Europäische Union

Beschluss (EU) 2023/1229 der Kommission vom 7. Juni 2022 über die staatlichen Beihilfen SA.58101 (2020/C ex 2020/N) und SA.62043 (2021/C ex 2021/N), die Portugal zur Rettung und Umstrukturierung der SATA-Gruppe gewähren will (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen C(2022) 3816) (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR)

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26.6.2023    DE Amtsblatt der Europäischen Union L 160/39 BESCHLUSS (EU) 2023/1229 DER KOMMISSION vom 7. Juni 2022 über die staatlichen Beihilfen SA.58101 (2020/C ex 2020/N) und SA.62043 (2021/C ex 2021/N), die Portugal zur Rettung und Umstrukturierung der SATA-Gruppe gewähren will (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen C(2022) 3816) (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR) DIE EUROPÄISCHE KOMMISSION — gestützt auf den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, insbesondere auf Artikel 108 Absatz 2 Unterabsatz 1, gestützt auf das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum, insbesondere auf Artikel 62 Absatz 1 Buchstabe a, gestützt auf die Beschlüsse der Kommission zur Einleitung des Verfahrens nach Artikel 108 Absatz 2 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union hinsichtlich der Beihilfen SA.58101(2020/C) (1) und SA.62043 (2021/C) (2), nach Aufforderung der Beteiligten zur Stellungnahme nach den genannten Bestimmungen und unter Berücksichtigung der von einem Beteiligten und anderen Dritten übermittelten Stellungnahmen, in Erwägung nachstehender Gründe: 1.   VERFAHREN (1) Mit Schreiben vom 13. August 2020, das am 14. August 2020 geändert und ergänzt wurde, meldete Portugal bei der Kommission seine Absicht an, SATA Air Açores — Sociedade Açoriana de Transportes Aéreos S.A. (im Folgenden „SATA“, der „Begünstigte“ oder das „begünstigte Unternehmen“) eine Rettungsbeihilfe in Form einer staatlichen Garantie für ein Bankdarlehen von 169 Mio. EUR nach Artikel 108 Absatz 3 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (im Folgenden „AEUV“) zu gewähren. (2) Am 18. August 2020 setzte die Kommission Portugal von ihrem Beschluss in Kenntnis, das Verfahren nach Artikel 108 Absatz 2 AEUV einzuleiten, um die Vereinbarkeit der genannten Rettungsbeihilfe mit dem Binnenmarkt anhand der Leitlinien für staatliche Beihilfen zur Rettung und Umstrukturierung nichtfinanzieller Unternehmen in Schwierigkeiten (im Folgenden „Rettungs- und Umstrukturierungsleitlinien“) (3) weiter zu prüfen. Die Kommission beschloss, dieses Verfahren einzuleiten, da sie Zweifel hatte, ob der Grundsatz der einmaligen Beihilfe in diesem Fall erfüllt war, d. h. ob die drei von der Autonomen Region der Azoren (im Folgenden „ARA“ oder „Region“) seit 2017 gezeichneten Erhöhungen des Stammkapitals von SATA von insgesamt 72,6 Mio. EUR (im Folgenden „frühere Kapitalerhöhungen“), wie in Erwägungsgrund 13 des genannten Beschlusses dargelegt, eine frühere Rettungs- bzw. Umstrukturierungsbeihilfe darstellen. In demselben Beschluss genehmigte die Kommission auf der Grundlage von Artikel 107 Absatz 3 Buchstabe c und Artikel 106 Absatz 2 AEUV eine Liquiditätshilfe in Höhe von 133 Mio. EUR, um SATA in die Lage zu versetzen, ihren echten gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen (public service obligations, im Folgenden „PSO“) nachzukommen, wesentliche Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse (im Folgenden „DAWI“) an seinen kleinen Flughäfen zu erbringen und die Anbindung der zu