Europäische Union

2003/176/EG: Entscheidung der Kommission vom 19. Juli 2000 über die Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem Funktionieren des EWR-Abkommens (Sache COMP/M.1882 — Pirelli/BICC) (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2000) 2156)

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Quellenkennung: 32003D0176. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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ngesehen. Produktion und Verkauf von Kupferstäben (34) Die beteiligten Unternehmen bringen vor, dass der räumlich relevante Markt für Kupferstäbe mindestens so groß wie die Gemeinschaft ist, da Kupferstäbe als Standarderzeugnis überall in Europa zu vergleichbaren Preisen gehandelt werden. Außerdem erklären sie, dass die Beförderungskosten die Einfuhr von Kupferstäben nicht behindern. Die Marktuntersuchung der Kommission hat diese Einschätzung bestätigt. Produktion und Verkauf von Energiekabeln (35) Die beteiligten Unternehmen behaupten, dass sich die Energiekabelmärkte nach und nach zu gemeinschaftsweiten Märkten entwickelt haben. Auf der Angebotsseite bestehen demnach keine Marktzutrittsschranken. Durch die Angleichung der technischen Normen für Energiekabel sind nach Angaben der beteiligten Unternehmen sämtliche verbleibenden Hindernisse für die Beteiligung gemeinschaftlicher Anbieter an Ausschreibungen in sämtlichen Mitgliedstaaten beseitigt worden. Für die Nachfrageseite sind Energiekabelmärkte Ausschreibungsmärkte, auf denen die Abnehmer in zunehmendem Maße ihre Energiekabel auf europäischer Ebene nach gemeinschaftskonformen Vergabeverfahren beziehen. Diese Faktoren in Verbindung mit geringen Beförderungskosten spiegeln sich, so meinen die beteiligten Unternehmen, in der Zunahme der Ein- und Ausfuhren von Energiekabeln zwischen EU-Mitgliedstaaten wider. Die Kommissionsuntersuchung hat bestätigt, dass die Energiekabelmärkte tatsächlich gemeinschaftsweite Märkte sind. Erhebliche Fortschritte bei der Angleichung der Produktnormen (36) In ihrer Entscheidung betreffend Alcatel/AEG Kabel (M. 165/1991)(13) stellte die Kommission fest, dass sich die Kabelmärkte in der Gemeinschaft in einem Übergangsstadium befinden, in dem aus nationalen gemeinschaftsweite Märkte entstehen. Doch stellte sie seinerzeit fest, dass dieser Übergang wegen zahlreicher Faktoren noch nicht abgeschlossen war. Zu diesen Faktoren gehörten verschiedene Kabelspezifikationen, die die Einfuhren behinderten, komplizierte und langwierige Zulassungen für Anbieter, damit diese die nationalen Normen erfuellen, und diesbezügliche Anpassungskosten. In ihrer Entscheidung betreffend Pirelli/Siemens(14) erkannte die Kommission an, dass in ganz Europa eine Tendenz zur Angleichung der technischen Normen besteht. Doch ließ sie die Frage der nationalen bzw. europäischen Bedeutung der räumlich relevanten Märkte unbeantwortet. (37) Im vorliegenden Fall ist die Kommission zu dem Ergebnis gelangt, dass nach Ansicht des Europäischen Komitees für elektrotechnische Normung (Cenelec) die meisten NS- und MS-Kabel Europäischen Normen (EN) unterliegen, es sei denn für spezielle Nischeanwendungen, für die keine Europäischen Normen bestehen. Während die Umsetzung von EN in entsprechende nationale Normen zwingend ist, besteht zur Umsetzung von HD (Harmonisierungsdokumente) keine Verpflichtung. Nach Angaben von Cenelec werden 90 % aller EN und HD vor Ablauf eines Jahres nach ihrer Annahme von den Mitgliedstaaten umgesetzt. Die meisten Stromversorgungsunternehmen