Europäische Union

94/359/EG: Entscheidung der Kommission vom 21. Dezember 1993 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Sache IV/M.358 - Pilkington-Techint/SIV) Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Avis juridique important | 31994D0359 94/359/EG: Entscheidung der Kommission vom 21. Dezember 1993 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Sache IV/M.358 - Pilkington-Techint/SIV) Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR) Amtsblatt Nr. L 158 vom 25/06/1994 S. 0024 - 0040 ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 21. Dezember 1993 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Sache IV/M.358 - Pilkington-Techint/SIV) Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR) (94/359/EG) DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN - gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates vom 21. Dezember 1989 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen (1), insbesondere auf Artikel 8 Absatz 2, gestützt auf den Beschluß der Kommission vom 2. September 1993 zur Einleitung des Verfahrens in dieser Sache, nachdem den beteiligten Unternehmen Gelegenheit gegeben wurde, zu den von der Kommission vorgebrachten Beschwerdepunkten Stellung zu nehmen, nach Anhörung des Beratenden Ausschusses für Unternehmenszusammenschlüsse (2), in Erwägung nachstehender Gründe: I. DAS ANGEMELDETE VORHABEN (1) Die vorliegende Sache betrifft den geplanten Erwerb einer jeweils 50%igen Beteiligung von Pilkington plc und Techint Finanziaria S.r.l. (Techint) an Società Italiana Vetro S.p.A. (SIV). SIV ist ein vertikal integrierter Hersteller von Flach- und Automobil-Sicherheitsglas mit Produktionsstandorten vor allem in Italien. SIV befindet sich gegenwärtig noch im Eigentum des italienischen Staates, wird aber jetzt privatisiert. Im Laufe der Verhandlungen haben die Parteien der Kommission mitgeteilt, daß Techint unmittelbar nach Vollzug des Erwerbs ihre 50%ige Beteiligung an SIV einer neu errichteten Tochtergesellschaft, Vetrotec Limited, übertragen wird, die sich zu 95 % im Besitz von Techint und zu 5 % im Besitz von Techint Curaçao NV, einer 100%igen Tochtergesellschaft von San Faustin NV, der eigentlichen Muttergesellschaft von Techint, befindet. II. DIE PARTEIEN (2) Pilkington ist vor allem in der Herstellung von Flach- und Automobil-Sicherheitsglas sowie von Dämmstoffen und Sehhilfsmitteln tätig. Pilkington ist einer der grössten Hersteller von Flachglas in Westeuropa und ist auch in verschiedenen Drittländern und speziell in den Vereinigten Staaten tätig. (3) Techint ist die italienische Tochtergesellschaft eines Mischkonzerns mit wirtschaftlichen Tätigkeiten in ganz Südamerika und speziell Argentinien. Zu den Haupttätigkeiten des Konzerns zählen: Herstellung und Verarbeitung von Stahl, Hoch- und Tiefbau, Maschinenbau, Erdöl- und Erdgasförderung, Dienstleistungen und andere Tätigkeiten. Techint hat keine Tätigkeiten, die sich mit denen von Pilkington oder der zu erwerbenden Gesellschaft SIV überschneiden. III. GEMEINSCHAFTSWEITE BEDEUTUNG (4) Das Vorhaben hat gemeinschaftsweite Bedeutung. Der weltweite Gesamtumsatz von Pilkington in dem am 31. März 1993 zu Ende gegangenen Geschäftsjahr belief sich auf 3 380,3 Millionen ECU, während der gemeinschaftsweite Umsatz im gleichen Zeitraum 1 556,7 Millionen ECU erreichte. Der weltweite Gesamtumsatz von Techint unter Einbeziehung des Techint