Europäische Union

2004/275/EG: Entscheidung der Kommission vom 10. Oktober 2001 zur Erklärung der Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt — Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Sache COMP/M.2283 — Schneider/Legrand) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3014) (Text von Bedeutung für den EWR)

Amtliche Ursprungsfassung

Quellenkennung: 32004D0275. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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ner Phase(27) und dem Nullleiter hervorruft. Im System IT schließlich ist der Fehlerstrom schwach (einige Milliampere und das Zehnfache davon), da er durch den Scheinwiderstand der Verbindung Nullleiter-Erde begrenzt ist. (110) Daraus ergeben sich erhebliche Konsequenzen für die Konzipierung der Stromversorgungsinstallation. (111) Im System TT führt eine fehlerhafte Isolierung oder ein zufälliger Kontakt einer Phase mit einer elektrischen Masse zu einem Entweichen von Strom über die Erdung der Elektroinstallation. Die elektrische Masse (d. h. die äußeren Teile eines Elektrogerätes, die der Benutzer normalerweise berühren kann) steht dann unter Stromspannung. Zum Schutze des Benutzers gegen die Gefahr eines Stromschlages, der durch eine zufällige Berührung mit der Masse ausgelöst wird (Stromschlag durch indirekten Kontakt), muss das Entweichen von Strom über die Erdung sehr schnell angezeigt und die Stromzufuhr unterbrochen werden. Darin besteht die Funktion der oben beschriebenen "Differenzialschutzsperre". Das System TT führt daher zwingend zur Verwendung einer Differenzialschutzsperre zum Schutz von Personen gegen die Gefahren eines Stromschlags durch indirekten Kontakt. Die Empfindlichkeit der im TT-System verwendeten Differenzialschutzsperre zum Schutz von Personen vor indirekten Kontakten beträgt im Allgemeinen zwischen 30 Milliampere (mA) (hohe Sensibilität) und 300 oder 500 mA (mittlere Sensibilität). (112) Im System TN führt eine fehlerhafte Isolierung oder ein zufälliger Kontakt einer Phase mit einer elektrischen Masse nicht wirklich zu einem "Entweichen von Strom", sondern zu einem Kurzschluss (zwischen Phase und Nullleiter). Dabei fließt erheblicher Strom im Nullleiter. Der Schutz des Benutzers gegen die Gefahr eines Stromschlags durch direkten Kontakt ist in diesem Falle insbesondere durch Trennschalter mit niedriger Auslöserschwelle (und, außer im System TNS, nicht durch Differenzialschutzsperren) gewährleistet (so dass die Auslösung der Trennung schnell erfolgt). Anstelle von Trennschaltern können schließlich auch Sicherungen verwendet werden. (113) Im System IT schließlich ist der entwichene Strom, wie oben beschrieben, im Falle der fehlerhaften Isolierung oder des zufälligen Kontaktes mit einer elektrischen Masse schwach und erfordert daher keine Unterbrechung der Stromzufuhr. Im System IT ist also im Fall eines ersten Fehlers die Kontinuität der Stromversorgung sichergestellt. Es ist das bevorzugte Nullleitersystem in den Einrichtungen, die eine kontinuierliche Versorgung benötigen (Krankenhäuser, Flughäfen etc.). Dafür ist es aber wichtig, diesen ersten Fehler zu bemerken, um ihn beheben zu können. Denn wenn ein zweiter Fehler auftritt kommt die Elektroinstallation im IT-System einer Installation im System TN (oder TT, wenn die Massen untereinander nicht verbunden sind) gleich und führt zu einem erheblichen Kurzschluss (oder Entweichen von Strom). (114) In der Praxis führt das System IT zum Einsatz von zwei Gerätetypen: einerseits eines "Kontrollgerätes zur ständigen Überwachung der Isolierung" (CPI), das die Entdeckung des aufgrund des ersten Fehlers entweichenden Schwachstroms sicherstellt; und andererseits eines Trennschalters oder einer Differenzialschutzsperre (Fehlerstromschutzschalter), die den Schutz gegen einen zweiten Fehler gewährleisten. Die Leistungsfähigkeit der Bauteile (115) Anschließend ist die Dimensionierung zu bestimmen, d. h. die Leistungsfähigkeit der Bauteile. So handelt es sich beispielsweise um die Festlegung der zweckmäßigsten Technologie des Trennschalters (Starkstromtrennschalter, Trennschalter mit Panzergehäuse oder Miniaturtrennschalter), und innerhalb dieser Technologie um die Auswahl der geeignetsten charakteristischen Merkmale. Die Trennschalter zeichnen sich hauptsächlich aus durch ihre (i) Nominalstärke (Stärke, nach deren Überschreiten sich der Trennschalter ausklinkt und den betreffenden Stromkreis unterbricht); (ii) Trennungsstärke (maximale Stromstärke, welcher der Trennschalter im Falle eines Kurzschlusses ohne Schaden standhalten kann); (iii) Anzahl an Polen (d. h. der Anzahl an Leitern von 1 bis 4, die im Falle des Ausklinkens vom Trennschalter gleichzeitig unterbrochen werden); (iv) Kennkurve für das Ausklinken (zur Kennzeichnung der Reaktionszeit, die aufgrund der jeweiligen Stromstärke für dieses Ausklinken benötigt wird). Alle diese charakteristischen Merkmale hängen unmittelbar mit dem Nullleitersystem, den in der Elektroinstallation fließenden Stromstärken und den anderen ihr vor- oder nachgelagerten Ausrüstungen zusammen. (116) Die von den Parteien vorgelegten Daten legen nahe, dass diese Auswahl im Allgemeinen durch die Elektroinstallation vorgegeben ist. Genauer betrachtet hat es aber den Anschein, dass die Gestaltung der jeweiligen Gebäude oder gewerblichen Anlagen im Allgemeinen die Bedingungen für das elektrische System vorgibt, das vom Elektroinstallateur erst festzulegen ist, und dass dieses Schema dann wiederum entscheidend für die Festlegung der Leistungsfähigkeit der in die Verteilerschalttafeln einzubauenden Elemente ist. (117) Wie beispielsweise von Schneider angeführt wird, "kann der Anstieg der Preise für Trennschalter von 16 Ampere, die in der Regel der Installation [...]* nachgelagert und damit in großer Anzahl in den Endverteilerschalttafeln vorhanden sind, beträchtliche Auswirkungen auf den Preis der Verteilerschalttafel haben (und damit in bestimmten Fällen die Konzeption der Elektroinstallation in Frage stellen). Jedoch ist es nach [...]* vielmehr die Topographie der Installation und der Bedarf an Sicherheit bei der Nutzung, welche für die endgültige Auswahl des Benutzers und damit auch des Elektroinstallateurs bestimmend sind." (118) So führen die Parteien an, dass es für bestimmte Gebäude, Wohnungen oder gewerbliche Anlagen in der Regel ein optimales Schema für die Elektroinstallation gibt. Beispielsweise könne man sich zwar theoretisch eine Menge von verschiedenen Elektroinstallationen für bestimmte Wohnobjekte vorstellen (mit einem verschiedenen Trennschalter für jedes Zimmer oder einem Trennschalter für zwei Zimmer etc.), doch beuge sich der Elektroinstallateur in erster Linie der Besorgtheit um Sicherheit und Qualität bei der Benutzung, die ihn dazu veranlasst, die Schutzvorkehrungen von ihrer Anzahl her aufzustocken (um im Fall von Fehlerstrom jeden Stromkreis isolieren und die Stromversorgung in allen von diesem Fehlerstrom nicht betroffenen Stromkreisen aufrechterhalten zu können). In der Praxis