Europäische Union

2004/105/EG: Entscheidung der Kommission vom 11. Juni 2003 über die Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR-Abkommen (Sache COMP/M.3056 — Celanese/Degussa/JV (European Oxo Chemicals)) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2003) 1821) (Text von Bedeutung für den EWR)

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Quellenkennung: 32004D0105. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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Niederlassungen haben und ein hohes Maß an Liefersicherheit bieten. Die deutschen Hersteller können, soweit erforderlich, sogar innerhalb eines Tages per Lastkraftwagen liefern. Das erklärt Perstorps sehr niedrigen Marktanteil in Deutschland und in Belgien in Bezug auf n-Butyraldehyd ([< 5]* % im Jahre 2002), auch wenn Perstorps Transportkosten bei Butyraldehyd-Lieferungen nach Antwerpen (ca. [...]* EUR) niedriger sind als bei Lieferungen nach Süddeutschland (ca. [...]* EUR/t). (38) In Italien stellen sich die Wettbewerbsbedingungen anders dar, denn dort befindet sich keiner der Abnehmer in unmittelbarer Nähe zu einem bestimmten Hersteller. Vielmehr scheinen dort die deutschen, schwedischen und polnischen Hersteller unter gleichen Bedingungen miteinander zu konkurrieren, sowohl im Hinblick auf Transportkosten als auch im Hinblick auf Lieferbedingungen (Liefersicherheit, Lieferzeit). Das spiegelt sich wider in den Marktanteilen, die sich unter den verschiedenen Herstellern gleichmäßiger verteilen (im Jahre 2001, BASF: [30 %-40 %]*, Perstorp: [20 %-30 %]*, Celanese: [20 %-30 %]*, Zaklady: [10 %-20 %]*). (39) Aus alledem folgt, dass in den nachfolgenden Ausführungen zwei getrennte räumlich relevante Märkte für n-Butyraldehyd unterschieden werden müssen: ein nordeuropäischer Markt, bestehend vor allem aus Belgien und Deutschland, und ein südeuropäischer Markt, bestehend aus Italien. 3. VEREINBARKEIT MIT DEM GEMEINSAMEN MARKT (40) Der Zusammenschluss betrifft die Gründung eines Vollfunktions-Gemeinschaftsunternehmens, in das Celanese und Oxeno ihr jeweiliges deutsches Butyraldehyd-Geschäft in Oberhausen beziehungsweise Marl einbringen werden. Oxeno ist derzeit auf dem Markt für Iso-Butyraldehyd nicht tätig: das gesamte Iso-Butyraldehyd, das Oxeno gleichzeitig mit n-Butyraldehyd herstellt, wird für die interne Weiterverarbeitung gebraucht. Wenn die Nachfrage nicht hoch genug ist, kann es den Angaben zufolge verbrannt werden. Daher konzentriert sich die Beurteilung auf den Markt für n-Butyraldehyd, auf dem es zur Addition der Aktivitäten kommt. a) Beschreibung der Wettbewerbsbedingungen auf den Märkten vor dem Zusammenschluss (41) Es handelt sich bei den Märkten für Butyraldehyd um oligopolistische Märkte, auf denen kein besonders starker Wettbewerb herrscht. Diese Märkte sind zudem relativ transparent, die Hersteller sind mit ähnlichen Kosten konfrontiert, die Marktvariablen sind stabil und die Gesamtnachfrage auf einem stagnierenden, reifen Markt ist relativ gering. Die Märkte für Butyraldehyd sind besonders transparent (42) Die Eigenschaften jedes der beiden Isomere (n- und Iso- Butyraldehyd) sind so standardisiert, dass in der Branche einheitliche Qualität besteht. Alle Abnehmer bestätigten, dass die beiden Isomere jeweils einem homogenen Markt angehören. In Extremfällen kann es Qualitätsunterschiede geben, nämlich dann, wenn das gelieferte Produkt dem vereinbarten Standard nicht entspricht oder wenn es Nebenprodukte enthält, die nachgelagerte Reaktionen hindern. In