Europäische Union

Beschluss (EU) 2018/813 der Kommission vom 14. Mai 2018 über das branchenspezifische Referenzdokument für bewährte Umweltmanagementpraktiken, branchenspezifische Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte für den Agrarsektor gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über die freiwillige Teilnahme von Organisationen an einem Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung (EMAS)Text von Bedeutung für den EWR.

Konsolidierte Fassung

Konsolidierungsdatum: 2018-06-08

Quellenkennung: 32018D0813. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

Zur amtlichen Quelle ↗

Originaldateien und Anlagen
Weitere gespeicherte Fassungen

Durchsuchbarer Text in vereinfachter Darstellung. Tabellen, Abbildungen und verbindliche Gestaltung bitte anhand der Originaldateien prüfen.

und die Veranstaltung geführter Touren für die Öffentlichkeit; — die Nutzung sozialer Medien, um über den Hof zu informieren, Veranstaltungen zu organisieren oder Programme zum Direktvertrieb für die Öffentlichkeit einzuführen. Anwendbarkeit Alle landwirtschaftlichen Betriebe können wählen, ob sie Verbraucher einbinden möchten, z. B. über die Ausrichtung von Tagen des offenen Hofes für die Öffentlichkeit, die Einführung von Programmen zum Direktvertrieb oder die Nutzung sozialer Medien zur Bereitstellung von Informationen über den Betrieb (Anbau neuer Kulturpflanzen, Ernte, Art und Zeitpunkt der durchgeführten Arbeiten, Informationen über die Verkaufsstellen usw.). Diese bewährte Umweltmanagementpraxis ist jedoch insbesondere auf kleinere extensiv wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe anwendbar, wie etwa kleine Erzeuger von Biolebensmitteln, die einen lokalen Markt bedienen (einschließlich Gartenbaubetrieben). Die Zusammenarbeit mit lokalen Lebensmittelverarbeitern ist vor allem für Getreideanbauer und Viehhalter wichtig. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i16) Anteil der an einen bestimmten (lokalen) Markt verkauften Erzeugnisse () (%) (i17) Anzahl der Tage des offenen Hofes pro Jahr (Anzahl/Jahr) Nicht zutreffend (1)   Das heißt die direkt vom Betrieb verkauften Erzeugnisse, entweder auf dem Hof oder einem lokalen Bauernmarkt sowie die im Rahmen von Programmen zum Verkauf von nicht makellosem Gemüse verkauften Produkte oder Erzeugnisse, die im Zuge sonstiger durch die Gemeinschaft geförderter Aktivitäten verkauft wurden. 3.2.    Bodenqualitätsmanagement Dieses Kapitel ist für Gemischt-, Ackerbau- und Gartenbaubetriebe relevant sowie für die intensive ebenso wie die extensive Bewirtschaftung. Es behandelt die Bewertung und Minderung von Bodenrisiken, die Planung von Maßnahmen zum Erhalt oder zur Verbesserung der Bodenqualität sowie die Überwachung der Bodenverhältnisse. 3.2.1.    Managementplan für die Beurteilung und den Erhalt des physischen Bodenzustands Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, zum Erhalt der Bodenqualität und -funktionalität einen Bodenschutzplan zu erarbeiten und umzusetzen. Der Plan sollte unter anderem folgende Maßnahmen umfassen: — Erstellung eines Jahresberichts über die Anzeichen für Erosion, Verdichtung und oberflächliche Pfützenbildung anhand von Feldbesichtigungen sowie Berechnung der mittleren Bodendichte; — Kartierung der unterschiedlichen auf dem Hof vorhandenen Bodentypen, um die Landnutzungsart bestmöglich auf die jeweiligen Böden abzustimmen; — Bilanzierung der organischen Substanz im Boden auf Feldebene sowie regelmäßige Kontrolle der Nährstoffreserven im Boden und der pH-Werte auf Feldebene entsprechend den in der bewährten Umweltmanagementpraxis 3.3.1 dargestellten Grundsätzen; — Umsetzung konkreter Maßnahmen zum Erhalt der Bodenqualität und der organischen Substanz innerhalb der Felder (ausführliche Beschreibung in den folgenden bewährten Umweltmanagementpraktiken 3.2.2, 3.2.3 und 3.2.4). Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann von allen Gemischt-, Ackerbau- und Gartenbaubetrieben angewendet werden, sowohl im Bereich der intensiven als auch der extensiven Landwirtschaft. Die meisten im Bodenschutzplan enthaltenen Maßnahmen weisen relativ geringe Investitionskosten auf und können im Hinblick auf die Produktivität erhebliche Vorteile mit sich bringen, wenn auch gegebenenfalls mit einer gewissen Verzögerung. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i18) Infiltrationsvermögen des Bodens (mm/Stunde) (i19) Optische Beurteilung der Bodenstruktur im Hinblick auf Anzeichen für Erosion und Verdichtung der Felder (J/N) (i20) Mittlere Bodendichte (g/cm3) (i21) Wasserspeicherkapazität des Bodens (m3 Wassergehalt/m3 trockener Boden oder g Wassergehalt/100 g trockener Boden) (b10) Für den Betrieb wird ein Bodenbewirtschaftungsplan umgesetzt, der Folgendes beinhaltet: i) einen jährlichen Bericht über die Anzeichen für Erosion und Verdichtung auf Grundlage von Feldbesichtigungen; ii) mindestens alle fünf Jahre Analysen der mittleren Bodendichte und organischen Substanz; iii) Umsetzung konkreter Maßnahmen zum Erhalt der Bodenqualität und organischen Substanz. 3.2.2.    Erhalt/Verbesserung der organischen Substanz im Boden von Kulturflächen Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, zur Verbesserung der Bodenstruktur mithilfe des Zukaufs hochwertiger organischer Stoffe organische Zusätze in den Boden einzubringen. Organische Substanz kann folgendermaßen in Agrarböden eingebracht werden: — Einarbeitung von Pflanzenrückständen sowie Deck- und Zwischenfrüchten, z. B. Leguminosen; — Zersetzung pflanzlicher Abfälle auf unbearbeiteten Böden; — Ausbringung von Stalldung (siehe bewährte Umweltmanagementpraxis 3.7.6); — Schaffung von Wechselwiesen (siehe auch bewährte Umweltmanagementpraxis 3.4.4); — Nutzung alternativer Quellen organischer Substanz wie beispielsweise anerkannte kompostierte Materialien, Gärrückstände anaerob vergärter Pflanzen sowie sonstige organische Abfälle. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann von allen sowohl intensiv als auch extensiv wirtschaftenden Ackerbaubetrieben angewendet werden, sofern alle zugefügten organischen Betriebsmittel im Nährstoffmanagementplan für das jeweilige Feld berücksichtigt werden (siehe bewährte Umweltmanagementpraxis 3.3.1). Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i22) Ausbringungsrate in Bezug auf organische Trockensubstanz (t/ha/Jahr) (i23) Organischer Kohlenstoffgehalt des Bodens (%C) (i24) Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis (C/N) (b11) Sicherstellung, dass alle Ackerböden des Betriebs mindestens einmal alle drei Jahre Zugaben organischer Substanz erhalten, z. B. aus Pflanzenrückständen, Stalldung, Deck-/Zwischenfrüchten, Komposten oder Gärrückständen, und/oder Schaffung von Wechselwiesen für einen Zeitraum von ein bis drei Jahren. 3.2.3.    