Europäische Union

94/601/EG: Entscheidung der Kommission vom 13. Juli 1994 in einem Verfahren nach Artikel 85 EG-Vertrag (IV/C/33.833 - Karton) (Nur der deutsche, englische, spanische, französische, italienische und niederländische Text sind verbindlich)

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Avis juridique important | 31994D0601 94/601/EG: Entscheidung der Kommission vom 13. Juli 1994 in einem Verfahren nach Artikel 85 EG-Vertrag (IV/C/33.833 - Karton) (Nur der deutsche, englische, spanische, französische, italienische und niederländische Text sind verbindlich) Amtsblatt Nr. L 243 vom 19/09/1994 S. 0001 - 0078 ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 13. Juli 1994 in einem Verfahren nach Artikel 85 EG-Vertrag (IV/C/33.833 - Karton) (Nur der deutsche, der englische, der französische, der italienische, der niederländische und der spanische Text sind verbindlich) (94/601/EG) DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN - gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, gestützt auf die Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962 - Erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln 85 und 86 des Vertrages (1), zuletzt geändert durch die Akte über den Beitritt Spaniens und Portugals, im Hinblick auf den Beschluß der Kommission vom 21. Dezember 1992, von Amts wegen ein Verfahren einzuleiten, im Hinblick darauf, daß den Beteiligten gemäß Artikel 19 Absatz 1 der Verordnung Nr. 17 in Verbindung mit der Verordnung Nr. 99/63/EWG der Kommission vom 25. Juli 1963 über die Anhörung nach Artikel 19 Absätze 1 und 2 der Verordnung Nr. 17 des Rates (2) Gelegenheit gegeben wurde, sich zu den von der Kommission in Betracht gezogenen Beschwerdepunkten zu äussern, nach Anhörung des Beratenden Ausschusses für Kartell- und Monopolfragen, in Erwägung nachstehender Gründe: TEIL I SACHVERHALT A. ZUSAMMENFASSUNG DES VERSTOSSES (1) Die vorliegende Entscheidung, mit der Geldbussen für einen Verstoß gegen Artikel 85 des Vertrages festgesetzt werden, stützt sich auf Nachprüfungen, die die Kommission im April 1991 durchgeführt hat. Aufgrund von Artikel 14 Absatz 3 der Verordnung Nr. 17 haben Beamte der Kommission die Geschäftsräume verschiedener Kartonhersteller bzw. deren Tochtergesellschaften und Verkaufsagenten in der Gemeinschaft inspiziert. Bei diesen Nachprüfungen und anschließenden Ermittlungen nach Artikel 11 der Verordnung Nr. 17 hat die Kommission schriftliches Beweismaterial gefunden, das zeigt, daß folgende Unternehmen gegen Artikel 85 verstossen haben: - Buchmann GmbH, - Cascades S.A., - Enso-Gutzeit Oy, - Europa Carton AG, - Finnboard - the Finnish Board Mills Association, - Fiskeby Board AB, - Gruber & Weber GmbH & Co KG, - Kartonfabriek "De Eendracht" NV (unter der Firma "BPB de Eendracht" handelnd) - NV Koninklijke KNP BT NV (ehemals Koninklijke Nederlandse Papierfabrieken NV), - Laakmann Karton GmbH & Co KG, - Mayr-Melnhof Kartongesellschaft mbH, - Mo Och Domsjö AB (MoDo), - Papeteries de Lancey S.A.), - Rena Kartonfabrik AS, - Sarrió SpA, - SCA Holding Ltd (ehemals Reed Paper & Board (UK) Ltd), - Stora Kopparbergs Bergslags AB, - Enso Española S.A. (früher Tampella Española S.A.), - Moritz J. Weig GmbH & Co KG. (2) Der Verstoß besteht in der von etwa Mitte 1986 bis (in den meisten Fällen) mindestens April 1991 dauernden Beteiligung an einer Vereinbarung und abgestimmten Verhaltensweise, mit der die Kartonhersteller und -lieferanten in der Gemeinschaft in Absprache und Mittäterschaft unter Verletzung von Artikel 85 - sich regelmässig in einer Reihe geheimer und institutionalisierter Sitzungen trafen, um einen gemeinsamen Industrieplan zur Einschränkung des Wettbewerbs zu erörtern und sich über einen solchen Plan zu verständigen; - regelmässige Preiserhöhungen für jede Kartonsorte in jeder Landeswährung vereinbarten; - gleichzeitige und einheitliche Preiserhöhungen in der gesamten Gemeinschaft planten und vornahmen; - sich darüber verständigten, die Marktanteile der führenden Hersteller (vorbehaltlich gelegentlicher Änderungen) auf konstantem Niveau zu halten; - abgestimmte Maßnahmen zur Kontrolle des Kartonangebotes in der EG trafen, um die Durchführung der vorerwähnten abgestimmten Preiserhöhungen sicherzustellen; - zur Absicherung der vorerwähnten wettbewerbsbeschränkenden Maßnahmen Geschäftsdaten (über Lieferungen, Preise, Abstellzeiten, Auftragsbestände, Kapazitätsauslastung usw.) austauschten. B. DIE KARTONINDUSTRIE 1. Das Produkt (3) Karton (englisch: cartonboard oder paperboard) ist ein aus Holzfasern hergestelltes Material, das in erster Linie für die Anfertigung von Faltschachteln als Verpackung für Nahrungsmittel und non-food-Konsumerzeugnisse verwendet wird. Ferner findet es Verwendung für die Herstellung von Karton für graphische Zwecke. Karton wird nach verschiedenen Methoden hergestellt, bei denen die Fasern in Wasser in einer Konzentration von 1 % dispergiert und anschließend durch Wasserentzug und Trocknen des verbleibenden Faserrückstandes in Bögen gegossen werden. Im Hinblick auf die unterschiedlichen Anforderungen der Endverbraucher wurde eine grosse Vielfat von Kartonqualitäten entwickelt. Die Qualität des Materials hängt zu einem erheblichen Teil von der verwendeten Faser und deren Behandlung während des Herstellungsprozesses ab. Gewöhnlich wird Karton in Bögen aus mehreren Lagen unterschiedlichen Ausgangsstoffs gefertigt und verkauft. Häufig wird er auf seiner hellen Seite mit verschiedenen Materialien beschichtet, um das Aussehen zu verbessern oder das Material für bestimmte Anwendungen geeignet zu machen. Die Hauptunterscheidung wird zwischen Karton aus primären Holzfasern und Karton aus wiederverwertetem Altpapier getroffen. (4) Die wichtigsten in Westeuropa hergestellten Kartonqualitäten sind: - Folding boxboard - FFB (Faltschachtelkarton), ein Produkt mit einer oberen weissen Lage aus gebleichtem chemischem Zellstoff, einer Einlage aus mechanischem oder chemisch-mechanischem Zellstoff und häufig einer dünnen unteren Lage aus gebleichtem chemischem Zellstoff. Faltschachtelkarton wird gewöhnlich für die Verpackung von Nahrungsmitteln, Kosmetika, Zigaretten, Arzneimitteln usw. verwendet. - White-lined chipboard - WLC, im kontinentalen Westeuropa auch als Duplex oder Triplex bekannt (altpapierhaltige Sorten), hergestellt auf der Basis von Sekundär- oder wiederverwerteten Fasern. Dieses Produkt wird mit einer Oberseite aus gebleichtem chemischem Zellstoff und unteren Lagen aus wiederverwertetem Altpapier hergstellt und in der Regel für die Verpackung von non-food-Produkten verwendet. - Solid Bleached Sulphate Board - SBS (100 % Zellstoffkarton), ein durch und durch weisses mehrlagiges Produkt aus gebleichtem chemischem Zellstoff; wird hauptsächlich als Extraqualität für die Verpackung von Lebensmitteln, Kosmetika, Arzneimitteln und Zigaretten verwendet. Bestimmte