Europäische Union

94/893/EG: Entscheidung der Kommission vom 21. Juni 1994 über die Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem gemeinsamen Markt und mit der Funktionsfähigkeit des EWR-Abkommens (IV/M.430 - Procter & Gamble/VP Schickedanz (II)) (Nur der englische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Quellenkennung: 31994D0893. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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ektiven, persönlichen Vorstellungen bestimmt wird, zeichnen sich einige allgemeine Tendenzen ab. Die heranwachsende Frau wählt den Menstruationsschutz und die Marke des Erzeugnisses häufig unter dem Einfluß der Mutter, älterer Schwestern, enger Freundinnen und gesundheitserzieherischer Programme. Sie entscheidet sich offensichtlich häufig zunächst für die Binde. Einige junge Frauen gehen anschließend zum Tampon über, insbesondere wenn sie das Elternhaus verlassen haben. Einige Tamponbenutzerinnen kehren anschließend entweder zum ständigen oder zum vorübergehenden Gebrauch der Binde nach Entbindungen und in mittleren Jahren zurück. Manchmal muß die Frau aus medizinischen oder physiologischen Gründen die von ihr gewählte Schutzmethode wechseln (z. B. bei blutungsstarken Perioden nach Entbindungen oder aufgrund der Wahl der Verhütungsmethode). In der Wahl der Methode können sich auch ein bestimmter Lebensstil und veränderte Verhaltensweisen widerspiegeln. (41) Bei der Wahl des Menstruationsschutzes sind preisunabhängige Faktoren wie Komfort, Sicherheit und Diskretion ausschlaggebend. Binden sind normalerweise dick und wenig diskret, obwohl dieses Problem aufgrund der neuen extra-dünnen Binden weitgehend gelöst ist. Tampons bieten immer noch einen diskreteren Schutz als Binden und können in enger Kleidung getragen werden. Ausserdem halten einige Frauen Tampons für bequemer, insbesondere beim Sport. Andere leistungsunabhängige Erwägungen können ebenfalls eine Rolle spielen: Manche Frauen erachten Binden als ein "natürlicheres" Mittel, weil sie den Menstruationsfluß nicht behindern. Für andere Frauen wiederum stellt die Verwendung von Tampons ein moralisches Problem dar oder fallen gesundheitliche Probleme ins Gewicht, insbesondere bei Teenagern, die sich Gedanken über den Erstgebrauch von Tampons machen und Angst haben, sich bei der Einführung eines Fremdkörpers zu verletzen. Gesundheitliche Bedenken können auch aufgrund des toxischen Schocksyndroms (TSS) entstehen. Daß ein Zusammenhang zwischen der Verwendung von Tampons und TSS besteht, wurde 1981 in den Vereinigten Staaten nachgewiesen. Während sich fast alle Frauen in den USA und im Vereinigten Königreich dieses Problems bewusst sind, ist dieses Bewusstsein anderweitig in Europa weniger ausgeprägt. (42) Obwohl Tampons und Binden weitgehend dieselbe Aufgabe erfuellen, unterscheidet sich ihre Funktionsweise so grundlegend, daß beide Erzeugnisse für die Verbraucherin nicht austauschbar sind, sobald sie eines der beiden Erzeugnisse bevorzugt oder Gebrauchsgewohnheiten entwickelt hat. Die Verbraucherin bevorzugt offensichtlich aus sehr persönlichen Gründen entweder eine Methode oder eine bestimmte Verbindung beider Methoden im Fall der Doppelbenutzerin. Diese Präferenzen werden gleichermassen durch die bereits erwähnten psychologischen und physischen Erwägungen und durch die technischen Eigenschaften des Erzeugnisses bestimmt. Die Wahl einer anderen Schutzmethode oder Kombination ist jedoch kein Beweis für die