Erhalt der Bodenstruktur und Vermeidung von Erosion und Verdichtung Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, — zeitgemäße und geeignete Anbaumethoden zu nutzen, die die Bodenstruktur erhalten sowie Abfluss und Erosion durch Wasser und Wind minimieren: —   — Auswahl eines Anbausystems, das die Zahl der Bearbeitungsgänge auf das zur Schaffung der für das Wachstum der Nutzpflanze nötigen Bodenverhältnisse erforderliche Minimum beschränkt; — Umsetzung von Methoden der flachen Bodenbearbeitung, um zu vermeiden, dass Unterböden angehoben oder Entwässerungskanäle beschädigt werden; — Erwägung von Direktsaat oder Minimalbestelltechnik und Nutzung von Untergrundpackern beim Pflügen; — Saatbeete mit Blick auf die Wasserinfiltration zu pflegen; — den Boden zur Vermeidung von Bodenverdichtung zu durchlüften; — die Auswirkungen von Maschinen auf die Bodenstruktur zu verringern (z. B. können tragfähige Reifen zur Minimierung der Bodenverdichtung genutzt werden). Anwendbarkeit Verfahren zur Kontrolle von Bodenerosion und -verdichtung sowie zum Erhalt der Bodenstruktur können von allen Betriebstypen und an den meisten Standorten angewendet werden. Während die Wassererosion ein in ganz Europa verbreitetes Problem darstellt, ist die Winderosion eher ein Problem im trockeneren Süden und Osten Europas. Diese bewährte Umweltmanagementpraxis scheint für größere Landwirtschaftsbetriebe geeigneter zu sein, da diese gegebenenfalls über mehr Ressourcen zur Durchführung der beschriebenen Maßnahmen verfügen, sich den Erwerb der benötigten Geräte und Maschinen eher leisten können und/oder die Fähigkeiten und das Wissen für eine erfolgreiche Umsetzung der vorgenannten Maßnahmen leichter erwerben können. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i19) Optische Beurteilung der Bodenstruktur im Hinblick auf Anzeichen für Erosion und Verdichtung der Felder (J/N) (i20) Mittlere Bodendichte (g/cm3) (i25) Erosionsverluste (t/ha/Jahr) (b10) Für den Betrieb wird ein Bodenbewirtschaftungsplan umgesetzt, der Folgendes vorsieht: i) einen jährlichen Bericht über die Anzeichen für Erosion und Verdichtung auf Grundlage von Feldbesichtigungen; ii) mindestens alle fünf Jahre eine Analyse der mittleren Bodendichte und organischen Substanz; iii) Umsetzung konkreter Maßnahmen zum Schutz der Bodenqualität und organischen Substanz. 3.2.4.    Bodenentwässerungsmanagement Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, die Bodendrainage zu steuern, um die Fruchtbarkeit des Bodens aufrechtzuerhalten und Nährstoffverluste zu minimieren, und zwar durch: — die Festlegung von Entwässerungskanälen auf jedem Feld; — die Verhinderung einer Wassersättigung der Böden, indem —   — eine ausreichende Versickerung des Wassers gewährleistet wird; — die Bodenverdichtung gemäß den in der bewährten Umweltmanagementpraxis 3.2.3 beschriebenen Grundsätzen auf ein Minimum begrenzt wird; — die natürliche Entwässerung gefördert wird, auch mithilfe der Anpflanzung von Bäumen und tief wurzelnden Kulturpflanzen sowie der Umsetzung von Fruchtfolgen; — Auffangrinnen zur Umleitung des Wassers unterhalten und gegebenenfalls angelegt werden; — Oberflächendrainagen zur Einbindung naturnaher Elemente, wie etwa uneinheitliche Querschnittsprofile, Mäander, Wasserkräusel und Tümpel sowie natürlicher Bewuchs, konstruiert werden, um die Heterogenität von Tiefen und Geschwindigkeiten zu erhöhen und gleichzeitig die natürlichen Lebensräume zu verbessern. — die Minimierung der Drainage auf