erfolgt die Festlegung dieses Installationsschemas häufig durch Computerprogramme, wie dem von Schneider angebotenen System ECODIAL, die so konzipiert sind, dass sie den Kunden zu einer Lösung hinführen, die eine optimierte Qualität an Dienstleistungen bietet und daher nicht notwendigerweise auf die niedrigsten Installationskosten ausgerichtet ist. Die Parteien heben auch hervor, dass die Entscheidung, die Schutzmechanismen aufzustocken, ebenfalls ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis bieten kann, da dadurch eine Reduzierung des Postens der elektrischen Kabel (und damit auch der Kosten) möglich wird. (119) Dieses Schema legt dann direkt die charakteristischen Merkmale für jeden Stromkreis und damit auch die Leistungsfähigkeit fest, die von den verschiedenen Bauteilen erwartet wird. (120) Diese Parameter entscheiden anschließend über die am besten passenden Bauteile, d. h. diejenigen, welche die Erwartungen an die Leistungsfähigkeit erfuellen, ohne dieses Ziel unnützerweise zu überbieten (aus Kostengründen). Zwar kann man theoretisch auch Bauteile mit erhöhter Leistungsfähigkeit verwenden, diese Wahl brächte dem Benutzer bei erheblichen Mehrkosten aber keinen zusätzlichen Mehrwert. So kann man nach den Hinweisen von Schneider "theoretisch für die Sektion 4 auch die in Sektion 2 eingesetzten Trennschalter mit erhöhter Trennungsstärke verwenden, und zwar nach der Erst-recht-Formel, 'wer mehr kann, kann auch weniger'. Die Kosten dieser Apparaturen verbieten aber eine solche Lösung". (121) Folgende Produkte sind als Bauteile von Verteilerschalttafeln möglich: Tabelle 4 >PLATZ FÜR EINE TABELLE> B.1.3 Die Festlegung der relevanten Produktmärkte (122) Die Parteien betreiben Wirtschaftstätigkeiten, die sich auf dem Gebiet der Stromverteilerschalttafeln für Niederspannungsanlagen und der in diese Schalttafeln eingebauten Elemente überschneiden. Die von den Parteien vorgeschlagene Definition der Produktmärkte (123) Die Parteien schlagen vor, bei den Systemen zum Schutz von Personen und Ausrüstungen in Elektroinstallationen mit Niederspannung zwischen drei Produktmärkten zu unterscheiden. Die Parteien schlagen ferner vor, diese Produktmärkte anhand der Ebene der Stromverteilung zu bestimmen. So unterscheiden die Parteien zwischen einem Markt für Gesamtverteilerschalttafeln im Niederspannungsbereich, einem Markt für Trennverteilerschalttafeln im Niederspannungsbereich und einem Markt für Endverteilerschalttafeln. Die Märkte der Lösungen (124) Schneider ist in erster Linie der Auffassung, dass der Wettbewerb zwischen den Herstellern nicht auf der Ebene der Bauteile von Verteilerschalttafeln ausgetragen wird (die von den Herstellern an die Großhändler und von den Großhändlern an die Schalttafelbauer und die Elektroinstallateure verkauft werden), sondern auf der Ebene der "Lösungen" für die Stromverteilung (also der Schalttafeln selbst), die für den Zusammenbau dieser Bauteile gefunden werden. Die Lösungen der verschiedenen Hersteller sind zwar untereinander austauschbar, da sie dieselben Funktionen erfuellen und denselben technischen Anforderungen unterliegen. Dagegen sind die Bauteile, die von verschiedenen Herstellern angeboten werden, untereinander nicht austauschbar, und zwar entweder aus Gründen der technischen Kompatibilität (bei Gesamtverteiler- und Trennverteilerschalttafeln), oder weil die Elektroinstallateure in der Regel einer Marke treu sind und damit alle Bauteile bei ein und demselben Hersteller kaufen (bei