Europäische Union

2002/156/EG: Entscheidung der Kommission vom 31. Januar 2001 über die Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem Funktionieren des EWR-Abkommens (Sache COMP/M.2097 — SCA/Metsä Tissue) (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2001) 177)

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Quellenkennung: 32002D0156. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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re Erzeugnisse nur in äußerst geringfügigen Mengen außerhalb ihrer jeweiligen Heimatmärkte verkaufen. Zu diesen lokalen Anbietern zählen in Schweden und Norwegen beispielsweise Munksjö und Skjaerdal. Aber auch die Marktstellung der o. g. großen Produzenten ist in Europa keineswegs einheitlich, und die Märkte auf nationaler Ebene weisen in einzelnen Ländern einen erheblich höheren Konzentrationsgrad auf, als die EWR-Marktanteile vermuten lassen. In der Regel haben die Hersteller bisher nur in jenen Ländern hohe Marktanteile erreicht, in denen sie Produktionsbetriebe haben, sowie in den direkt benachbarten Ländern. Identität und relative Marktstellung der größten Konkurrenten unterscheiden sich erheblich von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat, und zwar sowohl was die größten als auch was die weniger großen Hersteller betrifft. (40) In der Kimberly-Clark/Scott-Sache hat die Kommission festgestellt, dass wegen der geographischen Lage der beiden Länder im Verhältnis zum europäischen Festland, der gemeinsamen Sprache (d. h. der damit verbundenen ähnlichen Medienpräsenz) und ähnlichen Verbraucherpräferenzen (Betonung auf Qualitätsware) Großbritannien und Irland den räumlich relevanten Markt bilden. Die Marktdefinition für das übrige Europa war offen gelassen worden, da das Vorhaben vor allem das Vereinigte Königreich und Irland betraf. (41) Im vorliegenden Fall kommt es in der nordischen Region (Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark) und in einer Reihe mitteleuropäischer Länder (Deutschland, Österreich, Belgien/Luxemburg, die Niederlande und Frankreich) zu den stärksten Marktanteilszuwächsen. Da Wettbewerbsprobleme jedoch lediglich in der nordischen Region auftreten, wird in diesem Abschnitt über die Definition des räumlich relevanten Marktes das Hauptaugenmerk auf die Abgrenzung der in dieser Region für die Beurteilung der Wettbewerbsfolgen des Vorhabens relevanten Märkte gelegt. Logistik (42) Transportkosten bilden ein signifikantes Hindernis für die Auslieferung der Enderzeugnisse über lange Strecken, da diese ein hohes Volumen im Verhältnis zu ihrem Wert aufweisen. Die Kilometerkosten werden in erster Linie durch die Ladekapazitäten der Lastkraftwagen und folglich durch die Dichte des Produkts im Verhältnis zum Verkaufspreis bestimmt. Da die Rentabilität pro Palette bei gefalteten Produkten (Taschentüchern, Servietten) höher ist als bei Rollen (Toilettenpapier, Küchenrollen), ist die Auslieferung der ersten Kategorie über längere Distanzen wirtschaftlicher als die der zweiten. Ferner können hochwertige Produkte über längere Strecken transportiert werden als Billigprodukte, da der Stückpreis höher ist. (43) Unter Hinweis auf das eigene Umstrukturierungsprogramm macht SCA geltend, dass Skaleneinsparungen bei den Transportkosten seit der Kimberly-Clark/Scott-Sache im Jahre 1995(9) an Bedeutung gewonnen hätten. Daher würde das Unternehmen sein Europageschäft [...]