kontrollierenden San-Faustin-Konzerns belief sich in dem am 30. Juni 1992 zu Ende gegangenen Geschäftsjahr auf [ . . . ] (3) Millionen ECU, der gemeinschaftsweite Umsatz für das gleiche Jahr auf [ . . . ] Millionen ECU. Der weltweite Gesamtumsatz von SIV belief sich auf 448 Millionen ECU, ihr gemeinschaftsweiter Umsatz auf 442 Millionen ECU. Nur der San-Faustin-Konzern erzielt zwei Drittel seines gemeinschaftsweiten Umsatzes in Italien. IV. KONZENTRATIVES GEMEINSCHAFTSUNTERNEHMEN Gemeinsame Kontrolle (5) Nach Vollzug des geplanten Zusammenschlusses wird jede anmeldende Partei eine 50%ige Beteiligung an dem Gemeinschaftsunternehmen besitzen. Darüber hinaus wird jede Partei drei Mitglieder in dem sechsköpfigen "Board of Directors" bestellen. Der Vorsitzende des Board of Directors wird von diesem für die ersten drei Jahre aus den von Pilkington bestellten Mitgliedern und für die nächsten drei Jahre aus den von Techint bestellten Mitgliedern und weiterhin nach diesem Schema abwechselnd gewählt. Das Board of Directors wird den Managing Director von SIV nach dem gleichen Schema, beginnend mit einem von Techint bestellten Direktor, wählen. (6) Nach Artikel 5 der Übernahme- und Aktionärsvereinbarung bedürfen verschiedene wichtige Geschäftsentscheidungen, unter anderem betreffend das Jahresbudget und den Jahresabschluß, die Übernahme und Veräusserung von Unternehmen, bestimmte Kredite und Vorschüsse sowie bedeutsame Ausgaben und Kreditaufnahmen, der Zustimmung von mindestens fünf der sechs Direktoren. Jede Partei hat damit umfängliche Vetorechte, so daß gefolgert werden kann, daß Pilkington und Techint gemeinsam die Kontrolle über SIV ausüben werden. Gemeinschaftsunternehmen mit allen Funktionen einer selbständigen wirtschaftlichen Einheit (7) Das Gemeinschaftsunternehmen wird als selbständige wirtschaftliche Einheit tätig werden. SIV ist bereits ein in Privatisierung begriffenes staatseigenes Unternehmen mit allen Funktionen einer selbständigen wirtschaftlichen Einheit. Das Unternehmen produziert und verkauft in Italien und im Ausland eine breite Palette von Glaserzeugnissen einschließlich Floatglas, Automobil-Sicherheitsglas und Bauglas. Unmittelbar nach Erwerb der Anteile werden die anmeldenden Parteien mit SIV eine Vereinbarung über die Bereitstellung von technischer, kommerzieller und administrativer Unterstützung sowie von internationalen Beziehungen und Managementunterstützung gegen Zahlung angemessener Vergütungen schließen. Pilkington wird darüber hinaus mit SIV eine Liefervereinbarung schließen, wonach Pilkington nicht weniger als 80 % des Floatglasbedarfs von SIV für den Fall decken wird, daß SIV ihren Bedarf nicht aus den eigenen Produktionsanlagen zu decken vermag. Keine drohende Koordinierung des Wettbewerbsverhaltens (8) Was eine potentielle Koordinierung des Wettbewerbsverhaltens zwischen Techint und Pilkington oder zwischen Techint und SIV betrifft, so ist zu berücksichtigen, daß Techint nicht auf den gleichen Märkten tätig ist wie Pilkington oder SIV. Gleichzeitig bedeutet die Tatsache, daß Pilkington bereits im Gemeinschaftsmarkt für Flach- und Sicherheitsglas wie auch im Markt für Automobilglas tätig ist, daß Pilkington im Management von SIV eine führende Rolle spielen wird. Da es in den übrigen Geschäftsbereichen der Gründer des Gemeinschaftsunternehmens keine Überschneidung gibt, ist es unwahrscheinlich, daß die Errichtung des