Europäische Union

2004/238/EG: Entscheidung der Kommission vom 23. Juli 2003 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und mit dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2972 — DSM/Roche Vitamins) (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2003) 2648)

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Avis juridique important | 32004D0238 2004/238/EG: Entscheidung der Kommission vom 23. Juli 2003 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und mit dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2972 — DSM/Roche Vitamins) (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2003) 2648) Amtsblatt Nr. L 082 vom 19/03/2004 S. 0073 - 0085 Entscheidung der Kommission vom 23. Juli 2003 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und mit dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2972 - DSM/Roche Vitamins) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2003) 2648) (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR) (2004/238/EG) DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN - gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, gestützt auf das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum, insbesondere auf Artikel 57, gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates vom 21. Dezember 1989 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen(1), zuletzt geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 1310/97(2), insbesondere auf Artikel 8 Absatz 2, gestützt auf die Entscheidung der Kommission vom 19. Mai 2003, das Verfahren in dieser Sache einzuleiten, nach Stellungnahme des Beratenden Ausschusses für die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen(3), gestützt auf den Abschlussbericht des Anhörungsbeauftragten in dieser Sache(4) - in Erwägung nachstehender Gründe: I. EINFÜHRUNG (1) Am 31. März 2003 ging die Anmeldung eines Zusammenschlussvorhabens gemäß Artikel 4 der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 ("Fusionskontrollverordnung") bei der Kommission ein. Danach ist Folgendes beabsichtigt: Das Unternehmen DSM NV ("DSM") erwirbt im Sinne von Artikel 3 der Fusionskontrollverordnung die Kontrolle über die Gesamtheit des Unternehmens Roche Vitamins and Fine Chemicals Division ("RV & FC") durch den Kauf von Anteilsrechten und Vermögenswerten. (2) Die Kommission stellte nach Prüfung der Anmeldung und mehrerer Verpflichtungszusagen, die DSM am 25. April 2003 und in geänderter Fassung am 13. Mai 2003 unterbreitet hatte, am 19. Mai 2003 fest, dass das angemeldete Zusammenschlussvorhaben in den Anwendungsbereich der Fusionskontrollverordnung fällt und Anlass zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt und mit dem EWR-Abkommen gibt. Deshalb traf die Kommission gemäß Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe c) der Fusionskontrollverordnung die Entscheidung, in dieser Sache das Verfahren einzuleiten. (3) Am 27. Juni 2003 legte DSM ein neues Maßnahmenpaket von Verpflichtungszusagen vor. (4) Am 9. Juli 2003 unterbreitete DSM ein letztes Paket von Verpflichtungszusagen. (5) Der Beratende Ausschuss erörterte am 18. Juli 2003 den Entwurf der vorliegenden Entscheidung. (6) Diese Entscheidung ergeht gemäß Artikel 10 Absatz 2 der Fusionskontrollverordnung. Danach sind Entscheidungen nach Artikel 8 Absatz 2 zu erlassen, sobald offenkundig ist, dass die ernsthaften Bedenken im Sinne des Artikels 6 Absatz 1 Buchstabe c) ausgeräumt sind. Dies gilt insbesondere, wenn die anmeldende