*. (44) Die meisten Konkurrenten und Abnehmer sind hingegen der Auffassung, dass die zur Zeit der Kimberly-Clark/Scott-Entscheidung angegebenen Entfernungen ihre Gültigkeit behalten, auch wenn die meisten eher zum oberen Ende der damaligen Bandbreite von etwa 800 bis 1000 km bei voll beladenen Lastwagen tendieren. Die Konkurrenten, die ihre eigenen Standorte als nahe genug an der nordischen Region gelegen beurteilten, um in dieses Gebiet zu liefern, gaben als längste Entfernung im Durchschnitt 750 km an. Wiederholt wurde auf die Bedeutung einer zuverlässigen Just-in-time-Anlieferung für die Abnehmer hingewiesen. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die Bestellfristen mit der Entfernung des Anbieters zunehmen. In einem Bericht hat das finnische Beratungsunternehmen Jaakko Poyry die Bedeutung der Just-in-time-Anlieferung mit folgenden Worten beschrieben: "Der Markt, in den ein Produzent liefern kann, wird nicht nur durch die Transportkosten je Tonne seiner Tissue-Erzeugnisse bestimmt. In den Augen des Abnehmers ist eine schnelle und zuverlässige Just-in-time-Anlieferung ein Schlüsselfaktor. Die Aufstockung der Vertriebslager des Handels muss binnen 24 bis 48 Stunden erfolgen. Je größer die Entfernung, um so schwerer ist für den Hersteller die zuverlässige pünktliche oder auch rechtzeitige Anlieferung in die Vertriebszentren der Händler, sofern nicht zusätzliche Lager oder ähnliche Infrastruktur verwendet werden, was wiederum die Kosten für den Hersteller erhöhen würde".(10) (45) Die Auslieferung in die nordische Region wird überdies durch die großen Entfernungen und die geringe Bevölkerungsdichte in diesen Ländern erschwert. Mehrere Konkurrenten sind der Auffassung, dass diese geographischen Faktoren zusammen mit der starken Stellung einheimischer Hersteller die Marktzutrittsschranken für den nordischen Raum erhöhen und die Strecken, innerhalb deren die Auslieferung wirtschaftlich ist, verkürzen. (46) Eine Ausnahme von der Regel der maximalen Streckenlänge von etwa 800 bis 1000 km scheinen die italienischen Hersteller darzustellen. Im vergangenen Jahrzehnt haben letztere ihre Produktionskapazitäten für Tissue-Erzeugnisse erheblich ausgeweitet. Mehrere Hersteller vor allem aus der Gegend um Lucca (Toskana) liefern beträchtliche Mengen von Händlermarken-Erzeugnissen an Handelsunternehmen in Deutschland und Frankreich. Eines dieser Unternehmen gab an, dass der Transport für Toilettenpapier und Handtücher bis 2000 km, für Servietten bis 1700 km und für Küchentücher bis 1500 km wirtschaftlich sein kann. Die meisten erfolgreichen italienischen Hersteller haben allerdings vor kurzem Standorte in Frankreich eingerichtet, um die nordeuropäischen Abnehmer zu bedienen, oder sind im Begriff, dies zu tun. Auch die erfolgreichen italienischen Hersteller scheinen also die Nähe zum Zielmarkt als einen Wettbewerbsfaktor zu berücksichtigen, sobald sie auf einem bestimmten Auslandsmarkt Fuß gefasst haben. Das mögliche Ausmaß geographisch bedingter Preisunterschiede (47) Ein relevanter räumlicher Markt umfasst das Gebiet, in dem die betroffenen Unternehmen an Angebot und Nachfrage von Gütern und Dienstleistungen beteiligt sind, die Wettbewerbsbedingungen ausreichend homogen sind, und das sich von Nachbargebieten wegen der sehr unterschiedlichen Wettbewerbsbedingungen abhebt. Wenn Abnehmer zum gleichen Preis einkaufen können wie in anderen Gebieten ansässige Abnehmer, sollten diese anderen Gebiete in den räumlichen Markt einbezogen werden. Wenn allerdings Abnehmer, die bei in anderen Gebieten ansässigen Anbietern einkaufen, nicht notwendigerweise