Europäische Union

2003/146/EG: Entscheidung der Kommission vom 22. August 2002 über die steuerlichen Maßnahmen für Bankenstiftungen, die Italien durchgeführt hat (C 54/B/2000 (ex NN 70/2000)) (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2002) 3118)

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Avis juridique important | 32003D0146 2003/146/EG: Entscheidung der Kommission vom 22. August 2002 über die steuerlichen Maßnahmen für Bankenstiftungen, die Italien durchgeführt hat (C 54/B/2000 (ex NN 70/2000)) (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2002) 3118) Amtsblatt Nr. L 055 vom 01/03/2003 S. 0056 - 0064 Entscheidung der Kommission vom 22. August 2002 über die steuerlichen Maßnahmen für Bankenstiftungen, die Italien durchgeführt hat (C 54/B/2000 (ex NN 70/2000)) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2002) 3118) (Nur der italienische Text ist verbindlich) (Text von Bedeutung für den EWR) (2003/146/EG) DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN - gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, insbesondere auf Artikel 88 Absatz 2 Unterabsatz 1, nach Aufforderung der Beteiligten zur Äußerung gemäß dem genannten Artikel und unter Berücksichtigung ihrer Stellungnahme(1), in Erwägung nachstehender Gründe: I. DAS VERFAHREN (1) Die Kommission hat aufgrund einer einschlägigen parlamentarischen Anfrage die italienischen Behörden mit Schreiben vom 24. März 1999 gebeten, Angaben zu übermitteln, um die Tragweite und die Auswirkungen des Gesetzes Nr. 461 vom 23. Dezember 1998 (nachstehend "Gesetz 461/98") beurteilen zu können. Mit Schreiben vom 24. Juni und 2. Juli 1999 haben die italienischen Behörden der Kommission Auskünfte über das genannte Gesetz und über das entsprechende Gesetzesdekret Nr. 153 vom 17. Mai 1999 (nachstehend "Dekret 153/99") erteilt. Nach Prüfung der eingegangenen Informationen hat die Kommission mit Schreiben vom 23. März 2000 den italienischen Behörden mitgeteilt, dass das Gesetz und das Dekret Beihilfeelemente enthalten können, und sie aufgefordert, die erwähnten Maßnahmen nicht durchzuführen. Mit Schreiben vom 12. April 2000 haben die italienischen Behörden der Kommission mitgeteilt, dass die Durchführung der Maßnahmen ausgesetzt sei. Weitere Auskünfte wurden der Kommission mit Schreiben vom 14. Juni 2000 erteilt. (2) Die Kommission hat die italienische Regierung mit Schreiben vom 25. Oktober 2000 von ihrem Beschluss in Kenntnis gesetzt, wegen der fraglichen Beihilfe das Verfahren nach Artikel 88 Absatz 2 EG-Vertrag einzuleiten. (3) Der Beschluss der Kommission über die Einleitung des Verfahrens wurde im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften veröffentlicht(2). Die Kommission hat die Beteiligten aufgefordert, sich gegebenenfalls zu den betreffenden Maßnahmen zu äußern. (4) Die Kommission hat Stellungnahmen von Beteiligten erhalten. Am 18. Juni 2001 hat sie diese Stellungnahmen den italienischen Behörden zugeleitet, um ihnen Gelegenheit zur Äußerung zu geben, und hat deren Bemerkungen mit Schreiben vom 25. Juli 2001 erhalten. II. AUSFÜHRLICHE BESCHREIBUNG DER BEIHILFE (5) Mit dem Gesetz 461/98 und dem Dekret 153/99 werden folgende Steuervergünstigungen für Bankenstiftungen eingeführt: 1. Stiftungen, die ihre Satzung nach Maßgabe des Dekrets ändern, gelten als Vereinigungen ohne Erwerbszweck (Artikel 12 Absatz 1 des Dekrets 153/99). Ihnen wird daher die in Artikel 6 des Dekrets des Präsidenten der Republik Nr. 601 vom 29. September 1973 für Organisationen aus den Bereichen Sozialfürsorge, Gesundheit, Bildung und verwandten Sektoren vorgesehene 50-prozentige Ermäßigung des Körperschaftsteuersatzes gewährt (Artikel 12 Absatz 2 des Dekrets 153/99). 