Substituierbarkeit von Binden und Tampons für die Frau. Die Tatsache, daß die Frau eine Methode bevorzugt, von der sie sich aufgrund veränderter Lebensumstände abwendet, besagt keineswegs, daß ihr die verwendete Methode egal ist, sondern vielmehr das Gegenteil: Die Frau wechselt Menstruationsschutz gemäß den unterschiedlichen Methoden und wählt diejenige, die ihrer Situation besser entspricht. Handelsmarke (43) In Deutschland werden wertmässig [. . .] (27) und mengenmässig rund [. . .] (28) Binden unter einer Handelsmarke verkauft. Im Fall Spaniens betragen diese Zahlen [. . .] (29) bzw. [. . .] (30). Angesichts dieses Unterschieds zwischen wert- und mengenmässigen Marktanteilen stellt sich die Frage, ob Markenbinden und Binden, die unter einer Handelsmarke verkauft werden, denselben Markt bilden. Binden, die unter einer Handels- oder einer Herstellermarke vertrieben werden, sind von geringerer Qualität und billiger als Markenerzeugnisse (von VPS hergestellte Markenbinden sind im Einzelhandel doppelt so teuer wie die von dem Unternehmen für Vertriebsketten hergestellten Binden). Die Handelsunternehmen haben beobachtet, daß, obwohl es ein Segment preisbewusster Verbraucherinnen gibt, die Binden unter einer Handelsmarke kaufen, erhebliche Preiserhöhungen notwendig wären, um Käuferinnen von Markenbinden davon zu überzeugen, auf Handelsmarken überzuwechseln. Im übrigen ist die Feststellung wichtig, daß in Deutschland Erzeugnisse mit einer Handelsmarke mit Sicherheit qualitativ nicht den Ruf haben, den sie z. B. im Vereinigten Königreich genießen. (44) Die Kommission vertritt die Auffassung, daß aufgrund der erheblich niedrigeren Preise, zu denen Erzeugnisse mit einer Handelsmarke verkauft werden, zwischen Marken- und Nichtmarkenbinden nur begrenzt Wettbewerb besteht. Beim Kauf der meisten Erzeugnisse vergleicht der Verbraucher zwischen bester Qualität und Preis. Binden stellen möglicherweise einen Bereich dar, in dem viele Frauen weniger bereit sind, wegen eines günstigen Preises auf hohe Qualität zu verzichten. Bei einer Preiserhöhung bei Markenbinden werden manche Frauen vielleicht ihre Wahl überdenken und zu dem Schluß gelangen, daß der neue Preis einfach zu hoch ist, und sie werden eine billigere leistungsschwächere Binde kaufen. Preise (45) P& G behauptet, daß die Preise für Tampons und Binden so gestaltet würden, daß beide Erzeugnisse miteinander konkurrieren. Dabei vergleicht P& G den Durchschnittspreis für ob-Tampons (Tampon-Marktführer in Deutschland) mit dem Preis für Camelia-Binden (Binden-Marktführer in Deutschland im Jahre 1993). Beide Preise sind identisch. Obwohl dies richtig ist, muß darauf hingewiesen werden, daß sich die Einzelhandelsstückpreise für Camelia-Erzeugnisse zwischen 0,136 DM und 0,377 DM (ohne Mehrwertsteuer) bewegen, und tatsächlich nicht behauptet werden kann, daß sie sich an den ob-Preisen ausrichten. Nach Auffassung der Kommission müssen auch die Preise untersucht werden, die P& G für die seit Anfang 1994 marktführende eigene Marke Always festlegt. Der durchschnittliche Stückpreis übersteigt den ob-Preis um rund 150 %. In einer derart uneinheitlichen Situation können nach Ansicht der Kommission aus dem relativen Preisniveau von Tampons und Binden keine aussagekräftigen Schlüsse gezogen werden. Ansichten Dritter (46) Die Hauptwettbewerber von P& G in Europa, nämlich J& J, Kimberly-Clark und Mölnlycke, haben erklärt, daß für Binden und Tampons getrennte Märkte bestehen. Kleine