zum gleichen Preis einkaufen können wie die in diesen anderen Gebieten ansässigen Abnehmer, sind diese anderen Gebiete nicht unbedingt in den räumlichen Markt einzubeziehen. Der Umstand, dass Abnehmer aus einem in einem bestimmten Gebiet gelegenen Werk beliefert werden, hat also nicht automatisch zur Folge, dass sie den innerhalb dieses Gebiets praktizierten Marktpreis zahlen. Dies wäre beispielsweise dann der Fall, wenn die Anbieter ihre Produkte zum Abnehmer transportieren. Wenn eine Arbitrage zwischen den Abnehmern nicht möglich ist, können Anbieter von Abnehmern in unterschiedlichen Gebieten unterschiedliche Preise verlangen. Bei zukunftsorientierten Analysen, wie sie im Rahmen einer Untersuchung von Fusionsfällen vorgenommen werden, stellt die Möglichkeit einer künftigen Preisdiskriminierung durch Unternehmen, die durch Fusion eine sehr starke Stellung als Anbieter für ein bestimmtes Gebiet erlangen können, möglicherweise einen entscheidenden Faktor bei der Abgrenzung des räumlich relevanten Marktes dar, den es zu berücksichtigen gilt. (48) Der Umfang des räumlichen Marktes kann somit auch davon abhängen, ob in einem bestimmten Gebiet Abnehmer ansässig sind, die einer Preisdiskriminierung durch ein Unternehmen, das den größten Teil der Lieferungen in dieses Gebiet kontrolliert, zum Opfer fallen könnten. Dies wird in der Regel dann der Fall sein, wenn folgende zwei Voraussetzungen erfuellt sind: a) die Zuordnung eines einzelnen Abnehmers zu einem bestimmten Gebiet im Moment des Verkaufs der relevanten Produkte an ihn ist eindeutig möglich, und b) der Handel zwischen den Abnehmern oder eine Arbitrage durch dritte Unternehmen sind nicht möglich. Eine solche Arbitrage ist insbesondere dann schwierig, wenn das Produkt frei Haus geliefert wird und die Transportkosten einen erheblichen Prozentsatz der Endkosten ausmachen. Die Würdigung der Wettbewerbsfolgen eines geplanten Zusammenschlusses in einem solchen Gebiet muss sämtliche Anbieter berücksichtigen, für die eine Auslieferung in dieses Gebiet wirtschaftlich ist, und zwar unabhängig vom Standort ihrer Produktionsanlagen. (49) Abnehmer in den nordischen Ländern tätigen ihre Einkäufe in der Regel im Inland. Dies gilt ganz besonders für die großen nationalen Supermarktketten, aber auch für kleinere Einzelhändler, die ihren Einkauf oft über nationale Einkaufsorganisationen abwickeln. Die einzigen Konzerne mit nennenswerten Marktanteilen im Einzelhandel in mehr als einem nordischen Land sind ICA in Schweden und Hakon in Norwegen, die dem gleichen Besitzer gehören. Laut SCA erzielt ICA in Schweden einen Marktanteil von 39 %, Hakon in Norwegen 28 %. In seiner Erwiderung verweist SCA auch auf andere Beispiele von Abnehmern, die eine übernationale oder paneuropäische Einkaufsstrategie entwickelt hätten. Das einzige Beispiel in der nordischen Region ist Aldi, das laut SCA einen Anteil von 4 % am dänischen Einzelhandelsmarkt erzielt und in anderen nordischen Ländern nicht präsent ist. (50) Die Marktuntersuchung hat ergeben, dass der Einkauf von Tissue-Erzeugnissen über supranationale Einkaufskonzerne wie AMS, NAF und EMD nicht sehr weit entwickelt ist. Obwohl SCA sowohl in der Anmeldung als auch in der Erwiderung die Bedeutung dieser internationalen Einzelhändlerallianzen hervorhebt, hat die Untersuchung der Kommission gezeigt, dass diese die Tissue- Erzeugnisse für ihre Mitglieder nicht direkt erwerben, sondern sich vor allem mit der Koordinierung und Aushandlung von Rahmenvereinbarungen über