Torfböden und in Gebieten, die anfällig für Nährstoffverluste sind; alle nicht entwässerten Flächen mit Torf- oder torfigen Böden sollten als natürliche oder naturnahe Gebiete oder als traditionell bewirtschaftetes Weideland belassen werden. Anwendbarkeit Die Anwendbarkeit dieser bewährten Umweltmanagementpraxis ist in hohem Maße von lokalen Parametern wie der Topografie des Feldes (Böschungswinkel und Länge des Feldes, Bodenart und Bodenaggregatgröße, Größe des Gebiets, in dem das Wasser ins Einzugsgebiet abfließt) sowie dem Bodennutzungssystem abhängig. Vor allem können verbesserte Drainagepraktiken weitgehend auf die meisten nicht sandigen und nicht organischen Acker- und Wiesenböden angewandt werden, wohingegen eine Entwässerung bei Torfböden und in Feuchtgebieten vermieden oder minimiert werden sollte. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i26) Anlegung von Entwässerungskanälen auf Weide- und Ackerland (J/N) (i27) Erstellung von feldspezifischen Drainagekarten (J/N) (i28) Minimierung der Entwässerung auf Torfböden (J/N) (b12) Die natürliche Entwässerung wird durch einen sorgsamen Umgang mit der Bodenstruktur maximiert; die Wirksamkeit bestehender Entwässerungskanäle wird aufrechterhalten; neue Entwässerungskanäle werden gegebenenfalls auf mineralischen Böden angelegt. (b13) Auf Torfböden und Böden, für die die Gefahr der vermehrten Nährstoffabgabe ins Wasser über die Drainage hoch ist, wird die Entwässerung minimiert. 3.3.    Nährstoffmanagement Dieses Kapitel ist für alle Betriebstypen relevant (einschließlich Viehzuchtbetrieben). Es behandelt Verfahren, mit denen sichergestellt wird, dass der Einsatz von Nährstoffen den Bedürfnissen der Pflanzen und Tiere entspricht, um den Ertrag zu optimieren und aus den eingebrachten Nährstoffen den größtmöglichen Nutzen zu ziehen sowie gleichzeitig zu gewährleisten, dass die Belastungsgrenze der Umwelt in vollem Umfang gewahrt wird. 3.3.1.    Kostenplanung für die Nährstoffversorgung der Felder Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, mithilfe der Kostenplanung für Nährstoffe auf Feldebene dafür Sorge zu tragen, dass der Nährstoffbedarf der Pflanzen gedeckt wird, ohne im Übermaß Nährstoffe einzubringen. Das Hauptziel dieser bewährten Umweltmanagementpraxis besteht darin, das „wirtschaftliche Optimum“ in Bezug auf Ernteertrag und -qualität zu erreichen, die Kosten für Betriebsmittel zu minimieren, Böden und Wasser zu schützen sowie Emissionen in die Luft zu verhindern. Dies kann mithilfe der folgenden Maßnahmen erreicht werden: — Einführung einer systematischen regelmäßigen Bodenuntersuchung, um den pH-Wert des Bodens im optimalen Bereich (6,5 –7,5 ) und den Gehalt an Phosphor (P) und Kalium (K) auf einem angemessenen Niveau zu halten: Es wird empfohlen, die Böden bei Dauerbeweidung alle drei bis fünf Jahre und bei Kulturpflanzen und Wechselwiesen alle drei Jahre zu untersuchen; — Erfassung sämtlicher Nährstoffeinträge in die Böden und Nitratrückstände in der Wurzelzone sowie Einbringung der Nährstoffe (N, P und K) in der richtigen Menge, um den bestmöglichen Ertrag zu gewährleisten: Die Menge und Pflanzenverfügbarkeit der in Form organischer Substanz (entsprechend der bewährten Umweltmanagementpraxis 3.2.2) hinzugefügten Nährstoffe sollte dabei berücksichtigt werden; — Berechnung der Nährstoffüberschüsse auf Feldebene, indem die Nährstoffeinträge (N, P und K) berechnet und die Nährstoffausträge (N, P und K) pro Hektar in Abzug gebracht werden (hohe Nährstoffüberschüsse bergen das Risiko einer Belastung an anderer Stelle); — Berechnung der Nährstoffverwertungseffizienz auf Feld- oder Betriebsebene: Die Nährstoffverwertungseffizienz auf Betriebsebene bezeichnet das Verhältnis der Nährstoffe (N, P und K), die in den aus dem Betrieb abgeführten pflanzlichen und tierischen Produkten enthalten sind, zu den in den Betrieb eingebrachten Nährstoffen (z. B. in Form von Dünge- und Futtermitteln). Zur Berechnung aller Nährstoffeinträge und -austräge können entsprechende Aufzeichnungen des Betriebs herangezogen werden. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann von allen Betriebstypen angewendet werden und stellt eine entscheidende Tätigkeit dar, die sich maßgeblich auf die Umweltleistung und die Produktivität des landwirtschaftlichen Betriebs auswirkt. Die der Kostenplanung für die Nährstoffversorgung der Felder zugrunde liegenden Maßnahmen weisen relativ geringe Investitionskosten auf und können im Hinblick auf die Produktionseffizienz erhebliche Vorteile mit sich bringen. Als Richtwert für die Kostenspanne zur Aufstellung eines vollständigen Kostenrahmens in Bezug auf den feldspezifischen Stickstoffeintrag bzw. -entzug können 200 EUR bis 500 EUR pro Betrieb jährlich angenommen werden, je nach Größe und Art des Bewirtschaftungssystems sowie dem Umfang der benötigten externen Beratungsleistungen. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i8) Nährstoffausbringungsrate (kg N/P/K/ha/Jahr) (i29) Feldspezifische Nährstoffüberschüsse (kg N/P/K/ha/Jahr) (i30) Für N/P/K berechnete Nährstoffverwertungseffizienz (%) (i31) Bruttostickstoffbilanz () (kg/ha) (b14) Die in Form von Dünger eingebrachten Nährstoffe überschreiten nicht den Gehalt, der zur Erreichung des „wirtschaftlich optimalen“ Ernteertrags erforderlich ist. (b15) Die Nährstoffüberschüsse oder die Nährstoffverwertungseffizienz werden für Stickstoff, Phosphor und Kalium für einzelne ackerbaulich — oder als Grünfläche — genutzte Parzellen geschätzt. (1)   Die Bruttostickstoffbilanz bezeichnet den Überschuss an oder die Verringerung des Stickstoffs auf Agrarflächen. Zu ihrer Berechnung wird pro Hektar Agrarfläche die Differenz zwischen dem in das Bewirtschaftungssystem eingetragenen Stickstoffgehalt und dem Stickstoffgehalt gebildet, der dem System entzogen wurde. 3.3.2.    Fruchtwechsel für einen effizienten Nährstoffkreislauf Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, den Stickstoffkreislauf durch die Aufnahme von Leguminosen in die Fruchtfolgezyklen ( 11 ) zu optimieren. Der Anbau von Leguminosen führt zu einer Optimierung des Stickstoffeintrags mittels biologischer Stickstoffbindung sowie einer Maximierung der Stickstoffweitergabe an Folgekulturen und geht mit minimalen auswaschungsbedingten Stickstoffverlusten einher. Um die biologische Stickstoffbindung optimal zu nutzen, sollte die Fruchtfolge in einem Fünf-Jahres-Zeitraum mindestens eine Leguminose und eine Brachekultur ( 12 ) (z. B. eine als Hauptfrucht oder Zwischenfrucht ( 13 ) angebaute Kleegrasweide) enthalten. Bei der Bestimmung der Nährstoffeinträge in den Boden insgesamt sowie der Einbringung der Nährstoffe sollten in der Fruchtfolge Pflanzen berücksichtigt werden, die atmosphärischen Stickstoff binden. Anwendbarkeit Die biologische Stickstoffbindung durch Leguminosen kann von allen Bewirtschaftungssystemen angewendet werden. Besonders bedeutend ist sie für die ökologische Landwirtschaft oder für Betriebe, die eine geringe Düngemittelausbringung praktizieren, und ebenfalls überaus wichtig für Agrarflächen, auf denen organische Nährstoffe knapp sind. Allerdings ist diese bewährte Umweltmanagementpraxis nicht anwendbar auf Bewirtschaftungssysteme mit torfigen Böden, deren pH-Wert niedrig ist, weil sich die Bodensäure negativ auf den Mechanismus der biologischen Stickstoffbindung auswirkt. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i31) Bruttostickstoffbilanz (kg/ha) (i32) Fruchtfolgezyklen beinhalten Leguminosen und Brachekulturen (J/N) (i33) Dauer der Fruchtfolgezyklen (Jahre) (b16) Alle Fruchtfolgen umfassen in einem Fünf-Jahres-Zeitraum mindestens eine Leguminose und eine Brachekultur. 3.3.3.    Präzise Ausbringung von Nährstoffen Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, — die Ausbringung von Stalldung und (bei Bedarf) Düngemitteln aufeinander abzustimmen, um den Bedarf der Pflanzen zu decken: für jeden Nährstoff (N, P und K) zur richtigen Zeit und in der Menge, die dem Nährstoffbedarf der Pflanzen entspricht; ( 14 ), — bei Bedarf Teilgaben von Düngemitteln auszubringen, die Nährstoffaufnahme zu maximieren und Verluste zu verhindern: Durch die Gabe von Nährstoffen in mehr als einer Ausbringung wird die Gesamtmenge der auszubringenden Nährstoffe verringert und die Nährstoffauswaschung minimiert; — GPS-Leitsysteme zur präzisen Ausbringung der Nährstoffe (N, P und K) einschließlich variabler Nährstoffausbringungsraten innerhalb der Felder zu nutzen, wobei in diese GPS-Systeme Daten über die Entwicklung der Pflanzendecke und frühere Ernten einfließen und diese Systeme das genaue Platzieren der Düngemittel unter Beachtung von Fahrgassen ermöglichen; — die Nährstoffe (N, P und K) in unmittelbarer Nähe zum Saatgut zu platzieren: Das Nährstoffgranulat wird direkt im oder neben dem Wurzelbereich platziert. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann von allen Gemischt-, Ackerbau- und Gartenbaubetrieben angewendet werden. Auf die Teilgabe von Nährstoffen wird hauptsächlich bei Getreide zurückgegriffen. Die präzise Ausbringung bringt erhebliche Investitions- und Betriebskosten aufgrund von Gerätebeschaffung und Arbeitskosten (z. B. Erwerb georeferenzierter Daten zum Nährstoffbedarf, mehrere GPS-geleitete Nährstoffausbringungen) mit sich und ist somit eher für Großbetriebe geeignet, für die sich die Investition rascher amortisieren würde. Für kleine und mittlere Betriebe oder für Betriebe mit begrenzter Investitionskapazität besteht jedoch oftmals die Möglichkeit, die für die präzise Ausbringung benötigte Ausrüstung zu mieten oder diese Aufgabe an ein spezialisiertes Unternehmen auszulagern, das die erforderlichen Geräte besitzt und bedient. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i34) Nutzung von Werkzeugen der Präzisionslandwirtschaft wie etwa GPS-Steuerung zur Optimierung der Nährstoffausbringung (J/N) (i29) Feldspezifische Nährstoffüberschüsse (kg N/P/K/ha/Jahr) (i30) Für N/P/K berechnete Nährstoffverwertungseffizienz (%) Nicht zutreffend 3.3.4.    