Europäische Union

Beschluss (EU) 2021/764 des Rates vom 10. Mai 2021 zur Einrichtung des spezifischen Programms zur Durchführung von „Horizont Europa“, dem Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, und zur Aufhebung des Beschlusses 2013/743/EU (Text von Bedeutung für den EWR)

Konsolidierte Fassung

Konsolidierungsdatum: 2021-05-12

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europäischen Politik konzentriert. Sie unterstützt damit ein Europa, das sicher und geschützt, wohlhabend, nachhaltig und sozial ist und auf der Weltbühne eine größere Rolle spielt. 7.2.   Interventionsbereiche 7.2.1.   Stärkung der Wissensgrundlage für die Politikgestaltung Der Bestand an Wissen und Daten nimmt exponentiell zu. Damit die politischen Entscheidungsträger sinnvollen Gebrauch davon machen können, muss dieser Bestand überprüft und gefiltert werden. Zudem besteht ein Bedarf an sektorübergreifenden wissenschaftlichen Methoden und Analyseinstrumenten, die von allen Kommissionsdienststellen eingesetzt werden, um vor allem entstehende gesellschaftliche Herausforderungen vorherzusehen und eine bessere Rechtsetzung zu unterstützen. Dazu gehören auch innovative Prozesse, um die Interessenträger sowie die Bürger in politische Entscheidungen einzubinden, und verschiedene Instrumente zur Bewertung der Wirkung und Umsetzung. Grundzüge —  Modellierung, mikroökonomische Bewertung, Risikobewertungsmethoden, Qualitätssicherungsinstrumente für Messungen, Konzeption von Monitoring-Systemen, Indikatoren und Scoreboards, Sensitivitätsanalyse und Sensitivitätsprüfung, Lebenszyklusanalyse, Daten- und Textauswertung, (Massen-)Datenanalyse und -anwendungen, lösungsorientierte Denkansätze (Design Thinking), Vorausschau (Horizon Scanning), Antizipation und Zukunftsstudien, Verhaltensforschung sowie Einbindung der Interessenträger und Bürger; —  Wissens- und Kompetenzzentren; —  praxisbezogene Gemeinschaften und Plattformen für den Wissensaustausch; —  Datenmanagement, Datenaustausch und Kohärenz; —  Analyse der Politik zu FuI auf Unions- und auf nationaler Ebene, einschließlich des EFR. 7.2.2.   Globale Herausforderungen Die JRC wird zu den spezifischen Strategien und Verpflichtungen der Union beitragen, die im Rahmen der sieben Cluster der globalen Herausforderungen behandelt werden, und insbesondere das Eintreten der Union für die Verwirklichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen unterstützen. Grundzüge 1.  Gesundheit —  Wissenschaftliche und technische Unterstützung zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit und des Gesundheitswesens, einschließlich medizinischer Geräte und Bewertung von Gesundheitstechnologien, Datenbanken und Digitalisierung, einschließlich für eine Beschleunigung der Interoperabilität; —  Sicherheitsbewertungsmethoden für potenzielle Gesundheits- und Umweltrisiken durch chemische Stoffe und Schadstoffe; —  Europäisches Referenzlaboratorium für Alternativen zu Tierversuchen; —  Qualitätssicherungsinstrumente, u. a. zertifiziertes Referenzmaterial für gesundheitliche Biomarker; —  Forschung zu neu entstehenden Gesundheitsfragen und -risiken. 2.  Kultur, Kreativität und inklusive Gesellschaft —  Forschung zu Ungleichheit, Armut und Ausgrenzung, sozialer Mobilität, kultureller Vielfalt und Qualifikationen; Migration, Bewertung der Auswirkungen sozialer, demografischer und technologischer Veränderungen auf Wirtschaft und Gesellschaft; —  Forschung zu verantwortungsvollem Regierungshandeln und Demokratie; —  Förderung des Schutzes, des Erhalts und der Verwaltung des kulturellen Erbes; —  Wissenszentrum für Migration und Demographie. 3.  