaft wirksam angreifen können. (89) Sowohl für die Reagenzien als auch für die Meßgeräte gilt daher die Schlußfolgerung, daß die Kombination des Gerätebestands von Roche und BM die beherrschende Stellung von BM in Österreich, Deutschland und Spanien verstärken und die Begründung einer beherrschenden Stellung in Portugal, Finnland, Schweden, Dänemark und Italien erleichtern würde. iii) Wegfall von Roche als Wettbewerber (90) Durch den Zusammenschluß wird Roche als Wettbewerber vom Markt verschwinden. In Österreich und Dänemark führt schon dieser Umstand an sich zu einer nennenswerten Verringerung des Wettbewerbs, da Roche zu den stärksten Konkurrenten von BM zählt (an zweiter Stelle in Österreich, an dritter in Dänemark). (91) In Bezug auf jene Märkte, auf denen Roche nicht zu den drei größten Wettbewerbern zählt, ist dennoch zu berücksichtigen, daß Roche in den jüngsten Jahren zu den dynamischsten Unternehmen der IVD-Branche gehörte. In einer von den Parteien vorgelegten unabhängigen Marktstudie wird erwähnt, daß Roche mit einem Einnahmezuwachs von 7 % in der klinischen Chemie in Europa 1995/96 eines der Unternehmen mit den höchsten Wachstumsraten im IVD-Bereich war. Die Marktmacht von Roche in der klinischen Chemie wurde durch die erfolgreiche Einführung der neuen Großgerätefamilie "Roche Integra" gestärkt, mit der das früher überwiegend im Kleingerätebereich tätige Unternehmen BM in dessen Schwerpunktgeschäft herauszufordern begonnen hatte. iv) Vermehrte Möglichkeiten der Bündelung von Produkten und Leistungen (92) Die Bedeutung eines breiten Produktangebots und der damit verbundenen Möglichkeit zur Bündelung von Erzeugnissen aus mehreren IVD-Feldern für den Wettbewerb wurde von Roche eindeutig anerkannt. Der Leiter des Geschäftsbereichs Diagnostik von Roche stellte in diesem Zusammenhang fest, daß sein Unternehmen in der Erlangung einer führenden Stellung in vielen Diagnostik-Disziplinen mehrere Vorteile sieht: zum einen die Bündelung von Produkten und Serviceleistungen für die gleiche Abnehmerschaft und zum zweiten das Angebot von Gesamtlösungen für den Gesamtbedarf eines Labors. (93) Das einzigartige Bündelungspotential von Roche/BM wurde vom Leiter des Geschäftsbereichs Diagnostik von Roche ebenfalls anerkannt, als er im Hinblick auf die Vorteile der Übernahme eines anderen Unternehmens als BM zu dem Ergebnis gelangte, daß Roche in Verbindung mit BM das einzige Unternehmen wäre (mit Ausnahme von BMD (BM) ), das Chemie und Immunchemie erfolgreich miteinander verbinden könnte. (94) Diese Feststellung, daß BM zur Zeit als einziger Anbieter in der Lage ist, klinische Chemie und Immunchemie erfolgreich miteinander zu verbinden, wird durch die schwache Stellung sämtlicher vorhandenen Wettbewerber im Bereich klinische Chemie und durch die Tatsache, daß der Immunchemie-Marktführer Abbott zur Zeit nicht in der klinischen Chemie tätig ist, bestätigt. Die Kombination Roche/BM hätte aber auch deswegen eine Ausnahmestellung, weil sie als einziger Anbieter erfolgreich klassische und/oder Immunchemie mit DNA-Sonden (s. u.) kombinieren könnte. 2) Angreifbarkeit der Marktstellung (95) Das Verfahren hat auch ergeben, daß weder vorhandene oder potentielle Konkurrenten noch eine Gegenmacht auf der Nachfrageseite die beherrschende Stellung von Roche/BM gefährden könnte. i) Vorhandene Wettbewerber (96) Die Marktanteile der wichtigsten Wettbewerber wurden bereits oben im Zusammenhang mit den Marktanteilen von Roche/BM analysiert. Wie dort schon erwähnt, sind die größten Konkurrenten J& J, Beckman, Bayer, Dade Behring, Merck und Olympus. Bei der Bewertung der Wettbewerbsmacht dieser Unternehmen ist zusätzlich zu ihrer schwachen Stellung (nach Marktanteilen und Gerätebestand) auch der Umstand zu berücksichtigen, daß die Stellung von zwei der fünf größten Konkurrenten, Merck und Bayer, ständig