Europäische Union

Beschluss (EU) 2018/813 der Kommission vom 14. Mai 2018 über das branchenspezifische Referenzdokument für bewährte Umweltmanagementpraktiken, branchenspezifische Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte für den Agrarsektor gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über die freiwillige Teilnahme von Organisationen an einem Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung (EMAS)Text von Bedeutung für den EWR.

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rückstände bewährt. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann von allen großen Schweine-, Geflügel- und Molkereibetrieben angewendet werden, in denen die Tiere einen Großteil des Jahres in Stallungen untergebracht sind. In manchen Mitgliedstaaten gibt es Bedenken hinsichtlich der potenziellen Gefahren der zur Gülleansäuerung verwendeten Säuren. Darüber hinaus kann sich die Nutzung von Schwefelsäure aufgrund einer Sulfatreaktion auf die Haltbarkeit mancher Betonarten auswirken, die zum Bau der Lagerbehälter verwendet werden; mit der Auswahl geeigneten Betons können diese Auswirkungen jedoch gemindert werden. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i72) Kapazität der Lagerbehälter für Gülle (m3) (i73) Umsetzung der Gülleansäuerung oder Güllekühlung (J/N) (i74) Güllelagerbehälter und Lagerbehälter für anaerobe Gärreste sind abgedeckt (J/N) (b35) Neue Güllespeicher und Speicher für anaerobe Gärreste werden als große Tanks (> 3 m Höhe) mit einer dicht schließenden Klappe oder einem Zeltdach konstruiert. (b36) Bestehende Lagerbehälter werden nach Möglichkeit mit einer dicht schließenden Klappe oder einem Zeltdach, anderenfalls mit einer Schwimmdecke ausgestattet; bestehende Güllelagunen werden mit einer Schwimmdecke ausgerüstet. (b37) Die Gesamtlagerkapazität für Gülle ist mindestens genauso groß wie die im Rahmen einschlägiger nationaler Vorschriften für nitratgefährdete Gebiete geforderte Kapazität, unabhängig davon, ob sich der Betrieb in einem nitratgefährdeten Gebiet befindet, und ist ausreichend dimensioniert, um sicherzustellen, dass der Zeitpunkt der Gülleausbringung im Hinblick auf die Nährstoffmanagementplanung des Betriebs jederzeit optimiert werden kann. 3.7.5.   Geeignete Festmistlagerung Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, alle in Dungbewirtschaftungssystemen entstehenden Festanteile zu kompostieren oder stapelweise zu lagern. Bei der Stapellagerung wird der Festmist für mindestens 90 Tage gelagert, bevor er auf den Feldern verteilt wird; in dieser Zeit wird dem Haufen kein frischer Mist hinzugefügt. Der aufgeschichtete Misthaufen muss abgedeckt und so platziert werden, dass er sich nicht in der Nähe von Wasserläufen befindet; eventuell abfließende Jauche muss gesammelt und entweder in ein betriebseigenes Flüssigmistsystem oder zurück auf den Misthaufen geleitet werden. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann von allen Viehzuchtbetrieben angewendet werden und ist insbesondere für Betriebe in Gebieten geeignet, in denen die Gefahr einer Übertragung von Krankheitserregern in Wassersysteme hoch ist. Sie ist allerdings nicht für Betriebe in Gegenden relevant, in denen Frischmist im Frühjahr direkt in den Boden eingearbeitet werden kann (z. B. nahegelegene bestellte Äcker), da diese Option eine bessere Umweltleistung insgesamt zur Folge haben kann. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i75) Anteil der gelagerten Festmistanteile (%) (i76) Durch den Standort und die Handhabung von Festmistlagerstätten wird eine Verunreinigung oberflächennaher Gewässer vermieden (J/N) (b38) Festmistanteile werden für einen Zeitraum von mindestens drei Monaten in Stapeln ohne Zugabe von Frischmist kompostiert oder gelagert. (b39) Festmistlagerstätten werden abgedeckt und nicht in der Nähe von oberflächennahen Gewässern positioniert, wobei das Sickerwasser gesammelt und über das Dungbewirtschaftungssystem des Betriebs recycelt wird. 3.7.6.   