Zivile Sicherheit für die Gesellschaft —  Wissenszentrum für Katastrophenrisikomanagement; —  Unterstützung von Sicherheitsmaßnahmen in den Bereichen Schutz kritischer Infrastrukturen und öffentlicher Räume, CBRN-E Stoffe und hybride Bedrohungen, Grenzschutz und Dokumentensicherheit sowie Informationen und Erkenntnisse zur Bekämpfung des Terrorismus; —  Technologien für die Aufspürung von CBRN-E-Stoffen, biometrische Systeme und Verfahren zur Gewinnung nachrichtendienstlicher Erkenntnisse; —  Unterstützung der globalen Sicherheitsposition der Union; Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovation der Sicherheitsindustrie in der Union; Nutzung von Synergien zwischen Sicherheit und Verteidigung; —  Forschung zur Stärkung der Cybersicherheitskapazitäten sowie der Resilienz und der Abschreckung gegenüber Cyberangriffen und -kriminalität. 4.  Digitalisierung, Industrie und Weltraum —  Auswirkungen der Digitalisierung mit Schwerpunkt auf neuen und entstehenden IKT-Technologien, u. a. maschinelles Lernen und KI-Datenverarbeitung, dezentrale Transaktionsnetzwerke („distributed ledgers“), Internet der Dinge und HPC; —  Digitalisierung in einzelnen Sektoren wie Energie, Verkehr, Bau, Dienstleistungsindustrie, Gesundheit und Pflege sowie Verwaltung; —  gewerbliches Messwesen und Qualitätssicherungsinstrumente für die intelligente Fertigung; —  Forschung zu Schlüsseltechnologien; —  Forschung zu besten verfügbaren Techniken und bewährten Praktiken im Umweltmanagement, technisch-wirtschaftliche Analysen und Lebenszyklusanalysen industrieller Prozesse; Chemikalienmanagement, Abfallbewirtschaftung, Wasserwiederverwendung, Rohstoffe; kritische Rohstoffe und Qualitätskriterien für wiederverwertete Materialien, die alle die Kreislaufwirtschaft unterstützen; —  Analyse der Versorgungssicherheit bei Rohstoffen, einschließlich der kritischen Rohstoffe, bei den Informationen über Primär- und Sekundärressourcen und der Aktualisierung der Daten im Rohstoffinformationssystem; —  Durchführung von Copernicus-Maßnahmen; —  technische und wissenschaftliche Unterstützung für Anwendungen der Programme der globalen Satellitennavigationssysteme der Union. 5.  Klima, Energie und Mobilität —  Unterstützung bei der Umsetzung der Klima-, Energie- und Verkehrspolitik der Union, Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft sowie Strategien für eine Dekarbonisierung bis 2050; Analyse der integrierten nationalen Energie- und Klimapläne; Bewertung des Dekarbonisierungspfads in allen Sektoren, einschließlich Landwirtschaft, Landnutzung und Landnutzungsänderung sowie Forstwirtschaft; —  Bewertung der Risiken in gefährdeten Ökosystemen, kritischen Wirtschaftssektoren und Infrastrukturen mit Schwerpunkt auf Anpassungsstrategien; —  Analyse der FuI-Dimension der Energieunion; Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit der Union auf dem globalen Markt für umweltfreundliche Energie; —  Bewertung des Potenzials für den Einsatz intelligenter Energietechnologien und von Lösungen für die Sektorkopplung für eine reibungslose und kosteneffiziente Energiewende; —  Bewertung des Einsatzes von Technologien für die Energieerzeugung aus erneuerbaren und sauberen Energiequellen; —  Analyse des Energieverbrauchs von Gebäuden, intelligenten und nachhaltigen Städten und Industrien; —  technische und sozioökonomische Analyse der Energiespeicherung, insbesondere Sektorkopplung und Batterien; —  Analyse der Energieversorgungssicherheit der Union, einschließlich Energieinfrastruktur, und der Energiemärkte; —  Unterstützung der Energiewende, einschließlich des Bürgermeisterkonvents, sowie von sauberer Energie für Inseln der Union, empfindliche Regionen und Afrika; —  integrierte Analyse für die Einführung kooperativer, vernetzter und automatisierter Mobilität; —  integrierte Analyse für die Entwicklung und Einführung von elektronischen Antrieben, einschließlich der Batterietechnologien der nächsten Generation; —  harmonisierte Prüfverfahren und Marktüberwachung für CO2- und Luftschadstoffemissionen aus Fahrzeugen, Bewertung innovativer Technologien; —  Bewertung von intelligenten Verkehrs- und Verkehrsmanagementsystemen und Stauindikatoren; —  Analysen alternativer Kraftstoffe und entsprechenden Infrastrukturbedarfs. 