andere Pappeerzeugnisse (beispielsweise Graukarton, der gänzlich aus Altpapier hergestellt wird) können auch auf Kartonmaschinen hergestellt werden, fallen aber nicht unter den Begriff "Karton" (Cartonboard), wie er von den Herstellern selbst verwendet wird, und sind nicht Gegenstand dieses Verfahrens. In der ganzen westeuropäischen Kartonindustrie werden die in Deutschland üblichen Standard-Produktbezeichnungen und - Abkürzungen verwendet. - Für gestrichenen bzw. ungestrichenen FBB werden die Bezeichnungen "GC" und "UC" verwendet; - gestrichener bzw. ungestrichener Duplex wird mit "GD" und "UD" bezeichnet, während die entsprechenden Triplex-Sorten als "GT" und "UT" bekannt sind; - gestrichener bzw. ungestrichener SBS wird mit "GZ" und "UZ" bezeichnet. Innerhalb dieser Kategorien gibt es weitere Unterteilungen: so wird aufgrund der verwendeten unterschiedlichen Rückseite zwischen GC 1 und GC 2, aufgrund des unterschiedlichen spezifischen Volumens zwischen GD 1 und GD 2 unterschieden usw. Aus praktischen Gründen deckt der Begriff "GC-Sorten" häufig den gesamten Primärfasersektor ab, während "GD-Sorten" die entsprechende Kurzbezeichnung für alle Sorten aus wiederverwendeten Fasern ist. In der vorliegenden Entscheidung werden die Begriffe in diesem Sinne verwendet. 2. Grösse des Marktes (5) Unter anderem wegen sich überschneidender Produktdefinitionen können Schätzungen über die Grösse des Kartonmarktes unterschiedlich ausfallen. Für die Zwecke dieses Verfahrens hat sich die Kommission an die Klassifizierung gehalten, die die an diesem Verfahren beteiligten Hersteller für ihr eigenes Statistikaustauschsystem (siehe Randnummer 61) verwendet haben. Die gesamte Kartonerzeugung der westeuropäischen Hersteller belief sich 1990 (letztes volles Jahr, in dem der Verstoß nach Kenntnis der Kommission angedauert hat) auf 4,2 Millionen Tonnen, wovon rund ein Sechstel in Länder ausserhalb Europas exportiert wurde. In der Gemeinschaft wurden rund 2,4 Millionen Tonnen hergestellt, davon 70 % GD-Sorten. Die Produktion der skandinavischen Länder belief sich auf 1,3 Millionen Tonnen (fast ausschließlich GC und SPS), während Österreich etwa 340 000 Tonnen GD-Sorten herstellte. 1990 wurden in Westeuropa (EG und EFTA) annähernd 3,5 Millionen Tonnen Karton (aller Qualitäten) verbraucht. Davon entfielen 1,3 Millionen Tonnen (37 % nach der Menge) auf GC-Sorten, 1,9 Millionen Tonnen (54 %) auf GD-Sorten und 0,3 Millionen Tonnen (9 %) auf SBS. Der Kartonverbrauch in der Zwölfergemeinschaft lag 1990 bei 3 090 000 Tonnen, davon 1 150 000 Tonnen GC-Sorten und 1 700 000 Tonnen GD-Sorten. Mehr als 80 % des Gemeinschaftsverbrauchs entfallen auf Frankreich, Deutschland, Italien und das Vereinigte Königreich. Die Einfuhren aus EFTA-Ländern, vor allem Schweden und Finnland, erreichten 30 % des Gemeinschafsmarktes. Einzelheiten betreffend Produktion, Verkäufe und Verbrauch für 1990 sind in Tabelle 1 zu finden. Der wertmässige Umsatz auf dem Kartonmarkt der Gemeinschaft erreichte 1990 annähernd 2,5 Milliarden ECU. (6) Der westeuropäische Kartonmarkt war in den letzten 30 Jahren durch ein kräftiges Wachstum gekennzeichnet. Auf Jahresbasis lag die Wachstumsrate bei Karton in der Regel über der der Industrieproduktion insgesamt. So erreichte in den achtziger Jahren die durchschnittliche Wachstumsrate bei Karton in Westeuropa 3 % gegenüber einer durchschnittlichen jährlichen Zuwachsrate der Industrieproduktion von nur 1,5 %. In den vier Jahren 1987 bis 1990 erhöhte sich der Kartonverbrauch um 18,6 %. 