haben erklärt, dass sie Europäische Normen, internationale Normen oder nationale Normen, die mit Europäischen Normen konform sind, anwenden. (38) Für NS- und MS-Kabel besteht in jedem Mitgliedstaat eine Mischung von internationalen und Cenelec-Normen. Außerdem benutzt das Stromversorgungsunternehmen in der Regel eine Reihe verschiedener Produktspezifikationen (ENEL arbeitet z. B. mit 24 unterschiedlichen Spezifikationen für NS- und MS-Kabel) in Bezug auf Produktqualität, Rohstoff und Produktsicherheit. Diese Spezifikationen sind auf die verschiedenen Kabelnetze (Verbindungen, Zubehör, Schaltgeräte) abgestellt(15). (39) Es bestehen keine Hinweise dafür, dass die vorerwähnten unterschiedlichen Spezifikationen bedeutende Marktzutrittsschranken für potenzielle Wettbewerber darstellen. Abgesehen von den beteiligten Unternehmen bestehen noch mehrere andere europäische Kabelanbieter wie ABB, Alcatel, NKT, Sagem oder BICC mit seinen verbleibenden Produktionsbetrieben in Spanien und Portugal(16), die über die notwendige technische Eignung und Produktionskapazität sowie die erforderlichen Zertifikate verfügen, um die großen europäischen Stromversorger zu beliefern, die diese Spezifikationen in einer Vielzahl von Ausschreibungen außerhalb ihrer Heimatmärkte verwenden. All diese großen und vielleicht auch einige kleinere Hersteller sind in der Lage, Kabel in Übereinstimmung mit den für NS-/MS-Kabel überall in der Gemeinschaft geltenden Spezifikationen zu liefern. (40) Im HS-/HöS-Markt hingegen bestehen keine Produktnormen. Für jedes Projekt geben die Abnehmer ihre Konstruktionsnormen auf der Grundlage von nationalen, internationalen und Cenelec-Normen an. Die Kabel sind also für jedes Hochspannungs- oder Hoechstspannungsprojekt auf den Kunden zugeschnitten, und die nationalen Normen stellen in der Regel keine Zutrittsschranke dar. Um ein qualifizierter Anbieter von HS-/HöS-Kabeln zu werden, muss sich der Hersteller gewöhnlich umfassenden Tests unterziehen, die nach Angaben der Abnehmer 12 bis 18 Monate dauern können. Die Hauptlieferanten von HS-/HöS-Kabeln, einschließlich Pirelli, BICC, Alcatel, ABB und NKT, aber auch einige zweitrangige Hersteller, sind für die meisten europäischen Stromversorgungsunternehmen schon heute qualifizierte Anbieter. All diese Unternehmen könnten für jedes Projekt, das ausgeschrieben wird, die Zertifizierungserfordernisse erfuellen; denn die Stromversorgungsunternehmen müssen in der Regel ein Jahr im Voraus ihre Käufe bekannt geben. (41) Diesen Ausführungen zufolge sind die unterschiedlichen Produktnormen auf europäischer Ebene weitgehend harmonisiert und bedeuten bestehende nationale Spezifikationen keine Marktzutrittsschranken mehr. Preisunterschiede aufgrund der besonderen Merkmale jeder Ausschreibung (42) Die Untersuchung der Kommission hat ergeben, dass ein Preisvergleich zwischen verschiedenen Ländern für einzelne Produkte nicht aussagekräftig ist, weil die Preise für Energiekabel in starkem Maße von der jeweiligen Menge, die eingekauft wird, und von den in der Ausschreibung genannten Spezifikationen abhängen. Die verschiedenen Abnehmer können sehr unterschiedliche Mengen bestellen. Rahmenverträge auf dem NS-/MS-Markt können z. B. Tausende von Kilometern, andere Verträge hingegen relativ kurze Kabelverbindungen betreffen. Außerdem ist festzustellen, dass einzelne Abnehmer häufig sogar für gleiche Spannungsbereiche unterschiedliche Kabel (z. B. Einfach- oder Mehrfachkabel), sowie unterschiedliche Leiter oder Schirme