Europäische Union

2003/215/EGKS: Entscheidung der Kommission vom 21. November 2001 zur Genehmigung des Zusammenschlusses von Arbed S.A., Aceralia Corporación Siderúrgica S.A. und Usinor S.A. zu Newco Steel (Sache COMP/EGKS.1351 — Usinor/Arbed/Aceralia) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3696)

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Avis juridique important | 32003D0215 2003/215/EGKS: Entscheidung der Kommission vom 21. November 2001 zur Genehmigung des Zusammenschlusses von Arbed S.A., Aceralia Corporación Siderúrgica S.A. und Usinor S.A. zu Newco Steel (Sache COMP/EGKS.1351 — Usinor/Arbed/Aceralia) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3696) Amtsblatt Nr. L 088 vom 04/04/2003 S. 0001 - 0038 Entscheidung der Kommission vom 21. November 2001 zur Genehmigung des Zusammenschlusses von Arbed S.A., Aceralia Corporación Siderúrgica S.A. und Usinor S.A. zu Newco Steel (Sache COMP/EGKS.1351 - Usinor/Arbed/Aceralia) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 3696) (Nur der englische Text ist verbindlich) (2003/215/EGKS) DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN - gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, insbesondere auf Artikel 66 Absatz 2, gestützt auf die Mitteilung der Kommission über die Angleichung der Bearbeitungsverfahren nach dem EGKS- und dem EG-Vertrag(1), gestützt auf die Anmeldung der beteiligten Unternehmen vom 18. Juni 2001 und spätere Angaben, gestützt auf das Schreiben der Kommission vom 19. Juli 2001, in dem sie den beteiligten Unternehmen ihre erheblichen Zweifel darlegte, nachdem den beteiligten Unternehmen Gelegenheit gegeben wurde, sich zu den Beschwerdepunkten der Kommission zu äußern, in Kenntnis des Abschlussberichts des Anhörungsbeauftragten(2), in Erwägung nachstehender Gründe: (1) Am 18. Juni 2001 erhielt die Kommission eine Anmeldung nach Artikel 66 EGKS-Vertrag über ein Zusammenschlussvorhaben, wonach die Unternehmen Arbed S.A. ("Arbed", Luxemburg), Aceralia Corporación Siderúrgica S.A. ("Aceralia", Spanien), beherrscht durch Arbed(3), sowie Usinor S.A. ("Usinor", Frankreich) zu einem neuen Unternehmen mit der vorläufigen Bezeichnung Newco Steel ("Newco", soll in Luxemburg niedergelassen sein) im Wege eines öffentlichen Angebots zum Tausch der Aktien von Aceralia, Arbed und Usinor gegen diejenigen des neuen Unternehmens fusionieren sollen. (2) Nach Prüfung der Anmeldung ist die Kommission zu dem Schluss gelangt, dass der geplante Zusammenschluss unter den Geltungsbereich von Artikel 66 EGKS-Vertrag in Verbindung mit dessen Artikel 80 fällt. Soweit das Vorhaben Erzeugnisse oder Märkte betrifft, die nicht unter den Geltungsbereich des EGKS-Vertrags fallen (und zwar lasergeschweißte Stahlplatinen, Profilstahl für das Baugewerbe, Verbundplatten und Stahlröhren), findet die Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates vom 21. Dezember 1989 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen(4), zuletzt geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 1310/97(5), Anwendung(6). Die vorliegende Entscheidung betrifft nur die Teile des Vorhabens, die unter den Geltungsbereich des EGKS-Vertrags fallen. I. DIE BETEILIGTEN UNTERNEHMEN (3) Aceralia ist eine nach spanischem Recht als Sociedad Anónima gegründete Gesellschaft und wird von Arbed beherrscht. Sie ist der größte Stahlerzeuger Spaniens und fertigt und vertreibt Flachstahl-, Langstahl- und weiterverarbeitete Stahlerzeugnisse. Diese Tätigkeiten fallen unter den EGKS-Vertrag. Das Unternehmen