den Gebieten in äußerster Randlage zählenden Azoren aufrechtzuerhalten. (3) Der Beschluss der Kommission zur Einleitung des Verfahrens (im Folgenden „Einleitungsbeschluss“) (4) wurde am 4. September 2020 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Die Kommission forderte die Beteiligten zur Stellungnahme auf. (4) Bei der Kommission gingen Stellungnahmen von 19 Beteiligten ein. Am 13. Oktober 2020 leitete die Kommission diese an Portugal weiter, das mit Schreiben vom 16. November 2020 dazu Stellung nahm. (5) Am 17. Februar 2021 legte Portugal einen Umstrukturierungsplan für SATA vor. Am 14. April 2021 meldete Portugal bei der Kommission seine Absicht an, eine Umstrukturierungsbeihilfe in Form einer Kapitalerhöhung von 186,7 Mio. EUR und einer staatlichen Garantie für Darlehen von 144,2 Mio. EUR zur Unterstützung des Umstrukturierungsplans zu gewähren. (6) Mit Schreiben vom 29. März 2021 und 16. April 2021 ersuchte die ARA um eine Verlängerung der von der Kommission am 18. August 2020 genehmigten Garantien für Darlehen bis zum 18. November 2021 sowie um die Genehmigung weiterer Garantien bis zu einem zusätzlichen Betrag von 122,5 Mio. EUR für einen Zeitraum von sieben Monaten bis zur Prüfung des Umstrukturierungsplans. (7) Mit Schreiben vom 30. April 2021 setzte die Kommission Portugal von ihrem Beschluss in Kenntnis, das Verfahren nach Artikel 108 Absatz 2 AEUV in Bezug auf die angemeldete Umstrukturierungsbeihilfe auszuweiten und gleichzeitig auf der Grundlage von Artikel 107 Absatz 3 Buchstabe c und Artikel 106 Absatz 2 AEUV eine weitere Liquiditätshilfe in Höhe von 122,5 Mio. EUR zu genehmigen, um die kontinuierliche Erfüllung bzw. Erbringung der PSO und DAWI bis zum 21. November 2021 oder bis zum Erlass eines abschließenden Beschlusses durch die Kommission, je nachdem, welcher Zeitpunkt früher liegt, sicherzustellen. Dieser Beschluss (im Folgenden „Ausweitungsbeschluss“) (5) wurde am 11. Juni 2021 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. (8) Portugal nahm mit Schreiben vom 10. Juni 2021 zum Ausweitungsbeschluss Stellung und änderte und aktualisierte am 15. Juli bzw. 2. Dezember 2021 den Umstrukturierungsplan. (9) Am 1. Juni 2021 und 30. November 2021 teilte Portugal der Kommission mit, dass das begünstigte Unternehmen die früheren Kapitalerhöhungen nach Kapitel V der Verordnung (EG) Nr. 794/2004 der Kommission (6) zuzüglich Zinsen an die ARA zurückgezahlt habe. (10) Bei der Kommission gingen Stellungnahmen zum Ausweitungsbeschluss von 14 Beteiligten ein. Am 14. Juli 2021 leitete die Kommission diese an Portugal weiter, das mit Schreiben vom 12. August 2021 dazu Stellung nahm. (11) Am 5. November 2021 genehmigte die Kommission auf der Grundlage von Artikel 107 Absatz 3 Buchstabe c und Artikel 106 Absatz 2 AEUV eine Änderung und zeitliche Verlängerung der genehmigten Liquiditätshilfe für SATA bis zum Abschluss des Verfahrens (7). (12) Am 6. April 2022 zog Portugal die Anmeldung der Rettungsbeihilfe für SATA zurück, mit der Bestätigung, dass die Rettungsbeihilfe nicht gewährt wurde. In derselben Stellungnahme vom 6. April 2022 legte Portugal zudem zusätzliche aktualisierte Informationen vor. (13) Portugal stimmte einem ausnahmsweisen Verzicht auf die Rechte, die sich aus Artikel 342 AEUV in Verbindung mit Artikel 3 der Verordnung Nr. 1 von 1958 (8) ergeben, sowie der Annahme und Bekanntgabe dieses Beschlusses nach Artikel 297 AEUV in englischer Sprache zu. 2.   AUSFÜHRLICHE BESCHREIBUNG DER MAẞNAHMEN 2.1.   