Gemeinschaftsunternehmens zu irgendeiner Art von Koordinierung des Wettbewerbsverhaltens zwischen Pilkington und Techint führen würde. Schlußfolgerung (9) Aufgrund der vorstehenden Feststellungen ist das angemeldete Vorhaben folglich ein Zusammenschluß von gemeinschaftsweiter Bedeutung im Sinne von Artikel 3 der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89. (10) Die folgende Beurteilung stützt sich auf Informationen, die von den Parteien geliefert wurden und die die Kommission im Verlauf ihrer Ermittlungen erlangt hat. Diese Ermittlungen umfassten an Wettbewerber und Kunden gerichtete schriftliche Informationsersuchen sowie mündliche Anhörungen von Wettbewerbern und Kunden. V. VEREINBARKEIT MIT DEM GEMEINSAMEN MARKT Der relevante Produktmarkt und der räumliche Referenzmarkt A. Die verschiedenen Flachglasarten (11) Floatglas ist die mit Abstand gängigste Art von Flachglas und repräsentiert mehr als 90 % der Flachglaskapazität der entwickelten Volkswirtschaften der Welt. Neben Floatglas gibt es drei weitere Arten von Flachglas, nämlich Spiegelglas, Tafelglas, poliertes Glas, Drahtglas und Ornamentglas, die jeweils nach völlig anderen Fertigungsmethoden hergestellt werden. Spiegelglas und Tafelglas werden in Westeuropa wegen ihrer minderen Qualität und geringen Nachfrage nicht mehr hergestellt. Obgleich es bei spezifischen Verwendungszwecken Überschneidungen mit Floatglas gibt, sind diese viel zu gering, um sich auf die Wettbewerbsbedingungen im Floatglasmarkt auszuwirken. Gleiches gilt für Spiegeldrahtglas und Ornamentglas, nach denen nur eine sehr spezifische Nachfrage besteht. Floatglas muß deshalb als ein von den anderen Flachglasarten getrennter Produktmarkt betrachtet werden. (12) Das Floatglas-Herstellungsverfahren wurde von Pilkington erfunden und 1959 zum kommerziellen Einsatz gebracht. Ausser in den weniger entwickelten Volkswirtschaften hat Floatglas mittlerweile die Herstellung von Tafelglas und Spiegelglas bestellen Beim Floatglas-Herstellungsprozeß fließt Glasschmelze kontinuierlich auf ein grosses flaches Bad aus geschmolzenem Zinn. Das durchgeschmolzene Glas schwimmt auf dem Zinn, verteilt sich und bildet eine plane Oberfläche. Die Dicke wird von der Geschwindigkeit bestimmt, mit der das sich verfestigende Glasband von dem Floatbad abgezogen wird. Nach dem Abkühlen stellt sich das Glas als ein feuerpoliertes Produkt mit praktisch parallelen Oberflächen dar. Floatglas wird in verschiedenen Stärken - je nach dem Verwendungszweck zwischen 1 und 25 mm - hergestellt. Es kann während des Herstellungsprozesses durch Tönen in der Masse und durch Online-Beschichtung modifiziert werden. Bei der Tönungstechnik wird in das klare Floatglas eine Farbe, gewöhnlich grün oder bronzefarben, eingebracht. Diese Technik ist für die Kfz-Industrie ein zunehmend wichtiger Faktor für die Vergabe neuer Aufträge. Durch die Online-Beschichtung werden Sonnenlichtdurchlässigkeit, Farbe und Wärmedämmungseigenschaften von Floatglas ganz oder teilweise verändert. Nach Aussage der Parteien ist die Online-Beschichtung billiger als die Offline-Beschichtung und bietet zusätzliche Vorteile hinsichtlich Qualität, Härte und Dauerhaftigkeit. B. Der Floatglasmarkt (13) Der Floatglasmarkt ist durch ein beträchtliches Maß an vertikaler Integration, insbesondere bei Pilkington und Saint-Gobain, gekennzeichnet, und die Hersteller sind in unterschiedlichem Umfang