verlangen. Diese Unterschiede in Verbindung mit verschieden umfangreichen Verträgen führen zwischen den Mitgliedstaaten zu Preisunterschieden, die aber keine Zutrittsschranken darstellen(17). Stromversorgungsunternehmen können gemeinschaftsweit einkaufen (43) In der Vergangenheit, d. h. vor der Liberalisierung, zeichnete sich der Elektrizitätsmarkt durch monopolistische Energieversorgungsunternehmen aus, die ihre Kabel weitgehend von inländischen Kabellieferanten bezogen. Gemäß den Richtlinien zum öffentlichen Auftragswesen, insbesondere gemäß der Richtlinie 93/38/EWG des Rates vom 14. Juni 1993 zur Koordinierung der Auftragsvergabe durch Auftraggeber im Bereich der Wasser-, Energie und Verkehrsversorgung sowie im Telekommunikationssektor(18), zuletzt geändert durch die Richtlinie 2001/78/EG der Kommission(19), müssen die Auftraggeber gewährleisten, dass Lieferanten, Unternehmer und Dienstleistungserbringer aus verschiedenen Mitgliedstaaten gleich behandelt werden. Nach diesen Richtlinien müssen die Stromversorgungsunternehmen ihren Kabelbedarf im Rahmen einer Ausschreibung im Amtsblatt der Europäischen Union bekannt geben. (44) Aus den Auftragsvergabemitteilungen, die die Kommission im Rahmen ihrer Untersuchung geprüft hat, geht allerdings hervor, dass zwar eine gemeinschaftsweite Ausschreibung erfolgt, dass jedoch nach wie vor inländische Lieferanten den Zuschlag erhalten, die bereits seit langem Geschäftsbeziehungen mit den Versorgungsunternehmen unterhalten. Das heißt, dass die angestammten inländischen Lieferanten der Versorgungsunternehmen ihre traditionell starke Stellung trotz der Liberalisierung der Vergabeverfahren erfolgreich verteidigt haben. (45) So verfügt z. B. ABB über einen HS-/HöS-Marktanteil von [50-60]* % in Schweden, [45-55]* % in Norwegen und [5-15]* % in Deutschland und ist in keinem weiteren Mitgliedstaat vertreten. SAT-Sagem verfügt über einen Marktanteil von [10-20]* % in Frankreich und [unter 5]* % in Belgien; das Unternehmen ist in keinem weiteren Mitgliedstaat vertreten. Der Marktanteil von NKT beläuft sich auf [35-45]* % in Dänemark und durch die Übernahme von Felten & Guillaume auf [5-15]* % in Deutschland(20). Fulgor weist auf dem griechischen Markt einen Anteil von [45-55]* % auf; seine Präsenz in anderen Mitgliedstaaten ist gering. An diesen Marktanteilen hat sich in den letzten drei Jahren nur wenig geändert. Nur Pirelli, BICC und Alcatel verfügen über beträchtliche Marktanteile in allen größeren Mitgliedstaaten: Der Marktanteil von Pirelli beläuft sich auf [40-50]* % in Italien, [40-50]* % in Frankreich, [40-50]* % in Spanien, [35-45]* % in Deutschland und [30-40]* % im Vereinigten Königreich. BICC verfügt über einen Anteil von [45-55]* % am britischen, [15-25]* % am deutschen, [25-35]* % am italienischen, [35-45]* % am portugiesischen und [50-60]* % am spanischen Markt. Alcatel besitzt [25-35]* % in Frankreich, [35-45]* % in Belgien und [20-30]* % in Italien. Diese Unternehmen, vor allem die beiden Marktführer Pirelli und BICC, gründen ihre Marktposition jedoch weitgehend auf einheimische Produktionsstätten und/oder die Übernahme einheimischer Anbieter. Im NS- und MS-Segment lassen sich sehr ähnliche Trends feststellen. (46) Die auffällige Asymmetrie der Marktanteile in Europa könnte vermuten lassen, dass die Märkte immer noch national begrenzt sind. Die Marktuntersuchung der Kommission hat diese Hypothese jedoch nicht bestätigt. (47) Angesichts von Überkapazitäten und unter Androhung eines Bezugs bei ausländischen