1991 kam es jedoch zu einem Rückgang der Nachfrage um 2,2 %. In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre stieg die Nachfrage nach GC-Sorten (Primärfaserqualitäten) fast dreimal so schnell wie die Nachfrage nach GD-Sorten (Sekundärfaserqualitäten). Das Jahr 1990 brachte eine Trendwende: während die Verkäufe von GD-Sorten in der Gemeinschaft gegenüber dem Vorjahr um 11 % anstiegen, gingen die Verkäufe von GC-Sorten um 1 % zurück. Diese deutliche Rückkehr zu GD-Sorten im Jahre 1990 ist durch mehrere Faktoren zu erklären: erhöhtes Umweltbewusstsein der Öffentlichkeit; Anwachsen der Preisdifferenz zwischen GC- und GD-Sorten Ende 1989, als die Preise für GC-Sorten, nicht aber für GD-Sorten anzogen; verbessertes Aussehen verschiedener GD-Sorten mit der Folge, daß sie einem GC-Produkt ähnlicher geworden sind. 3. Die Hersteller (7) Der Kartonmarkt der Gemeinschaft wird zu einem grossen Teil von Herstellern von GC-Sorten aus europäischen Drittländern und speziell aus Schweden und Finnland versorgt. Der GC-Sektor wird von mehreren grossen skandinavischen Forstproduktkonzernen beherrscht, die nach der unlängst vollzogenen Umstrukturierung der Branche und verschiedenen Übernahmen heute de facto mit einem beträchtlichen Teil ihrer Produktionskapazität in der Gemeinschaft vertreten sind. Der grösste europäische Hersteller von GC-Sorten ist die schwedische Stora-Gruppe mit einer Jahresproduktion von annähernd 450 000 Tonnen. Zwei Drittel der GC-Produktion von Stora stammen von ihren Kopparfors-Werken in Schweden und der Rest von dem früheren Feldmühle-Werk, das Stora 1990 übernahm (Feldmühle stellte auch GD-Sorten her). Ein weiterer führender schwedischer Hersteller, die MoDo-Gruppe, stellt 200 000 Tonnen GC-Sorten her, die praktisch zur Gänze aus ihrem Werk im Vereinigten Königreich in Workington, Cumbria, stammen. Die Produktion von MoDo in Schweden besteht nahezu gänzlich aus SBS. Die (1991) vier finnischen GC-Hersteller - Metsä-Serla, Kyro, Tampella und United Paper Mills - produzieren zusammen knapp 500 000 Tonnen (sämtlich in Finnland) und vermarkten ihre Produktion in der Gemeinschaft und in anderen Exportmärkten ausschließlich über ihre gemeinsame Verkaufsagentur Finnboard (3). (8) Im GD-Bereich besitzen heute zwei Hersteller, nämlich Mayr-Melnhof (M-M) und Sarrió, die Hälfte der europäischen Produktionskapazität. M-M hat ihren Hauptsitz in Wien, besitzt oder kontrolliert aber auch Kartonwerke in Deutschland, der Schweiz (66 % Beteiligung), den Niederlanden und (seit 1991) dem Vereinigten Königreich. Die M-M Gruppe hatte 1990 bereits eine Produktionskapazität von über 600 000 Tonnen bei GD-Sorten und von 90 000 Tonnen bei GC-Sorten. 1991 wurde in Deutschland eine neue GD-Maschine (160 000 Tonnen/Jahr) in Betrieb genommen (und dem Vernehmen nach eine alte Maschine stillgelegt). M-M übernahm Ende 1992 einen weiteren deutschen Hersteller, so daß sich ihre Gesamtkapazität heute auf mehr als 850 000 Tonnen beläuft. Sarrió (zur italienischen Saffa-Gruppe gehörend) ist derzeit grösster europäischer Hersteller von Sekundärfasersorten, dessen italienische Werke eine Kapazität von 400 000 Tonnen bei GD-Sorten (sowie 26 000 Tonnen bei GC-Sorten) haben. Daneben besitzt Sarrió zwei Werke in Spanien (Sarrió, Prat). Weitere bedeutende Hersteller von GD-Sorten in der Gemeinschaft sind Stora (mit