Europäische Union

Beschluss (EU) 2018/813 der Kommission vom 14. Mai 2018 über das branchenspezifische Referenzdokument für bewährte Umweltmanagementpraktiken, branchenspezifische Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte für den Agrarsektor gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über die freiwillige Teilnahme von Organisationen an einem Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung (EMAS)Text von Bedeutung für den EWR.

Konsolidierte Fassung

Konsolidierungsdatum: 2018-06-08

Quellenkennung: 32018D0813. Spätere Änderungen sind nicht automatisch in dieser Fassung enthalten.

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n. Dies kann mithilfe genetischer Indizes erreicht werden, mit denen versucht wird, die Auswirkungen von Genen, Umwelt und Bewirtschaftungsfaktoren zu entflechten, um Tiere auszuwählen, die von hohem genetischem Wert und unter den regionalen Verhältnissen und im Rahmen „typischer“ Arbeitsgänge leistungsfähig sind. Produktive Rassen führen im Allgemeinen zu höheren Erträgen und einer geringeren Treibhausgasintensität. Anwendbarkeit Die Auswahl lokal angepasster Rassen kann von allen Viehzuchtbetrieben angewendet werden und ist besonders relevant für die Beweidung entlegener Landstriche oder für Betriebe in rauen Klimaverhältnissen. Lokale, seltene und traditionelle Rassen sind eher für extensiv wirtschaftende Viehzuchtbetriebe relevant, in denen der Schutz der biologischen Vielfalt und der Erhalt der von Wiesen geprägten Umgebung gegebenenfalls Priorität haben. Dies ist darauf zurückzuführen, dass lokale, seltene und traditionelle Rassen unter guten Produktionsbedingungen zu geringerer Produktivität neigen als diejenigen Rassen, die aufgrund ihrer hohen Produktivität und Ressourceneffizienz ausgewählt werden. Hingegen sind Auswahl und Zucht ressourceneffizienterer Rassen eher für intensive Viehzuchtsysteme relevant, die auf maximalen Ertrag ausgerichtet sind. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i53) Anteil der Tiere seltenen genetischen Ursprungs (%) (i54) Anteil der Tiere lokal angepasster Rassen (%) (i51) Futterverwertungsvermögen (kg Tierfutter Trockenmasseaufnahme/kg erzeugtes Fleisch oder l Milch) (b27) Der Viehbestand des landwirtschaftlichen Betriebs besteht zu mindestens 50 % aus lokal angepassten Rassen und zu mindestens 5 % aus seltenen Rassen. 3.6.2.    Kostenplanung für die Nährstoffversorgung in Viehzuchtbetrieben Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, die Nährstoffflüsse auf Betriebsebene zu überwachen und die Nährstoffüberschüsse zu optimieren, indem alle Nährstoffeinträge (Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K)) in den Betrieb sowie die sich in tierischen Erzeugnissen manifestierenden Nährstoffausträge erfasst und der Nährstoffüberschuss und die Nährstoffverwertungseffizienz auf Betriebsebene berechnet werden. ( 22 ) Dank der Nährstoffverwertungseffizienz auf Betriebsebene ist ein Vergleich der Bewirtschaftungssysteme im Hinblick auf die allgemeine Produktionseffizienz möglich. Anwendbarkeit Sämtliche Viehzuchtbetriebe können die Kostenplanung für die Nährstoffversorgung auf Betriebsebene umsetzen und davon profitieren; dies betrifft vor allem gemischte Bewirtschaftungssysteme und intensiv wirtschaftende Viehzuchtbetriebe. Die Kosten für die Einführung einer Kostenplanung für die Nährstoffversorgung auf Betriebsebene sind für Viehzuchtbetriebe vergleichsweise gering. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i55) Nährstoffüberschüsse auf Betriebsebene (kg N/P/ha/Jahr) (i56) Nährstoffverwertungseffizienz für N und P auf Betriebsebene (%) (b28) Der Stickstoffüberschuss auf Betriebsebene beläuft sich höchstens auf 10 % des betrieblichen Stickstoffbedarfs. (b29) Der Phosphorüberschuss auf Betriebsebene beläuft sich höchstens auf 10 % des betrieblichen Phosphorbedarfs. 3.6.3.    Futtermittelbedingte Reduzierung der Stickstoffausscheidung Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, die Stickstoffausscheidung durch die Umsetzung der folgenden Ernährungsmaßnahmen zu senken: — Verwendung zuckerreicher Gräser und/oder Maissilage für Wiederkäuer: Gräser mit einem hohen Zuckergehalt sind reich an wasserlöslichen Kohlenhydraten, die das Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis (C/N) ( 23 ) des Substrates für die Mikroflora des Pansens erhöhen und die Bindung und Verwertung von Stickstoff verbessern, woraus sich eine erhöhte Stickstoffverwertungseffizienz, eine bessere mikrobielle Eiweißsynthese sowie eine verringerte Stickstoffausscheidung ergeben; — Anwendung der Phasenfütterung, bei der die Nährstoffzusammensetzung des Futters im Laufe der Zeit verändert wird, um den Nährstoffbedarf des Tieres zu decken. Zum Beispiel kann der Harnstoffstickstoffgehalt der Milch als Indikator zur Regulierung der Nährstoffzusammensetzung des Futters von Milchkühen herangezogen werden; — Verwendung eiweißarmer Futtermittel, wie etwa Luzernesilage mit einem geringen Trockenmasseanteil, die eine Verbesserung der Stickstoffverwertungseffizienz sowie eine Verringerung der Ammoniakemissionen bewirken ( 24 ). Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann weitgehend sowohl auf Wiederkäuer als auch einmägige Tiere angewandt werden und ist vor allem für intensiv wirtschaftende Betriebe relevant. Einige Maßnahmen, wie die Einführung eiweißarmer Futtermittel, sind nur auf Stalltiere anwendbar und bergen unter Umständen das Risiko einer verringerten Produktivität. Die mit der Umsetzung dieser bewährten Umweltmanagementpraxis verbundenen Kosten halten sich in der Regel in Grenzen. Wenn die im Betrieb erzeugte Maissilage beispielsweise stärkehaltigem Kraftfutter vorgezogen wird, führt diese bewährte Umweltmanagementpraxis aufgrund des geringeren Bedarfs an Futtermitteln, die durch den Betrieb zugekauft werden müssen, zu einer Kostensenkung. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i57) Harnstoffstickstoff in Milch (mg/100 g) (i51) Futterverwertungsvermögen (kg Tierfutter Trockenmasseaufnahme/kg erzeugtes Fleisch oder l Milch) Nicht zutreffend 3.6.4.    Futtermittelbedingte Verringerung des enteralen Methans bei Wiederkäuern Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, Futter zu verwenden, das die Methanemissionen aufgrund der enteralen Fermentation von Wiederkäuern durch eine bessere Verdaulichkeit des Futters und eine höhere Aufnahme verdaulichen Futters reduziert; dies kann zum Beispiel realisiert werden, indem Gras durch Leguminosensilage ersetzt wird, die weniger Ballaststoffe enthält und zu einer vermehrten Aufnahme von Trockenmasse sowie eine schnellere Verdauung im Pansen anregt ( 25 ). Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis ist nur für Wiederkäuer relevant. Die Einführung der leguminosebasierten Silageproduktion in warmen Klimaverhältnissen kann wirkungsvoll sein, obgleich die geringe Persistenz und ein Bedarf an langen Begründungszeiträumen wichtige agronomische Hemmnisse darstellen. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i58) Enterale Methanemissionen pro kg Fleisch oder l Milch (i51) Futterverwertungsvermögen (kg Tierfutter Trockenmasseaufnahme/kg erzeugtes Fleisch oder l Milch) Nicht zutreffend 3.6.5.    Umweltfreundliche Beschaffung von Futtermitteln Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, — Futtermittel mit geringen vorgelagerten Auswirkungen, einschließlich indirekter Landnutzungsänderungen, auszuwählen; zum Beispiel werden soja- und palmölbasierte Futtermittel auf ein Minimum begrenzt; — beim Zukauf von Futtermitteln mit erheblichen potenziellen vorgelagerten Auswirkungen Futtermittel auszuwählen, die nachhaltig beschafft wurden und für die durch eine anerkannte Stelle (z. B. Round Table on Responsible Soy, RTRS) bescheinigt wurde, dass sie nicht aus Gebieten stammen, die bis vor Kurzem natürliche Lebensräume darstellten. Anwendbarkeit Die umweltfreundliche Beschaffung von Futtermitteln kann von allen Viehzuchtbetrieben angewendet werden. Allerdings kann die Verfügbarkeit zertifizierter Futtermittel zuweilen eingeschränkt sein. Darüber hinaus wird für zertifizierte Futtermittel oftmals ein geringer Aufpreis verlangt. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i59) Anteil zugekaufter Futtermittel, deren Nachhaltigkeit bescheinigt ist (%) (i60) kg CO2e pro kg Futter oder pro kg Fleisch oder pro l Milch in Bezug auf Futtermittel (b30) Der Zukauf von soja- und palmölbasierten Futtermitteln wird auf ein Minimum begrenzt; wenn sie dennoch zum Einsatz kommen, stammen sie nachweislich zu 100 % nicht aus Gebieten, in denen vor Kurzem eine andere Art der Landnutzung betrieben wurde. 3.6.6.    Erhaltung der Tiergesundheit Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, Verfahren zur Erhaltung der Tiergesundheit, zur Verringerung der Notwendigkeit tiermedizinischer Behandlungen sowie zur Minimierung der Krankheitsanfälligkeit und Sterblichkeit des Bestandes einzuführen: — Entwicklung eines Gesundheitsvorsorgeprogramms, in dem auch routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen (mindestens eine Vorsorgeuntersuchung pro Jahr) durch einen für die Tiere zuständigen Tierarzt vorgesehen sind und epidemiologische Daten der Region berücksichtigt werden. Die Untersuchungen (und erforderlichenfalls Behandlungen) können zusammen mit benachbarten Betrieben organisiert werden; — verantwortungsvoller Einsatz von Medikamenten, z. B. Reduzierung der Einsatzhäufigkeit auf das erforderliche Mindestmaß und Wechsel der Tierarzneimittel, um Resistenzen von Pathogenen vorzubeugen; — Gewährleistung einer gesunden Ernährung sämtlicher Tiere; — Vermeidung der Mischung nicht verwandter und einander fremder Tiere unterschiedlichen Alters auf derselben Weide: Junge Tiere sind anfälliger für innere Parasiten und sollten auf sauberen ( 26 ) Weiden grasen; — gemischte oder abwechselnde Beweidung mit anderen Arten, z. B. Rinder und Lämmer, zur besseren Kontrolle innerer Parasiten; die Reihenfolge Schafe-Rinder-Pferde gilt als optimal; — Festlegung von Quarantänezeiträumen für Tiere, die neu auf den Betrieb kommen; — Fernhaltung des Tierbestands von Feuchtgebieten, um den Brutzyklus von Leberegeln zu durchbrechen; — Gewährleistung der schnellen Erreichbarkeit von Wasser und Überprüfung der