Wettbewerbern können die Versorgungsunternehmen ihre angestammten einheimischen Lieferanten derzeit zu höchst wettbewerbsfähigen Angeboten bewegen. Dennoch werden immer häufiger auch grenzübergreifend Angebote eingereicht und eine Reihe europäischer Kabelhersteller nimmt regelmäßig an Ausschreibungen in verschiedenen Mitgliedstaaten teil. Im Vereinigten Königreich wurden z. B. 1999 32 % des Bedarfs durch Importe gedeckt: Verschiedene ausländische Lieferanten wie NKT, Studer, Fulgor, Alcatel, Wessel und Tratos haben Angebote für NS-/MS-Kabel vorgelegt. In Italien ist der Importanteil zwar geringer (rund 9 % des Verbrauchs), stieg jedoch in den letzten drei Jahren beträchtlich an (von 5 % für 1997 über 6,4 % für 1998 auf 9-10 % für 1999/2000)(21). In Italien haben verschiedene ausländische Anbieter wie ABB, NKT und Sagem unlängst an den ENEL-Ausschreibungen für HS- und HöS-Kabel teilgenommen. Im Vereinigten Königreich hat Alcatel, das sich vor kurzem als Lieferant von HöS-Kabel an NGC qualifiziert hat, an NGC-Ausschreibungen - unter anderem für das Hochspannungsprojekt in North Yorkshire - teilgenommen. (48) Durch die Liberalisierung der Märkte und das Gemeinschaftsrecht im Beschaffungswesen ist also noch keine wesentliche Veränderung der Marktanteile in den einzelnen Mitgliedstaaten eingetreten. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass das derzeitige Niedrigpreisniveau ein weiteres aggressives Unterbieten der Preise unattraktiv macht. Dennoch geht von den ausländischen Anbietern ein gewisser Wettbewerbsdruck aus, da die Versorgungsunternehmen problemlos auf ausländische Lieferanten umsteigen könnten, wenn die inländischen Preise über ein wettbewerbsfähiges Niveau hinaus ansteigen würden. Die Umstellung würde dadurch erleichtert, dass es sich bei den meisten großen Energieversorgungsunternehmen um anspruchsvolle Kunden mit beträchtlicher Nachfragemacht handelt, die leicht an ausländische Firmen herantreten können. Die in Italien, dem Vereinigten Königreich, Deutschland und Frankreich befragten Versorgungsunternehmen haben bestätigt, dass sie nicht zögern würden, Aufträge an ausländische Lieferanten zu vergeben, wenn die inländischen Hersteller versuchten, nennenswerte Preiserhöhungen (um 5-10 %) durchzusetzen. Die Versorgungsunternehmen konnten darüber hinaus sogar erhebliche Preissenkungen erzielen, indem sie ihren Lieferanten entsprechende Angebote ausländischer Wettbewerber vorgelegt haben. (49) Gleichzeitig haben die Versorgungsunternehmen durch die Liberalisierung mehr Anreize erhalten, um mit ihren Kabellieferanten aggressiver zu verhandeln. Die meisten Länder haben Regelungen eingeführt - oder werden dies tun -, denen zufolge Effizienzgewinne, die eine bestimmte Höhe übersteigen, den Versorgungsunternehmen zufallen. Im Vereinigten Königreich wird z. B. durch Preiskontrollen, die sich nach der im Fünfjahresrhythmus neu festgelegten Formel RPI-X (Einzelhandelspreis RPI - Faktor X) richten, zum einen gewährleistet, dass ein Mindestanteil der Effizienzgewinne an den Verbraucher weitergegeben wird, und zum anderen wird für die Versorgungsunternehmen ein großer Anreiz zu Effizienzsteigerungen geschaffen. Im Rahmen der RPI-X-Preiskontrollen wird überprüft, ob in den verschiedenen Bereichen der Elektrizitätsbranche der Durchschnittspreis (bzw. -erlös) tatsächlich um die festgelegte Jahresrate von X sinkt. Dabei werden die voraussichtliche Höhe des künftigen Betriebsaufwands sowie voraussichtliche Investitionsausgaben berücksichtigt. Anhand