schwächer wird. Sogar das Engagement von J& J im IVD-Geschäft wurde von Branchenbeobachtern schon bezweifelt. (97) Wie bereits erwähnt, haben nach Auskunft der Parteien alle führenden Diagnostikahersteller die Entwicklung einer neuen Generation von Baustein-Gerätesystemen abgeschlossen oder begonnen, die sowohl in der klinischen Chemie als auch in der Immunchemie und der Virus-Immunologie verwendbar sind (9). Die Parteien sind der Ansicht, daß diese Neuerung eine große Herausforderung für die BM-Marktführerschaft in der klinischen Chemie darstelle. (98) Die Parteien haben angegeben, daß neben ihnen Abbott, Beckman, Dade Behring und Bayer solche "integrierten Meßgerätesysteme" entwickeln. Auch wenn einige Projekte dieser Art durchgeführt werden, überzeugt das Argument der Parteien nicht. Wie der Begriff "Baustein" andeutet, werden diese Geräte der neuen Generation aus mehreren Teilen bestehen, die gemeinsam in einem System funktionieren sollen. Über ein Geräteteil würden Testreihen der klinischen Chemie laufen, über ein anderes solche der Immunchemie und so weiter. (99) Keines dieser Bausteinsysteme wurde bisher im EWR oder anderen Erdteilen auf den Markt gebracht. Das erste System, das man als "Bausteinsystem" bezeichnen könnte, "RXL" von Dade Behring, enthält noch nicht das Systemteil für heterogene Immunchemie-Tests. Das andere Teil, vorgesehen für klinische Chemie und HIA, ist auf dem US-Markt bereits erhältlich. Die Parteien haben nicht belegen können, inwieweit die Einführung von RXL in Europa die Marktstellung von Dade Behring in der klinischen Chemie in nennenswertem Umfang verbessern würde. Sie haben auch nicht aufzeigen können, inwiefern die Einführung eines Bausteinsystems durch Beckman, Bayer oder ein anderes bereits auf dem Markt tätiges Unternehmen deren Marktstellung verbessern könnte. Die Kommission schließt keinesfalls aus, daß solche Bausteinsysteme künftig auf den europäischen Märkten eingeführt werden können; die Parteien haben jedoch nicht nachgewiesen, daß diese Einführung eine Veränderung der Marktmerkmale im Bereich klinische Chemie - d. h. die Bedeutung eines großen Gerätebestands zur Sicherung künftiger Reagenzien- und Ersatzgerätelieferungen (s. o.) - wahrscheinlich macht. Außerdem haben die Parteien bei ihren Ausführungen zu den Bausteinsystemen nicht den Umstand berücksichtigt, daß sich u. U. nicht sämtliche Abnehmer für diese neuen Systeme interessieren würden, auch wenn sie in absehbarer Zeit leicht erhältlich wären. Dies geht aus den Antworten der Abnehmer auf die Kommissionsbefragung und der Tatsache hervor, daß der derzeitige Gerätebestand in der klinischen Chemie eindeutig zeigt, daß der Bedarf der Abnehmer in Bezug auf Größe, Testpalette und Leistung des Geräts erheblich variiert. Schließlich darf keinesfalls außer acht gelassen werden, daß die angeblich kurz bevorstehende Änderung der Marktlage durch die Neueinführung dieser Geräte in Widerspruch stehen würde zu den Überlegungen, die Roche zu der geplanten Übernahme von BM veranlassen. Sollten diese Bausteinsysteme die Marktstellung von BM tatsächlich so schwer bedrohen, wie die Parteien vorgeben, wäre die Übernahme von BM zum Kaufpreis von 11 Mrd. USD wenig sinnvoll, da die Hauptstärke von BM in der klinischen Chemie liegt. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, daß die mögliche Einführung von Baustein-Gerätesystemen die wesentlichen Merkmale des Marktes für Diagnostika der klinischen Chemie (Reagenzien und Meßgeräte) in absehbarer Zukunft nicht grundlegend verändern wird. (100) Auf der Grundlage der obigen Ausführungen ist festzustellen, daß die vorhandenen Wettbewerber in jenen Ländern, in denen der Zusammenschluß eine beherrschende Stellung begründen oder verstärken würde, bereits jetzt angesichts ihrer Marktanteile und ihres Gerätebestands nicht in der Lage sind, die Stellung von Roche/BM wirksam anzugreifen. Es ist auch nicht zu erwarten, daß die mögliche Entwicklung und Einführung von Baustein-Gerätesystemen durch eines dieser Unternehmen ihre Fähigkeit zur Beeinträchtigung der Stellung von Roche/BM nennenswert verbessern würde. ii) Nachfragemacht (101) Die Abnehmerschaft kann nach mehreren Kriterien untergliedert werden; die wichtigsten sind die Eigentumsverhältnisse (öffentliche/private Labors), Mengen-/Leistungsbedarf (große/kleine Labors), und Status (Krankenhauslabors/anerkannte Prüflabors/Arztpraxen). Anzahl und Größe dieser Abnehmer unterscheiden sich von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat und hängen vom Aufbau des Gesundheitswesens in den jeweiligen Ländern ab. In einigen Mitgliedstaaten läßt sich eine gewisse Nachfragekonzentration durch gemeinsamen Einkauf der öffentlichen Labors feststellen, wenn auch nie landesweit, sondern allenfalls auf lokaler oder regionaler Ebene. Unabhängig von nationalen Besonderheiten ist die Nachfrageseite daher sehr viel heterogener als die Angebotsseite. (102) Laut Anmeldung spiegelt sich diese Heterogenität der Nachfrageseite auch in der Kundschaft der beiden Parteien wider. In keinem der Länder, in denen die Nachprüfung mögliche Wettbewerbsprobleme ergeben hat, entfällt ein substanzieller Anteil des CC-Absatzes von Roche oder BM auf ihren größten Abnehmer. Der größte Anteil eines Abnehmers am Absatz beläuft sich auf 13 % (bei Roche in Finnland und Portugal). Ansonsten entfallen auf den größten Einzelabnehmer bei BM zwischen 1 und 8 % und bei Roche zwischen 1 und 10 %. (103) Den Parteien stehen folglich keine mächtigen Abnehmer gegenüber, die einen großen Teil der Gesamtnachfrage in einem bestimmten Land auf sich vereinen. Selbst der größte Abnehmer dürfte daher nicht über eine ausgleichende Nachfragemacht verfügen. Für diese Feststellung spricht auch, daß sogar der (in Deutschland ansässige) Eigentümer der größten Gruppe privater Labors im EWR sich nicht in der Lage sieht, die Marktmacht von Roche/BM zu ignorieren. (104) Auch die Beschaffung in Form der Auftragsvergabe führt nicht zu einer beträchtlichen Steigerung der Nachfragemacht. Nach Auskunft der Parteien spielen Ausschreibungen nur in Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und im Vereinigten Königreich eine nennenswerte Rolle (d. h. mehr als 20 % der Gesamtnachfrage). In Griechenland und im Vereinigten Königreich wird der Zusammenschluß keine beherrschende Stellung begründen. In den übrigen Ländern wird die Marktmacht des neuen Unternehmens voraussichtlich nicht durch die Ausschreibungen beeinträchtigt. Dies wäre nur dann der Fall, wenn die Auftragsvergabe zentral in Form einer geringen Zahl von Großaufträgen stattfinden würde. In Italien bewarben sich die großen Diagnostikaunternehmen um rund 2000 öffentliche Aufträge, die 1996 von Regionalbehörden ausgeschrieben wurden. In Portugal und Spanien nahm Roche im gleichen Zeitraum an je 150 bis 200 Ausschreibungen teil, BM an 300 bis 600. Weniger als 3 % davon entfielen auf eine Zentralbehörde. (105) Auf der Grundlage dieser Feststellungen gelangt die Kommission zu dem Schluß, daß die Marktstellung der Parteien aus strukturellen Gründen nicht durch eine ausgleichende Marktmacht auf der Nachfrageseite eingedämmt würde. iii) Potentieller Wettbewerb (106) Die Marktzutrittsschranken auf dem Markt für Diagnostika der klinischen Chemie sind hoch. Wer hier in nennenswertem Umfang tätig werden will, muß große Summen investieren. Die Entwicklungskosten für ein neues System (Gerät und Reagenzien) werden vom deutschen Diagnostikaherstellerverband (dem sowohl Roche als auch BM angehören) auf zwischen 25 Millionen ECU und 150 Millionen ECU veranschlagt. Eine von den Parteien vorgelegte unabhängige Marktstudie kommt sogar auf über 250 Millionen ECU. Hinzu