fertigt auch bestimmte Arten von kleinen kohlenstoffgeschweißten Rohren und Erzeugnissen für die Baubranche und übt Umwandlungstätigkeiten aus. Diese Tätigkeiten fallen unter den EG-Vertrag. (4) Arbed ist eine nach luxemburgischem Recht als Société Anonyme gegründete Gesellschaft. Sie ist einer der großen europäischen Stahlerzeuger mit bedeutenden Betrieben in Belgien, Deutschland, Italien, Brasilien und den USA. Ihre Haupttätigkeit besteht insbesondere aus der Erzeugung und dem Vertrieb von Stahlerzeugnissen (darunter schwere und leichte Lang-, Flach- und Edelstahlerzeugnisse), dem Schrotthandel und dem Vertrieb einiger Rohstoffe für die Stahlindustrie (insbesondere Ferrolegierungen und Nichteisenmetalle). Arbed übt ausserdem im technischen Bereich bestimmte andere Tätigkeiten aus. Diese Tätigkeiten fallen teilweise unter den EGKS-Vertrag und teilweise unter den EG-Vertrag. Die Aceralia erwirtschaftete im Jahr 2000 zusammen mit ihrer Obergesellschaft Arbed einen weltweiten Umsatz von 13,232 Mrd. EUR. (5) Usinor ist eine nach französischem Recht als Société Anonyme gegründete Gesellschaft. Sie ist einer der größten Stahlerzeuger in der Gemeinschaft und verfügt über Betriebe in Belgien, Deutschland, Italien, Spanien und den USA. Sie fertigt, verarbeitet und vertreibt Stahlerzeugnisse (insbesondere Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse und Erzeugnisse aus Edelstahl und sonstigem legiertem Stahl). Diese Tätigkeiten fallen teilweise unter den EGKS-Vertrag und teilweise unter den EG-Vertrag. Usinor erwirtschaftete im Jahr 2000 einen weltweiten Umsatz von 15,733 Mrd. EUR. II. ANGEMELDETE MASSNAHME (6) Angemeldet wurde die rechtlich uneingeschränkte Fusion mit vollständiger Verschmelzung aller Geschäftstätigkeiten von Aceralia, Arbed und Usinor. Zu diesem Zweck wird eine einzige, neue juristische Person namens Newco Steel ("Newco") geschaffen, die als voll integrierter Konzern aufgebaut ist. Die Newco, die nach luxemburgischem Recht als Société Anonyme gegründet werden soll, ist für den Zweck vorgesehen, dass ein Angebot zum Tausch ihrer Aktien gegen das gesamte ausgegebene Aktienkapital jeder der Beteiligten gemacht werden kann. Dabei werden drei getrennte, gleichzeitig erfolgende, bedingte Tauschangebote für sämtliche Stammaktien von Aceralia, Arbed und Usinor gemacht, die sich zum Zeitpunkt der Angebote im Umlauf befinden. Alle drei Angebote gelten unter der Bedingung, dass mindestens 75 % der ausgegebenen Aktien von Aceralia, Arbed und Usinor angenommen werden. Nach vollständigem Abschluss der Angebotstransaktion halten die Aktionäre von Aceralia ca. 20,1 % der Newco, die von Arbed ca. 23,4 % und die Usinor-Aktionäre die verbleibenden 56,5 %. III. ZUSAMMENSCHLUSS (7) Wegen ihrer Tätigkeiten in der Herstellung und im Verkauf von Stahlprodukten handelt es sich bei den die Anmeldung vornehmenden Beteiligten um Unternehmen im Sinne von Artikel 80 EGKS-Vertrag. Daher stellt die angemeldete Transaktion einen Zusammenschluss im Sinne von Artikel 66 Absatz 1 EGKS-Vertrag dar. IV. VERFAHREN (8) Am 19. Juli 2001 beschloss die Kommission, eine eingehende Untersuchung des geplanten Zusammenschlusses einzuleiten, soweit EGKS-Erzeugnisse betroffen sind, da die Maßnahme Anlass zu schwerwiegenden Bedenken gibt, dass die Beteiligten hierdurch die Möglichkeit erhalten, einen wirklichen Wettbewerb zu verhindern oder die Wettbewerbsregeln des EGKS-Vertrags zu umgehen. Die Beteiligten wurden von der Vertiefung der Untersuchung mit Schreiben vom 19. Juli