Europäische Union

2004/270/EG: Entscheidung der Kommission vom 30. Oktober 2001 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2420 — Mitsui/CVRD/Caemi) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3363) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Avis juridique important | 32004D0270 2004/270/EG: Entscheidung der Kommission vom 30. Oktober 2001 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2420 — Mitsui/CVRD/Caemi) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3363) (Text von Bedeutung für den EWR) Amtsblatt Nr. L 092 vom 30/03/2004 S. 0050 - 0090 Entscheidung der Kommission vom 30. Oktober 2001 zur Erklärung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.2420 - Mitsui/CVRD/Caemi) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3363) (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR) (2004/270/EG) DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN - gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, gestützt auf das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum, insbesondere auf Artikel 57 Absatz 2 Buchstabe a), gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates vom 21. Dezember 1989 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen(1), zuletzt geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 1310/97(2), insbesondere auf Artikel 8 Absatz 2, gestützt auf die Entscheidung der Kommission vom 26. Mai 2000, das Verfahren in dieser Sache einzuleiten, nach Anhörung des Beratenden Ausschusses für die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen(3), gestützt auf den Abschlussbericht des Anhörungsbeauftragten(4), in Erwägung nachstehender Gründe: (1) Am 31. Mai 2001 haben Mitsui und Compania Vale do Rio Doce ("CVRD" ) bei der Kommission ein Zusammenschlussvorhaben gemäß Artikel 4 der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 ("Fusionskontrollverordnung") angemeldet, wonach Mitsui und CVRD durch Aktienkauf die gemeinsame Kontrolle über Caemi Mineração e Metalurgia SA (Caemi) übernehmen wollen. (2) Nach Prüfung der Anmeldung kam die Kommission am 3. Juli 2001 zu dem Ergebnis, dass das angemeldete Vorhaben unter die Fusionskontrollverordnung fällt und ernsthafte Zweifel an seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen bestehen. Am 29. August 2001 versandte die Kommission eine Mitteilung der Beschwerdepunkte; anschließend fand am 24. September 2001 eine mündliche Anhörung der beteiligten Unternehmen statt. I. DIE BETEILIGTEN UNTERNEHMEN (3) Das japanische Unternehmen Mitsui ist weltweit im Handel mit mehreren Rohstoffen und anderen Erzeugnissen einschließlich Eisenerz tätig und verfügt über Minderheits- bzw. kontrollierende Beteiligungen an mehreren australischen und indischen Eisenerzproduzenten. Unter anderem verfügt Mitsui über eine erhebliche Minderheitsbeteiligung an der weltweit zweitgrößten Eisenerzgrube Robe River. Darüber hinaus übernimmt Mitsui auch die Finanzierung und sonstige Projektbetreuung für die Handelstätigkeiten anderer Unternehmen. (4) Bei der brasilianischen CVRD handelt es sich um ein Bergbauunternehmen mit weit gestreuten Aktivitäten und den größten Eisenerzproduzenten der Welt. Das Unternehmen kontrolliert bereits alleine oder gemeinsam mit anderen den Großteil der brasilianischen Eisenerzproduktion; die wichtigste Ausnahme bilden die Mineração Brasilieras Reunidas SA (MBR), ein Tochterunternehmen von Caemi. Vor kurzem hat die CVRD mit Ferteco Mineração SA (Ferteco) den