Europäische Union

2001/432/EG: Entscheidung der Kommission vom 12. Juli 2000 über die Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache Nr. COMP/M.1813 — Industri Kapital (Nordkem)/Dyno) (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2000) 1988)

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ehältern sind die Flaschen leichter sichtbar als in Kästen und bieten eine attraktivere Produktoptik. Außerdem machen sie das Be- und Entladen leichter und flexibler. Zur Zeit werden diese Tragen vor allem für PET-Flaschen verwendet. Nach Angaben von Industri Kapital werden sie in der Regel nach kundenspezifischen Vorgaben produziert, da sich die Flaschen der Abnehmer in Form und Größe unterscheiden und damit nicht in den gleichen Tragen gestapelt werden können. Allerdings hält auch Industri Kapital die Umstellung von einem Abnehmer auf einen anderen für relativ unproblematisch. (43) Beide Unternehmen stellen auch Kästen aus Kunststoff für die Lagerung und Beförderung von Flaschen sowie Kunststoffpaletten und Lagersysteme für Kleinteile her. Arca produziert überdies zusammenfaltbare Stapelbehälter aus Kunststoff. (44) Nach Auffassung von Industri Kapital umfasst der relevante Produktmarkt sämtliche Materialhandhabungssysteme, so dass eine weitere Unterteilung nach Produktsorten nicht erforderlich ist. Außerdem seien Materialien wie Holz, Metall, Karton oder Kunststoff in hohem Maße untereinander austauschbar, so dass der relevante Produktmarkt der Markt für Materialhandhabungsprodukte unabhängig vom verwendeten Material sei. (45) Die Nachforschungen der Kommission haben ergeben, dass die Substituierbarkeit der jeweiligen Materialien sowohl aus Nachfrage- als auch aus Angebotssicht begrenzt ist. Fast sämtliche Abnehmer verwenden Behälter oder Tragen aus Kunststoff und würden im Falle eines Preisanstiegs zwischen 5 und 10 % nicht auf andere Materialien umsteigen. Kunststoffprodukte können somit nicht durch Produkte aus anderem Material ersetzt werden. Was die Angebotsseite betrifft, so haben Wettbewerber angegeben, dass der Wechsel des Materials und der Produktionsverfahren sehr schwierig ist und die unterschiedlichen Eigenschaften von Holz, Metall und Kunststoff eine direkte Umstellung unmöglich machen. Als Beispiel wurde der Kommission angegeben, dass ein Hersteller von Holzbehältern mit Kosten von 15 Mio. EUR rechnen müsste, wenn er die Produktion von Kunststoffbehältern im Spritzgussverfahren aufnehmen wollte. Außerdem wären einschlägiges Know-how und eine Vorlaufzeit von zwei Jahren erforderlich. (46) Grundsätzlich können bestimmte Materialhandhabungsprodukte vom Nutzer nicht durch andere Materialhandhabungsprodukte ersetzt werden. Bei Getränke-Tragen ist eine Umstellung nach Angaben der Abnehmer schon deswegen schwierig, weil diese Teil eines integrierten Systems sind. Einige Drittunternehmen haben angegeben, dass stapel-/verschachtelbare Behälter und Stapelbehälter untereinander austauschbar sind. Die in der Nahrungsmittelindustrie verwendeten Behälter müssen jedoch für Lebensmittel geeignet und zugelassen sein. Außerdem unterscheiden sich die Preise und Transportkosten für die verschiedenen Behältertypen. Obwohl die meisten Materialhandhabungssystemhersteller verschiedene Behältersorten herstellen können, sind sie nicht in einem Maße untereinander austauschbar, dass alle Materialhandhabungsprodukte angebotsseitig dem gleichen Produktmarkt zugerechnet werden könnten. Die Produktionsumstellung