unterrichtet. (9) Am 28. September 2001 hatte die Kommission gemäß Artikel 66 EGKS-Vertrag und Absatz 4 der Mitteilung über die Angleichung der Bearbeitungsverfahren nach dem EGKS- und dem EG-Vertrag eine Mitteilung der Beschwerdepunkte angenommen, in der sie die vorläufige Schlussfolgerung vertrat, dass die geplante Fusion den Parteien die Möglichkeit geben würde, wirklichen Wettbewerb zu verhindern oder die Wettbewerbsvorschriften des EGKS-Vertrags zu umgehen. (10) Zu den Nicht-EGKS-Erzeugnissen, die unter den vorgeschlagenen Zusammenschluss fallen, hat die Kommission am 19. Juli 2001 entschieden, dass die Transaktion keinen Anlass zu ernsthaften Zweifeln hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt oder mit der Geltung des EWR-Vertrags gibt(7). V. WÜRDIGUNG NACH ARTIKEL 66 ABSATZ 2 EGKS-VERTRAG A. HINTERGRUND: DIE STAHLINDUSTRIE 1. PRODUKTIONSVERFAHREN (11) Bevor auf die relevanten Produktmärkte im Einzelnen eingegangen wird, soll zweckmäßigerweise der Rahmen beschrieben werden, innerhalb dessen die Branche tätig ist. Stahl ist einer der wichtigsten Stoffe, die in unserer Gesellschaft Verwendung finden. Er ist in den Gebäuden vorhanden, in denen wir wohnen und arbeiten, in den Verkehrsmitteln, die wir nutzen, und er ist von wesentlicher Bedeutung bei der Erzeugung und Verteilung der Lebensmittel und Getränke, die wir konsumieren. Darüber hinaus handelt es sich dabei um einen Rohstoff, der für die weit überwiegende Mehrheit der übrigen, wenn nicht alle, verarbeitenden Industrien von entscheidender Bedeutung ist. (12) Die Stahlerzeugung ist überaus kapitalintensiv. Die Wirtschaftlichkeitsschwelle ist hoch, wobei die in diesem Sektor erforderlichen Investitionen sehr spezieller Art sind. Infolgedessen bestehen sehr hohe Eintrittsschranken. Die vertikale Integration ist mit sehr wenigen Ausnahmen die Regel. Die meisten Erzeuger beherrschen einen wichtigen Teil der Produktionskette; viele von ihnen sind in die nachgelagerten Bereiche Stahlvertrieb und Erstumwandlungsprodukte, wie Röhren, Bleche und Profile, integriert. (13) Die erste wichtige Differenzierung in der Stahlindustrie betrifft im Wesentlichen die chemische Zusammensetzung des Stahls. Es lassen sich beim Stahl drei Hauptarten unterscheiden: Kohlenstoffstahl, Edelstahl und Sonder- oder legierte Stähle. Für die Zwecke dieser Entscheidung besteht keine Notwendigkeit zur weiteren Behandlung der legierten Stähle, da hierzu keine problematischen Fragen bestehen. (14) Kohlenstoffstahl ist der am meisten verbreitete Stahl und wird in vielfältigsten Anwendungsbereichen eingesetzt, darunter für Karosserien, Getränkedosen, Balkenträger und Bewehrungsstoffe für die Baubranche usw. Edelstahl enthält erhebliche Anteile an Chrom und Nickel und ist daher bei weitem kostspieliger als Kohlenstoffstahl. Daher wird er in erster Linie für Anwendungsbereiche eingesetzt, die Korrosions- bzw. Hitzebeständigkeit voraussetzen. (15) Die physikalischen Eigenschaften von Stählen lassen sich durch Veränderungen der chemischen Zusammensetzung oder durch die Art der Bearbeitung während der Fertigung oder durch nachgelagerte Herstellungsverfahren modifizieren. So werden sowohl Getränkedosen, die ein sehr formfähiges Material erfordern, als auch Messer, für die sehr harte Materialien notwendig sind (um ihre Schärfe zu erhalten), aus unterschiedlichen Kohlenstoffstählen hergestellt. (16) Heute gibt es zwei Stahlherstellungsverfahren, auf die nahezu die gesamte weltweite Stahlerzeugung entfällt: das integrierte Herstellungsverfahren