Eindrillen von Gülle und Einarbeitung von Dung Die Ammoniakemissionen aus Böden treten unmittelbar nach der Gülle- oder Dungausbringung auf und können größtenteils durch das Eindrillen der Gülle unterhalb der Bodenoberfläche oder die Einarbeitung von Dung unterhalb der Bodenoberfläche mithilfe des Umpflügens oder alternativer Techniken vermieden werden. Deshalb besteht diese bewährte Umweltmanagementpraxis darin, — die Gülle nahe der Wurzeln oberflächlich einzudrillen und damit die Stickstoffverluste aufgrund der Ammoniakverflüchtigung zu reduzieren und die Platzierung der Nährstoffe für die Pflanzenaufnahme zu optimieren; — Festmist so schnell wie möglich nach der Verteilung in die Ackerböden einzuarbeiten; durch die unmittelbare Einarbeitung mittels Umpflügen können die Ammoniakemissionen bestmöglich vermindert werden; mit einer nicht wendenden Einarbeitung sowie einer verzögerten Einarbeitung (z. B. 4 bis 24 Stunden) kann jedoch ebenfalls eine deutliche Minderung erzielt werden. Anwendbarkeit Das oberflächliche Eindrillen von Gülle funktioniert am besten bei Gülle mit einem geringen Trockenmasseanteil, idealerweise unter 6 %, und ist für die getrennten Flüssiganteile der Gülle oder Gärrückstände optimal geeignet. Das Eindrillen ermöglicht eine präzise Dosierung und Platzierung der Gülle, ist allerdings nicht auf stark geneigten, steinigen, tonigen, torfigen oder flachgründigen Böden möglich; in diesen Fällen sind möglicherweise andere Techniken wie etwa die Schleppschuh- oder Bandausbringung vorzuziehen (siehe bewährte Umweltmanagementpraxis 3.7.7). — Die Einarbeitung von Dung ist nur für Ackerböden geeignet. Sie sollte zudem in Zeiten, in denen es zu trocken und windig ist, oder wenn der Boden sehr feucht ist, vermieden werden. Für die Minimierung der Ammoniakverflüchtigung sind kühle und feuchte Bedingungen vor oder bei einem leichten Regen optimal. — Bei der Ausbringung von Gülle oder Dung sollten stets die Grundsätze der Kostenplanung für die Nährstoffversorgung (bewährte Umweltmanagementpraxis 3.3.1) und des präzisen Nährstoffeinsatzes (bewährte Umweltmanagementpraxis 3.3.3) beachtet werden. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i77) Einarbeitung von Dung in Ackerböden innerhalb von zwei Stunden nach der Verteilung (J/N) (i78) Anwendung des oberflächlichen Eindrillens bei der Gülleausbringung (J/N) (b40) Dem Nährstoffbedarf der Pflanzen entsprechend wird die ausgebrachte Gülle zu 100 % mittels oberflächlichen Eindrillens, Schleppschuh- oder Bandausbringung ausgebracht, und 100 % des auf kahlen Ackerflächen ausgebrachten Dungs mit hohem Ammoniumgehalt werden so schnell wie möglich und in jedem Fall innerhalb von zwei Stunden in den Boden eingearbeitet. 3.7.7.   Gülleausbringung auf Grünland Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, Gülle durch oberflächliches Eindrillen auf Weideland auszubringen (siehe bewährte Umweltmanagementpraxis 3.7.6). Ist dies nicht möglich, besteht die bewährte Umweltmanagementpraxis in der Anwendung der folgenden Ausbringungsmethoden: — Bandausbringung: Hierbei wird die Oberfläche der der Luft ausgesetzten Gülle verringert, indem die Gülle in schmalen Streifen unter der Pflanzendecke direkt auf den Boden ausgebracht wird; — Schleppschuh: Hierbei wird das Grünfutter durch einen Metallschuh geteilt, und die Gülle wird unter minimaler Verschmutzung des Grünfutters in Streifen auf die Bodenoberfläche aufgetragen; diese Technik mindert Stickstoffverluste aufgrund von Ammoniakverflüchtigung und geht mit einer geringeren Verunreinigung des für die Beweidung und/oder Silage vorgesehenen Grases einher. Anwendbarkeit Das Verfahren der Band- ebenso wie der Schleppschuhausbringung kann von allen Viehzuchtbetrieben angewendet werden. Verfügt ein Betrieb nicht über die nötige Ausrüstung, kann ein Auftragnehmer zur Erbringung dieser Leistung bestellt werden. Ein möglicherweise einschränkender Faktor besteht bei der Schleppschuhausbringung in der „Dicke“ der Gülle (d. h. hoher Feststoffgehalt), insbesondere beim Einsatz eines Schlauchsystems. Die Gülleausbringung auf Grünland sollte immer im Einklang mit den in der bewährten Umweltmanagementpraxis 3.3.1 beschriebenen Grundsätzen der Kostenplanung für die Nährstoffversorgung erfolgen. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i78) Anwendung des oberflächlichen Eindrillens bei der Gülleausbringung (J/N) (i79) Anwendung der Band- oder Schleppschuhtechnik bei der Gülleausbringung (J/N) (i80) Anteil der unter Anwendung der Techniken des oberflächlichen Eindrillens, der Schleppschuhausbringung oder der Bandausbringung auf Grünland ausgebrachten Gülle (%) (b41) Dem Nährstoffbedarf der Pflanzen entsprechend werden 100 % der auf Grünland ausgebrachten Gülle durch das oberflächliche Eindrillen, die Schleppschuh- oder die Bandausbringung ausgebracht. 3.8.   Bewässerung Dieses Kapitel ist für alle Betriebe, die Bewässerungssysteme einsetzen, relevant, vor allem für Betriebe, die sich in Gebieten befinden, in denen Wasserknappheit herrscht. Es bezieht sich auf effiziente Bewässerungstechniken, die den Wasserverbrauch minimieren und/oder die Wassernutzungseffizienz (38) maximieren. 3.8.1.   Agronomische Methoden zur Optimierung des Bewässerungsbedarfs Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, den Bewässerungsbedarf mithilfe der folgenden Maßnahmen zu optimieren: — Bodenbewirtschaftung: Physikalisch-chemische Bodeneigenschaften haben einen großen Einfluss auf den Wasserbedarf und die Bewässerungsplanung. Wesentliche Bodenparameter sind unter anderem Tiefe, Wasserhaltevermögen und Versickerungsgeschwindigkeit. Das Wasserhaltevermögen des Bodens hängt von der Struktur und dem Anteil organischer Substanz ab, der mithilfe geeigneter Fruchtfolgen und durch Zusätze organischer Substanz, Dung usw. angehoben werden kann. Die effektive Bodentiefe wird erhöht, indem die verdichteten Bodenschichten mit Pflanzlöchern durchstochen werden und den Wurzeln der Pflanzen damit Zugang zu einer größeren Wassermenge im Boden verschafft wird. Die Verdunstungsrate des Wassers aus dem Boden kann unter Anwendung der Minimalbestelltechnik (z. B. Bearbeitung zwischen den Reihen) oder durch Bestreuen mit Düngererde oder Bedecken des Bodens mit Plastikfolie gesenkt werden; — Auswahl der Kulturpflanzenarten und -sorten entsprechend der Wassernutzungseffizienz: Auswahl von Genotypen, die widerstandsfähig gegenüber Wasserknappheit oder -salzgehalt sind und sich besser für die Defizitbewässerung eignen; — Bestimmung des Wasserbedarfs der Pflanzen: Präzise Berechnung des pflanzlichen Wasserbedarfs auf Grundlage der Evapotranspiration der Pflanzen im Verhältnis zur Wachstumsphase der Pflanzen sowie den Witterungsverhältnissen; — Beurteilung der Wasserqualität: Die physikalischen und chemischen Parameter des Wassers sollten überwacht werden, um sicherzustellen, dass den Pflanzen Wasser hoher Qualität zur Verfügung steht. Was die physikalischen Parameter anbelangt, sollte das Wasser mit Umgebungstemperatur und hinreichend sauber abgegeben werden (z. B. können Partikel und/oder Schwebstoffe Verstopfungen der Bewässerungsgeräte verursachen). Was die chemischen Parameter betrifft, ist eine hohe Konzentration löslicher Salze für die Zusetzung der Bewässerungsgeräte verantwortlich und kann zusätzliche Wassermengen zur Vermeidung von Salzablagerungen im Wurzelbereich erfordern. Darüber hinaus kann eine hohe Konzentration bestimmter Elemente, z. B. Schwefel (S) und Chlor (Cl), Toxizitätsprobleme bei den Pflanzen hervorrufen und sollte daher sorgfältig kontrolliert werden; — Präzise Bewässerungsplanung, um die Wasserversorgung auf die Evapotranspiration der Pflanzen abzustimmen. Umgesetzt werden kann dies mithilfe der Wasserbilanzmethode (39) und/oder über Bodenfeuchtesensoren (40). Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann von allen Betrieben angewendet werden, die Bewässerungssysteme einsetzen, vor allem von Betrieben, die sich in trockenen Gebieten befinden. Für manche Maßnahmen fallen gegebenenfalls Investitions- und Betriebskosten an, die für kleine Betriebe ein Hindernis darstellen können. Diese Kosten werden jedoch unter Umständen durch die Einsparungen aufgrund des geringeren Wasserverbrauchs und in manchen Fällen durch die dank höherer Erträge gesteigerten Gewinne aufgewogen. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i81) Wassernutzungseffizienz, ausgedrückt in kg/m3 (i82) Prozentuale Änderung des Bewässerungsbedarfs (%) Nicht zutreffend 3.8.2.   Optimierung der Wasserverteilung Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, das effizienteste Bewässerungssystem auszuwählen, das die Wasserverteilung auf der Anbaufläche optimiert: — Tröpfchenbewässerung für intensive Bodennutzungssysteme (Reihenkulturen); — Schwachregner für Reihenkulturen und Obstbäume, wobei das Wasser unter die Pflanzendecke gesprüht wird. Bei der Entwicklung eines solchen Systems müssen Betriebsdruck, Düsentyp und -durchmesser, Pflanzanordnung und Windgeschwindigkeit sorgfältig überprüft werden, um eine in hohem Maße gleichmäßige Bewässerung zu erzielen. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann sowohl in trockenen als auch feuchten Gebieten, bei den meisten Bodenarten und vor allem für in Reihen gepflanzte Kulturen angewendet werden, z. B. Luzerne, Baumwolle, Mais. Auf Tonböden muss die Tröpfchenbewässerung mit einer geringen Geschwindigkeit erfolgen, um zu verhindern, dass sich an der Oberfläche Pfützen bilden und das Wasser abläuft. Auf sandigen Böden sind höhere Tröpfchenabgabegeschwindigkeiten erforderlich, um eine angemessene seitliche Bewässerung des Bodens zu gewährleisten. Bei an Hängen angebauten Kulturen besteht das Ziel darin, Änderungen der Tröpfchenabgabegeschwindigkeiten als Folge geländespezifischer Höhenänderungen zu minimieren. Bei Schwachregnersystemen sollte der Betriebsdruck so eingestellt werden, dass die geeignete Berieselungsgeschwindigkeit den physikalischen Bodeneigenschaften entsprechend erreicht wird. Für an Hängen angebaute Kulturen können Schwachregner eingesetzt werden, sofern die seitlichen Leitungen, in denen das Wasser zu den Regnern transportiert wird, nach Möglichkeit entlang der Höhenlinie ausgelegt werden, sodass der Druck auf ein Minimum begrenzt wird und die Regner für eine gleichmäßige Bewässerung sorgen. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i83) Tröpfchenbewässerung installiert (J/N) (i84) Schwachregner installiert (J/N) (i85) Bewässerungsleistung (41) auf Pflanzenebene (%) Nicht zutreffend 3.8.3.   Steuerung von Bewässerungssystemen Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, Bewässerungssysteme effizient zu bedienen und zu steuern, um Wasserverluste und hohe Abflussraten sowie eine zu intensive und/oder zu schwache Bewässerung zu vermeiden. Wasserzähler sind wichtig, um die exakte Menge des für die Bewässerung eingesetzten Wassers zu bestimmen und Wasserverluste aufzudecken. Umleitungsgräben können das von Böschungen ablaufende Wasser auffangen, um Ernteschäden zu minimieren. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann von allen Betrieben angewendet werden, die Bewässerungssysteme einsetzen, vor allem von Betrieben, die sich in trockenen Gebieten befinden. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i86) Bewässerungsleistung auf Betriebsebene (%) Nicht zutreffend 3.8.4.   