würde Investitionen in neue Formen und damit erhebliche Kosten nach sich ziehen. Schlussfolgerung (47) Aus diesen Gründen erscheint es angemessen, die Folgen des Zusammenschlusses für jede einzelne Produktgruppe separat zu prüfen. Nach den von Industri Kapital vorgelegten Zahlen würde der Zusammenschluss jedoch auch dann zur Gründung bzw. Stärkung einer beherrschenden Stellung führen, wenn sämtliche Materialhandhabungsprodukte aus Kunststoff dem gleichen Produktmarkt zuzurechnen wären. Deswegen kann die genaue Marktdefinition offengelassen werden. 5. Behälter aus Kunststoff (48) Sowohl Dyno über ihre Tochtergesellschaft Superfos AS ("Superfos") als auch Polimoon sind in der Herstellung von Kunststoffbehältern wie Kanistern, Eimern, Schüsseln und Trommeln tätig, wie sie im Groß- und Einzelhandel z. B. in der Nahrungsmittelindustrie, der Chemieindustrie und der Pharmaindustrie als Verpackungsmaterial verwendet werden. (49) Nach Angaben von Industri Kapital sind Superfos und Polimoon im Wesentlichen nicht in den gleichen Verpackungsmarktsegmenten aktiv. Während Polimoon sich auf Großkanister (Fassungsvermögen bis 50 Liter) und Trommeln vor allem für die Chemieindustrie, die Industrie und den Nahrungsmittelsektor spezialisiert hat, stellt Superfos in erster Linie Behälter mit geringerem Fassungsvermögen (50 ml bis 33 Liter) für die Nahrungsmittelindustrie, die Chemieindustrie, die Industrie und die Pharmaindustrie her. Zu Überschneidungen kommt es laut Industri Kapital in den Segmenten der Töpfe und Kübel mit einem Fassungsvermögen von weniger als 2 Litern, den Behältern zwischen 2 und 35 Litern sowie Flaschen und Kanistern mit einem Fassungsvermögen von unter 5 Litern. (50) Nach Auffassung von Industri Kapital ist der Verpackungsmarkt mit sämtlichen Verpackungssorten unabhängig vom Material (Metall, Glas, Karton, Kunststoff) der relevante Produktmarkt. Die Abnehmer haben jedoch angegeben, dass sie insbesondere aus Marketinggründen nicht in der Lage wären, von einem bestimmten Behältertyp zu einem anderen zu wechseln. Spezifisch für die Kunden maßgeschneiderte Produkte spielen bei bestimmten Verbrauchsgütern wie Schmieröl, Nahrungsmittel, Säuglingsprodukten und Kosmetika eine wichtige Rolle. Außerdem könnte eine Umstellung auf einen anderen Behältertyp und eine andere Behältergröße technische Änderungen an den Abfuellanlagen erforderlich machen und wäre daher ohne Änderungen an den Produktionsanlagen und -geräten und die damit einhergehenden Investitionen nicht möglich. Dies gilt umso mehr im Hinblick auf eine Umstellung auf ein anderes Verpackungsmaterial. (51) Auf der Angebotsseite hat die Kommission festgestellt, dass für die Herstellung von Plastikbehältern unterschiedliche Techniken verwendet werden. Geschlossene und nach oben offene Behälter können beispielsweise im Extrusions-Blasverfahren hergestellt werden, wohingegen oben offene Behälter mit Deckeln gemeinhin im Spritzgussverfahren oder im Thermoverfahren hergestellt werden. Solange ein Hersteller nicht über Anlagen für sämtliche Produktionsverfahren verfügt, ist die Umstellung der Produktionstechnik ohne Investitionskosten und Vorlaufzeit kaum möglich. Außerdem wurde der Kommission mitgeteilt, dass nur wenige Unternehmen die ganze Bandbreite der Kunststoffbehälter anbieten, die meisten sich hingegen auf bestimmte Größen, Anwendungsgebiete und Abnehmergruppen spezialisiert hätten. Schlussfolgerung (52) Aus diesen Gründen kommt die Kommission zu der