2. Veräußerungsgewinne aus der Übertragung von Beteiligungen an Bankgesellschaften werden nicht zur Körperschaftsteuer (IRPEG) oder zur Regionalsteuer auf Produktivtätigkeiten (IRAP) veranlagt, wenn die Übertragung durch die Stiftungen oder durch die Gesellschaften erfolgt, denen die Stiftungen ihre Beteiligungen gemäß dem Gesetz Nr. 218 vom 30. Juli 1990 übertragen haben. Diese Maßnahme findet Anwendung, wenn die Übertragung innerhalb von vier Jahren nach Erlass des Dekrets stattfindet (Artikel 13 des Dekrets 153/99). 3. Steuerliche Neutralität für Transaktionen der Rückübertragung auf die einbringende Einrichtung von Vermögenswerten und Beteiligungen, die für das Bankgeschäft nicht unerlässlich sind und nach dem Gesetz Nr. 218 vom 30. Juli 1990 auf Banken oder andere Gesellschaften übertragen worden waren. Erhebung fester Sätze für einige indirekte Steuern (Artikel 16 Absatz 4, 5 und 6 sowie Artikel 17 des Dekrets 153/99). 4. Steuerliche Neutralität für Transaktionen der Rückübertragung auf die einbringende Einrichtung von Beteiligungen am Kapital der Banca d'Italia, die nach dem Gesetz Nr. 218 vom 30. Juli 1990 auf Banken oder andere Gesellschaften übertragen wurden (Artikel 27 Absatz 2 des Dekrets 153/99). (6) Das Gesetz 461/98 und das Dekret 153/99 sehen darüber hinaus Steuervergünstigungen für Zusammenschlüsse oder Umstrukturierungen von Banken vor. Die Maßnahmen zugunsten der Banken sind Gegenstand der Entscheidung der Kommission vom 11. Dezember 2001 zur Sache C 54/A/2000/EG. (7) Die staatseigenen italienischen Banken, die keine Aktiengesellschaften waren, wurden allmählich in Aktiengesellschaften umgewandelt und dazu schließlich 1993 gesetzlich verpflichtet. Ihre Aktien wurden auf dem Markt platziert oder nicht gewinnorientierten Einrichtungen zugeteilt, die als "Bankenstiftungen" bezeichnet wurden. Die in Erwägungsgrund 5 Ziffer 2 genannten Maßnahmen enthalten die Bedingungen, zu denen die Stiftungen die von ihnen noch gehaltenen Beteiligungen an Bankgesellschaften innerhalb eines Zeitraums von vier Jahren übertragen können. Die Stiftungen sind gehalten, die Kontrolle über die Handelsbanken am Ende aufzugeben. (8) Mit Gesetz Nr. 218 vom 30. Juli 1990 wurden besondere Steuervorschriften eingeführt; danach konnten die Bankenstiftungen, in deren Besitz oder Kontrolle sich die neu gegründeten Banken befanden, letzteren bestimmte Vermögenswerte übertragen. Die in Erwägungsgrund 5 Ziffern 3 und 4 genannten Maßnahmen beziehen sich auf diese Vermögenswerte und enthalten die Bedingungen für die Rückübertragung auf die Bankenstiftungen. (9) Die mit dem Gesetz 461/98 und dem Dekret 153/99 eingeführten Steuervergünstigungen für Bankenstiftungen können nach Ansicht der Kommission aus folgenden Gründen staatliche Beihilfen im Sinne von Artikel 87 EG-Vertrag darstellen: - Die in dem Gesetz 461/98 und dem Dekret 153/99 festgelegten Steuervergünstigungen gelten nur für Bankenstiftungen. Es handelt sich um eine Maßnahme selektiver Art, die durch den Verzicht auf Steuereinnahmen oder durch die Gewährung staatlicher Mittel wirtschaftliche Vorteile verschafft. - Obwohl die Bankenstiftungen gemeinnützige Einrichtungen ohne Erwerbszweck im Sinne des Gesetzes sind und demnach die Steuervorteile nicht an ihre