Wettbewerber wie Rauscher und Hedwigsthal teilen diese Ansicht. Der Tampon-Hersteller Tambrands räumte ein, daß der sachlich relevante Markt der Bindenmarkt ist, erklärte aber gleichzeitig, daß die Kommission Tampons als eine andere Form des Menstruationsschutzes berücksichtigen sollte. (47) Die Kommission hat sich ausserdem mit zahlreichen Handelsunternehmen in Deutschland, im Vereinigten Königreich, in Frankreich, Spanien und Österreich in Verbindung gesetzt. Alle bis auf eines hielten Tampons und Binden für unterschiedliche Märkte. Von den 21 Handelsunternehmen, die eine Stellungnahme zur Auswirkung von Promotion bei Binden abgaben, vertraten 15 die Auffassung, daß solche Promotionen keine Auswirkung auf den Absatz von Tampons hätten; drei sagten, es gäbe geringfügige Effekte, und ein Handelsunternehmen war der Meinung, eine solche Promotion würde den Absatz von Damenhygieneprodukten insgesamt steigern. Feste Gebrauchsgewohnheiten (48) Um zu beweisen, daß die Frau bereitwillig zwischen Tampons und Binden wechselt, ließ P& G das Meinungsforschungsinstitut GfK eine Umfrage durchführen, bei der die befragten Frauen erklären sollten, ob sie bereit seien, gelegentlich zwischen Tampons und Binden zu wechseln, wenn sie einen besseren Tampon oder eine bessere Binde finden oder der Preis eines der beiden Erzeugnisse um 10 % heraufgesetzt wird (Hervorhebungen ergänzt). (49) Diese Umfrage ergab, daß 44-65 % der Frauen in Erwägung ziehen würden, gelegentlich einen anderen Menstruationsschutz zu kaufen oder diesen aufgrund eines verbesserten Erzeugnisses häufiger zu benutzen, und daß 31-50 % der Frauen bei einem 10%igen Preisansteig an einen anderen Menstruationsschutz denken würden. Bei der Frage, zu welchen Schlußfolgerungen diese Umfrage berechtigt, ist die Kommission zunächst der Auffassung, daß ein erheblicher Unterschied zwischen der Bereitschaft, ein anderes Erzeugnis vielleicht auszuprobieren oder gelegentlich zu benutzen, und der anhaltenden Veränderung der Konsumgewohnheiten besteht. Ausserdem müssen bei der Auslegung derartiger Umfrageergebnisse Überbewertungen der Befragten berichtigt werden. Ein von einem Marktforschungsinstitut entwickeltes und von verschiedenen Forschungseinrichtungen auf diesem Markt benutztes allgemein anerkanntes Modell besagt, daß der natürliche Wunsch der Befragten zu gefallen sowie die Tatsache, daß es leichter ist, ja als nein zu sagen, berücksichtigt werden müssen und daß das Interesse an der Frage zum Zeitpunkt des Interviews möglicherweise nicht von Dauer ist und nichts über das künftige Kaufverhalten aussagt. Diesem Modell zufolge müssen derartige Ergebnisse um 50-80 % nach unten berichtigt werden. (50) Zu einem ganz anderen Ergebnis bezueglich der Frage, ob eine Frau ihren Menstruationsschutz im Fall einer Preiserhöhung wechseln würde, gelangte eine andere Anfang 1993 von der Wettbewerbsbehörde eines Mitgliedstaats im Rahmen einer inoffiziellen Untersuchung eines nationalen Tamponmarkts in Auftrag gegebene Umfrage. Würden die Preise bei sämtlichen Marken des intravaginalen Menstruationsschutzes um 10 % steigen, dann würden 95 % der Nur-Tamponbenutzerinnen weiterhin dieselbe Anzahl von Tampons (3 % würden weniger) und 80 % der Doppelbenutzerinnen (Tampons und Binden) dieselbe Anzahl von Erzeugnissen (12 % würden weniger) benutzen. Dieselbe Frage in bezug auf extravaginale Frauenhygieneprodukte ergab, daß 89 % der Nur-Bindenbenutzerinnen und 78 % der Doppelbenutzerinnen ihre