solchen Fällen wird das Produkt von den Abnehmern den Ermittlungen zufolge nicht akzeptiert, und/oder die Geschäftsbeziehungen mit dem betroffenen Hersteller werden beendet. (43) In Europa gibt es insgesamt nur sechs Hersteller, von denen drei in Deutschland ansässig sind. Die Hersteller sind bereits seit vielen Jahren im Geschäft. Während der letzten zehn Jahre hat es keine Neuzugänge gegeben. Demzufolge sind die Eigenschaften einer jeden Produktionsanlage (Technologie, Kapazität) allgemein bekannt. Dies ist besonders darauf zurückzuführen, dass diese Anlagen unter der Richtlinie 96/82/EG des Rates vom 9. Dezember 1996 zur Beherrschung der Gefahren bei schweren Unfällen mit gefährlichen Stoffen(6) klassifiziert sind und dass ihre Eigenschaften und die Menge der in ihnen benutzten und/oder gelagerten chemischen Stoffe nach der Richtlinie veröffentlicht werden müssen. Zudem haben sich die Produktionskapazitäten in den vergangenen Jahren nicht grundlegend verändert (Zuwachs von weniger als 15 % in den letzten fünf Jahren). Schließlich sind die übrigen Hersteller auch auf den nachgelagerten Märkten tätig, die ebenfalls eine hohe Konzentration aufweisen: die wesentlichen Wettbewerber auf dem Markt für Butyraldehyd entsprechen den wesentlichen Wettbewerbern auf den nachgelagerten Produktmärkten für 2-EH, Butanol, DOP und Butylacetat. Die Kenntnis des "merchant markets" für die nachgelagerte Produkte ermöglicht es den Herstellern, den internen Gebrauch der Wettbewerber von Butyraldehyd und, auf der Grundlage dieser Zahlen, die Überkapazitäten ihrer Produktionsstätten zu berechnen. Tabelle 4 Kapazitäten und Gesamtproduktion von n-Butyraldehyd im EWR während der letzten vier Jahre (Angaben in kt) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (44) Weltweit gibt es eine Reihe von Technologien für die Herstellung von Butyraldehyd. Alle europäischen Hersteller benutzen dieselbe, auf einem Rhodium-Katalysator basierende Technologie. Dementsprechend besteht der Großteil der variablen Kosten aus der für die Herstellung von einer Tonne Butyraldehyd für alle Hersteller gleichermaßen erforderlichen Menge an Energie, Propylen und Synthesegas (Kohlenstoffmonoxid und Wasserstoff): variable Kosten = A* Preis von Propylen + B* Preis von Synthesegas + Energie (wenige Prozentpunkte), wobei A ungefähr [...]*, B ungefähr [...]* und Energie ungefähr [...]* EUR/t beträgt. Da das Synthesegas wesentlich billiger ist als Propylen, macht es nur 18 % der endgültigen bei der Herstellung von Butyraldehyd anfallenden variablen Kosten aus. (45) Der nachfolgenden Tabelle sind die durchschnittlichen variablen Kosten der Hersteller im Jahre 2002 zu entnehmen. Sie zeigt, dass die variablen Kosten der verschiedenen Hersteller sehr ähnlich sind. Die Schwankungen reichen bis zu [...]* EUR pro Tonne, d. h. 10 %. Diese Unterschiede dürfen nicht überschätzt werden: i) sie könnten leicht auf die Preisschwankungen von Propylen zurückzuführen sein und ii) sie müssen im Verhältnis zu der Bruttomarge gesehen werden, die sich auf mindestens [...]* EUR pro Tonne beläuft (siehe nachfolgende Abschnitte). Tabelle 5 Durchschnittliche variable Kosten 2002, in EUR pro hergestellte Tonne Butyraldehyd >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (46) Folglich können die Hersteller von Butyraldehyd die variablen Kosten ihrer Wettbewerber leicht ermitteln, da sich der größte Teil der variablen Kosten aus dem Propylenpreis ergibt, der täglich auf den internationalen Märkten bekannt gegeben wird (ICIS-LOR veröffentlicht z. B. europäische Propylenpreise). Der Rest der variablen Kosten setzt sich zusammen aus Energie, deren Bedarf für alle Hersteller ähnlich ist ([...]