Konditionen wie Rabatte und allgemeine Handelsbedingungen vor allem für Händlermarken befassen. Zwar könnten diese Allianzen ihr Verhalten im Hinblick auf Tissue-Erzeugnisse in der Zukunft ändern, aber die Marktuntersuchung der Kommission hat keine Anhaltspunkte für solche Veränderungen in absehbarer Zeit ergeben, die sie zu einer Änderung ihrer Definition der relevanten räumlichen Märkte veranlassen könnte(11). (51) Da die Tissue-Erzeugnisse in die Lager der Abnehmer ausgeliefert werden, ist im Moment des Verkaufs eindeutig klar, in welchem Land der Abnehmer ansässig ist. Ein Hersteller, der sämtliche Lieferungen in eines oder mehrere nordische Länder kontrolliert, könnte daher gegenüber seinen Abnehmern in einem Land die Preise erhöhen, ohne dass dadurch die Preise in anderen Ländern beeinträchtigt würden. Eine Arbitrage ist nicht möglich, da die Gesamtkosten für Tissue-Erzeugnisse einen hohen Transportkostenanteil aufweisen und die Abnehmer oft mehrmals wöchentlich Just-in-time-Anlieferungen benötigen, die mit Arbitrage-Einkäufen schwerlich bewerkstelligt werden können. Die in einem bestimmten Land ansässigen Abnehmer wären daher nicht in der Lage, sich einer solchen Preiserhöhung durch Arbitragegeschäfte mit Abnehmern in anderen Ländern zu widersetzen, in denen die Preise nicht erhöht wurden. (52) Selbst wenn grenzüberschreitende Einkaufstätigkeiten durch Einzelhandelsketten oder Allianzen einen signifikanten Anteil am Umsatz in der nordischen Region ausmachen würden, hätte dies nicht unbedingt die Einheitlichkeit der Preise in dieser Region zur Folge. Ob Allianzen einheitliche Preise aushandeln können, hängt auch von der Verfügbarkeit anderer Anbieter ab. (53) In seiner Erwiderung führt SCA aus, dass auch die meisten Einzelhändler, die auf die Marktuntersuchung der Kommission geantwortet hätten, die Ansicht teilen würden, dass es sich um europaweite Märkte handelt. Dies gilt jedoch nicht für die Umfrageteilnehmer aus Skandinavien. Sie definierten den Markt mehrheitlich enger als nationalen oder skandinavischen Markt. Eine über den skandinavischen Markt hinausreichende Marktdefinition wurde von einigen Unternehmen vorgeschlagen, weil sie in nicht skandinavischen Ländern einkaufen. Wie jedoch schon oben ausgeführt, bestimmt nicht der Produktionsstandort der Anbieter unter den spezifischen Umständen des hier behandelten Falles für sich genommen den Umfang des relevanten geografischen Marktes. Herstellermarken-Konsumerzeugnisse (54) Bei Herstellermarken ist die Auswahl der Supermärkte auf jene Produkte beschränkt, die vom Hersteller in ihrem Land vermarktet werden. Auch wenn zahlreiche Markennamen in mehreren Ländern verwendet werden, ist vermutlich lediglich ein einziger Markenname in ganz Europa bekannt, nämlich die Marke Kleenex von Kimberly-Clark. Typisch für ein Land ist daher ein Gemisch nationaler und übernationaler Marken. Auch wenn Marken in mehr als einem Land gehandelt werden, muss ein Markenname in der Regel auf der nationalen Ebene herangebildet und vermarktet werden, da die Reichweite der Medien vor allem national ist. Wegen der unterschiedlichen Sprachen müssen Werbekampagnen, Marken und Verpackungen auf die nationalen Märkte zugeschnitten werden. Der Bekanntheitsgrad von Marken, die in mehr als einem Land angeboten werden, unterscheidet sich daher sogar zwischen Nachbarländern erheblich. (55) Nach von SCA vorgelegten Umfragedaten variierte der (spontane) Bekanntheitsgrad der SCA-Marke Lilla Edet im März 2000 zwischen [ungefähr 50 %]* in Schweden, [30]* % in Norwegen und [20]* % in Dänemark trotz der geografischen Nähe und der kulturellen und sprachlichen Ähnlichkeiten der drei skandinavischen Länder. Aufgrund erhöhter Marketingaktivitäten stieg beispielsweise der Bekanntheitsgrad der Edet-Marke unter den norwegischen Verbrauchern zwischen Dezember 1999 und März 2000 ganz erheblich (von [ungefähr 20 % auf 30 %]*), wohingegen er im Vergleichszeitraum in Schweden stabil blieb und in Dänemark leicht zurückging. Ähnliche Variationen des Bekanntheitsgrads im Laufe der Zeit waren auch für die Marke Lambi von MT und andere Marken von Tissue-Konsumerzeugnissen festzustellen. Demnach hat also der Aufbau eines Markennamens in einem nordischen Land keine Folgen für den Bekanntheitsgrad der Marke in Nachbarländern, was die Annahme untermauert, dass die Märkte für Herstellermarken auch dann national bleiben, wenn die gleiche Marke in mehreren Ländern angeboten wird. (56) Dass die nordischen Länder separate geografische Märkte bilden, geht auch aus den sehr unterschiedlichen Marktanteilen der Konkurrenten in den jeweiligen Ländern hervor. Einzelheiten zur Aufteilung der Marktanteile in den verschiedenen Ländern werden nachstehend in der rechtlichen Würdigung aufgeführt. Auf den beiden größten Märkten für Konsumerzeugnisse, Toilettenpapier und Küchenpapier, ist ein großer Anbieter wie Kimberly-Clark nur in Dänemark signifikant vertreten. Ein anderer großer Konkurrent, Fort James, ist in Finnland stark, in Dänemark solide vertreten, erzielt aber in Norwegen und Schweden nur deutlich geringere Marktanteile. Ein kleiner regionaler Hersteller, Munksjö, ist in Norwegen und Schweden stark präsent, in Dänemark und Finnland jedoch fast gar nicht. Auch die Parteien selbst sind in den nordischen Ländern unterschiedlich stark vertreten. SCA erreicht nur geringe Marktanteile in Finnland, verfügt aber in den anderen drei Ländern über starke Positionen. MT erreicht hohe Marktanteile in Schweden, Finnland und Norwegen, ist in Dänemark jedoch etwas weniger stark vertreten. (57) Die Kosten für die Heranbildung einer neuen Marke eines Tissue-Konsumerzeugnisses werden von den meisten Marktteilnehmern als prohibitiv hoch beurteilt; lediglich die größten Hersteller könnten sich ein solches Unterfangen leisten. Wenn überhaupt, dann könnte nur sehr wenigen der zur Zeit auf Händlermarken spezialisierten Herstellern zugetraut werden, in absehbarer Zeit mit Markenerzeugnissen auf neuen geographischen Märkten außerhalb ihrer angestammten Absatzgebiete Fuß zu fassen. (58) Sogar die großen Hersteller haben angegeben, dass die Marktzutrittskosten in Fällen, in denen der Markt durch starke alteingesessene Anbieter beherrscht wird, prohibitiv hoch sein können, da die mit Betrieben vor Ort vertretenen angestammten Anbieter mit lange etablierten Geschäftsbeziehungen in der Lage wären, sich gegen weniger massive Marktzutritte (z. B. durch Einfuhren) zu wehren. Überdies sind auch die Schranken für einen massiven Marktzutritt mit neuen Produktionskapazitäten hoch, und ein solcher Marktzutritt ist auf ausgereiften Märkten wie denen der nordischen Region unwahrscheinlich. Sowohl die Abnehmer als auch die Konkurrenten haben angegeben, dass die starke Stellung einer fusionierten Einheit SCA/MT in der nordischen Region gegenüber potenziellen Neuanbietern einen massiven Abschreckungseffekt haben würde. (59) Die Kommission gelangt daher zu dem Ergebnis, dass es sich bei den relevanten räumlichen Märkten für Herstellermarken-Konsumerzeugnisse