Endverteilerschalttafeln). Als Reaktion auf diese Nachfrage haben die einzelnen Hersteller ihr jeweiliges Angebot von Lösungen ausgearbeitet, das voraussetzt, dass sie in der Lage sind, alle Bauteile ihrer jeweiligen Lösung liefern zu können. Diese Lösung wäre also das Produkt auf diesem Markt. Die drei verschiedenen Märkte (125) Schneider ist im Übrigen der Auffassung, dass jeder Schalttafeltyp (Gesamt- Trenn- und Endverteilerschalttafeln) einen eigenen Markt darstellt. Erstens unterschieden sich die Gesamtverteilerschalttafeln im Hinblick auf die unterschiedliche technische Leistungsfähigkeit von den Trennverteiler- und den Endverteilerschalttafeln (insbesondere im Hinblick auf die Stromstärken) und setzten sich wenigstens teilweise aus Bauteilen zusammen, die für die jeweilige Kategorie von Schalttafeln spezifisch sind (Trennschalter für Starkstrom, auch "offene Trennschalter" genannt). Umgekehrt enthielten Gesamtverteilerschalttafeln keine Miniaturtrennschalter, die in Trennverteiler- und Endverteilerschalttafeln reichlich vorhanden sind. (126) Zweitens unterschieden sich die Trennverteiler- von den Endverteilerschalttafeln in Niederspannungsanlagen, in dem Maße, als Letztere für schwächere Stromstärken ausgelegt sind (unter 125 Ampere) und Erstere spezifische Bauteile enthalten (insbesondere Differenzialschutzsperren), die in Endverteilerschalttafeln nicht verwendet werden. Die Analyse der Kommission (127) In den folgenden Absätzen wird untersucht, nach welchen Parametern sich der Wettbewerb auf den Märkten im Zusammenhang mit Stromverteilerschalttafeln abspielt. Aus der Untersuchung der Kommission ergibt sich, dass diese Stromverteilerschalttafeln in der Regel von einer einzigen Marke stammen. Jedoch muss diese Feststellung mit der Erkenntnis einhergehen, dass die Hersteller elektrischer Betriebsmittel die Bauteile an die Großhändler verkaufen, und dass sich der Wettbewerb der Hersteller also beim Verkauf der Bauteile abspielt. Daraus ist die Schlussfolgerung zu ziehen, dass es sich bei den sachlich relevanten Produktmärkten, die als Referenzwert für die wettbewerbsrechtliche Analyse des angemeldeten Zusammenschlussvorhabens heranzuziehen sind, um die Märkte der Bauteile handelt, die in die Stromverteilerschalttafeln eingebaut werden. Die Verteilerschalttafeln stammen sehr häufig von einer einzigen Marke (128) Die Untersuchung der Kommission zeigt, dass die Stromverteilerschalttafeln sehr häufig (vor allem wenn sie installiert werden) nur Bauteile einer einzigen Marke enthalten. Diese Tatsache hängt mit Sachzwängen technischer Art zusammen, so insbesondere bei Trennverteilerschalttafeln, und Gewohnheiten handelspolitischer Art zusammen, so insbesondere bei Endverteilerschalttafeln. Die technischen Sachzwänge (129) Der Wettbewerb der Hersteller stellt zugleich auf eine isoliert zu betrachtende Komponente ab, aber auch auf die Leistungsfähigkeit der Verteilerschalttafeln, die durch die Kombination dieser Komponente mit anderen Bauteilen zusammengesetzt wird. Beispielsweise macht ein Trennschalter mit gegossenem Gehäuse nur wenig Sinn, wenn er nicht mit anderen Schutzvorrichtungen kompatibel ist (anderen Trennschaltern mit Panzergehäuse, Miniaturtrennschaltern, Sicherungen etc.), die beim Zusammenbau der Schalttafel verwendet werden. (130) Doch zeigen die von den Parteien vorgelegten Daten und die Ergebnisse der Untersuchung der Kommission, dass es bei den Gesamtverteiler- und den Trennverteilerschalttafeln wirtschaftlich nicht machbar wäre, die