* EUR/t), und Synthesegas, das einen wesentlich kleineren Teil der variablen Kosten bildet als Propylen: Synthesegas macht 40 % des Gewichts, aber weniger als 20 % der Kosten des Endprodukts aus). Seine Kosten sind wesentlich stabiler als die von Propylen, da es aus Kohlenstoffmonoxid und Wasserstoff hergestellt wird und diese Bestandteile in räumlicher Nähe zu den chemischen Produktionsanlagen der Hersteller produziert werden (in Raffinerien). Die Marktbedingungen sind langfristig stabil. - Preise sind sehr viel stabiler als sie scheinen (47) Der Preis von Butyraldehyd schwankt im Zeitablauf. Das liegt vor allem daran, dass der größte Teil der Herstellungskosten für Butyraldehyd auf dem erheblich schwankenden Preis des wichtigsten Rohstoffes Propylen beruht. Allerdings wird das meiste n-Butyraldehyd im Rahmen von Lieferverträgen vertrieben, die für die Berechnung des Kaufpreises eine Formel vorsehen, die den Propylenpreis (0,65 t-0,70 t) berücksichtigt. Es handelt sich in den meisten Fällen um die folgende Formel: Preis von Butyraldehyd = C * Preis von Propylen(7) + Gebühr, wobei C zwischen 0,65 und 0,70 liegt. Die Gebühr enthält Umarbeitungskosten, Transportkosten sowie die Bruttomarge des Herstellers. In manchen Fällen werden Rabatte auf die Gebühr gewährt, je nach gekaufter Menge. Verhandlungen über den Preis beziehen sich somit ausschließlich auf diese Gebühr, ohne dass Schwankungen des Propylenpreises berücksichtigt werden. (48) Verträge, die nicht auf der Grundlage dieser Formel geschlossen werden, sind hauptsächlich kurzfristige Verträge, d. h. Monats- oder Quartalsverträge. Sie werden in der Branche als Spotgeschäfte zu einem festen Preis angesehen. Zugegebenermaßen spiegelt dieser feste Preis sowohl die Kosten für Propylen (0,65*Preis von Propylen zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses) als auch die Umarbeitungs- und Transportkosten zuzüglich der Bruttomarge wider: letztere entspricht der Gebühr. Die Ermittlungen der Kommission ergaben, dass [Unternehmen A]*, [Unternehmen B]* die einzigen großen Abnehmer sind, die über Spotgeschäfte bedeutende Mengen Butyraldehyd beziehen. - Keine technologische Erneuerung, vollentwickeltes Geschäft (49) Wie oben ausgeführt, sind die Produktionsstätten, in denen in Europa Butyraldehyd hergestellt wird, mehrere Jahrzehnte alt. Die Technologie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht bedeutend verändert. Die einzige grundlegende Veränderung betrifft den Katalysator: Kobalt wurde bei allen Herstellern durch Rhodium ersetzt. Alle auf dem Markt tätigen Unternehmen bestätigten, dass es sich um ein vollentwickeltes Geschäft handelt. (50) Der Markt für n-Butyraldehyd ist stabil. Aufgrund abnehmender Verkaufszahlen von 2-EH (das aus n-Butyaldehyd hergestellt wird) könnte in den kommenden Jahren sogar ein leichter Rückgang der Nachfrage zu erwarten sein. Tatsächlich wurde der aus 2-EH hergestellte Weichmacher DOP kürzlich als reproduktionstoxisch eingestuft. Sein Gebrauch in bestimmten Anwendungen könnte daher in Zukunft beendet werden (die Risikobewertungsphase auf der Grundlage von Anwendungen ist noch nicht abgeschlossen) und damit die hergestellte 2-EH-Menge und letztlich auch die Herstellung von n-Butyraldehyd beeinflussen. - Keine Gegenmacht der Nachfrager (51) Die Anzahl der Nachfrager auf diesen Märkten ist sehr begrenzt. fünf bis