Partei Verpflichtungszusagen angeboten hat. Die modifizierten Verpflichtungszusagen der anmeldenden Partei räumen die ernsthaften Bedenken hinsichtlich der Vereinbarkeit des Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt aus, so dass eine mit Bedingungen und Auflagen verbundene Entscheidung gemäß Artikel 8 Absatz 2 und Artikel 10 Absatz 2 erlassen werden kann, mit der der Zusammenschluss für mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar erklärt wird. II. DIE PARTEIEN (7) Die DSM ist eine niederländische Aktiengesellschaft mit beschränkter Haftung, die ihren Firmensitz in Heerlen hat. DSM hat Tochtergesellschaften in Europa, in den Vereinigten Staaten und an sonstigen Standorten in der Welt und betätigt sich in der Entwicklung und Herstellung eines breitgefächerten Spektrums von chemischen und biowissenschaftlichen Produkten einschließlich Nahrungsenzymen, Hochleistungswerkstoffen, Polymeren und Industriechemikalien. (8) Die Roche-Holding ist die Muttergesellschaft der aus drei Industriezweigen bestehenden Roche-Unternehmensgruppe: Arzneimittel; diagnostische Hilfsmittel; Vitamine und Feinchemikalien. Letzterer Industriezweig (RV & FC) ist Gegenstand des angemeldeten Zusammenschlussvorhabens. (9) RV & FC ist hauptsächlich in der Herstellung und im Vertrieb von Vitaminen und Carotinoiden tätig und betätigt sich ebenfalls in der Herstellung und im Vertrieb von Zitronensäure, Vormischungen, kosmetischen Ingredienzen und mehrfach ungesättigten Fettsäuren ("PUFA"). In jedem dieser Bereiche ist RV & FC auch an Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten beteiligt. RV & FC vertreibt auch Nahrungsenzyme (mit eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auf diesem Gebiet) und bestimmte Vitamine und Aminosäuren, stellt diese aber nicht selbst her. III. DAS VORHABEN (10) Entsprechend dem am 10. Februar 2003 unterzeichneten Kaufvertrag über die Anteilsrechte und Vermögenswerte betrifft das Zusammenschlussvorhaben den Erwerb der alleinigen Kontrolle von DSM über RV & FC. IV. DER ZUSAMMENSCHLUSS (11) Das angemeldete Vorhaben stellt somit einen Zusammenschluss im Sinne von Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe b) der Fusionskontrollverordnung dar. V. GEMEINSCHAFTSWEITE BEDEUTUNG (12) Die betreffenden Unternehmen haben zusammen einen weltweiten Gesamtumsatz von mehr als 5 Mrd. EUR(5) (DSM: 5606 Mio. EUR; RV & FC [...]* EUR(6)). Jedes von ihnen hat einen gemeinschaftsweiten Gesamtumsatz von mehr als 250 Mio. EUR, (DSM: [...]* EUR; RV & FC [...]* EUR). Keines der betreffenden Unternehmen erzielt aber mehr als zwei Drittel ihres gemeinschaftsweiten Gesamtumsatzes in ein und demselben Mitgliedstaat. Das angemeldete Vorhaben hat somit gemeinschaftsweite Bedeutung im Sinne des Artikels 1 Absatz 2 der Fusionskontrollverordnung. VI. RELEVANTE PRODUKTMÄRKTE (13) Die anmeldende Partei, DSM, ist in einer großen Bandbreite von Produktbereichen tätig. Zu Überschneidungen kommt es durch den angemeldeten Zusammenschluss aber nur bei Zusatzstoffen für die Herstellung von Tierfutter und bei einigen Zusatzstoffen für menschliche Lebensmittel. Von diesen Erzeugnissen sind wiederum nur zwei relevante Produktmärkte betroffen, die beide mit Futtermittelenzymen zusammenhängen, nämlich der für Phytase und der für nichtstärkehaltige Mehrfachzucker abbauende Enzyme ("NSP abbauende Enzyme"). Phytase Sachlich relevanter Produktmarkt (14) Für die Tierernährung ist Phosphor ein lebensnotwendiger Mineralstoff. Er