und das Herstellungsverfahren im Elektrostahlwerk. Das integrierte Herstellungsverfahren ist am kapitalintensivsten und umfasst die Erzeugung von Flüssigeisen aus Eisenerz, Koks und Kalkstein. Das Flüssigeisen wird anschließend in einem Sauerstoffkonverter in Stahl umgewandelt. In dieser Stufe oder in einem getrennten Behälter wird die Anpassung der endgültigen chemischen Zusammensetzung vorgenommen. Die andere Möglichkeit der Herstellung ist das Elektrostahlwerk, in welchem Schrott (gelegentlich auch direkt reduziertes Eisen oder Roheisen) geschmolzen wird. Anschließend werden Zusätze eingebracht, um die gewünschte chemische Formulierung zu erhalten. Der Flüssigstahl wird dann fortlaufend in Halbfertigerzeugnisse gegossen, die durch Auswalzen in die verschiedenen Stahlerzeugnisse weiterverarbeitet werden. (17) Generell werden die Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse, die zu den Wettbewerbsproblemen führen, mit denen sich diese Entscheidung befasst, mit dem integrierten Herstellungsverfahren produziert, da hierbei Stahl ohne die unerwünschten Begleitelemente erzeugt werden kann, das in Schrott enthalten ist. Flacherzeugnisse minderer Qualität lassen sich zwar im Elektrostahlwerk erzeugen, für Einsatzbereiche, bei denen Stahl benötigt wird, der frei ist von unerwünschten Begleitelementen, ist das integrierte Herstellungsverfahren jedoch unumgänglich. (18) Unabhängig vom Herstellungsverfahren wird der Stahl laufend in Halbfertigerzeugnisse, in Knüppel und Luppen für Langerzeugnisse sowie in Brammen für Flacherzeugnisse gegossen. Die Brammen werden anschließend in Quartobleche und Bandstahl (auf Breit- oder Schmalbandwalzwerken) warmgewalzt. Der Breitbandstahl kann anschließend in schmalere Breiten geschnitten bzw. zu Blechen abgelängt werden. Praktisch alle Quartobleche, warmgewalzte Schmalbandstücke und Stahlbleche werden in diesem Zustand verkauft und vom Stahlerzeuger nicht weiter umgewandelt. (19) Teilweise wird das warmgewalzte breite Bandeisen direkt an die Kunden verkauft, u. a. an Stahl-Servicecenter, die es spalten oder schneiden. Ein Großteil des warmgewalzten Bandeisens wird zur Erzeugung kaltgewalzter Streifen weiterverarbeitet, die dünner sind und über eine höherwertige Oberfläche verfügen. Teilweise wird das kaltgewalzte Material in dieser Phase ebenfalls weiterverkauft, ein erheblicher Teil wird jedoch metallbeschichtet, und zwar mit Zinn oder Chrom für die Dosenindustrie oder mit Zink. Zink schützt den Stahl vor Korrosion und kann durch Eintauchen der Stahlstreifen in ein Bad von geschmolzenem Zink (feuerverzinktes Bandeisen) oder elektrolytisch (galvanisch verzinktes Bandeisen) aufgetragen werden. Hauptabnehmer für verzinkten Bandstahl sind die Automobilindustrie und die Baubranche. Mit Ausnahme von einigem (überwiegend feuer-) verzinktem Material, das organisch beschichtet wird, wird das beschichtete Material überwiegend als Verpackungsstahl oder als feuer- oder galvanisch verzinkter Bandstahl verkauft. (20) Elektrostahlwerke befinden sich im Regelfall in der Nähe von Schrottquellen. Die integrierten Werke lassen sich in die generell moderneren küstennahen Werke und in binnenländische Anlagen unterteilen. Die Standorte der Werke im Binnenland richteten sich früher nach der örtlichen Verfügbarkeit von Eisenerz und Kohle. In Europa wird heute nahezu das gesamte Eisenerz und praktisch sämtliche Kohle, die zur Stahlerzeugung dienen, eingeführt. Dies verschafft küstennahen Werken, insbesondere solchen mit