zehn Nachfrager stellen üblicherweise mehr als 90 % des Absatzes eines bestimmten Herstellers. Dennoch scheinen diese Abnehmer keine besonders starke Nachfragemacht zu besitzen, denn erstens sind die Abnehmer von Butyraldehyd nicht vertikal integriert wie die meisten Butyraldehyd-Hersteller; zweitens legen die meisten von ihnen großen Wert auf Liefersicherheit und rechtzeitige Lieferung erwarteter Butyraldehyd-Mengen. Die Ermittlungen haben gezeigt, dass die meisten Abnehmer aus diesem Grunde nur eine begrenzte Zahl(8) von Herstellern als ernsthafte Alternativen in Betracht ziehen und mit diesen langfristige Geschäftsbeziehungen mit enger Kooperation aufbauen, insbesondere in Bezug auf die Logistik. Der Wechsel zu einem neuen Lieferanten wäre für sie nicht leicht zu erreichen, denn er würde größere Risiken und Unsicherheiten mit sich bringen und den Aufbau einer effizienten logistischen Kette erfordern sowie die Überprüfung der Kompatibilität des Produktes mit den Eigenschaften der chemischen Reaktion, die in der Anlage durchgeführt wird. Zusätzliche Lieferanten könnten auch die Verwendung eines zusätzlich Tanks erforderlich machen, um die Produkte der verschiedenen Lieferanten separat lagern zu können. Drittens schließlich beträgt der Anteil des auf den Handel mit Dritten gerichteten Marktes ("merchant market") weniger als 5 % der gesamten Produktion von Butyraldehyd. Der Verlust eines Abnehmers hätte daher nur sehr begrenzte Auswirkungen auf die Aktivitäten des Herstellers. (52) Angesichts der oben beschriebenen Marktverhältnisse dürften die Märkte für n- und Iso-Butyraldehyd als hochkonzentrierte oligopolistische Märkte einzustufen sein, auf denen nur schwacher Wettbewerb herrscht. b) Auswirkungen des Zusammenschlusses auf die Märkte (53) Das beabsichtigte Gemeinschaftsunternehmen führt zu keinen Überschneidungen in Italien, da Oxeno dort nicht aktiv ist. Daher konzentriert sich die nachfolgende Beurteilung auf den nordeuropäischen Markt für n-Butyraldehyd, bestehend aus Deutschland und Belgien. (54) Der Zusammenschluss wird zu einem kombinierten Marktanteil von [60 %-70 %]* führen (Celanese: [50 %-60 %]*, Oxeno: [10 %-20 %]*, im Jahr 2002). Weitere Anbieter sind BASF mit einem Anteil von [20 %-30 %]* sowie Perstorp ([0 %-10 %]*) und Zaklady (unter [10 %]*). Solche Marktanteile sind hoch genug, um die Entstehung oder Verstärkung marktbeherrschender Stellungen von der GU zu indizieren. Wie im Einzelnen dargelegt werden wird, hat die Untersuchung der Kommission jedoch ergeben, dass erstens Marktanteile im vorliegenden Fall kein zuverlässiger Indikator von Marktmacht sind, und dass zweitens mehrere Wettbewerber über genügend freie Kapazität verfügen, um die Stellung der anmeldenden Parteien zu kontrollieren. Tabelle 6 Verkaufte Menge 2002 und Marktanteile für n-Butyraldehyd in Deutschland und Belgien >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Marktanteile (55) Der freie Handelsmarkt für n-Butyraldehyd ist sehr klein: er repräsentiert lediglich etwa 3 % der jährlichen Gesamtproduktion. Jeder Hersteller könnte deshalb den gesamten freien Markt bedienen, indem er entweder freie Kapazitäten nutzt oder indem er theoretisch einen Teil des intern zur Weiterverarbeitung genutzten n-Butyraldehydes auf den freien Handelsmarkt wirft. Letzteres ist wesentlich unwahrscheinlicher als Ersteres, da es erfordern würde, dass die Nachfrage nach dem weiterverarbeiteten Produkt sinkt oder dass die Marge für Butyraldehyd signifikant höher als die des weiterverarbeiteten