Europäische Union

93/9/EWG: Entscheidung der Kommission vom 30. September 1992 zur Feststellung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (IV/M.214 - Du Pont/ICI) (Nur der englische Text ist verbindlich)

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Avis juridique important | 31993D0009 93/9/EWG: Entscheidung der Kommission vom 30. September 1992 zur Feststellung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (IV/M.214 - Du Pont/ICI) (Nur der englische Text ist verbindlich) Amtsblatt Nr. L 007 vom 13/01/1993 S. 0013 - 0024 ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 30. September 1992 zur Feststellung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (IV/M.214 - Du Pont/ICI) (Nur der englische Text ist verbindlich) (93/9/EWG)DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN - gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates vom 21. Dezember 1989 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen (1), insbesondere auf Artikel 8 Absatz 2, gestützt auf den Beschluß der Kommission vom 3. Juni 1992, in dieser Sache ein Verfahren einzuleiten (2), nachdem den beteiligten Unternehmen Gelegenheit gegeben wurde, ihre Stellungnahmen zu den von der Kommission vorgebrachten Beanstandungen abzugeben, gestützt auf die Stellungnahme des Beratenden Ausschusses für Unternehmenszusammenschlüsse (3), in Erwägung nachstehender Gründe: I. HINTERGRUND Das Verfahren (1) Dieses Verfahren betrifft den beabsichtigten Erwerb des gesamten internationalen Nylonfasergeschäfts der Imperial Chemical Industries plc (ICI) durch die E.I. du Pont de Nemours and Company (Du Pont), der gemäß Artikel 4 der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 (nachstehend "die Verordnung") angemeldet wurde. (2) Die Kommission hat am 20. Mai 1992 beschlossen, daß der Vollzug des Zusammenschlusses ausgesetzt bleibt, und am 3. Juni 1992 in dieser Sache das Verfahren gemäß Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe c) der Verordnung eingeleitet. Die Parteien (3) Du Pont ist ein US-amerikanischer Konzern mit internationalen Tätigkeiten vor allem in der Chemie- und in der Erdölindustrie. Der Konzern erzielte 1991 einen weltweiten Umsatz von rund 31 Milliarden ECU, von denen etwa 30 % auf den Verkauf von Polymeren und Fasern entfielen. Der Gesamtumsatz von Du Pont in der Europäischen Gemeinschaft belief sich 1991 auf 9 Milliarden ECU. (4) ICI ist ein im Vereinigten Königreich gelegener Konzern mit internationalen Tätigkeiten vor allem in der Chemieindustrie und verwandten Industriezweigen. Der Konzern erzielte 1991 einen weltweiten Umsatz von rund 18 Milliarden ECU, von denen etwa 800 Millionen ECU auf Nylonfasern entfielen. II. DER ZUSAMMENSCHLUSS (5) Der Erwerb des Nylonfasergeschäfts von ICI durch Du Pont stellt einen Zusammenschluß im Sinne des Artikels 3 Absatz 1 der Verordnung dar. III. GEMEINSCHAFTSWEITE BEDEUTUNG (6) Der weltweite Gesamtumsatz von Du Pont und des Nylonfasergeschäfts von ICI, das Gegenstand des Zusammenschlußvorhabens ist, betrug 1991 mehr als 5 Milliarden ECU. Sowohl Du Pont als auch das Nylongeschäft von ICI erwirtschaften einen gemeinschaftsweiten Umsatz von mehr als 250 Millionen ECU, und sie haben nicht mehr als zwei Drittel dieses Umsatzes in einem und demselben Mitgliedstaat erzielt. Dem Zusammenschluß kommt demnach eine gemeinschaftsweite Bedeutung im Sinne des Artikels 1 Absatz 2 der