Tiefwasserhäfen, bestimmte Vorteile. (21) Innerhalb des Produktionsablaufs ist offenkundig, dass nicht alle Erzeugnisse denselben Mehrwert aufweisen. Hieraus ergeben sich unterschiedliche Rentabilitätsstufen. Mit nachgelagerten Erzeugnissen sind daher auch ein höherer Mehrwert und spürbar höhere Gewinne vor Steuern und Abschreibungen verbunden, wie aus Schaubild 1 hervorgeht. SCHAUBILD 1 Indikatives Preisniveau (Warmband = 100) [SCHAUBILD GELÖSCHT]*(8) Quelle: Beteiligte Unternehmen. (22) Der Absatz von Flachstahlerzeugnissen in der EU im Jahr 2000 ist Tabelle 1 zu entnehmen. TABELLE 1 Gemeinschafts-Absatz von Flachstahlerzeugnissen im Jahr 2000 >PLATZ FÜR EINE TABELLE> Quelle: Beteiligte Unternehmen. 2. STAHLHERSTELLER (23) Die Beteiligten geben an, die europäische Stahlindustrie weise keinen besonders hohen Konzentrationsgrad auf. In der Vergangenheit mag dies zwar zutreffend gewesen sein, in den letzten zehn Jahren ist es jedoch zu einer erheblichen Konzentration gekommen. Heute gibt es fünf große Stahlunternehmen, und zwar Usinor, TKS, Corus, Riva und Arbed/Aceralia. Danach kommt eine Reihe Erzeuger, darunter Voest-Alpine, Rautaruuki, Salzgitter, Duferco und SSAB, die erheblich kleiner sind. Je nach betrachtetem Produktmarkt entfallen auf den Absatz der fünf größten Erzeuger zwischen 50 % und 85 % des Gesamtverbrauchs. (24) Die erste Gruppe der Stahlhersteller besteht aus Großkonzernen, die auf allen Produktionsebenen in der Stahlerzeugung tätig sind; TKS, Arbed/Aceralia und Usinor produzieren darüber hinaus auch Edelstahl (Corus ist am Edelstahlhersteller Avesta Polarit beteiligt). Zudem verfügen Corus und Arbed/Aceralia über sehr umfangreiche Langerzeugnisbetriebe. Die Konzerne sind ausnahmslos aus Zusammenschlüssen der jüngeren Zeit entstanden. Usinor hat dabei Cokerill Sambre übernommen, das seinerseits Ekostahl erworben hatte. TKS ist das Ergebnis mehrerer Zusammenschlüsse in Deutschland, und zwar zwischen Krupp und Hoesch, worauf die Fusion mit Thyssen folgte. Corus ist das Ergebnis einer Fusion zwischen British Steel und Hoogovens. Arbed hat die Stahlwerke Bremen übernommen und hat anschließend eine Mehrheitsbeteiligung an der Aceralia erworben, die seither Ucin und Aristrain übernommen hat. Riva hat die privatisierte ILVA gekauft. (25) Diese Großerzeuger üben ihre Tätigkeit an zahlreichen Standorten in mehreren europäischen Ländern und in Drittländern aus. Sie verfügen über integrierte Standorte, an denen Stahl aus Kohle und Eisenerz erzeugt und weiterverarbeitet wird, und können eine sehr breite Palette von Flacherzeugnissen anbieten. Größtenteils fertigen sie auch Edelstahl- und Langerzeugnisse. Außerdem betätigen sie sich im Stahlvertrieb und in der Herstellung nachgelagerter Erzeugnisse. So verfügt Riva, der kleinste Konzern dieser Gruppe, über 44 Produktionsstandorte verschiedener Größen, darunter auch das gewaltige integrierte Stahlwerk in Taranto. (26) Die zweite Gruppe von Stahlherstellern betrifft kleinere europäische Erzeuger, die nicht über ein nach Umfang und Vielfalt vergleichbares Produktangebot wie die führenden Marktteilnehmer verfügen, sondern sich auf Nischenmärkte (nach Erzeugnissen bzw. Regionen) konzentrieren. Zu dieser Gruppe zweitrangiger Marktteilnehmer gehören die über integrierte Werke verfügenden Flacherzeugnishersteller Voest-Alpine, Rautaruukki, SSAB und Salzgitter. Wie von einem dieser Unternehmen in einem der Fragebögen der Kommission festgestellt wurde, "betrachtet sich der Konzern nicht als Massenerzeuger von Stahl, sondern