Produktes wird. Jedenfalls verfügen verschiedene Hersteller, wie dargelegt werden wird, über große freie Kapazitäten. (56) Die Marktanteile der Parteien sind über die letzten Jahre in erheblichem Umfang zurückgegangen, von [70 %-80 %]* im Jahr 1999 zu [60 %-70 %]* im Jahr 2002 (bei EWR-weiter Betrachtung). Gleiches gilt bei Betrachtung des aus Belgien und Deutschland bestehenden Marktes, da Degussa in Italien nicht tätig ist und Celanese dort nur geringe Umsätze erzielt (unter 1,5 kt). Da auch das Marktvolumen sank, ist der Absatzverlust noch bedeutender. Der kombinierte Absatz der Parteien sank von [...]* kt im Jahr 1999 auf [...]* kt im Jahr 2002, was einer Reduzierung um [über 30]* % entspricht. Tabelle 7 Entwicklung der Absätze und Marktanteile der Parteien bezüglich Butyraldehyd im EWR von 1999 bis 2002 >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (57) Der Hauptgrund für diese Entwicklung liegt in den speziellen Charakteristika des Marktes für Butyraldehyd. Obwohl über 20 Unternehmen Butyraldehyd einkaufen, bezieht nur eine Handvoll Unternehmen nennenswerte Mengen. Im nordeuropäischen Markt (Deutschland und Belgien) kaufen vier Unternehmen fast das gesamte auf dem Handelsmarkt verkaufte Butyraldehyd: Bayer (Deutschland, [...]* kt/a), Solutia (Belgien, [...]* kt/a), Kuraray (Deutschland, [...]* kt/a) und Wacker (Deutschland, [...]* kt/a). Wechselt auch nur einer dieser Kunden seinen Lieferanten, führt dies zu erheblichen Änderungen bei den Marktanteilen. (58) Dies zeigen etwa die Fälle Oxeno und BASF: im Jahr 2001 beschloss [Kunde B]* auch Oxeno als zusätzlichen Lieferanten von n-Butyraldehyd auszuwählen. Dies führte zu einer plötzlichen Erhöhung des Marktanteils von Oxeno auf [10 %-20 %]*. In ähnlicher Weise hat BASF im Jahr 1999 Absatzmengen an Perstorp verloren, aber nicht in den Jahren 2000 und 2001. BASFs Marktanteil erhöhte sich dadurch sprunghaft von [10 %-20 %]* im Jahr 1999 auf [10 %-30 %]* in den Jahren 2000/2001. Tabelle 8 BASFs Absatz an n-Butyraldehyd in Kilotonnen und entsprechender Marktanteil im EWR von 1999 bis 2002((Da BASFs Umsätze in Italien nicht geschwankt haben, spiegeln diese Schwankungen auch diejenigen in Deutschland und Belgien wider.)) >PLATZ FÜR EINE TABELLE> (59) Wegen der sehr geringen Zahl von Kunden und des kleinen Volumens der Handelsmarktes im Vergleich zur Produktion schwanken die Marktanteile der Anbieter stark. Marktanteile können daher nur eine eingeschränkte Rolle bei der Bewertung von Marktmacht spielen. Dennoch zeigt die Entwicklung der Marktanteile über die letzten vier Jahre, dass Wettbewerb auf dem Markt für n-Butyraldehyd gegeben ist. Freie Kapazitäten (60) In Anbetracht der bestehenden führenden Stellung der Parteien auf dem bereits hoch konzentrierten Markt könnte die angemeldete Transaktion schädliche Auswirkungen haben, wenn die Wettbewerber keine freien Kapazitäten zur Verfügung hätten und ihren Absatz auf dem freien Markt als Reaktion auf eine Preiserhöhung oder eine Absatzverringerung der Parteien nicht steigern könnten. Tabelle 9 Kapazität, Produktion, "captive use" und "merchant market" in kt für n-Butyraldehyd im EWR 2002 >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Die Parteien (61) In ihrer Erwiderung auf die Beschwerdepunkte gaben die Parteien an, dass Oxenos Kapazität im Laufe des Jahres 2002 erheblich reduziert worden sei, was darauf zurückzuführen sei, dass Oxeno mit der Produktion von INA begonnen habe: ein Teil der Butyraldehyd-Produktionsstätte sei für die Herstellung von INA verwendet worden. Infolgedessen habe sich Oxenos Kapazität in Bezug auf Butyraldehyd von [...]