Verordnung zu. IV. BEURTEILUNG NACH ARTIKEL 2 DER VERORDNUNG 1. Die Struktur der Nylonindustrie (7) Nylon (auch unter dem Namen Polyamid bekannt) ist das Ergebnis verschiedener chemischer Verfahren. Die Nylonfaser wird in drei Produktionsschritten hergestellt: - Der erste Schritt umfasst die Produktion des Rohstoffes, also die Produktion von Caprolaktam für die sogenannte Nylon-6-Route und von Nylonsalz (Hexamethylendiaminadipat) für die sogenannte Nylon-6.6-Route. Caprolaktam und Nylonsalz werden in einer Produktionskette durch Verarbeitung und Vermischung verschiedener Zwischenstoffe hergestellt. Die wichtigsten Nylon-Zwischenstoffe für Nylon-6.6 sind Adiponitril (ADN) und Hexamethylendiamin (HMD). - Der zweite Schritt umfasst die Polymerisierung (Bildung langer Molekularketten) des Rohstoffes zur Herstellung einer Paste (geschmolzenes Polymer), die gekühlt und dann in Chips (Polymergranulat) geschnitten wird. - Beim dritten Produktionsschritt werden die Chips erneut geschmolzen und aus dem geschmolzenen Polymer entweder Filamentgarn (endlose Filamentgarne, die unter der Abkürzung BCF - bulked continuous filaments yarn - bekannt sind) oder Stapelfasern hergestellt. (8) Auf den einzelnen Produktionsstufen sind verschiedene Unternehmen tätig. Manche Unternehmen sind auf allen Stufen präsent (die integrierten Unternehmen). In Europa gibt es nur die drei integrierten Unternehmen ICI, Du Pont und die französische Gesellschaft Rhône-Poulenc, die alle über grosse petrochemische Produktionsbetriebe verfügen (1). Andere Petrochemieunternehmen wie das deutsche Unternehmen BASF sind nur auf den ersten beiden Produktionsstufen - Herstellung von Caprolaktam oder Nylonsalz und Polymerisierung - tätig. Manche Unternehmen sind lediglich auf den letzten beiden Produktionsstufen - Polymerisierung und Faserproduktion - tätig. Diese Unternehmen, wie die italienischen Hersteller SNIA, Radici und Aquafil, müssen die Rohstoffe Caprolaktam oder Nylonsalz kaufen. Eine dritte Gruppe von Unternehmen kauft Polymer, um damit lediglich Fasern herzustellen. Diese Unternehmen sind entweder in bestimmten Marktnischen spezialisiert oder kleine Unternehmen, die vor allem Commodity-Fasern und insbesondere Textilfasern herstellen. Ein europäischer Teppichhersteller, Beaulieu (der weltweit zweitgrösste Teppichhersteller), produziert auch Nylonfasern für den Eigenbedarf. Er ist allerdings nicht in der Lage, sämtliche Nylonfaserarten herzustellen, die er benötigt (2). (9) Der Verbrauch von Nylonfasern ist bis in die siebziger Jahre rasch gestiegen, danach aber - zumindest in Europa - zurückgegangen. Die Gesamtnachfrage nach Nylon ist in den letzten Jahren um etwa 3 % jährlich gestiegen. Es wird damit gerechnet, daß sie sich in den nächsten zehn Jahren in demselben Umfang fortentwickeln wird. Mit dem niedrigsten Wachstum (2 bis 3 %) wird in Nordamerika, mit dem höchsten Wachstum (4 bis 5 %) im Raum des asiatischen Pazifiks gerechnet, während in Europa mit einem Wachstum von etwa 3 bis 4 % gerechnet wird. In der europäischen Nylonindustrie herrschen im Bereich der Nylonfaserproduktion seit einiger Zeit Überkapazitäten, die sich auf die Rentabilität der meisten Unternehmen ausgewirkt haben. 