der Preiskontrollen soll dafür gesorgt werden, dass die Aktionäre eine angemessene Rendite erhalten, die einer effizienten Leistung entspricht. Erhöhung der innergemeinschaftlichen Handelsströme (50) Laut den Parteien hat der innergemeinschaftliche Handel infolge der Liberalisierung der Elektrizitätsmärkte, des Fehlens von Markteintrittsschranken und niedriger Transportkosten in ganz Westeuropa in den letzten Jahren zugenommen. So seien 1999 20,8 % des gesamten westeuropäischen Verbrauchs importiert und 27 % der Gesamtproduktion exportiert worden. (51) Die Untersuchung der Kommission hat ergeben, dass der Import von Energiekabeln innerhalb der Gemeinschaft generell zunimmt. Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass die meisten großen Kabelhersteller versuchen, ihre Effizienz durch Bündelung der Produktion spezifischer Kabeltypen auf europäischer Ebene zu steigern. Alle großen Kabelhersteller (also Pirelli, BICC, Alcatel, ABB, NKT) verfolgen derzeit diese Strategie einer Umstrukturierung ihrer Produktionskapazitäten innerhalb Europas. So liefert Alcatel z. B. große Mengen von Kabel aus seinen französischen Produktionsstätten in andere Länder; NKT und ABB haben in Kopenhagen bzw. Karlskrona internationale Produktionszentren geschaffen und liefern von dort aus Kabel in verschiedene europäische Länder. Die Lieferung von Kabeln erfolgt also in zunehmendem Maße über europäische Produktionsnetze und nicht mehr so durch heimische Lieferanten. (52) Der Importanteil variiert von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat. Während im Vereinigten Königreich 1999 ein Drittel des Verbrauchs aus Importen stammte, belief sich der (gleichwohl steigende) Anteil der Importe in Italien auf lediglich rd. 9 %. In Deutschland werden 21,9 %, in Frankreich 23,9 % und in den nordischen Ländern 17,4 % des Verbrauchs importiert. Der geringere Importanteil in manchen Mitgliedstaaten ist allerdings nicht auf Markteintrittsschranken zurückzuführen, sondern spiegelt lediglich wieder, dass Liberalisierung und Privatisierung in unterschiedlichem Maße und unterschiedlich rasch vollzogen wurden. (53) Die Untersuchung hat darüber hinaus ergeben, dass der Besitz lokaler Produktionskapazitäten nicht Voraussetzung für einen erfolgreichen Markteintritt ist, da die Transportkosten relativ niedrig sind(22): Innerhalb der Gemeinschaft werden sie auf 3 bis 7 % der Produktionskosten geschätzt(23). Damit liegen sie in derselben Höhe wie die Transportkosten in anderen Branchen mit etablierten europäischen Produktionssystemen. (54) Die Marktuntersuchung hat darüber hinaus gezeigt, dass ein Lieferant nicht unbedingt vor Ort vertreten sein muss, um die für NS-/MS-Kabel unter Umständen relevanten JIT-Lieferanforderungen erfuellen zu können: Der Kunde benötigt die Ware möglicherweise innerhalb einer Frist von ein bis zwei Wochen. Diesen Anforderungen kann durch die Einfuhr der betreffenden Erzeugnisse entsprochen werden, welche gewöhnlich innerhalb von ein bis zwei Wochen realisierbar ist. Gegebenenfalls können sie auch relativ kurzfristig und zu einem moderaten Preis auf Lager genommen werden. Für HS- und HöS-Kabel wird keine JIT-Lieferung verlangt. Eine Präsenz vor Ort aus Gründen der Montage und Wartung scheint nicht unbedingt notwendig zu sein. Im Falle der NS- und MS-Kabel übernehmen die Kunden selbst Montage und Wartung und im Falle der HS- und HöS-Kabel werden Montage und Wartung(24) in der Regel von den großen Lieferanten mit Hilfe örtlicher Unternehmen durchgeführt. Diese