Kaufgewohnheiten bei einem Preisanstieg von 10 % nicht ändern würden (wobei 11 % bzw. 8 % weniger Erzeugnisse verwenden würden). Die ungebrochene Treue zu einer bestimmten Methode des Menstruationsschutzes stellt sich als besonders stark heraus, weil die Aufmerksamkeit der Frau bei dieser Umfrage auf einen hypothetischen Preisanstieg und die Möglichkeit des Wechsels der Methode gelenkt wird. Besonders signifikant ist der hohe Anteil der Doppelbenutzerinnen, die die Benutzung eines Erzeugnisses nur widerwillig einschränken würden, obwohl sie das andere Erzeugnis kennen und tatsächlich verwenden. (51) P& G hat zur Untermauerung ihrer Behauptung, daß Frauen keine festen Gebrauchsgewohnheiten bei Erzeugnissen der Monatshygiene haben, Angaben zum Kaufverhalten einzelner Frauen vorgelegt, die vom Meinungsforschungsinstitut GfK stammen. Diese Daten zeigen, daß von denjenigen Frauen, die von dem Individualpanel erfasst wurden und im ersten Halbjahr 1993 sowohl Tampons als auch Binden gekauft haben, im zweiten Halbjahr nur 57 % Tampons und Binden gekauft haben. Dies scheint darauf hinzudeuten, daß etwa die Hälfte aller Doppelbenutzerinnen alle sechs Monate Nur-Benutzerinnen werden. Ähnliche Daten eines Panels des Instituts A. C. Nielsen betreffend Haushalte mit nur einer Frau, bei dem Zeiträume von neun Monaten miteinander verglichen wurden, weisen jedoch auf ein starreres Kaufverhalten hin. 87 % bzw. 82 % der Nur-Binden- bzw. Nur-Tamponbenutzerinnen während des ersten Zeitraumes blieben Nur-Benutzerinnen im zweiten Zeitraum. Betrachtet man die mengenmässigen Angaben des Nielsen-Panels, die einen besseren Indikator für den Einfluß von Preisen infolge von auch nur marginaler Austauschbarkeit zwischen den beiden Methoden abgeben würden, so wird deutlich, daß von den Nur-Tampon-Benutzerinnen in der Zeit April-Dezember 1993 lediglich 6,3 % zwischen Januar und September 1993 Binden kauften. Nur 8 % der Nur-Binden-Benutzerinnen im ersten Zeitraum kauften Tampons im zweiten Zeitraum. (52) Das grundlegende Problem bei der Verwendung von Daten derartiger Panels besteht jedoch darin, daß sie Kauf- und keine Konsumgewohnheiten widerspiegeln. Der Kaufzyklus für Binden beträgt durchschnittlich 1,5 bis 2 Monate und bei Tampons fast 3 Monate für alle am Panel beteiligten Haushalte. Frauen, die überwiegend Binden benutzen, kaufen demnach Tampons vielleicht höchstens einmal im Jahr, und dasselbe gilt für Binden im Fall von Tamponbenutzerinnen. Diese Feststellung ist besonders aufschlußreich, vergleicht man relativ kurze Zeiträume von z. B. sechs Monaten miteinander. Ausserdem erklären die Daten nicht, warum ein Kauf getätigt wird. Um zu erfahren, ob Gebrauchsgewohnheiten stabil sind oder ständig wechseln, müsste man wissen, wie viele Käufe Faktoren zuzuschreiben sind, wie jahreszeitlichen Veränderungen, Entbindungen, Wechseljahren, und wieviele Probekäufe getätigt werden. (53) Die Argumente der P& G widersprechen im übrigen der Auffassung sowohl von Wettbewerbern als auch von Handelsunternehmen, wonach Frauen beim Kauf von Frauenhygieneprodukten nicht nur in bezug auf eine bestimmte Methode oder Kombination besonders konservativ, sondern auch in bezug auf einzelne Marken besonders treu sind. Preis- und Kreuzpreiselastizität (54) P& G behauptet, daß der Bindenabsatz durch das Preisniveau von Tampons beeinflusst wird und folglich beide Produkte demselben Produktmarkt angehören. Von P& G vorgelegte Scannerdaten sollen beweisen, wie hoch die eigene