Das begünstigte Unternehmen: operative Tochtergesellschaften und Tätigkeiten (14) SATA ist ein operatives Luftverkehrsunternehmen, eine Sociedade Anónima (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) (9), das Anteile an anderen Unternehmen mit Sitz in der ARA hält. SATA wurde 1941 gegründet und steht vollständig im Eigentum der Regionalregierung. SATA ist alleinige Anteilseignerin von SATA Internacional — Azores Airlines, S.A. (im Folgenden „Azores Airlines“), Gestão de Aeródromos, S.A. (im Folgenden „SATA Gestão de Aeródromos“ oder „SGA“) und dem Reiseveranstalter Azores Vacations America, Inc. (im Folgenden „Azores Vacations America“), der inaktiv ist und sich derzeit im Liquidationsverfahren befindet. Ferner war SATA einzige Anteilseignerin eines anderen Reiseveranstalters, nämlich von Azores Vacations Canada, Inc. (im Folgenden „Azores Vacations Canada“), der bereits liquidiert wurde (Erwägungsgrund 62). (15) Jede Bezugnahme auf SATA oder das begünstigte Unternehmen, das durch die Umstrukturierungsbeihilfe unterstützt wird, in diesem Beschluss schließt, sofern nicht anders angegeben, SATA Air Açores und alle seine Tochtergesellschaften ein, um die Tätigkeiten von SATA Air Açores als Luftverkehrsunternehmen von den Tätigkeiten seiner Tochtergesellschaften abzugrenzen. (16) SATA zählt rund 1 400 Beschäftigte, davon 1 150 in der Region, was etwa 10 % aller Arbeitsplätze im Tourismussektor und 1 % der Arbeitsplätze insgesamt auf den Azoren entspricht, und 250 in Lissabon (10). Wie im Einleitungsbeschluss (11) und im Ausweitungsbeschluss (12) beschrieben, erbringt SATA i) direkt und über seine hundertprozentige Tochtergesellschaft Azores Airlines Personen- und Frachtluftverkehrsdienste auf Strecken, für die ihm PSO übertragen wurden, sowie auf Strecken, die es auf kommerzieller Grundlage bedient, und ii) über SGA eine DAWI für kleine Flughäfen und Flugplätze in der Region. In den Abschnitten 2.1.1 bis 2.1.3 werden die beiden Arten von Tätigkeiten gesondert beschrieben. 2.1.1.   Betrauung von SATA und Azores Airlines mit der Erfüllung von PSO (17) Um die Kontinuität der Erbringung von Linienflugverkehr auf den Strecken von und zu den Azoren zu gewährleisten, unterliegen einige Personenbeförderungsdienste im Linienflugverkehr in der Region PSO nach der Verordnung (EG) Nr. 1008/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates (13). Die Verpflichtungen betreffen u. a. die Mindestanzahl von Flugverbindungen, die Flugpläne, die Art der eingesetzten Flugzeuge und die maximale interne Konfigurationskapazität, die Flugpreise, die Kontinuität und Pünktlichkeit der Dienste sowie die Vermarktung der Flüge (14). Die PSO tragen dazu bei, die Isolation der Inselgruppe der Azoren aufgrund der Entfernung zum Festland und der Wetterbedingungen, insbesondere im Winter, auszugleichen. (18) SATA Air Açores bedient nur den PSO unterliegende Flüge zwischen den Inseln mit Ausschließlichkeit und Ausgleichsleistungen, während Azores Airlines Flüge von den Azoren zum portugiesischen Festland, nach Madeira und zu internationalen Zielen bedient, wobei die Strecken zum portugiesischen Festland und nach Madeira PSO ohne Ausschließlichkeit und ohne Ausgleichsleistungen unterliegen. In beiden Fällen sind die Verpflichtungen in öffentlichen Dienstleistungsaufträgen oder Betrauungen verankert, die Mindestvoraussetzungen in Bezug auf Kontinuität, Regelmäßigkeit, Tarife und Kapazität enthalten, die u. a. für die Erbringung von Linienflugverkehrsdiensten auf den