drittgrößten Eisenerzproduzenten Brasiliens übernommen. Darüber hinaus ist das Unternehmen im gewerblichen Güter- und Personenverkehr (Schienenverkehr, Hafenbetrieb und Seefrachtverkehr) tätig. Ferner produziert das Unternehmen eine Reihe anderer Produkte wie Düngemittel, Kaolinerde, metallurgisches Bauxit, Zellstoff und Papier. (5) Caemi ist ein in Staatsbesitz befindliches Unternehmen nach brasilianischem Recht mit Beteiligungen an Unternehmen, die in der Produktion und dem Vertrieb von Eisenerz in Brasilien und Kanada, von Kaolin und feuerfestem kalziniertem Bauxit in Brasilien sowie in den entsprechenden Logistikfeldern (Schienenverkehr und Hafenbetriebe in Brasilien) tätig sind. Im Eisenerzsektor verfügt Caemi über eine kontrollierende Beteiligung an MBR (Brasilien) in Höhe von 84,6 % und kontrolliert über seine 50%ige Beteiligung die Quebec Cartier Mining Company (QCM) (Kanada) gemeinsam mit Dofasco, dem größten integrierten Stahlproduzenten Kanadas. MBR ist (nach CVRD) der zweitgrößte Eisenerzproduzent Brasiliens und steht weltweit an vierter Stelle (nach CVRD, Rio Tinto und BHP). II. DAS VORHABEN (6) Mitsui verfügt zurzeit über 40 % der stimmberechtigten Aktien von Caemi. Die übrigen 60 % befinden sich im Besitz der "Frerings" (zwei Brüder der Familie Frering sowie [...]*(5)). Zum Zweck der Übernahme hat Mitsui eine 100%ige Tochtergesellschaft unter der Bezeichnung "Mitsui Holding Company" (MHC) gegründet, die letztendlich gemeinsam von Mitsui und CVRD kontrolliert werden soll (siehe unten). (7) Die Übernahme der gemeinsamen Kontrolle über Caemi durch Mitsui und CVRD soll in den nachstehend beschriebenen zwei Stufen erfolgen: [Die erste Stufe des Zusammenschlusses betrifft Mitsuis Ausübung seines früheren]* Rechts auf ... in Bezug auf die Holding von Frerings. Die zweite Stufe betrifft den Erweb des stimmberechtigten Anteils (50 %) von Mitsui an Caemi durch CVRD]*: i) [...]*. ii) [...]*. (8) Somit werden innerhalb der rechtsverbindlichen Frist die stimmberechtigten Aktien von Caemi gemeinsam von CVRD und Mitsui kontrolliert. Nach Auffassung der Parteien bedingen sich der Kaufvertrag von MHC und Frerings und die Vereinbarung über die strategische Allianz insoweit gegenseitig, als die Phase eins des Zusammenschlusses nicht durchgeführt werden kann, wenn nicht auch Phase zwei stattfindet. Das notwendige Endergebnis der angemeldeten Geschäftsvorgänge ist somit die Übernahme der gemeinsamen Kontrolle über Caemi durch die anmeldenden Unternehmen. Folglich stellt der mehrstufige Vorgang einen einzelnen Zusammenschluss im Sinne von Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe b) der Fusionskontrollverordnung dar. III. GEMEINSCHAFTSWEITE BEDEUTUNG (9) Die Unternehmen erzielen zusammen einen weltweiten Gesamtumsatz von mehr als 5 Mrd. EUR (Mitsui: 78 Mrd. EUR in dem am 31. März 2000 endenden Geschäftsjahr, CVRD: 5,5 Mrd. EUR in dem am 31. Dezember 2000 endenden Geschäftsjahr; Caemi: 560 Mio. EUR in seinem am 31. Dezember 2000 endenden Geschäftsjahr). Der gemeinschaftsweite Umsatz der einzelnen Unternehmen liegt jeweils über 250 Mio. EUR (Mitsui: [...]* EUR; CVRD: [...]* EUR; Caemi [...]