Wasserqualität (z. B. pH, Gesamtfeststoffgehalt, Hauptmineralstoffe, Bakterien); — Erhaltung des Tierwohls auf der Grundlage des Prinzips der fünf Freiheiten ( 27 ) und nach den nationalen und europäischen Leitlinien für eine gute Tierhaltungspraxis. Anwendbarkeit Die Erhaltung der Tiergesundheit stellt für alle Viehzuchtbetriebe eine wichtige Maßnahme dar. Sie macht auch aus wirtschaftlichen Gründen Sinn, da gesunde Tiere produktiver sind. Um die Kosten zu senken und die Wirksamkeit zu verbessern, können benachbarte Betriebe gemeinsam ein Gesundheitsvorsorgeprogramm ausarbeiten und für eine gemeinsame Erbringung tierärztlicher Dienstleistungen sorgen. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i61) Gewichtszunahme der Tiere auf dem Betrieb (kg/Kopf/Zeiteinheit) (i62) Vorkommen veterinärmedizinischer Behandlungen pro Kopf über einen Zeitraum von einem Jahr (Anzahl/Jahr) (i63) Ein Gesundheitsvorsorgeprogramm wurde eingeführt (J/N) (b31) Der Betrieb führt systematische Kontrollen der Tiergesundheit und des Tierwohls durch und setzt ein Gesundheitsvorsorgeprogramm um, das mindestens einen Präventivbesuch pro Jahr durch einen Tierarzt vorsieht. 3.6.7.    Herdenmanagement Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, das Herdenmanagement zu optimieren, um die durch enterale Fermentation verursachten Methanemissionen zu mindern und die Ressourceneffizienz durch Produktivitätssteigerungen zu optimieren. Dies kann mithilfe der folgenden Maßnahmen erreicht werden: — Optimierung des Schlachtalters anhand von Wachstumskurven auf Basis der täglichen Gewichtszunahme gegenüber der enteralen Fermentation; — Verlängerung der Lebensdauer der Tiere durch die Verbesserung der Tiergesundheit (siehe bewährte Umweltmanagementpraxis 3.6.6); — Optimierung der Fertilitätsrate: Hohe Fruchtbarkeitsraten tragen zu geringeren Treibhausgasemissionen bei, indem die Zahl der auf dem Betrieb gehaltenen Ersatztiere gesenkt und die Zahl der mit Milch zur Unterstützung der Rindfleischproduktion aufgezogenen Kälber erhöht wird. Anwendbarkeit Das Herdenmanagement ist auf alle Viehzuchtbetriebe anwendbar, unabhängig von ihrer Größe. Jedoch wird gegebenenfalls Fachpersonal benötigt oder den vorhandenen Mitarbeitern muss Zeit für den Erwerb der entsprechenden Kompetenzen und Kenntnisse eingeräumt werden; in manchen Fällen steht dies einer Umsetzung aufseiten kleiner Betriebe entgegen. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i64) Alter zum Schlachtzeitpunkt (Monate) (i58) Enterale Methanemissionen pro kg Fleisch oder l Milch (i61) Gewichtszunahme der Tiere auf dem Betrieb (kg/Großvieheinheit/Zeiteinheit) Nicht zutreffend 3.7.    Dungbewirtschaftung Dieses Kapitel ist für Viehzuchtbetriebe relevant, vor allem für intensiv wirtschaftende Rinderzuchtbetriebe. Bewährte Praktiken für die Dungbewirtschaftung in der intensiven Schweine- und Geflügelproduktion werden im Referenzdokument über die besten verfügbaren Techniken für die Intensivhaltung von Schweinen oder Geflügel ( 28 ) behandelt. 3.7.1.    