Gesellschafter oder andere Personen weitergeben dürfen, lassen sie sich dennoch als wirtschaftliche Einheiten einstufen, die in gewerblichen Sektoren unternehmerisch tätig sind, und können damit in den Anwendungsbereich von Artikel 87 EG-Vertrag fallen. - Da die Stiftungen ihre Bankbeteiligungen behalten oder Aktionäre anderer Unternehmen werden können, intervenieren sie auf dem Aktienmarkt, der die Eigentums- und Kontrollverhältnisse in den Unternehmen steuert. Die Beihilfen könnten somit zu Wettbewerbsverzerrungen auf diesem Markt führen. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass die Steuervergünstigungen letztlich den Banken und Unternehmen zugute kommen, an denen die Stiftungen beteiligt sind. Dies könnte als staatliche Beihilfe zugunsten dieser Unternehmen gewertet werden, insbesondere in den Fällen, in denen die betreffende Stiftung unter staatlicher Kontrolle steht. Hierdurch könnten Wettbewerbsverzerrungen auf den Märkten entstehen, in denen diese Unternehmen tätig sind. - Den italienischen Behörden zufolge werden die Steuervergünstigungen nur gewährt, wenn die Stiftungen beschließen, die Kontrolle über ihre Bank aufzugeben. Privatisierungen dürften dadurch einfacher werden, was dem Allgemeininteresse entgegenkommt. Dem kann entgegengehalten werden, wie es die zuständige italienische Behörde, nämlich die Kartellbehörde, getan hat, dass die Kontrolle in Artikel 6 des Dekrets 153/99 zu eng definiert ist und die Stiftungen die Kontrolle über ihre Banken de facto behalten können. Eine weiter gefasste Definition des Begriffs "Kontrolle", wie sie das Bankgesetz vorsieht, entspräche eher dem Allgemeininteresse. Aus diesen Gründen hat die Kommission das Verfahren nach Artikel 88 Absatz 2 EG-Vertrag eingeleitet. III. STELLUNGNAHMEN VON BETEILIGTEN (10) Die Kommission hat eine Reihe von Stellungnahmen von den Begünstigten der Maßnahmen erhalten, die weitgehend mit den von den italienischen Behörden angeführten Argumenten übereinstimmen. (11) Wenn das Problem in der Wettbewerbsverzerrung auf dem Markt besteht, der die Eigentums- und Kontrollverhältnisse in den Unternehmen steuert, müssten, so wird bemerkt, sämtliche differenzierten Steuerregelungen zugunsten verschiedener Kategorien von Investoren, einschließlich anderer nicht gewinnorientierter Einrichtungen, in Frage gestellt werden. (12) Ferner wird geltend gemacht, die Steuervergünstigungen dienten als Ausgleich für die Auswirkungen einer Politik, welche die Stiftungen zu einer grundlegenden Änderungen ihrer Satzung, zum Rückzug aus dem Bankgeschäft und zur Veräußerung der Mehrheitsbeteiligungen an Banken, die in gewerblichen Sektoren unternehmerisch tätig sind, gezwungen habe. (13) Die Steuervergünstigungen für die Stiftungen ließen sich keinesfalls auf die Empfänger-Bankgesellschaften oder auf Gewerbebetriebe übertragen, sondern damit erhöhten sich lediglich die Mittel, welche die Stiftungen der Verfolgung ihrer sozialen Ziele zuwenden können. Die in Rede stehenden Vorteile führten folglich nicht zu Wettbewerbsverzerrungen. (14) Bei der Ermäßigung des Körperschaftsteuersatzes handele es sich um eine ähnliche Steuervergünstigung, wie sie Vereinigungen und Stiftungen in den Mitgliedstaaten gemeinhin gewährt wird. (15) Sofern die Maßnahmen staatliche Beihilfen darstellen sollten - was als Annahme verworfen wird -, würde es sich um nach Artikel 87 Absatz 3 Buchstabe d) mit dem Gemeinsamen Markt vereinbare Beihilfen handeln. Den Daten über die Tätigkeiten