* EUR), aber keines von ihnen erzielt mehr als zwei Drittel ihres gemeinschaftsweiten Gesamtumsatzes in ein und demselben Mitgliedstaat. Das angemeldete Vorhaben ist daher von gemeinschaftsweiter Bedeutung. (10) Keines der von dem Zusammenschluss betroffenen Unternehmen ist in den vom EGKS-Vertrag erfassten Gebieten in Produktion oder Vertrieb von Eisenerz tätig, wohl aber in Drittländern. Diese Tätigkeiten fallen daher nicht unter Artikel 66 Absatz 1 des EGKS-Vertrags. IV. ALLGEMEINE BESCHREIBUNG DER EISENERZINDUSTRIE (11) Das Vorhaben wird sich wettbewerbsrechtlich ausschließlich auf die Eisenerzmärkte auswirken. Bei Eisenerz handelt es sich um ein fast ausschließlich an die Stahlindustrie verkauftes Rohmaterial, das von Eisenerzbergwerken in drei Hauptformen vertrieben wird: Sinterfeinerz, Stückerz und Pellets. Eine ausführliche Begründung, warum die Kommission diese drei Erzformen unterschiedlichen relevanten Produktmärkten zuordnet, erfolgt nachstehend in Abschnitt V. A. Eisenerzangebot Gewinnung von Eisenerz im Bergbau (12) Eisen ist das zweithäufigste Metall (nach Aluminium) und macht etwa 4,6 % der Erdkruste aus. Trotz der großen Vielfalt mineralogischer Formen, in denen Eisen in der Natur vorkommt, sind nur wenige in kommerzieller Hinsicht von Bedeutung; hierzu zählen vor allem Eisenoxyd-Magnetit, Hämatitroheisen, Braunerz und Ilmenit. Bei der Eisenerzeugung, dem ersten Schritt in der Stahlproduktion, wird der Sauerstoff im sogenannten Reduktionsprozess entfernt. Abgebaut werden auch andere Formen einschließlich Karbonate wie Eisenspat, Schwefelerze und Silikat. (13) Eisenerzvorkommen unterscheiden sich in den verschiedenen Teilen der Welt ganz erheblich in ihrer chemischen Zusammensetzung. Die größten Eisenerzvorkommen befinden sich in den so genannten Banded Iron Formations (bankiges Eisenerz (BIF)), die auch als Takonit oder Itabirit bekannt sind. Diese Vorkommen können eine Dicke von mehreren hundert Metern erreichen und sich über Tausende von Kilometern erstrecken. Die wirtschaftlich bedeutendsten Vorkommen befinden sich in Brasilien, Westaustralien, dem Lake Superior-Gebiet in Kanada, in Krivoi Rog in der Ukraine sowie in Russland im Gebiet der Stadt Kursk. (14) Weltweit werden die Eisenerzreserven zurzeit auf rund 140000 Mio. t(6) geschätzt. Die (nach Eisengehalt) größten Erzvorkommen befinden sich in der Ukraine, China, Australien, Russland, den USA, Brasilien und Kasachstan. Der Eisengehalt im Eisenerz unterscheidet sich jedoch erheblich von einem Land zum anderen: das chinesische Erz hat z. B. einen äußerst geringen Eisengehalt (ca. 32 %), das brasilianische einen sehr hohen (ca. 63 %). (15) Mehr als 95 % des abgebauten Eisenerzes wird wegen der Größenvorteile und der relativ niedrigen Stückkosten von Eisen im Verhältnis zu anderen Metallen im Tagebau gewonnen. Nur die schwedische LKAB gewinnt nennenswerte Mengen Eisenerz im Untertagebau. Im Tagebau muss zuerst der "Abraum" von den Erzschichten entfernt werden. Danach sind oftmals Sprengungen erforderlich, um das Erz zu zerkleinern, damit es leichter von Schaufelbaggern oder Frontladern auf Lastwagen, Güterwagons oder Förderbänder geladen werden kann, die den Weitertransport in eine Quetschmühle übernehmen, wo eine erste Zerkleinerung erfolgt. (16) Fast das gesamte Eisenerz wird anschließend "aufbereitet"(7), d. h. zerkleinert, zermahlen, abgetrennt, gesiebt und nach Korngröße klassifiziert. Unreinheiten wie Kieselerde und Tonerde werden dabei entfernt, und das Erz wird in die gewünschte Gestalt und Größe gebracht. Das Ausmaß der Aufbereitung hängt von der Art des Eisenerzvorkommens, dem Grad der im Eisenerz vorhandenen Fremdstoffe und den genauen Wünschen des Abnehmers ab. Stückerz und Feinerz werden in der Regel durch Zertrümmerung und Zermahlung