Feldmühle), Cascades, Weig und Buchmann. Europa Carton ist nicht nur ein Kartonhersteller, sondern auch der grösste Kartonverarbeiter in Deutschland. Die schwedische Fiskeby ist der einzige skandinavische Hersteller von Sekundärfaserqualitäten. (9) Einige Gruppen, vor allem Stora, M-M und Cascades, haben sowohl bei GC- als auch bei GD-Sorten hohe Produktionsanteile. Die beiden führenden europäischen Hersteller von SBS (GZ, UZ) sind MoDo (über Iggesunds Bruk in Schweden) mit einer Produktion von rund 225 000 Tonnen 1990 und Enso-Gutzeit in Finnland mit einer Produktion von 125 000 Tonnen. Einer kapazitätsbezogenen Studie (4) zufolge entfielen 1990 rund 14 % der gesamten westeuropäischen Produktionskapazität auf die Stora-Gruppe, gefolgt von M-M (13 %) Finnboard (11 %), MoDo/Iggesund (10 %), Sarrió/Saffa (8 %), Cascades (7 %), Enso-Gutzeit (3 %) und Weig (2 %). Demzufolge besassen zehn Hersteller 70 % der gesamten Kartonherstellungskapazität (für alle Sorten). Einer weiteren Studie (auf der Basis der Gesamtproduktion) (5) zufolge rückte 1991 Mayr-Melnhof nach weiteren Übernahmen und Kapazitätserweiterungen mit 19,3 % der Produktion auf Platz 1, gefolgt von Stora (14,2 %), Finnboard (12,4 %) und Sarrió/Saffa (10 %). 4. Die Abnehmer (10) Die wichtigsten Abnehmer von Karton in der Gemeinschaft sind die Faltschachtelhersteller ( "Konverter"), auf die annähernd 60 % des gesamten Kartonverbrauchs entfallen. Einige Kartonhersteller haben eine in das Unternehmen integrierte nachgelagerte Konverter-Tätigkeit. Die Konverter kaufen Karton in Bögen und stellen Faltschachteln nach den Spezifikationen ihrer Abnehmer - meist Hersteller von Nahrungsmitteln und non-food-Konsumartikeln - her. Die westeuropäischen Endabnehmer von Faltschachteln verteilen sich etwa im Verhältnis 54/46 auf den Lebensmittel- und den non-food-Sektor. In der Gemeinschaft gibt es annähernd 1 500 Faltschachtelhersteller. Auf die zehn grössten von ihnen enfällt rund ein Viertel der gesamten Produktion - Spiegelbild des ziemlich zersplitterten Marktes auf der Nachfrageseite, obgleich in den letzten Jahren eine Tendenz zu stärkerer Konzentration zu beobachten ist. Ein weiterer wichtiger Kartonabnehmer ist die Druckereiindustrie, die Karton für graphische Zwecke verwendet. 5. Umstrukturierung der Kartonindustrie (11) In den letzten 10 Jahren haben sich in der Kartonindustrie beträchtliche strukturelle Veränderungen vollzogen. 1980 stammte der weitaus überwiedende Teil der europäischen Kartonproduktion von unabhängigen, ausschließlich in der Kartonindustrie tätigen "Ein-Produkt-Herstellern". 1990 hingegen entfiel nur die Hälfte der verfügbaren Kapazität auf spezialisierte Kartonhersteller, während sich der Rest im Besitz grosser Konzerne der Papierindustrie mit breit aufgefächerten Aktivitäten befand. - 1990 erwarb Stora, Schwedens grösste Holzverarbeitungsgruppe und Eigentümerin von Kopparfors, einem der grössten Kartonhersteller, den deutschen Papierkonzern Feldmühle-Nobel. Feldmühle hatte bereits ihrerseits 1988 50 % und 1989 die restlichen 50 % des führenden französischen Kartonherstellers Papeteries Beghin-Corbehem erworben. Der gesamte konsolidierte Umsatz der neuen Stora/Feldmühle-Gruppe liegt in der Grössenordnung von 6,5 Milliarden ECU. Das Kartongeschäft von "Kopparfors" und "Feldmühle" ist jetzt zusammengefasst und bildet den Geschäftsbereich Billerud von Stora. - Mayr-Melnhof ( "M-M" ), ursprünglich ein in