als Spezialhersteller und Verarbeiter hochwertiger Stahlerzeugnisse". Zudem gibt es eine erhebliche Anzahl von Langerzeugnisherstellern, die sich hauptsächlich auf das Elektroofen-Verfahren stützen. (27) Mit der vorgeschlagenen Maßnahme würde der größte Stahlkonzern Europas und der Welt entstehen. Das Schaubild 2 gibt eine Vorstellung von den relativen Größen der wichtigsten Stahlerzeuger in Europa nach deren Absatzvolumina sämtlicher Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse, die Gegenstand der Bedenken sind, auf die in dieser Entscheidung eingegangen wird. SCHAUBILD 2 Gesamtabsatz von Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnissen (Jahr 2000) >PIC FILE= "L_2003088DE.000501.TIF"> B. RELEVANTE PRODUKTMÄRKTE 1. VORBEMERKUNG (28) Zweck des vorgeschlagenen Zusammenschlusses sind die Herstellung von Kohlenstoffstahl- und Edelstahlerzeugnissen, deren Weiterverarbeitung in warmgewalzte Flacherzeugnisse, die nachfolgende Verarbeitung im Wege des Kaltwalzverfahrens und die Herstellung von metall- und organisch beschichteten Erzeugnissen, galvanisch verzinkten Stahlblechen und Verpackungsstahl. Zudem wird sich die Newco mit Hilfe eines Netzes von Stahl-Servicecentern, Großhandelsunternehmen und Sauerstoffbrennschneidewerken im Bereich des Stahlvertriebs betätigen. 2. STAHLERZEUGNISSE a) Unterscheidung zwischen Kohlenstoffstahlerzeugnissen, hochlegierten Stahlerzeugnissen und Edelstahlerzeugnissen (29) Nach früheren Entscheidungen der Kommission(9) stellen Kohlenstoffstahlerzeugnisse einen Produktmarkt dar, der sich von demjenigen für Edelstahlerzeugnisse und dem für hochlegierte Stahlerzeugnisse unterscheidet. (30) Kohlenstoffstahlerzeugnisse können durch hochlegierte Stahlerzeugnisse wegen ihrer 1. unterschiedlichen chemischen Zusammensetzung, 2. stark unterschiedlichen Preise und 3. unterschiedlichen Einsatzbereiche nicht substituiert werden(10). Zudem werden Kohlenstoffstahlerzeugnisse in Werken hergestellt, die für die Fertigung hochlegierter Stahlerzeugnisse nicht ausgerüstet sind. (31) Ebenso stellen Kohlenstoffstahlerzeugnisse einen Markt dar, der von demjenigen für Edelstahlerzeugnisse getrennt ist, insbesondere wegen der unterschiedlichen chemischen Zusammensetzung von unlegiertem Stahl, Edelstahl und hitzebeständigem Stahl sowie sonstigen legierten Stahlsorten(11). Bei Edelstahl handelt es sich um eine Legierung mit mindestens 10,5 % Chromanteil und mit oder ohne weitere Legierungselemente und weniger als 1,2 % Kohlenstoff(12). Die Erzeugung von Edelstahl unterscheidet sich von der Kohlenstoffstahlproduktion durch Zugabe von Chrom, Nickel und anderen Legierungselementen während der Stahlschmelze, um im Endprodukt metallurgische Unterschiede zum normalen Stahl zu erzielen(13). b) Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse stellen einen Produktmarkt dar, der von demjenigen für Kohlenstoff-Langstahlerzeugnisse getrennt ist (32) Die Kommission hat wiederholt festgestellt, dass Flachstahlerzeugnisse gegenüber Langstahlerzeugnissen einen eigenen Produktmarkt bilden.