Preiselastizität bei Always ist und daß eine Kreuzpreiselastizität zwischen Binden und Tampons besteht. Die Scannerdaten der GfK zu den wöchentlichen Verkäufen von 120 Geschäften mit einer Ladenfläche von über 800 m² ergeben, daß innerhalb von 52 Wochen ein Preisrückgang bei Always von [. . .] bei derselben Marke zu einer durchschnittlichen Absatzsteigerung von [. . .] (Preiselastizität [. . .] (31)) und zu einem Rückgang des ob-Absatzes von [. . .] (Kreuzpreiselastizität [. . .] (32)) geführt hat, während eine Steigerung der Always-Preise um [. . .] einen Rückgang des Always-Absatzes von [. . .] (Preiselastizität [. . .] (33)) und eine Zunahme der ob-Verkäufe von [. . .] (Kreuzpreiselastizität [. . .] (34)) zur Folge hatte. Diese Daten weisen also auf eine ziemlich hohe Eigenpreis- und Kreuzpreiselastizität gegenüber ob im Fall eines Preisrückgangs hin. Die Eigenpreis- und Kreuzpreiselastizität fallen hingegen bei einer Preissteigerung wesentlich geringer aus. P& G hat auch aus anderen Quellen stammende Daten vorgelegt, die in derselben Art und Weise untersucht wurden und ähnliche Ergebnisse zeitigen. (55) Diese Art der Untersuchung weist jedoch mehrere Schwächen auf. Bei einer derartigen Berechnung der Elastizitäten stellen sich erstens technische Probleme. Eine Preiselastizität, die mit [. . .] berechnet wird, stellt z. B. einen Durchschnittswert für die Wirkung von Preissenkungen zwischen 0 und 20 % dar. Eine 10%ige Preiserhöhung könnte z. B. eine wesentlich geringere Preiselastizität als eine 20%ige Steigerung erkennen lassen. Zweitens beruht die Berechnung ausschließlich auf Wochen, in denen der Preis für Always herabgesetzt war. Die Untersuchung stützt sich demnach auf eine relativ begrenzte Zahl von Beobachtungen. Drittens - und dies ist noch grundlegender - werden bei dieser Art der Untersuchung alle Absatzveränderungen durch Preisveränderungen erklärt. Dies ist offensichtlich ein sehr einfacher Ansatz, bei dem Absatzveränderungen aufgrund so unterschiedlicher Faktoren wie jahreszeitlicher Schwankungen allgemeinen Preisveränderungen zugeschrieben werden. (56) Die Elastizität lässt sich besser unter Zugrundelegung eines Modells beurteilen, das möglichst viele aussagekräftige Variablen umfasst, d. h. einen multivariablen statt einen univariablen Ansatz darstellt. Auf diese Weise können die verschiedenen Wirkungen der einzelnen erklärenden Variablen voneinander unterschieden werden. Anhand eines solchen Modells lässt sich das Marktverhalten umfassender als nur anhand von Preisveränderungen erklären, und das Risiko der Verwechslung der Ursachen von Veränderungen nimmt ab. (57) P& G hat keine ökonometrische Untersuchung auf der Grundlage der Scannerdaten der GfK vorgelegt. A. C. Nielsen hat jedoch ein ökonometrisches Preis-Promotionsmodell ( "Scanpro") auf der Grundlage ähnlicher wie der GfK-Daten entwickelt, mit dem die Wirkungen besonderer Preisangebote und allgemeiner Preisveränderungen unter Ausschluß jahreszeitlich bedingter und anderer Schwankungen berechnet werden können. Diese Untersuchung gehört zu den Standarderzeugnissen, die A. C. Nielsen in vielen Ländern für sehr unterschiedliche Produktkategorien verkauft und die der Kommission im vorliegenden Fall von J& J übermittelt wurde. Sie soll die Unternehmen in die Lage versetzen, ihre verkaufsfördernden Anstrengungen besser zu planen. Mit Hilfe dieses Modells wurde eine vergleichende Analyse zwischen Always Super Thin und ob durchgeführt. Solche