Auffassung haben sowohl die Kunden als auch die Wettbewerber vertreten, die die Kommission im Rahmen ihrer Untersuchung befragt hat. Abschließende Feststellung (55) Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass durch die stufenweise Liberalisierung der Elektrizitätsmärkte die Märkte für die Herstellung und den Verkauf von Energiekabeln (NS-/MS- und HS-/HöS-Kabel) zu gemeinschaftsweiten Märkten werden, auch wenn sich das an den aktuellen Marktanteilen noch nicht zeigt. Auf der Nachfrageseite dominieren große anspruchsvolle Kunden, die ihre starke Nachfragemacht strategisch einsetzen können (um z. B. den Markteintritt einer ausländischen Firma zu unterstützen). Die Markteintrittsschranken sind niedrig. Die Kommission vertritt daher die Auffassung, dass der räumlich relevante Markt die Gemeinschaft ist. C. Wettbewerbliche Würdigung Allgemeine Kabel (56) Die Marktanteile von Pirelli, den Zielunternehmen und den Hauptwettbewerbern in der Gemeinschaft in den Jahren 1997, 1998 und 1999 betrugen laut Anmeldung: >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (57) Aus dieser Tabelle geht hervor, dass die Parteien gemeinsam auf einen Marktanteil von [10-20 %]* kommen und damit nur knapp vor Alcatel mit [10-20 %]* liegen. Der Markt für allgemeine Kabel ist stark fragmentiert; dem fusionierten Unternehmen stehen zahlreiche Konkurrenten gegenüber. Durch den geplanten Zusammenschluss wird der derzeitige Marktanteil von Pirelli bei allgemeinen Kabeln nur marginal erhöht, so dass es nicht zur Begründung einer beherrschenden Stellung von Pirelli/BICC kommt. Da der Herstellungsprozess kein weitreichendes Know-how erfordert und die Herstellertreue der Abnehmer gering ist, bestehen auch keine nennenswerten Marktzutrittsschranken. Ein bedeutender Teil der Produktion wird über unabhängige Handelsunternehmen (d. h. Unternehmen, die nicht in unternehmerischer Verbindung zu einem Hersteller stehen) abgesetzt, die ihrerseits in zahlreichen Mitgliedstaaten stark vertreten sind. Zu den großen Handelsunternehmen zählen u. a. Rexel, Sonepar und Edmundson (Frankreich und Belgien) bzw. Newey & Eyre, Rexel und Sonepar (Vereinigtes Königreich). Die Marktuntersuchung der Kommission hat bestätigt, dass das Zusammenschlussvorhaben auf dem Markt für allgemeine Kabel keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken gibt. Produktion und Verkauf von Kupferstäben (58) Auf Gemeinschaftsebene sind Pirelli und BICC 1999 mit ihren Verkäufen von Kupferstäben mit jeweils rd. 5 % am Gesamtmarkt beteiligt, so dass ihr gemeinsamer Anteil 10 % beträgt, während Alcatel über einen Anteil von 13,7 % verfügt(25). Pirelli/BICC(26) und Alcatel wären die einzigen Energiekabelhersteller, die für die Produktion von Kupferstäben vertikal integriert sind und rd. 25 % der gesamten EWR-Produktion verkaufen. Die restlichen 75 % entfallen auf selbständige Hersteller. Durch das Zusammenschlussvorhaben wird keine beherrschende Stellung auf dem Markt für Kupferstäbe begründet, aufgrund deren der Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich behindert würde, da die Wettbewerber von Pirelli/BICC und/oder Alcatel Kupferstäbe von selbständigen Anbietern beziehen können. Energiekabel Jüngste Entwicklungen in der Energiekabelindustrie (59) Bei den Energiekabelmärkten handelte es sich traditionell um geschlossene Märkte, auf denen die nationalen Anbieter(27) den Großteil des Bedarfs der einheimischen Energieversorgungsunternehmen deckten, ohne nennenswerten Wettbewerb aus dem