(14). (33) In einem Stahlwerk erzeugter Stahl wird in Form gegossen und durch nachfolgende Formung in die von den Endkunden gewünschten Erzeugnisse weiterverarbeitet. Gewalzte Stahlprodukte lassen sich in Flacherzeugnisse (warmgewalzte breite Bandeisen, warmgewalzte schmale Bandeisen, Quartobleche und Feinbleche) und Langerzeugnisse (Profileisen und Stahlträger, Bahnoberbaustoffe, Stabeisen und Breitstäbe) unterteilen. Flach- und Langstahlerzeugnisse werden auf unterschiedlichen Walzwerken hergestellt und für unterschiedliche Zwecke gekauft. Überwiegend werden Walzwerke für ein besonderes Endprodukt speziell gebaut und kaum jemals für andere Zwecke umgebaut(15). Außerdem bestehen wesentliche Unterschiede bei den Einsatzbereichen und Preisen für Flach- und Langstahlerzeugnisse. Die Märkte für Flachstahlerzeugnisse sind daher von denen für Langstahlerzeugnisse zu differenzieren. c) Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse: Unterscheidung zwischen warmgewalzten und kaltgewalzten Erzeugnissen (34) Die Kommission hat in früheren Entscheidungen festgestellt, dass warmgewalzte Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse und kaltgewalzte Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse separate Produktmärkte darstellen(16). (35) Nur ein geringer Teil warmgewalzter Flacherzeugnisse wird zur unveränderten Verwendung verkauft. Zu mehr als der Hälfte werden sie durch Kaltwalzen weiterverarbeitet. Nachfolgendes Kaltwalzen führt zu einer erheblichen Dickenreduzierung, einer höheren Maßgenauigkeit, einer glatteren Oberfläche sowie nach Kaltverfestigung zu einer höheren Festigkeit(17). Warmgewalzte Erzeugnisse haben nicht dieselben Oberflächeneigenschaften wie kaltgewalzte Erzeugnisse(18). Der durch Kaltwalzen erzielte Mehrwert ist beträchtlich und bewegt sich in einer Größenordnung von 25-30 %. (36) Ein modernes Walzwerk für warmgewalzte breite Bandeisen kann bis zu einer Mindestdicke von 1,5 mm auswalzen. Dünnere Bandeisen und Feinbleche, die insbesondere in der Automobilindustrie sowie nach Beschichtung in der Verpackungs- und Baubranche Verwendung finden, erfordern eine Weiterverarbeitung in Kaltwalzwerken, in denen sich Mindestdicken von 0,12/0,15 mm erzielen lassen(19). (37) Innerhalb des Segments der Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse lässt sich somit eine Unterscheidung zwischen warmgewalzten und kaltgewalzten Flacherzeugnissen treffen. i) Warmgewalzte Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse (38) Innerhalb des Marktes für warmgewalzte Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse unterscheiden die Beteiligten zwischen den folgenden Erzeugnissen: - warmgewalzte breite Bandeisen, die zunächst auf Breitbandwalzwerken gewalzt und anschließend gewickelt werden; - warmgewalzte Bleche von quadratischer oder rechteckiger Form, die sich aus dem Ablängen von Bandeisen ergeben; - warmgewalzte schmale Bandeisen, die nach Fertigstellung eine Breite von weniger als 600 mm aufweisen und auf speziellen Walzwerken oder durch Längszuschnitt breiter Bandeisen auf die gewünschte Breite hergestellt werden können; - Quartobleche, ungewickelte Erzeugnisse, deren Abmessungen, insbesondere deren Dicke, sich von denen aller anderen warmgewalzten Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse erheblich unterscheiden. (39) Die Beteiligten bringen vor, es gebe für alle warmgewalzten Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse einen einzigen relevanten Markt, mit Ausnahme von Quartoblechen, die unterschiedliche physikalische Eigenschaften hinsichtlich Form, Dicke und Breite aufweisen und mit unterschiedlichen Einrichtungen und Verfahren erzeugt werden, weshalb sie einen separaten Markt darstellen. (40) Quartoblech ist Blech(20), das auf speziellen Quartowalzwerken mit vier Walzen hergestellt wird und wegen seiner Dicke nicht gewickelt werden kann(21). Wie die Beteiligten im Formular CO ausführen, wei

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.