2. Die sachlich relevanten Märkte (10) Der geplante Zusammenschluß wirkt sich unmittelbar auf die verschiedenen Verwendungszwecke von Nylonfasern aus, die zur Folge haben, daß für die einzelnen Nylonfasersorten unterschiedliche relevante Märkte bestehen. Die Nylonfasern lassen sich nach ihrem Einsatzbereich in folgende Hauptgruppen einteilen: - Fasern für textile Zwecke, - Fasern für Bodenbeläge (Teppiche), - Fasern für industrielle Zwecke. Sowohl Du Pont als auch ICI sind aktive Wettbewerber auf dem EG-Markt für Teppichfasern und Industriegarne. ICI ist ausserdem im textilen Einsatzbereich tätig, während Du Pont mit seinen Lycra-Produkten der Hauptlieferant auf dem Nachbarmarkt für Elastanfasern ist. ICI erzielte 1991 in der Europäischen Gemeinschaft mit textilen Nylonfasern einen Umsatz von rund [ . . . ] (*) (1) Millionen ECU, mit Nylonteppichfasern einen Umsatz von rund [ . . . ] (2) Millionen ECU und mit Industriefasern einen Umsatz von rund [ . . . ] (3) Millionen ECU. Du Pont erzielte einen Umsatz von rund [ . . . ] (4) Millionen ECU mit Nylonteppichfasern und von rund [ . . . ] (5) Millionen ECU mit Industriefasern. Du Pont hatte nur geringfügige Umsätze mit textilen Nylonfasern, da das Unternehmen über keine in der Europäischen Gemeinschaft gelegene Produktion verfügt. Die übrigen Umsätze von Du Pont und ICI im Nylonbereich entfielen in der Europäischen Gemeinschaft im wesentlichen auf Industrieharze (Du Pont rund [ . . . ] (6) Millionen ECU, ICI rund [ . . . ] (7) Millionen ECU). Du Ponts weltweiter Umsatz im Nylonbereich betrug rund [ . . . ] (8) Millionen ECU, von denen rund [ . . . ] (9) Millionen ECU auf Westeuropa entfielen. (11) Für die Fasern dieser Haupteinsatzbereiche bestehen eigenständige Märkte. Während die Nylonpolymere, die zur Herstellung der verschiedenen Nylonfasersorten verwendet werden, sich im wesentlichen ähneln, unterscheiden sich die Fasern entsprechend ihrem Verwendungszweck ganz erheblich in bezug auf ihre physikalischen Eigenschaften wie Gewicht, Dichte, Weichheit, Strapazierfähigkeit, Verschleißwiderstand usw. Eine Nylonteppichfaser eignet sich beispielsweise nicht für einen textilen Verwendungszweck, ebensowenig wie sich ein Textilgarn für einen typisch industriellen Verwendungszweck eignet. Diese Unterschiede werden am Decitex (10) der entsprechend ihrem Verwendungszweck wichtigsten Nylonfasersorten deutlich: - Textilfaser 10-150, - Teppichfaser 700-2 000, - Industriefaser 1 000-2 000. Abgesehen von unterschiedlichen Decitexen lässt sich das Nylonpolymer ausserdem verändern, um besondere Fasereigenschaften für einen bestimmten Einsatzbereich zu entwickeln. Wegen der Decitex-Unterschiede und der anderen für den jeweiligen Einsatzbereich erforderlichen besonderen Eigenschaften werden die verschiedenen Fasersorten nicht auf denselben Produktionsanlagen herstellt. (12) Im vorliegenden Fall braucht nicht entschieden zu werden, ob sachlich relevante Märkte für textile Nylonfasern oder für einen spezifischen Verwendungszweck innerhalb des Textilbereichs bestehen. Es besteht keine horizontale Überschneidung zwischen Du Pont und ICI für diese Produkte, und durch den Erwerb des textilen Nylonfasergeschäfts der ICI durch Du Pont wird keine beherrschende Stellung begründet oder verstärkt, durch die ein wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindert würde. (13) In ähnlicher Weise führt der Zusammenschluß nicht zur Entstehung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung im Bereich der industriellen Nylonfasern. Die Frage, ob es einen oder mehrere sachlich relevante Märkte für