auch in der Weiterverarbeitung oder im Vertrieb von Floatglas tätig. Der Floatglasmarkt lässt sich vor allem auf zwei Ebenen analysieren: - Ebene 1, die der Herstellung von nicht weiterverarbeitetem Floatglas entspricht, und - Ebene 2, wo das Rohfloatglas in der Regel weiterverarbeitet wird, bevor es an den Endverbraucher verkauft wird. "Ebene 2" umfasst in Wirklichkeit je nach Abnehmergruppe und Art der Weiterverarbeitung von Floatglas mehr als eine Weiterverarbeitungsstufe. C. Der Floatglasmarkt - Ebene 1 (14) Nach den von den Parteien in ihrer Anmeldung übermittelten Informationen erreichte der Floatglasmarkt der Gemeinschaft 1992 ein Volumen von 5,36 Millionen Tonnen auf Ebene 1. Nach den von den Parteien mitgeteilten Marktanteilsdaten wurden mehr als 90 % der Nachfrage von den sechs in der Gemeinschaft existierenden Floatglasherstellern gedeckt, nämlich Saint-Gobain (Marktführer), Pilkington, die in amerikanischem Besitz befindlichen Firmen PPG und Guardian, Glaverbel (im Besitz des japanischen Asahi-Konzerns) und SIV. Daneben gibt es keine weiteren Hersteller mit Floatglasanlagen in der Gemeinschaft. Die Anzahl der Hersteller mit Produktionsanlagen in der Gemeinschaft ist mithin sehr begrenzt. Der relevante Produktmarkt (15) Rohfloatglas ist ein homogenes Massenprodukt, das nach Weiterverarbeitung auf Ebene 2 vor allem als Sicherheitsglas für Kraftfahrzeuge und als Bauglas Verwendung findet. Für diese Anwendungen ist Floatglas nicht substituierbar. Anlagen für das Tönen in der Masse und für Online-Beschichtung erlangen zunehmende Bedeutung und bringen eine gewisse Heterogenität in die Floatglasproduktion. Nach Auffassung der Kommission führen diese Merkmale von Floatglas jedoch nicht zu unterschiedlichen relevanten Produktmärkten, je nachdem ob das Rohfloatglas während des Produktionsprozesses getönt bzw. beschichtet wird oder nicht. Zum Tönen in der Masse werden dem Glas vor dem Schmelzen geringe Mengen Metalloxyd zugesetzt. Das erforderliche Know-how vorausgesetzt, ist ein Tönen grundsätzlich auf allen Floatglas-Produktionsanlagen möglich. Hingegen sind nur vergleichsweise wenige Floatglas-Produktionsanlagen - etwa ein Viertel - für die Online-Beschichtung ausgerüstet. Floatglas kann auch nach der Herstellung beschichtet werden, und nicht alle Floatglashersteller teilen offensichtlich die Auffassung der Parteien, was die Vorteile der Online-Beschichtung betrifft. Für die Zwecke der vorliegenden Entscheidung ist als relevanter Produktmarkt daher der Markt für Rohfloatglas anzusehen. Der räumliche Referenzmarkt (16) Obgleich Rohfloatglas in beachtlichen Mengen grenzueberschreitend gehandelt wird, ist es ein sperriges und schweres Gut. Infolgedessen ist ein Transport über grosse Entfernungen recht kostspielig. So belaufen sich die Lkw-Transportkosten bei einer Entfernung von 500 km auf 7,5 bis 10 % des Verkaufspreises. Über Entfernungen von 1 000 km hinaus werden die Lkw-Transportkosten prohibitiv, und nur verhältnismässig wenig Floatglas wird über diese Entfernung hinaus transportiert. Obgleich der Transport per Schiff wenig üblich ist, liegen hier die Kosten pro km niedriger. Das natürliche geographische Versorgungsgebiet eines Floatglaswerks lässt sich daher durch konzentrische Kreise mit einer von den relativen Transportkosten bestimmten Radiuslänge darstellen. Nach den von den Parteien übermittelten Informationen werden 80 bis 90 % der Produktion eines Werks innerhalb eines Radius von 500 km abgesetzt, obgleich natürlich bestimmte Mengen auch über diese Entfernung hinaus transportiert werden. Somit können die verschiedenen Versorgungsgebiete als mehrere sich überlappende Kreise mit dem Floatglaswerk als Mittelpunkt gesehen werden. Insgesamt gibt es in der Gemeinschaft 36 Floatglaswerke und sieben weitere Werke in Osteuropa und Skandinavien. Innerhalb der Gemeinschaft besteht eine relative Konzentration im Raum Vereinigtes Königreich/Benelux/Nordfrankreich/Deutschland auf der einen und im Raum Nordspanien/Norditalien auf der anderen Seite. In gewisser Hinsicht könnte von einem nordeuropäischen und einem südeuropäischen Markt gesprochen werden. Wegen der Streuung der einzelnen Floatglasanlagen und der unterschiedlichen Überlappung der natürlichen Liefergebiete, die bedingt, daß Auswirkungen von einem Kreis auf einen anderen Kreis übertragen werden können, sollte jedoch die gesamte Gemeinschaft als räumlicher Referenzmarkt betrachtet werden. Eine Bestätigung hierfür scheinen die verfügbaren Preisdaten zu liefern. Aufgrund der von den Parteien übermittelten Preisinformationen für Belgien, Frankreich, Italien, Deutschland und das Vereinigte Königreich entsprechen sich die Preise für die Referenzkategorie 4 mm starkes klares Floatglas weitgehend innerhalb einer engen Spanne. Obgleich die Floatglashersteller ihre höchsten Marktanteile in den Mitgliedstaaten haben, in denen sich ihre Floatglasproduktion befindet, zeigen die von den Parteien übermittelten Marktanteilsdaten, daß auf nationaler Ebene ein erhebliches Maß an Marktverflechtung herrscht. Die Kommission ist daher der Auffassung, daß die Wettbewerbsbedingungen ausreichend homogen sind, damit die gesamte Gemeinschaft als räumlicher Referenzmarkt angesehen werden kann. D. Der Floatglasmarkt - Ebene 2 (17) Auf Ebene 2 findet Rohfloatglas vornehmlich zwei verschiedene Verwendungen, nämlich in der Automobilindustrie und in der "allgemeinen Industrie". An die Automobilindustrie wird Floatglas nach Weiterverarbeitung zur Verwendung als Windschutz-, Seiten- und Heckscheiben, Spiegel usw. in Kraftfahrzeugen geliefert. In der übrigen Industrie wird Floatglas an die Endverbraucher entweder direkt über das Herstellervertriebsnetz oder über Händler und Vertriebshändler, gewöhnlich - aber nicht immer - nach Weiterverarbeitung, vor allem zur Verwendung als Fensterglas und als Spiegel geliefert. Deshalb wird Glas für die "allgemeine Industrie" mitunter als Bauglas bezeichnet. Nach den von den Parteien übermittelten Daten wurden 1992 in der Gemeinschaft ca. 21 % der gesamten Glasproduktion nach Gewicht auf der Endverbraucherstufe in der Automobilindustrie und 79 % in der "allgemeinen Industrie" verwendet. Diese Aufteilung ist in etwa mit derjenigen vergleichbar, die die Kommission mit den von ihr gesammelten Daten über die europäische Floatglasproduktion errechnet hat, nämlich 17 und 83 %. Automobilglas (18) Das nach Weiterverarbeitung an die Kraftfahrzeugindustrie gelieferte Glas wird als Sicherheitsglas bezeichnet, weil es nicht in scharfe Splitter bricht, die bei einem Unfall für die Fahrzeuginsassen gefährlich sein könnten. Es gibt zwei Typen von Sicherheitsglas: Verbundglas, das fast ausschließlich für Windschutzscheiben verwendet wird, und thermisch gehärtetes Glas (vorgespanntes Glas), das hauptsächlich für Seiten- und