Was erlaubt eine Prozessvollmacht dem Rechtsanwalt?
Wer einen Anwalt mit einem Prozess beauftragt, muss nicht jede gerichtliche Erklärung selbst abgeben. Die Prozessvollmacht ermöglicht die Vertretung und kann auch Entscheidungen mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen erfassen.
Funktion der Vollmacht im Gerichtsverfahren
Durch eine Prozessvollmacht kann eine Partei einen Vertreter dazu ermächtigen, in ihrem Namen im gerichtlichen Verfahren zu handeln. Die Erklärungen werden dann grundsätzlich der vertretenen Partei zugerechnet. Die Vollmacht ist vom zugrunde liegenden Mandatsvertrag zu unterscheiden: Der Vertrag regelt das Innenverhältnis und die Beauftragung, die Vollmacht betrifft die Vertretungsmacht nach außen. Außerdem entscheidet eine Vollmacht allein noch nicht darüber, ob die bevollmächtigte Person vor dem betreffenden Gericht auftreten darf. Dafür gelten zusätzliche Vorschriften über Vertretung und Anwaltszwang.
Gesetzlicher Umfang nach § 81 ZPO
§ 81 ZPO gibt der Prozessvollmacht einen umfassenden gesetzlichen Umfang. Erfasst sind insbesondere die den Rechtsstreit betreffenden Prozesshandlungen, einschließlich bestimmter Nebenverfahren. Dazu gehören grundsätzlich auch die Erledigung des Rechtsstreits durch Vergleich, der Verzicht auf den Streitgegenstand und die Anerkennung des gegnerischen Anspruchs. Diese weitreichenden Befugnisse machen klare Absprachen zwischen Mandant und Rechtsanwalt wichtig. Wer lediglich eine außergerichtliche Beratung wünscht, sollte den Auftrag entsprechend abgrenzen. Interne Weisungen und die gegenüber Gericht oder Gegner wirksame Beschränkung einer Vollmacht sind rechtlich nicht immer dasselbe.
Vergleichsgrenzen vorher besprechen
Legen Sie früh fest, welches Ergebnis Sie akzeptieren können: etwa eine Mindestzahlung, Raten oder eine bestimmte Kostenverteilung. Die gesetzliche Vertretungsmacht und solche internen Vorgaben sind gesondert zu beurteilen. Eine Weisung sollte deshalb klar dokumentiert und vor einem Termin besprochen werden. Wer eine Erklärung des Anwalts für unerwünscht hält, kann nicht allein deshalb davon ausgehen, dass sie gegenüber der anderen Partei unwirksam bleibt.
Was geschieht beim Anwaltswechsel?
Ein Wechsel beendet laufende Fristen nicht. Nach § 87 ZPO wird die Kündigung gegenüber dem Gegner grundsätzlich erst durch Anzeige des Erlöschens wirksam; im Anwaltsprozess ist die Anzeige der Bestellung eines anderen Anwalts maßgeblich. Sorgen Sie deshalb für eine geordnete Übergabe mit Aktenzeichen, Zustellungen und anstehenden Terminen. Klären Sie ausdrücklich, wer bis zur Übernahme fristgebundene Handlungen vornimmt und welche Unterlagen die neue Vertretung noch benötigt.
Rechtsgrundlagen: § 80 ZPO – Prozessvollmacht; § 81 ZPO – Umfang der Prozessvollmacht; § 85 ZPO – Wirkung der Prozessvollmacht; § 87 ZPO – Erlöschen der Vollmacht; § 88 ZPO – Mangel der Vollmacht.
Weitere Erläuterungen: Prozessvollmacht im Rechtsglossar der Kanzlei.
Stand: 1. Oktober 2026.