Schlussfolgerung, dass die Zuordnung sämtlicher Behälter unabhängig vom Material zum gleichen Produktmarkt nicht angebracht ist. Ihrer Auffassung nach beschränkt sich der relevante Produktmarkt auf Kunststoffbehälter. (53) Die genaue Marktdefinition und die Frage, ob die erwähnten Segmente gesonderte Teilmärkte darstellen, können offengelassen werden, da der Zusammenschluss unabhängig von der Marktdefinition keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken im Hinblick auf seine Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt aufwirft. B. GEOGRAPHISCH RELEVANTE MÄRKTE 1. Formaldehydharze (54) Nach Auffassung von Industri Kapital werden Harnstoff Formaldehydharz und Phenol-Formaldehydharz in ganz Europa produziert und gehandelt, über lange Strecken befördert und häufig über Grenzen hinweg geliefert. Nach Auffassung des anmeldenden Unternehmens umfassen die geographischen Märkte für beide Harzsorten daher mindestens den EWR und möglicherweise auch die baltischen Staaten, Teile Russlands und Länder in Mittel- und Osteuropa. (55) Aus nachstehend näher ausgeführten Gründen ist die Kommission jedoch der Ansicht, dass zumindest der finnische Formaldehydharzmarkt ein nationaler Markt ist. Das gleiche gilt für den norwegischen Markt, dem allenfalls noch Schweden hinzuzurechnen wäre. (56) Stellungnahmen der Abnehmer lassen vermuten, dass die Folgen des Zusammenschlusses auf nationaler Ebene oder höchstens auf größerer regionaler Ebene zu prüfen wären. Einfuhren gelten vor allem wegen der hohen Transportkosten nicht als realistische Alternative. Die Abnehmer haben der Kommission geantwortet, dass Beförderungskosten bis zu 30 % des Endverkaufspreises für Harze ausmachen können und der Transportradius für Formaldehydharze nicht mehr als 400 bis 700 km beträgt. Da Formaldehydharze als relativ preisgünstig im Verhältnis zum Gewicht eingestuft werden, kann die Beförderung zu einem wichtigen Kostenfaktor werden. (57) Industri Kapital selbst hat angegeben, dass die Nähe zum Abnehmer wegen der Transportkosten oft von großer Bedeutung ist. In diesem Zusammenhang hat das Unternehmen Angaben zu den Transportkosten vorgelegt. Danach betragen die Beförderungskosten je Lkw [< 1](9) DEM pro t und km für nahe gelegene Kunden. Bei Entfernungen von 100 km und mehr betragen sie [< 0,5](10) DEM, bei 700 km und mehr [< 0,5](11) DEM. Danach zahlt ein nahegelegener Abnehmer bis zu 30 DEM je t, ein Abnehmer in einem Umkreis zwischen 100 und 700 km hingegen [ > 100](12) DEM und damit viermal so viel wie ein nahegelegener Abnehmer. (58) Wegen ihrer geringen Haltbarkeit müssen Harze außerdem unter spezifischen Bedingungen befördert werden. Der Kommission wurde mitgeteilt, dass Phenol-Formaldehydharze für Holzanwendungen oder Isolierzwecke beispielsweise besondere Behälter und Lagerkonditionen erfordern, da das Produkt beschädigt wird, sobald die Temperatur unter eine bestimmte Höhe sinkt. Diese besonderen Anforderungen an die Beförderung erhöhen den Preis des Endprodukts, können sich aber auch auf die Lagerbeständigkeit des Harzes auswirken. Einige Kunden haben angegeben, dass bei einem Anstieg der Temperatur über 20 °C die Lagerbeständigkeit des Produkts erheblich abnimmt. In ihren Unterlagen an die Vorstandsmitglieder hat Industri Kapital selbst anerkannt, dass Industrieharze nicht lange gelagert und daher nicht über große Entfernungen transportiert werden können. (59) Die Abnehmer in der Holzplatten- und Isoliermaterialindustrie