Nylonfasern in den verschiedenen industriellen Einsatzbereichen gibt, kann daher offenbleiben. Nylonteppichfasern (14) Es besteht ein sachlich relevanter Markt für sämtliche Nylonteppichfasern, auf dem die verschiedenen Nylonfasersorten miteinander konkurrieren. Der Umsatz, den ICI auf diesem Markt in der Europäischen Gemeinschaft erzielt, entspricht rund 20 % seines weltweiten Gesamtumsatzes im Nylonbereich. Andere Fasern, die zur Herstellung von Teppichen benützt werden, wie Polypropylen, Wolle, Polyester und Acryl, werden von den Teppichherstellern als nicht in erheblichen Umfange austauschbar oder substituierbar mit Nylonfasern angesehen im Hinblick auf ihre Eigenschaften, ihren Preis und ihren Verwendungszweck im Herstellungsprozeß. Nylonfasern, die sowohl in der Nylon-6-Route als auch in der Nylon-6.6-Route hergestellt werden, sind in der Teppichproduktion weitgehend austauschbar. Nylon 6 und Nylon 6.6 sind zwei unterschiedliche chemische Nylonsorten, die mit unterschiedlichen Rohstoffen und nach einem unterschiedlichen Verfahren hergestellt werden. Die Hersteller produzieren im allgemeinen eine der beiden Sorten, aber nicht beide. Sowohl Du Pont als auch ICI stellen Nylon 6.6 her. Die beiden Nylonsorten unterscheiden sich vor allem in bezug auf Temperaturwiderstand, Oberflächenwirkung, Wiedererholvermögen und, bis zu einem gewissen Grade, Färbbarkeit bei niedriger Temperatur. Diese verschiedenen Merkmale sind aber bei der Verwendung der beiden Fasersorten zur Herstellung von Teppichen aus technischer Sicht weniger relevant als in anderen Einsatzbereichen. Trotz eines geringen Preisunterschieds zwischen beiden Nylonfasersorten (die Nylonteppichfaser 6.6 ist etwa 5 % teurer als die Nylonteppichfaser 6) und gewisser Umstellungskosten beim Wechsel von der einen auf die andere Sorte (z. B. weil die Färbeverfahren umgestellt werden müssen) sind beide Fasersorten nach Ansicht der Teppichindustrie in erheblichem Umfang austauschbar. (15) Bei Nylon-6- und Nylon-6.6-Fasern werden zwei unterschiedliche Fasersorten in der Teppichproduktion verwendet, nämlich Stapelfasern und "bulked continuous filament" (BCF)-Fasern. Filamentgarne werden in einem Schmelz-Spinnprozeß in "endloser" Länge hergestellt und aufgespult an die Teppichhersteller verkauft. Stapelfasern werden nach demselben Verfahren hergestellt, wobei aber die Filamente in relativ kurze Stücke geschnitten und als Ballen für den Versand fertig gemacht werden. Um für die Teppichherstellung einsatzfähig zu sein, müssen Stapelfasern allerdings in einem weiteren Verarbeitungsschritt, der von spezialisierten Spinnunternehmen durchgeführt wird, zu Garnen gesponnen werden. Die Teppichhersteller zahlen für vergleichbare BCF-Fasern und gesponnene Stapelfasern im wesentlichen denselben Preis. Wegen des einfacheren ersten Produktionsprozesses verkaufen die Faserhersteller Stapelfasern an die Spinnereiindustrie zu Preisen, die generell unter dem Preis für BCF-Fasern liegen. Die BCF-Fasern werden unmittelbar an die Teppichhersteller verkauft, da sie sofort einsatzfähig sind. Langjährige Erfahrungen und die bestehenden Produktionsanlagen haben dazu geführt, daß die Teppichhersteller entweder BCF-Fasern oder Stapelfasern in gewissem Masse bevorzugen. Die Unterschiede zwischen BCF- und Stapelfasern sind aber inzwischen nicht mehr so groß, weil die BCF-Garne aufgrund technischer Verbesserungen gleichmässiger