in den nordischen Ländern um nationale Märkte handelt. Sie hat jedoch auch die Wettbewerbsfolgen des geplanten Zusammenschlusses in der Annahme geprüft, dass Schweden und Norwegen einen einzigen räumlich relevanten Markt bilden würden. Die wettbewerbsrechtliche Würdigung des Vorhabens würde auch unter Zugrundelegung dieser breiteren Marktabgrenzung zu den gleichen Schlussfolgerungen führen. Außerhalb der nordischen Länder kann offen gelassen werden, ob sich die Märkte auf einen Mitgliedstaat beschränken oder größer sind, da das Vorhaben außerhalb der nordischen Länder auch dann keine wettbewerbsrechtlichen Probleme nach sich ziehen würde, wenn jedes Land entsprechend der engstmöglichen Definition der räumlichen Märkte als einzelner Markt betrachtet würde. Händlermarken-Konsumerzeugnisse (60) Auch Händlermarken-Erzeugnisse werden von den Käufern in der Regel innerhalb der Landesgrenzen beschafft. Ein großer Unterschied zu den Herstellermarken besteht jedoch darin, dass Werbung und sonstige verkaufsfördernde Aktivitäten für Händlermarken von den Abnehmern (den Einzelhändlern) durchgeführt werden. Die Abnehmer haben daher eine breitere Auswahl an Anbietern von Händlermarken-Produkten. Die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl des Lieferanten sind Transportkosten, der Standort der Produktionskapazitäten, die Qualität der Ware, die ungenutzten Produktionskapazitäten und die Verlässlichkeit der Anlieferung. (61) Bei der Produktion von Händlermarken verfügen die italienischen Hersteller über eine starke Stellung; sie versorgen traditionell den deutschen Einzelhandel, scheinen aber wegen der Transportkosten nicht über den norddeutschen Raum hinaus zu liefern. Die erheblichen Kapazitäten zur Produktion von Händlermarken in der Region um Lucca üben sowohl auf dem deutschen Markt als auch in einigen anderen europäischen Ländern (Österreich, Belgien/Luxemburg, die Niederlande und Frankreich) erheblichen Wettbewerbsdruck aus. Des Weiteren gehen Handelsströme mit Händlermarken (vor allem) auch von einer Reihe anderer Standorte aus, zu denen außerhalb Italiens insbesondere Deutschland und in geringerem Umfang die Benelux-Länder und Frankreich gehören. (62) Die Lieferungen in die nordische Region kommen weitgehend aus schwedischen und finnischen Werken. Eine Ausnahme bildet Dänemark, wo erhebliche Mengen von Tisssue-Papiererzeugnissen aus nicht nordischen Ländern bezogen werden. Dänemark verfügt nicht über einheimische Produktionsstandorte. In Norwegen befinden sich zwei kleinere Werke. Schweden und Norwegen werden vor allem aus in diesen beiden Ländern gelegenen Werken beliefert; in einem geringeren Umfang erfolgen aber auch Einkäufe in Finnland. Die finnischen Einzelhändler beschaffen ihre Ware vor allem aus dem MT-Werk in Mänttä und dem Fort-James-Werk in Nokia. (63) Im Gegensatz zu den anderen nordischen Ländern sind in Dänemark recht hohe Einfuhren aus nicht nordischen Produktionsstandorten zu verzeichnen. Größter Konkurrent der Parteien in Dänemark ist bei den Händlermarken ein deutsches Unternehmen, Wepa. Wepa beliefert keine anderen nordischen Länder. Dänemark liegt für Wepa an der äußersten Grenze für Beförderungen von Tissue-Erzeugnissen. MT liefert außerdem beachtliche Mengen an Händlermarken-Erzeugnissen von seinen deutschen Werken aus, womit das Unternehmen im Wesentlichen die Lieferbeziehungen fortsetzt, die es durch den jüngsten Erwerb von zwei deutschen Tissue-Herstellern übernommen hat. Deswegen unterscheiden sich