spielt eine bedeutende Rolle bei den Stoffwechselprozessen und hat wichtige physiologische Funktionen. In der Tierhaltung und Tierzucht ist eine angemessene Versorgung mit Phosphor über die Tiernahrung von wesentlicher Bedeutung für die Gesundheit und die optimale Erzeugung. Die Tiere erhalten den von ihnen benötigten Phosphor aus Getreide, Ölsaaten, anderen pflanzlichen Futtermitteln und anorganischen Phosphaten. Über zwei Drittel des gesamten in pflanzlichen Rohstoffen vorhandenen Phosphors kommen in Form von phytategebundenem Phosphor vor. Monogastrischen Tieren, wie Gefluegel und Schweinen, fehlt es an den notwendigen Enzymen, um den Phosphor aus den Phytaten freisetzen zu können. Folglich wird der meiste Phosphor unverwertet mit dem Kot wieder ausgeschieden; diese Tiere benötigen dann zusätzliche Phosphorgaben mit ihren Futtermitteln auf Pflanzen- und Getreidebasis, um einen artgerechten und ausgewogenen Phosphorhaushalt aufrechterhalten zu können. (15) Zur Steigerung des verdaulich resorbierbaren Phosphorgehalts in der Tiernahrung gibt es zwei Möglichkeiten: die Beimengung von anorganischem Phosphat oder von Phytase. Anorganische Phosphate sind Mineralstoffe, die sowohl als Düngemittel als auch als Futterzusätze eingesetzt werden. Phytase ist ein Enzym, das Phytate abbauen und dabei Phosphor freisetzen kann. Es ist in fluessiger und in fester (Granulat oder Pulver) Form erhältlich. (16) Nach Auffassung der anmeldenden Partei könnte Phytase in einer Größenordnung von bis zu 50 %, aber niemals zur Gänze, die anorganischen Phosphate in Futtermitteln ersetzen. Sie behauptet, dass alle Formen von Phytase und anorganischem Phosphat Teil desselben relevanten Produktmarktes sind, und beruft sich dabei auf die Tatsache, dass Phytase einen erheblichen Anteil der anorganischen Phosphate ersetzen kann, und dass die Preise dieser Produkte ähnlich sind. (17) Diese Behauptung bestätigte sich bei der von der Kommission durchgeführten Marktuntersuchung allerdings nicht. Vielmehr ist der Großteil der Kunden anscheinend der Auffassung, dass diese Produkte nicht untereinander austauschbar sind. Dafür gibt es zwei Hauptgründe: verglichen mit den anorganischen Phosphaten führt der Einsatz von Phytase zu Kostenersparnissen und zu einer geringeren Umweltverschmutzung. Reduzierung der anorganischen Phosphate (18) Aus dem Einsatz von Phytase bei Futtermitteln kann sich eine Reihe von Vorteilen ergeben. Der erste wichtige Vorteil besteht darin, dass der in den Futtermitteln enthaltene Phosphor besser über die Verdauung resorbiert wird und damit die Menge der erforderlichen anorganischen Phosphate reduziert werden kann. Phytase setzt auch Aminosäuren und andere Nährstoffe im Phytatmolekül frei. (19) Bei der von der Kommission durchgeführten Marktuntersuchung hat sich bestätigt, dass die Verwendung von Phytase zu einer erheblichen Reduzierung der Menge der bei Futtermitteln verwendeten anorganischen Phosphate führt. So vertrat ein Futtermittelmischbetrieb die Auffassung, dass 150 Gramm fluessiger Phytase etwa 7,5 kg anorganischen Phosphats pro Tonne Futtermittel ersetzen können. Kostenersparnisse (20) Die von der Kommission durchgeführte Marktuntersuchung ergab Anhaltspunkte dafür, dass der entscheidende Faktor nicht die Phytasekosten sind, sondern eher die Kosteneinsparungen, die sich durch die Beimengung von Phytase zu den Futtermitteln erzielen lassen; diese hängen wiederum von den relativen Kosten von Phytase und von mineralischem Phosphat