haben außerdem angegeben, dass Formaldehydharze nicht besonders lange haltbar sind. Bestimmte Harze für die Holzplattenindustrie halten beispielsweise lediglich drei Wochen. Damit ist eine längere Lagerung ausgeschlossen und die häufige Anlieferung notwendig, was die Bedeutung der räumlichen Nähe zum Lieferanten noch erhöht. Der gesamte Wirtschaftszweig arbeitet daher mit geringen Lagerbeständen. (60) Schließlich hat die Untersuchung der Kommission ergeben, dass die Entwicklung neuer Harze ein langwieriges Unterfangen ist, bei dem Anbieter und Abnehmer eng zusammenarbeiten müssen. Nach Angaben anderer Unternehmen wird diese Zusammenarbeit durch die räumliche Nähe von Anbieter und Abnehmer erleichtert. (61) Finnische Abnehmer aus der Holzplatten- und der Isoliermaterialindustrie sowie Hersteller von harzbeschichteten Papieren haben der Kommission gegenüber angegeben, dass sie ihre Harze in Finnland einkaufen. (62) Aus den Angaben von Industri Kapital geht hervor, dass Neste einen Großteil der Harnstoff-Formaldehydharzproduktion seines finnischen Werks in Finnland ([< 80](13) %) und geringere Mengen in Norwegen ([< 10](14) %) verkauft. Für den Verbleib der übrigen [< 20](15) % macht Industri Kapital keine Angaben. Auch der Großteil der finnischen Phenol-Formaldehydharzproduktion von Neste wird im Inland verkauft ([ > 80](16) %). Kleinere Mengen werden nach Schweden ([< 10](17) %) und Norwegen ([< 10](18) %) geliefert. Für den Verbleib der übrigen [< 10](19) % macht Industri Kapital keine Angaben. Dyno liefert sein in Finnland hergestelltes Formaldehydharz ausschließlich an inländische Abnehmer. (63) Eine Ausnahme vom Prinzip, dass ein Großteil der Produktion im Inland abgesetzt wird, scheint Norwegen darzustellen, wo Dyno über zwei Formaldehydharzwerke verfügt. Das eine ist in Lilleström gelegen, das andere in Engene. 1998 wurden in Engene [ca. 60000](20) t Harnstoff Formaldehydharze und [ca. 6000](21) t Phenol-Formaldehydharze hergestellt. Das kleinere Werk in Lilleström produzierte [ca. 20000)(22) t Harnstoff-Formaldehydharze und [3000](23) t Phenol-Formaldehydharze. Während der Großteil des Ausstoßes des bedeutenderen Werkes in Enegene in Norwegen verkauft wurde ([< 90](24) % der Harnstoff-Formaldehydharzproduktion- und [ > 80](25) % der Phenol-Formaldehydharzproduktion), wurden von Lilleström aus lediglich [< 20](26) % der Harnstoff-Formaldehydharzproduktion und [< 30](27) % der Phenol-Formaldehydharzproduktion in Norwegen ausgeliefert. Ein Großteil des Ausstoßes aus diesem Werk wurde nach Deutschland ([ > 20)(28) %), Österreich ([ > 20](29) %) und Schweden ([ > 10)(30) %) geliefert. Darüber hinaus wurden geringere Mengen auch in anderen Mitgliedstaaten verkauft. Aufgrund der Angaben von Industri Kapital in der Anmeldung und einer späteren Beantwortung des Fragebogens der Kommission schätzt die Kommission, dass die Gesamtausfuhren der beiden Werke von Dyno bei Harnstoff Formaldehydharzen etwa [ > 30](31) % und bei PhenolFormaldehydharzen etwa [ > 10](32) % ausmachen. (64) Während Dyno somit tatsächlich Teile seiner norwegischen Formaldehydharzproduktion in andere Mitgliedstaaten Kontinentaleuropas liefert, hat die Untersuchung der Kommission ergeben, dass umgekehrt Einfuhren von Kontinentaleuropa nach Norwegen praktisch nicht vorkommen. Keiner der norwegischen Abnehmer, die auf die Befragungen der Kommission geantwortet haben, hat angegeben, sich Formaldehydharze außerhalb der nordischen Region zu