geworden sind. Die meisten Teppichsorten können heutzutage sowohl mit BCF- als auch mit Stapelfasern hergestellt werden. Bei einigen Teppichsorten allerdings, z. B. bei soliden Veloursteppichen, kann die BCF-Faser wegen fehlender Gleichmässigkeit mit der Stapelfaser immer noch nicht voll konkurrieren. In diesen Fällen wird letztere bevorzugt. Aus den vorerwähnten Gründen wird die Auffassung vertreten, daß die Nylonstapelfaser und die BCF-Faser im Bereich der Teppichproduktion zum selben sachlich relevanten Markt gehören. (16) Du Pont hat in seiner Anmeldung vorgebracht, daß Polypropylenteppichfasern als substituierbar für Nylonteppichfasern angesehen werden sollten. Die Untersuchungen der Kommission haben jedoch zu dem Ergebnis geführt, daß Polypropylenfasern für die Teppichhersteller Nylonfasern nicht in erheblichem Umfang ersetzen können. (17) Die Hauptgründe für die Verwendung von Nylonteppichfasern liegen in ihren physikalischen Eigenschaften im Vergleich zu denen anderer Fasern. Nylonfasern bieten dem Hersteller im Fertigungsprozeß und dem Endverbraucher aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit besondere Vorteile. Nylonfasern zeichnen sich vor allem durch folgendes aus: - Färbbarkeit, - geringe Oberflächenveränderung, - hervorragendes Wiedererholvermögen und höchster Verschleißwiderstand, - gute Flammschutzeigenschaften. (18) Im Gegensatz zur Polypropylenfaser kann die Nylonteppichfaser während des Teppichfertigungsprozesses sowohl gefärbt als auch bedruckt werden. Auf diese Weise können beispielsweise grosse Mengen ungefärbter Teppiche hergestellt und anschließend nach dem Wunsch des Kunden gefärbt werden. Hierdurch sind im Produktionsbereich, in der Vorratshaltung und im Vertrieb grosse Flexibilität und Effizienz möglich. Wegen der besonderen Färbemöglichkeiten von Polyamid können Nylonteppichfasern ausserdem während des Fertigungsprozesses mit verschiedenen Farben bedruckt werden, was eine unbeschränkte Mustervielfalt zur Folge hat. Diese Vorteile sind besonders wichtig bei der Produktion von getufteten Teppichen, der am meisten produzierten Teppichsorte. Die Farb- und die Mustergebung sind die wichtigsten Parameter für die Teppichhersteller, um ihre Erzeugnisse von den anderen unterscheidungsfähig zu machen. Die Färbbarkeit von Nylonfasern hat erhebliche Auswirkungen auf das Geschäft eines Teppichherstellers. Sie ermöglicht dem Hersteller, die Wertschöpfung beim Färben und Bedrucken zu bestimmen, welche die wesentlichen Mittel zur Produktdifferenzierung sind. Die Wertschöpfung in den Produktionsstufen Färben und/oder Bedrucken ist wesentlich grösser als in den Produktionsstufen Tuften oder Teppichkonstruktion. Selbst für einen einfachen einfarbigen getufteten Teppich sind zum Beispiel die Kosten für das Färben um zwei Drittel höher als die Kosten für das Tuften, wie sich aus den Schätzungen von Du Pont ergibt. Wird ein Muster produziert, besteht in dieser Produktionsstufe eine weitere erhebliche Wertschöpfung, da dies wesentlich komplizierter ist als einfarbiges Färben. Die Effizienz in der Vorratshaltung und im Vertrieb im Hinblick auf die Färbbarkeit von Nylonteppichfasern rührt von der Möglichkeit her, lediglich ungefärbte (weisse) Fasern auf Vorrat zu lagern, anstelle von Hunderten möglicher Farbvarianten, und/oder der Möglichkeit, ungefärbte Teppiche auf Vorrat zu lagern, die dann den Aufträgen entsprechend