Kompatibilität zwischen bestimmten Bauteilen unterschiedlicher Marken sicherzustellen. Beispielsweise weisen die Parteien darauf hin, dass die Verwendung von gemischten Bauteilen unterschiedlicher Hersteller in einer Gesamtverteilerschalttafel den Schalttafelbauer dazu verpflichten würde, neue Erprobungen damit vorzunehmen, um die ordnungsgemäße Funktionsweise der derart zusammengesetzten Schalttafel zu überprüfen. Die Kosten dieser zusätzlichen Erprobungen beliefen sich je nach Garantien, die zu erbringen sind, auf etwa 10000 bis 25000 EUR; diese Kosten verbieten eine derartige Lösung für eine bestimmte Schalttafel. (131) Ebenso sind die Schaltkästen und bestimmte Bauteile von Schaltkästen (Klemmplatinen etc.) in den Trennverteilerschalttafeln, die durch einen Hersteller verkauft werden, spezifisch auf die Bauteile des betreffenden Herstellers zugeschnitten. So hat jeder Hersteller tatsächlich spezifische Vorrichtungen für den Zusammenbau ausgetüftelt, die dazu dienen, den Zusammenbau der Schalttafel zu erleichtern. (132) Eine Trennverteilerschalttafel enthält typischerweise am Kopfende der Schalttafel einen Trennschalter mit Panzergehäuse, der eine Reihe von Abgängen versorgt und schützt, die ihrerseits wieder durch eine Reihe von Miniaturtrennschaltern versorgt und geschützt werden. Um sicherzustellen, dass ein Fehlerstrom bei einem Abgang nur die Trennung des betreffenden Abgangs auslöst, und nicht die Trennung der Gesamtheit der an die Schalttafel angeschlossenen Abgänge, ist sicherzustellen, dass ein bei diesem Abgang auftretender Fehlerstrom eher durch die diesem Abgang eigene Schutzvorrichtung getrennt wird, und nicht durch die Schutzvorrichtung am Eingang der Schalttafel. Diese Funktion trägt die Bezeichnung "Trennschärfe". (133) Doch offenbar wird diese Trennschärfe zumindest in Bezug auf die Trennverteilerschalttafeln von äußerst ausgeklügelten baulichen Vorrichtungen (Schnelligkeit der Öffnung der Kontakte, Energiemengen, die der Trennschalter bei der Trennung durchlässt etc.) sichergestellt, die auch mit der Art der Konzeption und Herstellung der Produkte zusammenhängen. So ist Schneider der Auffassung, dass zwei im Hinblick auf die anwendbaren Normen identische Trennschalter trotzdem unterschiedliche Leistungsfähigkeiten im Hinblick auf die Trennschärfe aufweisen können, so dass es unmöglich ist, zu gewährleisten, dass die Produkte verschiedener Hersteller untereinander die gleiche Trennschärfenfunktion aufweisen. (134) Die Kompatibilität und die Trennschärfe der Bauteile sind für den Schalttafelbauer oder den Elektroinstallateur wesentliche Merkmale, da sie es sind, die es ihm ermöglichen, die Leistungsfähigkeit des Endprodukts Verteilerschalttafel zu gewährleisten und damit dem Bedarf seines Kunden gerecht zu werden. Da die Kompatibilität und die Trennschärfe aber nur innerhalb einer bestimmten Marke sichergestellt werden können, wird der Schalttafelbauer davon Abstand nehmen, gemischte Bauteile verschiedener Marken zu verwenden, und sich vielmehr alle für eine Schalttafel erforderlichen elektrischen Betriebsmittel bei ein und demselben Hersteller beschaffen. Nach den Einlassungen eines Schalttafelbauers(28), "gibt es keine Vermengung von Produkten verschiedener Marken. [...]