* kt/a auf [...]* kt/a vermindert. Ab 2003 belaufe sich die Kapazität des Gemeinschaftsunternehmens auf [...]* kt/a bei einer ungenutzten Kapazität von [...]* kt/a (auf der Grundlage der Produktionszahlen aus 2002). Die Parteien werden daher auf dem Markt zwar weiterhin die größte Kapazität und auch die größte freie Kapazität haben, der Abstand zu BASF ([...]* kt/a ungenutzte Kapazität) aber wird erheblich kleiner sein. Atofina (62) Atofina stellt Butyraldehyd durch seine Tochtergesellschaft Oxochimie in Lavera her. Oxochemie hat keine freien Kapazitäten: Das Unternehmen bestätigte (siehe Niederschrift des Telefongesprächs vom 4. April 2003), dass es für die Produktion von Butanol und 2-EH, die sie als ihr Kerngeschäft ansehen, einen hohen internen Bedarf habe. Auf dem merchant market könne es nicht viel mehr als [...]* kt Butyraldehyd anbieten. Gemäß Atofina müsste der Preis von n-Butyraldehyd erheblich steigen, bevor das Unternehmen einen Teil seines internen Gebrauchs von Butyraldehyd auf den "merchant market" umleiten würde. Atofinas Strategie und seine Kapazitätsbeschränkungen werden bestätigt durch einen Vergleich des Ausstoßes des Unternehmens in den letzten Jahren mit seinen Kapazitäten: Der Ausstoß erreichte konstant den hohen Anteil von [...]* % der Kapazitäten. Gemäß Atofina ist dies ein hervorragendes Verhältnis in dieser Industrie. In der Vergangenheit hat Atofina seine Produktion nur auf Grund von Zwischenfällen zur regelmäßigen Instandhaltung verringert: im Jahre 2001 musste das Unternehmen seine Produktion z. B. für einen ganzen Monat stoppen. Perstorp (63) Perstorp hat einige freie Kapazitäten. Allerdings gab das Unternehmen auf Nachfrage zu, dass sein Spielraum begrenzter ist, als die bloßen Zahlen vermuten ließen: Erstens gab das Unternehmen an, dass seine tatsächlichen Kapazitäten um [...]* kt unterhalb ihrer Nennleistung lägen. Zweitens stellt Perstorp auch [Chemikalien]* her, wofür ein Teil der Butyraldehyd-Kapazitäten beansprucht wird, nämlich ungefähr [...]* kt. Dementsprechend bleiben Perstorp nur ungefähr [...]* freie Kapazität. Dies entspricht jedoch mehr als 20 % des nordeuropäischen Marktes und reicht aus, um jede Absatzverringerung durch die Parteien zu kompensieren. (64) Schließlich tritt Perstorp trotz ihrer freien Kapazitäten auf dem nordeuropäischen Markt für n-Butyraldehyd nicht als sehr wettbewerbsfähiger Marktteilnehmer in Erscheinung. Der einzige Abnehmer des Unternehmens in dieser Region ist [Kunde C]*, mit Mengen von [...]* t im Jahre 2001 und [...]* t im Jahre 2002. [Kunde C]* hat sich entschieden, zu [Anbieter A]* und [Anbieter B]* zu wechseln. Demzufolge belaufen sich Perstorps Umsätze in dieser Region im Jahre 2003 auf weniger als [...]* %, und die Position der Zusammenschlussbeteiligten ist umso stärker. Auf die Frage, warum [Kunde C]* gewechselt hat, erklärte das Unternehmen, Perstorps Preise (d. h. die zusätzlich zum Preis von Propylen erhobene Gebühr) lägen weit über den Preisen, die von den deutschen Herstellern üblicherweise verlangt würden, und zwar um ungefähr [...]* EUR pro Tonne (im Verhältnis zu einer Gebühr von [...]* bis [...]