Marktstruktur und Wettbewerbsbedingungen in Dänemark ganz erheblich von denen in Schweden und Norwegen, wo das Angebot allein aus nordischen Ländern stammt. Inwieweit andere potenzielle Anbieter die Wettbewerbsbedingungen in Dänemark beeinflussen können, diese Frage wird im Rahmen der Würdigung dieses Marktes untersucht. (64) Die Wettbewerbsbedingungen in Dänemark unterscheiden sich aber auch ganz eindeutig von denen in Deutschland durch den Umstand, dass die italienischen Hersteller wegen der Transportkosten keine wirksame Konkurrenz darstellen. Die Handelsströme veranschaulichen die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Hersteller im norddeutschen Raum (auch nach Berücksichtigung der unterschiedlichen Marktgrößen): Während Deutschland im Jahre 1998 Toilettenpapier im Wert von 110 Mio. EUR aus Italien einführte, betrug der Vergleichswert für Dänemark lediglich 362000 EUR; die italienischen Einfuhren hatten damit einen deutlich geringeren Prozentanteil am dänischen Markt. Nach Auffassung der Marktteilnehmer haben die italienischen Hersteller erheblichen Einfluss auf die Wettbewerbsbedingungen bei Händlermarken in Deutschland, da sie über riesige Produktionskapazitäten verfügen, die zur Herstellung von Händlermarken-Erzeugnissen zur Verfügung stehen. Sie können daher als alternative Anbieter gegenüber SCA und MT in Deutschland gelten. Die dänischen Abnehmer hingegen sind fast ausschließlich von nordeuropäischen Lieferanten abhängig. (65) Die Wettbewerbsbedingungen in Finnland unterscheiden sich wegen der starken Präsenz des amerikanischen Herstellers Fort James und der im Verhältnis zu den übrigen nordischen Ländern sehr geringen Präsenz von SCA von den übrigen Staaten des nordischen Raums. SCA verkauft [so gut wie keine]* Händlermarken-Produkte in Finnland. Der kleine schwedische Hersteller Munksjö ist am Umsatz mit Händlermarken geringfügig beteiligt. Der Wettbewerb in Finnland findet daher vor allem zwischen MT und Fort James statt, auf die zusammen [mehr als 90 %]* des Umsatzes mit Händlermarken-Produkten entfallen. (66) In Norwegen und Schweden unterscheiden sich die Wettbewerbsbedingungen dadurch, dass SCA bei Händlermarken in Norwegen nicht vertreten ist, in Schweden aber bei den beiden wichtigsten Erzeugnissen (Toilettenpapier und Küchentücher) zweitgrößter Anbieter ist. (67) Die Kommission gelangt daher zu dem Ergebnis, dass die Abnehmer in jedem nordischen Land einen gesonderten räumlich relevanten Markt für Händlermarken-Konsumerzeugnisse bilden. Sie hat jedoch auch die Wettbewerbsfolgen des geplanten Zusammenschlusses in der Annahme geprüft, dass die Abnehmer in Schweden und Norwegen einen einzigen gesonderten räumlich relevanten Markt bilden würden. Die wettbewerbsrechtliche Würdigung des Vorhabens würde auch unter Zugrundelegung dieser breiteren Marktabgrenzung zu den gleichen Schlussfolgerungen führen. Außerhalb der nordischen Länder kann offen gelassen werden, ob sich die Märkte auf einen Mitgliedstaat beschränken oder größer sind, da das Vorhaben außerhalb der nordischen Länder auch dann keine wettbewerbsrechtlichen Probleme nach sich ziehen würde, wenn jedes Land entsprechend der engstmöglichen Definition der räumlichen Märkte als einzelner Markt betrachtet würde. AFH-Erzeugnisse (68) SCA hat in der Anmeldung angegeben, dass um AFH-Aufträge grenzüberschreitender und gar europaweiter Wettbewerb herrscht. Die Marktuntersuchung der Kommission hat jedoch ergeb

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.