* Die Installationsvorschriften zwingen zur Verwendung derselben Marke." (135) Für die Gesamtverteiler- und Trennverteilerschalttafeln ergibt sich daraus, dass durch die Wahl der Marke eines Schlüsselbauteils, wie eines Trennschalters mit Panzergehäuse für Trennverteilerschalttafeln, im Allgemeinen auch die Verwendung derselben Marke für alle anderen Bauteile vorgegeben ist, die zum Schutz der betreffenden Verteilerschalttafel benötigt werden. Sobald beispielsweise der Schalttafelbauer die Marke des Trennschalters mit Panzergehäuse für die Verteilerschalttafel festgelegt hat, hat er de facto auch seine Auswahl bei den anderen Bauteilen (Schaltkasten, Miniaturtrennschalter etc.) eingeschränkt, da er jetzt nur noch die Marken wählen kann, welche die Kompatibilität mit dem bereits ausgewählten Panzerschalter gewährleisten. (136) Es hat jedoch den Anschein, dass nicht unbedingt alle Bauteile der Schalttafel bei demselben Markenhersteller beschafft werden müssen, und dass bei bestimmten Bauteilen ohnehin eine gewisse Vermengung besteht. Dies scheint insbesondere bei den Bauteilen der Fall zu sein, die keine unmittelbare Schutzfunktion haben, wie z. B. die Bauteile von Schaltkästen. Denn die Verkaufsanteile der Parteien können auf ein und demselben Absatzgebiet erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Bauteilen für den Zusammenbau einer Trennverteilerschalttafel aufweisen. So dürfte der Marktanteil von Schneider bei Trennschaltern für Trennverteilerschalttafeln in Frankreich komplett bei [50-90]* % liegen, bei Verteilerkästen aber nicht höher als [30-40]* %. Nach der Auffassung der Parteien lassen sich diese Unterschiede damit erklären, dass für denselben Typ Stromverteilerschalttafel verschiedene Lösungen vorstellbar sind. Wenn dies der Fall wäre, so zeigten die vorstehenden Zahlen, dass die von Schneider verkauften Trennverteilerschalttafeln im Durchschnitt fast zweimal so viele Trennschalter enthalten wie die von seinen Konkurrenten verkauften Trennverteilerschalttafeln. Insbesondere im Hinblick auf die Vielfalt der Kunden von Schneider in Frankreich ist dies wenig wahrscheinlich. Eine glaubhaftere Erklärung läge darin, dass die Vermengung zwar im Bereich der Trennschalter begrenzt ist (und zwar aus Gründen der Kompatibilität und der Trennschärfe), diese bei den Bauteilen für Schaltkästen aber häufiger vorkommt, da sie nicht denselben Regeln für Kompatibilität und Trennschärfe unterliegen wie die Trennschalter. Dies gilt auch für die Differenzialschutzsperren (Fehlerstromschutzschalter), die gleichfalls von spezialisierten Unternehmen geliefert werden. Dies ist beispielsweise der Fall bei Baco, einem Tochterunternehmen von Legrand, das Differenzialschutzsperren unter seiner eigenen Marke vermarktet. Im Bereich der Endverteilerschalttafeln schließlich variieren die Marktanteile, welche die Parteien für die einzelnen Kategorien von Bauteilen angegeben haben, von einem Bauteil zum anderen erheblich. Die Gewohnheiten handelspolitischer Art (137) Die Vermengung von Produkten verschiedener Marken in ein und derselben Endverteilerschalttafel scheint technisch möglich zu sein und wird gelegentlich auch praktiziert. Die Parteien rufen jedoch in Erinnerung, dass die Bauteile der Endverteilerschalttafeln im Wesentlichen integriert sind und von den Elektroinstallateuren ausgesucht werden, die "im Allgemeinen einer Marke treu bleiben und den kompletten Bausatz bei einem einzigen Hersteller kaufen, und zwar wegen der Erleichterungen für die Montage der Verteilerschalttafel, des äußeren Erscheinungsbildes der Produkte, der Funktionalität der Apparaturen und des Vertrauens in die technische Qualität der Erzeugnisse dieses Herstellers"(29). Obwohl also keine technischen Hindernisse für die Vermengung der