Strategien für eine effiziente und gesteuerte Bewässerung Eine optimale Bewässerung kann mit entsprechenden Strategien zur Vermeidung von Überbewässerung oder Wassermangel erreicht werden. In Regionen, in denen die Wasserressourcen sehr begrenzt sind, besteht die bewährte Umweltmanagementpraxis in der Anwendung einer Defizitbewässerung: Bei dieser Strategie wird die Feldfrucht in manchen Wachstumsstadien oder während der gesamten Vegetationsperiode einer bestimmten Wasserknappheit ausgesetzt, in deren Folge es zu einer begrenzten oder zu keiner Ertragsminderung kommt. Ein Beispiel für die Defizitbewässerung ist das partielle Austrocknen der Wurzelzone (Partial Root Drying, PRD): Dabei wird abwechselnd die eine oder andere Seite der in einer Reihe angebauten Kulturpflanzen bewässert, sodass nur Teile der Wurzeln dem Wassermangel ausgesetzt sind. Anwendbarkeit Die Defizitbewässerung ist insbesondere in sehr trockenen Gebieten anwendbar, in denen es für einen Landwirt Sinn macht, das Nettoeinkommen pro verbrauchter Wassereinheit anstatt pro Bodeneinheit zu maximieren. Sie kann allerdings nicht über längere Zeiträume eingesetzt werden. Bevor sie angewendet wird, ist es unabdingbar, die Auswirkungen bestimmter Defizitbewässerungsstrategien in mehrjährigen Feldversuchen für die jeweilige Kulturpflanze in den entsprechenden agroklimatischen Zonen zu untersuchen. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i81) Wassernutzungseffizienz, ausgedrückt in kg/m3 Nicht zutreffend 3.9.   Pflanzenschutz Dieses Kapitel ist für alle Betriebe relevant. In diesem Kapitel werden bewährte Praktiken vorgestellt, mit deren Hilfe Landwirte umfassende Maßnahmen zur Anwendung von Strategien des nachhaltigen Pflanzenschutzes umsetzen können, um einem Schädlingsbefall vorzubeugen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu optimieren und zu reduzieren und bei einem Bedarf an Pflanzenschutzmitteln Produkte auszuwählen, die die Umwelt möglichst wenig belasten und mit der übrigen Strategie am ehesten in Einklang stehen. Für die Landwirte hat sich die Umsetzung dieser Maßnahmen, die über die rechtlichen Anforderungen und insbesondere die Bestimmungen der Richtlinie 2009/128/EG des Europäischen Parlaments und des Rates (42) sowie der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates (43), in denen die Anwendung allgemeiner Grundsätze eines integrierten Pflanzenschutzes in Europa vorgesehen ist, hinausgehen, bewährt. 3.9.1.   Nachhaltiger Pflanzenschutz Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, Schädlingspopulationen durch die Verabschiedung eines dynamischen Pflanzenschutzmanagementplans zu kontrollieren, der einen präventiven Ansatz verfolgt und wesentliche Aspekte eines integrierten Pflanzenschutzes beinhaltet. Die Hauptelemente eines wirksamen dynamischen Pflanzenschutzmanagementplans lauten wie folgt: — Fruchtfolgen, die der Entstehung von Schädlingspopulationen an Feldfrüchten, Gemüse und in gemischten Betriebsformen vorbeugen, indem bestimmte Schädlingsarten aufgrund einer zeitlichen und räumlichen Unterbrechung an der weiteren Vermehrung gehindert werden. Fruchtfolgen vermeiden zudem Probleme mit der Anhäufung bodenbürtiger Krankheitserreger und tragen zum Erhalt der Fruchtbarkeit bei (wie in der bewährten Umweltmanagementpraxis 3.3.2 erklärt); — Verwendung resistenter/toleranter Pflanzensorten; — Anwendung von agronomischen und Hygienepraktiken, um Schädlingsbefall bzw. -druck zu verringern, z. B. Wahl der Aussaatzeit, regelmäßige Säuberung von Maschinen, Werkzeugen usw.; — Überwachungs- und Früherkennungssystem zur Bestimmung, ob und wann die Notwendigkeit eines Eingreifens besteht; — biologische Schädlingsbekämpfung, bei der zur Kontrolle der Schädlinge biologische Pflanzenschutzmittel, Nützlinge oder natürliche Feinde eingesetzt werden. Diese können bereits auf dem Hof vorkommen und/oder eingeführt werden. (44) Für den Erhalt von Nützlingspopulationen oder natürlichen Feinden ist es notwendig, schädliche landwirtschaftliche Praktiken zu vermeiden (z. B. Reduzierung der Mähhäufigkeit) und auf dem Hof einen natürlichen Lebensraum zu bewahren oder zu schaffen, beispielsweise natürliche Streifen (z. B. mit einer Breite von 5 m) mit spontaner Flora oder ausgesäten Pflanzen; — Bevorzugung von nicht chemischen Techniken wie beispielsweise der Solarisation oder von Zwischenfrüchten zur Bodendesinfektion, wo immer dies praktisch durchführbar ist. In Bezug auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gilt es, (nur wenn nachweislich