Ausland befürchten zu müssen. Angesichts des Fehlens jeglichen Wettbewerbsdrucks neigten die Energieversorgungsunternehmen zur Begünstigung der einheimischen Anbieter. Sie reagierten nur in begrenztem Umfang auf Preisschwankungen und neigten in einigen Ländern zur Überausstattung ihrer Netze. Außerdem machten die Ausgaben für Energiekabel in der Regel nur einen sehr geringen Teil der Gesamtaufwendungen der Versorgungsunternehmen aus (niedrige einstellige Prozentanteile) und wurden daher bei Bemühungen um Kosteneinsparungen eher vernachlässigt. Ferner verwendeten die meisten Stromnetzbetreiber für Hochspannungsnetze oberirdische Leitungen, die von diesem Zusammenschluss nicht betroffen sind(28). (60) Nach der schrittweisen Liberalisierung der Strommärkte und Einführung der Gemeinschaftsregelungen über das öffentliche Auftragswesen hat sich das Wettbewerbsumfeld der Kabelindustrie langsam gewandelt. Wegen der Umstrukturierung der Versorgungsunternehmen (z. B. Privatisierung, Trennung von Leitungsnetz, Vertrieb, Wartung usw.) und des hohen Sättigungsgrades des Marktes (die meisten Mitgliedsländer verfügen über ein gut entwickeltes Energieversorgungssystem) lässt die Nachfrage nach. Zahlreiche Versorgungsunternehmen haben ihre Investitionsmittel angesichts straffer Rahmenvorschriften gesenkt, was in der Branche zu erheblichen Überkapazitäten (von ungefähr 30-50 %) geführt hat. (61) Aus diesen und anderen Gründen(29) sahen sich die Kabelanbieter in den letzten drei Jahren rapide sinkenden Preisen (bis 60 %) und sich vermindernden Gewinnspannen gegenüber. Die Preisbewegungen verliefen zwar nicht in allen Mitgliedstaaten einheitlich, zeigten aber zwischen 1996 und 1999 generell einen Abwärtstrend, der in den größeren Mitgliedstaaten (Frankreich, Italien, das Vereinigte Königreich und Spanien) mit Ausnahme Deutschlands(30) zwischen 16 % und 24 % bei Niederspannungskabeln und zwischen 7 % und 36 % bei Mittelspannungskabeln betrug. Im Segment für HS- und HöS- Kabel erschweren die Besonderheiten der einzelnen Projekte und die insgesamt zu geringe Zahl der Transaktionen generelle Aussagen zu Preisentwicklungen oder länderübergreifende Vergleiche. Dennoch haben Abnehmer auch hier von erheblichen Preissenkungen von bis zu 60 % berichtet. Die nicht immer einheitliche Preisentwicklung in den verschiedenen europäischen Ländern ist jedoch kein Beleg für nationale Märkte, sondern spiegelt vielmehr das unterschiedliche Tempo der Deregulierung in den jeweiligen Mitgliedstaaten und damit die unterschiedliche Preissensibilität der nationalen Versorgungsunternehmen wider. (62) Zurzeit befinden sich die Preise auf einem historischen Tiefstand. Mehrere Kabelhersteller haben daher den Markt verlassen, und viele der verbleibenden schließen sich mit Konkurrenten zusammen, um Überkapazitäten zu reduzieren und durch eine bessere Kapazitätsauslastung und die europaweite Konzentration der Herstellung spezifischer Kabelsorten auf einzelne Werke Effizienzgewinne zu erzielen. (63) Der geplante Zusammenschluss muss daher vor dem Hintergrund des allgemeinen Konsolidierungs- und Umstrukturierungstrends in der Kabelindustrie bewertet werden. Auch Pirelli/BICC bezwecken mit der geplanten Übernahme in erster Linie die Rationalisierung ihrer Produktionskapazitäten einschließlich einer möglichen Schließung von Produktionsstätten. Der Zusammenschluss wird somit wahrscheinlich zur Kapazitätssenkung in der Branche beitragen, und die Marktmach

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.