der Stiftungen im Jahr 1998 zufolge seien 56 % dieser Aktivitäten auf die Förderung und Erhaltung von Kultur- und Umweltgütern ausgerichtet. Dies sei einer der wenigen Bereiche, in denen die Stiftungen tätig werden dürfen und müssen. (16) Überdies wird darauf verwiesen, dass das Gesetz Nr. 218 vom 30. Juli 1990 zur Einführung ähnlicher Vergünstigungen von der Kommission nicht in Frage gestellt worden sei. Die Kommission sei sich über den Inhalt des Gesetzes 218/90 im Klaren gewesen, weil sie in den Fällen, in denen es um Beihilfen an die Banco di Napoli und die Banco di Sicilia und Sicilcassa(3) ging, dieses Gesetz - wenn auch indirekt - zu berücksichtigen hatte. Sollten die in dem Dekret 159/99 vorgesehenen Maßnahmen als unvereinbare Beihilfen gelten, würde damit gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen. Der Gerichtshof hatte entschieden, dass: "der Kommission eine Diskriminierung nur vorgeworfen werden kann, wenn sie vergleichbare Sachverhalte in unterschiedlicher Weise behandelt und dadurch bestimmte Betroffene gegenüber anderen benachteiligt hat, ohne dass diese Ungleichbehandlung durch das Vorliegen objektiver Unterschiede von einigem Gewicht gerechtfertigt wäre"(4). Dies sei der Fall, wenn das Dekret 159/99 anders bewertet würde als das Gesetz 218/90. (17) Außerdem hätten die Empfänger insofern legitime Erwartungen gehegt, als die Kommission das Gesetz 218/90 nicht für unvereinbar erklärt hatte, weshalb die Rückforderung der Beihilfe ausgeschlossen werden sollte, selbst wenn sie für unvereinbar befunden würde. IV. BEMERKUNGEN ITALIENS (18) In ihrer Erwiderung auf die Einleitung des Verfahrens machte die italienische Regierung geltend, Bankenstiftungen könnten nicht als "Unternehmen" im Sinne der Wettbewerbsregeln angesehen werden. Mit dem Gesetzesdekret Nr. 356 vom 20. November 1990 ("Dekret 356/90") wurden der Tätigkeit der Stiftungen klare Grenzen gesetzt: Sie müssen im öffentlichen Interesse handeln, gemeinnützige Ziele verfolgen und dürfen nur in ganz bestimmten Bereichen tätig sein. Nach dem Dekret 356/90 sind die Stiftungen zudem verpflichtet, ihre Bankbeteiligungen wie eine rein finanzielle Investition zu verwalten. Der Gerichtshof hat klargestellt, dass der bloße Erwerb und das bloße Halten von Gesellschaftsanteilen nicht als wirtschaftliche Tätigkeiten angesehen werden müssen(5). (19) Diese Ausrichtung wird durch das Dekret 153/99 bestätigt. In Artikel 1 Buchstabe d) sind die Bereiche ("relevante Bereiche") aufgeführt, in denen die Stiftungen tätig sein dürfen: wissenschaftliche Forschung, Bildung, Kunst, Erhaltung und Förderung von Kulturgütern, kulturellen Aktivitäten und Umweltgütern, Gesundheit und Unterstützung sozial schwacher Gruppen. Artikel 6 Absatz 1 bestimmt, dass die Stiftungen nur in den relevanten Bereichen tätige Unternehmen kontrollieren oder direkt betreiben dürfen ("imprese strumentali"). Nach Artikel 3 Absatz 2 ist es den Stiftungen untersagt, Einrichtungen mit Erwerbszweck oder Unternehmen gleich welcher Art, mit Ausnahme der besagten Unternehmen, direkt oder indirekt zu finanzieren. Tätigkeitsbereich und Gesellschaftszweck der unerlässlichen Unternehmen müssen mit denjenigen der Stiftung übereinstimmen. Eine rein "kommerzielle" Politik darf von ihnen nicht verfolgt werden. (20) Stiftungen dürfen faktisch nur gemeinnützige Tätigkeiten finanzieren oder betreiben; diesen Tätigkeiten müssen sie mindestens 50 % ihres Jahreseinkommens zuwenden. Die italienischen Behörden