ab. Durch die Beimengung von Phytase ergeben sich bei der Futtermittelherstellung sehr beachtliche Gesamtkostenersparnisse. Nach Schätzungen eines Futtermittelmischbetriebs liegen die Einsparungen aufgrund der Verwendung von Phytase in einem Betrieb bei 0,36 EUR je Tonne(7). (21) Die Preise für Dicetylphosphat (DCP) regeln sich aus der Nachfrage nach Düngemitteln und nicht aus der Nachfrage nach Futtermitteln, wohingegen sich die Preise für Phytase ausschließlich aus der Nachfrage nach Futtermitteln ergeben. (22) Die Phytasepreise sind in den letzten zehn Jahren immer wieder gefallen. Nach den von der anmeldenden Partei vorgelegten Daten zur Preisentwicklung lag der Preis für Natuphos 5000 (dem Phytase-Produkt der DSM/BASF-Kooperation) 1994 bei etwa [...]* EUR pro kg. Das Preisniveau von 1994 fiel nach und nach auf etwa [...]* EUR im Jahr 2001(8). Andererseits sind die Preise für anorganisches Phosphat stabil geblieben oder leicht gestiegen. Die von der Kommission durchgeführte Marktuntersuchung ergab wenig wechselseitige Abhängigkeiten zwischen den Preisen für DCP und für Phytase. (23) Ein weiterer Beweis dafür, dass es sich bei Phytase und anorganischem Phosphat um voneinander getrennte sachlich relevante Produktmärkte handelt, wird durch die Tatsache geliefert, dass die überwältigende Mehrheit der Kunden angab, sie würde als Reaktion auf eine Preiserhöhung von 5-10 % auch weiterhin Phytase kaufen und keine Ersatzeinkäufe von anorganischen Phosphaten tätigen. Viele Kunden gaben an, sie würden Phytase nur dann nicht weiter kaufen, wenn der Preis um 25-50 % steigen sollte. Mehrere Kunden gaben an, sie würden Phytase dann nicht mehr kaufen, wenn der Preis um 100-300 % steigen sollte. Verbesserung des Nährwertes (24) Ein großer Vorteil der Verwendung von Phytase für Futtermittel besteht darin, dass sich die Mengen an Zusatzstoffen, die den pflanzlichen Rohstoffen beigemengt werden müssen, um eine artgerechte Tiernahrung zu erhalten, reduzieren und sich damit die Mengen an pflanzlichen Rohstoffen in den Futtermitteln erhöhen, wodurch ihr Nährwert steigt. Anhand des Beispiels in Ziffer 19 oben ergibt sich Folgendes: Die Beimengung von 150 Gramm fluessiger Phytase pro Tonne Futtermittel kann etwa 7,5 kg anorganisches Phosphat ersetzen. Dies bedeutet, dass dadurch eine zusätzliche Zuführung von 7,35 kg an pflanzlichen Rohstoffen zu den Futtermitteln möglich wird, was den Nährwert steigert. Die Verbesserung des Nährwerts der Futtermittel trägt wiederum zu Kosteneinsparungen bei. Handhabung (25) Bei der von der Kommission durchgeführten Marktuntersuchung hat sich bestätigt, dass sich Phytase und anorganisches Phosphat in Bezug auf Volumen, Gewicht und Handhabung wesentlich unterscheiden. Phytase wird im Allgemeinen in kleineren Mengen verkauft, so beispielsweise in Säcken oder Trommeln von 25 kg, und muss auch in kleinen Mengen verabreicht werden, d. h. also bemessen nach Gramm pro Tonne Futtermittel. Anorganisches Phosphat wird in Großbehältern ausgeliefert, in Silos eingelagert und in großen Mengen unter Einsatz von Maschinen verabreicht. Die einfache Handhabung von Phytase trägt ebenfalls zu Kosteneinsparungen bei. Vorteile für die Umwelt/Rechtsvorschriften über die Verwendung von Phosphaten auf Nutzflächen (26) Ein weiterer wichtiger Vorteil der Verwendung von Phytase für Futtermittel besteht in den verringerten Phosphatausscheidungen in der Tiergülle. Zwar setzen die mikrobiellen Aktivitäten im Boden Phosphate frei, die nützliche