6.  Lebensmittel, Bioökonomie, natürliche Ressourcen, Landwirtschaft und Umwelt —  Forschungen zu Land, Böden, Wäldern, Luft, Wasser, Meeresressourcen, Rohstoffen und biologischer Vielfalt zur Unterstützung der wirksamen Erhaltung, Wiederherstellung und nachhaltigen Nutzung des Naturkapitals, einschließlich einer nachhaltigen Ressourcenbewirtschaftung in Afrika; —  Wissenszentrum für globale Lebensmittel- und Ernährungssicherheit; —  Bewertung des Klimawandels und möglicher Schutz- und Anpassungsmaßnahmen für die Agrar- und Fischereipolitik, einschließlich Ernährungssicherheit; —  Überwachung und Prognose der Agrarressourcen in der Union, den Erweiterungsländern und den Nachbarländern; —  Forschung für eine nachhaltige und wirtschaftlich florierende Aquakultur und Fischerei sowie für blaues Wachstum und die blaue Wirtschaft; —  validierte Methoden, Laborleistungstests und neue Analyseinstrumente für die Umsetzung der Politik im Bereich der Lebensmittelsicherheit; —  Europäische Referenzlaboratorien für Futtermittelzusatzstoffe, genetisch veränderte Organismen und Lebensmittelkontaktmaterialien; —  Wissenszentrum für Lebensmittelqualität und Bekämpfung von Lebensmittelbetrug; —  Wissenszentrum für Bioökonomie. 7.2.3.   Innovation, wirtschaftliche Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit Die JRC wird zu wissensgestützter Innovation und Technologietransfer beitragen. Sie wird das Funktionieren des Binnenmarkts und die wirtschaftspolitische Steuerung der Union unterstützen. Sie wird zur Entwicklung und Überwachung von Strategien beitragen, die auf ein sozialeres und nachhaltigeres Europa abzielen. Sie wird die Außendimension und die internationalen Ziele der Union unterstützen und zu verantwortungsvollem Handeln (Good Governance) beitragen. Durch einen gut funktionierenden Binnenmarkt mit einer starken wirtschaftspolitischen Steuerung und einem fairen Sozialsystem werden wissensgestützte Innovation und Wettbewerbsfähigkeit gefördert. Grundzüge —  Wirtschafts-, Handels-, Finanz- und Haushaltsanalysen; —  pränormative Forschung und Prüfung für Harmonisierung und Standardisierung; —  Erstellung von zertifiziertem Referenzmaterial; —  Marktaufsichtstätigkeiten; —  Umgang mit Rechten des geistigen Eigentums; —  Förderung der Zusammenarbeit beim Technologietransfer. 7.2.4.   Wissenschaftliche Exzellenz Die JRC strebt Exzellenz und Integrität in der Forschung und eine ausgedehnte Zusammenarbeit mit weltweit führenden Forschungseinrichtungen an. Sie wird Forschungen in neuen Wissenschafts- und Technologiebereichen durchführen und eine offene Wissenschaft, offene Daten und Wissenstransfer fördern. Grundzüge —  Programme zur Orientierungsforschung; —  spezielle gemeinsame Programme und Austauschprogramme mit Forschungseinrichtungen und Wissenschaftlern; —  Zugang zu Forschungsinfrastrukturen der JRC; —  Ausbildung von Wissenschaftlern und nationalen Experten; —  offene Wissenschaft und offene Daten. 7.2.5.   Territoriale Entwicklung und Unterstützung der Mitgliedstaaten und Regionen Die JRC wird einen Beitrag zu regional- und städtepolitischen Maßnahmen mit Schwerpunkt auf innovationsgesteuerter territorialer Entwicklung leisten, auch zur Verringerung der Unterschiede zwischen den Regionen. Sie wird außerdem den Mitgliedstaaten und Drittländern technische Hilfe bieten und die Umsetzung der europäischen Rechtsvorschriften und Maßnahmen unterstützen. Grundzüge —  Umsetzung regional- und städtepolitischer Maßnahmen, Strategien für intelligente Spezialisierung, Strategien für die wirtschaftliche Transformation von Regionen im Wandel, integrierte Stadtentwicklungsstrategien und -daten; —  Aufbau von Kapazitäten lokaler und regionaler Akteure für die Umsetzung makroregionaler Strategien; —  Wissenszentrum für territoriale Politik; —  