betreffenden Strecken unter normalen Umständen angemessen sein müssen. Im Jahr 2019 führte SATA Air Açores mit sechs Dash-Bombardier-Flugzeugen insgesamt mehr als 15 000 Flüge durch; die Gesamtzahl der beförderten Passagiere belief sich dabei auf rund 766 000. (19) Insbesondere bedient SATA Air Açores die neun Inseln der Region seit 1996 im Rahmen von PSO auf insgesamt 14 Strecken innerhalb der Azoren, was 100 % des Luftverkehrs innerhalb der Region entspricht (15). SATA Air Açores ist das einzige Luftverkehrsunternehmen, das jemals Angebote für diese PSO-Strecken abgegeben hat (16). Die PSO wurden zuletzt ausschließlich an SATA Air Açores übertragen, und zwar im Rahmen eines öffentlichen Dienstleistungsauftrags, einschließlich Ausgleichsleistungen nach der Verordnung (EG) Nr. 1008/2008, wobei am 28. September 2021 ein neuer Auftrag (17) mit einer neuen Laufzeit von fünf Jahren ab dem 1. November 2021 unterzeichnet wurde (18). (20) Azores Airlines wurde 1990 unter dem Namen „OceanAir“ gegründet und im Dezember 1994 von SATA übernommen. Die Fluggesellschaft verfügt über ein Verwaltungszentrum in Ponta Delgada und eine operationelle Basis in Lissabon. Sie bedient i) drei PSO-Strecken (offene PSO ohne Ausschließlichkeit und ohne Ausgleichsleistungen), die drei Gateways der Azoren (Santa Maria, Horta und Pico) mit dem portugiesischen Festland verbinden, und ii) eine PSO-Strecke (offene PSO ohne Ausschließlichkeit und ohne Ausgleichsleistungen) zwischen Ponta Delgada und Funchal (Insel Madeira). Auf diesen Strecken steht Azores Airlines mit keiner anderen Fluggesellschaft im Wettbewerb, obwohl, wie vorstehend erläutert (Erwägungsgrund 18), laut dem öffentlichen Dienstleistungsauftrag keine Ausschließlichkeit besteht. (21) Wie Portugal betonte, beruhen die PSO für diese vier Strecken nicht auf wirtschaftlicher Rentabilität, sondern vielmehr auf dem Interesse der Region, die Kontinuität dieser Strecken aus Gründen des öffentlichen Interesses zu gewährleisten (19). Obwohl die vier PSO-Strecken allen Wirtschaftsbeteiligten offenstehen, hat Azores Airlines als einziger Wirtschaftsbeteiligter ein Interesse an der Erfüllung der PSO ohne Ausgleichsleistungen bekundet. Am 27. März 2021 wurde für zwei Strecken (Lissabon — Horta — Lissabon und Lissabon — Santa Maria — Lissabon) für die Flugplanperiode des Internationalen Luftverkehrsverbands (International Air Transport Association, IATA) Sommer 2021 eine COVID-19-Notfall-PSO (20) auferlegt, die am 28. Oktober 2021 für die IATA-Flugplanperiode Winter 2021/2022 verlängert wurde. Portugal prüft derzeit gemeinsam mit der ARA die Situation in Bezug auf diese vier Strecken und die Möglichkeit künftiger Streckenänderungen (21) (Erwägungsgründe 57 bis 59 und 106). 2.1.2.   Erbringung von DAWI durch SGA (22) SGA (2005 von SATA übernommen) verwaltet die Flughäfen Pico, Graciosa, Corvo und São Jorge sowie das Terminal auf der Insel Flores als DAWI bis zum Ablauf der Betrauung im Juli 2025 (22). Das Verkehrsaufkommen an jedem dieser Flughäfen und an diesem Terminal lag in den letzten drei Jahren unter 200 000 Passagieren pro Jahr (23). Daher meldete Portugal die DAWI für diese fünf Flughäfen im Jahr 2016/2017 an die Kommission (24). In der Tat ist Portugal der Auffassung, dass die Notwendigkeit, die Anbindung eines isolierten Gebiets der Union zu gewährleisten, angesichts des Mangels an alternativen Verkehrsmitteln und der in den Leitlinien für staatliche Beihilfen für Flughäfen und Luftverkehrsgesellschaften (25) (im