beschaffen. Ausfuhren alleine können nicht als Nachweis eines größeren geographischen Marktes gelten, solange das Fehlen von Einfuhren aus Kontinentaleuropa beweist, dass Einfuhren für in Norwegen ansässige Abnehmer nicht als konkurrenzfähige Alternative gelten. (65) In Kontinentaleuropa scheinen die Abnehmer ihre Harze nicht nur im eigenen Land zu beschaffen, sondern auch in nahegelegenen Nachbarländern. Die Märkte in Kontinentaleuropa reichen daher über die Landesgrenzen hinaus. (66) Nach Auffassung von Industri Kapital könnten die Kunden ihre Formaldehydharze auch aus dem Baltikum, Russland und Ländern in Mittel- und Osteuropa beschaffen. (67) Keiner der von der Kommission angesprochenen Abnehmer kauft jedoch zur Zeit Formaldehyd in diesen Ländern ein. Die dortigen Anbieter werden wegen der hohen Transportkosten, der relativ geringen Lagerbeständigkeit der Harze, der Qualitätsunterschiede, der notwendigen Häufigkeit der Lieferungen und der langfristigen Liefersicherheit nicht als realistische Alternative betrachtet. Außerdem hielten die Abnehmer Einfuhren aus diesen Ländern für unmöglich, da sie Harze unterschiedlichster Spezifikationen benötigten und die Angebotsbreite und -qualität der Produzenten im Baltikum, in Russland und anderen Ländern in Ost- und Mitteleuropa wegen der veralteten Produktionstechnik nicht ausreiche. Der einzige Hersteller mit ausreichendem Know-how auf dem Gebiet der Formaldehydharze sei Lignums in Riga, und dieses Unternehmen stelle seine Harze bezeichnenderweise unter einer Neste-Lizenz her. Schlussfolgerung (68) Aus diesen Gründen gelangt die Kommission in dieser Entscheidung zu der Schlussfolgerung, dass Finnland einen gesonderten räumlichen Markt darstellt. Mit Blick auf Norwegen kann offengelassen werden, ob das Land für sich genommen einen separaten Markt bildet oder zusammen mit Schweden, da die Würdigung des Zusammenschlusses unabhängig von der Marktdefinition inhaltlich im Wesentlichen zu den gleichen Ergebnissen führen würde. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass der Umfang der räumlich relevanten Märkte bei Harzen für einige Endanwendungen außerhalb der holzverarbeitenden Industrie von der in dieser Entscheidung zugrundegelegten Definition abweicht. 2. Formaldehyd (69) Nach Auffassung von Industri Kapital handelt es sich bei Formaldehyd um einen international gehandelten Rohstoff mit relativ homogenen Preisen in allen Erdteilen. Der geographisch relevante Markt umfasst nach Ansicht von Industri Kapital daher mindestens den EWR, wahrscheinlich aber auch Nachbarländer wie Russland, die baltischen Staaten, Polen, Ungarn, die Slowakei und die Türkei. (70) Obwohl Industri Kapital argumentiert, dass der Formaldehydtransport über große Entfernungen rentabel ist, gibt es zu, dass die Beförderungskosten wegen der mit der langen Lagerung von Formaldehyd verbundenen Stabilitätsprobleme erheblich sind. In ihrer Antwort auf die Beschwerdepunkte der Kommission macht Industrie Kapital ferner geltend, dass Formaldehyd an Unternehmen außerhalb der eigenen Unternehmensgruppe nur in sehr begrenztem, marginalem Umfang verkauft wird, was bedeutet, dass die Hersteller höchstens über sehr kleine Marketingabteilungen verfügen. Die Vertriebsaktivitäten der Formaldehydproduzenten beschränken sich deswegen laut Industri Kapital auf Verkäufe in nächster Umgebung. Dennoch könnten die Produzenten in einem bestimmten Gebiet den geographischen Umfang ihrer Marketingbemühungen relativ leicht ausweiten, wenn die Preise auf dem Handelsmarkt für Formaldehyd steigen würden. (71) Die Untersuchung der Kommission hat ergeben, dass der geographische Markt für den Formaldehydhandel kleiner ist als der EWR. Aus zahlreichen Antworten auf die Umfrage der Kommission geht hervor, dass Formaldehyd auf nationaler oder höchstens größerer regionaler Ebene beschafft wird, nicht aber im gesamten EWR. Alle befragten finnischen Abnehmer haben angegeben, dass sie Formaldehyd lediglich in Finnland einkaufen. Die Gründe für den begrenzten Beschaffungsradius von Formaldehyd werden nachstehend ausgeführt. (72) Zum ersten hat Industri Kapital selbst erklärt, dass sich Formaldehyd relativ schlecht lagern lässt und große Harzproduzenten daher normalerweise ihren eigenen Formaldehydbedarf selbst decken. Der offene Handelsmarkt für Formaldehyd ist deswegen relativ klein; auf ihn entfallen lediglich ungefähr 10 % der gesamten Produktionskapazitäten. (73) Außerdem hat die Kommission festgestellt, dass Formaldehyd wegen seiner toxischen Beschaffenheit normalerweise in einer Wasserlösung transportiert wird (Formaldehyd mit einem hohen Gehalt an Feststoffen kann über längere Entfernungen befördert werden, aber dies geschieht höchst selten). Flüssige Formaldehydderivate haben einen hohen Wassergehalt, der die Beförderung über lange Entfernungen unrentabel macht. Der Kommission wurde angegeben, dass fluessiges Formaldehyd bis zu 320 km befördert werden kann. Nach Angaben von Industri Kapital sind die Transportkosten für Formaldehyd vergleichbar mit denen für Harze. (74) Aus der Anmeldung geht hervor, dass das in den Werken der Parteien produzierte Formaldehyd zumeist ins Inland und allerhöchstens noch in Nachbarländer geliefert wird. Das in den Werken von Dyno in Norwegen, Dänemark, Finnland und Irland produzierte Formaldehyd wird beispielsweise zu [ >80](33) % im jeweiligen Inland abgesetzt. Neste liefert sein in Finnland produziertes Formaldehyd zu [ >70](34) % im Inland und zu etwa [ >20](35) % in Schweden aus. In ihrer Antwort auf die Beschwerdepunkte der Kommission führt Industri Kapital aus, dass das finnische Harzwerk von Neste in produktionsintensiven Zeiten unter Formaldehydknappheit leidet und daher zusätzliches Formaldehyd aus dem Neste-Werk in den Niederlanden und von Zeit zu Zeit von den schwedischen Unternehmen Casco und Perstorp bezieht. Dabei handelt es sich somit um Einzeleinfuhren und nicht um eine regelmäßige Belieferung. Außerdem werden Importe üblicherweise zwischen Formaldehyd- und Harzproduzenten getätigt. Keiner der von der Kommission befragten Abnehmer importiert Formaldehyd. (75) In Kontinentaleuropa ist Neste in Belgien nicht vertreten und liefert aus seinen Werken in den Niederlanden und Österreich geringe Mengen an nahegelegene Abnehmer vor allem in Deutschland. (76) Diese Vertriebsmuster zeigen, dass Formaldehyd nicht über große Entfernungen befördert wird. Industri Kapital verweist auf das Beispiel, dass Neste einen norwegischen Kunden aus seinem Werk in den Niederlanden beliefert, und wertet dies als Bestätigung der von den Parteien vorgelegten Definition des geographischen Marktes. Die Kommission verweist jedoch darauf, dass diese Lieferungen [< 5](36) % der Gesamtproduktion des fraglichen Werkes ausmachen und damit nicht als Beweis für einen EWR-weiten Formaldehydmarkt gelten können. (77) Dem Hinweis von Industri Kapital auf mögliche Lieferanten in Russland, den baltischen Staaten, Polen, Ungarn, der