Bedarf besteht, z. B. auf Grundlage der Ergebnisse der Beobachtungen) so weit wie möglich risikoarme Pflanzenschutzmittel zu wählen, die die gewünschte Wirkung erzielen und die geringsten Nebenwirkungen aufweisen. Ihre Anwendung sollte präzise sein und damit zur Verringerung des Pestizideinsatzes sowie zur Steigerung ihres Wirkungsgrads beitragen. Eine effiziente Anwendung kann insbesondere durch die verpflichtende Kalibrierung der Maschinen, aber auch durch Techniken der Präzisionslandwirtschaft wie etwa den Einsatz von Sensoren und GPS-Steuerung erreicht werden, um somit die Pflanzenschutzmittel präzise nur in der erforderlichen Menge und dort, wo die Pflanzen auf dem Betrieb Schädlingsprobleme aufweisen, einzusetzen. Schließlich sollten detaillierte Aufzeichnungen bezüglich des Pflanzenzustands und der erfolgten Behandlung geführt werden; — Schulungen der Anwender/Landwirte im Hinblick auf die wirksame Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, die persönliche Sicherheit und ein Höchstmaß an Umweltschutz über alle Aspekte hinweg, vom Kauf und Einsatz der Pflanzenschutzmittel zur ordnungsgemäßen Handhabung (Lagerung) und Entsorgung der Produkte samt Verpackung. Das Schulungsprogramm muss insbesondere die folgenden Themenkomplexe abdecken: die Nutzung von Sicherheitsausrüstung und -kleidung; die nötige Beachtung der lokalen Wetterbedingungen; die geltenden Umweltvorschriften; die Ermittlung von Punkten, an denen Pflanzenschutzmittel ins Wasser gelangen könnten; die Prüfung der anwendungsspezifischen Betriebsparameter; die Sicherstellung der Reinigung der Maschinen; die fachgerechte Entsorgung von Pflanzenschutzmittelresten sowie die ordnungsgemäße Lagerung der Produkte; — regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit der angewendeten Pflanzenschutzstrategie anhand der gesammelten Daten zur Verbesserung des Entscheidungsfindungsprozesses und der Weiterentwicklung der Strategie. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis umfasst eine große Bandbreite an Verfahren, die einzeln oder gemeinsam umgesetzt werden können und auf die Pflanze sowie die besonderen Bedingungen jeder Region, jedes Betriebs und jedes Felds abgestimmt werden müssen. Die Festlegung und Umsetzung eines dynamischen Pflanzenschutzmanagementplans ist allgemein anwendbar, sofern die darin enthaltenen Maßnahmen dem jeweiligen Fall entsprechend angepasst sind. Zum Beispiel wäre die biologische Schädlingsbekämpfung und der Fruchtwechsel besonders für Biobauernhöfe oder ein konventionelles extensives Bewirtschaftungssystem relevant. Die biologische Schädlingsbekämpfung ist im Unterglasanbau und in Obstanlagen einfach umzusetzen, wo die kontrollierten Bedingungen die rasche Entwicklung hoher Populationen eingeführter Nützlinge fördern und ihre Abwanderung aus dem Anbaugebiet verhindern. Derweil gestaltet sich ihre Umsetzung auf freien Feldern und vor allem in Produktionssystemen mit kurzen Fruchtfolgen schwieriger. Generell sind Präventions- und biologische Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen wirkungsvoller, wenn die Schädlingspopulation zum Zeitpunkt und an dem Ort der Aussetzung natürlicher Feinde nicht zu groß ist; ansonsten erweisen sie sich womöglich als zum Schutz der Pflanzen unzureichend. Besondere Sorgfalt ist im Hinblick auf die Aussetzung natürlicher Feinde geboten: Im Allgemeinen erfolgt die Aussetzung bei einer relativ geringen Temperatur, z. B. früh am Morgen oder spät abends, bei günstigen Witterungsbedingungen und in der hinsichtlich des jeweiligen Organismus besten Jahreszeit. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i87) Ein dynamischer Pflanzenschutzplan für den nachhaltigen Pflanzenschutz ist vorhanden und beinhaltet: i) auf die Schädlingsprävention ausgerichtete Fruchtfolgen, ii) biologische Schädlingsbekämpfung, iii) präzise Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (sofern ihr Einsatz notwendi

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.