Heckscheiben Verwendung findet. Verbundglas wird hergestellt, indem zwei auf die gleiche Grösse zugeschnittene gebogene Glasscheiben, zwischen die eine Plastikzwischenschicht eingefügt wird, unter Druck bei hohen Temperaturen miteinander verbunden werden. Thermisch gehärtetes Glas wird durch Erhitzen und Biegen einer zugeschnittenen Glasscheibe hergestellt, die anschließend rasch abgekühlt wird, um die Oberfläche des Glases zu komprimieren. Verbundglas ist teurer als thermisch gehärtetes Glas. Obgleich Produktionstechniken, Preise und spezifische Verwendungen beider Glasarten unterschiedlich sind, können sie als zum gleichen relevanten Produktmarkt, d. h. zum Markt für Automobil-Sicherheitsglas, gehörig gelten. Auf der Angebotsseite (vor allem Floatglashersteller) wie auch auf der Nachfrageseite (Automobil-Industrie) sind in beiden Segmenten die gleichen Marktteilnehmer anzutreffen. In ihrer Beschaffenheit ergänzen sich die beiden Glasarten, da für ein bestimmtes Kfz-Modell fast ausnahmslos beide Arten benötigt werden. Weiterhin haben die Floatglashersteller, wenn beide Glasarten gesondert betrachtet werden, bei Verbundglas und thermisch gehärtetem Glas vergleichbare Marktanteile. In bezug auf die von der Kommission geführten Ermittlungen zeigt sich, daß die Unterscheidung zwischen Verbund- und thermisch gehärtetem Glas von den Automobil-Herstellern in der wettbewerblichen Beurteilung der Lieferanten nicht als relevant angesehen werden kann, was in ähnlichen Lieferstrukturen für Windschutzscheiben- und Seitenscheibenglas zum Ausdruck kommt. Die wettbewerbliche Beurteilung ist deshalb in beiden Segmenten wie im gesamten Automobilglasmarkt die gleiche. (19) Dennoch sollten wegen unterschiedlicher Wettbewerbsbedingungen getrennte Produktmärkte für die an die Automobil-Industrie verkaufte Erstausrüstung (original equipment manufacture (ÖM) und original equipment supply (ÖS) und für das an den unabhängigen Anschlußmarkt (independent after market (IAM) verkaufte Ersatzglas unterschieden werden. Nach den von den Parteien unterbreiteten Informationen belief sich der Handel mit der Automobil-Industrie 1991 auf insgesamt 3 264 Millionen ECU. Hiervon entfielen 85 % auf die Herstellung von Erstausrüstungsgütern (ÖM) und 15 % auf den unabhängigen Anschlußmarkt (IAM) für Ersatzglas. 79 % des Ersatzglasmarktes entfielen auf Windschutzscheiben (d. h. Verbundglas) und 21 % auf vorgespanntes (thermisch gehärtetes) Glas. Weitere Informationen gibt die nachstehende Tabelle: """ ID="1">14,2> ID="2">920> ID="3">2,6> ID="4">241> ID="5">3,9> ID="6">149"> ID="1">96,5> ID="2">1 850> ID="3">2,7> ID="4">51> ID="5">2,4> ID="6">53"> ID="1">110,7> ID="2">2 770> ID="3">5,3> ID="4">292> ID="5">6,3> ID="6">202"> Der räumliche Referenzmarkt für ÖM/ÖS-Glas umfasst mindestens die Gemeinschaft. Autohersteller kaufen regelmässig Automobilglas von Herstellern verschiedener Mitgliedstaaten. Der höhere Mehrwert der Automobilglasprodukte hat zur Folge, daß Transportkosten einen relativ geringen Anteil an den Produktionskosten ausmachen. Die Untersuchungen der Kommission haben ergeben, daß Transportkosten bei einer Strecke von 1 000 km etwa 3 bis 4 % der Produktionskosten ausmachen. Aus den gleichen Gründen stellt sich auch der räumliche Referenzmarkt für Automobilglas für den unabhängigen Anschlußmarkt gemeinschaftsweit dar. Glas für die "allgemeine Industrie" (20) In der Gemeinschaft