Folgenden „Luftverkehrsleitlinien“) festgelegten Kriterien die DAWI rechtfertige. (23) Portugal vertritt die Auffassung, dass die Verwaltung dieser Flughäfen aufgrund des begrenzten, meist saisonalen Verkehrsaufkommens und ihrer Abgelegenheit im Gegensatz zu den Flughäfen von São Miguel und Terceira für private Unternehmen wirtschaftlich nicht attraktiv sei. Im Rahmen der Konzession, die SGA für den Betrieb und die Verwaltung der Flugplätze Graciosa, Pico, São Jorge und Corvo erteilt wurde, erhält SGA für jedes Jahr der Auftragslaufzeit Ausgleichsleistungen für die Erbringung der DAWI. Die Ausgleichsleistung für den Zeitraum von 2020 bis 2025 wurde auf 17 Mio. EUR festgesetzt. 2.1.3.   Von SATA auf kommerzieller Grundlage erbrachte Dienstleistungen (24) Neben der Erfüllung bzw. Erbringung von PSO und DAWI erbringt SATA auch Luftverkehrsdienste auf kommerzieller Grundlage, z. B. Frachtluftverkehrsdienste und — über Azores Airlines — Personenluftverkehrsdienste auf liberalisierten Strecken, einschließlich Flügen zur Erleichterung von Reisen für die bedeutende portugiesische Diaspora in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und in Kanada sowie zur Verbesserung der Zugangsbedingungen für Reisende auf die Azoren. Was Flüge in die Union betrifft, so bietet SATA neben Flügen zum portugiesischen Festland nur zwei Direktflüge zu anderen europäischen Zielen an, nämlich nach London und Frankfurt, wie nachstehend näher erläutert wird (Erwägungsgrund 28) (26). (25) Insbesondere entfallen 100 % der regionalen Luftfracht, die von und zu den neun Inseln der Inselgruppe befördert wird, auf SATA Air Açores, was etwa 2 900 Tonnen an Waren pro Jahr entspricht, während Azores Airlines mehr als [60–70] % der Luftfracht von und nach außerhalb der Azoren befördert, was mehr als 1 300 Tonnen an Fracht entspricht, darunter Fisch, Post und medizinische Güter (27). Im Wettbewerb mit Azores Airlines ist nur TAP mit einem Marktanteil, der 2019 etwa [30–40] % betrug, im Frachtluftverkehr von und zu den Azoren tätig (28). (26) Was die internationalen Flüge betrifft, die eine wichtige Rolle für die Wirtschaft der Region spielen, vor allem durch Investitionen und private Ausgaben, so führt Azores Airlines Nordatlantik-Linienflüge nach Boston, Oakland, Toronto und Montreal durch. Azores Airlines bedient zudem touristische Nischenmärkte und bietet Charterdienste an. Insgesamt führte Azores Airlines im Jahr 2019 rund 7 000 Flüge (einschließlich auf PSO-Strecken) mit sechs Mittelstreckenflugzeugen vom Typ Airbus 320 durch und beförderte rund 946 000 Passagiere, was 40 % der aus dem Ausland auf die Azoren beförderten Passagiere entspricht. (27) Ferner kontrollierte SATA im Hinblick auf die Gewährleistung ganzjähriger Verbindungen zwischen Nordamerika, dem portugiesischem Festland und der Region seit 1985 zwei Reiseveranstalter in Nordamerika, nämlich Azores Vacations America und Azores Vacations Canada. (28) Im Wettbewerb mit SATA werden kommerzielle Strecken zwischen der Inselgruppe der Azoren und dem übrigen Gebiet der Union in der Reihenfolge des Streckenaufkommens von TAP — Transportes Aéreos Portugueses S.A., Ryanair, Arkefly und Jetairfly bedient, wobei einige dieser Strecken nach dem Ausbruch von COVID-19 eingestellt wurden. Was Direktflüge betrifft, so führte Ryanair 2019 Flüge zwischen den Azoren und — in Portugal — Lissabon und Porto sowie — außerhalb Portugals — London, Manchester und Frankfurt durch. Auf den Strecken London und Frankfurt verzeichnete