anfragegestützte und gezielte Unterstützung für Mitgliedstaaten, Regionen oder Städte, u. a. über ein virtuelles Netz von Science4Policy-Plattformen. SÄULE III INNOVATION IN EUROPA Innovation in all ihren Formen ist für die Union ein zentraler Faktor, um weiterhin Wohlstand für ihre Bürger schaffen und die Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können. Innovation bedarf eines systematischen, sektorübergreifenden und vielschichtigen Ansatzes. Die wirtschaftlichen Fortschritte, das soziale Wohlergehen und die Lebensqualität in Europa hängen davon ab, dass Europa in der Lage ist, Produktivität und Wachstum zu fördern, die wiederum stark von seiner Innovationsfähigkeit abhängen. Innovation ist auch für die Bewältigung der großen Herausforderungen, vor denen die Union steht, von entscheidender Bedeutung. Innovation muss verantwortungsvoll, ethisch vertretbar und nachhaltig sein. Wie schon beim Vorläuferprogramm steht Innovation im Mittelpunkt des Programms „Horizont Europa“. Das Streben nach Beschleunigung des Wissenstransfers und nach neuen Ideen, Produkten und Prozessen ist die Triebfeder für die Ziele und die Durchführungsmodalitäten von Horizont Europa, von der strategischen Planung bis zu den Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen, und ist vom Anfang bis zum Ende jedes geförderten Projekts präsent — von der Grundlagenforschung bis zu industriellen oder technologischen Fahrplänen und Aufträgen. Dennoch müssen speziell für den Innovationsbereich Maßnahmen ergriffen werden, damit sich die Bedingungen und das Umfeld für europäische Innovationen in der Union deutlich verbessern und Ideen rasch von den Akteuren des Innovationssystems genutzt und neue Ideen und Technologien schnell in die Produkte und Dienstleistungen umgewandelt werden, die die Union benötigt, um Ergebnisse vorweisen zu können. In den letzten Jahrzehnten sind wichtige und globale neue Märkte in den Bereichen Gesundheitsfürsorge, Medien, Unterhaltung, Kommunikation und Einzelhandel entstanden, die auf bahnbrechende Innovationen in den IKT, in der Biotechnologie, in der Umwelttechnologie und in der Internet- und Plattformwirtschaft zurückgehen. Im weiteren Verlauf des Innovationsprozesses werden diese marktschaffenden Innovationen, die Auswirkungen auf die Wirtschaft der Union insgesamt haben, von schnell wachsenden und häufig neuen Unternehmen eingeführt. Jedoch erfolgte die Gründung und Expansion dieser Unternehmen selten in der Union. Eine neue globale Welle bahnbrechender Innovationen ist im Entstehen begriffen, die sich auf technologieintensivere Technologien wie die Block-Chain-Technologie, KI, Genomik/Multi-Omik und Robotik sowie weitere Technologien stützen wird, die auch von einzelnen Innovatoren und Bürgergemeinschaften ausgehen können. Ihnen gemein ist, dass sie sich an der Schnittstelle zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, technologischen Lösungen und Wirtschaftssektoren herausbilden, wobei sie radikal neue Kombinationen von Produkten, Verfahren, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen anbieten und das Potenzial haben, weltweit neue Märkte zu erschließen. Auswirkungen wird es auch in weiteren bedeutenden Sektoren wie dem verarbeitenden Gewerbe, dem Finanzdienstleistungs-, Verkehr- und Energiesektor geben. Europa muss bei dieser Entwicklung dabei sein. Europa ist dabei gut aufgestellt, da die neue Welle in technologieintensiven Bereichen entsteht, in die Europa bereits beträchtlich investiert hat, insbesondere in die Schlüsseltechnologien. Europa verfügt daher über einige Wettbewerbsvorteile bei Wissenschaft und Wissen, einschließlich Humanressourcen, und kann auf einer engen Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor (z. B. im Gesundheitswesen oder im Energiesektor) aufbauen. Damit Europa an der Spitze der neuen Entwicklung bahnbrechender Innovationen stehen kann, müssen die folgenden