Österreich beheimatetes mittelgrosses Unternehmen, ist heute der grösste europäische Hersteller von GD-Sorten, nachdem das Unternehmen zuerst 1984 FS-Karton (Deutschland) und später KNP-Vouwkarton (Niederlande) und eine Mehrheitsbeteiligung an Deißwil (Schweiz) übernommen hatte. Im Oktober 1991 übernahm M-M noch die Colthrop Board Mill, den einzigen Hersteller von GD-Sorten im Vereinigten Königreich (früher zur Reedpack-Gruppe gehörend). Ende 1992 übernahm M-M ausserdem noch den deutschen Hersteller Laakmann. - AB Iggesunds Bruk, einer der führenden europäischen Hersteller von SBS, übernahm am 1. Januar 1988 die Thames Board Mill ( "TMB" ), einen bedeutenden Hersteller von GC-Sorten mit Sitz in Workington (Vereinigtes Königreich) und wurde am Ende des gleichen Jahres selbst voll in den MoDo-Papierkonzern integriert, der bis dahin knapp 50 % der Anteile besessen hatte. (Eine "neue MoDo"-Gruppe entstand aus den drei ehemals unabhängigen Gruppen MoDo, Iggesund und Holmen.) - Die kanadische Cascades-Gruppe erwarb 1985/86 zwei französische Kartonhersteller (Blendeques und La Rochette) und später Duffel, den einzigen belgischen Hersteller (jetzt stillgelegt), sowie Djupafors (Schweden). - Die 1988 durch ein Management Buy-Out des Produktbereichs von Reed International PLC (einschließlich Reed Paper & Board UK Ltd - "Reed P & B" -, Eigentümerin des Colthrop Kartonwerks) gebildete Reedpack Ltd wurde im Juli 1990 selbst von der SCA, einem führenden schwedischen Holzindustrie-Konzern, übernommen. SCA behielt den grössten Teil des früheren Reedpack-Geschäftsbereichs einschließlich Reed P & B, verkaufte aber das Colthrop-Werk im Mai 1991 in einer weiteren Management-Buy-Out-Aktion an die Gruppe Field Packaging, die wiederum im Oktober des gleichen Jahres das Colthrop-Werk an M-M verkaufte. - Der führende italienische Hersteller Saffa fusionierte 1990 seinen Kartonbereich mit dem spanischen Hersteller Sarrió (und änderte dabei den Namen des Karton-Geschäftsbereichs in Sarrió) und erwarb 1991 eine weiteren spanischen Hersteller, Prat Carton. - Aussedat-Rey, einer der führenden französischen Papierkonzerne und Eigentümer der Papeteries de Lancey, wurde im Juni 1989 von International Paper, dem weltgrössten Zellstoff- und Papierhersteller, übernommen. - Enso-Gutzeit, der zweitgrösste finnische Forstproduktkonzern und ein führender Hersteller von SBS-Sorten, erwarb Anfang 1993 die Geschäftsbereiche Sägeprodukte, Papier und Karton von Tampella Oy, einem weiteren finnischen Hersteller von GC-Sorten und Mitglied von Finnboard. - Fiskeby AB, der einzige skandinavische Hersteller von GD-Sorten, wurde am 1. Juni 1990 von dem US-amerikanischen Unternehmen Manville Forest Products erworben. - KNP (Koninklijke Nederlandse Papierfabrieken), ein grosser niederländischer Papierhersteller, übernahm am 31. Dezember 1986 den deutschen Verpackungshersteller Herzberger Papierfabrik Osthushenrich GmbH (einschließlich Badische Kartonfabrik). Später verkaufte KNP ihren niederländischen Kartonbereich KNP Vouwkarton mit Wirkung vom 1. Januar 1990 an M-M. KNP selbst schloß sich Anfang 1993 mit zwei weiteren niederländischen Papierunternehmen zur NV Koninklijke KNP BT NV zusammen. - Europa Carton AG, ein der US-amerikanischen Stone Container Corporation gehörendes Unternehmen, stellte unter anderem Karton und Faltschachteln her. Am 17. Februar 1993 beschlossen Europa Carton AG und der führende französische Konverter