Effiziente Stallungen Diese bewährte Umweltmanagementpraxis konzentriert sich auf die Verringerung der Ammoniakemissionen aus Rinderställen im Zusammenhang mit der Dungbewirtschaftung bei gleichzeitiger Verringerung der Methanemissionen aus den Ställen. Die wichtigsten Planungskriterien für effiziente Stallungen sind: — Minimierung der mit Dung verschmutzten Fläche, z. B. durch den Einbau eines Rillenbodens und einer automatisierten Bodenreinigung; — Aufrechterhaltung einer möglichst niedrigen Temperatur und Luftgeschwindigkeit über dem Dung und/oder den mit Exkrementen beschmutzten Flächen durch den Einbau einer Dachdämmung und einer automatisch gesteuerten natürlichen Belüftung sowie von Öffnungen, die nicht der Hauptwindrichtung zugewandt sind; — Sauber- und Trockenhaltung aller Bereiche innerhalb und außerhalb der Stallungen; — zügige Entfernung der Exkremente und schnellstmögliche Trennung von Kot und Urin; — Beseitigung von Ammoniakemissionen aus der Abluft großer Käfighaltungen mithilfe von Säureschrubbern oder Biorieselbettreaktoren. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann von allen Rinderzuchtbetrieben angewendet werden. Sie kann beim Bau neuer Stallungen oder der Renovierung bestehender Stallungen sehr kostengünstig umgesetzt werden. Mit hohen Investitionskosten einhergehende Maßnahmen wie etwa die chemische Reinigung mögen zwar in großen geschlossenen Molkereisystemen anwendbar sein, sind dies jedoch nicht in typischen Molkerei- und Mastrinderbetrieben. Mögliche Konflikte zwischen der Verringerung von Umweltfolgen und der Tiergesundheit sollten durch effiziente Rinderställe gelöst werden. In manchen Fällen können bei der Reduzierung von Ammoniak- und Methanemissionen die besten Ergebnisse erzielt werden, indem vor einer Verbesserung der Stallgestaltung zunächst die Zeit, die die Tiere im Stall verbringen, minimiert wird. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i65) Einbau von Rillenböden und einer automatisierten Bodenreinigung (J/N) (i66) Ammoniakemissionen in Ställen pro Großvieheinheit und Jahr (kg NH3/Großvieheinheit/Jahr) (b32) Einbau eines Rillenbodens, einer Dachdämmung und automatisch gesteuerter natürlicher Belüftungssysteme in Stallungen. 3.7.2.    Anaerobe Vergärung Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, Gülle und Dung in einem auf dem Betriebsgelände befindlichen anaeroben Vergärungssystem oder in einer angrenzenden anaeroben Vergärungsanlage aufzubereiten, um Biogas zu erzeugen, das aufgefangen und zur Erzeugung von Wärme und Strom verwendet oder zu Biomethan aufbereitet werden kann (zur Ersetzung fossiler Brennstoffe). Bei der anaeroben Vergärung wird organischer Stickstoff zudem in Formen umgewandelt, die die Pflanzenaufnahme erleichtern und auf diese Weise den Düngemittelwiederbeschaffungswert von Gülle und Dung verbessern. Die Ergänzung von Gülle und Dung mit anderen auf dem Hof anfallenden organischen Rückständen ( 29 ) kann die geringere Verfügbarkeit von Ausgangsstoffen während der Weidesaison ausgleichen und die betriebliche Stabilität garantieren sowie die konstante Produktion von Biogas aufrechterhalten. Die beste Umweltleistung kann mit anaeroben Vergärungssystemen erreicht werden, indem durch gasdichte Gärrestspeicher Speicherverluste von Methan und Ammoniak vermieden werden. Die folgenden Optionen kommen für Viehzuchtbetriebe in Betracht: — anaerobe Vergärung von durch den Viehzuchtbetrieb anfallendem Fest- und Flüssigmist auf dem Betriebsgelände; — anaerobe Vergärung von aus mehreren Viehzuchtbetrieben stammendem Fest- und Flüssigmist auf dem Betriebsgelände; — anaerobe Vergärung organischer Abfälle auf dem Betriebsgelände, die sowohl auf dem Hof anfallen als auch aus anderen Quellen stammen können; — Transport der organischen Abfälle des Hofes (einschließlich Gülle und Dung) zur Aufbereitung in eine angrenzende zentralisierte anaerobe Vergärungsanlage unter der Voraussetzung, dass die Gärrückstände später effizient als Dünger auf Agrarflächen eingesetzt werden können. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann von allen Viehzuchtbetrieben angewendet werden und ist besonders relevant für gemischte Betriebe mit großen (kohlenstoffarmen) Flächen, die für Kulturpflanzen oder Gartenbaugewächse genutzt werden und die von einer Ausbringung der Gärrückstände profitieren würden. Gülle eignet sich für die anaerobe Vergärung besser als fester Mist, der kompostiert werden kann; allerdings ist es möglich, anaerobe Vergärungsanlagen mit geringeren Mengen Dung zu beschicken. Der Umfang der Umsetzung und die Kapazität der Anlage sind Schlüsselelemente, die die wirtschaftliche Tragfähigkeit der betriebsinternen anaeroben Vergärung beeinflussen. Darum stellt die Zusammenarbeit mit benachbarten Betrieben oder lokalen Entsorgungsunternehmen unter Umständen eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung dieser bewährten Umweltmanagementpraxis dar. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i67) Anteil von auf dem Hof anfallendem Fest- und Flüssigmist, der in einem anaeroben Vergärungssystem aufbereitet wird, von wo aus die Gärrückstände auf die landwirtschaftlichen Flächen zurückgeführt werden (%) (i68) Menge der Gärrückstände, die als Dünger wieder auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Betriebs ausgebracht werden (kg/Jahr) (b33) 100 % der auf dem Hof anfallenden Gülle werden in einem anaeroben Vergärungssystem mit gasdichter Gärrestlagerung aufbereitet, von wo aus die Gärrückstände auf die landwirtschaftlichen Flächen zurückgeführt werden 3.7.3.    Trennung von Gülle und Gärrückständen Die bewährte Umweltmanagementpraxis besteht darin, die auf dem Hof anfallende Gülle oder die Gärrückstände aus der betriebsinternen anaeroben Vergärung vor der Lagerung und Ausbringung auf den Agrarflächen in feste und flüssige Bestandteile zu trennen. Diese Trennung ermöglicht eine präzisere Steuerung der in der Gülle bzw. den Gärrückständen befindlichen Nährstoffe, da im Flüssiganteil mehr Stickstoff und im Festanteil mehr Phosphor enthalten ist. In der Tat weisen Gülle und Gärrückstände verglichen mit dem Stickstoffgehalt einen vergleichsweise hohen Anteil an pflanzenverfügbarem Phosphor auf. Die Trennung kann dazu beitragen, eine Überlastung der Böden mit Phosphor zu vermeiden und die organische Substanz und das Phosphor im Festanteil auf Felder zu verteilen, die vom Stall weiter entfernt sind. Hierfür gibt es mehrere Trennverfahren. Die Dekanterzentrifugation ist eines der effizientesten Verfahren für die Bindung von Phosphor und die Erzeugung eines trockeneren Festanteils. Die Trennleistung kann durch die Verwendung von Zusätzen wie Braunkohle, Bentonit, Zeolith, Kristallen und effizienten Mikroorganismen und/oder die Anwendung von Vorbehandlungen wie Ausflockung, Koagulation und Ausfällung verbessert werden. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpraxis kann von allen Viehzuchtbetrieben angewendet werden. Betriebe, in denen die Lagerung von Gülle nur begrenzt möglich ist, werden diese Praxis aufgrund des verringerten Güllevolumens als besonders vorteilhaft empfinden, während die Möglichkeit, Stickstoff unabhängig von Phosphor auszubringen für Betriebe in nitratgefährdeten Gebieten ausgesprochen wertvoll ist. Jedoch ist diese bewährte Umweltmanagementpraxis nicht für Betriebe geeignet, in denen der meiste Dung in Festmistsystemen wie beispielsweise für Tiefstreu (viele Rindermast- und Schafzuchtbetriebe) bewältigt wird, und sie ist für kleine Betriebe möglicherweise nicht wirtschaftlich rentabel. Umweltleistungsindikatoren und Leistungsrichtwerte Umweltleistungsindikatoren Leistungsrichtwerte (i69) Anteil der in Molkerei-, Schweine- und Geflügelbetrieben anfallenden Gülle, die vor der Lagerung getrennt wird (%) (i70) Anteil der aus einem betriebsinternen anaeroben Vergärungssystem stammenden Gärrückstände, die vor der Lagerung getrennt werden (%) (i71) Gezielte Ausbringung des Flüssig- und Festanteils entsprechend dem Bedarf an Pflanzennährstoffen und organischer Bodensubstanz (J/N) (b34) Die in Molkerei-, Schweine- und Geflügelbetrieben anfallende Gülle oder der dort entstehende Gärrückstand wird bedarfsgerecht in Flüssig- und Festanteile getrennt, die entsprechend dem Bedarf an Pflanzennährstoffen und organischer Bodensubstanz ausgebracht werden. 3.7.4.    Geeignete Gülleaufbereitungssysteme und Lagerungssysteme für Gülle oder Gärrückstände Wenn es keine Möglichkeit zur anaeroben Vergärung von Gülle ( 30 ) gibt, besteht die bewährte Umweltmanagementpraxis darin, Techniken anzuwenden, die die Ammoniakemissionen (NH3) reduzieren und gleichzeitig mit Blick auf die Ausbringung der Gülle auf landwirtschaftlichen Flächen einen hohen Nährstoffgehalt des Dungs beibehalten. Hierzu dienen die folgenden Maßnahmen: — Gülleansäuerung: Der pH-Wert der Gülle wird unter Verwendung eines sauren Reagens, z. B. Schwefelsäure (H2SO4) gesenkt. Der niedrigere pH-Wert trägt sowohl zur Verringerung von Krankheitserregern als auch zur Reduzierung von Ammoniakemissionen bei. — Güllekühlung: Die Kühlung mindert die Ammoniakverdunstung im Stall — und somit die Ammoniakemissionen — und trägt außerdem zu einem verbesserten Tierschutz bei. — Geeignete Güllelagerungssysteme: Verkleinerung der Oberfläche, an der es zu Emissionen kommen kann, indem künstliche oder natürliche Abdeckungen auf den Güllelagerstätten angebracht werden und/oder die Tiefe der Lagerbehälter erhöht wird. Neue Güllelagerbehälter werden als große Tanks (> 3 m Höhe) mit einer dicht schließenden Klappe oder einem Zeltdach konstruiert; bestehende Lagerbehälter werden nach Möglichkeit mit einer dicht schließenden Klappe oder einem Zeltdach, anderenfalls mit einer Schwimmdecke (z. B. Abdeckung aus Folie oder Blähton-Leichtzuschläge (Lightweight Expanded Clay Aggregate, LECA)) ausgestattet; bestehende Güllelagunen werden mit einer Schwimmdecke (z. B. Abdeckung aus Folie oder Blähton-Leichtzuschläge) ausgerüstet. — Schaffung einer angemessenen Güllelagerkapazität, um die Ausbringung der Gülle im Hinblick auf Bodenverhältnisse und Nährstoffmanagementplanung zeitlich zu optimieren. Zum Beispiel sollten alle Betriebe dafür sorgen, dass die Güllelagerkapazität den nationalen Anforderungen für nitratgefährdete Gebiete entspricht, ganz gleich, ob sie sich in einem nitratgefährdeten Gebiet befinden oder nicht. Was sich für Güllelagersysteme bewährt hat, hat sich ebenfalls bei Lagerbehältern für anaerobe Gärrückstände bewährt. Anwendbarkeit Diese bewährte Umweltmanagementpra

Quellenbestand vom 5. Oktober 2026. Die Sammlung wird schrittweise erweitert. Dokumentfassungen sind nicht mit der Zahl eigenständiger Gesetze gleichzusetzen.