des Roherzes produziert. Durch eine weitere Aufbereitung kann ferner Eisenerzkonzentrat gewonnen werden, das in der Regel in einer Pelletisieranlage in der Nähe des Bergwerks zu Eisenerzkügelchen (Pellets) verarbeitet wird. (17) In jedem Bergwerk fallen Stückerz und Feinerz als unvermeidbares Produkt des Abbauprozesses an. Der Anteil dieser Erze an der Gesamtabbaumenge wird jedoch durch die Beschaffenheit des Vorkommens (Härte usw.) mitbestimmt. In zahlreichen Minen fällt relativ wenig Stückerz an, da das eisenhaltige Material dazu neigt, beim Abbau und der Verarbeitung in Kleinpartikel zu zerfallen (dies gilt z. B. für einen Großteil des brasilianischen Erzes). Der Großteil des in die EU eingeführten Stückerzes kommt daher aus Australien, Südafrika und Indien. Zwar produzieren auch die brasilianischen und venezolanischen Bergwerke Stückerz, aber nur in einem weitaus geringerem Verhältnis zu ihrer gesamten Eisenerzproduktion. Lagerstätten mit geringem Eisengehalt (zwischen 30 und 35 %) wie in den Vereinigten Staaten, Kanada und China bieten nur wenig oder gar kein Stückerz an, da das Erz ausgesprochen fein gemahlen werden muss, um Eisenerzkonzentrate mit einem in kommerzieller Hinsicht rentablen Eisengehalt herstellen zu können. (18) Ebenso wenig sind sämtliche Erze gleicherweise für eine wirtschaftliche Aufbereitung zu Eisenerzpellets geeignet. Eisenerzpellets wurden traditionell auf den amerikanischen Doppelkontinenten sowie in Europa produziert, und die meisten exportorientierten Pelletisieranlagen befanden sich in Schweden, Kanada, Venezuela und Brasilien. Einer der Gründe ist, dass zur Pelletisierung geeignetes Erz durch Mahl- und Konzentrationsprozesse aus natürlichem Feinerz gewonnen wird und nicht sämtliche Erze zur Herstellung von Konzentraten geeignet sind. Die Parteien haben u. a. darauf hingewiesen, dass Pelletisierungsversuche z. B. in Westaustralien erfolglos verlaufen sind. (19) Eine andere wichtige Konsequenz der geologischen Beschaffenheit eines Bergwerks ist die Erzqualität. Sie misst sich vor allem am (möglichst großen) Eisengehalt und den (möglichst geringen) Verunreinigungen. Besonderes Augenmerk gilt dem Glühverlust (vor allem Kristallwasser) und dem Vorhandensein von Kieselerde, Phosphor und Tonerde, die sich schädlich auf den Hochofenbetrieb auswirken können. (20) Nach den Angaben der Parteien ist die Qualität des in den verschiedenen Gebieten der Erde produzierten Eisenerzes höchst unterschiedlich. Generell gilt: i) brasilianisches Erz als besonders hochwertig; ii) australisches Erz als früher ebenfalls hochwertig, allerdings sind die Vorkommen zunehmend erschöpft und werden durch neuere Gruben (Yandi, Robe River usw.) mit höherem Kieselerde- und Feuchtigkeitsgehalt ersetzt, [...]*; iii) Erz aus Südafrika hingegen ist wegen des hohen Alkaligehalts nur begrenzt in Hochöfen verwendbar; iv) schwedisches Erz ist wegen des hohen Eisengehalts besonders für Sinteranlagen geeignet und kann zu sehr reinen Pellets mit exzellenten Leistungsmerkmalen aufbereitet werden; v) Eisenerz aus Kanada, den USA und China schließlich hat einen äußerst geringen Eisengehalt (30 bis 35 %, wohingegen er in Brasilien oder Australien mehr als 60 % beträgt). (21) Wie erwähnt, werden Pelletisieranlagen in der Regel in der Nähe von Gruben oder Ausfuhrhäfen gebaut, da Pellets sich während des Transports nicht zersetzen. Die besten Pellets werden aus brasilianischem, kanadischem und schwedischem Erz gewonnen. Die