Azores Airlines im Jahr 2019 einen Marktanteil von 70 % bzw. 23,6 %, während der Marktanteil von Ryanair bei 30 % bzw. 76,4 % lag (29). Jetairfly bot eine Verbindung zwischen den Azoren und Brüssel an. ArkeFly bot Flüge zwischen den Azoren und Amsterdam sowie Teneriffa auf den Kanarischen Inseln (Spanien) an (30). (29) Was schließlich alternative Verkehrsmittel anbelangt, so gibt es nur zwischen den beiden nächstgelegenen Inseln (Faial und Pico) und von dort zur Insel São Jorge Fähren, die im Sommer täglich, im Winter jedoch nur wöchentlich verkehren. Daher ist die Bevölkerung der Azoren aufgrund der geografischen Entfernung und der Wetterbedingungen, wie von Portugal nachgewiesen (31), ganzjährig auf den Luftverkehr angewiesen, um sich zwischen den Inseln und außerhalb der Inselgruppe fortzubewegen (32). 2.2.   Beschreibung der Finanzlage des begünstigten Unternehmens und der Ursachen der finanziellen Schwierigkeiten 2.2.1.   Finanzlage in Bezug auf Eigenkapital, Verluste und gezeichnetes Stammkapital (30) Wie im Einleitungs- und im Ausweitungsbeschluss beschrieben (33), befindet sich SATA seit mindestens 2014 in finanziellen Schwierigkeiten, mit stetigen und erheblichen Betriebsverlusten und einem negativen Eigenkapital von -55,8 Mio. EUR im Jahr 2014. In den Folgejahren verzeichnete SATA aufgrund der stetigen Anhäufung von Verlusten ein gestiegenes negatives Eigenkapital (-94,6 Mio. EUR im Jahr 2016, -135,6 Mio. EUR im Jahr 2017 (34) und -156,3 Mio. EUR im Jahr 2018 (35)). Im Jahr 2019 wies SATA ein deutlich gestiegenes negatives Eigenkapital von -230,3 Mio. EUR auf. Dies war ein Zeichen dafür, dass mehr als die Hälfte des gezeichneten Stammkapitals — vielmehr das gesamte — erschöpft war. Außerdem waren rund 70 % der Gesamtschulden gegenüber Lieferanten im Jahr 2019 überfällig, und die Verbindlichkeiten in Höhe von 464 Mio. EUR überstiegen bei Weitem die Vermögenswerte in Höhe von 234 Mio. EUR. Dementsprechend erfüllte SATA auch die im innerstaatlichen Recht vorgesehenen Voraussetzungen für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens auf Antrag seiner Gläubiger. (31) Die Eigenkapital- und Finanzlage von SATA hat sich seit dem Einleitungs- und dem Ausweitungsbeschluss weiter verschlechtert. Das Nettoergebnis von SATA war 2020 negativ (-87,1 Mio. EUR) und wird dies voraussichtlich auch 2021 und 2022 bleiben (-32,7 Mio. EUR bzw. […] Mio. EUR). Infolgedessen war das Eigenkapital 2020 und 2021 negativ (-369,3 Mio. EUR bzw. -319,5 Mio. EUR) und wird dies voraussichtlich auch 2022 bleiben ([…] Mio. EUR) (36). 2.2.2.   Strukturelle Ursachen der finanziellen und operativen Schwierigkeiten (32) Portugal erläutert, dass die allgemein schwierige Lage von SATA neben der Unterfinanzierung seiner PSO bzw. DAWI (Erwägungsgründe 17 bis 23, 57 und 129) vor allem auf die schlechte Leistung von Azores Airlines zurückzuführen gewesen sei und weiterhin darauf zurückzuführen sei. Zur Veranschaulichung: SATA Air Açores erzielte 2019 Einnahmen von 84 Mio. EUR und ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (earnings before interest and tax, EBIT) von 2 Mio. EUR sowie einen ebenso positiven Nettogewinn von 2 Mio. EUR. SGA verzeichnete Einnahmen von 3 Mio. EUR, ein EBIT nahe null, aber immer noch positiv, und einen Nettogewinn von 0,1 Mio. EUR. Azores Airlines hingegen verzeichnete Einnahmen von 157 Mio. EUR, aber ein negatives EBIT (-33 Mio. EUR) und Nettoverluste von 56 Mio. EUR, wodurch die Nettogewinne der anderen operativen