Auswahl umweltfreundlicherer Kunstdünger Die Herstellung mineralischen Stickstoffs erfordert große Mengen Energie und ruft beträchtliche Treibhausgasemissionen hervor, je nach Art der Zusammensetzung, der Effizienz der Produktionsanlagen und der angewandten Verfahren zur Minderung von Distickstoffmonoxid (N2O) ( 15 ). Darum besteht die bewährte Umweltmanagementpraxis bei einem Bedarf an nitrathaltigen Kunstdüngern darin, Produkte mit einem nachweislich geringeren CO2-Fußabdruck zu wählen ( 16 ). Fällt die Wahl eines Landwirts auf harnstoffbasierte Düngemittel besteht diese bewährte Umweltmanagementpraxis außerdem darin, Produkte auszuwählen, deren Granulat mit einem Nitrifikationshemmstoff überzogen ist. Der Nitrifikationshemmstoff verlangsamt die Hydrolyse mit Ammonium und Ammoniak. Zudem ermöglicht er die präzise Stickstoffversorgung der Pflanzen, indem er die Nitratproduktion auf eine Geschwindigkeit drosselt, die eher der Pflanzenaufnahme entspricht. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann von allen mineralische Dünger nutzenden Gemischt-, Ackerbau- und Gartenbaubetrieben angewendet werden. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i35) CO2-Fußabdruck verwendeter Stickstoffdünger (kg CO2e/kg N) (i36) Die eingesetzten Kunstdünger setzen nach der Ausbringung geringe Ammoniak- und Treibhausgasemissionen frei (J/N) (b17) Der auf dem Betrieb verwendete mineralische Dünger hat keine produktionsbedingten Emissionen über 3 kg CO2e pro kg N hervorgerufen; dies ist vom Lieferanten in einer offen ausgewiesenen Berechnung nachzuweisen. (b18) Die eingesetzten Kunstdünger setzen nach der Ausbringung geringe Ammoniakemissionen frei (J/N) 3.4.    Bodenvorbereitung und Anbauplanung Dieses Kapitel ist für Gemischt-, Ackerbau- und Gartenbaubetriebe relevant und behandelt Techniken und Alternativen der Bodenvorbereitung und Anbauplanung, die die Bodenqualität schützen und verbessern. 3.4.1.    Abstimmung der Landbaumethoden auf die Bodenverhältnisse Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, die Landbaumethoden auf die Bodenarten und die Bodenverhältnisse abzustimmen, um die Bestandesbegründung zu optimieren und den Boden zu schützen. Durch die Auswahl von Anbautechniken wie Minimalbestelltechnik und Direktsaat werden die Anbauintensität sowie die Tiefe und das Ausmaß der Aufwühlung des Bodens verringert und mithilfe der Vermeidung folgender Punkte ein Schutz der Böden bewirkt: — Einarbeitung von organischer Substanz und Nährstoffen in Bodentiefen jenseits des zentralen Wurzelbereichs; — Fragmentierung von Bodenaggregaten, wodurch es zu einer Mineralisierung organischer Substanz kommt (steigende CO2- und Nitratstickstoff (NO3-N)-Werte); — Störung der Kontinuität natürlicher Kanäle, die die Wasser- und Sauerstoffinfiltration ermöglichen. Außerdem müssen Bodenbearbeitung und Aussaat im Hinblick auf Bodenfeuchte, Bodenart und Witterungsverhältnisse sorgfältig terminiert werden: — Witterungsverhältnisse: Die Begründung von im Herbst auszusäenden Anbaukulturen im Frühherbst ermöglicht eine Stickstoffaufnahme, bevor die Nährstoffe im Laufe des Winters ausgewaschen werden, und bietet über die Wintermonate eine gute Pflanzendecke (mindestens 25–30 %) zum Schutz des Bodens vor niederschlagsbedingtem Oberflächenabfluss und der damit verbundenen Erosion; ( 17 ), — Bodenfeuchte: Indem von einer Bearbeitung feuchter Böden abgesehen wird, werden die Verdichtung sowie der Sediment- und Nährstoffabfluss ebenso wie die Erosion und Probleme mit der Wurzelbildung in Grenzen gehalten; — Bodenart: Sandige Böden sind im Gegensatz zu Lehmböden leichter in feuchtem Zustand zu bearbeiten. Die Bestel

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.