extradünnen Binden sind die Bindenart, von der man noch am ehesten eine Wettbewerbswirkung auf Tampons erwarten würde. Die Untersuchung hat ergeben, daß sich weder Verkaufsförderungen noch die langfristige Preisentwicklung von ob signifikant auf den Absatz von Always Super Thin ausgewirkt hat, geht man von einem 95%igen Genauigkeitsgrad aus. (58) Die multivariable Analyse der A. C. Nielsen gibt zusätzliche nützliche Aufschlüsse und eignet sich im Vergleich zur univariablen Analyse des GfK besser, um das komplexe Verhalten auf dem Markt zu verstehen. Möglicherweise spiegeln sich in den Preiselastizitäten, die sich aus der GfK-Untersuchung ergeben, in starkem Masse verkaufsfördernde Wirkungen wider. Würden sie eher langfristige als durch verkaufsfördernde Maßnahmen bedingte Elastizitäten widerspiegeln, dann würden sogar kleine Preisveränderungen von einem Jahr zum anderen zu dramatischen Verlagerungen in der Gesamtnachfrage nach ob-Tampons und Always Super Thin-Binden führen. Im übrigen hat P& G zugegeben, daß die GfK-Daten nicht auf den gesamten Markt projiziert werden können. (59) Diese Ergebnisse decken sich mit den Daten der Untersuchung von Verbrauchereinstellungen, wonach der Preis für die Käuferin eines solchen Erzeugnisses relativ unwichtig ist. Die Analyse der von P& G vorgelegten eingescannten Daten widerspricht weiterhin der Auffassung fast sämtlicher befragten Handelsunternehmen, wonach verkaufsfördernde Maßnahmen für Binden zu einem Rückgang des Absatzes von Binden anderer Marken, nicht aber von Tampons geführt haben. In den Fällen, wo die Maßnahmen einen gewissen Erfolg zeitigten, wurde dies darauf zurückgeführt, daß regelmässige Käuferinnen einer Marke, vor allem Doppelbenutzerinnen, die beide Erzeugnisse gut kennen, auf Vorrat kauften, wenn die betreffende Marke preisgünstig angeboten wurde. Bei einer eingehenderen ökonometrischen Untersuchung decken sich jedoch die Ergebnisse der GfK-Untersuchung mit der Auffassung der Handelsunternehmen und Wettbewerber und werden Elastizitätsberechnungen geliefert, die auf den gesamten Markt projiziert werden können. (60) Das A. C.-Nielsen-Modell ist zwar in mancher Hinsicht nicht sehr ausgefeilt, aber seine Ergebnisse wurden durch eine getrennt durchgeführte multivariable Untersuchung der amerikanischen Gesellschaft RLS bestätigt, die der Kommission von einem Wettbewerber übermittelt wurde. In dieser Untersuchung wurden für Binden eine Preiselastizität von 0,5, eine Kreuzpreiselastizität von 0,3 bei nicht durch verkaufsfördernde Maßnahmen bedingten Preisveränderungen und unerhebliche Elastizitäten im Fall verkaufsfördernder Maßnahmen genannt. Die Untersuchung bestätigte somit die in der Nielsen-Untersuchung festgestellte geringe Kreuzpreiselastizität zwischen Tampons und Binden. Obwohl diese Untersuchung die USA und nicht Deutschland betrifft, zeigte sich für die Kommission, daß sich die Märkte in wesentlichen Punkten ähnlich sind: So gibt es in Deutschland 39 % Doppelbenutzerinnen und in den USA 32 % bei einem Durchdringungsverhältnis von 40:60 in den USA und 39:61 in Deutschland. (61) Die Ergebnisse der vorerwähnten ökonometrischen Untersuchungen werden durch Marktbeobachtungen bestätigt. Wirkung der Markteinführung von Always (62) Würden Tampons und Binden denselben Markt bilden, so wäre damit zu rechnen, daß Ereignisse wie die Einführung von Always auf dem Bindenmarkt und Preiserhöhungen auf einem der Märkte Auswirkungen auf den anderen Markt hätten. (63) Always wurde in Deutschland im Juli/August 1991 eingeführt. Die nachstehende Tabelle zeigt, wie auf das neue Produkt innerhalb von sechs Monaten reagiert wurde und wie sich die Durchschnittspreise für Tampons und Binden innerhalb von zwei Jahren entwickelt haben. >(35)"> ID="1">In 6 Monaten > ID="2">+ 0,7 > ID="3">- 3,8 "> ID="1">Februar 1994 > ID="2">+ 18,2 > ID="3">+ 2,3 ""Quelle: Von einem Wettbewerber zusammengestellte Nielsen-Daten.