zugrundeliegenden Herausforderungen erreicht werden: —  Erhöhung der Risikofinanzierung zur Überbrückung von Finanzierungslücken: Die Innovatoren in Europa leiden unter einem geringen Angebot an Risikofinanzierungsmitteln. Privates Risikokapital ist entscheidend dafür, dass aus bahnbrechenden Innovationen weltweit führende Unternehmen werden; in Europa beträgt das private Risikokapital aber weniger als ein Viertel des in den USA und in Asien mobilisierten privaten Risikokapitals; Europa muss es gelingen, dass Ideen und Innovationen, insbesondere die bahnbrechenden Innovationen mit hohem Risiko, die durch langfristige Investitionen unterstützt werden müssen, das „Tal des Todes“, d. h. die Lücke zwischen öffentlichen und privaten Investitionen, überwinden und es zum Markt schaffen können; —  Erleichterung des Zugangs zu Forschungsergebnissen, Verbesserung der Umwandlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in Innovation und Beschleunigung des Transfers von Ideen, Technologien und Talenten von der Grundlagenforschung zu Start-up-Unternehmen und zur Industrie; —  weitere Unterstützung der Entwicklung jeglicher Form von Innovation, einschließlich nutzer- und verbraucherorientierter Dienstleistungsinnovation und inklusiver sozialer Innovation; —  Beschleunigung des Wandels bei Unternehmen: Die europäische Wirtschaft ist bei der Übernahme und dem Ausbau neuer Technologien im Rückstand: 77 % der jungen und großen FuE-Unternehmen befinden sich in den USA oder Asien, und nur 16 % haben ihren Sitz in Europa; —  Verbesserung und Vereinfachung des europäischen Umfelds für die Finanzierung und Förderung von FuI: Die Vielzahl der Finanzierungsquellen bildet für Innovatoren ein komplexes Umfeld. Maßnahmen der Union müssen in Zusammenarbeit und Abstimmung mit anderen Initiativen auf europäischer, nationaler und regionaler, öffentlicher wie auch privater Ebene erfolgen, um die Förderkapazitäten zu stärken und besser auszurichten, eine Überschneidung von Tätigkeiten zu vermeiden und ein Umfeld zu schaffen, in dem sich europäische Innovatoren leicht zurechtfinden; —  Überwindung der Fragmentierung des Innovationssystems; in Europa gibt es zwar vermehrt Hotspots, doch diese sind nicht gut miteinander vernetzt; Unternehmen mit internationalem Wachstumspotenzial sehen sich konfrontiert mit einer Fragmentierung nationaler Märkte und ihren jeweiligen Sprachen, Geschäftskulturen und Vorschriften; die Union muss bei der Unterstützung der wirksamen Zusammenarbeit zwischen nationalen und regionalen Innovationssystemen einen Beitrag leisten, damit Unternehmen, insbesondere KMU, in ganz Europa Zugang zum besten Fachwissen, zu den besten Fachkenntnissen, zur besten Infrastruktur und zu den besten Dienstleistungen erhalten; die Union muss die Zusammenarbeit zwischen den Innovationssystemen unterstützen, auch durch Regulierung, damit die Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Technologien und praktischen Lösungen verbessert wird. Angesichts der neuen globalen Welle bahnbrechender Innovationen muss die Förderung der Union Innovatoren einen flexiblen, einfachen, nahtlosen und maßgeschneiderten Ansatz verfolgen. Die Strategie zur Entwicklung und Einführung bahnbrechender Innovationen und zur Expansion von Unternehmen muss risikofreudig sein, den vorgenannten Herausforderungen Rechnung tragen und zusammenhängenden Innovationstätigkeiten, die von den von einzelnen Mitgliedstaaten oder Regionen durchgeführt werden, einen Mehrwert verleihen. Die Säule „Innovation in Europa“ des Programms „Horizont Europa“ ist so konzipiert, dass er zusammen mit anderen Strategien der Union, insbesondere mit dem Programm „InvestEU“, solche konkreten Ergebnisse hervorbringt. Er baut auf Erkenntnissen und Erfahrungen aus früheren Rahmenprogrammen auf, insbesondere aus Tätigkeiten im Rahmen von beispielsweise FET und „Der schnelle Weg zur Innovation“ sowie des