meisten außerhalb Australiens gelegenen Gruben könnten zumindest theoretisch die erforderlichen Investitionen vornehmen, um die Produktion von Eisenerzpellets aufzunehmen. Erforderlich sind hierfür eine Pelletisieranlage, deren Baukosten etwa zwischen 50 und 60 USD je Jahrestonnen-Kapazität liegen, sowie die Verfügbarkeit von Eisenerz mit angemessener Qualität. Eisenerzformen (22) Fast 99 % sämtlichen Eisenerzes wird für die Stahlproduktion in Hochöfen verwendet. Im Hochofen wird Eisenerz zu Gusseisen verarbeitet, das dann in einem Sauerstoffeinblaseofen mit basischem Futter zu Stahl weiterverarbeitet wird. Die Eisenerzsorten und ihre prozentuale Verwendung werden vom Stahlhersteller nach technischen und stofflichen Kriterien sowie den Marktbedingungen (Verfügbarkeit und Preis des Eisenerzes, Nachfrage nach Stahlerzeugnissen) definiert (und von Zeit zu Zeit verändert). (23) Eisenerz wird in zwei Formen abgebaut: Stückerz (mit einem Durchmesser von 6 bis 30 mm) und Feinerz (mit einem Durchmesser von weniger als 6 mm). Aus technischen Gründen kann nur Stückerz direkt in den Hochofen eingegeben werden (Feinerz ist zu klein und blockiert den im Hochofen vorgenommenen Reduzierungsprozess). Früher wurde ausschließlich Stückerz vermarktet, während das abgebaute Feinerz als Abfall galt. (24) Um auch das Feinerz nutzen zu können, wurden zwei Agglomerationsprozesse entwickelt: Sintern und Pelletisierung. Durch Sinterung wird Feinerz (bzw. Sintermaterial mit einem Durchmesser zwischen 1 und 6 mm) agglomeriert, während durch Pelletisierung bruchfeines Erz (Pelletisiermaterial mit einem Durchmesser von weniger als 1 mm) zu Pellets agglomeriert wird. Stahlwerke verfügen in der Regel über eigene Sinteranlagen, da Sintererz während des Transports zur Desintegration neigt. Da bei Pellets diese Gefahr nicht besteht, können Pelletisieranlagen an den Bergwerken selbst oder in ihrer Nähe gebaut werden. Bestimmte europäische Stahlwerke haben daher einen Teil ihrer Erzeinfuhren auf Pellets umgestellt, anstatt aus Umweltschutzgründen in eine Verbesserung ihrer Sinteranlagen zu investieren (Sintern verursacht hohe Umweltkosten). Das gilt allerdings nicht für Japan: Dort haben die Stahlproduzenten es vorgezogen, in die Verbesserung ihrer Sinteranlagen zu investieren. (25) Aufgrund der Entwicklung von Sinter- und Pelletisieranlagen sind Hochofenbetreiber nunmehr in der Lage, zwischen Feinerz (das vom Hochofenbetreiber gesintert werden muss), Stückerz und Pellets zu wählen. Aus komplexen Gründen, die mit der Feineinstellung des Hochofenbetriebs und zur Optimierung des Kosten-Effizienz-Verhältnisses zusammenhängen, verwenden die meisten Hochofenbetreiber ein Gemisch aus allen drei Sorten. (26) Aus diesen Gründen variiert der in den Hochöfen verwendete Anteil von Sinterfeinerz von einer Region zur anderen. Abgesehen von bestimmten Ausnahmen gelten für die Walzwerke innerhalb eines Erdteils tendenziell die gleichen Angebotsbedingungen, so dass sie auch die verschiedenen Eisenerzsorten zu etwa gleich hohen Anteilen beschaffen. Die Parteien schätzen, dass Sinterfeinerz etwa 60 % des Eingangsmaterials in den gängigen Hochofenanlagen Europas und Asiens ausmacht, aber weniger als 10 % des Eingangsmaterials (Gicht) in typischen US-amerikanischen Hochöfen. Auch mit Bezug auf den Stückerzanteil des ihren Hochöfen zugeführten Erzgemischs haben die Betreiber unterschiedliche Präferenzen. In Europa macht Stückerz etwa 20 % der Gicht aus, während