berufen sich auf das Urteil des Gerichtshofs in der Rechtssache Poucet e Pistre, in dem es heißt: "Die Krankenkassen oder die Einrichtungen, die bei der Verwaltung der öffentlichen Aufgabe der sozialen Sicherheit mitwirken, erfuellen eine Aufgabe mit ausschließlich sozialem Charakter. Diese Tätigkeit beruht nämlich auf dem Grundsatz der nationalen Solidarität und wird ohne Gewinnzweck ausgeübt. Die Leistungen werden von Gesetzes wegen und unabhängig von der Höhe der Beiträge erbracht. Folglich ist diese Tätigkeit keine wirtschaftliche Tätigkeit, und die mit ihr betrauten Einrichtungen sind daher keine Unternehmen im Sinne der Artikel 85 und 86 EWG-Vertrag"(6). Den italienischen Behörden zufolge sollten für Stiftungen ähnliche Erwägungen gelten. (21) Stiftungen dürfen nicht aufgrund dessen, dass sie Bankbeteiligungen halten, als Unternehmen angesehen werden. Dem Dekret 153/99 zufolge müssen die Stiftungen die Kontrolle innerhalb von vier Jahren aufgeben. Der Begriff Kontrolle ist weiter definiert als im Zivilgesetzbuch, da er auch die Kontrolle umfasst, die durch mit anderen Gesellschaftern geschlossene Vereinbarungen ausgeübt wird. Seine Definition ist auch weiter gefasst als in der Richtlinie 80/723/EWG der Kommission vom 25. Juni 1980 über die Transparenz der finanziellen Beziehungen zwischen den Mitgliedstaaten und ihren öffentlichen Unternehmen(7). Darüber hinaus legt das Dekret 153/99 fest, dass das Amt des Stiftungsverwalters mit dem Amt des Geschäftsführers der Bank, an denen die Stiftungen beteiligt sind, unvereinbar ist. (22) Ebenso wie die Stiftungen können die "imprese strumentali" nicht als Unternehmen im Sinne von Artikel 87 Absatz 1 betrachtet werden, da sie ausschließlich in den relevanten Bereichen und zur unmittelbaren Erfuellung der satzungsgemäßen Ziele der Stiftung tätig sein dürfen. (23) Die Maßnahme des Erwägungsgrunds 5 Ziffer 1 stellt keine Ausnahme von den allgemeinen Steuervorschriften dar, sondern bestätigt lediglich die Anwendung einer generellen Bestimmung des italienischen Steuerrechts auf die Stiftungen. Der Erlass des Präsidenten der Republik Nr. 601 vom 29. September 1973 sieht für sämtliche in den Bereichen Sozialfürsorge, Gesundheit, Bildung und verwandten Sektoren tätigen Einrichtungen eine Ermäßigung des Körperschaftsteuersatzes vor. (24) Was die Maßnahmen des Erwägungsgrundes 5 Ziffer 2 anbelangt, so verschaffen sie den Stiftungen keinen Vorteil, sondern verhindern lediglich ihre weitere Benachteiligung durch die Zwangsveräußerung der in ihrem Besitz befindlichen Aktien. Eventuelle Gewinne würden nämlich nicht durch eine übliche, von dem Akteur beschlossene Transaktion, sondern durch einen gesetzlich vorgeschriebenen Vorgang erzielt: die Anwendung der normalen Steuervorschriften wäre ungerechtfertigt. (25) Die Maßnahmen des Erwägungsgrunds 5 Ziffern 3 und 4 betreffen mit Gesetz Nr. 218 vom 30. Juli 1990 auf die Banken übertragene Anlagevermögen und Beteiligungen an für den Stiftungszweck unerlässlichen Geschäften. Als die staatlichen Banken in Aktiengesellschaften im Besitz der Bankenstiftungen umgewandelt wurden, übertrugen die Akteure diese Beteiligungen den Banken anstatt der Stiftung, um die Besteuerung des Wertzuwachses dieses Vermögens zu vermeiden. Im Fall der Beteiligungen am Kapital der Banca d'Italia bot sich sodann nicht mehr die Möglichkeit, diese Beteiligungen der Stiftung zu übertragen. Nach dem Gesetz Nr. 141 vom 7. März 1938 gehörten die neu gegründeten