gefärbt oder bedruckt werden, anstelle der Lagerung der vollständigen Produktpalette der angebotenen Teppiche. Dies ermöglicht dem Hersteller schnell ("just in time") auf spezifische Aufträge zu reagieren, ohne daß hohe Lagerkosten anfallen. Dies erlaubt ein erheblich "schlankeres" Vertriebssystem mit kurzen Lieferfristen. Die Polypropylen-Teppichfaser ist nur in einem vorgefärbten Zustand verwendbar, da die Farbe nur dem geschmolzenen Polymer während der Faserproduktion zugesetzt werden kann. Sobald die Faser hergestellt ist, kann sie wegen ihrer chemischen Eigenschaften nicht weiter gefärbt werden. (19) Nylonfasern werden auch wegen ihrer anderen besonderen Merkmale, die das Aussehen und die Strapazierfähigkeit des Enderzeugnisses ausmachen, für höhere Teppichqualitäten verwendet. Nylonteppichfasern werden den höchsten Anforderungen an Leistung und Aussehen gerecht. Deswegen vertreten die Teppichhersteller die Auffassung, daß Nylonfasern von allen Teppichfasern in den mittel- bis hochpreisigen Teppichqualitäten das beste Leistungs/Kosten-Verhältnis aufweisen. (20) Wegen ihres hohen Verschleißwiderstands und hervorragenden Wiedererholvermögens halten Nylonteppiche im allgemeinen besser und länger als Polypropylenteppiche. Im Objektbereich ist es in den meisten Einsatzbereichen wichtig, strapazierfähige Teppiche, die den Entflammbarkeitskriterien entsprechen, zu benutzen. Wegen der diesbezueglichen Merkmale der Nylonfaser im Vergleich zur Polypropylenfaser sind Nylonfasern für den grössten Teil des Objektbereichs in der Europäischen Gemeinschaft die bevorzugte Faser. (21) Fast alle Teppichhersteller, die auf das Auskunftsverlangen der Kommission geantwortet haben, stellen fest, daß Nylonteppichfasern überhaupt nicht oder nur in begrenzten Umfang durch Polypropylen- oder andere Teppichfasern ersetzt werden können (21 von 23 Herstellern, von zwei weiteren Herstellern keine klare Aussage). Eine grosse Zahl dieser Hersteller, an die sich die Kommission gewandt hat, stellt sowohl Nylon- als auch Polypropylenteppiche her, und sie erklären, daß die beiden Fasern aufgrund ihrer besonderen Merkmale für bestimmte Segmente des Teppichmarkts bestimmt sind (Nylonfasern werden z. B. unter anderem für den Objektbereich und für bedruckte Teppiche, Polypropylenfasern werden am unteren Ende des Teppichmarkts für den Wohnbereich verwendet). (22) Die überwältigende Mehrheit der angesprochenen Teppichhersteller hält es nicht für möglich, ihren gegenwärtigen und vorauszusehenden Gebrauch von Nylonfasern durch Polypropylenfasern zu ersetzen. Hierfür werden folgende Gründe genannt: - Würden lediglich Polypropylenfasern verwendet, könnten die Hersteller keine ausreichende Produktpalette anbieten; - würde auf die Verwendung von Nylonfasern verzichtet, würden die Hersteller die Marktsegmente verlieren, wo die höchste Wertschöpfung erzielt wird; - die hohen Investitionen in Färbe- und Bedruckungsanlagen könnten nicht rentabilisiert werden, weil diese Anlagen nicht für Polypropylenfasern, die nicht färbbar sind, eingesetzt werden können; - die Produktionskosten würden durch den Wegfall der Flexibilität bei der Fertigung steigen. Da Nylonfasern in ungefärbtem Zustand hergestellt und anschließend auf Wunsch gefärbt und bedruckt werden können, ist eine mit Polypropylenfasern unerreichbare hohe Produktivität möglich; - wegen der unterschiedlichen Färbemöglichkeiten würden