KMU-Instruments, aber auch im Rahmen der privaten und institutionellen Finanzierung (z. B. RSFF RP7, Horizont 2020 — InnovFin), die im Rahmen der Tätigkeiten der Pilotprojekte des EIC für den Zeitraum 2018-2020 zusammengeführt und gebündelt werden. Ausgehend von diesen Erfahrungen sieht diese Säule die Einrichtung des EIC vor, der vor allem bahnbrechende und disruptive Technologien und Innovationen mit Schwerpunkt speziell auf marktschaffenden Innovationen fördern wird und zudem alle Arten von Innovationen, einschließlich inkrementeller Innovation, — insbesondere in KMU, einschließlich Start-up-Unternehmen, und in Ausnahmefällen in kleinen Unternehmen mit mittlerer Kapitalausstattung, die allesamt über ein rasches Expansionspotenzial auf Unions- und globaler Ebene verfügen. Der EIC wird die folgenden Maßnahmen und Tätigkeiten durchführen: —  Unterstützung der Entwicklung künftiger und neu entstehender bahnbrechender Innovationen, einschließlich technologieintensiver Innovationen, aber auch nichttechnologischer Innovationen; —  Überbrückung von Finanzierungslücken bei der Entwicklung, Einführung und Ausweitung marktschaffender Innovationen; —  Mobilisierung von Privatkapital und Privatinvestitionen; —  Steigerung der Wirkung und Sichtbarkeit der Innovationsförderung der Union. In dieser Säule sind auch Tätigkeiten im Rahmen des EIT, insbesondere seiner KICs, vorgesehen. Zudem wird für systematische Synergien zwischen dem EIC und dem EIT gesorgt. Innovative Unternehmen, die Teil einer KIC sind, können mit dem EIC in Kontakt gebracht werden, um eine Pipeline für noch nicht bankfähige Innovationen zu schaffen, und umgekehrt kann Unternehmen mit hohem Innovationspotenzial, die vom EIC finanziert werden und noch nicht Mitglieder einer KIC sind, die Möglichkeit geboten werden, Zugang zu der damit verbundenen zusätzlichen Unterstützung zu erhalten. Der EIC und die KICs können zwar in der gesamten Union Innovationen unmittelbar unterstützen, doch das gesamte Umfeld, in dem europäische Innovationen gedeihen und aus dem sie hervorgehen, muss weiterentwickelt und verbessert werden: Erkenntnisse der Grundlagenforschung sind die Keimzelle für marktschaffende Innovationen. Die Förderung von Innovationen in ganz Europa, in allen Dimensionen und Formen, muss ein gemeinsames europäisches Anliegen sein, das, wann immer es möglich ist, einander ergänzende Maßnahmen (u. a. durch wirksame Synergien mit dem EFRE und den Strategien für intelligente Spezialisierung) und Ressourcen auf Unionsebene sowie auf nationaler und regionaler Ebene einschließt. Daher enthält diese Säule auch erneuerte und verstärkte Koordinierungs- und Kooperationsmechanismen mit Mitgliedstaaten und assoziierten Ländern, aber auch mit Privatinitiativen zur Unterstützung aller Akteure der europäischen Innovationssysteme, auch auf regionaler und lokaler Ebene; Darüber hinaus wird diese Säule als Teil weiterer Bemühungen zur Verbesserung der Kapazitäten für die Risikofinanzierung von FuI in Europa eine enge Verbindung zum Programm „InvestEU“ herstellen. Aufbauend auf den Erfolgen und Erfahrungen im Rahmen von „Horizont 2020 — InnovFin“ und im Rahmen des Europäischen Fonds für Strategische Investitionen (EFSI) wird das Programm „InvestEU“ den Zugang zur Risikofinanzierung für bankfähige Akteure und für Investoren verbessern. 1   DER EUROPÄISCHE INNOVATIONSRAT 1.1.   Interventionsbereiche Die Tätigkeit des EIC beruht auf den folgenden Grundsätzen: ein klarer Mehrwert für die Union, Autonomie, Risikobereitschaft, Effizienz, Wirksamkeit, Transparenz und Rechenschaftspflicht. Der EIC wird als zentrale Anlaufstelle für alle Arten von Innovatoren, unter anderen von Einzelpersonen bis zu Hochschulen, Forschungsorganisationen und Unternehmen (KMU, einschließlich Start-up-Unternehmen, und — in Ausnahmefällen — kleine Unternehmen mit mittlerer

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.