Stiftungen nicht mehr zu den Einrichtungen, die Kapitalanteile an der Banca d'Italia halten durften. Das Dekret 153/99 hat diese Vorschrift geändert und den Stiftungen den Erwerb der Beteiligungen ermöglicht. (26) Den italienischen Behörden zufolge beinhalten die Maßnahmen des Erwägungsgrunds 5 Ziffern 3 und 4 keine Verwendung staatlicher Mittel. Der Steuervorteil wird nicht automatisch gewährt, sondern nach Durchführung spezifischer Transaktionen. Ohne Steuererleichterung wären die entsprechenden Transaktionen wahrscheinlich nicht durchgeführt worden. (27) Des Weiteren wird geltend gemacht, dass die Maßnahmen des Erwägungsgrunds 5 Ziffern 3 und 4 nur unter bestimmten Umständen eine Ausnahme von den üblichen Vorschriften vorsehen. Bei sämtlichen Unternehmen aller Sektoren wurden Spaltungen bereits steuerlich neutral behandelt, während in einer Reihe von Situationen für einige indirekte Steuern bereits feste Sätze berechnet worden sind. (28) Die in Rede stehenden Maßnahmen verschaffen außerdem nicht notwendigerweise einen wirtschaftlichen Vorteil. Sie ermöglichen die steuerneutrale Übertragung der betreffenden Vermögenswerte auf die Stiftungen, so dass etwaige Veräußerungsverluste nicht zu einem Steuererstattungsanspruch berechtigen. Darüber hinaus stellt die steuerlich neutrale Behandlung keine Steuerbefreiung dar: die Steuerlast geht auf den neuen Eigentümer der Vermögenswerte über, der - in den durch das Steuerrecht vorgesehenen Fällen - für den gesamten Veräußerungsgewinn steuerpflichtig ist. (29) Selbst wenn die Maßnahmen zur Befreiung von einer Steuer führten, die ansonsten hätte entrichtet werden müssen, ist aufgrund der Besonderheit der betreffenden Transaktionen auf jeden Fall eine steuerliche Sonderbehandlung gerechtfertigt. Es handelt sich nicht um übliche Veräußerungen von Vermögenswerten, sondern um Korrekturen der Auswirkungen vorhergehender, unfreiwilliger Übertragungen. Die in Rede stehenden Vermögenswerte hätten eigentlich bei den Stiftungen verbleiben sollen, sind aber entweder aufgrund einer gesetzlichen Verpflichtung (im Fall der Beteiligungen an dem Kapital der Banca d'Italia) oder um keine Steuern zahlen zu müssen (im Fall der Ausrüstungsgüter, die zur Realisierung des Stiftungszwecks unerlässlich sind) vorübergehend an die Gesellschaften, an denen eine Beteiligung besteht, veräußert worden. (30) Die in dem Dekret 153/99 vorgesehenen Maßnahmen führen zu keinen Wettbewerbsverzerrungen auf einem Markt, auf dem ein Handel zwischen Mitgliedstaaten stattfindet. Die Veräußerung der Beteiligungen unterliegt dem Gebot der Nichtdiskriminierung und wird von der Aufsichtsbehörde überwacht. Die Behörde prüft, ob der Verkaufspreis im Hinblick auf die Erhaltung des Stiftungsvermögens angemessen ist. Die Steuervergünstigungen zugunsten der Stiftungen beeinträchtigen demnach nicht die Wettbewerbsbedingungen auf dem Markt für Aktienbeteiligungen. (31) Die Steuervergünstigung darf weder direkt noch indirekt anderen Einrichtungen als der Stiftung selbst oder ihren unerlässlichen Unternehmen zugute kommen. Die unerlässlichen Unternehmen müssen die gleichen sozialen Zielsetzungen verfolgen wie die Stiftungen, und sie funktionieren nicht nach den üblichen Marktkriterien. Sie können nicht als Unternehmen im Sinne von Artikel 87 Absatz 1 gelten. Ihre Tätigkeit ist auf jeden Fall auf den lokalen Bereich beschränkt: 93,8 % der von den Stiftungen finanzierten Projekte werden in der Region durchgeführt, in der die Stiftung selbst