sein Anteil in den USA näher bei 10 % liegt. In Asien liegt der Stückerzanteil in der Gicht bei rd. 25 % (vor allem wegen der Nähe der australischen Bergwerke, in denen ein höherer Anteil von Stückerz produziert wird). Folglich variiert auch der Anteil von Pellets in den verschiedenen Erdteilen: In Europa macht er etwa 20 % der Gicht aus, in den USA um die 80 % und in Asien lediglich 5 bis 10 %. (27) Eisenerz kann schließlich auch für die Umwandlung in Direktreduktionseisen (DRE) in einem DR-Ofen genutzt werden. Die beiden in einem DR-Ofen verwendeten Hauptformen von DR-Eisenerz sind Stückerz und Pellets; das Erz muss einen besonders hohen Reinheitsgrad aufweisen (hoher Eisengehalt und geringe Verunreinigungen mit Kieselerde, Phosphor und Schwefel). Das DRE kann direkt zur Stahlherstellung im elektrischen Lichtbogenofen verwendet werden. Eisenerzproduktion weltweit (28) Weltweit belief sich die Eisenerzproduktion im Jahr 2000 auf etwa 931 Mio. t, wohingegen sie 1999 noch 868 Mio. t und 1998 878 Mio. t betragen hatte. Da die Eisenerzproduktion an der Stahlproduktion ausgerichtet ist, ist auch sie in hohem Maße zyklischen Schwankungen unterworfen. Die Stahlnachfrage ist stark von der Konjunktur insbesondere in der Automobil- und der Bauindustrie abhängig. Seit 1950 wuchs die Eisenerzproduktion jährlich um durchschnittlich 2,6 %; den höchsten Wert erreichte sie 1988 mit 967 Mio. t. Weltweite Produktion >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Schätzungen der Parteien und Daten von UNCTAD. (29) Die größten Erzproduzenten der Welt (Jahr 2000) sind: Brasilien (236 Mio. t), Australien (176 Mio. t), China (96 Mio. t), Russland (87 Mio. t), Indien (75 Mio. t), die USA (63 Mio. t), Ukraine (55 Mio. t), Kanada (36 Mio. t) und Südafrika (34 Mio. t). Der Ausfuhranteil variiert jedoch beträchtlich von Land zu Land (Ausfuhren im Jahr 2000): Brasilien (160 Mio. t), Australien (165 Mio. t), China (keine Ausfuhren), Russland (15 Mio. t), Indien (35 Mio. t), die USA (6 Mio. t), Ukraine (19 Mio. t), Kanada (27 Mio. t) und Südafrika (21 Mio. t). Seehandel mit Eisenerz (30) Vor dem Zweiten Weltkrieg befanden sich die Stahlwerke wegen der hohen Transportkosten für das Erz in der Nähe der Eisenerzbergwerke. Die Erschließung großer Vorkommen von hoher Qualität (BIF) in Brasilien und Australien hat jedoch die Struktur der Branche verändert: Wo früher relativ kleine Gruben in der Nähe der großen Stahlproduzenten das Bild beherrschten, prägen heute immer mehr große, fernab von den Abnehmern gelegene Abbaugebiete die Szene. Ausschlaggebend hierfür waren vor allem die Größenvorteile. Der Transport von Eisenerz zur See auf Massengut-Frachtschiffen (heutzutage über die Hälfte der weltweiten Erzeugung) hat Investitionen in Hafenanlagen für immer größere Schiffe erforderlich gemacht, um die Stückkosten im Seeverkehr zu verringern. (31) Dennoch wird ein beträchtlicher Teil der weltweiten Eisenerzproduktion auch heute noch nicht über See transportiert. Dies gilt vor allem für die USA, Osteuropa und China, die immer noch über eine beträchtliche einheimische Eisenerzproduktion verfügen und diese zum weitaus größten Teil im Inland weiterverwerten. Ein Großteil dieser einheimischen Produktion verbleibt überdies innerhalb eines Unternehmens: In den USA befinden sich z. B. 60 % der einheimischen Produktionskapazitäten in den Händen der Stahlunternehmen, so dass der Großteil der Produktion nicht auf den freien Markt gelangt. In