kämen die Kosten für den Aufbau einer Vertriebs- und Serviceorganisation. Die von den Parteien vorgelegten Unterlagen weisen überdies darauf hin, daß in der Branche erhebliche Skaleneinsparungen möglich sind. Ein Neuanbieter muß zudem damit rechnen, daß seine potentiellen Abnehmer zum Großteil an ihren Gerätebestand gebunden sind und wenig Neigung verspüren werden, ihn vor Ende des Abschreibungszeitraums zu ersetzen. (107) Die Höhe der Marktzutrittsschranken wird auch durch die Tatsache belegt, daß der einzige Neuanbieter mit einer gewissen Bedeutung in den letzten fünf Jahren Olympus sein dürfte. Olympus hatte jedoch schon vor seinem Markteintritt als eigenständiger Diagnostikaanbieter 20 Jahre lang Meßgeräte produziert, die von Merck und Eppendorf verkauft wurden. (108) Die Parteien haben angegeben, daß der Immunchemie-Weltmarktführer Abbott in Kürze auch auf dem Markt für Diagnostika der klinischen Chemie tätig würde, wo das Unternehmen bisher nur schwach mit einem Gerätebestand vertreten ist, der noch aus den siebziger und frühen achtziger Jahren stammt. Es wurde bestätigt, daß Abbott tatsächlich wieder auf diesem Markt tätig werden will, und zwar über eine Allianz mit dem japanischen Gerätehersteller Toshiba (für große und sehr große Geräte) und die Übernahme des französischen Geräteherstellers Alcyon (kleine Geräte). Außerdem haben die Parteien auf die oben schon erörterte Möglichkeit der Einführung einer neuen Generation von Baustein-Gerätesystemen durch Abbott hingewiesen. (109) Anfänglich wird der Marktzutritt von Abbott in der klinischen Chemie jedoch nicht durch Einführung neuartiger Geräte, sondern durch den Verkauf der Meßgeräte von Alcyon erfolgen. Alcyon ist zur Zeit auf den verschiedenen europäischen Märkten nur schwach vertreten. In Allianz mit Toshiba soll das Geräteteil für Testreihen der klinischen Chemie für das geplante "Architect"-System von Abbott hergestellt werden, bei dem es mit Immunchemie-Geräten von Abbott kombiniert wird. Dieses Geräteteil soll jedoch frühestens im Jahr 2000 auf den Markt kommen. (110) Abbott verfügt zwar über den notwendigen Zugang zu den Abnehmern und die erforderlichen finanziellen Ressourcen zur Überwindung der hohen Marktzutrittsschranken, dürfte aber wohl kaum kurz- bis mittelfristig die beherrschende Stellung von Roche/BM angreifen. Den Verkauf der kleinen Alcyon-Geräte wird Abbott sofort übernehmen. Auch wenn die Finanzkraft von Abbott den Absatz dieser Geräte fördern könnte, dürfte sich diese Umsatzsteigerung in recht engen Grenzen halten. Das große und potentiell mehrfach verwendbare Toshiba-Gerät soll erst später auf den Markt kommen. Abbott wird daher in absehbarer Zukunft keine nennenswerten Marktanteile (d. h. über 5 %) erreichen. (111) Der potentielle Wettbewerb würde daher das Marktverhalten von Roche/BM nach der Fusion nicht wirksam beeinträchtigen. 3) Abschließende Beurteilung (112) Die Zusammenlegung des Diagnostikageschäfts von Roche und BM im Bereich klassische Chemie würde zur Gründung einer marktbeherrschenden Stellung in Portugal, Finnland, Schweden, Dänemark und Italien und zur Stärkung der marktbeherrschenden Stellung von BM in Österreich, Deutschland und Spanien führen. Diese Feststellung stützt sich nicht nur auf die hohen kombinierten Marktanteile von Roche/BM, sondern auch auf den Wettbewerbsvorsprung beim Gerätebestand, die konkurrenzlose Breite ihrer Angebotspalette, die relative Schwäche vorhandener Wettbewerber, die unzureichende Gegenmacht der Nachfrageseite und die hohen Marktzutrittsschranken. b) Immunchemie (Reagenzien und Meßgeräte) (113) Auf dem Markt für Diagnostika der Immunchemie kämen die Parteien im EWR auf einen kombinierten Marktanteil von [< 20 %] (BM [< 20 %], Roche [< 10 %]). Auf dieser Grundlage wären folgende M

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.