* EUR). Gemäß [Kunde C]* könnten die Kosten des Transports von Butyraldehyd aus Schweden der Hauptgrund dafür sein. (65) Perstorp ist dann wettbewerbsfähig, wenn die anderen Hersteller ihre Gebühren erhöhen. Das war der Fall in den Jahren 2001 und 2002: Perstorps Gebühr veränderte sich nicht, sondern wurde attraktiv, weil die deutschen Hersteller [Kunde C]* wesentlich höhere Preisangebote machten. Im Jahre 2003 normalisierten sich die von BASF und Celanese verlangten Preise wieder, und [Kunde C]* wechselte zu ihnen zurück. [Kunde C]* erklärte, dass Perstorp sich ernsthaft um den erheblichen Umsatzrückgang sorgte und noch mehrere Male jeweils wieder niedrigere Preise anbot. Der niedrigste Preis, den Perstorp bieten konnte, blieb aber trotzdem erheblich über den von BASF und Celanese angebotenen Preisen (diese entsprachen den normalerweise in dieser Region angebotenen Preisen). (66) Diese Analyse wird bestätigt durch die Daten, die im Laufe der vertieften Prüfung erlangt wurden: Im Jahre 2002 lagen Perstorps Preise für Butyraldehyd zum Beispiel zwischen [...]* und [...]* EUR pro Tonne ([...]* EUR in Deutschland, [...]* in Italien), während BASF und Celanese ihr Butyraldehyd in Deutschland zur selben Zeit zu Preisen von [...]* bis [...]* EUR verkauften. [Kunde D]* bestätigte, dass er Preisangebote ähnlicher Größenordnung von Perstorp bekommen und diese abgelehnt habe. Auch [Kunde E]* bestätigte, dass Perstorps Preise kein wettbewerbsfähiges Niveau erreichten. (67) Im Hinblick auf die Transportkosten bestätigen die vorliegenden Daten auch den Unterschied zwischen lokalen Herstellern und Perstorp: Perstorps Transportkosten liegen für Lieferungen nach Deutschland zwischen 90 und 110 EUR pro Tonne. Im Vergleich dazu belaufen sich die Transportkosten von Celanese im selben Liefergebiet auf gerade einmal 25 bis 39 EUR. (68) Perstorp wird daher dann den Verhaltensspielraum der lokalen Hersteller begrenzen können, wenn diese ihre Preise um etwa [...]* EUR/t, also um [10-20]* %, erhöhen. Dass BASF und Celanese gegenüber [Kunde C]* auf Angebote von Perstorp mit Preisreduzierungen reagiert haben, zeigt, dass Perstorp bereits jetzt eine gewisse wettbewerbliche Kontrolle über BASF und die anmeldenden Parteien ausübt. Tabelle 10 Entwicklung der auf dem "merchant market" verkauften Mengen an n-Butyraldehyd und der Marktanteile im EWR während der letzten vier Jahre >PLATZ FÜR EINE TABELLE> BASF (69) Im Lichte dieser Ausführungen scheint BASF ein starker Wettbewerber zu sein, der über freie Kapazitäten verfügt, um zusätzliche Mengen an n-Butyraldehyd auf dem deutsch-belgischen Markt zu verkaufen. Im Jahr 2002 belief sich BASFs freie Kapazität auf [...]* kt, was [...]* % von BASFs nominaler Kapazität und [über 100 %]* der Volumens des Handelsmarktes entspricht. Anders als Perstorp kann BASF die Abnehmer in Deutschland und Belgien zu günstigen Transportkosten beliefern. BASF könnte ihre freien Kapazitäten daher leicht nutzen, um zusätzliche Marktanteile zu gewinnen, sollte das GU seinen Absatz reduzieren oder die Preise erhöhen. (70) BASF hat auf die Frage nach der auf dem Markt für n-Butyraldehyd verfolgten Strategie angegeben, dass sie zwar in jedem Fall ein aktiver Wettbwerber auf diesem Markt sei, dass sie aber in ihren Geschäftsaktivitäten einen konservativen und langfristigen Ansatz verfolge: Eine plötzliche erhebliche Erhöhung der auf den Markt gebrachten Mengen bringe langfristig keine Gewinne, da die Preise als Folge des erhöhten Ausstoßes auf einem niedrigen Niveau verbleiben würden. Insbesondere müsse der Preis, zu dem Butyraldehyd verkauft werde, im richtigen Verhältnis zu den Preisen der nachgelagerten Produkte stehen, die intern aus Butyraldehyd hergestellt würden, um ideale Bruttomargen zu

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.