> Die Durchschnittspreise für Binden mit Ausnahme von Always-Binden sind ersichtlich zunächst geringfügig zurückgegangen und in den beiden nachfolgenden Jahren nur um 2,3 % gestiegen. Die Tamponpreise sind ihrerseits im ersten Halbjahr nach Einführung von Always leicht und in den beiden nachfolgenden Jahren um 18,2 % gestiegen. (64) P& G hat behauptet, daß Tampons und Binden austauschbar sind und die Always-Binden seit ihrer Markteinführung von den Tampons Marktanteile erobert haben. Die nachstehende Tabelle zeigt den relativen mengenmässigen Anteil der Binden und Tampons am Binden- und Tamponmarkt in Deutschland (sogenanntes "Durchdringungsverhältnis"), auf dem Always im Juli 1991 eingeführt wurde. Entwicklung des Durchdringungsverhältnisses (Binden/Tampons) mit dem Bindenanteil der P & G "(mengenmässige Angaben) "" ID="1">Deutschland > ID="2">- > ID="3">64 > ID="4">36 > ID="5">5 > ID="6">58 > ID="7">37 > ID="8">11 > ID="9">52 > ID="10">37 "> ID="1">% Wechsel (mengenmässig) ID="2.3">(100)> > ID="4">(100) ID="5.6">+ 17 %> > ID="7">+ 20 % ID="8.9">+ 4,9 %> > ID="10">+ 5,5 % ""Always Einführung Juli 1991. Quelle: Kommissionsberechnungen auf der Grundlage der von P & G vorgelegten Nielsen-Daten.> (65) Bei dieser Tabelle ist darauf hinzuweisen, daß das Marktwachstum 1991/92 auf die Einbeziehung der neuen Bundesländer im Anschluß an die Vereinigung zurückzuführen ist. Es müssen mengenmässige Angaben verwendet werden, um festzustellen, ob ein Wechsel stattgefunden hat. In Deutschland hat jedenfalls die Einführung von Always im Juli 1991 keinen Rückgang des Tampon-Anteils am Binden- und Tamponmarkt zur Folge gehabt. (66) P& G behauptet, daß dieses Bild irreführend sei und daß Always trotz des unveränderten Durchdringungsverhältnisses in Deutschland tatsächlich [. . .] seines Marktanteils von den Tampons (und [. . .] seiner Gewinne von anderen Marken) bezogen habe und daß Tampons den Binden ähnliche Anteile abgewinnen konnten, insbesondere dickeren und nicht so hochwertigen Binden. Diese Untersuchung wurde von GfK für P& G erstellt und beruht auch in diesem Fall auf einem Kaufpanel, dessen Ergebnisse nicht näher erklärt wurden. Die Verlagerungen, die die graphische Darstellung in der nachfolgenden Randnummer für die alten Bundesländer in Deutschland zeigt, ereigneten sich im übrigen in fast allen EWR-Staaten im Anschluß an die Markteinführung von Always, d. h., der mengenmässige Anteil von Tampons hat sich nicht verändert. Es scheint sehr unwahrscheinlich, daß in sämtlichen Fällen mengenmässige Verlagerungen von Tampons auf Always und von anderen Binden auf Tampons stattgefunden haben, die einander genau ausgleichen. (67) Die nachstehende graphische Darstellung zeigt die Wirkung der Einführung von Always in den alten Bundesländern: (68) Der Tamponabsatz lag danach 1993 etwas höher als im Vorjahr. Wenig deutet darauf hin, daß Always Marktanteile zu Lasten von Tampons gewonnen hat. (69) Die folgende, von einem Wettbewerber vorg

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.