Düngerwirkungen haben können, doch wenn sie im Übermaß vorhanden sind, können sie eine Umweltbelastung für Boden und Grundwasser bedeuten. Die Verwendung von Phytase reduziert die schädlichen Umweltauswirkungen von Phosphaten, die in Gebieten mit intensiver tierischer Erzeugung von der Tiergülle ausgehen. Wie aus der Marktuntersuchung der Kommission hervorgeht, wurde in Studien herausgefunden, dass sich die Ausscheidung von Phosphor durch eine Optimierung der Phosphataufnahme und der Verdauung mittels Phytase um etwa 30 % reduzieren lässt. (27) Die aus der Gefahr des hohen Phosphatgehalts in der Tiergülle erwachsenden ernsthaften Bedenken hinsichtlich der Umweltschädlichkeit haben mehrere Mitgliedstaaten (wie z. B. Frankreich, die Niederlande, Belgien und Deutschland) und Regionen dazu veranlasst, Rechtsvorschriften zu erlassen, mit denen der für Nutzflächen zulässige Phosphatgehalt in tierischem Dung begrenzt wird(9). Es handelt sich dabei um die geografischen Gebiete mit der intensivsten landwirtschaftlichen Nutztierhaltung in Europa. (28) Ferner ergab die Marktuntersuchung der Kommission, dass diese Beschränkungen mit Regelungscharakter für den Phosphatgehalt in Futtermitteln in einigen Gebieten des EWR, wie beispielsweise in Deutschland, bedeuten, dass die einzige Alternative zur Verwendung von Phytase in Futtermitteln darin besteht, die Tierdichte zu reduzieren, um so die Phosphorbelastung senken zu können. Flüssige und feste Konsistenz (29) Die Kommission hat auch Erwägungen angestellt, ob der relevante Produktmarkt in jeweils ein Marktsegment für fluessige und für feste Phytase weiter unterteilt werden sollte. Die Marktuntersuchung ergab, dass die Kunden die fluessige und die feste Phytase von ihrer Funktion her als untereinander austauschbar betrachten. Auch von der Versorgungslage her besteht uneingeschränkte Austauschbarkeit zwischen der festen und der fluessigen Form von Phytase, da die feste Form aus der fluessigen Phytase hergestellt wird. Zwar wird die fluessige Phytase im Allgemeinen häufiger dann verwandt, wenn der Kraftfuttermischprozess bei höheren Temperaturen ( > 70 Grad Celsius) erfolgt, doch ergab die Marktuntersuchung der Kommission, dass die Produkte durch ein paar Anpassungen seitens der Futtermittelhersteller für verschiedene Futtermitteltypen verwendet werden könnten. Die Marktuntersuchung ergab ebenfalls, dass feste und fluessige Phytase als gleichwertig wirksamer Bestandteil ein ähnliches Preisgefüge aufweisen. Aufgrund dieser Ausführungen gelangte die Kommission zu der Auffassung, dass es nicht notwendig ist, eine Unterscheidung zwischen fluessiger und fester Phytase vorzunehmen. Schlussfolgerung (30) Die Marktuntersuchung hat gezeigt, dass Phytase aus folgenden Gründen keinen Ersatz für anorganische Phosphate darstellt: a) Phytase wirkt sich kostensenkend aus, da den Futtermitteln weniger zusätzliche Mengen an anorganischem Phosphat beizumischen sind, Phytase verbessert den Nährwert der Futtermittel und ist leichter zu handhaben; b) durch die Verwendung von Phytase anstelle von anorganischem Phosphat wird die tierische Ausscheidung von Phosphor auf den Boden reduziert und es den unter umweltverträglichen Sachzwängen wirtschaftenden Landwirten ermöglicht, ihre Tierdichte beizubehalten oder zu erhöhen; c) eine deutliche Mehrheit von Kunden gab an, sie würde Phytase selbst dann weiterhin kaufen, wenn sich der Preis verdoppelte oder verdreifachte. (31) Aufgrund vorstehender Ausführungen kommt