die Lagerkosten steigen. Da Polypropylenfasern vorgefärbt werden, müsste eine ganze Palette an Farben gelagert werden. Lediglich drei aller kontaktierten Teppichhersteller erklären, daß sie keine technischen Schwierigkeiten haben würden, die gegenwärtigen Nylonfasern durch Polypropylenfasern zu ersetzen. Zwei von ihnen stellen allerdings fest, daß sich hierdurch ihre gegenwärtige Produktpalette wesentlich verändern würde. (23) Die Teppichhersteller sind also im allgemeinen nicht in der Lage, bei wesentlichen Veränderungen der Lieferbedingungen von Nylon- auf Polypropylenfasern oder umgekehrt von Polypropylen- auf Nylonfasern umzusteigen. Damit zwei Erzeugnisse als substituierbare angesehen werden können, muß es für den Direktabnehmer eine realistische und rationale Möglichkeit sein, auf beispielsweise einen erheblichen Preisanstieg des einen Erzeugnisses dadurch zu reagieren, daß er sich in relativ kurzer Zeit auf das andere Erzeugnis umstellt.Jedes Erzeugnis muß also aus wirtschaftlicher und technischer Sicht eine vernünftige Alternative zum anderen Erzeugnis darstellen. Gewerbliche Abnehmer werden in der Regel eine objektive Bewertung der Austauschmöglichkeiten vornehmen. Im vorliegenden Fall z. B. stellen sich die Teppichhersteller in verhältnismässig kurzer Zeit von der Verwendung der Nylonstapelfasern auf BCF-Nylonfasern und von Fasern der Nylon-6-Route auf Fasern der Nylon-6.6-Route um. Sie wechseln aber nicht zwischen Nylon- und Polypropylenfasern hin und her. (24) Zwischen Nylonfasern und Polypropylenfasern bestehen im allgemeinen grosse Preisunterschiede. Eine normale durchschnittliche Nylonfaser kostet fast das Doppelte einer normalen Polypropylenfaser (das Preisverhältnis zwischen Polypropylen- und Nylonfaser belief sich nach den Zahlen für 1991 auf rund 1: 2,13; das Verhältnis war 1987 1: 1,87). Trotz dieses Preisunterschieds ist die Nylonfaser die bis heute meistverwendete Faser in der Teppichfertigung. Für die Teppichhersteller machen die Faserkosten im allgemeinen 25 bis 40 % des Teppichpreises ab Werk aus. Angesichts dieser hohen Faserkosten lässt sich die Tatsache, daß Nylonfasern nicht durch Polypropylenfasern verdrängt worden sind, also nur damit erklären, daß die beiden Fasern aufgrund ihrer unterschiedlichen Eigenschaften nicht austauschbar sind. (25) Polypropylenfasern sind seit den frühen siebziger Jahren auf dem Markt. Man hätte also damit rechnen können, daß Polypropylenfasern schon längt in erheblichem Umfang an die Stelle der Nylonfasern getreten wären, wäre dies möglich oder rationell gewesen. Die Feststellung, daß die Polypropylenfaser die Nylonfaser nicht ersetzt hat, bestätigt eine eingehende Untersuchung der Entwicklung der Verwendung verschiedener Fasern in der Geschichte der Teppichfertigung. Der Einsatz von Polypropylenfasern ist gegenüber sämtlichen Teppichfasern in den letzten zwanzig Jahren, in denen der gesamte Teppichmarkt steigende Umsätze erzielt hat, um rund 36 % gestiegen. Nylonfasern hingegen, die in den frühen siebziger Jahren mit etwa 40 % am gesamten Teppichfaserverbrauch beteiligt waren, sind anteilmässig tatsächlich bis 1979 auf 49 % gestiegen. Anschließend ist der Gesamtanteil der Nylonfasern bis 1984 auf 41 % zurückgegangen. Danach hat sich der Nylonanteil fast ständig auf diesem Niveau gehalten (bei einem Rückgang von 1,4 % in der

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.