Westeuropa hingegen ist der Eisenerzabbau fast ganz zum Stillstand gekommen (eine Ausnahme bildet vor allem Schweden). (32) Vor allem aufgrund des oben genannten Rückgangs der Eisenerzproduktion in Westeuropa, aber auch wegen des Wachstums der asiatischen Stahlindustrie, stieg die Nachfrage nach Eisenerzeinfuhren aus Übersee in den vergangenen Jahren beträchtlich. Westeuropa und Ostasien (Japan, Südkorea und Taiwan) sind inzwischen in hohem Maß von Eisenerzeinfuhren aus Übersee abhängig, und trotz einheimischer Produktion führt auch China immer mehr Eisenerz ein, um die wachsende Nachfrage zu decken. Seehandel (Schätzungen von Fearnleys)((Die Angaben der Tabellen beruhen auf Zahlen, die das norwegische Frachtunternehmen Fearnleys veröffentlicht hat.)) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (33) Hauptausfuhrgebiete für Eisenerz sind Südamerika (vor allem Brasilien) und Ozeanien (vor allem Australien), deren beherrschende Stellung weiter wächst: 1989 entfielen 60 % der weltweiten Eisenerzausfuhren auf Ozeanien oder Südamerika, wohingegen es 1999 schon 70 % waren. Es wird damit gerechnet, dass dieser Trend anhält. Die Frachtgebühren schwanken je nach Fahrtstrecke und Jahr erheblich und sind in hohem Maß von Ölpreisschwankungen und der Verfügbarkeit geeigneter Transportschiffe abhängig. (34) Teilweise aufgrund einer gezielten Diversifizierungspolitik der japanischen Stahlunternehmen (um eine allzu große Abhängigkeit von den beiden australischen Anbietern zu vermeiden) sind brasilianische Eisenerzausfuhren weiter ausgedehnt als australische. Die größere Verbreitung brasilianischen Erzes liegt aber auch an der breiteren Produktspanne der brasilianischen Produzenten (australische Anbieter liefern z. B. so gut wie keine Pellets), der Beteiligung einiger japanischer Stahlproduzenten an brasilianischen Pelletisieranlagen und der (nachstehend ausführlicher beschriebenen) Frachtteilungspolitik der japanischen Abnehmer. Marktzutrittsschranken (35) Mehrere Faktoren erschweren den Zutritt auf den Eisenerzmarkt und erhöhen seine Kosten. In den letzten Jahren war kein einziger nennenswerter Marktzutritt zu verzeichnen. Außerdem dürfte ein etwaiger Marktzutritt höchstwahrscheinlich durch Übernahme eines vorhandenen Anbieters erfolgen. (36) Das Aufspüren neuer kommerziell nutzbarer Eisenerzvorkommen von ausreichender Qualität und Größe für den Weltmarkt ist mit beträchtlichen Kosten für die Erkundung und Durchführbarkeitsstudien verbunden. Außerdem sind für den Erwerb der Erschließungs-, Betriebs- und Nutzungsrechte für neue Abbaugebiete und den Bau der zugehörigen Schienentransport- und Hafenanlagen für gewöhnlich ausführliche jahrelange Verhandlungen mit den Behörden erforderlich. In einigen Ländern wie Liberia und Guinea wurde die Erschließung hochwertiger Erzvorkommen durch politische Instabilität verhindert. Außerdem befinden sich viele der bekannten hochwertigen Vorkommen der Welt bereits in den Händen der drei größten Erzproduzenten CVRD, Rio Tinto und BHP. (37) Gelegentlich kann ein neues Bergwerk vorhandene Schienen- und Hafeninfrastrukturen anderer, in der Nähe gelegener Bergwerke in Anspruch nehmen. Für gewöhnlich aber sind die Kosten für das Bergwerk selbst sowie die Schienenverbindungen und die Entwicklung von Hafenanlagen ausgesprochen hoch und können von mehreren hundert Millionen bis zu einigen Milliarden Euro reichen. Neue Vorkommen müs

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.