die Kommission zu dem Schluss, dass es einen eigenen sachlich relevanten Produktmarkt für Phytase gibt. Räumlich relevanter Produktmarkt (32) Die anmeldende Partei trägt vor, der räumlich relevante Produktmarkt für Phytase erstrecke sich zumindest auf den EWR, und zwar aufgrund der Tatsache, dass ihre Phytaseproduktion an zwei Standorten erfolgt: zum einem in Seclin in Frankreich und zum anderen (ins Ausland ausgelagert) in Kingstree in den USA. Von diesen beiden Produktionsanlagen aus wird Phytase über das weltweite Vertriebsnetz von BASF in mehr als 70 Länder verkauft. Die anmeldende Partei weist auch darauf hin, dass die Produktion von Novozymes an den Standorten Kalundborg in Dänemark und Franklington in South Carolina (USA) erfolgt, während die weltweite Vermarktung unter anderem von RV & FC vorgenommen wird. Ferner behaupten die Parteien, dass es keine wesentlichen Preisunterschiede bei der von BASF bzw. RV & FC im EWR verkauften Phytase gibt. Die anmeldende Partei behauptet, dass keine bedeutenden Handelshemmnisse bestehen und die Transportkosten einen geringen Teil der Absatz- und Vertriebskosten ausmachen. Wie sich aus dem Beispielsfall von Natuphos 5000G ergibt, reichte das westeuropäische Preisgefüge im Jahr 2003 von [...]* EUR pro kg in Österreich bis zu [...]* EUR pro kg in Griechenland, aber in den meisten Mitgliedstaaten schwankten die Preise nur unerheblich zwischen [...]* EUR und [...]* EUR pro kg (insbesondere in den nordwesteuropäischen Küstenländern). (33) Die überwältigende Mehrheit der Kunden und der Konkurrenten gab ihren Auskünften im Rahmen der Marktuntersuchung der Kommission an, dass sich der Markt für Phytase auf den EWR erstreckt. Die Marktuntersuchung ergab, dass die große Mehrheit von Futtermittelenzymen (d. h. also von NSP abbauenden Enzymen und von Phytase) in den nordwesteuropäischen Küstenländern verkauft wird, wo die Viehhaltungsdichte am höchsten ist. Die Marktuntersuchung der Kommission ergab auch, dass es innerhalb des EWR ein hohes Maß an grenzübergreifendem Handel gibt, dass aber die Kunden keine Phytase von außerhalb des EWR einkaufen. Einige Befragte erklärten, sie würden Phytase nicht von einer Vertriebsorganisation von außerhalb des EWR kaufen, da der regulatorische Ordnungsrahmen außerhalb des EWR unterschiedlich ist. Andererseits wird auf der Herstellungsebene ein Teil der Phytase, die von dem in die USA ausgelagerten Produktionsbetrieb "Fermpro" für DSM hergestellt wird, von DSM zur Granulatherstellung nach Deutschland zurück transportiert. Aufgrund dieser Tatsache ist die Kommission bis auf weiteres der Auffassung, dass der räumlich relevante Produktmarkt auf der Herstellungsebene zumindest EWR-weit und auf der Vertriebsebene EWR-weit ist. NSP abbauende Enzyme Definition des sachlich relevanten Produktmarktes (34) NSP sind wichtige Bestandteile aller pflanzlichen Grundstoffe. Sie sind von Natur aus in den Zellwänden vorhanden und für die Unversehrtheit der Zellstruktur notwendig. Frisst ein Tier die in den Mischfuttermitteln enthaltenen pflanzlichen Grundstoffe (wie z. B. Getreide und pflanzliche Proteinquellen), so nimmt es auch NSP zu sich. Gefluegel und Schweinen fehlt es an den endogenen Enzymen, die im Verdauungstrakt zum Abbau von NSP notwendig sind. Die Beimengung von NSP abbauenden Enzymen zu den Futtermitteln für Gefluegel und Schweine führt also zu einer Steigerung der Verfügbarkeit und der Verdaulichkeit der Nährstoffe in den Futtermitteln, was Verbesserungen bei