Bauteile verschiedener Hersteller bestehen, kaufen die Elektroinstallateure immer wieder alle ihre Bauteile eher von ein und demselben Hersteller. (138) Diese Erwägungen zeigen auch, dass das Angebot einer kompletten Produktpalette im Rahmen einer einzigen Marke in diesem Sektor einen erheblichen Wettbewerbsvorteil darstellt. Nach den Einlassungen eines Herstellers(30) "schrumpft der Handlungsspielraum für kleine Herstellerbetriebe oder für Hersteller isolierter Bauteile angesichts der Marktentwicklung immer mehr, die dazu tendiert, komplette Elektroinstallationen und integrierte Systeme zu liefern". (139) Die Nachfrage nach kompletten Produktpaletten erklärt sich vor allem aus der Tatsache, dass sich die Elektroinstallateure und die Schalttafelbauer in erster Linie den Marken zuwenden, die ihnen die Gewährleistung für Sicherheit und Kompatibilität bieten, und zwar unabhängig von der gewählten Konfiguration und der sich daraus ergebenden Auswahl und Zusammensetzung der verschiedenen Bauteile einer Verteilerschalttafel. In Anbetracht der Mannigfaltigkeit der in eine Gesamtverteiler- oder Trennverteilerschalttafel aufzunehmenden Bauteile (so zählt Schneider über 3000 Referenzwerte für Trennverteilerschalttafeln) müssen die Marken heute die gesamte Produktpalette der in dieses Verteilerschalttafeln integrierbaren Schutzmaterialien bereithalten. (140) Die Bedeutung von ausgedehnten Produktpaletten und das Ausbleiben einer erheblichen Vermengung von Produkten verschiedener Marken werden durch andere charakteristische Merkmale dieses Sektors noch verstärkt. Zunächst, wie auch aus den Hinweisen von General Electric (GE) hervorgeht, "versuchen die Schalttafelbauer und die Elektroinstallateure normalerweise, alle ihre Produkte von einem einzigen Lieferanten und von einer einheitlichen Marke zu kaufen. Dies verringert ihre Geschäftskosten, ermöglicht ihnen einen besseren Zugang zu Ausbildungsmaßnahmen und Wartungsdienstleistungen des Herstellers und gewährleistet ihnen die technische Kompatibilität der verschiedenen Bauteile." Ferner haben bestimmte Schalttafelbauer und Elektroinstallateure auf die Gewährung von Preisnachlässen oder Produktschulungen im Zusammenhang mit Sammelbestellungen oder der Erfuellung jährlicher Zielvorgaben beim Umsatz von Produkten derselben Marke hingewiesen. Wie die Ergebnisse der Untersuchung der Kommission zeigen, hat es schließlich den Anschein, dass das Angebot einer breitgefächerten Produktpalette einen beträchtlichen Vorteil für den Zugang zu den Großhändlern darstellt. (141) Alle großen Wettbewerber der Parteien (wie ABB, Siemens oder Hager) verfügen über komplette Produktpaletten an Bauteilen. Diejenigen Herstellerbetriebe mittlerer Größe, die nicht alle Bauteile selbst herstellen, müssen diese Produktlücke in der Regel durch Zukäufe des fehlenden Bauteiltyps von anderen Herstellern und anschließende Aufnahme in ihr eigenes Programm schließen. Dies ist beispielsweise der Fall bei Moeller (der sich die Sicherungstrennschalter für Starkstrom bei Schneider besorgt), bei Gewiss (der seine Trennverteilerschalttafeln mit Hilfe der von ABB gelieferten Panzerschalter entwickelt hat) und bei Schneider (der Sicherungstrennschalter bei ABB und Sicherungen bei Holec und Harvey Bubble einkauft). Der Wettbewerbsdruck zwischen den Herstellern und im Hinblick auf die Nachfrage besteht auch auf der Ebene der Bauteile (142) Die Stellung der Parteien in Bezug auf die Festlegung

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.