FCP, ihre Faltschachtelaktivitäten in einer gemeinsamen Holding zusammenzufassen. Im Ramen dieser Fusion brachte Europa Carton AG ihren Geschäftsbereich Faltschachtelherstellung einschließlich ihrer Kartonfabrik in ein neues Gemeischaftsunternehmen Europa Carton Faltschachtel GmbH ein. 6. Der Handel zwischen Mitgliedstaaten (12) Obgleich der grösste Teil der Kartonimporte der führenden EG-Märkte aus skandinavischen Ländern kommt, besteht auch zwischen den Mitgliedstaaten ein nicht unbeachtlicher Handel mit Karton. 1990 wurden von den 2,4 Millionen Tonnen Karton, die in der Gemeinschaft produziert wurden, 620 000 Tonnen (25 %) in Form direkter innergemeinschaftlicher Lieferungen der Kartonhersteller bezogen. Auch über Händler wird ein beträchtlicher innergemeischaftlicher Handel mit Karton abgewickelt, und mit der zunehmenden gesamteuropäischen Integration versuchen auch die grösseren Konverter, Gruppenlieferungen dorthin zustande zu bringen, wo die günstigsten Konditionen erhältlich sind. Aus den skandinavischen EFTA-Ländern (Schweden, Norwegen und Finnland) importierte die Gemeinschaft 770 000 Tonnen (fast ausschließlich GC und SBS). Nicht unerhebliche Mengen (135 000 Tonnen) GD-Sorten bezog die Gemeinschaft aus Österreich. Was das wichtigste Fertigprodukt (Faltschachteln) betrifft, so liefert Westeuropa 11 % seiner Produktion über die nationalen Grenzen hinweg. 7. Kapazitätsauslastung (13) Die Kartonherstellung ist ein weitgehend automatisiertes und kapitalintensives Fertigungsverfahren. Um rentabel zu sein, müsste ein neues Kartonwerk eine Kapazität von 150 bis 200 000 Tonnen bei einem Investitionsaufwand von rund 250 Millionen ECU haben. Diese Grössenordnung hatte das Ende 1990 in Deutschland in Betrieb genommene neue Kartonwerk von M-M/FS. Die ideale Betriebsmethode besteht nach Aussage der Kartonhersteller darin, die Maschinen 350 bis 355 Tage pro Jahr rund um die Uhr mit voller Kapazität arbeiten zu lassen. Für einen wirtschaftlichen Betrieb müssen grosse Maschinen lange Laufzeiten mit einem Minimum an Produktionsumstellungen haben. Jede Produktionslaufzeit ist auf die Bedürfnisse des jeweiligen Kunden oder mehrerer zusammengefasster Kunden zugeschnitten. Beinahe die gesamte Kartonproduktion Westeuropas erfolgt eigens auf Bestellung; eine Produktion auf Vorrat ist im allgemeinen nicht praktikabel. Die Zahl der Einsatztage oder -wochen für vorliegende Aufträge (Auftragsbestand) ist ein guter Indikator für die Stärke der Nachfrage. Sinkt der Auftragsbestand unter 2 bis 3 Wochen ab, so halten es die grossen Hersteller in der Regel für ratsam, die Produktion vorübergehend abzustellen ( "Abstellzeiten" ), um das Produktionsprogramm zu verbessern und die Aufrechterhaltung der Produktqualität zu sichern. Kleinere Kartonfabriken sind etwas flexibler. (14) Während mehrerer Jahre bis 1983 wurde die Kapazitätsauslastung der westeuropäischen Kartonindustrie von den Herstellern als unbefriedigend bezeichnet (1980: 83 %; 1981: 85 %; 1982: 84 %; 1983: 91 %) 1984 zog die Nachfrage erneut an, und die Kapazitätsauslastung wurde mit 96 % als befriedigend bezeichnet. 1985 ging die Nachfrage hingegen wieder leicht zurück, was auch eine geringfügig niedrigere Kapazitätsauslastung zur Folge hatte. Mit einer Verbrauchszunahme um 2 % bei gesunkenen Rohstoff- und Energiekosten wurde das Jahr 1986 von der Kartonindustrie als recht gu

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.