der Futtermittelleistung bewirkt: die Tiere verwerten die in den Futtermitteln vorhandenen Nährstoffe wirkungsvoller. In geringerem Umfang können NSP abbauende Enzyme zu einer Verringerung der Umweltverschmutzung beitragen (so z. B. der Ausscheidung von Nitrogen). (35) Es gibt mehrere Arten von NSP abbauenden Enzymen: die wichtigsten sind Xylanase und Beta-Glucanase. Die anderen NSP abbauenden Enzyme haben im Wesentlichen marginale Bedeutung. Jedes dieser Enzyme ist auf einem besonderen Substrat aktiv(10). Die Produkte mit NSP abbauenden Enzymen enthalten entweder eine (Monokomponente) oder mehrere (Multikomponenten) dieser Aktivsubstanzen. Mehrfachkomponentenprodukte können entweder mit einem einzigen Mikroorganismus hergestellt werden oder durch Mischung von Enzymen, die aus unterschiedlichen Mikroorganismen entstanden sind. Die anmeldende Partei ist der Auffassung, dass es keinen Grund gibt, zwischen Einfach- und Mehrfachkomponenten zu unterscheiden oder eine Differenzierung nach der Herstellungsmethode vorzunehmen. Denn die Kunden interessieren sich nur für das Enzymprofil und die Kosten des Fertigprodukts. Viele von ihnen wissen nicht, wie die von ihnen gekauften NSP abbauenden Enzyme hergestellt sind. (36) Die anmeldende Partei vertritt auch den Standpunkt, dass kein Unterschied zwischen der fluessigen und der festen Form von NSP abbauenden Enzymen gemacht werden sollte, da die meisten der vorhandenen NSP abbauenden Enzyme in beiden Formen hergestellt werden. Die Kunden treffen ihre Wahl danach, welcher Herstellungsprozess für ihre Futtermittel gilt und welche Betriebsmittel ihnen dafür zur Verfügung stehen. (37) Die anmeldende Partei vertritt ebenfalls die Auffassung, dass nicht zwischen den Getreidearten unterschieden werden sollte, denen NSP abbauende Enzyme zugesetzt werden, oder zwischen den Tierarten, die mit diesen Futterzusätzen gefüttert werden. Um diese Auffassung zu untermauern, führt sie an, dass die meisten NSP abbauenden Enzyme hauptsächlich aus Xylanase, dem als Weizenzusatz am besten geeigneten Enzym, bestehen, da das Getreidefutter der meisten monogastrischen Tiere auf einer Weizengrundlage beruht. In einigen Getreidefutterarten wird Gerste unter den Weizen gemischt, doch enthalten weniger als 10 % des Getreidefutters einen Gersteanteil von über 30 %(11). Bei diesen Futterarten wird empfohlen, der Xylanase zur Optimierung ihrer Wirksamkeit Beta-Glucanase beizugeben. Jedoch ziehen es einige Kunden vor, beim reinen Weizenzusatz zu bleiben und nicht auf eine Weizen- und Gerstekombination umzustellen. Daher überwiegen die Xylanaseenzyme bei den Futterzusatzenzymen. Sie können für alle Futtermittel auf Getreidegrundlage verwendet werden. Für einige spezifische Futterarten steht Xylanase auch im Wettbewerb mit anderen Enzymen. Die anmeldende Partei macht geltend, dass dies keinen ausreichenden Grund für eine Festlegung getrennter sachlich relevanter Produktmärkte darstellt. Sie behauptet ferner, dass es unangebracht ist, eine Differenzierung nach Tierarten vorzunehmen, da die meisten NSP abbauenden Enzyme nicht artspezifisch sind. (38) Auf dieser Grundlage macht die anmeldende Partei geltend, dass alle NSP abbauenden Enzyme einen einheitlichen sachlich relevanten Produktmarkt bilden. Differenzierung nach Futtertypen (39) Die Futterzusammensetzung variiert je nachdem, welche Preise für Weizen und Gerste relevant sind. Zwar fällt dieser Vergleich meist zu

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.