ihren Sitz hat. Die Stiftungen werden typisch lokalen Anforderungen gerecht, denen von Akteuren anderer Mitgliedstaaten nicht entsprochen würde. Außerdem ist in den Bereichen wissenschaftliche Forschung, Bildung, Kunst, Erhaltung und Förderung von Kulturgütern, kulturellen Aktivitäten und Naturgütern, Gesundheit und Unterstützung sozial schwacher Gruppen die Präsenz von Wirtschaftsteilnehmern begrenzt. (32) Sofern die Maßnahmen staatliche Beihilfen darstellen sollten - was als Annahme verworfen wird -, müssen sie nach Artikel 87 Absatz 3 Buchstabe c) als mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar angesehen werden. Die Maßnahmen beeinträchtigen nicht die Handelsbedingungen in einem Maße, das dem gemeinsamen Interesse zuwiderläuft, und dienen der Erleichterung eines Prozesses, nämlich des Rückzugs des Staates aus der Wirtschaft, wie er in zahlreichen Fällen von der Europäischen Union gefördert und unterstützt wurde. V. WÜRDIGUNG DER MASSNAHMEN Regelung für Bankenstiftungen (33) Bankenstiftungen werden von einer speziellen Behörde überwacht. Durch die Beaufsichtigung der Stiftungen sollen die Einhaltung des Gesetzes und der Satzungen, die umsichtige und vorsichtige Geschäftsführung der Stiftungen, die Rentabilität der Vermögen sowie der effektive Schutz der tatsächlichen und potenziellen Begünstigten kontrolliert werden. Dazu kann die Aufsichtsbehörde Verwaltungsbestimmungen erlassen, die insbesondere Vorschriften über Vermögensverwaltung, Investitionen, Verwendungszweck der Einkünfte sowie Bilanzen festlegen. Im Fall schwerwiegender und wiederholter Unregelmäßigkeiten bei der Geschäftsführung kann die Aufsichtsbehörde die Stiftungsorgane auflösen und einen Sonderkommissar bestellen; sind die satzungsgemäßen Ziele nicht erreichbar, kann die Behörde die Liquidation der Stiftung verfügen. Bei Vorliegen besonderer Gründe kann die Aufsichtsbehörde die verwaltungsbehördliche Zwangsliquidation anordnen(8). Die Aufsichtsbehörde ist schließlich zur Veräußerung von Mehrheitsbeteiligungen befugt. (34) Bankenstiftungen dürfen nur in den so genannten "zugelassenen Bereichen" tätig sein. Die Liste der zugelassenen Bereiche ist in Artikel 1 Absatz 1 Buchstabe c-bis des Gesetzesdekrets Nr. 153 vom 17. Mai 1999 (Dekret 153/99) in seiner durch das Gesetz Nr. 448 vom 28. Dezember 2001 (Gesetz 448/01) geänderten Fassung enthalten(9). Diese Bereiche sind in vier große Sektoren gegliedert: 1. Schutz und Entwicklung der Person; 2. soziale Sicherheit; 3. wissenschaftliche und technologische Forschung, Umweltschutz; 4. Kunst, Schutz des Kulturerbes und Förderung kultureller Aktivitäten(10). Die Bankenstiftungen sind allerdings gehalten, ihre Tätigkeiten auf die so genannten "relevanten Bereiche" zu konzentrieren. Unter "relevanten Bereichen" sind die "zugelassenen Bereiche" zu verstehen, die von jeder Stiftung als konkretes Betätigungsfeld gewählt werden. Die Stiftungen müssen alle drei Jahre bis zu drei relevante Bereiche aussuchen. Die relevanten Bereiche bilden das vorrangige Wirkungsfeld der Bankenstiftungen, die mindestens 50 % ihres jährlichen Nettoeinkommens diesen Bereichen zuwenden müssen. (35) Die "relevanten Bereiche" grenzen auch das Gebiet ab, in dem die Bankenstiftungen zur Ausübung unternehmerischer Tätigkeiten und zur Haltung von Mehrheitsbeteiligungen in Handelsgesellschaften berechtigt sind. Gemäß Artikel 3 Absatz 1 des Dekrets 153/99 dürfen Bankenstift

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.