Tochtergesellschaften ausgeglichen wurden. (33) Nach den von Portugal vorgelegten Informationen trugen sechs Schlüsselfaktoren zur Entstehung der Schwierigkeiten von Azores Airlines bei (37): i) verringerte Kapazitätsauslastung (40–50 % unter den Referenz-Blockstunden pro Flugzeug, wobei der Streckennetzplan in der Vergangenheit stark vom saisonalen Verkehr abhängig war, und Mangel an Nachtflügen), ii) Anstieg der Entschädigungskosten aufgrund von Unregelmäßigkeiten im Flugplan, und zwar von 1,5 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 4,5 Mio. EUR im Jahr 2019, während allein im Jahr 2018 die Kosten für geleaste Flugzeuge zur Behebung von Störungen über 15 Mio. EUR betrugen, iii) hohe Instandhaltungskosten im Zusammenhang mit der alten Flotte, die 2019 umfangreiche Instandsetzungsarbeiten erforderte, und hohe Rückstellungen im Jahr 2019, iv) Mehrkosten bei der Durchführung des Flottenaustauschs (die verspätete Lieferung eines A321-Flugzeugs im Jahr 2019 führte dazu, dass ein zusätzlicher Leasingvertrag abgeschlossen werden musste, und Verzögerungen bei der Ausbildung der Besatzung für die neue Flotte führten zu Ausfällen in der Hochsaison 2017), v) unterdurchschnittliche Einnahmen und unterdurchschnittliche Leistung aufgrund der PSO-Voraussetzungen (Flugplanbeschränkungen für die vier PSO-Strecken, wodurch die Optimierung des Streckennetzes, der Flotte und der Besatzung eingeschränkt wurde, und regulierte Tarife im Rahmen der PSO, wodurch das Einnahmenpotenzial eingeschränkt wurde, wobei die vier PSO-Strecken im Jahr 2019 zu einer negativen EBIT-Marge in Höhe von 13 Mio. EUR führten), vi) verstärkter Druck infolge der Liberalisierung der Strecke Ponta Delgada — Lissabon durch Billigfluggesellschaften nach 2015, wobei Ryanair und TAP zunehmend vom SATA-Drehkreuz Ponta Delgada aus fliegen, z. B. zu nordamerikanischen Zielen. 2.2.3.   Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf den Betrieb und die Ergebnisse des begünstigten Unternehmens (34) Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf den Luftverkehrs- und den Tourismussektor haben die Schwierigkeiten von SATA noch verschärft. Die Pandemie hat einen beträchtlichen und lang anhaltenden Nachfrageschock ausgelöst, der vor allem durch die Reise- und Handelsbeschränkungen verursacht wurde, die im März 2020 in Portugal, anderen Mitgliedstaaten und in Nordamerika eingeführt wurden, um die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen, und die sichtbare Auswirkungen auf die Realwirtschaft auf den Azoren (und auch in der Autonomen Region Madeira (38)) haben. (35) Während SATA in den beiden Jahren vor dem COVID-19-Ausbruch zwischen März 2018 und Februar 2020 44 000 Flüge durchführte, waren es im Zeitraum zwischen März 2020 und Februar 2022 34 821 Flüge, was einer Verringerung des Angebots um 21 % entspricht. Bezogen auf die gleichen Zeiträume und die Auswirkungen auf den Betrieb von SATA sank die Zahl der beförderten Passagiere um 43,5 % (von 3,36 Millionen auf 1,9 Millionen), die Zahl der verfügbaren Sitzplätze pro Kilometer ging um 43,2 % zurück (von 5 843 Millionen auf 3 326 Millionen) und die Einnahmen pro Passagierkilometer verringerten sich um 58 % (von 4 582 Millionen auf 1 928 Millionen). Auch die Zahl der von/auf den von SGA betriebenen Flugplätzen abfliegenden/ankommenden Passagiere ging um 33 % zurück (von 0,56 Millionen auf 0,38 Millionen), und die Betriebseinnahmen nahmen um 46 % ab (39). (36) Was

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.