werden mehr als 70 % des für die "allgemeine Industrie" bestimmten Rohfloatglases weiterverarbeitet. Nicht weiterverarbeitetes Glas findet vor allem als Fensterglas Verwendung. Der Anteil von nicht weiterverarbeitetem Glas ist niedriger in Mitgliedstaaten, in denen die Doppelverglasung von Fenster weiter verbreitet ist (siehe nachstehend Mehrscheiben-Isolierglas) und höher in Mitgliedstaaten mit milderem Klima oder weniger strikten Umwelt- und Sicherheitsaufglagen; so ist in Deutschland dieser Anteil niedriger, in Italien und vor allem in Süditalien hingegen wesentlich höher. (21) Bei weiterverarbeitetem Glas unterscheiden die Parteien zwischen den folgenden gesonderten relevanten Produktmärkten: - versilbertes Glas, das vor allem für Spiegel verwendet wird; - Verbundglas, das - wie in der Kfz-Industrie - aus Sicherheitsgründen verwendet wird; - thermisch gehärtetes Glas, das ebenfalls aus Sicherheitsgründen verwendet wird; - Mehrscheiben-Isolierglas (auch Doppel- oder Mehrfachglas genannt), das aus zwei oder mehr luftdicht versiegelten Glasscheiben mit einer isolierenden Schicht aus getrockneter Luft oder inertem Gas bestehen. Mehrscheiben-Isolierglas kann hergestellt sein aus gewöhnlichem Floatglas unterschiedlicher Stärke, Verbundglas, thermisch gehärtetem Glas, beschichtetem Glas oder Kombination solcher Glasarten. Die Tatsache, daß es verschiedene Weiterverarbeitungsstufen mit einem unterschiedlichen Grad vertikaler Integration bei den Floatglasherstellern gibt, erschwert in Verbindung mit einer grossen Zahl vorwiegend kleiner Verarbeitungsbetriebe eine genaue Analyse des Stroms des weiterverarbeiteten Glases bis hin zum Endverbraucher. Auch ergibt sich daraus eine gewisse Überschneidung zwischen den oben beschriebenen Produktmärkten. Es lässt sich deshalb nicht genau feststellen, welcher Anteil von Glas für die "allgemeine Industrie" auf die einzelnen Anwendungen entfällt. Überschlägig könnte die Aufteilung wie folgt aussehen: Mehrscheiben-Isolierglas 50 %, nicht weiterverarbeitetes Glas 25 % und Verbundglas, thermisch gehärtetes Glas und verspiegeltes Glas jeweils etwa 10 % oder darunter. (22) Die Parteien sind nicht nur in den vier beschriebenen Weiterverarbeitungssektoren, sondern auch im Vertrieb und in der Vermarktung von Glas - letztes Glied in der Lieferkette vom Floatglashersteller bis zum Endverbraucher - tätig. Nach den der Kommission vorliegenden Informationen verfügen namentlich Saint-Gobain, gefolgt von Pilkington und, in geringerem Umfang, Glaverbel, über die umfassendsten eigenen Vertriebsnetze. Diese Position ist jedoch je nach Mitgliedstaat unterschiedlich, wobei Hersteller in jenen Mitgliedstaaten eine vergleichsweise stärkere Position einnehmen, in denen ihre Floatglasproduktion konzentriert ist. (23) Was die geographische Dimension anbelangt, so ist bei Glas für die "allgemeine Industrie" zwischen zwei Hauptgruppen zu unterscheiden. Verspiegeltes und Verbundglas sind Produkte mit geringem Mehrwertanteil. Sie werden von einer kleinen Anzahl grosser Hersteller geliefert, die mehr als ein Land bedienen. Gleichzeitig gibt es aber noch eine Vielzahl wesentlich kleinerer Verarbeitungsbetriebe. Die Tendenz geht dahin, daß von den grössten Werken hergestelltes Glas über grössere Entfernungen befördert und anschließend über ein zweites Vertriebsnetz weiterverkauft wird. Di

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.