Slowakei und der Türkei ist zu entgegnen, dass eine Belieferung aus diesen Ländern aus den gleichen Gründen als unrealistisch angesehen wird, die auch schon im Hinblick auf Formaldehydharze angeführt wurden. Eine Abgrenzung weiterer räumlich relevanter Märkte ist nicht erforderlich, da der kombinierte Marktanteil der Parteien auf anderen Märkten, auf denen sich ihre Tätigkeiten überschneiden, keine Wettbewerbsprobleme verursachen würde. Schlussfolgerung (78) Aus diesen Gründen kommt die Kommission mit Blick auf diese Entscheidung zu dem Ergebnis, dass es sich beim geographisch relevanten Markt um Finnland handelt. 3. Methanol (79) Nach Angaben von Industri Kapital wird Methanol international gehandelt. Das Unternehmen gibt jedoch selbst zu, dass der geographische Markt wegen der Zollschranken, der Transportkosten und der Nachfrageschwankungen in drei Gebiete geteilt werden sollte: Europa, Nordamerika und Asien. (80) Die Angaben von Industri Kapital entsprechen der Methanolmarktdefinition in einer früheren Kommissionsentscheidung(37). Dort hatte die Kommission festgestellt, dass sich die Wettbewerbsbedingungen in Europa, Nordamerika und Asien unterscheiden, obwohl Methanol weltweit gehandelt wird. Schlussfolgerung (81) In diesem Fall ist eine genaue Definition des relevanten geographischen Marktes nicht erforderlich, da der Zusammenschluss auch bei der engstmöglichen Definition des geographischen Marktes nicht zur Begründung oder Stärkung einer beherrschenden Stellung führen würde. Im Einklang mit früheren Kommissionsentscheidungen wird auch in dieser Entscheidung der EWR als engstmöglicher räumlicher Markt mit homogenen Wettbewerbsbedingungen zugrundegelegt. 4. Materialhandhabungssysteme (82) Arca verfügt über Werke in Schweden, Finnland, Deutschland, Frankreich und Spanien, Polimoon über Standorte in Finnland, Schweden, England und den Niederlanden. Nach Auffassung von Industri Kapital richten sich die durchschnittlichen Transportentfernungen danach, ob die jeweiligen Behälter gefaltet oder ineinander verschachtelt werden können. Nach Auffassung von Industri Kapital sind die Beförderungskosten für stapel-/verschachtelbare Behälter wegen der Möglichkeit, die Behälter während des Transports ineinander zu verschachteln, relativ gering, so dass der relevante geographische Markt den ganzen EWR umfasst. Stapelbehälter könnten zwar nicht ineinander verschachtelt, sondern nur fest aufeinander gestapelt werden, weswegen sie mehr Platz beanspruchen. Der Transport ist folglich ziemlich teuer, weswegen Industri Kapital die nordischen Länder als den relevanten geographischen Markt einstuft. Die gleichen Erwägungen gelten für Kästen. Flaschen-Tragen schließlich seien ineinander verschachtelbar und könnten daher über lange Strecken befördert werden. Obwohl die Normen für Flaschen und damit für die Tragen von Land zu Land unterschiedlich sind, ist deswegen nach Auffassung von Industri Kapital der EWR der geographisch relevante Markt für Flaschen-Tragen. (83) Die Untersuchung der Kommission hat ergeben, dass die Transportkosten für Materialhandhabungssysteme relativ hoch sind. Nach Angaben von Polimoon werden stapelbare Materialhandhabungssysteme in einem Radius von etwa 400 bis 500 km ausgeliefert. Getränke-Tragen werden angeblich über größere Entfernungen befördert, aber der geographische Markt reicht wegen des Servicebedarfs der Abnehmer nicht über den no

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.